HERR, höre mein Gebet!

Gebet ist eine geheimnisvolle Sache, oder? Ich studiere gerade Psalm 102 und komme nicht weiter, als bis zu Vers 2:

HERR, höre mein Gebet
und lass mein Schreien zu dir kommen!

Psalm 102,2 (Luther 1984)

Folgende Gedanken gehen mir durch den Kopf:

Gebet ist kein Selbstgespräch. Ich bete nicht um meiner selbst willen. Natürlich verändert mich das Gebet, aber beten heißt zu Gott reden! 

Es ist etwas ganz anderes zu beten um gebetet zu haben oder zu beten um vom allmächtigen Gott gehört zu werden!

Spurgeon schreibt meisterlich:

„Wer von Herzen betet, gibt sich nicht damit zufrieden, zu beten um des Betens willen, das ist, um wieder einmal dieser Pflicht genügt zu haben, sondern begehrt wirklich des großen Gottes Ohr und Herz zu erreichen.“

https://www.evangeliums.net/psalmenauslegung/psalm_102.html

Es ist mir aufgefallen, dass es diese Bitte häufig in den Psalmen gibt: 

  • HERR, höre meine Worte, merke auf mein Reden! Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. (Psalm 5,2-3)
  • HERR, höre die gerechte Sache, merk auf mein Schreien, vernimm mein Gebet von Lippen, die nicht trügen. (Psalm 17,1)
  • Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich zu dir schreie, wenn ich meine Hände aufhebe zu deinem heiligen Tempel. (Psalm 28,2)
  • Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. (Psalm 39,13)
  • Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. (Psalm 55,2)
  • Höre, Gott, mein Schreien und merke auf mein Gebet! (Psalm 61,2)
  • HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! SELA. (Psalm 84,9)
  • HERR, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen! (Psalm 102,2)
  • Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! (Psalm 130,2)

Das wundert mich! Ich stehe offensichtlich in der Gefahr, anzunehmen, dass Gott mein Gebet so oder so hört. In gewisser Hinsicht tut er das ja: Natürlich nimmt Gott alle Gebete wahr, weil er allgegenwärtig ist und ihm nichts entgeht. Aber offensichtlich will der Psalmist mehr!

Worum bittet der Psalmist dann indirekt mit dieser Bitte?

Bittet er damit um Gnade? Weil er weiß, dass er keinen Anspruch hat und ihn viele Sünden von Gott trennen? 

Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, so dass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Verschuldung; eure Lippen reden Falsches, eure Zunge spricht Bosheit.

Jesaja 59,1-3

Oder will er das Gefühl bekommen, dass Gott tatsächlich gehört hat? So verstanden, wäre der indirekte Wunsch ein innerlicher Friede.

Am Wahrscheinlichsten will der Beter über das Hören Gottes zum Erhören kommen. Dafür sprechen auch die nachfolgenden Worte. Das heißt er bittet Gott indirekt schon in diesen Worten um Antwort und Hilfe. Er kennt Gott. Wenn er meine Worte hört, wird er sich erbarmen und eingreifen!

Oder was meint ihr? Betet ihr auch so und was meint ihr damit? Schreibt mir einen Kommentar! Ich bin gespannt.

Das Lied „Herr, hör mein Gebet“ gibt es in Feiert Jesus! 2 Nr. 178 

Herr, hör mein Gebet! Herr, hör mein Gebet! Sei mir nah! Schweige nicht!
Herr, hör mein Gebet! Herr, hör mein Gebet! Komm und mache es Licht!

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Dieser Blog-Beitrag von Viktor Janke erschien zuerst auf lgvgh . Lies hier den Original-Artikel "HERR, höre mein Gebet!".

About Viktor Janke

*1984 / **1997 / 2004 Abitur / 2008 Theologiestudium-Abschluss & Beginn als Hauptamtlicher in der Gemeindearbeit / 2009 Ehemann / 2014 & 2016 Vater

13 thoughts on “HERR, höre mein Gebet!

  1. Mir faellt auf, dass die angefuehrten Gebete sich ausschliesslich an den Herrn Jesus Christus richten, waehrend Jesus uns gelehrt hat in seinem Namen unsere Gebete an den Vater zu richten. Meisstens bete ich das Vaterunser oder anders-gesagt dessen Inhalt. Ich bitte auch den Herrn Jesus, aber meisstens ohne Ihn Herrn zu nennen, mir Gebete zu schenken, was er auch tut. Diese Gebete sind dann auch bestimmt diejenigen die er gerne hoert, d.h. sind in seinem Willen und somit auch im Willen des Vaters, denn es handelt sich immer was ich in der Bibel wiederfinde..

  2. Da es bei Gott kein Ansehen der Person gibt (Eph. 6,9), sind ausschließlich objektive Gründe für die Erhörung eines Gebetes maßgebend. Diese gilt es, will man ein befriedigenderes Gebetsleben erlangen, zu erforschen. Dazu muss man nicht nur die Bibel bemühen, sondern kann auch die Berichte von erhörten und nicht erhörten Gebeten nutzen.
    Mir sind auch Fälle von Atheisten bekannt, die übernatürliche Hilfe in Notzeiten erfuhren – ohne ein bewusstes Gebet, während viele Gebete von sogenannten Gläubigen (oder auch wirklichen) unerhört blieben.

