Maleachi: Das teure Evangelium

Was ist eigentlich „das Evangelium“? Das erstaunliche ist: Es ist so simpel, dass man es in einem kurzen Satz zusammenfassen kann:

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16)

Doch um sich der Größe und Tiefe dieser Botschaft zu nähern, braucht man die komplette Bibel – und man lernt dabei sein Leben lang nicht aus.

Wichtig ist dabei gerade auch das Alte Testament, denn es bildet den notwendigen Hintergrund, vor dem das Evangelium erst seine Strahlkraft und seinen revolutionären Charakter gewinnt. Ohne diesen Hintergrund verkommt es zum billigen Abklatsch. Besonders deutlich wird das im letzten Buch des Alten Testaments: Die Schrift des Propheten Maleachi liest sich wie ein Fazit des Alten Bundes und wie ein Cliffhanger, der dem Evangelium den Boden bereitet. Deshalb lohnt es sich, intensiv das Bild zu betrachten, das der Prophet Maleachi vom Menschen und seinem Verhalten zeichnet.

Das Buch Maleachi: 5 Ansagen von einem genervten Gott?

Wenn jemand genervt ist, dann lässt das meist tief blicken. Unmut legt tiefe emotionale Schichten frei. Bei den Ansprachen Gottes im Buch Maleachi gewinnt man fast den Eindruck: Gott ist genervt. Er lässt seinem Unmut freien Lauf – und er erlaubt uns dadurch einen tiefen Blick in sein Herz und in die Abgründe unseres menschlichen Daseins.

5 Punkte wirft Gott dem Volk Israel vor:

  1. „Ihr verachtet mich.“ (1,6)
  2. „Ihr jammert.“ (2,13)
  3. „Ihr werdet lästig.“ (2, 17)
  4. „Ihr habt mich betrogen.“ (3,8)
  5. „Ihr habt mich beleidigt.“ (3,13)

Ganz schön harter Tobak! Aber was steckt hinter diesen Vorwürfen? Da Gott mit dieser Rückfrage rechnet, stellt er sie bei jedem Vorwurf immer gleich selbst. Bei den Antworten wird es dann so richtig interessant…

„Ihr verachtet mich“: Pseudoopfer und Verfälschung von Gottes Botschaft

Gott bemängelt, dass die Menschen ihm Opfertiere bringen, die krank und verletzt sind – und deshalb ohnehin geschlachtet werden müssten. Ein Pseudoopfer also. Entlarvend ist Vers 8: „Bringt doch einmal eurem Statthalter solche Gaben! Wird er euch dann etwa noch freundlich und wohlwollend begegnen?“ Ein herausfordernder Vergleich, der sagt: Ihr habt faktisch vor Gott weniger Respekt als vor Menschen. Da frage ich mich: Wie ist das mit mir und meinem Gottes-Dienst? Was fürchte ich mehr: Das Urteil von Menschen oder von Gott? Und wie viel Zeit und Aufmerksamkeit schenke ich Gott? Gebe ich ihm die beste Zeit meines Tages oder schiebe ich ihn – wenn überhaupt – irgendwo rein, wenn ich sowieso gerade „tote Zeit“ überbrücken muss? Was würde mein Partner oder ein guter Freund sagen, wenn wir ihm so viel (oder wenig) Aufmerksamkeit schenken würden?

Den Vorwurf der Verachtung richtet Gott aber vor allem auch an geistliche Leiter. Respektvoll wäre es, Gottes Botschaft unverfälscht weiter zu geben (2,6). Predigt heißt in Gottes Augen, ein „Bote des Herrn, des Allmächtigen“ zu sein (2,7)! Damals wusste jeder: Wehe dem königlichen Boten, wenn er die Botschaft des Königs verfälscht, um den Menschen nach dem Mund zu reden (2,9). Was für eine eindringliche Warnung an alle Verkündiger! Es ist in Gottes Augen eben kein Kavaliersdelikt, etwas anderes zu predigen als das, was Gottes Wort lehrt und verkündigt.

