Das Kreuz – Stolperstein der Theologie

Der stellvertretende Opfertod Jesu ist der innerste Kern des Evangeliums. Die theologische Verwirrung um die Bedeutung des Kreuzes zeigt, wie sehr das vorherrschende Schriftverständnis der Kirche schadet.

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„Heute geht’s ans Eingemachte.“ Mit diesen Worten beginnt Dr. Thomas Breuer seinen Worthaus-Vortrag über die Bedeutung des Kreuzestodes.1 Auch der ehemalige Präses der EKD, Nikolaus Schneider, sieht in der Kreuzestheologie den „Eckstein und Stolperstein“ der Theologie- und Kirchengeschichte.2 Der Theologe Werner Thiede spricht gar vom „Kernbestand“ und „innersten Heiligtum aller großen Konfessionen“.3 Ihnen allen ist also klar: Beim Kreuz geht es um den innersten Kern des Evangeliums. Wer die Kreuzestheologie ändert, verpasst dem Christentum keinen neuen Haarschnitt –  er nimmt eine Herztransplantation vor.

Umso seltsamer wirkt es auf mich, wenn immer wieder behauptet wird: Ein liberales Schriftverständnis ändere doch gar nichts an den Kernaussagen des Evangeliums. In den wesentlichen Dingen seien sich doch alle einig.4 Nirgendwo wird diese Behauptung deutlicher widerlegt als bei der Frage nach der Bedeutung des Kreuzestodes.

Weshalb ist Jesus am Kreuz gestorben?

Jahrzehntelang war für mich die Antwort auf diese Frage simpel und sonnenklar: Für mich! Um meiner Vergehen willen! Die Strafe liegt auf ihm, damit ich Frieden habe. Sein Opfer hat meine Schuld bezahlt („gesühnt“). Mein Schuldschein hängt am Kreuz. Deshalb habe ich freien Zugang zu Gott und mein Name steht im Buch des Lebens.

Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass es bei diesen allerzentralsten Aussagen des Christentums irgendetwas zu diskutieren gäbe. Weit gefehlt! Vor einigen Jahren wurde ich erstmals mit einer theologischen Welt konfrontiert, in der bei dieser Frage überhaupt gar nichts klar ist, im Gegenteil: Ein ganzer Wust an „Deutungen“ des Kreuzestodes schwappte mir entgegen.5 Nur eines war für einige dieser Theologen ganz sicher: Meine simple Sühneopfererklärung sei jedenfalls grundverkehrt6, denn:

„Gott braucht kein Opfer und schon gar kein Blut“

So formuliert es sowohl der Theologieprofessor Wilfried Härle7 als auch Dr. Breuer in seinem Worthaus-Vortrag1. Prof. Härle ergänzt: „Wird diese Einsicht verloren wird alles vom Ansatz her falsch.“ Und Dr. Breuer legt in seiner vernichtenden Kritik der Sühneopfertheologie nach: „Ein Gott der Menschenopfer braucht ist nicht der gütige Vater, es ist nicht Jahwe, es ist der Gott Moloch. Es ist kein Gott dem man vertrauen kann.“ „Jesu Tod an sich ist sinnlos.“ „Erlösend ist nicht der Tod am Kreuz, erlösend ist allein die Liebe Gottes.“

Bei solchen Sätzen atme ich tief durch. Worthaus ist schließlich kein ultraliberales Skeptikerportal, sondern wird von Christen quer durch alle Denominationen und Prägungen gehört und geschätzt. Und Dr. Breuer ist mit dieser Sichtweise ja nicht allein. Gebahnt wurde diese Entwicklung schon lange vor ihm von prägenden protestantischen Theologen wie Friedrich Schleiermacher8 oder Rudolf Bultmann9, die sich damit deutlich von der reformatorischen Kreuzestheologie10 absetzten. 1986 erklärte der Theologe Christoph Blank, dass keine Lehre des Christentums größeren Schwierigkeiten begegne als die Lehre vom stellvertretenden Sühnetod.11 Inzwischen hält Christoph Wiesing die Sühneopfertheologie im protestantischen Raum „aus guten Gründen für weitgehend abgelöst.“ Selbst engagierte Pfarrer würden ihm sagen: „Das glaubt bei uns keiner mehr.“ 12 In der Tat berichtete ‚Die Welt‘ schon 2009 darüber, wie auch führende Theologen und Kirchenleiter die Sühnetheologie verworfen haben. Was ist da nur passiert?

Was spricht gegen die Lehre vom stellver­tre­tenden Sühneopfer?

Die Argumente, die von verschiedensten Seiten vorgebracht werden, sind vielfältig. Die geläufigsten lauten in etwa wie folgt:

  1. Die Bibel selbst kenne eine Reihe von „Deutungen“ für Jesu Kreuzestod. Die Deutung als Sühneopfer bzw. als stellvertretender Opfertod sei nicht einmal die wichtigste. Insbesondere in den Evangelien komme sie kaum vor, ebenso wenig in den altkirchlichen Bekenntnissen.
  2. Jesus selbst habe seinen Tod nicht als stellvertretendes Opfer gesehen. Seine Aussagen beim Abend­mahl seien ihm erst nachträglich in den Mund gelegt worden.
  3. Die Sühneopfertheologie hätte sich letztlich erst durch die „Satisfaktionslehre“ des mittelalterlichen Theologen Anselm von Canterbury (1033 bis 1109) durchgesetzt. Sie beruhe auf einem mittelalterlichen Rechtsverständnis.
  4. Dass das Leben eines Anderen (egal ob Tier oder Mensch) für unsere Vergehen sühnen könne, sei für heutige Menschen nicht nachvollziehbar. Ein großer Prozentsatz heutiger Christen könne damit nichts mehr anfangen.
  5. Sowohl das Alte wie das Neue Testament zeuge davon: Gott brauche das Kreuz nicht, um Sünden zu vergeben. Jesus konnte z.B. dem Gelähmten auch vor seinem Kreuzestod Sündenvergebung zusprechen (Matth. 9,2). Es wäre ja auch seltsam, wenn Gott einen Opfertod benötigen würde, während wir Menschen einander einfach so vergeben können (und sollen!). Dann könnten wir Menschen ja mehr als Gott.
  6. Die Sühneopfertheologie führe zu einem sehr problematischen Gottesbild von einem gewalttätigen Gott, der Blut sehen will, um seinen Zorn stillen zu können. Das stünde im klaren Widerspruch zu Jesu Lehre von der Feindesliebe. Ein Gott, der gleichzeitig seinen Feinden vergibt (Luk.23,34) und Menschenopfer für die Vergebung braucht, wäre schizophren. Dr. Breuer kommentiert: „Das ist kein Gottesbild, das ich heute akzeptieren kann.“ 1

Schon diese Aufzählung zeigt: Die Argumente gegen das Sühneopfer sind nicht primär eine Folge von intensivem Bibelstudium, sondern im Wesentlichen intellektueller und philosophischer Natur.13 Das ist auch nicht verwunderlich. Denn kaum eine Lehre in der Bibel ist so vielfältig, eindeutig und klar belegt wie die Lehre vom stellvertretenden Sühneopfer Jesu:

Das stellvertretende Sühneopfer: Eine der bestbezeugten Lehren der Bibel

Riesige Stapel von Bibelstellen

War der Tod Jesu sinnlos, wie Dr. Breuer behauptet? In der Tat gibt es einige Verse im Neuen Testament, die Parallelen nahelegen zwischen dem Tod Jesu und dem Tod der alttestamentlichen Propheten14. Die meisten Theologen räumen aber ein, dass dem Tod Jesu im Neuen Testament darüber hinaus eine einzigartige Heilsbedeutung zugeschrieben wird. Walter Klaiber äußert sogar: Wer die Heilsbedeutung des Todes Jesu „streichen wollte, bekäme ein dünnes neues Testament“.15

Dass er damit recht hat lässt sich leicht beweisen. Als „Bibelstellenstapler“ werden ja heute gerne diejenigen verspottet, die ihre Meinung mit Bibelstellen beweisen wollen. Bei der Frage nach der Heilsbedeutung des Kreuzestodes nehmen diese Stapel geradezu schwindelerregende Höhen an. So spricht das Neue Testament im Blick auf das Kreuz vielfach von Sühne16 und Versöhnung17, vom Opfer18, vom (geschlachteten) Opferlamm19 und vom für uns vergossenen Blut20. Darüber hinaus lesen wir, dass wir mit Jesu Leben als „Lösegeld“ und mit seinem Blut „erkauft“, „losgekauft“ bzw. „teuer erkauft“ wurden21. Wir lesen, dass er „für uns“ stellvertretend starb und hingegeben wurde, ja dass er für uns zur Sünde und zum Fluch gemacht wurde22. Das Neue Testament macht außerdem vielfach deutlich, dass der Tod Jesu kein Zufall oder Unfall war. Jesus musste sterben. Der Kreuzestod war ein aktiver Hingabeakt, den Gott vorausgesagt und von langer Hand geplant hatte23 (was klar gegen die von Dr. Breuer und Prof. Zimmer vertretene Überzeugung spricht, dass Jesus bis zuletzt nicht klar gewesen sei, ob er stirbt24). Und schließlich dürfen wir nicht vergessen: Es gibt nicht nur einzelne Verse sondern ganze Kapitel im Neuen Testament, in denen die Heilsbedeutung des Kreuzes ausführlich entwickelt und entfaltet wird, vor allem in Römer 3 sowie im Hebräerbrief in den Kapiteln 2 bis 10.


Heilsbedeutung des Kreuzestodes im NT: Riesige Stapel von Bibelstellen

Ein engmaschiges Netz

Die Frage ist allerdings: Warum enthält das Neue Testament zur Deutung des Kreuzestodes so viele verschiedene Bilder, Begriffe und Metaphern aus völlig unterschiedlichen Bildwelten?  Haben die Apostel und die ersten Christen womöglich wild herumgerätselt, um Jesu Tod zu verdauen? Hat jeder seine eigene Theorie zur Bedeutung des Kreuzestods entwickelt? Können wir uns somit heute aussuchen, welche uns am ehesten zusagt?

Wenn man das Neue Testament genauer analysiert fällt auf: Viele Bibelverse enthalten mehrere dieser Bilder und Begriffe gleichzeitig! Sie beziehen diese Metaphern ganz direkt aufeinander! Grafisch aufbereitet zeigt sich: Die unterschiedlichen Begriffe und Metaphern sind so engmaschig und vielfältig miteinander vernetzt, dass man sie unmöglich isoliert betrachten kann, im Gegenteil: Sie hängen alle mit­ein­ander zusammen! Sie ergänzen und erläutern sich gegenseitig.26 Der Theologe John Stott schreibt dazu: Auch wenn die Bilder teils ganz verschiedene Bildwelten von Recht und Handel heraufbeschwören, sind sie trotzdem „nicht alternative Erklärungen für das Kreuz, die uns eine Bandbreite liefern, aus der wir auswählen können, sondern sie ergänzen einander, indem jedes einen entscheidenden Teil zum Ganzen beiträgt.“ John Stott weist außerdem nach: Das stellvertretende Blutvergießen Jesu ist die gemeinsame Basis aller dieser Begriffe: „Wenn Gott in Christus nicht an unserer Stelle gestorben wäre, könnte es weder Sühnung noch Erlösung, weder Rechtfertigung noch Versöhnung geben.“ 25 (siehe auch Tabelle oben) Somit ist auch klar, dass die Lehre vom stellvertretenden Sühneopfer tatsächlich zentral ist im Neuen Testament, wie der Theologe Thomas Knöppler bestätigt: „Es ist kaum zu bestreiten, dass die Sühneaussagen eine enorme Verbreitung und in fast allen neutestamentlichen Schriften ihren Niederschlag gefunden haben.“ 27


Die „Deutungen“ des Kreuzestodes hängen eng miteinander zusammen

Tatsächlich finden wir das stellvertretende Sühneopfer nicht erst im Neuen Testament. Es zieht sich vielmehr wie ein roter Faden durch die ganze Bibel:

Endlose rote Fäden

Das zeigt sich z.B. am Motiv des Lammes, das stellvertretend für Menschen stirbt. Als Abraham beinahe seinen Sohn geopfert hätte, starb ein Schaf an Isaaks Stelle (1.Mo.22,1-14). Erstaunlich: Abraham wurde extra nach „Moriah“ geschickt, dem späteren Ort des Tempelbergs, an dem der himmlische Vater tatsächlich seinen Sohn blutig sterben sah. Ist es überhaupt möglich, hier keinen Zusammenhang zu sehen?

Noch prägnanter ist die Geschichte vom Auszug Israels aus Ägypten, in der Gott gleichzeitig als Richter und als Erlöser auftritt, der die Kinder Israels durch das Blut eines geschlachteten Lammes vor seinem tödlichen Gericht bewahrt (2.Mos. 12). Israel feiert dieses Ereignis bis heute mit dem Passafest. Und bezeichnend ist: Nach der Chronologie des Johannes hing Jesus genau in dem Moment am Kreuz, als die Lämmer für das Passafest geschlachtet wurden. Ganz ehrlich: Kann das überhaupt Zufall sein?

Und natürlich sind die vielen alttestamentlichen Opferrituale (beginnend bereits bei Kain und Abel) klare Motive für das im Neuen Testament aufgenommene Bild des stellvertretenden Blutvergießens.28 Genau wie im alten Bund, in dem das Volk mit dem Blut der Opfertiere gereinigt wurde, so stehen in der Offenbarung Menschen vor dem Thron Gottes, die „ihre Kleider im Blut des Lammes gewaschen und weiß gemacht haben“ (Offb.7,14). Besonders eindrücklich ist der Bezug zum großen jährlichen jüdischen Versöhnungsfest (Jom Kippur)29, an dem der Hohepriester den Deckel der Bundeslade („Sühnedeckel“) mit Opferblut bespritzte, um stellvertretend Sühne für die Sünden des Volkes zu erwirken.30 Das Neue Testament bezeichnet Jesus als Hohepriester, der die Sühnung der Sünden durch das Vergießen seines eigenen Bluts bewirkt.31 Das Kreuz ist für Paulus der „Sühnedeckel“ (Röm.3,25), also der neue Ort, an dem unsere Sünden gesühnt werden. Dass Jesus dort für uns auch den Fluch des Gesetzes auf sich genommen hat (Gal 3,13) basiert auf der alttestamentlichen Lehre, dass ein „am Holz“ aufgehängter Verbrecher ein Fluch Gottes ist (5.Mo.21,22-23).

Das Lamm, das Blut, die Opfer, der Fluch, der Sühnedeckel, der Hohepriester, das Fluchholz: So unglaublich viele Bilder ziehen sich wie rote Fäden quer durch die ganze Bibel! Allesamt unterstreichen und illustrieren sie die Lehre vom stellvertretenden Sühneopfer.


Von Mose bis zur Offenbarung: Das stellvertretend geschlachtete Lamm

Aber das ist immer noch nicht alles. Das vielleicht stärkste Argument für die Lehre vom stellvertretenden Opfertod stammt vom Propheten Jesaja:

Lange schon vorhergesagt

Eine „Deutung“ ist immer etwas Nachträgliches. Die Sühneopferlehre kann aber schon deshalb keine „Deutung“ sein, weil sie schon hunderte Jahre vor Jesus aufgeschrieben wurde! In dem unglaublichen Kapitel Jesaja 53 werden nicht nur viele Details der Kreuzigung vorhergesagt, auch der stellvertretende Opfercharakter dieses Todes wird vielfach und eindeutig beschrieben:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.“

„Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Auch hier taucht das Bild des geschlachteten Lammes auf, das stellvertretend unsere Sünden trägt:

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird…“

„Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat…“

„…denn er trägt ihre Sünden.“ 

„… dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat…“

Deutlicher kann man die Lehre vom stellvertretenden Opfertod nicht vortragen – und das lange vor Jesus!

