Jahresaufbruchpredigt

Da ist er also. der letzte Sonntagsgottesdienst im Jahr 2018 n. Chr. Morgen gibt es ein Feinstaubfeuerwerk. Ich muss zugeben, einige „Wow“ und „Ah“, „Oh“, die habe ich auch heute noch. Aber als Kind und Teenager hatte mich das mehr gepackt. Wir waren super kreativ. Bei uns lernten zu Sylvester Babypuppen den Raketenflug und die Kanalisation war unser Megafon, wenn wir polnische Kanonenschläge zündeten. Unser Fokus suchte nach jeder Möglichkeit, durch die wir Lärm, Krach und stinkenden Rauch maximieren konnten. Und je mehr Rummel und Leute dabei waren, desto besser.

Kontrast

Im Kontrast dazu steht unser heutiger Predigttext aus Matthäus 17, 1-9 (nach HOF). Vielleicht merkt ihr, was ich meine, wenn wir ihn zusammen lesen:

1 Sechs Tage später ging Jesus mit Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes auf einen hohen Berg. Sie waren dort ganz allein. 2 Da wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider strahlten hell. 3 Dann erschienen Mose und Elia und redeten mit Jesus.  4 Petrus rief: »Herr, hier gefällt es uns! Wenn du willst, werden wir drei Hütten bauen, für dich, für Mose und für Elia.« 5 Noch während er so redete, hüllte sie eine leuchtende Wolke ein, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Auf ihn sollt ihr hören.«  6 Bei diesen Worten fielen die Jünger erschrocken zu Boden.  7 Aber Jesus kam zu ihnen, berührte sie und sagte: »Steht auf! Fürchtet euch nicht!«  8 Und als sie aufsahen, waren sie mit Jesus allein.  9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!«

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Die Unterhaltung mit den Jüngern setzt sich dann fort, während sie den Berg hinabstiegen. Und dann kommt, Vers 14, in einem Nebensatz noch eine Info darüber, wie es weiterging. Diese Information will ich mitnehmen:

14 Als sie zu der Menschenmenge zurückgekehrt waren, …

Ja, da ging es wieder richtig los – der Alltag: Die Menschenmengen beanspruchten Jesus. Wieder musste er etwas tun, handeln, Aktion, Anfrage, Arbeit, Leistungsabfragen, Bitten, Verpflichtungen.

Ihr ahnt, warum ich diesen Text gewählt habe. Diese Szene auf dem Berg – da steckt so viel drin, nach dem ich mich auch sehne. Gerade im Hinblick auf das neue Jahr – ein neues Kapitel.

Sie waren dort ganz allein.

Jesus, Petrus,  Jakobus und Johannes.  Zeit mit Jesus verbringen. Quality time. Herauslaufen, geradezu hoch hinaus laufen aus den Menschenmenge, den Stau, den Stress, den Aktionen, der Abfrage. Sie waren dort ganz alleine mit Jesus. Ungestört und ich bin mir auch sicher, dass sie gegenwärtig waren: Dass sie da waren. Und eben nicht so verstreut wie Alltag.

Dieses „gegenwärtig“, danach sehne ich mich auch oft. Und meistens stehe ich mir selbst im Wege. Wenn ich mit jemanden rede, aber eigentlich an dieser Person vorbei laufe. Viel zu oft an den PC, oder mit Handy in der Hand. Ganz bewusst musste ich da schon gegensteuern. So automatisch, so reißend ist dieses Fahrwasser. Und seine Tiefen sind Unpersönlichkeit.

Aber hier, bei Jesus: Da erleben die drei Jünger das genaue Gegenteil. Sie dürfen persönlich dabei sein; etwas erfahren, was zunächst nur ihnen anvertraut wird. Petrus,  Jakobus und Johannes gehörten wohl zu dem inneren Kreis in der Runde der zwölf Jünger (vgl. 26,37; Mk 5,37 und 13, 3.).

