Argumente


Teil 2 von 5: Gründe für die Existenz (eines) Gottes


Grund I: Gott ist eine mögliche Erklärung dafür, warum unser Universum existiert.

Sie stimmen mir vielleicht zu: Alles, was einen zeitlichen Anfang hat, hat auch eine Ursache für seine Existenz. Und wer hier noch zögert, der sei auf die hohe Plausibilität dieser Aussage sowie auf die Tatsache verwiesen, dass sie sowohl im Alltag als auch in den Naturwissenschaften permanente Anwendung findet. Die Annahme, dass alles, was einmal angefangen hat zu existieren, auch eine Ursache für sein Dasein braucht, erscheint mir daher nicht allzu sehr gewagt – im Gegenteil.

Alles andere als gewagt ist heutzutage auch die Aussage, dass unser Universum einst angefangen hat, zu existieren – also nicht bereits unendlich lange existiert. Das stützen insbesondere zwei zentrale Befunde der physikalischen Kosmologie:

Zum einen der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der, grob gesprochen, besagt, dass ein abgeschlossenes physikalisches System ständig und unumkehrbar in einen Zustand höherer „Entropie“ (in etwa: Unordnung bzw. einheitliche Energieverteilung) übergeht. Da unser Universum den Zustand maximaler Entropie allerdings noch nicht erreicht hat – was erkennbar am so genannten „Entropie-“ bzw. „Wärmetod“ des Weltalls wäre – kann es keine unendlich lange Vergangenheit haben.

Zum anderen geht auch das Standardmodell der physikalischen Kosmologie von einem expandierenden Universum mit einem zeitlichen Anfang aus: Raum, Zeit, Energie und Materie – sprich unser Universum – haben vor etwa 13,8 Milliarden Jahren mit einer Singularität, dem so genannten „Urknall“, angefangen zu existieren. Selbst neueste Analysen bestätigen das Standardmodell, die heute anerkannte kosmologische Theorie zur Entstehung und Entwicklung des Weltalls.

Aber natürlich haben gerade die Physiker, die die Annahme eines Singularität und die damit verbundene Ansicht stört, dass es eine generelle Grenze naturwissenschaftliches Erklärens gibt, in den letzten Jahren eine ganze Reihe von kosmologischen Alternativmodellen vorgeschlagen: Das Spektrum reicht hier von einem pulsierenden Universum über sich permanent weiterverzweigende Tochter-Universen bis hin zu Vorstellungen zyklischer Universen-Ketten, so dass ein Universum sogar seine eigene Ursache sein könnte.

Der allseits bekannte Astrophysiker Steven Hawking schreibt z.B. in seinem Buch „Der große Entwurf“: „Weil es ein Gesetz der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen.“ Der theoretische Physiker Lawrence Krauss vertritt hingegen die Ansicht, dass Quanten-Fluktuationen im Vakuum das Universum ins Dasein gebracht haben.

Die Vielzahl an alternativen Erklärungsansätzen darf nun allerdings nicht so verstanden werden, als würde sie die Dominanz des kosmologischen Standardmodells ins Wanken bringen – dem ist nicht der Fall. Nach wie vor wird dieses Modell, selbst von religionskritischen Physikern, kaum in Frage gestellt.

Das soll freilich nicht heißen, dass jeder hochqualifizierte Physiker auch automatisch Atheist ist. Dazu gibt es dann doch viel zu viele von ihnen, die von der Existenz Gottes ausgehen; immerhin waren und sind sogar einige der bedeutendsten Physiker des 20. und 21. Jahrhunderts davon überzeugt, allen voran der Nobelpreisträger Max Planck sowie der (nobelpreiswürdige) Quantenphysiker Anton Zeilinger.

Mit angesehenen Religionsphilosophen wie Alvin Plantinga oder Richard Swinburne teilen sie den Standpunkt, dass die Ursache des Universums größer sein muss als das Universum selber. Anders formuliert gehen sie davon aus: Weil sich Dinge wie Raum, Zeit, Energie und Materie nun einmal nicht selbst erschaffen haben können, hat etwas hinter Raum, Zeit, Energie und Materie sie erschaffen.