Zu allen Zeiten von der Kirche gelehrt und bekannt

Angesichts dieser Fülle an biblischen Belegen ist es kein Wunder, dass die Lehre vom stellvertretenden Sühneopfer natürlich auch bereits in den altkirchlichen Bekenntnissen32 und bei den ersten Kirchenvätern33 erscheint. Der Theologe Ron Kubsch stellt fest: „Das Verständnis von Jesu Tod als stellvertretende Sühne war seit jeher in der Kirchengeschichte das allgemeine Verständnis der biblischen Texte.“ 34

Ein (theologisches) Unglück kommt selten allein

Die Lehre vom stellvertretenden Opfertod Jesu am Kreuz ist somit ein gutes Beispiel für die „Klarheit der Schrift“, also die reformatorische Erkenntnis, dass die wesentlichen biblischen Lehren so eindeutig sind, dass jeder sie verstehen kann.35 Aber warum ist sie dann so umkämpft? Wenn man sich die Argumente anschaut merkt man: Die Sühneopferlehre liegt auch deshalb in Trümmern, weil weitere wichtige theologischen Fundamente vernachlässigt oder vernebelt worden sind:

Verdrängt: Der Zorn und das Gerichtshandeln Gottes

Immer wieder wird behauptet: Nicht Gott, sondern allein der Mensch brauche Versöhnung.36 Die Sühne sei dazu da, dass WIR unsere Schuld nicht mehr auf andere Menschen verschieben müssen und damit WIR UNSER schlechtes Gewissen mit Gottes Hilfe verarbeiten könnten. Aber für Gott wäre dieses Opfer nicht nötig gewesen.

Da frage ich mich: Vergessen diese Theologen denn ganz, dass Gott quer durch die Bibel als Richter auftritt, der die Sünde und Rebellion des Menschen mit hartem Gerichtshandeln bestraft? Denken wir nur an die Sintflut, an Sodom und Gomorra, an die weltweite Zerstreuung Israels bis hin zu den schrecklichen Weltgerichtsbeschreibungen in der Offenbarung! Nein, Gott ist wahrlich kein netter Opa im Himmel, dem es nur darum geht, dass die Kinder sich gut fühlen und nicht miteinander streiten. Er ist ein heiliger Gott, ein verzehrendes Feuer. Er hasst die Sünde. Sein Zorn ist eine Realität, die sich quer durch die ganze Bibel zieht.

Und das sollte eigentlich auch niemand überraschen. Denn Liebe und Zorn gehören nun einmal untrennbar zusammen. Welcher liebende Vater würde denn nicht zornig werden, wenn er sich ungefiltert anschauen muss, wie seine geliebten Geschöpfe vernachlässigt, betrogen, gemobbt, beraubt, vergewaltigt, getötet, vertrieben, beschimpft und gedemütigt werden. Ein Vater, der da nicht zornig werden würde, wäre dumpf, gleichgültig und zynisch. Fehlender Zorn würde fehlende Liebe beweisen.

Und natürlich gehört auch Gerechtigkeit zur Liebe. Kein Vater, der seine Kinder liebt, würde ihr Grundbedürfnis  nach Gerechtigkeit missachten. Im Kreuz kommt deshalb zusammen, was sich gar nicht voneinander trennen lässt: Gottes Zorn, Gerechtigkeit und Liebe.37

Verharmlost: Das Ausmaß unserer Sünde

Aber warum „braucht“ Gott ein Sühneopfer? Warum kann er nicht einfach so vergeben, so wie auch wir unseren Kindern einfach so vergeben und „Schwamm drüber“ sagen können? Wer so fragt, scheint ein unterentwickeltes Verständnis vom Ausmaß unserer Sünde zu haben. Wir dürfen ja z.B. nicht vergessen, dass Sünde ja auch Geschädigte erzeugt!38 Wenn mein Sohn die Tochter des Nachbarn vergewaltigt hätte: Was würde mein Nachbar sagen, wenn ich ihm berichte, dass ich meinem Sohn vergeben habe und die Sache deshalb ruhen lasse? Er wäre zu Recht unfassbar wütend. Und ein Richter würde sich sogar vor dem Gesetz schuldig machen, wenn er meinem Sohn einfach so die Schuld erlässt.

Die Bibel sagt zwar: Gott IST Liebe. Aber auch seine Ehre, sein vollkommenes Gesetz und seine absolute Gerechtigkeit sind Teil seines Wesens. Weil Gott sich nicht selbst verleugnen kann (2.Tim.2,13) wird sein Handeln immer auch diesen Aspekten seines Wesens Genüge tun.39 Deshalb musste Gott einen Weg zum Umgang mit unserer Sünde finden, der sowohl seiner Liebe und Gnade wie auch seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit entspricht. Er musste einen Weg finden, durch den wir leben können, ohne dass die tödliche Konsequenzen unserer Sünde ignoriert werden.

Vernebelt: Die Göttlichkeit Jesu

Aber musste es denn gleich ein Menschenopfer sein? Dazu noch der eigene Sohn? Wird nicht im ganzen Alten Testament jegliches Menschenopfer als Greuel strikt verurteilt? John Stott schreibt dazu: „An der Wurzel jeder Karikatur des Kreuzes steckt eine verzerrte Christologie“ (S. 205), also ein falsches Bild davon, wer Jesus eigentlich war. Gott opferte ja gerade nicht irgendeinen Menschen. Jesus war zwar ganz Mensch, aber zugleich auch voll und ganz Gott! Im Kreuzesgeschehen handelt Gott als Richter, der die gerechte Strafe für unsere Sünde vollstreckt, aber gleichzeitig auch als gnädiger Erlöser, der selbst diese gerechte Strafe auf sich nimmt! „Es ist ein und derselbe Gott, der uns durch Christus vor sich selbst rettet“.40 Nur wenn die Göttlichkeit Jesu vernebelt wird41, wird aus diesem unglaublichen Liebesakt der Selbstaufopferung ein grausamer Racheakt eines blutrünstigen Gottes.

Die Probleme mit dem stellvertretenden Opfertod resultieren also oft aus einem falschen Verständnis von Christus, von der Heiligkeit und Majestät Gottes und vom Ausmaß unserer Sünde. Ein Unglück kommt selten allein – das gilt gerade auch in der Theologie.

Fehlende Demut und die Suche nach Anerkennung

Natürlich ist und bleibt beim Kreuzesgeschehen Einiges schwer zu verstehen. Schließlich wimmelt es nur so von scheinbar paradoxen Gegensätzen: Gott ist Vater und Sohn zugleich. Jesus ist zugleich ganz Gott und ganz Mensch. Gott ist allmächtig und zugleich am Kreuz scheinbar ohnmächtig. Der Gott des Lebens stirbt einen furchtbaren Tod. Da kann man schon einen Knoten im Hirn bekommen. Kein Wunder, dass Paulus sagt: Das Wort vom Kreuz ist und bleibt eine Torheit und ein Ärgernis (1.Kor. 1,23).  Es lag mit dem intellektuellen Mainstream schon immer über Kreuz. Aber ist es deshalb falsch?

Es zeugt von Anmaßung und menschlicher Selbstüberschätzung, wenn wir schwierige biblische Lehren nur deshalb ablehnen, weil unser menschlicher Verstand sie nicht begreifen kann. Wenn unser Kopf mit der Bibel kollidiert und es hohl klingt, dann muss das ja nicht an der Bibel liegen! Gute Theologie akzeptiert, dass Gott größer ist als unser Verstand. Der massive intellektuelle Zweifel am stellvertretenden Sühneopfer ist eben auch ein Beleg dafür, dass die Sehnsucht nach Anerkennung durch die säkularen intellektuellen Eliten eine reale Triebkraft der modernen Theologie darstellt (wie Prof. Werner Thiede mit drastischen Worten beklagt42), die für die  Preisgabe so mancher biblischer Sichtweisen verantwortlich ist.

Das Sühneopfer: Heute noch vermittelbar?

Die auch damals schon schwer verständlichen Paradoxe und das Ärgernis des verfluchten Kreuzestodes haben die ersten Christen nicht davon abgehalten, das Wort vom Kreuz mit gewaltigem Erfolg weiterzugeben. Warum also sollte das heute nicht mehr gelingen? Ulrich Parzany schildert eine eindrückliche Geschichte, mit der er die Lehre vom stellvertretenden Opfertod gerne veranschaulicht43:

Ein Ehepaar muss miterleben, wie ihre Tochter an Leukämie sterben muss. Welch unendlicher Schmerz! Wie groß wäre der Wunsch der Eltern, dem Kind den Schmerz und den Tod abnehmen zu können. Sie würden lieber selber sterben, wenn dadurch das Kind weiterleben könnte. So etwas möchte menschliche Liebe. Aber wir sind einfach nicht in der Lage dazu. Wir sterben alle unseren eigenen Tod. Gott allein ist dieser Begrenzung nicht ausgesetzt. Als er unsere tödliche Krankheit sah, unsere Sünde, die zum Tod führt (Röm.6,23), zog er sich unser Leben an und starb stellvertretend für uns, damit wir das Leben haben. Ist das nicht wundervoll?

Das ist nur ein Beispiel, das zeigt: Wir brauchen uns dieser Botschaft auch heute nicht zu schämen. Sie ist Gottes Kraft, die alle selig macht, die daran glauben (Röm. 1, 16). Es ist die Aufgabe der Theologie, die Kirche gerade auch bei solchen anspruchsvollen Themen sprachfähig zu machen. Umso schlimmer ist es, wenn sie genau das Gegenteil tut.

Es geht um weit mehr als um einen Theologenstreit!

In einer christlichen Buchhandlung fiel mir neulich etwas auf: Da gab es Regale zu „Lebensberatung“, „gelebtes Christsein“, „Autobio­gra­fien“, „Erzählungen“ und einiges mehr. Nur ein Regal fehlte: „Theologie“! Ist das für uns Christen denn nicht mehr interessant? Denken wir, dass theologische Auseinandersetzungen nichts mit unserem christlichen Alltag und der Entwicklung der Kirche zu tun hätten?

Nichts könnte verkehrter sein als das. In Wahrheit werden genau hier die Schlachten geschlagen, die am langen Ende über das Wohl und Wehe der Kirche und somit auch über das Schicksal unzähliger Menschen entscheiden. Nicht umsonst konnte Paulus unglaublich scharf werden, wenn es um den Inhalt des Evangeliums geht. Gerade beim Streit um die Kreuzestheologie steht unglaublich viel auf dem Spiel:

Sinnentleertes Abendmahl: Ohne die Sühneopferlehre wird diese zentrale Handlung, die eigentlich alle Christen verbinden sollte, weitgehend sinnentleert.44

Verlorene Autorität und Klarheit der Bibel: Wenn selbst derart eindeutige und klare biblische Lehren nicht stimmen, dann ist nichts mehr klar in der Bibel. Tatsächlich gibt es an den Universitäten praktisch keine Lehre mehr, die nicht irgendjemand bestreiten würde.

Verlorene Einheit: Wenn Alles in Frage gestellt ist, dann gibt es auch keine gemeinsamen Glaubensgrundlagen und -gewissheiten mehr. Dann wird die Einheit der Kirche von innen ausgehöhlt. Dann bleibt  nur noch die äußere Organisation als notdürftiges Bindemittel, das immer schlechter funktioniert und bald zerbricht.

Bibelentfremdung: Wenn selbst Bibelwissenschaftler sich über nichts mehr in der Bibel einig sind, dann ist es kein Wunder, dass Laien das Interesse an der Bibel verlieren, weil sie aus ihr ohnehin keine verlässlichen Botschaften entnehmen können.

Austrocknung von Mission und Evangelisation: Wenn selbst über so zentrale Lehren keine Einigkeit besteht ist es kein Wunder, wenn Kirchenleiter bei der Frage nach der zentralen Botschaft der Kirche oft nur noch mit verschwurbelten Gutmenschensätzen antworten45. Dann ist es auch kein Wunder, dass die Kirche sich auf Dialog beschränkt statt zu evangelisieren. Kein Wunder ist es dann auch, dass die nächste Generation keinerlei Bindung mehr an die Kirche hat.

Eine oberflächliche Kirche: John Stott stellt fest, dass die weit verbreitete Seichtigkeit und fehlende Gottesfurcht in der westlichen Kirche die direkte Folge einer Theologie ist, die Gottes Zorn und seinen Hass auf das Böse ignoriert.46 Das Glattbügeln der Kreuzestheologie und unseres Gottesbilds raubt dem Evangelium zwar den Anstoß, aber auch seine erneuernde Kraft.

Zeit für eine theologische Erneuerung

Gesunde Theologie muss deshalb in aller Deutlichkeit auf der biblischen Lehre bestehen, dass das Kreuz nicht nur für uns Menschen notwendig war, sondern auch, um dem heiligen Charakter Gottes Genüge zu tun. James Denney schreibt dazu: „Es ist die Erkenntnis dieser göttlichen Notwendigkeit, oder das Versäumnis, sie zu erkennen, welche die Ausleger des Christentums letzten Endes in Evangelikale und Nichtevangelikale scheidet, solche die dem Neuen Testament treu sind, und solche die es nicht verdauen können.“ 47

Die Wirren um die Kreuzestheologie und die verheerenden Folgen für die Kirche belegen, wie berechtigt die Diagnose von Ulrich Parzany ist: Die Bibelkritik ist der Krebsschaden der Kirche!48 Solange unsere theologischen Ausbildungsstätten selbst bei Kernaussagen des Evangeliums mehr Verwirrung statt Klarheit stiften, kann es für die Kirche nur weiter bergab gehen. Ohne eine grundlegende theologische Erneuerung bleiben alle sonstigen Reformbemühungen der Kirche zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.


Danke an Ron Kubsch, Dr. Gerrit Hohage und Martin Till  für wichtige Anregungen zu diesem Artikel. Um die Länge zu begrenzen wurden viele wichtige Erläuterungen in die nachfolgenden Anhänge und Quellenhinweise ausgelagert. Ich möchte sie allen Lesern deshalb ausdrücklich ans Herz legen. Am wichtigsten ist mir jedoch eine Buchempfehlung: In „Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens“ erläutert John Stott das Kreuzesgeschehen in einer Tiefe, die ich sonst nirgends gefunden habe. Trotz der theologischen Präzision ist der Text auch für Laien gut und verständlich zu lesen.


Anmerkungen und Quellenangaben:

1:   Dr. Thomas Breuer: Die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu aus heutiger Perspektive

2:   Im Vortrag „Was bedeutet der Kreuzestod Jesu“ vom damaligen Präses Nikolaus Schneider, gehalten am 10.6.2009 (Seite 1)

3:   In Werner Thiedes Artikel „Widerwärtiger Dünkel“ in Zeitzeichen 2010 Seite 1

4:   In Prof. S. Zimmer: Warum das fundamentalistische Bibelverständnis nicht überzeugen kann

5:   Der Theologe Tobias Faix präsentiert in seinem Blog ein „Kleines Karfreitagsmedley: Von Banks bis Schrupp und immer dieselbe Frage: Warum ist Jesus gestorben?“ mit zahlreichen unterschiedlichen Deutungen des Kreuzestodes. Zwar gibt es dort mit Holger Lahayne auch einen Befürworter des Sühneopfers, die Sühneopferkritik ist jedoch klar in der Mehrheit.