Das mag so sein. Aber meine Sehnsucht, die wird nicht von einer Art Wunsch befeuert, einer von denen zu sein, die noch näher als andere heran dürfen. Nein. Ich hätte einfach auch gerne mehr davon: Diese Quality-Time mit Jesus, die Petrus, Jakobus und Johannes persönlich erleben dürfen. Irgendwie will ich mir das für ’s nächstes Jahr „einrichten“. Das setzt natürlich voraus, dass ich auch bereit bin, Z e i t dafür frei zu räume, um mit zuwandern: Mit Jesus.

Mit Jesus gehen; von Jesus mitgenommen werden

Zugleich weiß, dass ich dafür auch schlicht und einfach mitgenommen werden muss. Denn auch hier im Text ist es ja nicht so, dass Petrus, Jakobus und Johannes den Christus mitnehmen, sondern Jesus nimmt sie mit. Er spielt hier die Hauptrolle; die drei Jünger sind „nur“ Staunende.

Aber wer sich darauf einlässt, der kann was erleben, etwas sehen atemberaubendes.  Denn mit Jesus stehen die drei Jünger jetzt ganz alleine auf dem Berg.

Da wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider strahlten hell.  Dann erschienen Mose und Elia und redeten mit Jesus. 

Was da so kompakt in diesen zwei Versen steckt, ist der helle Wahnsinn. Vor ihren Augen verwandelt sich Jesus. Dabei passt das Wort „verwandeln“ gar nicht so richtig. Es ist eher so, dass Jesus – der zugleich ja ganz Mensch ist – den anderen Teil seiner Gestalt (morphe) – den göttlichen Teil – aufleuchten lässt.

Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne; seine Kleider strahlten hell.

Unweigerlich denken wir hier an Mose; zumal er hier namentlich genannt ist. Mose hatte auch eine Gottesbegegnung auf einem Berg. Und auch das Gesicht von Mose strahlte daraufhin. Aber mit einem kleinen Unterschied (2. Mose 36, 29):

Als Mose mit den beiden Tafeln in der Hand vom Berg Sinai herabstieg, lag ein Glanz auf seinem Gesicht, denn er hatte mit dem Herrn gesprochen; Mose selbst merkte nichts davon.

Merkt ihr den Unterschied? Während Mose den Glanz Gottes nur wiederspiegelt, leuchtet das Gesicht Jesu wie die Sonne. Er ist die Lichtquelle. Auch hier scheint die Trinität durch: Jesus ist Gott.

Und damit sind wir wieder bei meinen Sehnsüchten für das kommende Jahr. ich will mehr verstehen, begreifen, wer Jesus ist. Mir ist klar, dass ich dies final nie erforschen oder packen kann. Aber ich weiß wie begeistert ich bin, wenn ich ein Stück mehr vom Wesen Gottes begreife. Da sind die Ah, die Oh und die Wow zu Sylvester nichts dagegen.

Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne; seine Kleider strahlten hell.

Ich glaube ja nicht, dass Petrus, Jakobus und Johannes neben Jesus standen, und die Lichteffekte mit „Wow“, „Ah“ und vielen „Oh“ begleiteten. Diese drei Jünger sind im Angesichts Gottes trotzdem und sogar noch viel tiefgehender berührt.

Denn jetzt, wo Jesus sich als Licht „entpuppt“, in seiner Gegenwart und dann noch mit Mose und Elia redet, da fallen die drei Jünger in alle Wolken und da wollen sie auch bleiben:

Petrus rief: »Herr, hier gefällt es uns! Wenn du willst, werden wir drei Hütten bauen, für dich, für Mose und für Elia.«

Die Jungs hier wollten den Augenblick auch am liebsten einfangen. Dem Momentanen Dauerhaftigkeit und Raum geben. Dazu bieten sie Jesus an, drei Hütten zu bauen – gleich hier: Eine für Jesus, eine für Elia und eine für Mose. „Hier gefällt es uns!“, ruft Petrus aus. Dafür will er gleich den richtigen Raum und Platz spendieren. Diese Begegnungsstätte verfügbar machen.  Denn er ahnt vielleicht, dass dieser faszinierende Moment schon bald vorüber ist. Vorbeigeflogen an ihm, so wie die letzten 364 Tage dieses Jahres an uns.

