Offener Theismus: Lege deine Position nach 20 Minuten Vorbereitung deinen Kindern vor!

Was sind meine eigenen exegetischen Stützpfeiler? Ein theologischer Gegner hat mir einmal vorgeworfen, mit Bibelstellen um mich zu schmeissen. (Worauf ich hätte antworten können, dass er mit philosophischen Einwänden sich seinen Schutzwall aufbaue, anstatt mir seine Position aus der Bibel herzuleiten.)

Sowohl in der Familie als auch in der Wirtschaft – dort, wo ich mich täglich bewege – sind schnelle, transparente Antworten erwünscht. Ich habe mich hingesetzt und ohne Hilfsmittel mit der Bibel meine Antwort zusammengestellt. Dafür habe ich mir 20 Minuten Zeit gegeben. Für welche Frage denn? Also: Wie mächtig ist Gott?

Das Ergebnis:

Die Welt ist um Seiner willen geschaffen und wird von Ihm jeden Moment erhalten (Offenbarung 4,11). Dies gibt ihm das absolute Verfügungsrecht über uns (Psalm 24,1; 50,12).

Das Ziel der gesamten Weltgeschichte ist seine Herrlichkeit (Epheser 1,11). Was Er will, das setzt er auch um (Psalm 115,3). Kein einziges Wort seines Planes fällt zu Boden, so wie Er es in der Geschichte des Volkes Israel bewiesen hat (Josua 21,44; 1. Könige 8,56).

Das Grundproblem des Menschen ist ethischer Natur. Die Völker rebellieren gegen ihn (Psalm 2, besonders V. 2 und V. 11). Der durch die Sünde von Gott getrennte Mensch entfernt sich willentlich von seinem  Angesicht (1. Mose 4,16).

Nichts entzieht sich Gottes Kontrolle, auch nicht das Böse (Klagelieder 3,37+38). Das Gericht kommt aus seiner Hand (Amos 3,7). Er richtet die Völker wie auch das eigene Volk (Amos 1+2; man beachte die aktiven Formulierungen). Selbst das Böse dient letztlich der göttlichen Absicht (Sprüche 16,4).

Durch das böse Handeln der Menschen hindurch verwirklicht der Allmächtige seinen Plan. Das entschuldigt den Menschen nicht (Matthäus 26,24). Der krasseste Beweis dafür ist die Dahingabe seines Sohnes. Es ist Teil des göttlichen Plans (Apostelgeschichte 2,22-23; 4,27-28).

Die Frage lautet nicht: Warum rettet Gott nicht alle Menschen? Vielmehr drängt sich eine viel demütigendere auf: Warum rettet er überhaupt einen Menschen (Römer 9,22-23)? Wenn uns Gott unser «sicheres Haus» zum Einstürzen gebracht hat, gibt es nur noch eine Frage: Wie kann ich gerettet werden (Apostelgeschichte 16,31)? Diese Frage kann nur gestellt werden, weil Gott das Herz denen öffnet (Apostelgeschichte 16,14), die zum ewigen Leben verordnet sind (Apostelgeschichte 13,48).

Es geht letztlich nicht um die «akademische» Frage des Vorhersehens und -wissens. In letzter Konsequenz geht es um ein ethisches Problem: «Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche.»

So, nun bist du dran. 20 Minuten, von mir aus 30. Und dann ab an den Küchentisch.

Print Friendly, PDF & Email

About Hanniel Strebel (PhD)

Hanniel Strebel, * 1975, Betriebswirt & Theologe, glücklich verheiratet, fünf Söhne, Blogger - Autor - Selbstlerner

8 thoughts on “Offener Theismus: Lege deine Position nach 20 Minuten Vorbereitung deinen Kindern vor!