„Ihr jammert“: Ausbleibende Gebetserhörung wegen seelischer Gewalt

Gott gibt offen zu, dass er den Gottesdienst Israels nicht erhört: „Ihr weint und jammert, weil er von euren Opfern nichts wissen will.“ (2,13b) Warum ist Gott da so ablehnend? Die Begründung ist hochaktuell:

„Weil der Herr Zeuge war zwischen dir und der Frau deiner Jugend. Doch du bliebst ihr nicht treu, obwohl sie deine Lebensgefährtin war, mit der du den Bund geschlossen hast. … Hüte dich deshalb bei deinem Leben und brich der Frau deiner Jugend nicht die Treue. „Denn ich hasse die Scheidung!“, spricht der Herr, der Gott Israels. „Das ist, als ob man sich eines Gewaltverbrechens schuldig macht.“ (2,14-16)

Viele Menschen tun sich heute schwer mit der Vorstellung von einem zornigen Gott. Ich frage mich: Haben sich diese Menschen je in Gottes Position versetzt? In der damaligen Gesellschaft war es ein existenzielles Drama für eine Frau, von ihrem Mann verlassen zu werden. Zur menschlichen Demütigung kam die blanke existenzielle Not. Kein Wunder, dass Gott hier Scheidung mit einem Gewaltverbrechen gleichsetzt. Wie könnte ein Gott der Liebe nicht zornig werden, wenn seine geliebten Geschöpfe so grausam behandelt werden?

Gottes Worte müssten uns Menschen des 21. Jahrhunderts, in dem Scheidung eine Normalität zu sein scheint, eigentlich in den Ohren klingeln: „Ich. hasse. Scheidung.“ Punkt. Und zwar nicht weil Gott ein Moralapostel ist. Sondern wegen der psychischen Gewalt gegenüber einem verlassenen, entwurzelten Partner und – noch schlimmer – gegenüber entwurzelten und gespaltenen Kindern. Gott fühlt den Schmerz der Verlassenen und Verstoßenen. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn er dann von unserem Gottesdienst nichts wissen will.

„Ihr werdet lästig“: Ignoranz gegenüber Gottes Perspektive

Als ob das nicht schlimm genug wäre, setzen die Menschen aber noch eins drauf und behaupten: „Der Herr freut sich an Menschen, die Böses tun und hat Gefallen an ihnen. Oder: Wo ist denn der Gott, der richtet?“ (3, 17) Das klingt zunächst komisch. Wer sagt denn so etwas? Aber mal ehrlich: Ist das nicht auch bei uns heute gang und gäbe? Menschen haben ihren Partner verlassen, weil sie sich in jemand anderes verliebt haben. Aber wir sprechen ihnen trotzdem Gottes Segen zu. Dass Gott vielleicht auch ein zorniger Richter sein könnte, kommt uns nicht einmal in den Sinn.

Ich höre förmlich den Widerspruch: Niemand darf Andere verurteilen! Wer bist Du, dass Du über andere, deren Lebensmodell gescheitert ist, den Stab brichst? Ja, das stimmt, das darf ich nicht. Ich bin nicht der Richter. Über niemanden. Erst recht, weil das Leben wirklich komplex ist. Und schließlich ist niemand fehlerfrei, ich zuletzt. Ich kenne Fälle, in denen Scheidung tatsächlich unumgänglich und not-wendend war. Aber solche Ausnahmen ändern nichts daran, dass wir uns Gottes Wort stellen müssen: Er spürt den Schmerz der Verlassenen und Verstoßenen. Er empfindet Untreue als Gewalt. Jeder der von einem ihm wichtigen Menschen verlassen und fallen gelassen wurde weiß, dass Gott damit absolut recht hat. Und so wenig wir über andere richten dürfen, so wenig steht es uns zu, Gott verfügbar zu machen und seinen Segen vorschnell zu verteilen, wo Gott in Wahrheit zornig ist statt zu segnen.

„Ihr habt mich betrogen“: Fehlendes Vertrauen in Gottes Versorgung

Und dann geht es Gott auch noch um das liebe Geld. Gott fühlt sich betrogen, weil die Israeliten nicht den Zehnten von ihrem Besitz abgeben. Gottes Worte dazu sind bemerkenswert:

„Stellt mich doch damit auf die Probe“, spricht der allmächtige Herr, „ob ich nicht die Fenster des Himmels für euch öffnen und euch mit unzähligen Segnungen überschütten werde!“ (3,10b)

Mit anderen Worten: Versucht es doch einmal, mir zu vertrauen! Testet mich! Gott wünscht sich nicht gezwungenen Gehorsam. Er wünscht sich Vertrauen. Ein Vertrauen, das er segnen und belohnen kann, für das er uns beschenken und mit Gutem überschütten kann. Der Ungehorsam, der Gott beleidigt, ist die direkte Folge von fehlendem Vertrauen in Gottes überbordende Großzügigkeit.

