Von der Bewahrung der Heiligen (Teil 2)

Nachdem ich meinen ersten Artikel schrieb ist mir klar geworden, dass ich nur an der Oberfläche gekratzt habe, vielleicht wird das ja hier eine ganze Serie zum Thema.

Ich erinnere mich an einen Bruder, der (obwohl er auch an den Abfall von echten Gläubigen zu glauben schien) mir , als ich ihn über meine Zweifel und Abfallängste berichtete,  zusprach: Gott hat dich nicht dafür gerettet, damit du wieder verloren gehst. Wohl gesprochen, dachte ich als damals 16-jähriger, aber wie willst du das aus der Schrift beweisen? Nun, fangen wir an:

  • Gott erwählt sich ein Volk zur Heiligung (natürlich Eph 1,4 wie er uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe) aber auch z.B. 5 Mo 7,7f… Anders ausgedrückt: Wenn Gott einen Plan mit meinem Leben hat, ist er auch gewillt, diesen durchzuführen.
  • Oder denk an diese Begebenheit: Lazarus (ein offensichtlich Gerechter) stirbt und erreicht also endlich sein Ziel, warum lässt Jesus zu, dass Lazarus wiedererweckt wird, wenn er damit wieder in der Gefahr stünde das Ziel zu verpassen.  Ich meinte, er müsste sonst Maria vor allem damit trösten, das Lazarus am Ziel ist. Was ein Elend, Lazarus wieder in solch hohe Gefahr zu stellen, sein Heil zu verlieren, so wäre er wenigstens sicher vor dem ewigen Tod. Warum gibt die Bibel überhaupt dem irdischen Leben eines Gläubigen so hohen Stellenwert? Oder denken wir an die Erweckung von Tabea (Apg 9, ab V.36). Warum tröstet Petrus die Gläubigen nicht damit, dass Tabea nun doch das Ziel erreicht hat und gibt Tabea (übrigens in einer Zeit von Verfolgung) der Gefahr preis, dann doch abzufallen. Man stelle sich hier den Horror vor, Tabea wird erweckt und wendet sich dann vom Glauben ab, dabei war sie ja schon einmal am Ziel. Wird Petrus für ihren Abfall dann schuldig sein? (Ich argumentiere etwas närrisch)
  • Tatsächlich ist der Begriff Errettung einer, der intrinsisch schon eine ewige Errettung meint, wie Spurgeon feststellt: Hätte ich geglaubt, was manche predigen, dass es nur eine zeitweilige, eigentlich belanglose Errettung gäbe, wäre ich dafür kaum dankbar gewesen. Aber als ich wusste, dass Gott seine Erlösten mit einer ewigen Erlösung rettet, als ich wusste, dass er ihnen eine ewige Gerechtigkeit gibt, als ich wusste, dass er sie auf ein ewiges Fundament der ewigen Liebe stellt und sie in sein ewiges Königreich bringen wird, ja, da habe ich gestaunt, dass eine solche Segnung gerade mir zuteil geworden war!  Was soll eine Errettung wert sein, die jederzeit davon abhängt, ob ich in Treue sterbe (obwohl jeder echte Gläubige in Treue sterben wird, was hier aber nicht die Frage sein soll). Ich denke, der Lieblingssatz eines Arminianers ist „das Ende krönt“, aber damit bin ich erst ganz ganz kurz vor dem Tod wirklich errettet, die Zeit dazwischen muss ja schauen wie ich das Rettungsseil festhalte und auf keinen Fall loslasse, was noch keine Errettung ist, denn ich stecke ja noch in der Not fest.
  • Die Bibel lehrt nur eine einmalige Wiedergeburt. Ich habe noch nie jemanden, selbst bei den wildesten „Zurufen zum Altar“ lehren gehört, dass ein Mensch mehrfach wiedergeboren werden kann. Es gibt eine Alte Kreatur und eine Neue. Hier lehrt die Bibel etwas sehr Endgültiges (Man beachte dass man auch nur einmal sterben kann um für Christus zu leben, was jeder Christ durch die Taufe vor der Welt bezeugt, also selbst die Taufe erinnert uns an das endgültige einer Errettung)

Vernunft, Erfahrung und Polemik

Ehrlich gesagt habe ich womöglich zu viel Luther gelesen, als dass ich zu viel auf Argumente der Vernunft und Erfahrung Wert legen würde, aber vielleicht hilft sie ja einem meiner Leser.

Ich bin in einer Gemeinde zum Glauben gekommen, die Wert daraufgelegt hat, dass man „für die Wiederkunft Christi bereit sein muss“. Man stand eigentlich ständig in der Gefahr sich von Christus abzuwenden, verloren zu gehen und abzufallen. Wie sah das aber in der Praxis aus? Sehr selten wurde wirklich Gemeindezucht angewendet, die zum Ausschluss führte, jedoch wurde regelmäßig (leider nur auf Nachfrage) erklärt, damit spreche man nicht das Heil dieser Person ab. Oder aber (in einem besonders schwerwiegenden Fall von Ehebruch) fanden plötzlich alle an dem Betroffenen Hinweise im früheren Leben, dass der Entsprechende eigentlich noch nie ein echter Christ war. Plötzlich erkannte jeder, dass der Sünder schon immer ein Heuchler gewesen ist. Einmal fragte ich einen Pastor, wann man den bei einem Prozess des Abfalls das Heil verliert, und er erklärte mir, dass dies in der Macht der Gemeindeleitung liegt (was ist hier eigentlich mit „Nichts kann uns scheiden…“?), denn diese hätte die Gewalt zu binden und zu lösen (Beachte: Das war kein Katholik sondern ein „Evangelikaler“).  Mich frustrierte, dass man keine besseren Argumente liefern konnte und so hackte ich mehr nach und ich konnte bisher auch keine besseren finden, außer dem logischen Argument.: „Nichts kann uns von Christus trennen außer wir uns selbst“. Aber welcher Mensch wird den größtmöglichen Gewinn von sich stoßen, deutlich logischer wäre also „Nichts kann uns von Christus trennen, nicht einmal wir“. Mit Vernunftsgründen zu argumentieren führt einfach zu nichts.

