Russlanddeutsche Exklusivität

Das folgende mag bissig, zynisch und hart sein, aber es ist auch besorgt und aus Liebe geschrieben. Ich schreibe das, weil ich dazugehöre:

Meine lieben Russlanddeutschen Christen, ja genau ihr mit der biblischen Kleidung, der biblischen Haartracht und biblischen Familienplannung. Warum legt ihr so viel Wert auf das Äußere und so wenig auf das Innere. Ein weibliches Gemeindemitglied welches in Hosen zum Gottesdienst kommen würde, würde sofort die ganze Härte der Kirchenzucht zu spüren bekommen, aber trägt Sie Rock und ist aber unfreundlich, gehässig, neidisch, zornig, voll Rachsucht, dann ist das alles nichts, und das alles wird übersehen und vergeben, denn es geschieht ja von schwachen Kindern. Wie viele Christen treffe ich unter den Russlanddeutschen die Jahrelang an ihren Rachegefüllen versagen, sie wachsen im Glauben nicht, sie kennen das Evangelium kaum, sie können nicht vergeben, vielleicht weil Sie die Vergebung nicht kennen? Aber kaum einer scheint das zu bemängeln, denn die Kinder sind keusch und zahlreich. Der Vater ständig auf den Kirchenbaustellen, um den vorhandenen Palast noch herrlicher zu machen…. Denn das Haus Gottes ist ja der Versammlungsbau seit es dem Tempel nicht gibt. Sollte Jesus wirklich gesagt haben: Im Geist und in der Wahrheit sollt ihr mich anbeten? ( Joh 4,23). Die Kinderarbeit läuft ja gut, aber leider hat man schon vergessen, was man den Kindern genau erzählen soll. Es sind viele Geschichten, das Ganze wird aber übersehen. Die alten Omas weinen in den Reihen in jeder Gemeindestunde um ihre verlorenen Enkel, aber noch nie haben Sie über die Sünder der Stadt geweint. Oft schließt sich jahrelang riesigen Gemeinden nicht ein Außenstehender an. Von Einheimischen will ich gar nicht reden. Obwohl keiner von uns ein Theologe ist, versteht niemand die Schrift besser als wir. So haben wir unsere Lieblingstexte, z.B. 1. Tim 4,1-3: „Der Geist aber sagt deutlich, dass in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten und anhangen den verführerischen Geistern und Lehren der Teufel“. Die Abtrünnigen und Abgefallenen und Verführten sind dann immer die anderen. Die Gottlosen Kirchen. Der Gottlose Staat. Der Staat ist eh so verdorben, dass er kurz davor steht öffentlich den Antichristen über sich zu setzen. Aber in einem ist er gut, nämlich in der sozialen Versorgung. So duldet man (ohne jede Zucht oder Ermahnung oder Sanktion) Faulpelze, die auf Staatskosten ein gutes Leben führen… Hier tut wohl ein böser Staat Gutes? Üblicherweise hat man eine Gemeinderegel und zu dieser musst jeder Reihenchrist sich bekennen. Jedoch ist es oft nur ein äußeres Bekennen. Selbst die Riege der Gemeindeverantwortlichen ignoriert oft einzelne Punkte vollständig. Will ein Außenstehender aber hinein und sieht dahinter nur Tradition, die er tolerieren möchte: Dann kommen aber schnell die Strengen: Ne ne, du musst schon ganz dahinter stehen, sonst kannst du nicht Mitglied sein. Als ob niemand die Heuchelei sieht? Und selbst wenn niemand sie sehen könnte, Gott sieht sie. Wie wollen wir vor ihm bestehen? Ich fürchte, wir sind schon so gesetztlich geworden, dass wir nicht mehr erkennen können, dass möglicherweise die vielen Warnungen an die Pharisäer genau uns betreffen. Wann tuen wir dafür Buße und glauben an das Evangelium?  Neben den geschriebenen Regeln, gibt es viele ungeschriebene, die wichtig sind, die mündliche Beschlüße einer Gemeinde sind, die die Macht hat zu binden und zu lösen. Und obwohl ich nun schon über 10 Jahre Mitglied meiner Gemeinde, kenne ich immer noch nicht alle mündlichen Beschlüße. Die Mündlichen Beschlüße und die Gemeinderegel sind uns sehr heilig, aber was ist mit Gottes Wort? Das lesen wir natürlich täglich, denn wenn wir es einige Tage ausließen, stünden wir in der Gefahr unser Heil zu verlieren? Das Heil ist sowieso eine sehr gebrechliche Sache. So existieren bei Russlanddeutschen auch Gemeinden wo fast niemand von den strengen Mitgliedern auch nur eine Ahnung hat was Heilssicherheit ist, was Freude an der Errettung ist. Denn die eigene Errettung gilt es ja fest zu halten, denn wir müßen unbedingt bereit sein bei der Wiederkunft Christi. Wiederkunft Christi, dass ist sowieso unser Lieblingsthema, hier haben wir unsere Meinung und Theologie zu 100,00% Prozent von Dispensationalisten (und hier will ich das erstmal gar nicht so sehr kritisieren) übernommen, obwohl wir sie für etwas verachten, was wir „Calvinismus“nennen (sie selbst sind es ja nicht, aber für uns zählt nur das, wie wir es verstehen). Wenn diese Christen nun so irren in so klaren Lehren, wie kann es sein, dass sie die Endzeit richtig begreifen?  So denken wir, dass wir Gott dienen, wenn wir es auf „der Bühne“ tun, sei es singen, musizieren, der Dienst im Alltag, der unsichtbare und harte, der wird nie (ich habe es wirklich noch nie gehört, dass man darüber von der Kanzel sprach) erwähnt. Für heute soll noch dasgenügen. Meine Lieben, kennen wir überhaupt noch das Evangelium von Jesus Christus? Ich habe nicht einmal Christen in unseren Gemeinschaften positiv über den Islam reden gehört, weil die Moslems noch Sitten kennen, noch streng sind, noch große Familien haben und die Frauen noch ihre Häupter bedecken. Aber kennen die Moslems Christus? Auf welches Niveau sind wir schon gefallen? Kennen wir noch das Evangelium, dass der Sünder (also du und ich) gerecht werden allein aus Gnaden durch den Glauben an Jesus Christus. Wann legen wir unseren rechthaberische, haarspalterische und aufmümpfige Rechthaberei ab?