Nun gibt es logisch gesehen nur zwei Möglichkeiten, auf die diese Beschreibung zutrifft: Entweder handelt es sich um dabei ein abstraktes Objekt (wie eine Zahl) oder um eine zeitlose, raumlose und immaterielle Entität. (Das immer wieder gerne zitierte „Fliegende Spaghettimonster“ als Wesen, das aufgrund seiner Eigenschaft eben nicht materielos ist, fällt somit als möglicher Kandidat heraus.)

Da abstrakte Zahlen aber nichts verursachen können, machen Leute wie Plantinga immer wieder darauf aufmerksam, dass wir es gerade mit keiner unvernünftigen Annahme zu tun haben, wenn wir sagen: Es ist plausibel anzunehmen, dass unser Universum von einem transzendenten Wesen erschaffen wurde – also etwas, was hinter Raum, Zeit, Energie und Materie steht. Es ist natürlich erlaubt, diesen Standpunkt kritisch zu hinterfragen. Das wurde auch schon des Öfteren getan, z.B. mit dem folgendem: Einwurf:

Wenn alles erschaffen wurde, wer erschuf dann Gott?

Diese Frage ist gut, lässt sich allerdings auch gut beantworten. Vor der Schöpfung war nur Gott, sonst nichts. Wenn Christen aber sagen, Gott sei der Schöpfer, meinen sie ja nicht nur, dass er feste Gegenstände wie Planeten oder Bäume erschaffen hat. Sie meinen damit, dass er wirklich alles erschaffen hat. Alles, was man sich vorstellen kann; jede einzelne Existenz auf jeder Ebene und in jeder Dimension war einst nicht, bevor Gott sie erschuf.

Das heißt, dass Gott sogar Ideen erschuf. Er erschuf also nicht nur das konkrete Universum aus Quantenfeldern, Gasen, festen Körpern und Flüssigkeiten; er erschuf auch alle abstrakten Wirklichkeiten wie z.B. Güte, Sinn oder Logik. Diese Ideen existierten nicht, bevor er sie erschuf. So wie es keine Bäume gab, ehe Gott den ersten Baum erschuf, so gab es auch keinen Anfang, ehe Gott den ersten Anfang erschuf.

Der Einwand beruht also auf einem Missverständnis. Man kann schlecht fragen: „Wer erschuf Gott?“, weil bereits die Idee des Erschaffens Gottes Idee war. So etwas wie eine Schöpfung gab es nicht, bevor Gott sie erschuf.

In den Ausführungen spiegelt sich auch die oben skizzierte Definition Gottes von Anselm wider: Wer fragt, wer Gott erschaffen hat, der spricht eben noch nicht von Gott – sprich dem in jeder Hinsicht größten vorstellbaren Wesen, sondern denkt nur an irgendeine Zwischeninstanz, eine Art „Weltenbaumeister“. Ein stimmiger Gottesbegriff muss dagegen immer ein Grenzbegriff sein; das dadurch gemeinte Objekt muss so beschaffen sein, dass weitere Erklärungsforderungen darüber hinaus nicht mehr sinnvoll sind.

Aber vielleicht haben Sie auch ganz andere Rückfragen, die Ihnen den kosmologischen Erklärungsansatz, der Gott mitdenkt, unplausibel erscheinen lassen. Wenn dem so ist, stellen Sie sie gerne. Mir persönlich erscheint dieser kosmologische Grund aber ein sehr gewichtiges Argument dafür, die Frage nach der Existenz Gottes als „plausibel“ bzw. „möglich“ zu beurteilen.

Und bitte nicht vergessen: Die unbestrittene Tatsache, dass es auch rein naturwissenschaftliche Erklärungen für die Entstehung unseres Universums gibt, ist unrelevant für die Frage, ob der Erklärungsansatz, der Gott mitdenkt, plausibel ist oder nicht.


Grund II: Gott ist eine plausible Erklärung dafür, warum unser Universum „funktioniert“.