Übrigens wird gerne mit Hebr. 4,4-6 argumentiert, jedoch habe ich persönlich noch nie jemanden getroffen, der sich getraut hat, dieses tatsächlich arminianisch zu Ende zu denken, dass Abfall dann etwas Endgültiges ist. Von einem endgültigen Abfall habe ich nur in reformierter Literatur gelesen, z.B. bei John Owen. Allen „die abfielen“ wird aber gerne bei Zurufen dennoch das Heil angeboten. Warum denn das?

Zu einem anderen Zeitpunkt traf ich eine junge Gruppe von Christen, denen man ihr Christsein kaum ansah, aber in einem Gespräch erklärten alle, dass sie schon glauben würden, dass man sich wieder von Christus abwenden kann. Doch wie weit entfernt kann man denn noch sein? Oder ist man vielleicht noch gar nicht bei Christus gewesen?

Meine Beobachtungen waren immer dieselben: Man versteht und kümmert sich wenig über so etwas wie Rechtfertigung, Wiedergeburt, Sohnschaft, Versöhnung, Sühne und diskutiert eigentlich nur darüber wie man wo wann treu sein sollte.

Was tut eigentlich ein Abgefallener, dass ihn so schlimm macht, dass er von Christus trennt. Ich hörte z.B. folgende Dinge (hörte ich alles von „leitenden Stellen“):

  •  Als Frau keine Kopfbedeckung tragen
  •  Als Frau Hosen tragen (zwei Punkte die nur ein Geschlecht betreffen, offensichtlich stehen Frauen also in einer größeren Gefahr das Ziel zu verfehlen)
  • Lesen von Harry Potter
  • Hören von Rock Musik
  • Fußballstadien besuchen (auch auf dem Dorf)

Die Anwendung lautet übrigens so: Jeder, der dies bei der Entrückung tut, wird sicher nicht mitgenommen werden, sondern dem Gericht dagelassen werden. Wo bleibt hier Gnade und Glaube? Ich fürchte tatsächlich, dass ein beachtlicher Teil des konservativen Fundamentalismus unter den Evangelikalen das Evangelium gar nicht kennt…

Habe ich mit meinem Artikel jetzt gesagt, dass ein Christ sich nicht heiligt und zur Ehre Gottes lebt? Habe ich gesagt, dass es egal ist, wie du deinen Tag verbringt? Natürlich nicht, ich möchte unbedingt deutlich machen, dass die Angst vor dem Abfall uns nicht heiliger machen wird. Die Angst abzufallen lässt niemanden im Glauben wachsen. Aber die Liebe zu Christus, die drängt uns (2 Kor 5,20), die Welt zu verleugnen, das Kreuz auf sich zu nehmen, sich zu heiligen. Das Neue Leben wird eine Lust und keine Last, den der Heilige Geist lässt uns rufen „Abba, lieber Vater“

P.S.:

Ich fürchte tatsächlich eine Sache, dass meine beschriebenen Erfahrungen eher eine Sondererscheinung in unseren Tagen ist, und viele das Evangelium heute eher für eine billige Gnade halten, die dazu führt, dass es ausreicht, einfach an Christus zu glauben, in ihm den Herrn und das Ziel des Lebens zu sehen, wäre nicht nötig.  Ich fürchte, dass einige obigen Zeilen tatsächlich missverstehen könnten, um als Ausrede für ihre Fleischlichkeit zu nutzen. Meine Unfähigkeit den Sachverhalt besser darzustellen, ändert aber nichts an seiner Richtigkeit:

(Röm 8:1) So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.

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Dieser Blog-Beitrag von Sergej Pauli erschien zuerst auf Glauben und Denken . Lies hier den Original-Artikel "Von der Bewahrung der Heiligen (Teil 2)".

About Sergej Pauli

Hallo ich bin Sergej Pauli und wohne in Villingen-Schwenningen. Zwar habe ich schon erste Erfahrungen zum Bloggen auf dem Literaturblog „Nimm-Lies“ gesammelt, dennoch bin ich relativ unerfahren darin, mich im Web darzustellen, deswegen bitte ich um Verständnis bei möglichen Fehlern. Für eine andere Sache schlägt mein Herz besonders laut, das ist der Glaube. Ich möchte hier die Schönheit dessen vorstellen, was man Gottseligkeit nennt. Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch Frieden mit seinem Schöpfer finden kann und im Nachsinnen über Gott und sein Wort Frieden und Freude bekommen kann. Allein dieser Segen lohnt sich, sich ausführlicher mit dem Glauben, der Religion und der Theologie auseinanderzusetzen. Darum möchte ich auf dieser Webseite einige meiner eigenen Bibelarbeiten vorstellen, einige Biographien vorstellen und schließlich auch einige christliche Bücher vorstellen. In meiner Gemeinde darf ich als Laienprediger mithelfen. Ich plane hier auch meine Predigten zu veröffentlichen. Teilweise soll das in schriftlicher Form, teilweise aber auch in audioform geschehen. Gelegentlich spiele ich auch Gitarre, gute Lieder möchte ich hier ebenfalls vorstellen.

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