Offener Theismus: Über das grosse Bild und schnelle Antworten

Erwartungsgemäss gab es freundlichen Einspruch gegen meine kurze Darstellung zur Macht Gottes. Wie in der Familie nutze ich dies für eine erweiterte Diskussion.

Zuerst: Das «greift zu kurz» lasse ich mir gerne gefallen. Mir geht es hier um das grosse Bild. Dieses muss vom intensiven Lesen der gesamten Schrift geprägt sein und darf sich auf keinen Fall auf wenige Belege stützen, die dann noch aus dem Zusammenhang gerissen werden. Auf die Frage «wie mächtig ist Gott?» habe ich aus dem Stehgreif versucht, biblische Belege zusammen zu tragen. Immer wenn Gesprächspartner mit Ausnahmen kommen, frage ich zurück: «Es geht mir um das grosse Bild, für die es hunderte von biblischen Belegen gibt.» Im Bild gesprochen: Die Ausnahmen sind nicht meine Stützpfeiler, sie testen ihre Stabilität.

Dann: Mit «schneller Antwort» meine ich nicht eine oberflächliche. Seit Jahrzehnten lese ich die gesamte Bibel, manchmal sogar (fast) ausschliesslich mit dem Fokus «Gottesbild». Da geht es um die Frage: Mit welchen Namen und Eigenschaften wird er vorgestellt? Welche Handlungen werden mit Ihm verbunden (Verben)?

Es geht also darum, unvorbereitet eine Antwort auf die Frage eines interessierten Kindes oder Kollegen geben zu können. In diesem Stil wurde ich vor einiger Zeit gefragt: «Hanniel, sag mal, gibt es einen Unterschied zwischen Seele und Geist?» In wenigen Minuten versuchte ich dem Manager darauf die biblischen Belege zur Dichotomie des Menschen zu erklären.

Tatsächlich gibt es in der Bibel einige Reuestellen. Ich greife zwei heilsgeschichtlich bedeutsame heraus. Zuerst sprach Gott davon, dass es ihn reue, dass Er den Menschen gemacht habe. Im gleichen Satz steht, dass es Ihn in sein Herz hinein schmerzte (1. Mose 6,6). Darauf fusste sein Entschluss, die gesamte Erde zu richten. Ausdrücklich wird festgehalten, dass sich das menschliche Herz durch das universale Gericht nicht änderte (1. Mose 6,5 vgl. 8,21).

Das zweite Ereignis betrifft Ninive, die Hauptstadt der als äusserst grausam bekannten Regionalmacht Assyrien. Auf den Bussruf von Jona hin geschah das Unglaubliche. «Und Gott sah ihre Taten, dass sie umkehrten von ihren bösen Wegen, und ihn reute das Übel, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.» (Jona 3,10) Achtung: Einige Zeit später wurde diese Stadt dann doch gerichtet (man lese den gesamten Propheten Nahum).

Was kann damit – den engeren und weiteren Zusammenhang betrachtet – gemeint sein? Es scheint so etwas wie einen vorbehaltenen Willen Gottes zu geben. Es geht dabei nicht um die Änderung seiner Gesamtratschlüsse (4. Mose 23,19; Maleachi 3,6; Römer 11,29; Jakobus 1,17).

Dass Gott das Böse bewirkt, ohne dadurch in seiner Heiligkeit und Reinheit betroffen zu sein, kommt in der Bibel immer wieder vor. In der Kirchgemeinde, in der ich aufwuchs, starrten mich Geschwister entsetzt an, wenn ich so etwas äusserte. Man beeilte sich hinzuzufügen, dass Gott Dinge «zuliess». Das stimmt nur teilweise. Lies dazu «Der souveräne Gott in Zeit und Geschichte».

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About Hanniel Strebel (PhD)

Hanniel Strebel, * 1975, Betriebswirt & Theologe, glücklich verheiratet, fünf Söhne, Blogger - Autor - Selbstlerner

10 thoughts on “Offener Theismus: Über das grosse Bild und schnelle Antworten

  1. Gott will ja nicht nur, dass alle Menschen gerettet werden, sondern gerettet werden _und_ zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wenn man sich ansieht, was Sünde/Feinschaft gegen Gott, im Bewusstsein der Menschen anrichtet, dann wundert es nicht dass Gott zur Erreichung seiner unveränderlich bestehenden Ziele auch zu härteren Mitteln (Gnade und Gericht!) greifen muss, dass die Menschen auf dem Boden der Tatsachen ankommen.

  2. Bewirkt Gott das Böse oder heisst es nicht eher, ER richtet das Böse?
    Beim lesen ,,Der souveräne Gott in Zeit und Geschichte“ (sehr schön zusammengetragen), dachte ich, das Gott immer wieder um die Menschen wirbt, aber das ER nicht zulassen kann das das Böse überhand nimmt. Darum bewirkt ER immer wieder Teil-Gerichte ÜBER das Böse.
    Ohne Jesus müsste es wohl immer so weiter gehen, doch am Kreuz lud Gott Seinen ganzen Zorn auf Seinen Sohn, und kommt nun selbst in unser Herz, (durch Jesus) und bewirkt, was wir nicht können, ER gibt uns ein neues Herz, und jeder der den Sohn aufnimmt engeht dem Zorn Gottes, der bis zum Tag des Gerichts auf bewahrt ist, an dem alles Böse vernichtet wird.