6:  So meint Dr. Breuer in seinem Vortrag: Angesichts der unterschiedlichen Deutungen des Kreuzestodes im NT gäbe es auch heute noch eine legitime Bandbreite. Zwei Aussagen seien jedoch „dem Glauben nicht förderlich“ „nicht angemessen“, ja sogar „völlig absurd“ und „tun dem Menschen nicht gut“, weil sie der Lehre Jesu völlig widersprechen würden: 1. Die Lehre, dass das Kreuz das Ende der Tieropfer bedeute, weil Jesus das perfekte Opfer war („Welchen religiösen Sinn sollte das haben? War Jesus denn der erste Märtyrer der Tierrechtsbewegung? Diese Vorstellung können wir beruhigt ad acta legen.“). 2. „Gefährlicher“ noch sei der „relativ weit verbreitete“ „Gedanke, dass Gott der Vater erst durch den blutigen Opfertod seines Sohnes mit der schuldbeladenen Menschheit versöhnt werden könnte.“ Breuer antwortet darauf mit Anselm Grün: „Was ist das für ein Gott, der den Tod des Sohnes nötig hat, um uns vergeben zu können?“

7:   Prof. Wilfried Härle in „…gestorben für unsere Sünden – Die Heilsbedeutung des Todes Jesu Christi“ S. 11 unten

8:   Nikolaus Schneider fasst in seinem Vortrag die Kreuzestheologie von Fridrich Schleiermacher wie folgt zusammen: „Für Schleiermacher liegt Sünde darin, dass die Reifung der Persönlichkeit zur sittlichen und religiösen Vollkommenheit gehemmt wird. Erlösung ist dementsprechend für ihn der Prozess wachsender Befreiung von dieser Hemmung. Jesus ist in seiner Lehre und seinem Leben das Vorbild derartiger Reifung zur Vollkommenheit. In seinem Leiden und Sterben wächst und reift er zur Vollkommenheit. In beidem bewährt er sein Gottesbewusstsein und damit das, was er gelehrt hat. Und dafür stirbt er. Das ist „Vorbild‐Christologie“.“ (Seite 5)

9:   Rudolf Bultmann: „Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen überhaupt reden darf) gesühnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? Soll die Anschauung vom sündentilgenden Tode Christi aus der Opfervorstellung verstanden werden: Welch primitive Mythologie, dass ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt! Oder aus der Rechtsanschauung, so dass also in dem Rechtshandel zwischen Gott und Mensch durch den Tod Christi den Forderungen Gottes Genugtuung geleistet wäre: dann könnte die Sünde ja nur juristisch als äußerliche Gebotsübertretung verstanden sein, und die ethischen Maßstäbe wären ausgeschaltet!“  (RUDOLF BULTMANN, Neues Testament und Mythologie: das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, 3. Aufl., München 1988, Beiträge zur ev. Theologie 96, 19)

10: Die Reformatoren bekannten sich eindeutig zur Sühneopfertheologie. So schreibt Martin Luther in seinem „Kleinen Katechismus“: „Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott … und auch wahrhaftiger Mensch … , sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei…“
Der reformatorische „Heidelberger Katechismus“ bekennt: „Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst. … Er hat uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels sich zum Eigentum erlöst und erkauft, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut, indem er sein Leben für uns gab.“

11: „Wahrscheinlich begegnet heute keine Lehre des Christentums größeren Schwierigkeiten als die traditionelle Lehre, dass uns Jesus Christus durch seinen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz von unseren Sünden erlöst hat.“, in Josef Blank „Weißt Du, was Versöhnung heißt? Der Kreuzestod Jesu als Sühne“, in: Josef Blank u. Jürgen Werbick (Hg.), Sühne und Versöhnung, Düsseldorf 1986, 21‐91: 21.

12: Christoph Wiesing in Hossa Talk #34 Das Kreuz: Wofür starb Jesus? (Teil 1) ab 36:12: „Ich hab einen Vortrag bei Pfarrern gehalten, sehr engagierten Pfarrern (also das wo andere sagen würden: Das sind die gläubigen Pfarrer) über die Frage Satisfaktion und Anselm von Canterbury, und als ich das so vorgestellt habe haben die alle gesagt: Nee, also das glaubt ja bei uns keiner mehr. Deswegen, ich glaube: In der protestantischen Welt ist dieses Modell schon aus guten Gründen weitgehend abgelöst.“

13: Das unterstreicht der Theologe Ron Kubsch: „Es ist eben nicht ein tieferes Textverständnis, das den modernen Theologen dazu bringt, die bisherige Vorstellung der Sühnetheologie abzulehnen; es sind vielmehr Vorurteile, die die klaren Texte nicht stehenlassen können und sie zum Schweigen bringen wollen.“ (aus dem Artikel „Jesu Tod als stellvertretendes Sühneopfer“)

14: So wird Jesu Leiden als „Vorbild“ (z.B. 1.Petr.2,21), als „Prophetengeschick“ (z.B. Apg.7,52) oder als das „Leiden eines Gerechten“ dargestellt (ein Motiv, das oft in Psalmen erscheint, z.B. Ps.34,20)

15: In Walter Klaiber „Jesu Tod und unser Leben“; Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2. korr. Auflage 2014, S. 188

16: Der Kreuzestod als Sühne und Erlass für unsere Schuld: Röm.3,25; Kol.2,14; Hebr.2,17; 1.Joh.2,2; 1.Joh.4,10

17: Der Kreuzestod dient zur Versöhnung: Röm.5,10+11; 2.Kor.5,18-20; Eph.2,16; Kol.1,20+22;

18: Der Kreuzestod als Opfer: Eph 5,2; Hebr.9,12+14; Hebr 9,26+28; Hebr 10,10+12+14

19: Er ist das (geschlachtete) Opfer- bzw. Passalamm: Joh.1,29; Joh.1,36; Apg.8,32; 1.Kor.5,7, 1.Petr. 1,19; Offb.5,6; Offb.5,12+13; Offb.6,1+16; Offb.7,9+10+14+17; Offb.12,11; Offb.13,8; Offb.14,4+10; Offb 15,3; Offb 17,14; Offb 19,7+9; Offb.21,9+14+22+23+27; Offb 22,1

20: Sein Blut wurde für uns vergossen: Mt.26,28; Mk.14,24; Lk.22,20; Joh.6,53-56; Röm.3,25; Röm.5,9; 1.Kor.11,25; Eph.1,7; Eph.2,13; Kol 1,20; Hebr.9,12+14+20; Hebr.10,19+29; Hebr.12,24; Hebr.13,12+20; 1.Petr.1,2+19; 1.Joh 1,7; Offb.1,5; Offb.5,9; Offb.7,14; Offb.12,11

21: Wir sind mit Jesu Leben als „Lösegeld“ und mit seinem Blut „erkauft“, „losgekauft“ bzw. „teuer erkauft“: Mt.20,28; Mk.10,45; 1.Kor 6,20; 1.Kor.7,23; Gal.3,13; Gal.4,5; 1.Tim 2,6; 1.Petr 1,18-19; Offb.5,9; Offb.14,3+4

22: Jesus wurde (stellvertretend) „für uns“ (bzw. für die Menschen) und unsere Sünde hingegeben, ja zur Sünde und zum Fluch gemacht: Joh.3,16; Joh.11,50-52; Joh.18,14; Röm.5,6+8; Röm 8,32; Röm.14,15; 1.Kor.1,13; 1.Kor.8,11; 1.Kor.11,24; 1.Kor.15,3; 2.Kor.5,14+15+21; Gal.1,4; Gal.2,20; Gal.3,13; Eph.5,2; 1.Thess.5,10; Tit.2,14; 1.Petr.2,21; 1.Joh.3,16

23: Der Tod Jesu war von Jesus und dem AT vorausgesagt, von Gott geplant, Jesus „musste“ sterben, sein Tod war ein aktiver Hingabeakt: Mt.26,24; Mt.26,54; Mk 8,31; Lk 17,25; Lk 24,7+26; Joh 3,13-15; Joh.10,15+17; Joh.12,32-33; Röm.8,32; Apg.2,23; Apg.17,3; Apg.4,28; 1.Kor 15,3; Gal.1,4

24: In seinem Vortrag äußert Dr. Breuer (ab 1:09:15), dass er sich mit Prof. Zimmer darin einig sei, dass Jesus frühestens in Jerusalem zu der Überzeugung gelangte, dass sein Tod offenbar unausweichlich sei.

25: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 259

26: Walter Klaiber schreibt zu den vielfältigen Verknüpfungen und Verbindungen zwischen den verschiedenen neutestamentlichen Metaphern zur Deutung des Kreuzes: „Paulus kann also verschiedene Vorstellungsebenen kombinieren, um die Bedeutung des Todes Jesu zu erklären, auch wenn diese aus unterschiedlichen Zusammenhängen stammen“ (in „Jesu Tod und unser Leben“ S. 65). Prof. Dormeyer schreibt in seiner Abhandlung über den Tod Jesu, dass in Römer 3, 24-25 sowohl der rechtlich/juristische „Loskauf“ als auch der kultische Sühnebegriff auf Jesu Blut angewendet wird: „Die Erlösung umschreiben zwei Begriffe: rechtlich Loskauf (gr. apolýtrosis) (Röm 3,24) und kultisch Sühnopfer (gr. hilastérion) (Röm.3,25)“ Auch im AT sei die rechtliche und kultische Dimension der Sühne eng verknüpft, wenn ein Schuldiger von der Todesstrafe durch ein „Sühnegeld“ losgekauft werden kann (2.Mos.21,30). Nikolaus Schneider berichtet in seinem Vortrag von einer „Fülle von Begriffen, Bildern und Zugängen zum Versöhnungswerk von Jesus Christus“, räumt dazu jedoch ein, dass diese „Zugänge“ und „Erklärungen“ alle „in einem inneren Zusammenhang zueinander stehen.“ (Seite 11)

27: Weiter schreibt Pfr. PD Dr. Thomas Knöppler in seiner Abhandlung „Sühne (NT)“: „Trotz der seltenen Verwendung des für explizite Sühneaussagen charakteristischen Wortes „sühnen etc.“ (ἱλάσκεσθαι κτλ) ist unter Heranziehung weiterer, Begriff und Sache der Sühne in den Blick nehmender Wörter und Wendungen eine gewichtige Rolle der Sühnethematik im Rahmen der neutestamentlichen Soteriologie festzustellen. Insofern das Geschehen des Kreuzestodes Jesu in der Regel als Ausgangspunkt der neutestamentlichen Soteriologie und durchweg als Bezugspunkt der neutestamentlichen Rede von der Sühne fungiert, ist die Sühnethematik im Zentrum der Christologie und Soteriologie verankert.“

28: Gut erläutert im Artikel von Ron Kubsch: „Das Opfer Jesu als Erfüllung der alttestamentlichen Opfer“

29:  Der Theologe Stefan Meißner spricht deshalb in seinem Beitrag „Warum musste Jesus sterben“ vom Karfreitag als dem „eschatologischen Jom Kippur“.

30: T.J. Crawford bekräftigt den stellvertretenden Charakter des Opferrituals: „Der Text lehrt also seinem klaren und offensichtlichen Sinn nach den stellvertretenden Charakter des Opferrituals. Leben wurde für Leben gegeben“, „das Leben des unschuldigen Opfers für das Leben des sündigen Opfernden.“ In: „Doctrine of Holy Scripture“, S. 237, 241; zitiert in John Stott „Das Kreuz“ S. 175/176. John Stott ergänzt: „Wenn wir all dieses alttestamentliche Material (das Vergießen und Versprengen des Blutes, das Sündenopfer, das Passa, die Bedeutung des „Sündentragens“, den Sündenbock und Jesaja 53) betrachten und bedenken, dass all dies im Neuen Testament auf den Tod Christi bezogen wird, können wir uns dem Schluss nicht entziehen, dass das Kreuz ein stellvertretendes Opfer war.“ (S. 190)

31: Siehe Hebräer Kapitel 5 bis 7. Bezeichnend ist, dass der Priester Melchisedek, der im Hebäerbrief als Urbild für die Priesterschaft Jesu dargestellt wird, Abraham direkt am Ort des späteren Tempelbergs in Jerusalems entgegentritt (1.Mos.14,17-18). Also kommt auch hier genau wie beim Opfer Isaaks zu den vielen inhaltlichen Parallelen auch noch die geographische hinzu!

32: Während das Apostolische Glaubensbekenntnis auf jegliche Deutung des Kreuzestodes verzichtet heißt es im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (325 n.Chr.): „Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus.“ Im Athanasianischen Glaubensbekenntnis (7. Jahrhundert) lesen wir: „Der gelitten hat für unser Heil…“

33: So schrieb beispielsweise Athanasius (298–373 n. Chr.): „Er wurde um unsertwillen Fleisch, damit er sich an unserer statt opfern und uns durch seine Hingabe und Opferung erlösen konnte“ (Athanasius „Festbrief X“).  Der Kirchenvater Augustinus (354–430 n. Chr.) schreibt: „Indem er durch seinen Tod ein einmaliges, ganz wahrhaftiges Opfer für uns darbrachte, hat er alles, was Schuld hieß … getilgt, fortgewischt, ausgelöscht.“ (A. Augustinus, „Über den Dreieinigen Gott, München, 1951, S. 61), zitiert bei Ron Kubsch „Die Strafe liegt auf ihm…“ Das stellvertretende Sühneopfer, Martin Bucer Seminar 2017)

34: in Ron Kubsch: „Jesu Tod als stellvertretendes Sühneopfer“

35: Zum wichtigen Thema der „Klarheit der Schrift“ ist der Vortrag von Kevin deYoung vom März 2016 sehr zu empfehlen.

36: Ein typisches und sehr lesenswertes Beispiel dazu ist Holger Lahaynes Analyse des Vortrags von Prof. Georg Plasger „Für uns gestorben?“: „Plasger schwenkt um auf ein subjektives Verständnis des Sühnehandelns: „Gott muss nicht versöhnt werden. Gott braucht das Kreuz nicht, er braucht kein Menschenopfer, um besänftigt, um versöhnt zu werden.“ […] Dies sei „die zentrale Aussage des Neuen Testaments, wenn es den Kreuzestod Jesu Christi als ‘für uns geschehen’ interpretiert. … Jesus starb nicht, um Gottes Haltung zu mir, sondern um unsere Haltung zu Gott zu ändern. Dem ist zu entgegnen, dass sich der Sünder natürlich ändern muss und auch von Gott verändert wird. Doch die objektive Versöhnung Gottes ist Grundlage dieses subjektiven Geschehens!“

37: John Stott erläutert dazu: „Die Bibel enthält eine Reihe weiterer Formulierungen, die auf unterschiedliche Weise diese „Dualität“ im Innern Gottes ausdrücken. Er ist „Gott, barmherzig und gnädig“, der aber „Schuld, Vergehen und Sünde … keineswegs ungestraft lässt“; in ihm sind sich „Gnade und Wahrheit … begegnet“, haben sich „Gerechtigkeit und Frieden … geküsst“; er nennt sich selbst „einen gerechten und rettenden Gott“; … und im Zorn erinnert er sich seiner Barmherzigkeit. Johannes beschreibt … den Sohn des Vaters als „voller Gnade und Wahrheit“; und Paulus lädt uns … dazu ein, „die Güte und Strenge“ Gottes zu bedenken.“ In John Stott „Das Kreuz“, S. 165

38: Auf dieses Problem weist auch der ehem. Bischof Dr. Walter Klaiber hin: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen böser Tat und unheilvoller Folge, der verhindert, dass geschehenes Unrecht einfach ungeschehen gemacht werden kann.“ In: Walter Klaiber „Jesu Tod und unser Leben“; Ev. Verlagsanstalt Leipzig, 2. korr. Auflage 2014, S. 42

39: Kaum ein Begriff ist in der Kreuzestheologie so angegriffen worden wie der Begriff „genüge tun“ oder „Genugtuung“. John Stott geht in seinem Buch „Das Kreuz“ ausführlich darauf ein. Er distanziert sich dabei von einem Genugtuungs-Verständnis, wie Anselm von Canterbury es verbreitet hat und „an einen Feudalherrn erinnert, der Ehre fordert und Unehrerbietigkeit bestraft“. (S. 152) Trotzdem verteidigt er den Begriff „Genugtuung“ intensiv. Ich zitiere dies hier ausführlich, weil John Stott hier eine Reihe von Missverständnissen und Karikaturen des stellvertretenden Sühneopfers abräumt: „Darum weisen wir jede Erklärung für den Tod Christi entschieden zurück, in deren Mittelpunkt nicht das Prinzip der „Genugtuung durch Stellvertretung“ steht, ja der göttlichen Genugtuung seiner selbst durch die göttliche Stellvertretung durch ihn selbst. Das Kreuz war kein Tauschhandel mit dem Teufel … ebenso wenig ein exaktes Äquivalent, … um einen Ehrenkodex oder einer juristischen Spitzfindigkeit Genüge zu tun; ebenso wenig eine notgedrungene Unterordnung Gottes unter eine moralische Autorität über ihm, den er auf andere Weise nicht hätte entkommen können; ebenso wenig die Bestrafung eines sanftmütigen Christus durch einen strengen und rachsüchtigen Vater; ebenso  wenig ein Abringen des Heils von einem gemeinen und widerwilligen Vater durch einen liebenden Christus; ebenso wenig ein Handeln des Vaters, das Christus als den Mittler aussparte. Stattdessen erniedrigte sich der gerechte, liebende Vater selbst, indem er in … und durch seinen einzigen Sohn Fleisch, Sünde und Fluch für uns wurde, um uns zu erlösen, ohne seinen eigenen Charakter zu kompromittieren. Die theologischen Begriffe „Genugtuung“ und „Stellvertretung“ müssen sorgfältig definiert und gehütet werden, denn sie können unter keinen Umständen aufgegeben werden. Das biblische Evangelium der Sühne ist, dass Gott sich selbst Genüge tat, indem er selbst an unsere Stelle trat.“ (S. 204)

40: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 205

41: So vertreten es die verschiedenen Strömungen des „Adoptianismus“: Jesus sei nicht wesenhaft Gott, sondern nur ein zum Gottessohn adoptierter Mensch gewesen. Nicht zuletzt die weit verbreitete Ablehnung der Jungfrauengeburt deutet darauf hin, dass diese theologische Fehlentwicklung auch heute verbreitet ist.