Der postmoderne Philosoph Heinzpeter HempeImann hat zu Recht bemerkt, dass sich in Teilen noch recht unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit eine Revolution im Weltverständnis der Naturwissenschaften in den letzten 25 Jahren zugetragen hat.

Diese Revolution ist umso beachtenswerter, als sie sich wissenschaftlicher Wahrnehmungen unterschiedlicher Fakultäten verdankt: Das Leben auf unserem Planeten ist das Ergebnis des präzisen Zusammenspiels einer Summe von Gegebenheiten, ich nenne nur einmal vier Beispiele von vielen:

  • Bei einer Abweichung im Verhältnis der starken Kernkraft zu der elektromagnetischen Kraft von 1:1016 wäre die Bildung von Sternen nicht möglich. Ohne Sterne aber kein Universum und letztendlich kein Planet Erde.
  • Eine Änderung im Kräfteverhältnis von Expansion und Gravitation um nur 1:1055 zur Planckzeit, also kurz nach der Entstehung des Universums vor ca. 13,8 Milliarden Jahren, hätte entweder zu einer zu schnellen Ausdehnung des Universums ohne Galaxienbildung oder zu einer zu langsamen Ausdehnung mit der Konsequenz eines rapiden Zusammenbruchs geführt.
  • Der renommierte theoretische Physiker und Mathematiker Sir Roger Penrose hat ausgerechnet, dass die Zielgenauigkeit bei der Entstehung unseres Universums bei der unvorstellbar kleinen Zahl von 1:1023 gelegen haben muss.
  • Der Abstand von Erde und Sonne muss genau stimmen, wenn Leben auf der Erde möglich sein sol. Eine Änderung der Distanz um nur 2% würde alles Leben beenden. Auf der Erde wäre es dann entweder zu warm und alles Wasser würde verdunsten, oder zu kalt, und alles Leben würde einfrieren.

Es kommt also nicht von ungefähr, wenn ein Martin Rees, emeritierter Professor der Kosmologie und Astrophysik in Cambridge und einer der bedeutendsten Astronomen der Gegenwart, sagt, dass

„wherever physicists look, they see examples of fine tuning“.

Auch David Deutsch, Inhaber eines Lehrstuhls an der Oxford University und einer der bekanntesten Vertreter der „Viele-Welten-Theorie“, ist der Ansicht:

„If anyone claims not to be surprised by the special features the universe has, he is hiding his head in the sand. These special features are surprising and unlikely.“

Und selbst ein Stephen Hawking sagt:

„The remarkable fact is that the values of these numbers seem to have been very finely adjusted to make possible the development of life.“

Und natürlich gilt es auch in diesem Fall: Die feine Abstimmung, die selbst Größen wie Rees, Deutsch und Hawking nicht leugnen, lässt nicht den Schluss zu sagen: „Gott muss dahinter stecken!“ Nein, es gibt auch andere plausible Erklärungsansätze, die ohne Gott auskommen. Die bereits angesprochene Idee eines „Multiversums“, das Leute wie Deutsch oder auch Richard Dawkins vertreten, mag zwar spekulativ, aber nichtsdestotrotz diskutierbar sein.

Nun lautet die in unserem Rahmen aber wichtige Frage ja, ob eine transzendente Quelle hinter dieser Feinabstimmung stecken könnte – sprich: ob ein deistischer bzw. theistischer Erklärungsansatz möglich ist. Und bei allem Respekt vor den atheistischen Ansätzen sehe ich nicht, inwiefern sie die Möglichkeit unmöglich gemacht haben, dass die Feinjustierung unseres Universums auf (einen) Gott zurückgeführt werden kann.

Nein, auch diese Annahme passt zu den wissenschaftlichen Befunden; sie ist freilich nicht die einzig mögliche, doch aber eine gute mögliche Erklärung für die Feinabstimmung. Ich bin daher der Überzeugung, dass auch die Aussage, Gott ist eine plausible Erklärung dafür, warum unser Universum funktioniert, nicht abwegig ist.