Matth. 23, ab Vers 23: Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und lasst dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen.Ihr verblendeten Leiter, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln auswendig reinlich haltet, inwendig aber ist’s voll Raubes und Fraßes!Du blinder Pharisäer, reinige zum ersten das Inwendige an Becher und Schüssel, auf das auch das Auswendige rein werde!Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und alles Unflats!Also auch ihr: von außen scheint ihr den Menschen fromm, aber in wendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gräber bauet und schmücket der Gerechten Gräberund sprecht: Wären wir zu unserer Väter Zeiten gewesen, so wollten wir nicht teilhaftig sein mit ihnen an der Propheten Blut!So gebt ihr über euch selbst Zeugnis, dass ihr Kinder seid derer, die die Propheten getötet haben.Wohlan, erfüllet auch ihr das Maß eurer Väter!Ihr Schlangen und Otterngezücht! wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

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Dieser Blog-Beitrag von Sergej Pauli erschien zuerst auf Glauben und Denken . Lies hier den Original-Artikel "Russlanddeutsche Exklusivität".

About Sergej Pauli

Hallo ich bin Sergej Pauli und wohne in Villingen-Schwenningen. Zwar habe ich schon erste Erfahrungen zum Bloggen auf dem Literaturblog „Nimm-Lies“ gesammelt, dennoch bin ich relativ unerfahren darin, mich im Web darzustellen, deswegen bitte ich um Verständnis bei möglichen Fehlern. Für eine andere Sache schlägt mein Herz besonders laut, das ist der Glaube. Ich möchte hier die Schönheit dessen vorstellen, was man Gottseligkeit nennt. Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch Frieden mit seinem Schöpfer finden kann und im Nachsinnen über Gott und sein Wort Frieden und Freude bekommen kann. Allein dieser Segen lohnt sich, sich ausführlicher mit dem Glauben, der Religion und der Theologie auseinanderzusetzen. Darum möchte ich auf dieser Webseite einige meiner eigenen Bibelarbeiten vorstellen, einige Biographien vorstellen und schließlich auch einige christliche Bücher vorstellen. In meiner Gemeinde darf ich als Laienprediger mithelfen. Ich plane hier auch meine Predigten zu veröffentlichen. Teilweise soll das in schriftlicher Form, teilweise aber auch in audioform geschehen. Gelegentlich spiele ich auch Gitarre, gute Lieder möchte ich hier ebenfalls vorstellen.

