Warum ich gerne Pastor bin II

Schon vor einigen Wochen habe ich davon geschrieben, dass ich gerne Pastor bin, weil ich damit das Privileg habe, Gottes Wort in der Tiefe zu studieren. Aber das ist bei weitem nicht der einzige Grund, aus dem ich gerne Pastor bin.

Ein weiteres Vorrecht des Pastorendienstes ist nämlich, dass man Kontakt zu vielen ganz unterschiedlichen Menschen hat. Diese Beziehungen zu den vielen unterschiedlichen Menschen sind es, die den Pastorendienst so abwechslungsreich und einzigartig machen! Als Pastor leite ich nicht nur die Jugendgruppe unserer Gemeinde, ich bin darüber hinaus für den Bibelunterricht der noch jüngeren Generation verantwortlich. Außerdem gibt es eine Bibelstunde, die überwiegend von der älteren Generation besucht wird. Aber nicht nur das Altersspektrum ist weit. Bei Glaubenskursen habe ich logischerweise Kontakt zu ganz anderen Menschen, als wenn ich mich bei irgendeinem Mitarbeitertreffen befinde. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang auch Beerdigungen: Da entsteht meist ein relativ kurzer, aber intensiver Kontakt zu Menschen –  die ich oft vorher nicht kenne – , die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden. Darüber hinaus befinden sich in so einer normalen Gemeinde natürlich Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Persönlichkeiten.

Man kann sich vorstellen, dass das nicht langweilig wird. Denn egal ob ein gelangweilter 13jähriger Teenager oder eine hochbetagte fromme Frau, egal ob ein interessierter Suchender oder ein Hinterbliebener in seiner Trauer, egal ob ein engagierter Gemeindemitarbeiter oder ob sonst irgendjemand anderes: Für alle bin ich als Pastor der Ansprechpartner. Alle sind mir anvertraut. Und es ist meine Aufgabe, allen etwas vom Wort Gottes und dem Evangelium mitzugeben! Das ist natürlich eine Herausforderung, aber auch Vorrecht und Freude!

Dieser Blog-Beitrag von Wolfram Wobig erschien zuerst auf wobig.eu . Lies hier den Original-Artikel "Warum ich gerne Pastor bin II".

Über Wolfram Wobig

Ich bin Jahrgang 1985, verheiratet mit Anne und Vater von zwei Kindern. Seit 2011 bin ich - nachdem ich in Gießen und Elstal Theologie studierte - Pastor einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde.

7 thoughts on “Warum ich gerne Pastor bin II

  1. >>Als Pastor leite ich die Jugendgruppe unserer Gemeinde, ….den Bibelunterricht der noch jüngeren Generation….eine Bibelstunde,..überwiegend von der älteren Generation….Glaubenskurse….Mitarbeitertreffen…..Beerdigungen….für alle bin ich als Pastor der Ansprechpartner. Alle sind mir anvertraut. Und es ist meine Aufgabe, allen etwas vom Wort Gottes und dem Evangelium mitzugeben! Das ist natürlich eine Herausforderung, aber auch Vorrecht und Freude!<<

    Hallo Wolfram,
    ein bisserl Angst hab ich schon, wenn ich so etwas lese, dass du ganz einfach eines Tages ausbrennst. Burn out.
    Zum Pastor meines Nachbardorfes hab ich mal bewundernd gesagt, dass ich es extrem viel finde, was er alles so macht, auch noch in den Kletterwald zu gehen mit den Jugendlichen und ich ihn dafür bewundere – und er versicherte mir, dass er genau diese Vielfalt im Pastorenjob so toll finde – nun, seit über einem Jahr ist er jetzt krankgeschrieben….
    Es sind so viele im Pastoren-job mit Burn-out oder sonstigen psychischen Problemen, weil es alles zu viel wird.
    Ich denke, der Wille und Einsatz und die Hingabe sind bewundernswert, aber selbst Mose musste mal von seinem Schwiegervater annehmen, dass manche jobs vielleicht auch besser andere machen?!"
    Nachdenklich
    Rolf

