Neo-orthodoxe Hirten für Post-Hossa


Nicht erschrecken, wenn ich ausnahmsweise mal Werbung für Hossa-Talk mache. Aber in der allerneuesten Folge bin ich mit meiner kleinen popkulturellen Stammeswechsel-Allegorie selber mal Thema. Gofi Müller vermutet bei mir witzigerweise als Motiv Gefühle der Verzweiflung, Verlorenheit und Angst. „… einer der letzten Aufrechten zu sein, die sich noch an die alten Werte klammern“.

Was Du nicht weißt Gofi: Ich komme zwar tatsächlich aus einem konservativ-evangelikalen Umfeld, habe aber die darauf folgende grün-linksradikale Phase im Gegensatz zu Dir schon ein paar Jährchen wieder hinter mir. Viele Linksevangelikale haben diese neo-konservative Wiederentdeckung der Welt noch vor sich. Nach einer Phase des postmodernen Durcheinanders, des „anything goes!“ und „Häresie ist geil!“, in der sie es wie Ihr befreiend finden „Scheiße!“ und „ficken, ficken!“ zu schreien, werden nicht wenigen der Schädel brummen. Sie werden sich ausgetobt haben wie Grunge-Musiker, die Flanellhemd ausgezogen haben und jetzt Start-Ups leiten. Viele von ihnen werden sich nach dem großen Durcheinander theologisch wieder neu nach der  Orthodoxie ausstrecken. Dann sieht man die Welt aber nicht mehr als Konservativer wie früher sondern wie ich als Neo- oder Pop-Konservativer. Was wir brauchen ist ein neues popkulturelles Heimholungswerk für Linksevangelikale 🙂
Die ersten beginnen sich auf diesem Gebiet zu engagieren und ich bin einer von ihnen. Ich bin einer von denen, die sich demnächst aus einer Position der popkulturellen Awareness liebevoll um die von Euch ausgebrannt und verwirrt zurückgelassenen, linksevangelikalen Schäfchen der Post-Hossa-Ära kümmern werden und sie auf die Weiden smarter neo-orthodoxer Theologen führen werden …
… In einem hast Du aber Recht Gofi: Ja das ist Kulturkampf! Das ist ein Kampf um kulturelle Hegemonie wie ihn schon Antonio Gramsci beschrieben hat!
Liebe Grüsse Reinhard [OrthodoxPop]

HossTalk-Podcast #81 25:23-26:57 Gofi: „ähm … und dann die Diskussion auf Facebook, da war neulich mal wieder zu lesen, bei so nem konservativen Facebook-Troll [schallendes Gelächter von Jay und Gofi], der sich überall meldet und seinen Sermon abläßt [Jay:“Ich glaub, ich weiß wen Du meinst!“ Gelächter], der redet ständig davon … von einem Linksruck innerhalb der evangelikalen Bewegung, der ihm sehr zu schaffen macht. Er redet vom evangelikalen Establishment, was sich jetzt dem Zeitgeist angepasst hat und seine These ist, daß das so ne Art Stammeswechsel ist irgendwie. Man hätte den einen verlassen den der Konservativen und hätte sich jetzt dem der Progressiven angeschlossen. Und er glaubt die Begründung dafür … für diese Bewegung sei, daß die Frommen keine Lust mehr hätten uncool zu sein, sondern cool zu sein. Sich also dem Zeitgeist anzuschließen … also mehr in den Bereich der Diesseitigkeit wechseln [Der Weltlichkeit] … Das ist dann weltlich und Zeitgeist im Gegensatz zu Himmel und Heiliger Geist und jetzt Homosexualität nicht mehr schlimm finden und so. Und und was ich da an diesen an seinen Postings ausdrückt ist die ganze Verzweiflung … glaube ich … ist es … es ist ein Gefühl der Verlorenheit, vielleicht sogar ein Gefühl irgendwie auf der Verliererseite zu stehen [von Jay ein gehauchtes Ja]. Einer der letzten Aufrechten zu sein, die sich noch an die alten Werte klammern [Jay: Die sich nicht vor dem Baal gebeugt haben] … Das ist eigentlich keine theologische Auseinandersetzung, ich würde sagen, das ist ein Kulturkampf, der da ausgetragen wird.
http://gofi-online.de/hossatalk/ht81-keine-einheit-ohne-spannungen.mp3

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Dieser Blog-Beitrag von Reinhard Jarka erschien zuerst auf OrthodoxPop.de . Lies hier den Original-Artikel "Neo-orthodoxe Hirten für Post-Hossa".

About Reinhard Jarka

Reinhard Jarka, * 1963, Arzt & postprogressiver PopKonservativer, wiederverheiratet, fünf Kinder, Blogger & Indie-DJ, Pop-Journalist, Content-Manager, ehemaliger Chefredakteur HOS multimedica (Bertelsmann/Springer) Kindheit und Jugend im nordhessischen Pietismus, dann 15 Jahre postevangelikaler Skeptiker, Wiedereinstieg als Charismatiker mit anschließender Ernüchterung durch Reformierte Theologie (New Reformed: Piper, Driscoll, Keller), 2012 erstmals Teilnahme am "Evangelium 21"-Kongress in Hamburg. Aktuell Mitglied EKD-Gemeinde Brück bei Pfarrer Helmut Kautz und Besuch der LKG Werder. Seit 2017 Mitglied beim "Netzwerk für Bibel und Bekenntnis"

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