Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?

Am 10.01.18 erschien im Baptist Standard unter dem Titel „Whatever happened to the Emerging Church?“ eine Art verspäteter Nachruf auf die Emerging Church von einem der dabei war: Dem Baptistenpastor Craig Nash.
Ich zitiere:

Wir haben uns oft beschrieben als Menschen die daran glauben, daß die Wahrheit über  der sprichwörtlichen Liberal-Konservaitven Spektrallinie schwebt. Wir lehnten es ab uns von alten Kategorien labeln zu lassen.
Aber wenn wir ehrlich zueinander sind, müssen wir zugeben, daß die Gravitationskräfte der letzten Dekade viele von uns hinuntergezogen hat in genau dieses Spektrum.
Einige von uns landeten dort wo wir losgesprungen sind – im konservativen Evangelikalismus – während die große Mehrheit, wenn sie überhaupt wieder auf der Linie des Glaubens gelandet sind einfach richtig altmodische Liberale geworden sind.

Was soll ich sagen … wie eine Bestätigung dieser Worte postet Tobias Faix auf Facebook das Dorothee-Sölle-Gedicht Zeitansage …

Wie stark und verwegen hat doch das emergente Abenteuer in Deutschland angefangen … aber heute? Wohin man auch schaut begnügen sich die einstigen Rebellen mit der Rolle des Nachlassverwalters eines langweiligen deutschen theologischen Liberalismus aus den siebziger Jahren, den sie dem ahnungslosen Nachwuchs evangelikaler Clans als „the next big thing“ verkaufen…

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Dieser Blog-Beitrag von Reinhard Jarka erschien zuerst auf OrthodoxPop.de . Lies hier den Original-Artikel "Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?".

About Reinhard Jarka

Reinhard Jarka, * 1963, Arzt & postprogressiver PopKonservativer, wiederverheiratet, fünf Kinder, Blogger & Indie-DJ, Pop-Journalist, Content-Manager, ehemaliger Chefredakteur HOS multimedica (Bertelsmann/Springer) Kindheit und Jugend im nordhessischen Pietismus, dann 15 Jahre postevangelikaler Skeptiker, Wiedereinstieg als Charismatiker mit anschließender Ernüchterung durch Reformierte Theologie (New Reformed: Piper, Driscoll, Keller), 2012 erstmals Teilnahme am "Evangelium 21"-Kongress in Hamburg. Aktuell Mitglied EKD-Gemeinde Brück bei Pfarrer Helmut Kautz und Besuch der LKG Werder. Seit 2017 Mitglied beim "Netzwerk für Bibel und Bekenntnis"

4 thoughts on “Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?

    1. Ich glaube, es war eher der kommentiere Text unter dem Gedicht (auf Facebook), der die Theologin und ihr Lebenswerk bejubelte. Wenn man dieses Werk aber kennt, versteht man vielleicht ihre Beweggründe, aber man entdeckt, dass sie kerzengrade zu einem atheistischen Christentum führt, auch wenn ihr Ausgangspunkt nicht atheistisch sein muss. Aber was ist der Unterschied zwischen Atheismus und einem atheistischen Christentum? In ihrer Theologie werden sämtliche Begriffe wie Sünde, Vergebung, Sühne, Kreuztod, Befreiuung usw. von ihrem klassischen Inhalt entkernt und hinsichtlich eines sozialen, gesellschaftlichen Gerechtigkeitskampfs umgeschrieben und damit neu definiert. Ganz im Sinne eines „Gott-ist-Tod“. Bei all ihrer Fähigkeit zur Poesie: Jubel bricht wenig über sie in meinem Herzen aus.

      1. Wenn das so ist, hätte ich mir vom Autor dieses Artikels hier einen Link auf das FB-Posting gewünscht, um mir ein Bild davon machen zu können. So komme ich nur auf das Gedicht und zwangsläufig zu dem Schluss, dass er damit ein Problem hat. (So hört sich auch der Artikel oben an.) Ich finde es für eine Diskussion wenig hilfreich, polemisch irgendwelche Dinge anzudeuten, ohne genau darauf einzugehen, was man eigentlich sagen will. Sowas verdirbt die Diskussionskultur.

        Nun ja, dir jedenfalls danke für die Erwiderung: Damit kann ich etwas anfangen. Auch wenn ich nicht unbedingt zustimme.

        1. Hallo Sönke,
          hier kommt der Link auf Faixens FB-Postings. Ich hatte ihn weggelassen weil er inhaltlich nicht sehr ergiebig ist und man ihn nur nutzen kann wenn man FB-Freund von Tobias Faix ist:
          https://www.facebook.com/tobias.faix/posts/10215139589064586

          Was es mit dem neuen Traumpaar Faix/Sölle auf sich hat, das möchte ich Dir gerne mit dem Kommentar eines lieben FB-Freundes von mir erläutern, den ich selber besser niemals hinbekommen würde:
          >>Dorothee Sölles Theologieansatz passt übrigens sehr gut in die gegenwärtige Zeit des in Varianten wieder aufgewärmten „Social Gospel“, zu dem die Variante Faix & Co. gut passt.

          Die „Gott ist tot“-These von Sölle & Co. ist ja kein Ausdruck atheistischer Gedanken, sondern ein Postulat des „Social Gospel“, theologisch gesprochen der radikalen Anthropologisierung des Evangeliums Jesu (auch gegen metaphysische Theologien gerichtet, auch gegen Karl Barth und die Reformatoren gerichtet, sofern diese vom „heiligen“, nicht zugänglichen Gott reden).

          Sölle sagt sinngemäß: „Wer von Gott reden will, muss vom Menschen reden. Der Gott, der nicht in menschlichen Nöten, Unterdrückungen, Verzweiflungen zu finden ist, der ist tot, den gibt es nicht.“

          Darin ist sie Befreiungstheologin und Vertreterin eines radikalen „Social-Political-Gospel“ zugleich, die das Evangelium Christi exklusiv „immanent, real-irdisch und befreiungstheologisch“ versteht. Alle klassischen Begriffe, wie Sünde, Evangelium, Versöhnung usw. haben ihren klassischen Sinn eingebüßt und sind nur noch sozial-politisch-erlösend zu deuten.

          Arme, Unterdrückte, Versklavte, Benachteiligte, Geschundene, ungerecht Behandelte, Diskriminierte aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Status … darum geht es, wenn wir von Gott reden. Wollten wir über etwas anderes reden, als über diese schlimmen Zustände, in denen Menschen unfrei sind, dann reden wir nicht über Gott. Der metaphysische Gott ohne Mitleidens-Aktivität mit dem geschundenen Geschöpf ist tot.

          Die Brücke zwischen Sölle und Faix & Co. ist damit klar erkennbar, wo genau eben die Sympathien für Sölles Theologie liegen. Sölle ist (vom Sinn her) „in“, wie die römisch-katholischen, südamerikanischen Befreiungstheologien der 1970iger Jahre …. allerdings Jahrzehnte verspätet in konservativen Kreisen und Gruppen angekommen, teilweise über die USA als „neu“ und „innovativ“ vermittelt, obwohl es alter, kalter theologischer Kaffee ist.<<

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