„Ihr habt mich beleidigt“: Fehlendes Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit

Gottes Gericht kommt. Er wird Gerechtigkeit herstellen. Es beleidigt Gott, das in Abrede zu stellen: „Ihr sagt: Welchen Wert hat es, Gott zu dienen? … Den Gottlosen geht es viel besser.“ (3,14a+15a) Stimmt. Gottes Geduld führt zum Glück dazu, dass nicht auf jedes Vergehen sofort Strafe folgt. Von dieser Geduld Gottes leben wir alle. Trotzdem ist es Gott ein großes Anliegen, in Bezug auf „alle, die Ehrfurcht vor ihm hatten und seinen Namen achteten“ klar zu stellen:

„An dem Tag, an dem ich handle, werden sie mir gehören“, spricht der allmächtige Herr. „Ich werde sie verschonen, wie ein Vater sein Kind verschont, das ihn achtet. Dann werdet ihr den Unterschied zwischen den Gerechten und den Gottlosen, zwischen denen, die Gott dienen, und denen, die dies nicht tun, erkennen.“ (3,16b-18)

Es gibt keinen Schwamm-drüber-Gott. Von diesem postmodernen Mythos sollten wir uns schnellstens und gründlich verabschieden Alles, was wir tun, alle unsere Entscheidungen haben Konsequenzen. Es kommt alles noch einmal auf den Tisch. Aber es gibt Gnade und Vergebung, für alle, die ihn achten und ihm vertrauen. Das ist Evangelium!

Reinigung und Umkehr kommt vor dem Kommen Gottes

Christen beten: „Dein Reich komme!“ Sie sehnen sich nach dem Anbruch von Gottes Friedensreich. Das Buch Maleachi macht deutlich: Das Reich Gottes kommt – aber nicht einfach so. Es bricht nicht ohne eine vorherige Reinigung an:

„Siehe! Ich sende meinen Boten, damit er mir den Weg ebnet. … Bevor der große und schreckliche Tag des Herrn kommt, sende ich euch den Propheten Elia. Er wird die Herzen der Väter ihren Kindern und die Herzen der Kinder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen nicht das Land vernichten muss.“ (3,1+23-24)

Auch diese Botschaft zieht sich quer durch die Bibel: Gottes Heiligkeit und unsere Sündhaftigkeit sind vollkommen inkompatibel. Wir sündigen Menschen sterben und vergehen in Gottes heiliger Gegenwart. Wenn Gott kommt, dann ist das deshalb nicht einfach nur schön und nett. Sein Erscheinen führt zu einer „schrecklichen“ Konfrontation zwischen seiner Heiligkeit und unserer Sünde. Deshalb muss Sünde, Ungerechtigkeit und das Böse zurückgedrängt werden, bevor Gott unter den Menschen wohnen kann. Sonst würde Gottes Kommen in einem vernichtenden Gericht enden.

Genau das war der Auftrag von Johannes, dem Täufer, der hier angekündigt wird. Er rief die Menschen zur Umkehr. Es ging ihm dabei nicht nur um die formale Einhaltung frommer Regeln sondern ganz praktisch um ein Leben in Wahrheit und Gerechtigkeit sowie um das praktische Gelingen des menschlichen Miteinanders (nachzulesen in Lukas 3, 10-14). Und das erste, worauf Gott hierbei ganz offenkundig schaut, ist die Frage, ob Eltern ihre Kinder lieben und umgekehrt. Das zeigt Gottes Sichtweise: Wenn nicht einmal die allergrundlegendste menschliche Verbindung von Eltern und Kindern funktioniert, dann ist menschliches und gesellschaftliches Miteinander im Kern gescheitert.

Gerade diese Schwerpunktsetzung des liebevollen Miteinanders von Eltern und Kindern, das Gott im letzten Satz des Alten Testaments so prominent in den Mittelpunkt stellt, sollte uns eigentlich heute ganz besonders erschüttern. Leben wir doch in einer Gesellschaft, in der…

Menschen Preise dafür bekommen, dass sie Müttern helfen, ihre ungeborenen Kinder zu töten.

