„Fromme“ Psychotherapie – Gefahr oder Hilfe?

Pionier der säkularen Psychotherapie war der Schweizer Neurologe Sigmund Freud (1856-1939).  DiePublikation seiner Psychoanalyse wurde bahnbrechend für eine intensive Erforschung der seelischen Vorgänge.  Die daraus entwickelte Psychotherapie verfolgt letztlich dieselben Ziele, die wir seit Jahrhunderten unter dem Begriff Seelsorge kennen. In beiden Fällen geht es darum, seelisch gestörten und belasteten Menschen in ihren Nöten zu helfen. Seit einigen Jahren ist die sogenannte Christliche Psychotherapie  stärker ins Blickfeld gerückt.

Im Internet-Lexikon von Wikipedia ist darüber zu lesen (Mai 2010):
„Die Christliche Psychotherapie ist die Selbstbezeichnung einiger Anbieter für psychotherapeutische und seelsorgerische Angebote. Dieses Angebot einer psychotherapeutischen Behandlung in Vereinbarkeit mit einer konservativ christlichen Weltanschauung ist insbesondere in den Vereinigten Staaten verbreitet, existiert aber auch im deutschen Sprachraum. „Christliche Psychotherapie“ ist keine Fachrichtung innerhalb der Psychotherapie, auch gibt es weder einen Dachverband noch eine spezielle Ausbildung oder allgemein anerkannte Richtlinien. Die Ausprägung kann deshalb von Anbieter zu Anbieter stark differieren.
Die Anbieter sind in der Regel Christen mit psychiatrischer oder psychotherapeutischer Ausbildung, die wissenschaftlich anerkannte psychotherapeutische Maßnahmen verwenden – im Gegensatz zu beratenden Seelsorgern, die Theologen sind oder eine seelsorgerliche Laienausbildung haben.
Die Zielgruppe für christliche Psychotherapie sind ebenfalls Christen, die aufgrund ihres Glaubens Schwierigkeiten in der Anwendung klassischer Psychotherapie sehen und zu einem selbst gläubigen Therapeuten mehr Vertrauen haben.
Christliche Psychotherapie ist bezüglich der Integration von spirituellen und religiösen Aspekten verwandt mit der Transpersonalen Psychotherapie. Die angewandten psychotherapeutischen Methoden kommen in der Regel aus den Bereichen der VerhaltenstherapieHumanistischen Psychologie und Systemischen Therapie.[1][2][3][4]
Privatkliniken wie De’Ignis, Hohe Mark, Sonnenhalde und SGM Langental, die christliche Psychotherapie anbieten, sind in der Regel von den Krankenkassen anerkannt, da es bei der Kassenzulassung lediglich auf die formale Ausbildung der Therapeuten und die Anwendung der wissenschaftlich anerkannten Methoden ankommt, nicht aber auf die darüber hinausgehende weltanschauliche Ausrichtung der Therapeuten oder ergänzende Methoden, die kein Teil der GOÄ bilden“.

Umstritten ist die Frage, ob eine Vermischung von rein wissenschaftlichen mit biblisch seelsorgerlichen Therapie-Elementen hilfreich und sinnvoll ist. In diesem Rahmen soll es weniger um eine ausführliche Darstellung dieses konträren Sachverhaltes gehen.  Vielmehr möchte ich die folgenden Aussagen auf einige Aspekte der Heilung meiner eigenen seelischen Nöte durch die Therapie Jesu Christi und seines Assistenten, dem Heiligen Geist, beschränken:

Heilung der Seele persönlich erlebt

Schon vor aber auch nach meiner Bekehrung machten mir hauptsächlich drei seelische Problembereiche zu schaffen:
1. das Schuldproblem im Blick auf die Beziehung zu Gott (die Problematik menschlicher Beziehungen wäre m. E. sekundär)
2. das  Identitätsproblem (mangelndes Selbstwertgefühl – Minderwertigkeitskomplexe)
3. das  Praxis– bzw. Erneuerungsproblem (wie schaffe ich es, meine unguten Neigungen, Triebe usw. zu überwinden?)
Diese Problemfelder dürften auch allgemein der Hauptanlass sein, Rat und Hilfe beim Psychiater zu suchen.
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Dieser Blog-Beitrag von Herbert Masuch erschien zuerst auf Christus-Portal-Blog . Lies hier den Original-Artikel "„Fromme“ Psychotherapie – Gefahr oder Hilfe?".