42: „Offen gestanden: Er widert mich inzwischen nur noch an – dieser zeitgeistbeflissene Dünkel all jener Theologinnen und Theologen, die dem Kreuzestod Jesu den überlieferten Tiefensinn rationalistisch absprechen. Dieses arrogante Kaputtreden der überkommenen Heilsbotschaft, das sich über den Glauben der Väter und Mütter der letzten beiden Jahrtausende so erhaben dünkt, dass es ihn nur noch verabschieden möchte. Dieses Kokettieren mit der intellektuellen Redlichkeit, die Andersdenkenden in Theologie und Kirche zumindest indirekt abgesprochen wird, aber mit merkwürdigen Alternativen zum Ganz- und Heilwerden des Menschen oft kompatibel genug zu sein scheint.“ Prof. Werner Thiede in seinem Artikel „Widerwärtiger Dünkel“ veröffentlicht in „Zeitzeichen“ 2010

43: Nachzuhören in Ulrich Parzanys Vortrag: „Den Säkularen ein Säkularer“, gehalten am 24.11.2017 in der STH Basel (ab 53:30)

44: So erwähnt Prof. Zimmer in seinem Vortrag „Vom Sinn des Abendmahls“ die sühnende Wirkung des stellvertretenden Opfertods mit keinem Wort. Stattdessen lehrt er, dass wir im Abendmahl die „Kontaktfreudigkeit“ und „Zuwendungslust“ Jesu feiern würden.

45: Ein trauriges Beispiel ist das ZDF-heute-Journal-Interview mit Bischof Markus Dröge anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums. Auf die Kritik, im Reformationsjahr habe es viel Event und wenig Botschaft gegeben, antwortet er: Die zentrale Botschaft der Reformation sei deutlich geworden, nämlich die „Doppelheit von Vertrauen zu finden und sich zu engagieren für das Allgemeinwohl“.

46: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 137-139, siehe Artikel im AiGG-Blog http://blog.aigg.de/?p=3836

47: James Denney, Atonement, S. 82, zitiert von John Stott in „Das Kreuz“, S. 169

48: In Ulrich Parzany „Was nun, Kirche?“, SCM-Hänssler, S. 49

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

68 thoughts on “Das Kreuz – Stolperstein der Theologie

  1. Sie schreiben: „Die Argumente gegen das Sühneopfer sind nicht primär eine Folge von intensivem Bibelstudium, sondern im Wesentlichen intellektueller und philosophischer Natur.“ – Richtig, weil ALLEIN durch Bibelstudium sich kein Kontext mit der Geistesentwicklung der Menschheit ergibt. Die Bibel aber existiert nicht isoliert von ihr. Gerade WEIL man den christlichen Liebesbegriff verinnerlicht hat, kann man nicht mehr glauben, dass ein Gott ein solches Opfer verlange. Vielmehr war dieses Opfer dem herrschenden Weltbild, von dem die Menschen befreit werden sollten, geschuldet.
    Selbst nach der Bibel sind die Opferkulte, ohne dass sie von Gott eingesetzt wurden (s. 1. Mo. 4,3) ganz natürlich aus der damaligen Geistesverfassung der Menschen entstanden. Deshalb ist auch kein Volk der Erde bekannt, das nicht opferte. Manche sogar noch bis in unsere Zeit hinein.
    An anderer Stelle – https://manfredreichelt.wordpress.com/2018/06/11/der-zorn-gottes/ – schrieb ich bereits, dass die Menschen ihr Weltbild analog der menschlichen Handlungsweise entwickelten, sie dachten also anthropomorph. Da sie sich als sterblich erlebten und diese Sterblichkeit als einen Ausstoß aus der primären Naturharmonie (Paradies), sahen sie keinen anderen Weg Unsterblichkeit (und damit Versöhnung) zu erlangen, als dass Gott selbst ihnen seine Vergebung zeigte.
    Da man den Gedanken an einen zornigen Gott noch nicht loslassen konnte – also keine Argumente dagegen hatte, wie wir heute – musste man den Tod am Kreuz als
    Stillung von Gottes Zorn auffassen. Und da es darum ging, die eigene sterbliche Natur – also die Sündhaftigkeit – loszuwerden, musste man Jesu Tod als Sühneopfer, als Wiedergutmachung auffassen.
    Das alles sind logische Schritte, die nicht um Gottes Willen geschehen mussten, sondern um der Menschen Willen, um sie aus ihrem geistigen Gefängnis zu befreien. Indem Jesus seine Herrlichkeit (Joh. 10, 17-18) dahingab, nahm er Sterblichkeit an. Jetzt erst wurde er wie wir. Und indem er auferstand, zeigte er nicht nur, dass Gott uns vergeben hatte (der aber auch vorher nichts Übel genommen hatte), sondern auch, dass die Seele unsterblich und damit stets vom Tod, wie Gott, unberührt ist. Trotz dieser Demonstration haben viele Christen immer noch Schwierigkeiten an ihr Einssein mit dem Vater zu glauben und seine Herrlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

  2. Das ist die Kreuzestheologie mit der ich auch aufgewachsen bin. Bis ca. vor einem Jahr habe ich das alles auch noch so gesehen. Dass wir durch den Opfertod Jesu mit Gott versöhnt werden und das ewige Leben habe, glaube ich nach wie vor – nur denke ich heute dass m. E. die Erklärung des stellvertretenden Sühnetods im Kern falsch ist. Weil sie auf das falsche Problem eine Antwort liefert.

    Die hier vorgestellte klassische Sühnetheologie liefert eine Antwort, wie Gott es schafft, angesichts seiner Heiligkeit/Gerechtigkeit gleichzeitig barmherzig zu sein und Sünden zu vergeben. Sie ist eigentlich eine reine Vergebungslehre und würde auch funktionieren, wenn Jesus im Tod geblieben wäre.

    Ich behaupte hingegen, das eigentliche Problem ist, dass der Mensch die Forderungen Gottes/das Gesetz nicht erfüllen kann – weil der unter der Macht der Sünde steht. Unglücklicherweise war er auch der Heilsordnung des AT unterworfen, die unerbittlich den Tod für Übertreter des Gesetzes verlangt, es sei denn der Gesetzgeber übersieht das Vergehen. Es braucht daher nicht nur eine Vergebungslehre, sondern eine Erlösungslehre von der Macht der Sünde und von der Heilsordnung des AT, die für uns zu Fluch geworden ist.

    Nun man muss nur das Erlösungsgeschehen anders erklären und dann ergibt sich auch eine stimmige Systematik, von der ich glaube, dass sie die des NT ist.
    Eine wichtige Frage ist hierin z. B.: Wie ist die Reinheit des echten Opferlamms zu verstehen? Wozu brauchte Gott diese Reinheit?

    1. „Es braucht daher nicht nur eine Vergebungslehre, sondern eine Erlösungslehre von der Macht der Sünde und von der Heilsordnung des AT, die für uns zu Fluch geworden ist.“
      Aber genau das ist doch das Evangelium von Jesus. Es wird Vergebung gelehrt und Erlösung – die Gabe des heiligen Geistes und des ewigen Lebens. Frieden mit Gott. Wenn „die Erklärung des stellvertretenden Sühnetods im Kern falsch ist“, wären ja die Aussagen Jesu und die Briefe des neuen Testaments im Kern falsch, kopfschüttel.

      1. Ich meine nicht, dass man die Erlösung nicht als stellvertretenden Sühnetod erklären kann, sondern, dass der Inhalt dessen, was theologisch unter dem stellvertretenden Sühnetod verstanden wird am Kern des Problems vorbeigeht. Es braucht eine bessere Erklärung des stellvertretenden Sühnetods.

        Gabe des Heiliges Geistes. Klar. Nur: Es ist die Frage zu beantworten, von was genau wurden wir denn losgkauft und mit was und wie.

        Und dann war da noch wie Frage nach dem Wozu der Reinheit des Opferlamms?

      2. Nicht lehne ich den stellvertretenden Sühnetod ab, sondern der Inhalt dessen muss anders erklärt werden.

        Gabe des Geistes. Klar. Aber: Von was wird erlöst und wie genau geschieht das?

        Und da war dann noch die Frage nach der Funktion der Reinheit des Opferlamms bei der Erlösung?

    2. „Es braucht daher nicht nur eine Vergebungslehre, sondern eine Erlösungslehre von der Macht der Sünde und von der Heilsordnung des AT, die für uns zu Fluch geworden ist.“ – Richtig. Die Erlösung geschieht wenn der Mensch wiedergeboren wird und sich mit seiner göttlichen Natur tagtäglich identifiziert. Er also weiß, WER er NUN ist, um zu werden, der er ist.
      https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/01/11/wahrer-glaube/
      „Wie ist die Reinheit des echten Opferlamms zu verstehen? Wozu brauchte Gott diese Reinheit?“ – Gott braucht überhaupt nichts. Er hat keine Bedürfnisse. Wer sollte sie denn stillen?. Aber Jesus musste als Mensch natürlich nicht nur seine wahre, also göttliche Natur bewusst sein , sondern er musste sie auch voll verwirklicht haben (so wie es bei uns auch einmal sein wird, wenn wir als Söhne Gottes offenbar werden Rö 8,19). Denn nur so konnte Jesus auferstehen, weil alle Kräfte auf einen Punkt wirkten. Aber worin besteht die Reinheit konkret? Sie besteht darin, dass die Seele keine spezifischen Inhalte hat, sondern der allgemeine schöpferische Urgrund in und durch sie wirken kann. Damit WIR auferstehen können, müssen wir auch einen solchen Zustand der Seele durch die Heiligung erlangen: 1Joh 2,15 „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist“, 1Joh 3,3 „Und jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.“

      1. „Gott braucht überhaupt nichts.“ ?? Doch.

        Für mich stellt sich nicht die Frage, ob Gott das Opfer seines Sohns vorsah und für die Erlösung der Menschen dann einsetzte. Ich arbeite nur an dem Problem, wie man das Opfer am besten erklären kann.

        Brauchte Gott ein Opfer nur für sich selbst, weil er aufgrund seines Wesens nicht heilig/gerecht und gleichzeitig barmherzig sein kann? Ich habe Zweifel, ob das die richtige Erklärung ist. Weil: wir sollen es auch sein und so werden wie Jesus.

        Kol. 2,15 sagt uns, dass Gott die Herrschaften und Gewalten ihrer Macht entkleidet hat und öffentlich zur Schau gestellt hat, indem er über sie triumphierte.

        Das zeigt deutlich, dass er durch die Erlösung nicht sich selbst bekämpft hat, sondern den Sieg über gottfeindliche Mächte errungen hat. Und hier liefere ich eine juristische Erklärung, warum an dem Leben des Auferstanden sämtliche Ansprüche des Anklägers und des Todes abprallen müssen.

        1. >„Gott braucht überhaupt nichts.“ ?? Doch.<
          " Brauchte Gott ein Opfer nur für sich selbst, weil er aufgrund seines Wesens nicht heilig/gerecht und gleichzeitig barmherzig sein kann? "
          "Das zeigt deutlich, dass er durch die Erlösung nicht sich selbst bekämpft hat, sondern den Sieg über gottfeindliche Mächte errungen hat. Und hier liefere ich eine juristische Erklärung, warum an dem Leben des Auferstanden sämtliche Ansprüche des Anklägers und des Todes abprallen müssen. "

          Die Schwierigkeiten des Verständnisses kommen eben aus einem anthropomorphen Gottesbild. Solange man dieses beibehalten will, wird man weiterhin in allerlei Ungereimtheiten stecken bleiben.

          Gott ist vollkommen und hat deshalb keinerlei Bedürfnisse. Hätte er welche, dann könnte er auch nicht unsere Bedürfnisse stillen.
          Gott ist kein Mensch, und ER braucht keinerlei Opfer. Die Sünde ist ein Irrtum des Menschen, der nur in ihm wirksam ist. Und so wie das Licht die Dunkelheit vertreibt, weil die Dunkelheit keine Substanz ist, so vertreibt die Wahrheit die Lüge und damit die Sünde.
          So wie ein Schüler den Lernstoff beherrscht, so schwindet seine Unwissenheit, die ihm schlechte Zensuren brachte.
          Mit Juristerei hat das alles nichts zu tun.

          Man sehe auch das eigene Leben an. Die uns vergebenen Sünden sind nicht einfach verschwunden. Sie sind genau noch so präsent, wie vor der Vergebung. Aber sie schwinden, sobald ich gemäß der Wahrheit lebe.

          1. „Die Schwierigkeiten des Verständnisses kommen eben aus einem anthropomorphen Gottesbild.“

            Mit diesem Schriftverständnis werden wir vermutlich nicht auf eine Wellenlänge kommen. Ich glaube, dass Gott uns durch die Schrift Kenntnis von ihm gibt – und nicht umgekehrt der Mensch in der Bibel beschreibt, wie er sich Gott denkt.

            „Gott ist vollkommen und hat deshalb keinerlei Bedürfnisse. Hätte er welche, dann könnte er auch nicht unsere Bedürfnisse stillen. Gott ist kein Mensch, und ER braucht keinerlei Opfer.“

            Klar ist Gott Quelle und Ursache von allem Guten. Ich bin auch der Meinung, dass er kein Opfer braucht, allein um barmherzig zu sein. Doch um seine Geschöpfe wegen ihrer mißbrauchten Freiheit wieder einzufangen, hat er diesen Weg gewählt.

            „Mit Juristerei hat das alles nichts zu tun.“ Doch. Das ganze AT und NT ist voll vom Gesetz. Die ganze Heilsgeschichte läuft auf das Weltgericht (und Weltverwandlung) zu.

          2. Noch ein Nachtrag: Nicht alles ist „Juristerei“. Ich denke, man muss zwischen der Beziehung zu Gott und Gottes Gesetz unterscheiden.

            – Vergebung und Versöhnung und auch Zorn sind Beziehungsbegriffe

            – Gesetz, Rechtferigung, Gerechtigkeit, Gericht sind juristische Begriffe

  3. Die von mir gefundene Version des stellvertretenden Sühnetods ist folgende:

    Die Reinheit des Opferlamms ist das vollkommene gemachte Wesen/Charakter des Menschensohns, einer der das Gesetz erfüllen kann. Einer, der von Weihnachten bis Karfreitung sein Eigenleben in Liebe geopfert, um den Willen des Vaters zu erfüllen. Ein wohlgefälliges Brandopfer seines Lebens. Eben genau das, was unser alter Adam nicht kann. Bis hin zur Bereitschaft der Hingabe seines Lebens und der Feindesliebe am Kreuz.