Aber vielleicht sind Sie da skeptisch und haben kritische Rückfragen an die Aussage, dass die Feinjustierung des Universums auf (einen) Gott zurückgeführt werden kann. Auch hier gilt: Stellen Sie sie gerne! Aber vielleicht erscheint Ihnen die Aussage auch gar nicht so abwegig. So ist zumindest meine Überzeugung.


Grund III: Gott ist eine mögliche Erklärung dafür, warum es universelle moralische Werte gibt.
 

Um es gleich vorab zu sagen: Die Erfahrung zeigt, dass natürlich auch glaubenskritische Menschen ein tugendhaftes Leben führen. An keinen Gott zu glauben bedeutet natürlich nicht, gleich ein unethisches und brutales Unwesen zu sein. Nein, natürlich muss man nicht an Gott glauben, um moralisch leben zu können.

Darum geht es mir auch gar nicht, ich frage „nur“: Was ist die Ursache dafür, dass es moralische Werte gibt, die universell sind? Oder anders formuliert: Was ist der Ursache dafür, dass es moralische Werte gibt, die unabhängig von der Meinung anderer Menschen sind – egal, ob jemand sie als wertvoll ansieht oder nicht?

Nun ist die Kontroverse, ob es so etwas wie „universelle Moral“ überhaupt gibt, keine kleine. Und um es vorweg zu nehmen: Nicht nur Christen, sondern auch viele Atheisten gehen von deren Existenz aus. Im Grunde stimmen wir hier immer dann zu, wenn wir sagen, dass eine moralische Einstellung besser sein kann als eine andere. Denn genau dann legen wir an beide einen Maßstab an.

Wir sagen damit, die eine kommt der idealen Norm mehr, die andere weniger nahe. Wir vergleichen beide mit einer höchsten sittlichen Idee und bestätigen, dass es so etwas wie eine letzte „Richtigkeit“ gibt – unabhängig von dem, was Menschen denken – und dass die Einstellungen mancher Menschen dieser letzten Richtigkeit eben näher kommen als die von anderen. Wenn wir unsere moralischen Ansichten als besser ansehen als die anderer, dann muss es etwas geben (die letzte „Richtigkeit“ nämlich), woran beide Einstellungen gemessen werden können. Um dies zu verdeutlichen, folgen drei Realbeispiele:

  1. In Uganda ist die hochgradige Diskriminierung von Menschen, die sich zu ihrer homosexuellen Orientierung bekennen, gesellschaftlich akzeptiert.
  1. In Somalia werden Menschen mit Behinderung als Menschen geringeren Wertes angesehen; die erhebliche Diskriminierung ihnen gegenüber gilt daher als gesellschaftlich akzeptiert.
  1. In Pakistan ist die gezielte Verfolgung und Diskriminierung von Atheisten ein tief verwurzeltes Gedankengut und gesellschaftlich akzeptiert.

Ich bin nun der Meinung, dass eine Gesellschaft, in der Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht diskriminiert werden, moralisch besser handelt als eine Gesellschaft, in der dies der Fall ist. Ich denke auch, dass eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung diskriminiert werden, moralisch schlechter handelt als eine, in der dies nicht der Fall ist. Und ich bin auch der Ansicht, dass eine Gesellschaft, in der Menschen aufgrund ihrer Weltanschauung nicht diskriminiert werden, moralisch besser handelt als eine Gesellschaft, in der dies der Fall ist wird.

Und ich stehe mit meinem Denken auch nicht alleine da: Die allermeisten Menschen sind – zu Recht – empört über die Verhältnisse in Uganda, Somalia und Pakistan und sagen frei von der Leber weg:

„Wenn es dort gesellschaftlich akzeptiert ist, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung,  Behinderung oder Weltanschauung hochgradig zu diskriminieren, dann läuft dort etwas falsch. Anscheinend ist es um das Moralverhalten in diesen Gesellschaften nicht so gut bestellt wie in Ländern, die Menschen nicht diskriminieren.“

Wenn auch Sie zu den „Empörten“ gehören und sagen, dass eine moralische Einstellung besser sein kann als eine andere, legen auch Sie an beide Einstellungen einen Maßstab an. Und wie gesagt: Wenn wir eine moralische Ansicht einer bestimmten Gesellschaft als besser ansehen als die einer anderen, muss es sozusagen einen moralischen „Idealzustand“ geben, an dem wir beide Einstellungen messen können:

Eine der Einstellungen kommt dem „Idealzustand“ also näher als die andere; und diejenige, die weiter davon entfernt ist, über die sind wir – zu Recht – empört.