Über Herbert Masuch

HERBERT MASUCH wurde 1929 in Ostpreußen geboren. Nach den Zusammenbruch des Dritten Reich erlebte er eine bewusste Umkehr zu Jesus Christus. Von 1954 bis 1958 studierte er am Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Es folgte ein mehrjähriger Dienst in der Essener Stadtmission. 1963 wechselte er als Evangelist in die Deutsche Zeltmission. Etwa dreißig Jahre lang war Masuch im In- und Ausland als Rufer zu Gott unterwegs. Auch durch die Mitarbeit beim Evangeliums-Rundfunk, die Veröffentlichung mehrerer Bücher und als Liedautor war er bemüht, die Frohe Nachricht von Jesus, dem Retter der Welt, zu bezeugen. Seit 1964 sind Masuch’s glücklich verheiratet und haben drei Kinder. Ehefrau Gretel war mit ihrem Mann viele Jahre missionarisch unterwegs. Heute wendet sich der ehemalige Evangelist überwiegend an Christen. Er bietet Hilfen an, die befreiende Botschaft „Christus in euch“ erstmals oder neu zu entdecken und zu verwirklichen. Diesem Anliegen dient auch seine dreibändige Buchreihe Lebensreformation (1994), die zugleich eine geschichtliche Analyse des jahrzehntelangen charismatischen Konfliktesherdes bietet.

3 thoughts on “„Fromme“ Psychotherapie – Gefahr oder Hilfe?

  1. Sehr geehrter Herr Masuch,
    ich möchte mich zu Ihrem Artikel, den ich sehr kritisch sehe, äußern, bei folgenden Punkten Ihrer Ausführungen gern nachhaken und meine Sicht darlegen:

    1. Sie nennen das Schuld-, Identitäts- und Erneuerungsproblem und schreiben: „Diese Problemfelder dürften auch allgemein der Hauptanlass sein, Rat und Hilfe beim Psychiater zu suchen.“
    Meine Nachfrage: Auf welcher statistischen Grundlage treffen Sie diese Aussage?
    Meine Sicht: In meinem persönlichen Umfeld erlebe ich niemanden, der deshalb therapeutische Hilfe sucht, sondern überwiegend Menschen, die schwere Traumata wie Missbrauch und Vergewaltigung erlebt haben oder Depressionen haben, also an einer Krankheit leiden. Solchen Menschen von einer Therapie so pauschal abzuraten, wie Sie es in Ihrem Artikel tun, halte ich für gefährlich. Denn ein Seelsorger mag damit meist zumindest zeitlich überlastet sein, oft aber wohl auch fachlich überfordert. Ich begleite selbst solche Menschen parallel zu ihrer Therapie seelsorgerlich und sehe die Aufgaben beider Bereiche als unterschiedliche an. Und ich darf immer wieder miterleben, wie Gott nicht neben, sondern durch die Therapie heilt, darin wirkt – durch christliche, aber auch durch nicht-christliche Therapeuten.

    2. Sie schreiben weiter:
    „Anhaltende psychische Probleme bei Wiedergeborenen lassen auf eine kranke bzw. embryonale Christusbeziehung schließen. Gelegentlich wäre ein Schuldbekenntnis fällig, vielleicht werden Lieblingssünden festgehalten oder es mangelt häufig an der täglichen Stillen Zeit. […]. Christen sollten sich aufrichtig fragen, ob ihre aktuelle, also die momentane Gottesbeziehung intakt ist und stimmt.“
    Meine Nachfrage: Wie kommen Sie zu dieser absoluten Schlussfolgerung? Und haben Sie erlebt, dass schwer kranke oder geschädigte Menschen heil werden, indem sie die Schuld für ihr erleben bei sich selbst suchen?
    Meine Sicht: Solche Rückschlüsse halte ich gerade für Menschen, die traumatisiert oder depressiv sind, für fatal. Es bringt zum Schweigen, zum Funktionieren vielleicht oder zum Aufrecht-Erhalten der christlichen Fassade. Aber dass auch biblisch Schuld der anderen beim Namen genannt wird, dass Rachegedanken, wie sie Traumatisierte manchmal haben, Raum finden in der Bibel – und ein gesunder Umgang mit ihnen vorgeschlagen wird – das geht verloren, wenn der Blick nur auf die eigenen Sünden und Versäumnisse gerichtet wird. An dieser Stelle würde ich sagen, dass der Umgang mit der Schuld der anderen durchaus auch in seelsorgerlichem Rahmen behandelt werden kann.
    Wo die Ursachen tatsächlich bei einem selbst liegen, habe ich persönlich das von Ihnen vorgeschlagene Schuldbekenntnis in Form der Ohrenbeichte tatsächlich schon als sehr befreiend und heilsam erlebt. Doch wie gesagt, ich sehe schlicht nicht, auf welcher Grundlage Sie eine mangelhafte Gottesbeziehung als pauschale Ursache aller psychischen Erkrankungen und Probleme diagnostizieren können.

