Das Gespräch des Herzens

Das Gespräch des Herzens

„Hi grüß, dich, hab dich länger nicht gesehen, wie gehts so?“ – „Gut soweit“ ist die Antwort, „ich mach gerade eine Weiterbildung und hab in vier Wochen die Prüfungen, das ist alles ein bisschen viel, aber da muss man eben durch.“
Ganz tief in ihr drin ist eine Anklage gegen ihre Schwiegermutter, sie wollte, dass ihre Schwiegermutter sich öfter um ihre Kinder kümmern würde, damit sie mehr Zeit für ihre gesellschaftlichen Ambitionen hätte. Aber sie sagt es nicht, weil die Schwiegermutter eben nicht mehr Zeit für die Kinderbetreuung investieren will. Aber dennoch grummelt dieser Gedanke im Untergrund herum. Ab und zu ist er wie ein Hintergrundgeräusch im Unterbewusstsein zu hören. `Meine Schwiegermutter oder mein Mann oder sonst irgendjemand sollte sich mehr um die Kinder kümmern. Ich bin überlastet, es ist alles zu viel. Hilfe.´ Oder: `Ich werde nicht wertgeschätzt hier, für das was ich tue bekomme ich nicht genügend Lob oder Anerkennung.´

Solche Gedanken tummeln sich oft eher unterschwellig in etwas tieferen Ebenen der Gedankenwelt. Es ist wichtig, sie zu kennen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Sie müssen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen. Aber es ist wichtig, darüber Bescheid zu wissen, was sind die verborgenen Gedanken unseres Herzens!?

Seit zehn Jahren ist Freiligrath Müller in der Firma als stets gutgelaunter Arbeitnehmervertreter und Mitarbeiter der Personalabteilung bekannt. Allgemein wird erwartet, dass er demnächst zum Abteilungsleiter befördert werden wird. Was keiner weiß: Freiligrath Müller wird demnächst nicht mehr zur Arbeit erscheinen, er wird seine Frau und seine Kinder verlassen und sich zurückziehen in die Einsamkeit. Er wird mit dem Boot über Seen paddeln und weite Wege wandern. Er wird das Leben eines Obdachlosen führen ganz ohne Zwang, für ein gutes Betriebsklima in der Firma oder zu Hause sorgen zu müssen. Obwohl seine Entscheidung aussah wie ein plötzlich aufbrechender Staudamm, war es doch nur der Vollzug dessen, was er innerlich gesprochen hatte. Es waren die Sätze: `Ich kann nicht mehr, ich mach das nicht mehr mit, ich will das nicht mehr haben´ – die er niemals aussprach, denen er niemals nachging und die er dennoch in seinem Inneren hegte. Es war das verborgene Gespräch des Herzens.

Susi K. lebte eine wundervolle Ehe mit ihrem Mann Klaus und zwei wunderhübschen Kindern. Sie hatten Freunde, gute Jobs, ein klasse Neubauhaus mit Swimming Pool, Autos, Urlaube – wirklich alles war in bester Ordnung: Nur, wenn Susi in der Firma den schönen Montagearbeiter Flamengo sah, dann dachte sie `der würde mir auch gefallen, den hätte ich auch einmal gerne als Mann. Er ist einfach schön.´ Diese Gespräche wiederholten sich jedes Mal bei jeder zufälligen Begegnung im Flur, in der Kantine, auf dem Hof, auf dem Weg zum Firmenparkplatz. `Er ist viel netter als Klaus, er hat so einen schönen Humor.´ Aber sie wollte ihrem Mann treu sein, sie hatten eine gemeinsame Zukunft. Sie wollte nicht einer Fata Morgana hinterher laufen. Doch sie merkte, wie das Gespräch ihres Herzens ein Eigenleben begonnen hatte. Ja sie merkte es.
Dennoch war sie selbst überrascht, wie abrupt sie ihre Ehe beendete und mit fliegenden Fahnen bei Flamengo einzog. Eine zehnjährige Ehe mit ihrem wirklich geliebten Mann warf sie komplett über Bord um diesem Wunsch des Herzens zu folgen. In ihren Gedanken war längst klar, dass Flamengo ein schöner attraktiver Mann war, und nicht so wie Klaus…

dein Gespräch des Herzens…unausgesprochene Gedanken, manchmal bewusst, manchmal teilweise bewusst. – Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe – du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. (HfA)

Nicht immer führt das Gespräch des Herzens zu einer solch abrupten Lebensänderung aber ich meine, es ist wichtig, darauf zu achten, was läuft eigentlich in mir ab, was sind die eigentlichen Gedanken die mich beschäftigen, die mich umtreiben? Was treibt mich an? Was treibt mich um? Was ist es, was mich tief innen drin zufrieden oder unzufrieden macht? Wogegen wehre ich mich? Was greift mich an? Diese Gedanken will ich nicht nur in mir brüten lassen, sondern mich mit ihnen beschäftigen, um nicht eines Tages vor die vollendeten Tatsachen meiner eigenen Handlungen gestellt zu werden.

Was ist das Gespräch meines Herzens?

Interessant, dass der Sohn Gottes die Gedanken der Menschen kannte. Er erkannte hinter ihren ausformulierten Fragen die Absichten, die wahren Motive: Das Ansehen oder schlicht nur das Geld.

`Wenn ich groß bin werde ich es allen zeigen. Ich werde alles anders machen als meine Eltern. Besonders meinem Vater werde ich zeigen, dass ich etwas kann, dass ich es bin.´ Dieses Gespräch des Herzens treibt Jugendliche zu ungemeinen Lebensanstrengungen an – und ich sehe solche Triebfedern nicht unbedingt als nur negativ an – nur ist es wertvoll sich bewusst zu werden: Was sind die heimlichen kleinen Treiber, die mich treiben, quälen oder motivieren?

`Ich bin nichts, kleiner als nichts, ich bin nur ein würdeloser Käfer eine kleine verschwindende Gestalt, die nichts zu sagen hat, die nichts bewirkt in diesem Leben, in dieser Welt. Ohne mich geht es auch.´ Ist das dein Selbstgespräch? Bist du ein kleiner Wurm, der nichts kann, der nichts bewirkt? Der überhaupt nicht auffällt und der von niemandem bemerkt wird, ob er da ist oder ob er weg ist. Es macht quasi keinen Unterschied?

Dein Selbstgespräch – dein Gespräch des Herzens

Bevor Jesus anfing zu predigen waren Planierarbeiten notwendig. Johannes der Täufer sollte das, was hoch ist erniedrigen und das Niedrige wieder erhöhen. Das Höckrige gerade machen und das scheinbar Unwerte wieder zurechtbringen. Du bist wertgeachtet in den Augen Gottes. Du bist sehr sehr wertvoll.

Dieser Blog-Beitrag von Rolf Oetinger erschien zuerst auf jesus-blog.de . Lies hier den Original-Artikel "Das Gespräch des Herzens".

About Rolf Oetinger

Knapp unter 60 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder. Emigrierter Schwabe, der eine Hessin geheiratet hat und hauptsächlich im Bereich Haushaltsauflösungen inklusive Verwertung als Selbständiger arbeitet. Christ seit 1986, was für alle Beteiligten das deutlich Bessere ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.