Vor diesem Hintergrund stellt sich freilich die Frage, woher diese universellen moralischen Werte kommen? Auch hier wäre es wieder einmal viel zu schnell zu sagen: Sie können ihren Ursprung nur in Gott finden. Denn freilich gibt es ja nicht nur Theisten, die von der Existenz universeller moralischer Werte ausgehen.

Selbst eine Vielzahl von atheistischen Moralethikern vertritt diesen Standpunkt höchst engagiert – natürlich liefern sie eine andere Antwort auf die Frage als Theisten, woher unsere objektive Moral stammt. Hier ein paar Beispiele:

Vertreter des so genannten „naturalistischen moralischen Realismus“ wie Julian Nida-Rümelin (Professor für Philosophie und politische Theorie an der LMU München) vertreten grob gesagt den Standpunkt, dass moralische Tatsachen mit gewöhnlichen natürlichen Tatsachen identisch sind oder durch diese begründet werden. Damit haben sie einen ganz ähnlichen Status wie biologische, psychologische und soziologische Tatsachen.

Vertreter des „nicht-naturalistischen moralischen Realismus“ wie George E. Moore halten moralische Tatsachen hingegen für Tatsachen suis generis [= von eigener Art], die weder mit natürlichen Tatsachen identisch sind noch durch sie begründet werden.

Wir sehen: Nicht nur Theisten, sondern auch atheistische Intellektuelle gehen von der Existenz universeller moralischer Werte aus. Ich bin mir natürlich bewusst, dass dieser kurze Einblick in diese weitläufigen Bereiche der Metaethik sie nur in gröbster Form skizzieren kann.

Er reicht aber sicherlich aus, um zu zeigen, dass der Deismus bzw. Theismus kein Erklärungsmonopol dafür hat, warum es universelle moralische Werte gibt. Die für uns aber zentrale Frage lautet ja: Bieten uns Deisten und Theisten einen möglichen bzw. intellektuell vertretbaren Erklärungsansatz dafür an, warum es solche Werte gibt?

Und auch hier sehe ich ehrlich gesagt keinen Grund dafür, inwiefern die atheistischen Erklärungen den Ansatz, der Gott mitdenkt, zunichte gemacht haben. Es ist meiner Ansicht nach – selbst bei der Berücksichtigung der atheistischen Erklärungsansätze – weiterhin problemlos zu sagen, dass Gott eine mögliche Erklärung für den Ursprung universeller moralischer Werte sein kann.


Ein erstes Ende

An dieser Stelle möchte ich mein Plädoyer für die Existenz Gottes erst einmal zu Ende bringen. Und wie schon zu Beginn angemerkt: Gott ist zwar nicht die einzige oder gar die beste, meiner Ansicht doch aber eine plausible Erklärung dafür, warum a) unser Universum angefangen hat, zu existieren b) unser Universum funktioniert und c) es moralische Werte gibt, die nicht relativ, sondern universell sind.

Es ist aber vollkommen in Ordnung, wenn Sie mit den verschiedenen Begründungen, die ich hierzu angeführt habe, nicht zufrieden sind. Kritische Anmerkungen und Rückfragen sind ja willkommen und für ein sachliches Gespräch stehe ich jederzeit gerne bereit.

Aber vielleicht stimmen Sie mir beim einen oder anderen Punkt auch zu und sind mit mir sogar einer Meinung, dass es gar nicht so unvernünftig ist zu sagen: Gott ist eine mögliche Erklärung für die Existenz unseres Universums und/oder die Feinjustierung unseres Universums und/oder für die Existenz universeller moralischer Werte.