  3. Nochmal zu –Dass Gott das Böse bewirkt–
    …Er ist ein Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und KEIN BÖSES AN IHM, gerecht und wahrhaftig ist er. 5.Mose 32. 4

    Wer dauerhaft gegen das Gesetz verstößt, wird nach dem Gesetz bestraft.
    Ein Richter der die Strafe verhängt, wird ja auch nicht Böse genannt, Böse ist der Täter, der nach dem Gesetz verurteilt wird.
    —Gott spricht ein Urteil— und es muß ausgeführt werden.

  4. Lieber Hanniel,

    habe mir jetzt nochmals deine verschiedenen verlinkten Beiträge zum Thema Offener Theismus vs. Souveränität Gottes angesehen.

    Ja, ich denke auch, dass die Zukunft nicht ergebnisoffen ist, sondern Gott die Zukunft kennt, weil er sie sich vorgenommen und geplant hat und weil er die Macht hat, diesen Plan umzusetzen.

    Du schreibst: „Das Gesamtzeugnis der Bibel offenbart uns einen Gott, der völlig souverän alle Geschehnisse bewirkt….Dass sich Gott freiwillig auf die Mitwirkung von Menschen einlässt und deshalb „verlaufsoffen“ bleibt, ist einfach unhaltbar.“ – Ja, das mit „verlaufsoffen“ würde ich auch nicht so sehen (s.o.). Aber eine gewollte Mitwirkung der Gläubigen am Handeln Gottes ist doch in der Bibel häufig zu finden! Paulus nennt uns ja sogar Gottes Mitarbeiter. Das wird im Gegensatz zur Souveränität Gottes nicht weiter von dir thematisiert.

    Weiter schreibst du: „(Die Bibel) lehrt durchweg beides, implizit und explizit: einerseits, dass Gott alles bestimmt, was geschieht, und anderseits, dass Geschichte echte Bedeutung hat und der Mensch echte, verantwortliche Entscheidungen trifft. Wenn wir das gedanklich (noch) nicht zusammenbekommen, erwächst daraus kein Recht, die eine Aussage einfach fallenzulassen.“ –

    Ja, ich stimme zu: Wie menschliche Willensentscheidungen wirklich zustande kommen, kann derzeit vermutlich niemand zufriedenstellend erklären. Dennoch ergibt sich m. E. aus dieser Theologie die Gefahr, dass das souveräne Handeln Gottes in der einen Sphäre und unserer Handeln in einer davon abgrenzten Sphäre stattfindet, sodass es dann gar keine Mitarbeit mit dem dynamischen Gotteswillen ergibt. Die Erfüllung des Willens Gottes in unserem Leben mag dann stark auf die Erfüllung der neutestamentlichen ethischen „Gebote“ fokussieren. Aber auf der Ebene der Teilnahme am heutigen Handeln Gottes in der Geschichte ist diese Haltung nicht mehr so sehr weit von einem Fatalismus entfernt.

    Demgegenüber stelle ich ein Zitat von Prof. Rohrmoser: „Wenn der Mensch von diesem Wort (Gottes) erfasst wird, ist er sogar ermächtigt, auf Gott selbst Wirkungen auszuüben. Vor allem kann dies im Gebet geschehen.“ (aus: Höher als alle Vernunft, S.9).

    Mal soweit als Diskussionsanregung.

    Gruß toblog

  5. Liebe Autoren Schriftgelehrte von bibi-pedia.de.

    Pedia leitet sich bekanntermaßen ab von Enzyklopädie:

    Eine Enzyklopädie, früher auch aus dem Französischen: Encyclopédie (griechisch ἐγκύκλιος παιδεία enkyklios paideia, „Grundausbildung, allgemeine Erziehung“), ist ein besonders umfangreiches Nachschlagewerk. Der Begriff Enzyklopädie soll auf Ausführlichkeit oder eine große Themenbreite hinweisen, wie beispielsweise bei einem Menschen, dem enzyklopädisches Wissen nachgesagt wird.

    Man kann den Eindruck haben, daß bibli-pedia.de sich eher in einem abgekapselten christlich-religiösen Denksystem innerhalb eines umfassenderen religiös-christlichen Denksystems bewegt.

    Dieser Gedanke ist ein wohlwollendes Zugeständnis.

    Entsprechend der obigen Beschreibung macht euch Gedanken darüber, daß die Gedanken und Äußerungen Lillis das Produkt eurer Lehren innerhalb der christlichen Lehre sind.

    Mit Respekt vor euch Menschen.

    Lilli, ich mag dich….

  6. @Jazzico, meine Äusserungen und Gedanken sind Produkt der Lehre von biblipedia? geht’s noch…. schade das du mich nicht ernst nimmst, denn wäre es ein Produkt, wie du sagst dann müßt ich ja Gott durch die Brille anderer Menschen sehen, aber ich hatte schon einen Glauben ,,vor biblipedia“ und ich habe Gott real und persönlich kennengelernt, und ER hat mein Denken geändert, deshalb kannst du mich gerne als ein Produkt der Liebe Gottes und meine Äusserungen durch Unterweisung des Heiligen Geistes bezeichnen.
    Aber ,,dich“ verstehe ich bald nicht mehr, erklär mir doch bitte mal wie du deinen Glauben lebst und denkst, ganz konkret.

  7. Von ihrem Unglauben, Gott liebe nur bedingt!

    Gott ist wie ein Mensch, der alles in „Ewigkeit“ tun wird, damit es seinen geliebten Kindern trotz deren Einschränkungen und Macken gut geht und daß sie trotzdem angenommen und geliebt BLEIBEN!

    Solche liebenden Menschen sind ein simples und verständliches Zeichen Gottes, barmherzig zu sein gegen alle!

  8. Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückbringen, und das Gebrochene will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken; (das Fette aber und das Starke werde ich austilgen); mit meinem Recht werde ich sie weiden. Hes 34,16

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