    Dieses reine Leben wurde vom Vater benötigt, um es als Basis eines neuen Menschen zu verwenden und zu vervielfältigen. Und mit diesem Leben kauft er dann per Sündopfer und Auferweckung die Menschen aus der alten Heilsordnung der Gesetzeswerke los und setzt einen neuen Bund ein (Gal. 3,13).

    Wie macht er das? Er lädt diesem Leben des Menschensohns künstlich alle Schuld der Welt auf, verurteilt ihn zum Tode, gibt ihn so rechtmässig in den Machtbereich/Gewalt des Todes, begnadet ihn aber wieder, in dem er sich seiner erbarmt und die Stricke des Todes löst. Im Endergebnis hat er sich jetzt einen neuen Menschen geschaffen, der nicht mehr der Heilsordnung der Gesetzeswerke unterworfen ist, weil: er wurde ja für alle mögliche Schuld verurteilt und kann nicht von neuen verurteilt werden. Und das gilt dann für alle, die von ihm abstammen, denen er Anteil, an diesem seinem Leben gibt, die dieser Menschensohn zu seinem Eigentum zählt.

    Das ist etwas ganz anderes als die klassische Version, in der Gott sein unschuldiges Kind sterben sehen muss, um seinen Zorn über die Sünde zu stillen. (Der Zorn Gottes hat seinen Platz in der Durchführung der Heilsgeschichte über Gnade und Gericht).

    Mehr dazu unter churchinbalance.de.

  4. —Er lädt diesem Menschensohn künstlich alle Schuld der Welt auf,—

    Und was ist mit der echten Schuld? wo bleibt die?
    Ist die Sünde künstlich, warum dann einen echten Tod?

    1. Ähm, ja. Der Artikel gefällt mir außerordentlich gut, denn er hat beruhend auf den biblischen Aussagen alles Wesentliche zum Sühneopfer zusammengefasst. Hier und da könnte man noch mehr ins Detail und Umfeld gehen, z.B. 1.Mo3, 21 (das stellvertretende Opfer, damit die Menschen wieder vor Gott treten konnten, wurde da eingesetzt), Abel hatte daraus bzgl. des Opfers schon gelernt (1. Mos 4,4; Feldfrüchte usw. taten es eben nicht). Ebenfalls hat Gott bereits früh angedeutet, wo die Entfaltung des Heilsplanes hingehen wird (1. Mos 14,18; siehe auch Hebr 5,6; 5,10; 6,20; 7,1; 7.10-21; Ps 110,4 – die Feinde im Ps 110 sind m.E. Tod und Sünde). Aber das sind alles nur weiterführende Feinheiten, nicht für das Verständnis des gut aufbereiteten Textes notwendig.
      Die Kommentare habe ich alle gelesen – und bewußt bislang nicht kommentiert und wollte es mir auch ersparen. Eigentlich möchte ich da in weiteren Replys auch nicht mehr drauf eingehen, weil die Ausgangspositionen viel zu verschieden sind. Da wird von der „Geistesentwicklung der Menschheit“ gefaselt (ja, den Begriff habe ich bewußt gewählt) – da der Mensch in der Trennung von Gott (durch die Erbsünde) geboren ist, in eine Welt hinein, in der Satan regiert, geht die „Geistesentwicklung der Menschheit“ wohl in welche Richtung? Und zum Schluß kommt dann der Hammer in Form von “ dass Gott uns vergeben hatte (der aber auch vorher nichts Übel genommen hatte)“, als hätte es den Rausschmiss aus dem Garten Eden nie gegeben.

      „Sie ist eigentlich eine reine Vergebungslehre und würde auch funktionieren, wenn Jesus im Tod geblieben wäre.“ Hmm, wenn Jesus nicht der „Erste“ ist, wer sollte ihm dann folgen können? Wer ist dann das Lamm in den Offenbarungen, das auf dem Thron sitzt? Wen hätte Stephanus nicht im Himmel gesehen? Wer würde uns richten, wenn Jesus tot geblieben wäre? Die Auferstehung Jesu ist Grundvoraussetzung. Wieso sollte ich an ein ewiges Leben glauben (können), wenn Gott nicht mit Jesus ein Beispiel gegeben hätte.

      Ich glaube an das Stellvertretende Sühneopfer Christi, eben weil Gott es so geschrieben und geoffenbart hat, und weil die ganze Bibel daraufhin zusteuert. Da gibt es aus meiner Sicht keinen Grund zu zweifeln.
      Was ich vielleicht nie kapieren werde (muss ich aber auch nicht): warum gefiel es Gott, gerade diesen Heilsplan, diesen Weg zu gehen? Gab es keine andere Möglichkeit? Oder aber ist es genau der einzige Weg, der mir klar machen kann (und letztendlich auch allen Menschen aller Zeiten und Kulturen), dass ich aus eigener Kraft nicht vor Gott gerecht werden kann, egal wie ich mich auch abrackere, und dass der eigentliche Lohn der Sünde der ewige Tod ist?
      Nur wenn Gott selbst das „perfekte, ultimative“ Opfer bringt durch seinen Sohn, der mich reinwäscht von meiner Schuld, kann ich vor ihm (be-)stehen.

      1. Weder Ihre Überheblichkeit, noch ihre mangelnde Bildung ist meine Sache. Trotzdem helfe ich Ihnen gern auf die Sprünge: Eine Bewusstseinsentwicklung wird allgemein anerkannt. Eine brauchbare Enteilung hat Gebser gegeben – „Wir haben das, was man ein archaisches Bewußtsein, ein Ursprungsbewußtsein nennen könnte, das den meisten eigentlich nicht mehr bewußt ist; wir haben ein magisches, das mehr im Vitalbereich gründet; wir haben ein mythisches, das mehr psychisch begründet ist; wir haben ein mentales, rationales, das mehr im Denken beheimatet ist; und es kommt vielleicht noch ein fünftes hinzu: Es bahnt sich ein neues, das ich als integrales beschrieben habe, an.“ (Sehr wichtig zum Verständnis der Bibel und des Menschen). Das, was bisher hier geäussert wurde ist lediglich Schriftgelehrsamkeit und wenn diese nicht als Mittel zum Zweck angesehen wird, werden Schriftgelehrte und Pharisäer (heute, wie damals) schnell zu Feinden Gottes.
        https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/01/11/wahrer-glaube/
        „Viele meinen, die Theologie sei nur eine bloße Wissenschaft und Wortkunst; da sie doch eine lebendige Erfahrung und Übung ist.“ (Johann Arndt)
        “das Christentum umfasst viele Wahrheiten, die wir nicht verstehen, wenn wir sie bloß aus Büchern kennen lernen. Sie werden nur dadurch verständlich, dass wir sie erleben. Das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine Religion des Lebens.“
        Sadhu Sundar Singh

        1. Das Thema Bildung lassen Sie ruhig meine Sorge sein. Es reicht zu einem guten Auskommen.
          Jean Gebser war Philosoph, gehört also zu denen, vor deren Lehren Paulus in Kol 2,8 warnte – wenn Sie die Leute schon zitieren, sollten Sie das immer dazuschreiben. Dass er mit seinen Theorien auf die Anerkenntnis anderer Philosophen bis hin zu Religionskritikern stieß wie z.B. Comte, oder Spencer als Anhänger bzw. Gründer des Evolutionismus / Sozialdarwinismus, ist schon „bemerkenswert“, disqualifiziert ihn aber gleichzeitig für das Bücherregal eines Christen – sowas ist nicht „sehr wichtig zum Verständnis der Bibel“, sondern für das Mißverständnis.
          Nun aber laufen Sie derartigen Ideen nach, verweben diese in Ihre Vorstellungen, und sind damit meilenweit von der Allgenügsamkeit der Bibel / Sola Scriptura entfernt. Und das sagt eine Menge über Ihr Schriftverständnis aus.

          1. Theologie ist die höchste und anspruchsvollste Wissenschaft, die es gibt, da sie das Wesentliche aller Wissenszweige zusammenschauen muss, um nicht in Widerspruch dazu zu geraten. Denn alles ist Gottes und Gott ist kein Teil.
            Das ist natürlich bei dem, was heute unter diesem Terminus läuft, nicht der Fall. Das ist höchstens Buchwissen. Um etwas Verständnis der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge müht sich, im Gegensatz zu Ihnen und ihresgleichen, die vielgescholtenen Liberalen.
            Aber sie müssen nicht denken, dass Sie mit Ihren Auslegungen KEINE Philosophie betreiben, nur ist das eben Kleingärtner – Philosophie, für andere als Sie selbst, nicht relevant.
            Philosophie ist etwas in der Ordnung zu sehen, wie die der Zusammenhang in der Realität ist. Gegen eine solche Philosophie kann niemand etwas haben. Aber christlicher Glaube ist eben MEHR als Philosophie, Christlicher Glaube ist Veränderung der Lebensrealität des Menschen. Ist Hinführung zur ERFAHRUNG einer anderen Realität.

    2. Mit „künstlich“ meine ich doch nur, dass er nicht selbst von einer Sünde wusste, im keine zugerechnet werden konnte, sondern dass er die Fremdschuld der Welt so zugerechnet bekam, als ob er sie selbst getan hätte, künstlich von Gott zur Sünde von gemacht wird (2. Kor. 5,21). Und dann die Folgen trägt, wie wir sie auch tragen müssten. In den Tod muss. Der Sünde Sold ist der Tod.

      Deine Frage nach der echten Schuld finde ich dennoch interessant. Denn es hilft, zu klären, wie man denn das Wegtragen der Schuld der Welt verstehen muss.

      Es ist ja nicht so, dass wenn ich heute eine Sünde begehe, dass mir dann nicht mehr vergeben werden muss, oder nicht? Z. B. 1. Joh. 1,9..wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt…. Was genau hat denn dann der Sühnetod Jesu in Bezug auf meine Schuld dann schon erledigt, wenn mir als Christ neue Sünde auch wieder vergeben werden muss? Inwiefern ist man im NT in Bezug auf die Sündenvergebung weiter als im AT, wo Sünden auch vergeben werden mussten und konnten?

  5. —wie man denn das Wegtragen der Schuld der Welt verstehen muss.—
    Jesus trug unsere Schuld,….und nahm sie mit in Seinen Tod.

    —Was genau hat denn dann der Sühnetod Jesu in Bezug auf meine Schuld dann schon erledigt, wenn mir als Christ neue Sünden auch wieder vergeben werden müssen—

    Als Jesus ausrief ,,Es ist Vollbracht“ galt das nicht nur für die Vergangenheit und für die Gegenwart, …es galt auch für die Ewigkeit, die Zukunft.
    1.Joh 5.18a ….Wir wissen, daß, wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht….
    Auch wenn wir heute sündigen gehört das zu unserem alten Wesen, Jesus erneuert (Heiligung) den inneren neuen Menschen (der von Gott geboren ist). Der alte Mensch ist tot, am Kreuz mit Jesus gestorben.
    Ausserhalb von Christus gibt es noch Sünde, aber der neue Mensch existiert nun ,,in Christus“.
    Wenn mir also als Christ neue Sünden auch wieder vergeben werden müssen….
    Wir haben buße getan für die Sünden der Vergangenheit, und wir wissen das sie uns vergeben sind, bei den neuen Sünden bitten wir auch um vergebung, und können die Tragweite erkennen, das sie auch mit eingeschlossen sind im Erlösungswerk der Vergebung. Darum 1.Joh 1.9 Jesus vergibt und reinigt….
    Sünde zu erkennen zeigt das wir ein Gottloses Wesen haben, sonst würden wir uns wohl nicht reinigen lassen. Somit bewirkt die Vergebung, die Erkenntnis über unseren wahren Zustand

    1. „Jesus trug unsere Schuld,….und nahm sie mit in Seinen Tod.“
      „bei den neuen Sünden bitten wir auch um vergebung, und können die Tragweite erkennen, das sie auch mit eingeschlossen sind im Erlösungswerk der Vergebung.“

      Nur – wie muss man das verstehen, was mit der Schuld der Welt passiert ist?

      Ist die Schuld der Welt gegenüber Gott durch Jesu Sühnetod getilgt/gelöscht/beseitigt/vernichtet? Einfach nimmer da und weg?

  6. „Der stellvertretende Opfertod Jesu ist der innerste Kern des Evangeliums. “

    Jesus hat etwas ganz anderes zum Kern SEINES Evangeliums gemacht.

    Heute sind versteinerte Alt- und zahllose Neudogmen Kern vieler verschiedener christlicher Hausevangelien.

    So verwirrend wie die Skizzen des Beitrags.

  7. toblog,
    — Nur– wie muss man das verstehen, was mit der Schuld der Welt passiert ist?—

    Kolosser 2. 14 ,,Getilgt hat er den Schuldbrief, der wider uns war und durch die Satzungen gegen uns stand, und hat ihn aus unserer Mitte getan und ans Kreuz geheftet“
    Heißt: wer sich auf Christus beruft, kann für seine Schuld nicht mehr angeklagt werden.

    Eph 2. 15 ,,indem er (Jesus) in seinem Fleische hat abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen, auf dass er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschenschüfe und Frieden machte.“

    Römer 4. 7 ,,Selig sind die, welchen ihre Ungerechtigkeiten vergeben sind und welchen ihre Sünden bedeckt sind!“

    Micha 7. 19 ,,Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füsse treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres wefen.“

    Da also sind die Sünden geblieben, und wessen Schuldbrief nicht ans Kreuz geheftet wird, der wartet auf das Gericht.
    Weil die Schuld uns von Gott trennt hat sie Jesus auf sich genommen. Darum ist ER der Weg und die Wahrheit und das Leben.
    Ich denke, der Kern ist, das Jesus mit Seinem Opfer die Trennung aufgehoben hat, und jeder der will, zurück zu Gott kommen darf.

    1. Ja, danke, Lilli, für die Zusammenstellung.

      Ja, wenn Gott sich erbarmt und die Sünden vergibt, dann ist die Trennung von ihm wieder aufhoben, die Versöhnung erreicht, der Konflikt beendet. Und die Schuld ist in den Tiefen des Meeres(=weg) (wie oben in Micha 7,9). Sehe ich auch so.

      Es fragt sich jetzt allerdings, ob das, was in der Erlösung durch Jesus mit der Schuld der Welt passiert eine Art Generalabsolution ist, eine Tilgung aller Schuld der Welt. Denn das würde konsequenterweise in eine billige Allversöhnung hinauslaufen, bei der alle schon mit Gott versöhnt sind, ob sie umkehren oder nicht. (Alle Despoten der Welt zechen im Wirtshaus ohne zu zahlen. Der Wirt hat aber trotzdem das beste Verhältnis zu ihnen – denn sein Sohn hat die Rechnung bereits beglichen.)

      Ich verneine das und biete eine m. E. bessere Erklärung an:

      Wenn wir heute auch als Christen sündigen, erzeugt das selbstverständlich wieder einen Konflikt mit Gott. Jesus als Vertreter Gottes vergibt uns aber wieder (siehe 1. Joh. 1,9). Wer könnte jetzt noch etwas gegen die Vergebung haben? Die, die aus der Übertretung des Gesetzes ein Nutzen ziehen wollen. der Ankläger und die Gewalt des Todes. Diese Anklage kommt aus dem Gesetz.

      Aber diese Anklage wieder mit Hinweis auf den Sühnetod Jesu abgewiesen (1. Joh. 2,1.2). Aber nicht so, dass der sagt: Ich habe am Kreuz durch meinen Tod alle Schuld bereits getilgt, sondern: Ich, meine Person wurde am Kreuz und durch meinen Tod für alle Schuld der Welt verurteilt, aber wieder begnadigt und auferweckt, und ich kann daher nicht nochmals verurteilt werden. Und dieser Sünder, ja, der/die gehört trotzdem zu mir, zu meiner Person und entgeht deswegen auch der Verteilung durch das Gesetz und auch die Gewalt des Todes kann keinerlei Ansprüche anmelden (vgl. auch Joh 10, wo Jesus seine Schafe gegen eine Macht verteidigt, die stark ist, aber nicht stärker als der Vater.)

