Das Vakuum (Das Ende einer Epoche 2)

Was bisher passiert ist

Im Artikel “Das Ende einer Epoche” habe ich die These aufgestellt, dass die Epoche des Konstruktivismus und die Postmoderne zu Ende geht.

Meine Argumentation ist einfach: Personen, die eigentlich aus dieser Denkschule kommen, schreiben und argumentieren gegen sie, rufen nach einem neuen Weltbild, weil mit dem alten vieles nicht mehr erklärt werden kann (so zum Beispiel der Philosoph Thomas Nagel).

Ein weiteres Argument, welches ich anführe: Die unvorhergesehen negativen Auswirkungen des Konstruktivismus (nämlich die Bedrohung und Behinderung des Wissenschaftsbetriebs, Verhindern von Diskursen und freier Meinungsäußerung, überhöhte Empfindlichkeit und mangelnde Resilienz und nicht zuletzt eine Zerstörung der aufklärerischen Ideale, inklusive Abschaffung der Rationalität – siehe mein voriger Artikel) sind letztendlich ein zu hoher Preis, den viele nicht mehr zu zahlen bereit sind.

Diese Erkenntnis hat unter anderem zur Entstehung des “Intellectual Dark Web” geführt, wo viele Intellektuelle, die wegen ihres Eintretens für freie Meinungsäußerung an ihren Universitäten heftigsten Gegenwind bekommen haben, sich in Podcasts, Blogs und Youtube-Videos eine eigene Öffentlichkeit geschaffen haben und damit sogar eine breite Masse erreichen.

Was jetzt passieren sollte

Immer wenn eine Epoche zu Ende geht, existiert für eine kurze Zeit ein Vakuum. In diesem Vakuum konkurrieren verschiedene neue Denkschulen, bis eine von ihnen die Oberhand gewinnt und der neue wissenschaftliche Mainstream an den Universitäten wird. Erst Jahre später kann man die konkreten Auswirkungen dieser Ideen in der Gesellschaft beobachten. Ich vermute, dass wir in ein paar Jahren so ein Vakuum haben. In diesem Vakuum ist vieles möglich und hier möchte ich als Christ alle christlichen Leiter, Pädagogen, Pastoren, Theologen, Philosophen und sonstige Denker auffordern, diese Gelegenheit zu nutzen! Wenn wir in den Wissenschaftsbetrieb eingebunden sind, wenn wir Professoren an Universitäten sind, dann ist dies unsere Gelegenheit, dieses Vakuum mit neuen Ideen, mit Substanz, Bedeutung und Wahrheit zu füllen – und so dazu beizutragen, dass die nächste Denkschule eine bessere wird als die, die wir jetzt ausbaden müssen. Wenn wir nicht direkt an diesen Prozessen in der Universität beteiligt sind, haben wir dennoch eine weitere wichtige Aufgabe zu erledigen:

Unsere wichtigste Aufgabe

Wir müssen die nachfolgende Generation für diesen “Kampf der Ideen” vorbereiten und ausrüsten! Als Pastoren, Gemeindeleiter und Pädagogen müssen wir ihnen Mut machen, dass einer von ihnen nicht nur der nächste Billy Graham sein kann, sondern dass einer von ihnen auch ein epochenprägender Wissenschaftler sein könnte, der Ideen und Denkschulen entwickelt, die Gottes Segen in die ganze Gesellschaft hineintragen. Paulus benutzt in Philipper 4:13 tatsächlich das Personalpronomen “Ich“. Er sagt nicht, dass Gott alles kann, sondern er sagt:

"Ich kann alles durch den, der mich fähig macht!" (Philipper 4:13).

Mose hatte am brennenden Busch kein Problem, zu glauben, dass Gott das Volk Israel befreien kann (durch einen anderen), aber er konnte nicht glauben, dass Gott es durch ihn tun kann (Exodus 4:13). Zu glauben, dass Gott es durch mich und heute tun kann, macht einen gewaltigen Unterschied! Dies ist echter Glaube und diesen Glauben gilt es bei der nächsten Generation anzufachen.

