Hampelmann, Hempelmann oder Trollmann?

Passiert dir das manchmal? Du denkst an nichts Böses und auf einmal kommt er aus dem Nichts: Der heilige Zorn eines dir gänzlich unbekannten Menschen, der dich (wahrscheinlich völlig zurecht) total doof findet.

Meine Begegnung mit Tim Trollmann

Nein? Passiert dir nie? Hmmmm. Also mir schon. Vor zwei Wochen zum Beispiel. Kaum hatte ich einen Blog-Post zu meiner aktuellen Message abgeschickt, erschien in der Kommentarspalte eine Nachricht von einem Christ, (nennen wir ihn mal) Tim Trollmann, der sich tierisch über meine Ausdrucksweise („Nerd“, „Geek“, „abhängen“ und vor allem „Churchies“!!!) aufregte. Und dann auch noch das Foto mit zerrissenen Jeans (beidseitig)… Das fand Tim inhaltlich und optisch nur noch „Gaga“ (,was er natürlich gerne darf). Völlig konsequent kam er zu dem Schluss, dass man auf diese Weise wohl kaum ganzheitliche, ernstzunehmende, jesusmäßige Ergebnisse erzielen könne (meine Paraphrasierung). Geschenkt. Konstruktive Kritik hilft immer. Und wenn wir ehrlich sind: Unfaire Kritik hilft meistens auch. Sie ist nur nicht so schön. ?

Aber gehen wir mal weg von Tim und mir und hin zu einem viel wichtigeren Thema: Inwiefern spielen Äußerlichkeiten und persönlicher Stil eine Rolle in der Vermittlung unserer Botschaft von einem liebevollen, gnädigen Gott, der seine Menschen so sehr liebte, dass er sie – trotz allem Mist – mit sich versöhnte?

Hempelmanns Fragen an Tim und mich

Gerade eben las ich einen interessanten Abschnitt im Vorwort zu einem Buch, den es lohnt, durchzudenken:

„Ist das, was wir heute unter „Evangelium“ verstehen und als solches „kommunizieren“, vielleicht so stark durch eine spezifische kulturelle Prägung, auch ein kirchliches Milieu bestimmt, dass wir genau durch dieses spezielle Format anderen den Zugang zum Evangelium verstellen? Bedeutet Christsein heute nicht mehr nur Umkehr zu Christus, sondern auch zu einem bürgerlichen, mehr oder weniger modernen oder auch vormodernen Lebensstil? Ist Christsein und Christwerden wieder mit [..] Bedingungen verbunden?“

Heinzpeter Hempelmann: Gott im Milieu

Meine Fragen an Tim, mich, dich und den Rest

Ich denke, es lohnt sich, als Christ über diese Fragen gründlich nachzudenken und die eigene kulturelle Prägung zu reflektieren, die einen evtl. dazu bringt, einen Churchie, der ganz un-churchig daherkommt für gaga zu erklären.

Wie steht es mit dir?

  • Zu was bekehren sich die Leute, wenn sie auf deine Worte eingehen?
  • Sind deine Worte und dein „Style“ (tut mir leid, Tim!) eine offene Tür, oder ist dein kulturelles, kirchliches Milieu-Allround-Paket eher eine Straßensperre zum Glauben für Kirchenferne (oder wie ich sagen würde: „Nicht-Churchies“… nochmal: sorry, Tim)?
  • Was musst du über Bord werfen, um ein noch effektiveres Hinweisschild auf Jesus sein zu können?
  • Bist du bereit – wie Luther – den Leuten „aufs Maul zu schauen“ und dann – wie Paulus – den „Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche“ zu sein? Und wie genau würde das aussehen?

Ich bin bezüglich dieser Fragen noch auf dem Weg. Du sicherlich auch. Traust du dich, dir diese Fragen wirklich zu stellen? Deine Gedanken diesbezüglich würden mich sehr interessieren.

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Dieser Blog-Beitrag von André Weber erschien zuerst auf Der Churchie Blog . Lies hier den Original-Artikel "Hampelmann, Hempelmann oder Trollmann?".

Über André Weber

Ich bin 39 Jahre alt, Jesus-verliebt, Theologie-Geek, Film-Nerd, Gemeindeleiter, Lehrer. Am liebsten hänge ich mit meiner tollen Familie ab. HdH-Mannheim ist mein place to be. (http://www.hdh-mannheim.de http://www.facebook.com/hdhmannheim http://www.instagram.com/hdhmannheim Und natürlich: http://www.churchieblog.com)

12 thoughts on “Hampelmann, Hempelmann oder Trollmann?