      „Kolosser 2. 14 ,,Getilgt hat er den Schuldbrief, der wider uns war und durch die Satzungen gegen uns stand, und hat ihn aus unserer Mitte getan und ans Kreuz geheftet“
      Heißt: wer sich auf Christus beruft, kann für seine Schuld nicht mehr angeklagt werden.“

      Ja, diese Stelle unterstützt meine Lesart, indem sie auf die Übertretung aus dem Gesetz abhebt und nicht auf eine Generalabsolution. Durch den Sühnetod wird die Anklage aufgrund des Gesetzes komplett zum Schweigen gebracht – für die, die ihm angehören.

  8. Was ist der Grund dafür, daß nach 2000 Jahren tausende von Fragen immer und immer wieder neu durchgeackert werden müssen?

    Darauf gibt’s wiederum 1000 verschiedene Antworten.
    🙂

    Heillos….

    1. Weil nach 2000 Jahren immer noch Menschen anfangen zu diskutieren, was der Kern des Evangeliums sei. Siehe oben.
      Weil Menschen, die in Sünde oder Philosophie oder Idiologien gefangen sind, die Bibel dergestalt lesen und auslegen wollen, dass sie auf ihren falschen Wegen bestärkt werden, und nicht etwa, dass sie tatsächlich Buße und Umkehr üben. Und weil sie dabei auf die Zustimmung anderer hoffen und leicht übersäuert reagieren, wenn kein Beifall kommt.
      Weil der Mensch schon ganz am Anfang sein wollte wie Gott und es meinte besser zu wissen, was gut und böse ist. und das hat sich bis heute nicht geändert.
      Weil der Mensch sich nicht Gottes Willen unterordnen möchte.
      Weil Menschen den Mitmenschen mehr fürchten als Gott.
      Weil der Gegenspieler Gottes durchaus kräftig am wirken ist.
      Weil der Mensch versucht, bei anderen Menschen um Anerkennung zu buhlen und daher mit besonderen „Erkenntnissen“ prahlt.
      Weil der Mensch selbst entscheiden möchte, was gerecht ist.

      Um vielleicht auch mal andere Vordiskussionen hier beispielhaft aufzugreifen: ich muss mir keinen Kopf darum machen, wie es mit der Vergebung der nächsten Sünde funktioniert, wenn ich errettet worden bin. Ich muss aber verinnerlichen, dass ich als Mensch ein Sünder bin, der jeden Tag soviel Dreck am Stecken anhäuft (ob ich jetzt Christ bin oder nicht) oder anhäufen würde, dass er niemals durch eigenes Bemühen zu Gott kommen kann. Auch wenn ich mich noch sehr in der Heiligung befleißige.
      Wenn Gott nicht selbst mich gerecht macht, dann bleibe ich in der ewigen Trennung. Nur er kann es, und ich kann nichts dazu tun.

      1. ……und ich kann nichts dazu tun.

        Jesus forderte dazu auf, irdische Gerechtigkeit, irdische Barmherzigkeit und überall wo nötig irdischen Frieden im Glauben zu fördern.

        Da gibt’s viele, viele Gesellschaftsbereiche. Also entsprechend der Bergpredigt, Salz der ganzen Erde und Licht der ganzen Welt (sozusagen lokal und global und auch außerhalb der heute überwiegend gutsituierten christlich-abendländischen Gemeinden) zu werden in Form vielfältig wohltätiger Handlungen in der Gesellschaft.

        Mt 5,9 Selig sind, die Frieden stiften; denn SIE werden Gottes Kinder heißen.

        Mt 23,23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den
        Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das WICHTIGSTE im GESETZ (des Mose) beiseite, nämlich Gerechtigkeit, Barmherzigkeit ###UND### den Glauben!

        Es scheint gerade in sehr christlichen Gemeinden und für ihre dazu anleitenden Lehrer schwierig zu sein, diese Dinge systematisch auf dem Schirm zu halten.

        Findet man hier herausgestellt Anleitungen, irdische Gerechtigkeit, irdische Barmherzigkeit, irdischen Frieden auch außerhalb der christlichen Gemeinden und überall wo nötig im Glauben zu fördern?

        „An ihren WERKEN werdet ihr sie erkennen.“ (und deshalb mit Freuden nachfolgen).

        Aber die kommen nicht heraus aus ihren inflationären Papierbergen ihres steinernen und tonnenschweren theorethischen Postdogmatismus.

        Wehe den widerspenstigen Söhnen, spricht der HERR, die einen Plan machen, aber nicht von mir aus, und Bündnisse weihen, aber nicht nach meinem Geist. Jes 30, 1-2

        1. Die Sachen haben die von Dir gescholtenen Evangelikalen sehr wohl auf dem Schirm. Es gibt aber zwischen uns beiden einen entscheidenden Unterschied:
          Ich habe mich zuerst von Jesus retten lassen. Danach gleiche ich ab, z.B. anhand der o.a. Bibelstellen, ob ich mein Leben und meine Werke nach Gottes Willen ausrichten.
          Bei Dir sind es die Werke, die zu Errettung führen sollen. So herum funktioniert es aber nicht – die Werke eines nicht erretteten, nicht vor Gott gerecht stehenden Menschen zählen bei ihm nicht. Die Forderungen Jesu gelten daher für seine Nachfolger. Es schadet trotzdem nichts, wenn Du Dich daran hälst, aber es trägt eben nicht zu Deiner Errettung bei.

          Und nun führe Dir die Grafiken nochmal in einer ruhigen Minute zu Gemüte. Sie sind so schwer nicht zu verstehen.

          1. Brief des Paulus an gläubige Römer:

            Rö 2
            J E D E R muss sich vor Gott für das verantworten, was er getan hat
            1 Deshalb darfst du (Gläubiger) allerdings nicht meinen, du seist entschuldigt, wenn du das alles verurteilst. Denn W E R du auch bist: Indem du über einen anderen zu Gericht sitzt, sprichst du dir selbst das Urteil, weil du genau dasselbe tust wie der, zu dessen Richter D U dich machst.
            2 Nun wissen wir aber, dass Gott die zu Recht verurteilt, die jene Dinge tun; wir wissen, dass sein Urteil der Wahrheit entspricht.
            3 Und da meinst du, DU könnest dem Gericht Gottes entgehen, wo du doch genauso handelst wie die, die du verurteilst?
            4 Oder betrachtest du seine große Güte, Nachsicht und Geduld als selbstverständlich (gegenüber dir)? Begreifst du nicht, dass Gottes Güte D I C H (gläubigen Pharisäer) zur Umkehr bringen will?
            5 Doch du bist verhärtet; dein Herz ist nicht zur Umkehr bereit. So sorgst D U selbst dafür, dass sich G O T T E S Z O R N gegen D I C H immer weiter anhäuft, bis er schließlich am »Tag seines Zorns« über D I C H hereinbricht – an dem Tag, an dem Gott
            G E R I C H T hält (über jeden Menschen, sie Weltgerichtsrede Jesu) und für alle sichtbar werden lässt, dass sein Urteil gerecht ist.
            6 Gott wird J E D E M das geben, was er für sein T U N verdient hat.
            7 Denen, die unbeirrbar T U N , was G U T ist, und (D A M I T)
            A L L E S daran setzen, an ´Gottes` Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit teilzuhaben, wird er das ewige Leben geben.
            8 Diejenigen dagegen, die sich in selbstsüchtiger Gesinnung weigern, der Wahrheit zu gehorchen, und sich stattdessen zu gehorsamen Werkzeugen des Unrechts machen lassen (durch Passivität), wird Gottes Zorn in seiner G A N Z E N Härte treffen.
            9 Ja, Not und qualvolle Angst wird das Los J E D E S Menschen sein, der tut, was böse ist (z.B. indem er nichts Gutes T U T). Das gilt zunächst für die Juden, es gilt aber auch für J E D E N A N D E R E N Menschen.
            10 ´Ewige` Herrlichkeit jedoch und Ehre und Frieden werden jedem gegeben, der T U T , was gut ist. Auch das gilt zunächst für die Juden und gilt ebenso für alle anderen Menschen.
            11 Denn Gott ist ein unbestechlicher Richter.

            Paulus über die Ungläubigen:

            12 Wenn die, die das Gesetz Gottes nicht kennen, sündigen, werden sie wegen ihrer Sünde verurteilt werden, ohne dass das Gesetz dabei eine Rolle spielt. Und wenn die sündigen, die das Gesetz Gottes kennen, werden sie aufgrund dieses Gesetzes verurteilt werden.
            13 Denn vor Gott sind N I C H T die gerecht, die hören, was das Gesetz sagt; für gerecht erklären wird Gott vielmehr die, die T U N , was das Gesetz sagt.
            14 Wenn nun Menschen, die nicht zum jüdischen Volk gehören und mit dem Gesetz Gottes daher nicht in Berührung gekommen sind, von sich aus so handeln, wie es das Gesetz fordert, dann ist dieses Gesetz, auch wenn sie es nicht kennen, offensichtlich E I N T E I L V O N I H N E N selbst.
            15 Ihr V E R H A L T E N beweist, dass das, was das Gesetz fordert, ihnen ins Herz GESCHRIEBEN ist. Das zeigt sich auch im Urteil ihres Gewissens und am Widerstreit von Anklagen und Rechtfertigungen (Ent-schuldigen können beim Weltgericht ) in ihren Gedanken.
            16 Der Tag des Gerichts wird das alles bestätigen, der Tag, an dem Gott durch Jesus Christus auch über die verborgensten Dinge im Leben der Menschen sein Urteil sprechen wird. So lehrt es das Evangelium, das M I R anvertraut ist.

            Paulus ist durch Jesus selbst beauftragt, die Predigten Jesu auszulgen.

            Ich bin gläubig und vermisse hier den beim Weltgericht ENTSCHEIDENDEN zweiten Arbeitsteil der Bekehrung.

            Ich habe es wahrscheinlich schon 10 mal geschrieben.

            🙂

          2. Erläuterungen:

            Analoge beispielhafte Einstiegserläuterung:

            Die 10 Gebote enthalten keine Todesstrafe.

            Jesus hat am Beispiel der Sünderin die Todesstrafe ein für alle mal auch grundsätzlich aufgehoben. Das ist seine Korrektur für alle zuvor erfolgten Todesstrafen z.B. durch grausame Steinigungen.

            Daraus ist eine Sukzession adäquat in der Auslegung der gesamten Schrift erkennbar. Das wird ja von vielen, (jedoch bisher nur teilweise je nach eigener Dogmatik) geteilt.
            In der Bibel selbst wird von einem besseren Bund und vom Gegenteil berichtet. (Trotzdem hat das Volk Israel noch eine maximale Erwartung, siehe andere Paulustexte).

            Damit ist für mich die Chicagoerklärung als Dogma vom Tisch, weil sie die Entwicklungen ignoriert.

            Zurück zum Thema:
            Analog verhält es sich mit der „Opfertheologie“.
            Da gibt es auch eine Entwicklung.

            Jeremia 7 entstand wahrscheinlich mehr als 1000 Jahre nach der Bekanntgabe der 10 Gebote.

            Hier kommt zum Ausdruck, daß alle Opfer nichts nützen, sondern allein der Wandel in guten Werken und Taten zählt. Hintergrund ist also, daß zwar geopfert wird, aber sinnlos, weil kein gottgewolltes Verhalten und Handeln folgt. Also alles opfern ist sinnlos und zu einem frommen Brauch verkommen.
            Das Opfern war immer nur ein SYMBOL, eine Erinnerung daran, daß der Einzelne sich in Taten dahin geben, „opfern“ sollte.

            Jer 7, gerichtet an unrechte Gläubige:
            20 Darum spricht Gott der HERR: Siehe, mein Zorn und mein Grimm ist ausgeschüttet über diese Stätte, über Menschen und über Vieh, über die Bäume auf dem Felde und über die Früchte des Landes; der wird brennen, dass niemand löschen kann.
            21 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Tut eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und fresst Fleisch!
            22 Denn ich habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägyptenland führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern;
            23 sondern dies Wort habe ich ihnen geboten: Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; WANDELT ganz auf dem Wege, den ich euch gebiete, AUF DASS es euch wohlgehe.
            24 Aber sie wollten nicht hören noch ihr Ohr neigen, sondern wandelten nach ihrem eignen Rat und nach ihrem verstockten und bösen Herzen und kehrten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht.
            25 Ja, von dem Tage an, da eure Väter aus Ägyptenland zogen, bis auf diesen Tag habe ich immer wieder zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten.
            26 Aber sie wollten mich nicht hören noch ihr Ohr neigen, sondern waren halsstarrig …………..
            27 Und wenn du schon ihnen dies alles sagst, so werden sie doch nicht auf dich hören; rufst du sie, so werden sie dir nicht antworten.
            28 Darum sprich zu ihnen: Dies ist das Volk, das auf die Stimme des HERRN, seines Gottes, nicht hören noch sich bessern will. Die Wahrheit ist dahin und ausgerottet aus ihrem Munde.

            In einem weiteren Teil von Jeremia 7 wird dann MASSIV bekräftigt, was Gott von MENSCHENopfern hält:

            30 Denn die Judäer haben getan, was mir missfällt, spricht der HERR. Sie haben ihre GRÄUELBILDER gesetzt in das Haus, das nach meinem Namen genannt ist, um es unrein zu machen,
            31 und haben die Höhen des Tofet im Tal Ben-Hinnom (Spätere Namensbezeichnung: Gehenna) gebaut, um ihre Söhne und Töchter zu verbrennen, was ich nie geboten habe und mir nie in den Sinn gekommen ist.

            32 Darum siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man’s nicht mehr nennen wird »Tofet« und »Tal Ben-Hinnom«, sondern »Würgetal«. Und man wird im Tofet begraben müssen, weil sonst kein Raum mehr sein wird.
            33 Und die Leichname dieses Volks sollen den Vögeln des Himmels und den Tieren des Feldes zum Fraß werden, ohne dass sie jemand verscheuchen wird.
            34 Und ich will in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems wegnehmen den Jubel der Freude und Wonne und die Stimme des Bräutigams und der Braut; denn das Land soll wüst werden.

            Und jetzt kommt’s:

            Genau diesen Text zitiert Jesus in seinen lediglich drei „Höllenreden“.
            Hölle = Tal Ben Hinnom, Gehenna, Verbrennung von Leichen Abtrünniger.

            Übrigens hat Jesus niemals irgendwen dahin hinein „verdammt“. Er hat lediglich damit gedroht.

            In unzähligen Reden Jesu mahnt er zu genau dem Gleichen.
            Riten und Opfer und Frommes Gerede gelten nichts gegen unzählige Werke des Glaubens mit und bei aller aufrichtiger ungeheuchelter Liebe.

            ich habe das alles erst kürzlich wortwörtlich geschrieben. Darauf folgte nun dieser „Großangriff“ dieses Ausgangsartikels. 🙂

            Tatsache für mich ist, daß man durch JESUS AUFGEHOBENE und revidierte in ein neues Licht gestellte ältere Textstellen in den obigen Grafiken nicht einfach sequenziell noch mit angeben darf, weil es das Licht Jesu verdunkelt und seine Erneuerungen und aktuelleren Bewertungen ignoriert. Jesus unterstreicht Jeremia 7 völlig.

            Was bleibt nun übrig aus dem Artikel?

            Wir werden sehen!

            Mit Ernst und Liebe

          3. Ich danke den Gestaltern von Biblipedia AUSDRÜCKLICH für die Möglichkeit der Erhebung meiner Stimme.

            Das ist die „Demo-kratie“, die Paulus in der Gemeinde zu Korinth den Leitern mahnend und kompromisslos für jeden Anwesenden nahegelegt hat.