  2. „Als Mitarbeiter in einem Unternehmen habe ich Kontakt mit unterschiedlichsten Kollegen aus der jüngeren Generation und der älteren Generation sowie den verschiedensten Kulturkreisen. Entsprechend ihrer unterschiedlichen Aufgaben sind es sehr unterschiedliche Charaktere. Es ist meine Aufgabe, allen etwas vom Wort Gottes und dem Evangelium mitzugeben! Das ist natürlich eine Herausforderung, aber auch Vorrecht und Freude“
    So ähnlich wie ich für mich kann auch eine Erzieherin, eine Hausfrau, ein Schüler schreiben.
    Wir haben die Priesterschaft aller Gläubigen nach dem Wort und daher alle die gleiche Aufgabe.
    Die Aufgabe der Ältesten in einer Gemeinde (einen singulär stehende Pastor sehe ich im NT nicht) ist es darüberhinaus, das oben genannte Bild entsprechend dem Wort allen Gläubigen nahezubringen und sozuagen als Multiplikator zu wirken.
    Wie @ Rolf schreibt: Du mußt nicht alles selber machen
    Und im Nebensatz erwähnt: In vielen Gemeinden gibt es den Trend Dinge wie Kinderdienst, Jugend und Lobpreis von in der Gemeinde angestellten Personen leiten zu lassen. Diese Professionalisierung hat die Gefahr, dass immer weniger Gemeindeglieder wirklich Verantwortung für die geistliche Entwicklung einer Gemeinde übernehmen und dadurch auch viel weniger Leute prüfen ob die Gemeinde auf einem biblischen Kurs ist. Die da oben werden es schon richten ist auch in Gemeinden eine gefährliche Tendenz

  3. Hallo Matze und Rolf,
    ja, natürlich haben wir das Priestertum aller Gläubigen und ich halte das auch sehr hoch! Es gibt noch viele viele Aufgaben, in die ich überhaupt nicht eingebunden bin. Ob das die von Matze erwähnten Dinge wie Musik oder Kindergottesdienst sind, Arbeiten rund um das Haus, Verwaltungsdinge oder auch die Leitung der meisten Gruppen. Das läuft alles eigenverantwortlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern.
    Mein Anliegen ist es einfach, mal (gegen den Trend den ich oft beobachte) die schönen Seiten des Pastorendienstes hervorzuheben. Und ich empfinde das als absolut positiv, mit sovielen verschiedenen Leuten in Kontakt zu sein, ihnen Gottes Wort nahe zu bringen usw.

    Achja, ich sehe auch keinen singulären Pastor im NT. Darum haben wir in meiner Gemeinde z.B. ein Ältestenteam aus drei Personen, von denen einer eben hauptamtlich beschäftigt ist und Pastor genannt wird. Alle drei sind aber von ihrer Verantwortung auf einem Level.

    1. ..also ich finde es klasse, dass du deinen Beruf gut findest, genießt, dass du die Vielfalt schätzst und gerne die Jugendstunde und Beerdigungen und Mitarbeitertreffen und die Bibelstunde für Ältere wie mich und Glaubenskurse leitest.
      Ich hab nur ein bisserl Angst, weil so – wirklich – viele Pastoren ausbrennen. Die Berufsgenossenschaften gaben sogar mal „Warnschreiben“ an Gemeinden, darauf aufzupassen, weil die Zahlen so auffällig sind.
      Wie gesagt – ich freue – genau so soll es sein, dass man seinen job echt gerne macht! Das finde ich super.
      Und – wie gesagt – brenn´ bitte nicht aus…

      1. @Rolf
        guter Hinweis: in einigen Gemeindeverbänden gibt es sozusagen Burn Out Beauftragte und nach inoffiziellen Zahlen gibt es Verbände, wo nur unter 50% aller Pastoren ihren Dienst mit der Rente beenden und vorher in einen anderen Beruf wechseln
        Wenn ich das noch ergänzen darf:
        Bei der starken theologische Ausdifferenzierung in der evangelikalen Bewegung wird es eine Ältestenschaft einfach nicht allen Recht machen können. Wenn man das will führt dann zur Überforderung. Da darf und muß dann auch mal nein gesagt werden. Das trifft natürlich auch für Gemeindemitglieder zu, die von ihrer Theologie her einen Gemeindekurs nicht mittragen können. Das heisst praktisch, dass es auch mal aus solchen Gründen das Wechseln der Gemeinde geben wird.

  4. In der Zeit unmittelbar vor oder nach der Konfirmation sprach der Pastor unserer Freikirche mit meinen Eltern. Sie erzählten mir, dass er wünschte, ich sollte auch Pastor werden. Ich war „entsetzt“, wie er nur auf so eine „blöde Idee“ kommen konnte. Das wäre so ziemlich das Letzte, das ich werden wollte. Ich ging ja nur, weil ich musste in die Kirche, Kindergottesdienst, Konfirmanden-unterricht und später die Jugendstunde,
    Aber schon ca. 7 Jahre später (man achte auf den 7-Jahresrhythmus im eigenen Lebenslauf: da geschieht etwas Neues) schrieb ich in einer landesweiten Umfrage der gleichen Kirche, was wir uns für die Zukunft wünschten: „Ich will das, was Gott will.“ – Damit stand ich wohl einzig da. Die anderen Jugendlichen schrieben in der Regel Familie, Haus, guten Beruf, Auto.

    Ob der gute alte Pastor einen „Riecher“ hatte? – Heute jedenfalls ist die ganze Welt „meine“ Gemeinde.

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