  1. Ich denke, Gott wünscht sich von uns, dass wir ihm bedingungslos glauben/vertrauen. Das ist in manchen Situationen nicht leicht. Gleichzeitig erwartet er, dass wir ihm das „Wie“ der Erfüllung seiner Verheissungen komplett überlassen und nicht sagen „ich dachte, er sollte…“. Dennoch macht Gott sein Handeln doch auch vom Glaubens-/Gehorsam seiner Geschöpfe abhängig! Dafür gibt es in der Bibel zahlreiche Beispiele. Positive und negative. Hätte Petrus seine Netze nicht ausgeworfen „auf dein Wort hin will ich“, hätte Gott sie nicht mit Fischen füllen können.

  2. Ich weiß nicht was dieser Beitrag bezweckt. Im Zusammenhang mit dem „Offenen Theismus“ werden offenbar Bibelstellen erwähnt, die zeigen, dass Gott die Zukunft bekannt sei (was er Offene Theismus leugnet). Nun gut, ein anderer Bibelleser hat vielleicht andere Stützpfeiler. Welche wären dann die richtigen?
    Herleiten kann man aus der Bibel vieles. Auch jeden Irrtum.
    Wenn also etwas aus der Bibel hergeleitet wird, heißt das noch lange nicht, dass die Folgeaussagen oder die Vorannahme, die durch die Bibel gestützt werden soll, richtig sind.

    Schnelle Antworten mögen in der Wirtschaft wichtig sein. Im geistlichen Leben sind sie von Übel. Da muss jede „Antwort“ sich erst im Lebensvollzug – der Heiligung – und im ganzheitlichen Denken bewährt werden.
    Der subjektive -ein anderes Wort für fleischliche – Mensch muss erst eine Liebe zur Objektivität entwickeln. Sonst wird nur ständig die eigene Position bestätigt. Ein Selbstbetrug und ein Betrug am anderen.

    Transparent, d.h. durchscheinend auf den komplexen Zusammenhang sind einzeln herausgepflückte Bibelstellen gerade nicht.

    Und nehmen wir an, Sie haben die obigen Pfeiler Ihren Kindern vorgelegt. Was sollen sie damit anfangen?

  3. Also ich muss sagen, ich liebe die Bibelstellen und ich argumentiere auch gerne mit ihnen, weil ich Gottes Wort liebe. Das Philosophieren ist doch oft nur ein endloser Trugschluß, ist man zu einem Ergebnis gekommen, fängt der nächste wieder von vorne an.
    Ich habe mich auch schon öfters mal gefragt, ..was sind eigentlich meine Stützpfeiler des Glaubens, …Wie mächtig ist Gott?….
    Ich weiß das ER real ist, das ER Gebete hört, das ER eingreift, sichtbar vor meinen Augen und unsichtbar in der Welt, ich weiß das Sein Wort wirklich Leben verändert, und das Seine Gnade ein Angebot an alle Menschen ist.

    @Manfred Reichelt, ich hätte nie gedacht das ich ihnen jemals zustimmen würde, aber der mittlere Text in ihrem Kommentar, …..Schnelle Antworten mögen in der Wissenschaft wichtig sein…….., usw. bis, Sonst wird nur die eigene Position bestätigt. Ein Selbstbetrug und ein Betrug am anderen. 👍
    Da stimme ich ihnen zu.

  4. Lieber Hanniel,
    die Grundwahrheiten des Evangeliums hast Du sehr gut zusammengefasst.
    Danke!! Um nichts weniger aber auch nichts zusätzlich geht es im Kern des Evangeliums!!

  5. Ich stimme nicht zu!

    Grund:

    Weil Bibelvershopping zu nichts anderem führt, als seine eigene im Kopf manifestierte religiöse Meinung und die eigene Philosophien mit diesen Bibelstellen zu betonieren anstelle von direkten biblischen Argumentationszusammenhängen .

  6. Wer meint er hätte permanent den Heiligen Geist, muß zwangsweise dazu kommen, daß seine Meinung immer vom Heiligen Geist kommt.

    Vernachlässigt wir dabei, daß man gerade mit seiner eigenen (engen, verstockten, am Buchstaben klebenden) Meinung und vielem anderen den heiligen Geist sehr betrüben kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.