            Vielen Dank

          4. Das Problem der christlichen TRADITION ist, dass man aus einer Lebenslehre, die das Zusammenleben der Menschen verbessern soll, eine Vertröstung auf das Jenseits gemacht hat („Dein Reich komme“ – wohin? Auf die Erde!, „Dein Wille geschehe im Himmel (d.h., wie er im Himmel geschieht, so soll er auch auf Erden geschehen). Insofern hat Jazzico vollkommen recht. Nur sind eben die Probleme der Menschen längst nicht gelöst, wenn JEDER Mensch auf Erden in äußerer Sicherheit lebt und ausreichend Nahrung hat. Da bestehen immer noch die Begierden weiter, die immer neue Begierden hervorrufen, da gibt es immer noch Konkurrenz, immer noch Perversitäten.
            Deshalb muss der ganze Mensch VON GRUND AUF ERNEUERT werden. Ob dazu die Lehren der Biblizisten viel beitragen, ist fraglich.

          5. @Jazzico

            Ich stimme Ihnen zu, dass es Gott lieber ist, dass wir gleich seinen Willen tun und keine Opfer benötigen, um angesichts des Gesetzes der Verurteilung zu entgehen.

            Das Problem ist aber doch, dass wir die Werke und Taten gar nicht leisten können, den Forderungen Gottes gar nicht genügen können.

            Deswegen ist der Menschensohn gekommen. Ich verstehe darunter die Erfüllung der Vorschattung des Brandopfers, ein Opfer zum Wohlgeruch Gottes. Eigentlich das höchstwertige Opfer. Siehe, ich komme um deinen Willen zu tun . Durch diesen Willen sind wir durch die Darbringung des Leibes Jesu ein für alle Mal geheiligt (Hebr. 10,9.10). Hier wird nicht auf das Blut, sondern auf den Leib Christi zum Zwecke der Heiligung abgehoben. Und dieser Leib ist sein Charakter. Er wird durch das Opfer seines Eigenwillens in Verleugnung seiner selbst unter unter allen möglichen Versuchungen gebildet. Das Brot des Lebens.

            Die klassische Sühnetodtheologie wie im Artikel nimmt nach meiner Kenntnis nach lediglich den Sündopferaspekt des AT auf. (Und auch hier darf man fragen: Wozu brauchte Gott dann das Sündopfer wirklich?)

      2. „Weil nach 2000 Jahren immer noch Menschen anfangen zu diskutieren, was der Kern des Evangeliums sei. Siehe oben.
        Weil Menschen, die in Sünde oder Philosophie oder Idiologien gefangen sind, die Bibel dergestalt lesen und auslegen wollen, dass sie auf ihren falschen Wegen bestärkt werden, und nicht etwa, dass sie tatsächlich Buße und Umkehr üben.“ – Der wahre Grund ist, weil alle Menschen erst einmal geistig träge sind (LK. 24,25; Hebr. 5,11-12, 2. Petr. 1,8). Die Menschen haben es am liebsten, die Wahrheit würde ihnen fix und Fertig vorgesetzt. Aber eine so bequem zu erlangende Wahrheit würde dem Menschen nichts wert sein. Deshalb will Gott, dass wir die Wahrheit SUCHEN (Lk. 11,9).
        Es geht also darum, dass uns nicht irgendwelche dogmatischen Behauptungen, irgendwelche Autoritäten, Traditionen oder Lehren wichtig sind, sondern das VERLANGEN nach WAHRHEIT! Dann werden wir auch finden, werden wir die Wahrheit erkennen (nicht die „für Gott“ frei macht, sondern uns REAL von der „fleischlichen Natur“ befreit) Joh. 8,32.

        Man muss also nicht denken, dass diejenigen, die nur die Bibel gelten lassen wollen, frei von Voraussetzungen seien. Im Gegenteil, sie kennen nicht die Voraussetzungen auf Grund derer sie die Bibel auslegen, nämlich auf Grund ihrer ganz persönlichen Prägungen.
        Deshalb herrscht gerade unter solchen Menschen das größte Auslegungschaos.

        1. „Der wahre Grund ist, weil alle Menschen erst einmal geistig träge sind“.
          Dem schließe ich mich glatt mal an.

          „Man muss also nicht denken, dass diejenigen, die nur die Bibel gelten lassen wollen, frei von Voraussetzungen seien.“
          Sehe ich auch so.

          Der wesentliche Punkt ist: wer nicht bereit ist, einen „Reset“ zu machen, also all das bisher „Gelernte“ in Frage zu stellen sowie seine gesamte Prägung und wie es dazu gekommen ist, sich von falschen Ideen, Ideologien, aber auch Verhaltensweisen usw. zu trennen, hat ein Problem. Man muss sich also entscheiden: vertraue ich darauf, dass die Schrift inspiriert ist, dass sie allgenügsam ist, und dass sie mir alles mitteilt (mitteilen kann), was ein unwandelbarer Gott für notwendig und richtig hält, oder stelle ich sie mir als Geschichtenbuch, geschrieben nur für die Menschen der damaligen Zeit, vor. Im ersteren Falle muss ich dann alles über den Haufen schmeißen, was biblischen Aussagen widerspricht, Ihre geliebten Philosophen gehören dazu, für andere ist es Evolituionstheorie, oder die Startrek – Philosopie, dass der Mensch / die Menschheit sich selbst zum Besseren hin verändern kann.

          Sie haben ja schon häufig deutlich gemacht, dass die Bibel in Ihren Augen nicht viel wert ist und immer noch „Erkenntnisse“ und „Wahrheiten“ drumherum notwendig sind. Da sind wir wieder bei der geistigen Trägheit. Sie lassen von Ihrer Prägung nicht los.

          1. WER von uns Menschen macht denn einen „Reset“? – Ein wirklicher Reset würde ja zuerst einmal darin bestehen, dass man sogar die kulturelle Prägung in Frage stellte, und wenn man dann dahin kommt, dass es mehr als nur das Materielle gebe, was aus der Vielzahl der Angebote ist dann das Wahre oder hat KEINER die Wahrheit gepachtet? – Haben Sie sich gefragt, weshalb Sie sich nicht für die Buddhismus oder den Islam entschieden haben? Der Islam erhebt je genau so einen Absolutheitsanspruch wie das Christentum.

            Die wenigsten Religionsangehörigen haben sich gefragt, weshalb sie sich gerade dieser angeschlossen haben….

            Von Ihnen und den Schreibern hier, habe ich nicht den Eindruck, dass sie gründlich geprüft hätten. Ich aber schon…
            Über meine persönliche Entwicklung habe ich hier – https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/04/05/widerstand-gegen-gottes-wirken/ – einige Anmerkungen gemacht. Mein Ausgangspunkt WAR das naive Schriftverständnis, das Biblipedia vertritt. In diesem bin ich aufgewachsen und das habe ich wie selbstverständlich übernommen. Aber durch mein Wachsen im Glauben musste ich feststellen, dass dieses Verständnis weder der Bibel noch dem Leben gerecht wird.
            Aber Einzel – Erkenntnisse, die ich auf dem Glaubensweg gewann, fand ich dann überraschend auch unter den Psychologen oder Philosophen. es war also nicht so, dass mich die Philosophen beeinflusst und so verhindert hätten, dass ich zum „wahren Glauben“ fand.

          2. Stephan, besonders den letzten Absatz nehme ich mit großem Bedauern und Kopfschütteln zur Kenntnis.

            Man kann schimpfen. Aber man sollte es mit einer tiefgehenden eigens formulierten Position begründen!

            Aus jeder Gegenposition lerne ich. Ich wachse am Widerspruch.

            Entweder erkenne ich, daß ich zustimmen kann, oder aber ich BEGRÜNDE individuell und nicht mit dogmatischen Textbausteinen, wie ich es verstehe.

            Man nennt es Austausch durch Dis-Kuss-Ion.

            🙂

  9. Tja, die Bibel ist unausschöpflich, und es ist immer wieder pure Freude, die aufwerfenden Fragen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.
    Aber schön Jazzico das du es erkennst.

    1. Lilli, Milliarden Menschen, die als Ungläubige bezeichnet werden (alle Milliarden, die nicht der eigenen Gemeindedogmatik huldigen) können nicht zwischen Wirklichkeit und Illussion unterscheiden?

      Und Menschen, die ständig „zwanghaft“ transzendente Geheimnisse erklären wollen, können es??

      🙂

      1. Um auf Deinen vorletzten Beitrag zurück zu kommen, eine direkte Antwort ist ja nicht möglich:
        Ich bin der Meinung, ich hätte es schon ein paar Mal geschrieben und begründet, aber gern nochmal in Kurzform:
        Für mich ist die Bibel Gottes Wort. Darin steht alles, was ich wissen muss. Die Bibel muss an sich selbst ausgelegt werden, das gilt auch für (zunächst) unklare Textstellen. Das heißt nicht automatisch, dass ich (sofort) alles verstehe, was dort drin steht. Werde ich wohl auch nie.
        Sekundärliteratur messe ich daran, ob sie zu Gottes Wort widersprüchliche Aussagen enthält. Wenn ja: weg damit. Im Idealfall ist Sekundärliteratur zusätzlich erklärend oder auslegend, verdeutlicht mir Bibelstellen, die ich noch nicht kannte, richtig spannend ist z.B. rabbinische Auslegungspraxis des AT im Hinblick auf den Messias, aber Sekundärliteratur kann mir auch verdeutlichen, wo in meinem Leben noch Änderungsbedarf besteht (andere nennen es Heiligung). Manche Sekundärliteratur lese ich mit „Vorsicht“ (z.B. Fruchtenbaum), er ist ein hervorragender Ausleger des AT und damit ein echter Gewinn, da kann ich von lernen bzw. es eröffnet besseres Schriftverständnis, er hat aber ein paar theologische Eigenarten, die im Widerspruch zu Aussagen des NT stehen.
        Aus meiner Bibelarbeit resultieren für mich ein paar Dogmen, die ich überprüft habe, die ich dann für mich fest annehme. Nehmen wir Sühnetod (also den Inhalt des obigen Artikel), Rettung allein aus Gnade und nicht eigenen Werken, Jungfrauengeburt, Trinität, … Das war teilweise jahrelange Arbeit. Z.B. die „Notwendigkeit“ einer Jungfrauengeburt ist aus der Bibel ableitbar, aber ich bräuchte Tage, um die Begründung (wieder) zusammenzuschreiben. Die Gabe, mir solche Dinge zu einzuverleiben, dass ich damit als Dogmatiker auftreten könnte, die habe ich nicht. Da gibt es andere, die es besser können. Und irgendwann erkennt man auch, welchen Autoren man vertrauen kann, und welchen nicht.

        Ebenfalls gibt es „rote Fäden“ in der Schrift (da sind wir z.B. bei den obigen „verqueren“ Grafiken), je tiefer man in die Schrift eindringt, desto mehr erkennt man die inhaltliche Schlüssigkeit, dass sie in sich rund ist, und Gott dort seinen Plan konsequent verfolgt. Vor 20 Jahren hatte ich es das aber auch noch nicht kapiert. Je mehr ich mir erarbeite, desto „schöner“ wird die Schrift für mich.
        Die Integration „menschlicher Weisheiten“ (ist schon ein Widerspruch in sich) in die Auslegung der Schrift führt dann zu den übelsten Irrlehren. Das Problem ist aber auch schon bald 2000 Jahre alt …

        Ich bin am Anfang meiner christlichen Umwelt bestimmt ziemlich auf die Nerven gegangen mit meinen Fragen. Letztendlich habe ich es mir angewöhnt, mich zu unklaren Themen in die Literatur zu stürzen – sofern die Autoren mit der Bibel argumentieren, und am besten jeweils gegenteilige Positionen vertreten, oder sogar gegeneinander Streitschriften verfasst haben. Da kann man selbst aus jahrhunderte alten Streitschriften (z.B. Luther gegen Erasmus von Rotterdam) eine Menge mitnehmen.

        Um jetzt auf Deinen letzten Beitrag zurück zu kommen: in der Bibel geht es um Dich und um Deine Errettung, nicht um die Errettung der Milliarden anderen Menschen. Mach Dir nicht immer den Kopf um Gottes Gerechtigkeit bzgl. anderer Menschen (das ist noch nicht dran als Thema für Dich), sondern im Deine eigene Errettung und Dein Vertrauen in Gott und sein Wort.

  10. —Wirklichkeit und Illusion läßt sich ohne Gott nicht unterscheiden—
    Du solltest dir schon das Video ansehen, um zu verstehen.

    Teil 8 –Auflösung gültiger Werte—

  11. @ toblog. „Noch ein Nachtrag: Nicht alles ist „Juristerei“. Ich denke, man muss zwischen der Beziehung zu Gott und Gottes Gesetz unterscheiden.
    – Vergebung und Versöhnung und auch Zorn sind Beziehungsbegriffe
    – Gesetz, Rechtferigung, Gerechtigkeit, Gericht sind juristische Begriffe“

    Trotzdem wird man durch diese Begriffe in die Irre geführt, wenn man sie nicht auf die konkrete Wirklichkeit des Menschen bezieht.
    „Gerecht“ im tatsächlichen Sinne meint, dass ich eine Sache oder einem Wesen gerecht werde, d.h. ob ich in Übereinstimmung mit meinem wahren Wesen (= Freiheit) oder gegenüber der Schöpfung (= Notwendigkeit) handele. Man könnte sagen, ich muss, um Gott gerecht zu werden, in Übereinstimmung mit meinem ewigen Wesen handeln. Da das der Mensch des A.T. noch nicht konnte, weil er von seinem wahren Wesen noch nichts wusste, blieb er grundlegend Sünder, auch wenn er äußerlich die Gebote hielt. Das Endgericht besteht darin, dass die einen lernten aus dem Ewigen, d.h. als Erlöste zu leben, und den anderen, die weiterhin der Materie verhaftet bleiben.

  12. @MR:

    Wir stimmen allenfalls in der groben Annäherung überein, dass der Mensch von Grund auf erneuert werden muss. Aber wo diese Grundsatzerneuerung herkommen soll, da sind wir vermutlich nicht beieinander.

    „Dass die einen lernten aus dem Ewigen, d.h. als Erlöste zu leben“ deutet für mich bereits schon von der Formulierung her auf eine Art Selbsterlörung hin. Ebenso die deutliche Betonung des Lernens und der Lehren. Der christliche Glaube ist besteht im Kern nicht nur in einer Art Weiterbildung.

    1. Der christliche Glaube ist GANZHEITLICH, d.h. an ihm muss der ganze Mensch, und nicht nur ein Teil beteiligt sein. Trotzdem hat die Erkenntnis Priorität, denn erst einmal muss man ja einen Gedanken/Idee hören/lesen, und wenn man ihn akzeptiert fällt er auf guten Boden (Röm. 10,17, Mt. 13,18). Aber nur, wenn man ihn pflegt, erhält er Kraft, d.h. ich muss emotional damit verbunden sein. Die Wahrheit macht frei, und deshalb „muss“ man sie lieben, wenn man frei werden will. Wenn Sie das als „Selbsterlösung“ verstehen, bitte. Aber NUR DAS ist richtig!
      Lesen Sie unbedingt:
      https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/02/17/jeder-christ-ein-psychologe/

      1. Ich habe es gelesen.
        Dass der Glaube nicht nur doxa, eine Meinung ist – da bin ich bei Ihnen.
        Dass es sich bei Glauben nicht nur um intellektuelle Information/Lehre handelt, sondern um eine ganzheitliche Veränderung meiner Person – ja.
        Warum nennen Sie es nicht Wiedergeburt? Und dass man dazu ein Psychologiestudium benötigt, kann ich überhaupt nicht sehen. Die Erwähnung von solchen Studien geht doch wieder in eine Überbetonung der Lehre.

        M. E. kommt die ganzheitliche Veränderung eines lebendigen Gläubigen durch den Glauben an das Wort Gottes. Im Anfang und auch im Fortgang des Glaubens. Gott schafft mich durch sein Wort neu, indem ich es glaube, kann ich Gott zum Handeln bringen. Wer da glaubt und bekennt…Nach Luther ist das die kleine Rechtfertigung. Ich gebe Gott recht, in dem, was er über mich und die Welt sagt.