9 thoughts on “Russlanddeutsche Exklusivität

  1. Geht es darum, Vorurteile zu schüren, oder was soll dieser Text?
    Ich habe die Mitglieder Russlanddeutscher Gemeinden anders kennen gelernt. Auch als hilfsbereite Nachbarn, die Kontakt zu den evangelischen (wiedergeborenen) Christen aus dem Nachbarhaus halten, auch dort helfen, wenn Not am Mann ist, usw..
    Letztes Jahr gehe ich durch Leipzig und sehe einen Missionierungsstand, zur Unterstützung sind Geschwister aus Berlin dagewesen. So einen Einsatz sehe ich sonst nur bei den Zeugen Jehovas, die z.B. in Berlin täglich an jedem größeren Bahnhof stehen. Wen sehe ich dort nicht? Richtig, evangelische Gemeinden. Die bekommen allenfalls noch den Hintern hoch, wenn es um die Übertragung von ProChrist oder anderen Spökes in den Gemeindesaal geht, und halten Joyce Meyer -Sendungen in Bibel-TV für wertvoll.
    Und wer evangelische Gemeinden kennt, der weiß, dass es da um theologische Kenntnisse, Bibeltreue usw. miserabel bestellt ist, auch und zunehmend in den Freikirchen.
    Mir sind Frauen, die den Kopf bedecken, sei es bei Russlanddeutschen oder Brüdergemeinden, erheblich lieber als Frauen auf der Kanzel oder in der Gemeindeleitung. Die anderen halten sich, vielleicht sehr übertrieben, an die Schrift, und die anderen stellen sich ganz locker darüber.
    Wenn es darum geht mal auszuteilen, dann kann man das locker in alle Gemeinderichtungen betreiben. Warum jetzt Russlanddeutsche Gemeinden herhalten müssen, erschließt sich mir nicht.
    Ich sage offen, wie ich den Text empfinde: widerlich. Vielleicht habe ich auch nicht die Pointe verstanden, kann ja auch an mir liegen.

    1. Hi Stephan,
      ich finde Sergej Pauli schreibt hier als Insider einen ungeschönten, liebevollen Beitrag, der jederzeit dazu beitragen kann, dass ein Betroffener sich korrigiert. Ähnlich wie die Worte von Jesus an die Pharisäer packt er den Stier direkt bei den Hörnern und nennt Ross und Reiter.
      Das ist liebevoll, geradlinig, ungeheuchelt. Es ist natürlich nicht die verschwurbelte Sprache unserer Politiker und mancher Pastoren, die versuchen ähnlich wie Politiker zu wirken. Umschreibe alles so, dass es eigentlich nichts mehr aussagt, mache alles beliebig, treffe nie jemanden in seinem Gewissen, rede alles schön, heuchle auch mal ein bisschen, sprich schwierige Themen nie oder nur streifend an.

      1. Geht es darum, dass sich _ein_ Betroffener korrigiert, oder um eine komplette Gemeindeleitung oder um eine Gemeinde? Oder etwa alle Gemeinden der Russlanddeutschen?
        Wenn ich etwas gegen meinen Bruder habe, trage ich das dann in die Öffentlichkeit, oder was sagt die Bibel dazu?
        Wenn in einer Gemeinde die Theologie im Argen liegt, Dogmen von niemandem mehr erklärt werden können, dann sollte ein Bruder, der die Gabe dazu meint zu haben, mit seiner Gemeindeleitung mit der Schrift in der Hand reden oder sich selbst hineinwählen lassen. Und wenn das nicht hinhaut, ist darüber nachzudenken, ob man die Gemeinde wechseln muss. Allerdings ist die Gefahr recht groß, dass man vom Regen in die Traufe gerät.
        Ich bin der letzte, der etwas gegen deutliche Wortwahl und Klartext hat, und bei meinem Gemeindeaustritt sind dann auch deutlich die Probleme benannt worden. Aber in einem geschlossenen Kreis.
        Abgesehen davon: es besteht ja auch immer noch die Chance, dass man selbst falsch liegt und eben nicht die anderen, und dass man selbst derjenige ist, der Korrektur bedarf oder dem es an Demut fehlt.