Und schon wieder pocht in mir eine Sehnsucht auf. Meine Gemeinde hat aktuell nur eine vorübergehende Bleibe; ein Provisorium. Wenn man kein altes Kirchengebäude hat, das ohnehin seit Jahrhunderten ihr Grundstück sein bestückt, hat man es schwer, an geeignete Fläche oder Gebäude im urbanen Umfeld zu kommen. Aber wir brauchen solch einen Ort; so eine geistliche Oase wie die FeG Mannheim. Ich habe Sehnsucht danach, dass unser Angebot, unser Gemeindeleben, nicht nur offen im Gewerbegebiet steht, sondern dort steht, wo es unseren Mitmenschen leicht zugänglich ist. Und auch für mich als Gottesdienstbesucher wäre ein Gemeindeleben in einem funktionalen Gotteshaus beflügelnd.

Vielen anderen Gemeinden geht es genauso – nicht nur in Mannheim. Noch sind wir hier; auch die Jünger sind es noch:

Noch während Petrus so redete, hüllte sie eine leuchtende Wolke ein, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Auf ihn sollt ihr hören.«

Da spricht Gott der Vater. Die Wolke ist das sichtbare Symbol für Gottes Gegenwart (2. Mose 13, 21 f; Hes 1,4). Bei dem Worten unseres h. Vaters denke ich an die Taufe Jesu (Mt 3,17). Für die Jünger ist das zu viel des Guten

Bei diesen Worten fielen die Jünger erschrocken zu Boden.

Ohne weiteres vergeht der Mensch schlicht und einfach in der Gegenwart Gottes. Das einzige Mittel, was hier hilft und Heilung bringt, muss uns von außen gegeben werden:

Aber Jesus kam zu ihnen, berührte sie und sagte: »Steht auf! Fürchtet euch nicht!« Und als sie aufsahen, waren sie mit Jesus allein. 

Wieder klopft meine Sehnsucht an. Meine Sehnsucht nach dem Höchsten, der mich aufrichtet, wenn ich falle. Wenn ich mich fürchte – „steh auf“! Wenn es bei mir zu viel werden sollte, der shut down kommt: Mein Steht_auf; Fürchtet_nicht! Ich hoffe, dass ich in solchen Momenten, wie die Jünger, die Augen aufmache darf und sehe: Jesus ist da.

Jesus war auch für sie da

Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!«

Schon wieder Lichtfeuer in meinem Herzen. Schon wieder wird bei mir eine Sehnsucht geweckt. Könnt ihr euch vorstellen, an was schon die ersten Wörter dieses Verses bei mir rütteln?

Während sie den Berg hinabstiegen…

Zurück in die Menschenwelt, zurück zu den Menschenmengen, wie wir gelesen haben: Petrus, Jakobus und Johannes sind unterwegs – runter vom Berg; zurück in die Alltagswelt. Aber  m i t  Jesus! Und genau danach sehne ich mich auch. Ich will nicht nur Christ sein am Sonntag – in meiner geistlichen Oase – auf dem Gipfel, weit über diversen Wolkendecken des Alltags.

Das brauche ich. Deshalb gehe ich auch mitunter in diese Gemeinde. Aber ich möchte zugleich auch im Alltag, auf der Arbeit, beim Joggen (sofern ich jogge) und beim Traden sein, was ich bin: ein Kind Gottes. Und das kann ich nicht aus mir alleine heraus. Ich könnte mich nach Regeln und Werten ausrichten. Aber die dienen – und das war u.a. eine Funktion des Gesetztes des AT – nur zu meiner erkenntnisbringenden Überführung. Mit diesen Messlatten (Gesetzen) steck ich mir nicht den Weg in den Himmel ab, sondern kann geradezu ausmessen, mit welchen Winkel es mich Richtung Hölle treibt.

Es ist final Jesus, der von außen kommt, der mich begleiten muss, wenn ich im Alltag Christ sein will. Und wenn es irgendwie möglich ist, will ich ihm dafür den Platz frei räumen.

Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!