    3. Sie schreiben zum Thema Sucht:
    „Als therapeutische Hilfsmittel haben sich Seelsorge und Bibelgespräche weltweit als sehr hilfreich erwiesen.“
    Meine Nachfrage: können Sie hierfür Belege nennen?
    Meine Sicht: ja, Jesus kann von Sucht befreien! Das ist wirklich eine gute Nachricht! Aber nicht alle Christen erleben Freiheit von ihren Süchten ohne weitere Hilfsmittel. Aus der Haltung heraus, eigentlich frei sein zu „sollen“ ohne andere Hilfe als die von Ihnen genannten, ergibt sich leider auch manchmal die Problematik eines Doppellebens.

    4. Sie schreiben dann noch folgende, m.E. stark lenkende „Fragen aus biblischer Sicht“:
    „1. Können Hilfsmaßnahmen, die ohne Gott entwickelt wurden (S. Freud u.a.), generell echte Hilfe vermitteln? (jeweils begründen)“
    Meine Nachfrage hier: beziehen Sie das auf alle Arten von Hilfsmaßnahmen, also auch technische und medizinische?
    Meine Sicht: Gott schenkt auch Nicht-Christen Einsichten, die den Menschen dienen. Zudem wurde die Psychotherapie seit Freud ja stark weiterentwickelt – und auch neben ihm, wie Sie durch Verweis auf Jung ja auch anerkennen. Auch der Gebrauch von Psychopharmaka, den sie in Zusammenhang mit der Möglichkeit nennen, Menschen ohne Gesprächstherapie ruhig zu stellen, sieht heute ja in der Regel anders aus und dient vor allem der Unterstützung der Gesprächstherapie (und ergänzender Therapiemethoden).
    „2. Schließen sich die beiden Heilungsmethoden etwa grundsätzlich aus? Und weshalb?“
    Meine Sicht: nein.
    Meine Nachfrage. Warum sollten sie sich ausschließen?
    „3. Warum besteht bei Heilerfolgen mit kombinierten Arbeitsmethoden die Gefahr, Christi Ehre und Kompetenz zu verkürzen?“
    Meine Nachfrage: warum denken Sie denn, dass diese Gefahr grundsätzlich besteht (so klingt Ihre Formulierung in meinen Ohren zumindest)? Trauen Sie den christlichen Therapeuten nicht zu, Gott die Ehre zu geben? Und wie wird seine Kompetenz – also seine Grund-Fähigkeit – jemals durch unser Tun verkürzt?
    „4. Worauf lässt es schließen, a) wenn Seelsorger, b) wenn Christen oder Gemeinden die psychotherapeutischen Angebote favorisieren?“
    Meine Nachfrage: welche Rückschlüsse ziehen Sie?
    Meine Sicht: Dass sie verstanden haben, dass komplexe seelische Vorgänge Raum, Zeit und Kompetenz brauchen. Dass Gott auch durch Profis wirkt (das tut er ja auch in anderen Bereichen, wie in der medizinischen Forschung). Ich bin tief überzeugt und habe erlebt, dass Gott auch übernatürliche Wunder tut. Aber eben nicht nur. Er wirkt auch durch Medizin, die er uns durch Natur und Forschung schenkt, durch gute Ärzte und eben durch gute Therapeuten. Wenn diese dann noch dazu auf Gott als Gegenüber, als Schuld-entgegen-Nehmer, als Tröster verweisen können, sehe ich das als großen Schatz.

    Mit dieser Freude über christliche Therapeuten und Therapeutinnen und dem Wunsch an diese, viel Leitung durch den Heiligen Geist in ihrer Arbeit zu erfahren, schließe ich.
    Ich würde mich über eine Rückmeldung Ihrerseits freuen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Mirjam

    1. Liebe Myriam, jetzt erst stieß ich auf auf deinen kritisch-ehrlichen Kommentar zu meinem Psychotherapie-Beitrag. Du sprichst manche berechtigte Rückfrage-Punkte an, über die man sich ausführlich unterhalten sollte. Aus Zeitgründen ist das momentan bei mir nicht realisierbar. Doch erstaunlicherweise passt mein neuer Biblipedia-Beitrag, der sehr aktuell geworden ist, genau in diese Thematik hinein. Für ca. 2 Wochen fahren wir jetzt in Urlaub. Wenn sie mögen, melde dich gern noch mal bei mir. Evtl. kannst du mir schon über inzwischen gelöste Probleme berichten.
      „Fürchte dich nicht; glaube nur!“
      Herbert Masuch

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