        1. Alle diskutierten Möglichkeiten sind reale Alternativen und ebenfalls sinnvoll oder sinnvoller. Ich habe nicht vor jemanden zu korrigieren, dass kann nur der Heilige Geist, aber Dinge ansprechen, ermannen, Finger auf wunde Stellen tun, dass kann ich. Da ich trotz aller Direktheit sehr allgemein geworden bin, muss sich keine Gemeinde angesprochen fühlen…

  2. Danke für deinen Kommentar, mir scheint es wenig nützlich zu sein, die evangelische Kirche zu kritisieren, weil ich sie kaum kenne, ich habe als russlanddeutscher Christ einer russlanddeutschen Gemeinde geschrieben, und da ist es auch meine Verantwortung problematische Punkte anzusprechen. Ich glaube krtische Selbstreflektion gibt es da zu wenig. Kann man widerlich finden, aber ist die Alternative, einfach keine Kritik? Im Übrigen denke ich dass Jesus durchaus sagt, dass man Jenes halten und dieses nicht lassen sollte, mit meinem Artikel wollte ich weder Kopfbedeckung (was z.b. meine Frau praktiziert) noch andere Sitten kritisieren. Hochmutige Exkulsivitätsansprüche will(oder muss?) ich aber in aller Deutlichkeit ansprechen.

  3. Man kann über jede dieser evangelischen Richtungen etwas Kritisches schreiben und darin auch oft oder manchmal recht haben, denn überall gibt es Schwächen und Fehler, ja sehr grosse auch.
    Ich kenne eine russische Brüdergemeinde einigermassen, auch aus geschäftlichen Gründen sozusagen. Mit denen habe ich, was Korrektheit und Anständigkeit angeht, nur gute Erfahrungen gemacht. Daß sie recht gesetztlich sind, das kennt man ja, aber das würde ich nicht gross beanstanden wollen, denn auch das hat einen gewissen Wert. Manche Lieder,die sie singen, gehen noch richtig ins Herz hinein im Gegensatz zu manchen modernen, die man heute oft hört und die ich als recht flach empfinde. Allerdings sind diese Leute auch da eng, wo es einen weiteren geistlichen Horizont bräuchte und das stösst eben ab.
    Theologisch finde ich bei ihnen vieles recht dürftig. In der Bibelstunde können die Leute z. B. Fragen über Bibeltexte stellen, aber diese werden, so sie etwas schwieriger zu beantworten sind, einfach in einigen Worten abgehandelt, was recht ungenügend ist. Bei einfach zu beantwortenden Fragen kann man das natürlich so machen.
    Es ist offenbar nicht einfach, einen geistlichen Weg zu finden, der nicht zu eng, aber doch konsequent ist, aber gleichzeitig das Liberale meidet, das heute ja fast überall den Vorrang genießt, auch unter den Gemeinden und Gruppen, die man noch als überzeugte Christen sehen kann. Von den anderen, die nur christlich inkulturiert sind, egal welcher Denomination, nicht zu reden.

  4. Lieber Sergej,
    ein sehr wichtiger Beitrag, den Du da geschrieben hast! Es gibt auch deutsche Gemeinden, in denen es ähnlich lang geht. Ich will keine Namen nennen. Überhaupt ist ja der „Glaube“ vieler nur ein äußeres „Ding“ – eine Art Ideologie – und nichts, was das Leben tiefgreifend verändert. Aber allein darauf kommt es an. Es gibt keinen „Himmel“ für „fleischliche Menschen“:
    https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/01/12/was-heisst-es-an-jesus-zu-glauben/

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