  1. Nun mußte ich erstmal nachschauen, ob ich Deinen letzten Eintrag bei Biblipedia kommentiert hatte … Glück gehabt, ich habe mich nicht mal in dem Thread mit einem Beitrag entdeckt 🙂 , obwohl ich mich da auch manchmal gern berufen fühle, etwas zum Thema zu sagen. Von daher: Du hast mich kalt erwischt 😉

    Durch meine Hobby-Betätigung als Organist habe ich eine gewissen Bandbreite an Gottesdiensten und Teilnehmern, die ich wechselseitig besuche. Das fängt in einer JVA an und geht hin bis zur konservativen evangelischen Dorfkirche. Und nun haben wir das Dilemma: auf der einen Seite will man wie Paulus jedem „auf passender Ebene“ begegnen, auf der anderen Seite soll mein Körper ein Tempel des heiligen Geistes sein (und daher kommen zerrissene Jeans für mich nicht in Frage) und, da Jesus sein Leben für uns gegeben hat, ich will Jesus dadurch ehren, dass ich mein Bestes gebe (mindestens angemessene Bekleidung im Gottesdienst, die musikalische Seite sowieso, und keinen Brummschädel vom Vorabendbesäufnis). Also nicht der feine, für Distanz sorgende, Anzug im Knast, wo die Standardkleidung Jogginghosen oder Anstaltskleidung / Blauzeug ist, aber auch nicht die Altherren-Rockerlederjacke an der Barockorgel der Dorfkirche. Aber doch immer so, dass ich als möglicher Gesprächspartner und als ein Botschafter unseres Herrn Jesus durchgehe.
    André, wir werden uns wahrscheinlich nie „beruflich“ begegnen – ich kann mit dem Thema „Worship-and-Arts“ (zitiert von Eurer Homepage) nichts anfangen, und ich spiele lieber von Bach ein Choralvorspiel (und im Knast mal einen Marsch von Lefebure-Wely, wenn es passt), als dass ich zu Schlagzeug und einer Tanztruppe lobpreise (sorry, ich überspitze eventuell gerade), und umgekehrt sieht es sicherlich genauso aus. Das ist so, damit können wir sicherlich umgehen.
    Es gibt ja ein paar Anhaltspunkte in der Bibel, wie Gottesdienste gefeiert worden sind (z.B. bei Nehemia was Gesang und Vermittlung der Botschaft angeht, Treffen der Gemeinde im NT, Lob und Dank zuerst wie in den Paulusbriefen), und daran richte ich mich gerne aus, Du sicherlich auch, jeder auf seine Art.

    Ist mein „Style“ eine offene Tür? Wenn der Brief eines verlegten JVA-Insassen kommt, der aufgrund der erlebten Gottesdienste (Predigt und Musik) nun sein Leben neu ausrichtet und Theologie studiert: ja, auch mein Style kommt an. Aber wahrscheinlich war es doch mehr die Ernsthaftigkeit der Bemühungen und die Glaubwürdigkeit des Einsatzes von Pfarrer und Organist. Und ebenso erlebe ich, dass Menschen den Dorfkirchen-Gottesdienst erneut besuchen und über 40km dafür fahren, weil Ihnen nicht nur die Predigt gefallen hat, sondern auch die Musik passend zur Botschaft war. „Konservativ“ geht also auch.

    Sollte ich Dir mal in Zukunft auf die Füsse treten mit Geek, Nerd, Kleidung: sorry, das war dann der erste unreflektierte Impuls, nimm es mir bitte nicht krumm, das soll dann kein persönlicher Angriff sein. Zum Ausgleich würden wir uns aber nicht einig werden bei der Frage, ob Frauen laut biblischem Befund in die Gemeindeleitung gehören 😉

    1. Hallo Stephan, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Du hast recht: Unterschiedliche Stile sprechen unterschiedliche Menschen an. Und: Stil und äußeres Erscheinungsbild sind nur kleine Puzzleteile. Charakter, Persönlichkeit und Authentizität spielen ebenfalls eine große Rolle.

      Letztendlich stellt sich die Frage, wen man erreichen will. Daraufhin sollte man kritisch refelktieren, wie man dies effektiv tun kann und welche Dinge diesem Ziel im Weg stehen.

  2. Wenn man sich einig wäre, keine ewige Hölle zu glauben, dann könnte ich mit diesem Portal irgendwie in Frieden leben. Sind ja letztlich hier alles nette Menschen.

    Wenn nicht, dann halte ich die Stilfragen und die ganze Zeitgeist-Verpackung für eine riesige und vor allem völlig nebensächliche vom Kern ablenkende Hampelei!