Unsere Jugendlichen sind durch das Schulsystem, ihre Helikoptereltern und die sich immer schneller verändernde Gesellschaft oft so verunsichert, dass sie gar nicht den Glauben haben, dass Gott tatsächlich sie benutzen könnte (Sie haben maximal “Glauben” dafür, dass Gott jemand anderes benutzen kann und ihr größter Traum ist eine “sicherer” Beamtenjob). Die besseren von ihnen haben manchmal Glauben für ein Heilungsgebet, es fällt ihnen aber sehr viel schwerer zu glauben, dass Gott ihnen genauso bei der nächsten Matheprüfung helfen kann!

Hier sind wir christlichen Leiter und Lehrer gefragt! Von wem sollen sie sonst Ermutigung und Bestätigung bekommen? Wer wird sie herausfordern, ihre Komfortzone zu verlassen? Oftmals reicht es aus, wenn diese Jugendlichen eine einzige Respektsperson haben, die an sie glaubt (die ihnen wirklich zu spüren gibt, dass sie es schaffen können!). Wenn wir gute charismatische Leiter sind, dann malen wir ihnen als Traum vielleicht vor Augen, dass sie der nächste Billy Graham werden können, aber das reicht nicht! Wir brauchen neben geisterfüllten Evangelisten auch geisterfüllte Pädagogen, Philosophen, Psychologen, Theologen, Rechtswissenschaftler und Naturwissenschaftler, die unsere Gesellschaft mit inspirierten Ideen positiv beeinflussen! Wer wird der nächste Leibniz, der nächste Kierkegaard, der nächste Platinga, der nächste Tour, der nächste Polkinghorne, der nächste Collins? Und es gibt noch ein paar mehr…

Wenn wir dagegen als christliche Leiter unsere Gesellschaft und unser Land innerlich schon aufgegeben haben, wenn wir resignieren und in den “Früher-war-alles-besser-Chor” einstimmen, wenn wir uns nur noch den Entrückungsbus herbeiwünschen oder einsam mit anderen “wahren Christen” auf das Ende warten und uns vor der Verführung mehr fürchten als vor Gottes Bewahrung, dann werden wir unsere Aufgabe an der nachfolgenden Generation nicht erfüllen können. Haben wir den Glauben, dass Gott selbst in unserer Zeit noch außergewöhnliches schaffen kann? Im nächsten Teil werde ich dafür einige Beispiele liefern!

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Dieser Blog-Beitrag von H. Richert erschien zuerst auf TRLT . Lies hier den Original-Artikel "Das Vakuum (Das Ende einer Epoche 2)".

About H. Richert

Jahrgang 1977, Ehemann, Papa von drei Kindern, Lehrer, Gründer und Mitleiter der Christusgemeinde Bielefeld. Ich mag Denken & Lernen, Bücher, Sci-Fi, Design, gutes Essen & Trinken, Sport, Musik & Gitarre, Bielefeld und schreibe vorrangig über echtes Leben in einer zunehmend unechten Welt.

5 thoughts on “Das Vakuum (Das Ende einer Epoche 2)

  1. Grundsätzlich ist Ihrem Beitrag nur zuzustimmen, und ich bete, dass wirklich geistbegabte Männer und Frauen immer mehr mit alternativen Erklärungen das öffentliche Denken, besonders der Wissenschaft, durchdringen können. Allein, das setzt voraus, dass man selbst übersinnliche Erkenntnisse hat und auch die parapsychologischen Erkenntnisse sinnvoll nutzen kann. Und da sehe ich schwarz! Ich sehe nur Gläubige, aber nicht Erkennende unter den Christen.