  3. Es ist die Gnade und Güte Gottes die noch über allen Menschen steht, ob Atheist od. Christ, ob gläubig od. ungläubig, wenn jemand ohne zu bitten und zu beten Gottes Hilfe und Eingreifen erlebt, hat das mit ,,Glauben“ erstmal nichts zu tun, aber es sollte zum ,,danken“ führen.
    Zu den Gebeten der Gläubigen sagt Jesus: –Und alles was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubet, werdet ihr’s empfangen. Mt 21. 22 —
    Oder, — Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf das der Vater verherrlicht werde in dem Sohne. Joh 14. 13
    Hier ist erkennbar, Gebete müssen im Einklang mit Jesus sein, also nicht, hilf mir eine Millionen im Lotto zu gewinnen, sondern, wie kann ich die Ehre Gottes vermehren. Oder wie Jesus betete: nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille, Vater.

    1. Das „Gebet des Glaubens“ (Jak. 5,15) kennen Sie offenbar nicht! Bei den meisten Gebeten liegt der Schwerpunkt auf das Glaubenkönnen: „Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.“ ( Mk 11,24) Am Mangel des Glaubens scheitern die meisten Gebete.

  4. Manfred Reichelt, wenn sie die Unterstellungen weglassen, können wir wie zwei Erwachsene Menschen reden, OK?
    Mt 21. 22, steht doch: ,,wenn ihr glaubet“

    1. M.R. hat den Text in Jak 5,15 nur oberflächlich analysiert und daher nicht verstanden. „Und das Gebet des Glaubens wird dem Schwerkranken helfen / schützen / retten (im körperlichen Sinn / im geistlichen Sinn) / heilen / gut tun / von den Folgen der Sünde erretten „, es ist keine 1:1 – Übersetzungen möglich, sondern lediglich interpretierende / annähernde Übersetzungen. Ein Blick in eine passende Studienbibel vermittelt, wo das Wort (in welchem Sinne) noch überall verwendet wird.
      Und damit ist dann klar: ein gutes Glaubens- und Gebetsleben ist kein Garant dafür, dass ich von einer Krankheit geheilt werde. Aber ich werde definitiv von Gott hindurchgetragen, wie es auch immer ausgehen mag.
      Ansonsten darf man sich auch an Paulus erinnern, der trotz dreimaligen Gebetes seinen Stachel im Fleisch nicht los wurde. Es liegt sicherlich nicht am mangelnden Glauben oder Gebet des Paulus, sondern dass Gott andere gute Pläne mit uns vorhat.

      1. Mir ist schon klar, dass Sie alles auf die Erfahrungen reduzieren wollen, die ein „Christ“ heute infolge seines Unglaubens macht, anstatt sich nach wirksamen Glauben auszustrecken.
        Christliches Geschwätz nützt niemandem, sondern nur Glaubenserfahrungen!
        Man kann sich nicht zu einem (Be-)lehrer aufschwingen, wenn man nicht dazu berufen ist.
        Halten Sie sich lieber an das, was ich schreibe, anstatt an ihre Fabeleien:
        https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/01/11/wahrer-glaube/

        1. Mit etwas Lesekompetenz kann man leicht nachvollziehen, dass ich zunächst vom biblischen Befund ausgegangen bin (1. Absatz). Danach vom biblischen Befund und persönlicher Erfahrungen (2. Absatz). Und der letzte Absatz geht vom biblischen Befund aus.
          Ich werde mich sicherlich nicht an die Auswürfe von jemanden halten, der eben nicht vom biblischen Befund ausgeht / ausgehen kann, die Schrift verdreht und sich ständig selbst erhöht.

          1. Es wäre dem Thema angemessener, Sie würden etwas von Ihren Gebetserfahrungen berichten, denn um die geht es hier.
            Die Bibel missbrauchen, um über die Bibel zu schwatzen, konnten und können die Pharisäer hervorragend. Aber wirkliche Glaubenszeugnisse konnten und können sie nicht geben.

            Außerdem merken Sie nicht, dass der Einzige, der hier sich erhöht, Sie sind. Ich wurde erhöht!

          2. Sie sind ein echtes Schätzchen. Der erste Vorwurf lautet „… dass Sie alles auf die Erfahrungen reduzieren wollen … „, und der danach „… angemessener, Sie würden etwas von Ihren Gebetserfahrungen berichten …“
            Solange, wie Sie sich ständig selbst widersprechen, stelle ich (mal wieder) die Kommunikation hier mit Ihnen ein.

  5. ….Worum bittet der Psalmist dann indirekt mit dieser Bitte?….
    Der Psalmist betet und bittet im Glauben, und legt sein Anliegen vor Gott.
    Du bist mein Gott, ich mache mich abhängig von Dir, hilf mir nach Deiner Barmherzigkeit. Er überläßt sich Gott und demütigt sich, und vertraut darauf das Gott eingreifen wird.
    Auch weiß der Beter daß er mit seiner Not jetzt nicht mehr alleine ist, und überlässt es Gott, wie ER handeln wird.
    Er fordert nicht und bedrängt Gott nicht, er bittet im Glauben.

  6. —Ich stehe offensichtlich in der Gefahr, anzunehmen, das Gott mein Gebet so oder so hört—
    Gott will, dass der Beter einen persönlichen Kontakt zu Ihm herstellt, ER sucht im Beter vertrauen und glauben, das ist die Ebene der Begegnung.
    Mir fällt noch auf, dass die Psalmbeter sich auf die Begegnung mit Gott vorbereiten, (Herr höre, merke, vernimm), … mein König und mein Gott, drückt die Ehrfurcht aus, und macht die unterschiedlichen Positionen deutlich, der Beter erkennt seine Abhängigkeit und die Allmacht Gottes.

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