… selbst bekannte kirchliche Vertreter fordern, dass Werbung für Abtreibung legalisiert werden soll.

… auch bekannte christliche Redner die menschenverachtende These vertreten, dass das menschliche Leben erst mit dem ersten Atemzug beginnen würde, was – konsequent zu Ende gedacht – bedeuten würde, dass man Kinder im Mutterleib bis kurz vor der Geburt töten kann.

… immer mehr Kinder schon Wochen nach der Geburt in Fremdbetreuung gegeben wird, obwohl wir immer wieder von Fachleuten gesagt bekommen, wie schädlich das ist.

Mütter regelrecht gemobbt werden, wenn sie sich selbst um ihre Kinder kümmern wollen.

offen davon geträumt wird, biologische Elternschaft am besten ganz abzuschaffen.

Aber genau hier beginnt Gottes Heilsmission: Die Liebe in der Familie, die Liebe zwischen Kindern und Eltern ist Gott im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Offenkundig ist die Familie in Gottes Augen die Keimzelle der Liebe. Von hier aus kann sie sich in die ganze Gesellschaft hinein heilsam ausbreiten. Aber wenn die Liebe in der Familie stirbt, dann wird auch die Gesellschaft kalt. Kein Wunder, dass Familie schon immer ein ganz besonders umkämpfter Bereich war.

Das Buch Maleachi zeigt: Wir Menschen schaffen es nicht!

Das Buch Maleachi zieht am Ende des Alten Testaments ein eindeutiges Fazit: Ihr Menschen schafft es nicht aus eigener Kraft! Eure menschengemachten Gottesdienste sind oberflächlich. Ihr verfälscht meine Botschaft, weil ihr lieber den Menschen nach dem Mund redet. Ihr wollt, dass ich Gebete erhöre, obwohl ihr gleichzeitig gewalttätig mit Schwächeren umgeht. Und ihr behauptet auch noch, ich würde das gutheißen. Ihr seid nicht in der Lage, mir und meiner Großzügigkeit zu vertrauen. Und ihr bezweifelt, dass ich am Ende Gerechtigkeit herstellen werde. Ja: Ihr schafft es nicht einmal, innerhalb eurer Familien liebevolle Beziehungen zu leben. Ihr Menschen seid gescheitert. Ihr könnt euch nicht selbst helfen. Deshalb komme ich, um euch zu retten aus eurer Verlorenheit.

Diese Botschaft gilt noch heute. Sie ist die Basis und das notwendige Hintergrundbild für das Evangelium von der Erlösung. Die Beispiele, die Maleachi verwendet, sind allesamt so hochaktuell, dass sie uns zeigen sollten: Die aufgeklärte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist nicht besser als das Israel aus der Zeit des alten Bundes. Das Wesen des Menschen hat sich nicht verändert. Deshalb leuchtet das Evangelium auch heute noch genauso hell, wenn wir begreifen, wie dunkel unsere Verlorenheit ohne Gott ist. Der Umstand, dass wir heute so wenig vom Jubel der Erlösten in der Kirche hören, hat entscheidend damit zu tun, dass wir so oft ausblenden, wie groß unser menschliches Versagen ist und wie erlösungsbedürftig wir tatsächlich sind. Wer das Alte Testament und das Buch Maleachi nicht im Blick hat, kann das Evangelium nur falsch verstehen.

Ein teures Evangelium statt billiger Gnade

Dietrich Bonhoeffer hat den Begriff von der „billigen Gnade“ geprägt. Billige Gnade ist „Predigt der Vergebung ohne Buße, … Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz.“ Billige Gnade heißt: Wir glauben, von Gott getätschelt zu werden, während wir trotzdem unser eigener Herr bleiben und weitermachen wie wir wollen. Die Bibel kennt keine derartige Botschaft. Sie predigt ein teures Evangelium, das uns unseren Stolz und unseren Eigensinn kostet, das uns zum Kreuz führt, wo unser alter Mensch mit Christus sterben darf, damit Gott unser steinernes Herz durch ein geisterfülltes fleischernes Herz ersetzen kann. Ein billiges Evangelium, das die Hintergrundbotschaft des Alten Testaments verschweigt, ist deshalb ein anderes, ein falsches, ein banalisiertes, belangloses und kraftloses Evangelium, das zwar keinen Anstoß erregt, das aber am Ende auch niemand interessiert und niemand verändert. Ein teures Evangelium wird immer Anstoß erregen. Es wird immer Widerspruch und Ablehnung hervorrufen. Aber nur ein teures Evangelium bringt Gottes erneuernde, rettende und erlösende Kraft.

