Wo wir sind, ist Mitte!

>>…Denn da, wo WIR GERADE sind, da ist die Mitte; und wer sich anders als WIR selbst verhält, der muss schon gute Gründe haben.<<
Hans-Joachim Eckstein

Dieses „Eckstein-Gedicht“ ist für mich die wunderbare Beschreibung des Lebensgefühls einer ganzen evangelikalen Generation ehemals theologisch-konservativer Weggefährten. Weggefährten, die sich gemeinsam auf den langen Weg ins gelobte Land der liberalen Theologie gemacht haben und und nun „Evangelikalien“ damit modernisieren wollen, damit die progressive Jugend nicht mehr mit Republikflucht droht. Eine Generation, die ihre Stärke auch heute noch aus ihren Netzwerken zieht.
Und so bewegen sich alle gemeinsam jeden Tag einen kleinen Schritt weiter in Richtung dieser Theologie, die ihr Äquivalent im linken Zeitgeist hat und weil ihr gesamtes Netzwerk mitwandert haben sie das Gefühl daß da, wo sie GERADE sind, die Mitte ist. So ist eine ganze vernetzte Generation von evangelikalen Theologen unterwegs durch die Zeit die sich gegenseitig wärmt, ermutigt, Macht teilt und die sich selbstbewusst zuruft: Wo wir sind, ist Mitte!

Ehrlich gesagt habe ich persönlich überhaupt kein Problem mit der politischen Mitte Deutschlands, denn eigentlich verorte ich mich dort ebenfalls. Wenn die FDP nicht so eine starke LGBT-Lobby hätte, so wäre das für mich als politisch popkonservativ-liberal und theologisch orthodox denkenden Menschen die Partei der Wahl. Das Problem, welches ich mit dieser an den Schalthebeln der Macht sitzenden Generation der Mitte-Evangelikalen habe ist, dass sie nicht wirklich ausgewogen sind. Sie lassen einerseits dem progressiven evangelikalen Nachwuchs alle Freiheiten. In den emergenten Hossa- und Tabor-Kreisen gilt es mittlerweile als schick sich offen als Sympathisant der LINKEN zu outen.
Alles was dagegen politisch rechts vom linken Merkel-Flügel der CDU steht wird im besten Falle kulturell belächelt meist aber verdammt und ausgegrenzt.

Was also tun? Das Grundübel für all diese Entwicklungen ist das Eindringen der liberalen Theologie in die evangelikalen Ausbildungsstätten und damit in die Gemeindeleitungen. Wir brauchen daher eine Schulung und Empowerment des Gemeinde-Mittelbaus, der Ältesten und Mitarbeiter und vor allem WIR die von den kirchlichen Machtzirkeln Unabhängigen müssen die Organisation dazu selber in die Hand nehmen. Selbstverständlich brauchen wir hierfür dringend das theologische Wissen der wenigen noch verbliebenen konservativen Theologen. Aber wir dürfen wegen ihren beruflichen Abhängigkeiten nicht von ihnen verlangen, sich mit in einen risikoreichen konfrontativen Kurs einzureihen. Wir müssen einen didaktischen Gegenpol zu den evangelikalen Ausbildungsstätten bilden und brauchen eine Art evangelikale Gemeinde-Volkshochschule im Internet, die den Gemeindemitgliedern Apologetik und biblische Lehre vermittelt. Apologetik ist in diesen Tagen leider nicht nur gegenüber einer Generation von Skeptikern notwendig, sondern zunehmend auch gegenüber den Pastoren der evangelikalen Netzwerke.

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Dieser Blog-Beitrag von Reinhard Jarka erschien zuerst auf OrthodoxPop.de . Lies hier den Original-Artikel "Wo wir sind, ist Mitte!".

About Reinhard Jarka

Reinhard Jarka, * 1963, Arzt & postprogressiver PopKonservativer, wiederverheiratet, fünf Kinder, Blogger & Indie-DJ, Pop-Journalist, Content-Manager, ehemaliger Chefredakteur HOS multimedica (Bertelsmann/Springer) Kindheit und Jugend im nordhessischen Pietismus, dann 15 Jahre postevangelikaler Skeptiker, Wiedereinstieg als Charismatiker mit anschließender Ernüchterung durch Reformierte Theologie (New Reformed: Piper, Driscoll, Keller), 2012 erstmals Teilnahme am "Evangelium 21"-Kongress in Hamburg. Aktuell Mitglied EKD-Gemeinde Brück bei Pfarrer Helmut Kautz und Besuch der LKG Werder. Seit 2017 Mitglied beim "Netzwerk für Bibel und Bekenntnis"

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