    Grüßle

    1. Lieber Jazzico Trollmann,

      ich äußere hier mal die steile These, dass dein cholerisches Auftreten in den Kommentarleisten dieser Seite viel gravierender „vom Kern ablenkt“, als irgendwelche „Zeitgeist-Hampeleien.“

      Um beim Bild der Hampelei zu bleiben: Manche würden behaupten, dass dein Gebaren (nur eine klitzekleine Nuance) rumpelstilzchenhaft erscheint.

  3. Ist das, was wir heute als ,,Evangelium“ verstehen und als solches ,,kommunizieren“vielleicht so stark durch eine spezifische und kulturelle Prägung, auch ein kirchliches Milieu bestimmt, das wir genau durch dieses Format, anderen den Zugang zum Evangelium verstellen?—-
    Ja, da ist was dran, ich frage mich gerade: warum habe ich mich denn jetzt Wochen und Monate bemüht die Irrlehren von der reinen Lehre zu unterscheiden? wenn jetzt doch alle gemeinsam Lobpreis machen.
    Mir flattert doch heute so ein Riesenflyer ins Haus:
    DER LOBPREISKONGRESS 2019
    Wer ist dabei? Johannes Hartl, Tobias Feix, Albert Frey & Band, uuund Steffen Kern…Pro Christ Redner
    Muß ich jetzt wieder umdenken?
    Denn ich lese: In vielfalt den Schöpfer anbeten, In Einheit Jesus feiern, Im Geist einander ehren und voneinander lernen.
    Also doch, voneinander lernen, ist so ähnlich wie mit den zerissenen Jeans!

    1. Du mußt nicht umdenken – bleib dabei, was Du die letzten Monate gemacht habe und versuche weiterhin, die Irrlehre von der reinen Lehre zu unterscheiden. Du weißt ja, die Beröer …
      Hinsichtlich ProChrist habe ich vor ein paar Jahren meine Konsequenzen gezogen, als Parzany das letzte mal dabei war und zweimal von Kern vertreten wurde. Hat Parzany noch mit der Bibel in der Hand seine Verkündigung eröffnet und aus dem Wort Gottes heraus gepredigt, so empfand ich Kern als jemand, der erstmal 30 Minuten schwätzt und dann krampfhaft in 2 Minuten versucht, sein Geschwätz mit 2 Bibelstellen zu untermauern. Dazu dann noch das „Vorprogramm“, nee, ich bin da nicht mehr bei in der Mitarbeit. Der Glaube kommt aus der Predigt und nicht von der Showeinlage eines Mimen. Ich hatte immer mehr das Gefühl, die feiern sich selbst. Und jetzt mit Hartl zusammen … 🙁
      Was jetzt auf der einen Seite wie beginnende Einheit aussieht, läuft auf der anderen Seite auf Zerfall heraus, Gemeindewechsel oder -Austritt. Passend dazu lief mir heute noch der Blog-Artikel einer jungen (und wohl ungläubigen) jungen Frau über den Weg, die beklagte, dass ihre Altersgruppe genau die ist, die sich nur noch in der Masse wohlfühlt. „Dazugehören“ ist wichtiger, als eine eigene oder gar richtige Meinung (also faktenbasiert, objektiv, wissenschaftlich haltbar) zu haben. Uniformität, ich würde sagen Tribalismus, ist wohl wichtig (das hatten wir doch schon mal vor 80 Jahren …?). Von daher wird ein Lobpreiskongress sicherlich riesen Zulauf haben, und wir werden von einem Erfolg hinsichtlich der Besucherzahlen lesen. Wieviel Leute unter den Besuchern sind, die einem stürmigen Gegenwind im Glauben standhalten würden, ist aber fraglich.
      Ich halte nichts von Einheit, wenn der Preis dafür wäre, dass man Lehrunterschiede verschweigt oder kleinredet. Und das nimmt leider immer mehr zu. Also gehe ich dahin, wo ich den Eindruck habe, gebraucht zu werden oder eben eine wortgetreue Verkündigung unterstützenswert wäre. Ich habe es ja in einem anderen Thread schon erwähnt: ich habe das Glück, dass ich da einwirken kann. Kommt Blödsinn von der Kanzel, gibt es eine Verwarnung, beim zweiten Mal würde der Organist auf Nimmerwiedersehen sagen.