        1. Man benötigt kein Psychologiestudium, sondern lernt in der Glaubenspraxis seine eigene Psyche kennen und erkennt dann auch allgemeine psychische Gesetzmässigkeiten. Man merkt zum Beispiel einen Widerstand gegen bestimmte Vorstellungen. Da muss man dann nachspüren, welche verinnerlichten Vorstellungen diesen Widerstand erzeugen, oder man merkt, dass man eine bestimmte Sünde nicht aufgeben kann, da zeigt sich, wenn man fragt, weshalb mir diese Sünde so wichtig ist, vieles andere in meinem Innern, von dem ich überhaupt noch nicht wusste.

          Ich kann es Menschen nicht abnehmen, die behaupten Gott verändere sie, wenn sie doch von diesen Dingen nichts wissen.

          1. Jesus war nicht nur König, Priester und Prophet, sondern auch ein erstklassiger Politiker, Psychologe und Theologe.

  13. Politiker: Er hat der „herrschenden Klasse“, den verkommenen Theokraten den Spiegel vorgehalten und die Kleinen und Armen laufen lassen.

    Psychologe: Er hatte besonderes Verständnis und Ermutigung für die Verlorenen, die Geknechteten, die Trauernden und die Gekränkten.

    Theologe: Er war ein großer Reformator.

    1. Du belegst hier Jesus mit ausschließlich menschlichen Definitionen. Das ist mE. zu kurz gegrffen, die Attribute „wahrer Mensch und wahrer Gott“ sowie „er war ohne Schuld“ werden damit unterschlagen.

      Politiker: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Ein Politiker für weltliche Angelegenheiten war er nun nicht, sondern vertrat die Sache Gottes. Damit hat er auch niemanden „laufen“ lassen, sondern hat sich mit einem Arzt verglichen, der gekommen ist, die Kranken zu heilen und nicht die Gesunden (oder diejenigen, die sich dafür hielten). Er hat den Theokraten gezeigt, wo sie von Gottes Ordnung abgewichen sind, das mag manchmal ein Spiegel gewesen sein, aber ebenso hat er den armen Sündern ihre Sünde aufgezeigt. Damit war er aber kein Sozialist, der im Rahmen der allgemeinen Gleichmacherei Grenzen niederreißen wollte, sondern hat klargestellt, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, alle Sünder sind, alle der Erlösung bedürfen.

      Psychologe: Jesus wußte um die Macht der Sünde, wie das Herz des Menschen schlägt, er zeigte einen Weg zur Rettung auf aus der Sünde und der Verlorenheit heraus. „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr“ ist eine klare Anweisung, aber kein Verständnis im Sinne von „ich weiß ja, wie Dir zumute ist, nimm dich selbst an, wie du bist, und mach mal weiter so.“ Er predigte Buße und Umkehr zu Gott.

      Theologe / Reformator: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Er war das Gegenteil eines Reformators, er hat dargelegt, dass das ganze Gesetz auf ihn hinauslief. Und auch damit sind wir wieder bei den Skizzen oben: der Heilsplan Gottes wird nach und nach dar- und offengelegt und läuft auf Jesus als den Dreh- und Angelpunkt hinaus, Jesus ist das „finale“ Sühneopfer.

      1. „Du belegst hier Jesus mit ausschließlich menschlichen Definitionen.“

        Ja. Hier.

        Bei ungläubigen liberalen Christen argumentiere ich ganz anders.

        Das unterscheidet uns beide.

        Wird dir jemals die Transformation der Predigten Jesu in die Gegenwart ansatzweise gelingen?

    2. In der Tat, Jesus Christus ist der totale Erneuerer. Um so mehr befremdet das Provinzlertum vieler, die meinen Jesus zu kennen. Da hatte doch der evangelikale A. Köberle noch ein ganz anderes Gespür: „Wenn Theologie Sinn und Lebensrecht haben soll, muss sie Botschaft vom Ganzen sein und darf nicht nur Teilbereiche der Wirklichkeit umfassen.“ , „„Recht verstanden, will diese Spezialdisziplin [die system. Theol.] ein respektvolles, einfühlsames und kritisch- überführendes Gespräch mit allen bedeutsamen geistigen Strömungen der Gegenwart, mit der modernen Physik und Biologie, mit Psychiatrie und Psychotherapie, mit Parapsychologie und Okkultismus, mit Astrologie und Spiritismus, mit Anthroposophie und indischer Theosophie führen.
      Wie leicht kann sich der Theologe bei der Begegnung mit all diesen Erscheinungen blamieren, wenn er nicht gediegen darüber Bescheid weiß.“
      Für ihn wird bei einem echten Christen “ aus gespaltenem Denken […] ganzheitliches Denken.“ und so folgt: „Die Aufgabe, das Denken vom Glauben her fruchtbar zu machen, kann sich nicht beschränken auf die Entfaltung des christlichen Dogmas …Es muß vielmehr der Versuch gewagt werden, vom evangelischen Glauben her auch die nichttheologischen Bereiche der Weltwirklichkeit von Gott her zu durchleuchten. „

      1. „Ein Gespräch führen“ und in anderen Themengebieten bewandert sein ist etwas anderes als eine Verschmelzung herbei führen, oder aber das Evangelium aus anderen Wissensgebieten heraus sich zu erschließen. Das ist auch nicht Köberles Ansatz. Köberle hat sich u.a. kritisch mit der Anthroposophie auseinandergesetzt. Ihm geht es ja auch um ein kritisch-überführendes Gespräch.

        Von Köberle stammen u.a. folgende Sätze:

        Als Christ leben heißt, sich bei seinem Tun und Lassen der Königsherrschaft Jesu Christi im Gehorsam unterstellen …

        Ungleich weniger Aufmerksamkeit hat man demgegenüber der Beantwortung der Frage geschenkt, was es heißt, als Christ denken. Man könnte zunächst darunter verstehen, daß ein Christ es zu schätzen weiß, von Gott dem Schöpfer Verstand und Vernunft als edle Gaben ins Dasein mitbekommen zu haben, die ihn allein schon dadurch hoch über alle andere Kreatur gestellt sein lassen. Wer diese anvertrauten Pfunde würdigt, wird sich in der christlichen Existenz immer ein gesundes kritisches Urteil bewahren. Er wird in den Fragen der Natur- und Geschichtserkenntnis nicht unkontrolliert auf alle möglichen ungesicherten Angebote hereinfallen, die ihm von einem politischen oder religiösen Schwärmertum her nahegelegt werden.

        Als Christ denken, das müßte doch vor allem bedeuten: ich bringe Gott nicht nur meinen Willen im Gehorsam dar, ich liefere ihm auch meine Denkarbeit aus. Das Wort des Lebens, das der Herr des Alls im fleischgewordenen Logos, durch Propheten und Apostel gesprochen hat, soll mir zur Richtschnur werden für die Erkenntnis der Wahrheit, im Verständnis von Gott, Welt und Mensch, von Tod und Leben, von Zeit und Ewigkeit.

        Sowohl im 1. Korintherbrief wie im Kolosserbrief stellt Paulus der philosophischen Erkenntnis, die sich an den Weltelementen orientiert, eine andere Weisheit gegenüber, für die Gottes Offenbarung in Jesus Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der neue Maßstab geworden ist.

        Die Durchdringung der Erscheinungsfülle der Welt vom Glauben her kann immer nur von Menschen gewagt und in Angriff genommen werden, die in den einzelnen Bereichen der Welt mit höchster Sachkenntnis und Orientierung stehen und die gleichzeitig in ihrem Leben eine so starke und mächtige Begegnung mit dem Evangelium erfahren haben, daß sie nicht anders können, als ihr Berufswissen, und nicht nur ihr Leben, dem Herrschaftsanspruch Christi ein- und unterzuordnen.

        Köberle sagt (und da kopiere ich Ihren Satz): … vom evangelischen Glauben her auch die nichttheologischen Bereiche der Weltwirklichkeit von Gott her zu durchleuchten.
        Das ist etwas völlig anderes, das Gegenteil, als von nichttheologischen Bereichen her zu versuchen, sich den evangelischen Glauben und damit ein Bibelverständnis zu erschließen und zurecht zu legen. Ebenso setzt er voraus (siehe die anderen Zitate und seine Schriften), dass man fest im evangelischen Glauben (also in dem, was die Bibel lehrt) steht, denn er sagt „… und die gleichzeitig in ihrem Leben eine so starke und mächtige Begegnung mit dem Evangelium erfahren haben …“.

        Es wundert mich, dass Sie jemanden anführen und zitieren, der doch etwas Gegenteiliges als Sie vertreten.

        1. Weshalb ist Jesus am Kreuz gestorben?

          Weil er den theoretischen Gläubigen den Marsch geblasen hat!

          Und die gleichen Leute kreuzigen ihn heute immer und immer wieder! Zur eigenen heiligen Erbaulichkeit!

          1. Nope. Er ist das Lamm, das unsere Schuld trug. Genau aus diesem Gründ ist er zum Kreuz gegangen und hat gelitten. Nicht, weil er Revoluzzer war. Auch wenn er einigen Leute auf die Füsse getreten hat, war es Gottes Plan von Anfang an. Und damit sind wir wieder bei den Skizzen des Artikels …

          2. @Stephan

            Der Herr ist auferstanden!!!

            Zu den Skizzen: Natürlich ist das erstmal eine super Arbeit, die erlösungsrelevanten Stellen zusammengetragen zu haben.

            Es mutet mich allerdings so an, dass hier wie bei einem Puzzle einzelen Teile erstmal so platziert sind, wo man sie vermutet. – Aber das große Bild dahinter fehlt.

            Im progressiven Spektrum werden verschiedene Deutungen des Kreuzes nebeneinander gestellt und es wird offen gelassen, wie zutreffend die einzelnen Deutungen sind.

            Hier wird gesagt, dass das Kreuz verschiedene Deutungen habe und alle irgendwie zutreffen. Ja, schon. Aber der systematische Zusammenhang der einzelnen Deutungen wird nicht genügend erhellt. Z. B. wie hat uns das Kreuz vom Fluch des Gesetzes losgekauft (Gal. 3,13), wenn doch hier die Erlösung als Loskauf von unserer Schuld verstanden wird.

            Nicht zuletzt muss sich die klassische Sühnetodtheologie den Vorwurf gefallen lassen, dass sie den Opfervorstellungen von manchen anderen Religionen irre nah kommt. Und damit das dahinter stehende Gottesbild auch.

          3. Mt 5,9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

            Seligpreisungen Zuspruch aufgrund irdischen guten Handelns = irdisches Wohlergehen

            „Glück“ oder „Seligkeit“ wird dabei als umfassendes Heil im Sinne des biblischen Shalom verstanden.

            In der Weisheitsliteratur des Tanach, der Bibel des Judentums, wird so das gerechte Handeln bestimmter Israeliten als Ursache ihres irdischen Wohlergehens gelobt. In der Prophetie Jesajas (ab 8. Jahrhundert v. Chr.) wird bestimmten notleidenden sozialen Gruppen das Recht schaffende Eingreifen JHWHs, des Gottes Israels, verbindlich zugesagt.

            Nach dem Neuen Testament (NT) hat Jesus von Nazaret die prophetischen Makarismen mit seiner Botschaft vom nahen Reich Gottes aufgegriffen und erneuert. Damit begann er laut der Feldrede (Lk 6,20-25) und der Bergpredigt (Mt 5-7) sein öffentliches Wirken. Als Seligpreisungen bezeichnet das Christentum daher meist jene besonderen Heilszusagen Jesu.

            Endloses dogmatisieren und theoretisches schwadronieren erfahren keinerlei Lohn.

          4. Mt 5,9 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

            Seligpreisungen sind Zuspruch aufgrund irdischen guten Handelns = irdisches Wohlergehen

            „Glück“ oder „Seligkeit“ wird dabei als umfassendes Heil im Sinne des biblischen Shalom verstanden.

            In der Weisheitsliteratur des Tanach, der Bibel des Judentums, wird so das gerechte Handeln bestimmter Israeliten als Ursache ihres irdischen Wohlergehens gelobt. In der Prophetie Jesajas (ab 8. Jahrhundert v. Chr.) wird bestimmten notleidenden sozialen Gruppen das Recht schaffende Eingreifen JHWHs, des Gottes Israels, verbindlich zugesagt.

            Nach dem Neuen Testament (NT) hat Jesus von Nazaret die prophetischen Makarismen mit seiner Botschaft vom nahen Reich Gottes aufgegriffen und erneuert. Damit begann er laut der Feldrede (Lk 6,20-25) und der Bergpredigt (Mt 5-7) sein öffentliches Wirken. Als Seligpreisungen bezeichnet das Christentum daher meist jene besonderen Heilszusagen Jesu.

            Endloses dogmatisieren und theoretisches schwadronieren erfahren keinerlei Lohn.

  14. @Stephan,
    ich bin immer wieder dankbar darüber, dass du den Scharlatanen hier Paroli bietest, doch leider vermisse ich weitere Gegenstimmen, um den ,,Besagten“ hier nicht das Feld zu überlassen.
    Liegt das an der Gleichgültigkeit? Oder konzentriert sich jeder nur auf sein Thema?
    Danke Stephan, bitte mach weiter so!

  15. Geltungssüchtige oder ängstliche Menschen sind geneigt, die Weite ihres Horizonts oder ihrer Glaubenskraft zum Maßstab aller Dinge zu machen.
    Gott hat nicht die Welt durch Bibelverse erschaffen oder erlöst, deshalb können diese auch nicht zur Erklärung der Welt und der Erlösung dienen. Dazu muss man sich schon der Sprache bedienen, die den Tatsachen gerecht wird.

    Niemand hat etwas dagegen, wenn Sie gern die Bibel lesen und für sich daraus Gewinn ziehen. Nur meinen Sie nicht, dass Sie damit auch zum Lehrer berufen sind. Das glaubten nämlich die Pharisäer und Schriftgelehrten auch.

    Wie sagte doch W. Nigg in Zusammenhang mit Luther? – „“Theologie und Mystik decken sich … nicht. … Man kann von einer Theologie der Mystik und von einer mystischen Theologie sprechen, doch darf auch der Unterschied nicht übersehen werden. Die Mystik beruht auf inneren Erfahrungen mit dem Göttlichen, während die Theologie eine gedankliche Bewältigung der christlichen Probleme versucht. Es ist deswegen so viel leichter, Theologe als Mystiker zu sein….Es gibt… einen theologischen Dämon, der Luther zur Rechthaberei, zur Disputiersucht … verführte, die der christlichen Innerlichkeit abträglich sind.Durch die Entwicklung vom religiösen Ringen zur kampfgeübten Theologie wurde die Türe geöffnet, durch die die Schulweisheit in die evangelische Kirche einziehen konnte. An die Stelle der mittelalterlichen Scholastik trat eine lutherische Scholastik, die nicht weniger unfruchtbare Folgen nach sich zog.“

    Also bleiben Sie bei ihren Brötchen und urteilen Sie nicht über das, was Sie nicht verstehen. Wenn Sie wirklich Gott mehr lieben als sich selbst, werden Sie auch weitergeführt werden können. Dann werden Sie nicht länger im Widerspruch zu mir stehen.

    1. Keine Sorge, ich fühle mich nicht als Lehrer berufen – wenn mich Gott dahin haben möchte, wird er es entsprechend fügen.
      Wenn Sie so ein Problem mit Luther haben – warum treiben Sie sich eigentlich genau hier herum? Gibt es nicht andere Spielplätze mit Leuten, die Ihnen nicht immer Ihre Irrlehren nachweisen? Hier werden wir dauerhaft im Widerspruch stehen.

  16. —Geltungssüchtige und ängstliche Menschen sind geneigt, die Weite ihres Horizonts oder ihrer Glaubenskraft zum Maßstab aller Dinge zu machen.—

    Gemeint ist hier, die Sichtweise der Andersdenkenden einzugrenzen,….aber nicht die Eigene?

    —Gott hat nicht die Welt durch Bibelverse erschaffen oder erlöst, deshalb können diese auch nicht zur Erklärung der Welt und der Erlösung dienen.—

    Gott bezeugt sich aber darin, um die Klarheit der Schöpfung, und den Weg der Erlösung zu offenbaren, ….damit EBEN NICHT jedes Geistes Kind, seine eigene willkürliche Geschichte erfindet.

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