Perfektes Timing

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. (Psalm 145,15)

Hans nahm Woche für Woche ab. Erst merkte er seine Frau, dann die Kinder, später die Freunde und Kollegen. Kein Arzt wusste Rat. Viele Verwandte und Freunde beteten für ihn. Scheinbar blieb das Gebet unerhört. Hans, ein Kanadier, arbeitete in Afrika. Es war ihm empfohlen worden, sich in der Heimat untersuchen zu lassen. Doch auch in Kanada konnte man ihm nicht helfen. Auf dem Rückflug nach Afrika saß er neben einem Arzt. Dem erzählte er seine Geschichte. Der lud ihn ein, sich von ihm untersuchen zu lassen. Bereits beim zweiten Termin sagte ihm der Arzt, dass der Hormonhaushalt der Nebenniere nicht in Ordnung sei. Der Mediziner, ein Facharzt für Innere Medizin, empfahl eine Ernährungsumstellung. Hans hielt sich an die Empfehlungen und gesundete.

Gott handelt genau zur richtigen Zeit

Was
für eine Geschichte! Hunderte von Passagieren sitzen in dem großen
Flugzeug. Unter ihnen ein spezialisierter Facharzt. Hans ist sein
Sitznachbar. Die beiden kommen ins Gespräch. Der Arzt bietet seine
Hilfe an. Durch die Untersuchung wird die Ursache der körperlichen
Schwäche entdeckt. Hans ist glücklich. Jeden Tag war für ihn
gebetet worden. Er hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass diese
Gebete erhört würden.“ Angehörige und Freunde, „alle Augen“,
waren auf Gott gerichtet. Aber er musste sich weiter quälen. Zwar
hat er die von seiner Frau mit Liebe vorbereiteten Speise zu sich
genommen. Dennoch verlor er laufend Gewicht. Erst die Begegnung mit
dem Arzt und dessen Hilfe führten zur Genesung.

Die
Begegnung mit dem Arzt war Gottes „rechte Zeit“. In der „Guten
Nachricht Bibel“ heißt es: „Alle blicken voll Hoffnung auf
dich.“ Das erlebten die betenden Angehörigen und Freunde. Alle
hofften, Gott würde ihr Gebet erhören. Und das tat er auch! Er tat
es zu seiner Stunde, an einem bestimmten Tag, auf einem bestimmten
Flug, durch einen bestimmten Arzt. Hans war ihm vorher nie begegnet,
er hatte nicht einmal von ihm gehört. Aber gerade dieser Arzt konnte
helfen. Ist diese Kette von Führungen nicht erstaunlich?

Großes erwarten

Wiederholt werden Menschen, die den lebendigen Gott kennen, aufgefordert, mit außergewöhnlichen Erfahrungen zu rechnen. Auch Asaph, ein anderer Psalmendichter, hatte dieses Vertrauen und konnte darum singen: „Du bist der Gott, der Wunder tut“ (Psalm 77,15).

Das zeigt mir: Ich kann Großes von Gott erwarten. Er sieht mich, er kennt mich. Manchmal hilft er sehr bald. Ich muss mich nicht lange quälen. Anderen Menschen mutet Gott eine längere Wartezeit zu. Die Beschwerden und Schmerzen können so groß sein, dass der Kranke schreit (vgl. Psalm 145,19). Dann fangen sogar Menschen zu beten an, die nie nach Gott gefragt haben. In der Not erinnert sich mancher daran, dass er sein Leben dem Schöpfer zu verdanken hat.

Wenn Gott anders antwortet, als erhofft

Nicht alle schwer Erkrankten machen die Erfahrung, die Hans gemacht hat. Ich weiß von einer tiefgläubigen Frau, die unter großen Schmerzen heimgegangen ist. Freunde und Verwandte hatten Gott gebeten, der Leidenden zur Seite zu stehen. Einige beteten noch am Vorabend des Sterbens um Heilung. Andere hatten erkannt, dass Gott wohl offensichtlich anders führt, als es die Betenden erhoffen. In der Trauerfeier wurden die Trauergäste daran erinnert, das es unabänderlich ist, sich unter die gewaltige Hand Gottes zu demütigen (vgl. 1. Petrus 5,6), zugleich aber zu wissen, dass Gott dem Demütigen Gnade schenkt. Es war bewegend mitzuerleben, dass die Angehörigen weiter beteten. Sie dankten für die Beendigung des Leidens und für den Heimgang. Sie wussten die Verstorbene in Gottes Hand. Er hatte seine Hand aufgetan. Doch nicht länger, um irdische Speise zu reichen. Sie wurde nun anders versorgt. Sie hatte Teil an der himmlischen Herrlichkeit. „Aller Augen warten auf dich.“ Sie musste nicht länger leiden. Doch sie konnte stattdessen den sehen, an den sie geglaubt hat.

Dieser Blog-Beitrag von Horst Marquardt erschien zuerst auf Marquardts Bilanz . Lies hier den Original-Artikel "Perfektes Timing".

Über Horst Marquardt

Horst Marquardt, Jahrgang 1929, ist evangelischer Theologe, Journalist, Autor und Mitbegründer mehrerer evangelikaler Werke. Im Laufe seines langen Leben war er maßgeblich beteiligt an der Gründung des ERF, der evangelischen Nachrichtenagentur idea und dem Christlichen Medienverbund KEP. Außerdem leitete er von 1999 bis 2017 den Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF). Bis heute ist ihm die Verbreitung des Wortes Gottes sein wichtigstes Anliegen. Auf diesem Blog finden sich Andachten und Bibelauslegungen aus mehreren Jahrzehnten Lebenserfahrung.

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