Zur Ruhe kommen

In einem weltbekannten Unternehmen war dem Vorstandsvorsitzenden aufgefallen, dass kaum jemand über Innovationen sprach. Es gab keine frischen Ideen für neue Verfahren und Techniken. Niemand schien mehr bemüht, das Unternehmen auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Unternehmensberater wurde engagiert, um leitende Persönlichkeiten des Unternehmens zu beraten. Der Berater begann damit, dass er die Gruppe einlud, 15 Minuten in aller Stille über sich, ihre Tätigkeit, über Gelingen und Misslingen, sowie über mögliche Ziele nachzudenken. Anschließend wollte man sich austauschen.

Unfähig,
zur Ruhe zu kommen

Der Berater erzählte mir, wie die Aufforderung zur Stille aufgenommen wurde. Nach kaum fünf Minuten stand der erste auf, ein zweiter folgte rasch. Sie schritten durch den Raum, traten ans Fenster, schauten hinaus und hinterher auf die Uhr. Sie zeigten Unruhe. Nach zehn Minuten waren es schon mehrere, die es nicht auf ihrem Stuhl hielt. Offensichtlich fiel es der Gruppe außerordentlich schwer, sich zu sammeln.

Prof. Krückeberg, Leiter der Agentur media der Kirche von Kurhessen-Waldeck, stellte unlängst fest: „Wir überfordern uns durch ständiges, immer schnelleres Arbeiten rund um die Uhr.“ Auf dem Spring-Kongress vor einigen Jahren sagte der Schweizer Evangelist Andreas Boppart, dass auch vielen Christen das Bewusstsein für die Bedeutung der Stille fehle. Gottes Stimme aber sei oft nur in der Stille zu vernehmen.

Der Wert der Stille

Im Jahr 2017 verbrachte ich eine längere Zeit im Krankenhaus und in einer Reha-Klinik. Damals hatte ich mehr Zeit zum Nachdenken und zur Stille, als üblich. Ich entdeckte ganz neu den Wert des Zur-Ruhe-Kommens. Mich stärkten unter anderem Worte aus Psalm 62: „Sei stille zu Gott, meine Seele, denn er ist meine Hoffnung.“ (Psalm 62,6). Gleich drei Verse weiter steht die großartige Ermutigung: „Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet Euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsere Zuversicht.“ (Psalm 62,9) Das gilt es zu entdecken! Ich erinnerte mich früherer Erfahrungen. In einem Leiterkreis haben wir unsere Sitzungen nie begonnen ohne eine Zeit der Stille vor Gott. Diese Zeit war nie verlorene Zeit.

Aus
der Stille, aus Selbstbesinnung, aus dem Wissen Gott ist gegenwärtig,
gewinne ich Zuversicht und neuen Mut. Bedrängnis, unlösbar
scheinende Probleme und die Ohnmacht nicht richtig weiter zu wissen,
verlieren ihre Bedrohung. Wohl dem, der Stille sucht und findet.

Dieser Blog-Beitrag von Horst Marquardt erschien zuerst auf Marquardts Bilanz . Lies hier den Original-Artikel "Zur Ruhe kommen".

Über Horst Marquardt

Horst Marquardt, Jahrgang 1929, ist evangelischer Theologe, Journalist, Autor und Mitbegründer mehrerer evangelikaler Werke. Im Laufe seines langen Leben war er maßgeblich beteiligt an der Gründung des ERF, der evangelischen Nachrichtenagentur idea und dem Christlichen Medienverbund KEP. Außerdem leitete er von 1999 bis 2017 den Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF). Bis heute ist ihm die Verbreitung des Wortes Gottes sein wichtigstes Anliegen. Auf diesem Blog finden sich Andachten und Bibelauslegungen aus mehreren Jahrzehnten Lebenserfahrung.

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