Es ist Zeit, dieses strahlende, kraftvolle, schöne und erlösende Evangelium neu zu entdecken, das uns die Bibel als Ganzes präsentiert. Ich möchte ein Mensch sein, dem man abspürt, wie unendlich lieb und teuer mir dieses teure Evangelium ist. Auch deshalb liebe ich meinen Konfirmationsspruch so sehr:

„Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.“ (Römer 1, 16)


Die Zitate dieses Artikels entstammen der Neues Leben Übersetzung. Es empfiehlt sich, die angegebenen Bibelstellen nachzuschlagen. Oder wie wäre es, das Buch Maleachi einfach mal zu lesen, in einem Rutsch, ganz ungefiltert…?

Weiteführend dazu:
“Billige Gnade ist der Todfeind der Kirche” – ein hochaktueller und aufrüttelnder Text von Dietrich Bonhoeffer

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Maleachi: Das teure Evangelium".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

14 thoughts on “Maleachi: Das teure Evangelium

  1. Danke für diese Auslegung,….das Maleachi Buch hat mich schon immer sehr berührt…. es birgt die große Traurigkeit Gottes in sich, und die abgrundtiefe Verlorenheit der Menschheit….. ich sehe diese zwei Wege, die Gott dem Menschen vorlegt…. und Gott selbst wählt den Tod…. um dem Menschen das Leben vorzulegen. Das ist der Tiefste Punkt…. tiefer geht es nicht…

    Das Maleachi Buch vor dem Neuen Testament macht nochmal die Situation zwischen Gott und Menschen deutlich…. unverändert“….. ,,ist der Mensch“ …..der Akteur ist Gott…. und Seine Gnade und Seine Barmherzigkeit und die Liebe die den Menschen nicht aufgibt… ER läßt Seine Geschöpfe nicht laufen.

    Der Schmerz der Verlassenen ist auch der Schmerz Gottes, denn auch Gott wird durch die Geschichte hindurch immer wieder von Seinen Menschen verlassen.

    Nein Gott ist nicht genervt, es ist die tiefe Gottesliebe die hier sichtbar wird….
    der verlorene Mensch erhält nicht was er verdient, sondern Gott wird das letzte und liebste senden um Menschen aus ihrer Verlorenheit zu befreien…
    Man könnte vielleicht sagen….dieser Schmerz ,,das Liebste herzugeben“ ist nicht weniger Opfer, als das Sterben Jesu am Kreuz…. Liebe überwindet….Liebe läßt sich nicht davon abhalten,…das der Mensch es nicht verdient hat….eigentlich hat er den Tod verdient, aber Gott hat beschlossen ….für ihn….für den Menschen, …an seiner Stelle….zu sterben….Obwohl Gott uns Menschen kennt (unsere Boshaftigkeit und Sünde) erbarmt ER sich über uns, und trägt unsere Schuld.

    Wenn Menschen vor Gott weniger Respekt haben als vor den Menschen….haben sie Gott nie erkannt …und trete Seine Liebe mit Füßen.

    Eine klare Botschaft …Ja….“ aber nicht um den Preis, den Sünder in seiner Verlorenheit stehen zu lassen, weil ich der Meinung bin, ich solle ihm die Wahrheit um die Ohren hauen, ,,friß oder stirb“….Gott tut es auch nicht,….die Wahrheit ist uns allen schon lange bekannt….und wenn wir nicht sofort umkehren, zeigt es doch nur….wie schwer die Sünde im Menschen wiegt….
    Gott wirbt um ,,Liebe“ ER gibt nicht auf….ER opfert sich selbst und gibt das Liebste was ER hat…ER sendet Seinen Sohn…

  2. Das teure Evangelium?

    Es lohnt sich auch, die reformierten Evangelien des Christus und die apostolischen Briefe des Paulus zu studieren……in entsprechender Sukzession.