Und selbst dann, wenn Sie nur bei einem einzigen Punkt zustimmen, geben Sie zu, dass Sie die Existenz Gottes für möglich halten. Das ist freilich eine gewaltige Ansage!

Und gerade weil an dieser Stelle immer wieder viele Leute sagen: „Naja, denkbar ist ja irgendwie alles! Warum sollte ich mich aber gerade für Gott interessieren?“, möchte ich Sie zu einem kurzen Gedankenexperiment einladen, um Ihnen die Tragweite dieser Erkenntnis vor Augen zu führen.


Ein abschließendes Gedankenexperiment

Stellen Sie sich kurz vor, ein Bekannter macht Ihnen (gut begründet) glaubhaft, dass am Ausgang der Ortschaft, in der Sie wohnen, ein Koffer mit 100.000€ versteckt liegt. Ich weiß, das ist nicht sehr realistisch, aber nehmen wir einmal an, es wäre wirklich so: Würden Sie sich nicht alsbald auf den Weg machen und die Aussage Ihres Bekannten überprüfen wollen?

Wahrscheinlich ja – denn zum einen stufen Sie seine Information ja als „möglich“ ein, zum anderen haben Sie auch nichts zu verlieren, wenn Sie sich auf die Suche begeben. Genauso ist es im Grunde bei der Suche nach Gott: Wenn Sie auch nur eines der vorgebrachten Argumente zum Schluss haben kommen lassen, dass die Existenz Gottes vielleicht doch möglich ist, spricht nichts Wichtiges mehr dagegen, sich auf die Suche nach ihm zu begeben.

Es ist freilich immer noch nicht gesagt, dass Ihre Suche letztendlich von Erfolg gekrönt ist – „möglich“ heißt schließlich nicht „definitiv“. Aber alleine schon die gut begründete Aussicht, dass das mit Gott vielleicht doch stimmen könnte, plus die Tatsache, dass Sie (außer etwas Zeit) nichts zu verlieren haben, wenn Sie sich auf die Suche begeben, dürften sicherlich schon genug Ansporn sein. Und natürlich dürfen und sollen Sie dabei auch nach wie vor Ihren gesunden Menschenverstand eingeschaltet lassen.


Ausblick: Was stimmt?

Wem die Denkrichtung, dass das mit Gott möglich ist, nun doch nicht mehr absurd erscheint, der ist ja immer noch nicht in ruhigen Fahrwassern. Im Gegenteil. Schauen wir nur einmal auf die Vielzahl an monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus, Bahaitum, Jesidentum und Zoroastrismus), so sehen wir, dass sie Aussagen treffen, die logisch gesehen nicht ko-existieren können – nur ein Beispiel:

Einer der zentralsten Aussagen im christlichen Glauben ist, dass Jesus den Tod am Kreuz fand und nach drei Tagen wieder von den Toten auferstanden ist. Ein engagierter Moslem lehnt diesen zentralen Kern strikt ab. Für ihn gilt, was im Koran (Sure 4, 157) steht:

„Sie haben ihn (= Jesus) weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so. Und diejenigen, die sich darüber uneinig sind, befinden sich wahrlich im Zweifel darüber. Sie haben kein Wissen darüber, außer daß sie Mutmaßungen folgen. Und sie haben ihn mit Gewißheit nicht getötet.

Nun kann es nicht sein, dass Jesus gekreuzigt (Christentum) und gleichzeitig nicht gekreuzigt wurde (Islam). Eine von beiden Seiten liegt falsch.

Wir sehen: Die Aussage „Alle haben irgendwie Recht!“ ist problematisch – zumindest dann, wenn man es ernst nimmt, was die verschiedenen Glaubensrichtungen von sich sagen.

Grund genug also, der Frage „Was stimmt“ im folgenden Abschnitt intensiver nachzugehen.

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Dieser Blog-Beitrag von Stephan Lange erschien zuerst auf mitdenkend.de . Lies hier den Original-Artikel "Argumente".

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