  2. Bevor die neue Zeit beginnt, um das Vakuum zu füllen, muß es eine Zeit echter Buße geben, nicht wer große Dinge stemmen will kommt ans Ziel, sondern wer wieder demütig vor Gott wird und die Ehre Gottes sucht. Denn wo die Gnade billig angeboten wurde, da wird auch die Ehre Gottes geschmälert.
    Weg mit den Sicherheitszonen und echt und wahrhaftig werden, wir sind Menschen, die nicht selber für ihre Sicherheit sorgen können, das ist nur eine Einbildung. Wir vergessen leicht wie verletzlich wir eigentlich sind, wenn wir uns nach allen Seiten hin absichern.
    Ich glaube das kommt auch in der Kommunikation zum Ausdruck, in der momentanen Verwirrung traut man sich nicht den Anderen in seinen Äusserungen wahrzunehmen, ob er es ehrlich meint, oder ob er mit mir auf einer Linie ist, od. spielt er es mir nur vor? denkt er wirklich so, wie er spricht od. passt er sich dem Mainstream an, diese Verwirrung greift um sich, Sprache stimmt nicht mehr mit dem gefühlten überein, das führt zu verunsicherungen.
    Junge Menschen aus behüteten Elternhäusern, gehen erstmal mit einem positiven Lebensstart in die Welt, das ist gut, weil gesunde Menschen eben auch ein Potenzial an stärke besitzen.
    Erstmal muß das ,,ich“ geklärt sein, das ich nicht alle Erwartungen erfüllen muß, und auch mit mir selbst im Einklang (das akzeptieren von stärken und schwächen) sein sollte, so bringt auch die Beziehung zu Gott ,,Früchte“
    Laß dir an meiner Gnade genügen…. das ist die neue stärke der nächsten Generationen.
    Früher war alles besser? Nein, war es eben nicht, wer das sagt gehört zu denen die alles vermasselt haben.
    Francis Schaeffer sah in der Zukunft voraus, wie sich die christliche Basis der Postmoderne verändern wird, er hatte recht. 1984 verstarb er, über eine Zeit ,,nach der Postmoderne“ gab er keine Prognose ab, aber er sah auch nicht das Ende kommen, ich glaube auch er hatte ,,die Hoffnung“ vielleicht ist es dieses kommende Vakuum.
    Nach all den Kriegstrauma, nahm es in den 50 Jahren seinen Anfang, das ,,ich“ heranzuzüchten, ,,mehr Wohlstand, mehr Freiheit für den Einzelnen mehr auf eigene Kräfte setzen, man wollte Erfolge, sich wieder befreien, nach all der Dunkelheit. Man wollte wieder ,,Mensch“ sein, man wollte wieder stolz auf sich selbst sein, daraus entwickelte sich ein Gefühl von erhabenheit und Überlegenheit, welches heute eingefordert wird.
    Wie war es in der Christlichen Entwicklung? Fragen waren unerwünscht, und klugheit wurde zum Feind erklärt, da wurde Führung durch die Macht des Stärkeren besetzt, denn wer schweigen muß, läßt sich besser kontrollieren.
    Ein neuer Aufbruch ist gut, (es wäre ein Aufbruch in einer schwierigen Zeit), denn es stehen Kräfte bereit die das Evangelium verschlingen wollen. Wir brauchen starke Persönlichkeiten (keine Eliten) die sich in allem Gott verpflichtet wissen, und Seine Ehre suchen.
    ,,Wenn jemand redet, daß er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand ein Amt hat, daß er’s tue als aus dem VERMÖGEN DAS GOTT DARREICHT, auf das in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 1.Petrus 4. 11

  3. Um welche INHALTE geht es?

    Bürokratie und immer neue Managmentmethoden in etwas größeren evangelikalen Gemeinden plustern sich auf.

    Inhalte bitte!

  4. Um welche INHALTE geht es?

    Bürokratie und immer neue Managmentmethoden in etwas größeren evangelikalen Gemeinden plustern sich auf.

    Inhalte bitte!

    Und lass die Fremdworte bitte weg!

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