    Jesus:
    Mt 10,6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel.
    Mt 15,24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

    Paulus:
    Röm 11,13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich meinen Dienst,

    1Tim 2,7 Dazu bin ich eingesetzt als Prediger und Apostel – ich sage die Wahrheit und lüge nicht –, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit.

  3. Das „teure“ Evangelium gegen die bonhoeffersche „billige“ Gnade in einen Kontrast zu setzen erscheint vom Wording her ersteinmal eingängig zu sein. Doch denke ich, dass hier verschiedene Kategorien miteinander verknüpft werden:

    Mit dem teuren Evangelium verbinde ich, dass er vor allem für den Sohn teuer war, uns zu erlösen. Es hat ihn sein Leben gekostet. Für uns ist es dagegen sola gratia. Und das sola gratia schließt m. E. gerade den Tod des alten eigenen Lebens mit ein. Den bekomme ich von Jesus auch umsonst, weil ich von ihm ein neues Leben erhalte, welches zuvor durch den Tod des eigenen Lebens gegangen ist (mit Christus gekreuzigt).

    Die billige Gnade betriftt m. E. das Thema, welche Haltung ich zu meiner Sünde einnehme. Und die ist nicht egal im Hinblick darauf, ob ich von Gott angenommen werde oder nicht (siehe Schächer und der andere Mitgekreuzigte). Wenn das „teuer“ diese Problematik adressiert, könnte ich hier mitgehen. Aber vielleicht lässt sich dafür auch eine andere Begrifflichkeit finden.

  4. toblog, der Schächer am Kreuz hat im Schnelldurchlauf sein Leben in den Tod gegeben….. zwar musste er sterben…..aber er war auch bereit ,,für Jesus“ zu sterben ,,wir empfangen was unsere Taten wert sind“ Lukas 23.41
    Auch uns kostetet es das Leben, das ist der Preis den wir zahlen müssen….
    Die Haltung zu meiner Sünde ist: Täglich zu sterben,….,,sie in den Tod zu geben“
    —Legt von euch ab den alten Menschen….Epheser 4— der alte Mensch muss also mit Jesus am Kreuz sterben ,,in den Tod gegeben werden“ bevor der neue Mensch angezogen werden kann.

  5. Das alte Leben kann ich allerdings nicht selbst ablegen und im Fleisch bekämpfen. Das ist auch Gnade. Sonst könnten wir uns ja selbst erlösen.

    Mit „Haltung zur Sünde“ meinte ich das Bewusstsein für Ungerechtigkeit/Sünde, welches bei denen, die mit der billigen Gnade gemeint sind, offensichtlich nicht oder nicht stark stark genug vorhanden ist.

  6. Nein wir können uns nicht selbst erlösen,….aber wir müssen uns selbst verlassen…um den neuen Menschen anzuziehen. Und das sind Prozesse die gehen an die Substanz des inneren Kern.
    Die Haltung zur Sünde ändert sich, wenn ich diesen Prozess des Verlassens einübe.
    Gnade ist es weil Gott selbst diesen Prozess in uns (durch den H.G.) vorantreibt.
    —Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.—

  7. Bonhoeffer schreibt: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche.“ – Im Grunde kennt man heute nichts anderes. Gnade aber heißt, befähigt sein, die Welt zu überwinden, kurz ein Leben des Sieges über die Sünde zu führen.
    https://manfredreichelt.wordpress.com/2018/07/14/uebung-macht-den-meister/
    Der Schächer am Kreuz, den man gern zur Rechtfertigung billiger Gnade heranzieht, hat ebenso wenig das Ziel des Glaubens erreicht, wie der Neubekehrte.
    Ein solcher Wirrwarr entstand aber aus der Oberflächlichkeit des christlichen Lebens, das nicht differenzieren kann.

    1. Kritische Frage:

      Sie schreiben:

      „Der Schächer am Kreuz, den man gern zur Rechtfertigung billiger Gnade heranzieht, hat ebenso wenig das Ziel des Glaubens erreicht, wie der Neubekehrte.“

      Was ist den das Ziel des Glaubebs?
      In 1. Petrus 1. 9. Steht zb:

      „und so erlangt ihr das Ziel eures Glaubens: die Rettung der Seelen.“

      Alternativ steht auch Seligkeit oder Heil statt Rettung.