Ich bin immer wieder verblüfft, wie frühzeitig in den Berichten der Evangelien der spätere Tod und die Auferstehung, zum entscheidenden, bestimmenden Geschehen werden. Schon ein Kapitel vorher (Mt 16, 21) redet Jesus erstmals von seinem Tod. Schon bald ist er auf dem Weg nach Jerusalem.

Ich wünsche Dir und mir, dass uns weder Tod noch Auferstehung kalt lassen. Sondern dass uns diese beiden zentralsten Ereignisse berühren, so wie Jesus hier auf dem Berg die gefallenen Petrus, Jakobus und Johannes berührt. Dass richtet sie wieder auf. Und auch wir erhalten durch diese Hinwendung von außen – durch den Sühnetod Jesu und seine Auferstehung – die heilende Berührung. Ich habe Sehnsucht, dass die Menschen in meinem Umfeld davon erfahren und sensitiv werden.

Sühnsüchte für ein neues Kapitel

Jetzt habe ich mit dir so viele Wünsche und Sehnsüchte geteilt. Ich hoffe und bete auch dafür, dass sie an mir nicht einfach vorbeifliegen im kommenden Jahr. Ich will ihnen jedenfalls ein stückweit nachjagen. Ich hoffe, du hast auch solche Sehnsüchte; noch viele mehr Sehnsucht! Ich wünsche Dir vom Herzen, dass sie mit dir 2019 ein neues Kapitel schreiben. Amen!

„Die Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis.“

Diese Predigt wurde von Stefan Schnabel im Sonntagsgottesdienst (30.12.2018) in der Freien evangelischen Gemeinde Mannheim gehalten.

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About Stefan Schnabel

Stefan Schnabel (geb. 1984, verheiratet) ist ein junger Papa und Mathematiker aus Mannheim. Aufgewachsen in einem „säkularen Umfeld mit Kirche“ hatte der christliche Glaube kaum bis keine Prägekraft für sein Leben. Das änderte sich mit Anfang 20 für ihn mit dem Besuch einer EC-Jugendgruppe. Gott bekam ein Gesicht für ihn: Jesus Christus. Faszination, ein Kampf um Sprachfähigkeit und geistliches Ringen begleiteten diesen Weg von einer liberal-säkularen Anschauung in einen konservativen christlichen Glauben. Gerade diese Sprungstelle macht sein Denken, Reden und Verkünden so reich, so persönlich: Fromme Glaubensinhalte und Werte wurden von ihm nicht einfach geschluckt, sondern bewusst auf- und angenommen. Mit seinen Blog-Beiträgen will er sie reflektieren und begründet weitergeben: zur Ehre Gottes. Schulischer/ beruflicher Werdegang: Abitur (2005, Jahrgangsbester); Dipl.-Finw. (FH) (2008), B. Sc. und M. Sc. Math. oec. (2012, 2014, Jahrgangsbester). Seit 2015 arbeitet Stefan Schnabel als Research Assistent für Stochastik an der Universität Mannheim. Als Familie engagieren sich Schnabels in der Mannheimer SMD [http://www.smd-mannheim.de/] und FeG [http://www.feg-mannheim.de/]. Kontaktdaten: Stefan Schnabel Rüdesheimer Straße 4 68309 Mannheim E-Mail: schnabel.ste [at]googlemail[punkt]com Tel. 0621 - 30 78 60 99 Mobil: 01575 32 88 173 (WhatsApp)

6 thoughts on “Jahresaufbruchpredigt

  1. Danke Stephan.
    ….übrigens, manchmal ist eine Gemeinde im Gewerbegebiet ganz gut aufgehoben wegen der Lärmempfindlichkeiten und Parkplätze etc (und die allermeisten sind mobil oder können „mitgenommen“ werden.)

  2. Danke Stephan für deine von Herz zu Herz gehende Predigt.
    Wer von der Sehnsucht getrieben wird, mehr von Gott zu begreifen, der findet die Antwort in den Worten des Vaters ,,dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!
    Der himmlische Glanz liegt in der Lehre von Jesus, ,,von Wahrheit, Liebe, Ewigkeit, neues Leben, Gemeinschaft mit Gott. So nahe kommt uns Gott in Seinem Wort!

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