  4. Bei derart Veranstaltungen feiert man sich grossteils immer selbst, ob da nun Katholiken wie Hartl dabei sind oder nicht. Man merkt das bei deren Niveau nur nicht. Wieso überhaupt so schweineteure Veranstaltungen? Da wollen doch Leute, die nicht mal recht singen können und nur eine Hühnerstimme haben, auch verdienen.
    Ich habe mich als ich noch in einer Pfingstgemeinde war, schon immer gefragt, warum nur Lobpreis und nicht auch Bußgottesdienste? Nun diese Frage kann sich jeder mal selber stellen und wenn man nur etwas vom heiligen Geist versteht, dann weiß man auch die Antwort.
    Ich nehme mal nur Hartl her. Warum muss der immer so ewig lange Vorträge halten? Ist das Evangelium nicht etwas recht Einfaches? Ja, Parzany war im Vergleich dazu immer recht gut, auch wenn mir da manches auch zu sehr gekünstelt bzw, ausgiebig war (die Zuhörer sind doch nicht so dumm oder doch?), aber er hatte die Fähigkeit vieles auf den Punkt zu bringen.

  5. Hallo Stephan, die Beröer sind wohl eher auf dem zweiten Platz gelandet, die Zeiten haben sich geändert. Abraham ist angesagt, er verhandelt ja mit Gott, fängt bei 50 Gerechte an, und am Ende bittet er: wenn nur 10 Gerechte in der Stadt (Sodom un Gomorra) sind, dann verschone bitte die Stadt, Gott war einverstanden. Also, wollen wir doch beten, das die jungen Menschen trotz Showeinlage und Lobpreis, auch dem stürmischen Gegenwind standhalten, wir können nicht auf sie verzichten, Stadt und Land darf nicht untergehen.
    Und zum Glück weiß Gott wie schwer der Kampf heute ist.
    Beginende Einheit auf der anderen Seite Zerfall— war aber auch schon immer so, ER wird die Spreu vom Weizen trennen.
    Die jungen Menschen sind geworden, was wir ihnen vorgelebt haben, wenn es denn sein muß, dann lass sie feiern, Jesus ist bei ihnen.
    Am Ende ist es ja nicht das ausgeklügelte Gedankensystem für maßgeschneiderte christliche Überlebensstrategie!
    Nein, es ist Gnade und die gilt noch immer.

  6. Hi Andrè! ich mag deine Postings, und die sprache stört mich bei Blogbeiträgen definitiv nicht, ich weiß nicht genau, wie es in in einer Predigt wäre. Aber die Sprachen gehören nun mal uns Christen, und uncool zu sein ist sicher nicht Christlich. Eher Probleme hätte ich mit deinen Hosen, ich bin sowas nicht gewöhnt, aber ehrlich gesagt, ähnlich stören mich diese tausendjahrealten Talare und Bäffchen, und auch die Russlanddeutsche Variante mit Geschäftsmäßigen Sakkos ist nicht so überzeugend…das schlimmste ist, wenn eine Gewöhnung zu Gesetz wird, und diese Sitte/Gewöhnung/Tradition kann genausogut locker wie streng sein (ich erinnere mich an einem Besuch in einer Gemeinde, wo ich für meinen altmodischen Musikgeschmack verspottet wurde, hier war halt nur „moderne Musik“ erlaubt, was ja genauso gesetztlich ist, wie zu sagen, nur was 100 jahre alt ist, singen wir…)Übrigens, kennst du das Buch von Spurgeon zu Eccentric Preachers? Vor allem das Einleitungskapitel hat da super interessante Überlegungen, die in deine Richtung schlagen! Noch was anderes: Ich muss natürlich weder deine/noch Xte Sprache /Hose/X gut finden oder gleichgültig gegenüber der selben sein, um ein Christ zu sein…das wäre halt auch noch die andere Sicht auf die Dinge.

    1. Sergej, ich stimme dir vollkommen zu: Man kann auf beiden Seiten vom Pferdfallen. Ob nun auf der Traditionalistenseite, oder auf der Hipsterseite. Bei dem ganzen „den Griechen ein Grieche“-Gedanke scheint mir ausschlaggebend, dass man (*hüstel) Zielgruppenorientiert auftritt, um dem Evangelium nicht im Weg zu stehen.

      Für russlanddeutsch geprägte Menschen zieht man dann den Scheitel eben etwas genauer … sofern man noch genügend Haupthaar sein Eigen nennen darf. Und für urbane Hipster oder Jugendliche schneidet man sich eben ein Loch in die Hose. (Achtung: Unbedingt an der richtigen Stelle!) 😉

      Übrigens: Ich bin bei der Liedauswahl voll mit dir. Bei einem acapella gesungenen alten Hymnus geht mir das Herz auf. 🙂

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