      Der Schächer hat dieses Ziel also nicht erreicht?

      Dabei heißt es doch in Lukas 23. 43.
      „Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

      Das steht in einem deutlichen Widerspruch zu der von ihnen getätigten Aussage….

  8. Das Ziel des Glaubens wird nur durch die Lebenspraxis erreicht, d.h. durch konkrete Veränderungen im Leben des Menschen, die Heiligung, als Gleichgestaltung in das „Bild Christi“, genannt wird.
    In diesem Sinne ist Christus der Weg. Wie das Wort „Weg“ ja schon zum Ausdruck bringt hat man bei einem Weg einen Ausgangspunkt und ein Ziel. Dazwischen liegt die Wegstrecke. Der Schächer am Kreuz hat bestenfalls den Weg betreten, aber er hat ja seine alte Natur noch nicht im Geringsten überwunden.
    Er ist lediglich gestorben und kommt nun in die nachtodliche Sphäre, die in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Irdischen steht.

  9. Vielen Dank für ihre Antwort Manfred Reichelt.

    Ich erkenne 3 in ihrem Text 3 Definition des Weges.
    – Lebenspraxis
    – Christus
    – geometrisch

    Aber mir ist nicht klar was ihr Ziel ist?

    Über eine klare Aussage darüber würde ich mich freuen.

    Gruß spinoza

    1. Ihre Frage verwundert mich etwas. Habe ich sie denn nicht schon beantwortet? Als Christ kann ich kein persönliches Ziel haben, denn das Ziel ist vorgegeben, nämlich zu werden wie Er, den Tod zu überwinden (1. Kor. 15,26). Das ist natürlich ein großes Ziel und die Erfüllung noch fern.
      Aber es genügt ja schon erst einmal, wenn man immer besser das irdische Leben bewältigt und es einen immer weniger niederdrücken kann, sondern zu einer wunderbaren „Sache“ wird. Wenn das Vertrauen zu Gott wächst etc.
      https://manfredreichelt.wordpress.com/2017/08/08/sind-der-schmale-weg-und-die-enge-pforte-noch-von-bedeutung/

      Falls Ihnen meine Antwort nicht genügt, fragen Sie ruhig weiter.

      1. Vielen Dank für ihre Antwort.
        Tatsächlich bin ich jetzt durch ihre Aussagen etwas verwirrt.

        Sie sagen selber: Ziel ist es den Tod zu überwinden.
        Und sagen gleichzeitig: der Schächer am Kreuz hat das Ziel nicht erreicht. („Nur nachtodliche Spähre“)

        Das mit den Aussagen Jesu in Einklang zu bringen, finde ich recht schwer.

        Das im Paradies-sein-mit-Jesus habe ich bisher als Überwindung des Todes betrachtet.

        Wenn das Paradies aber nur eine „nachtodliche Sphäre“ ist… hat dann Jesus den Tod gar nicht überwunden?
        Oder hat Jesus gelogen und der Schächer kam gar nicht in das Paradies?

        Diese beiden abgeleiteten Aussagen würden das Evangelium hinfällig machen.
        Ich lehne sie vollständig ab und vermute das sie dies auch nicht so gemeint haben.

        Das ist nun allerdings das Problem: Sie sind von ihren Annahmen logisch abgeleitet.

        Ich kann deshalb auch nicht akzeptieren, dass der Schächer nicht errettet wurde bzw das sein Ziel noch nicht erreicht wurde.

        Zu bedenken bleibt auch: wenn er in einer nachtodliche Sphäre ist, wie soll er dann die korrekte Lebenspraxis durchführen?

        Zum Schluss würde ich noch das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg in die Überlegung einfließen lassen (Mt 20, 1-16)

        Sie kamen zu unterschiedlichen Zeiten (hatten unterschiedlich viel „Lebenspraxis“), erhielten allerdings den selben Lohn.

        Natürlich ist die Praxis auch wichtig und ich verstehe das sie dies mit verschiedenen Argumenten belegen wollen.
        Sie tun dies allerdings sehr unsystematisch und schießen meiner Meinung nach über das Ziel hinaus.

        Aller Kritik zum Trotz, wünsche ich ihnen alle Gute.
        Gruß Spinoza

        1. Ich weiß nicht, weshalb immer wieder der Schächer im Zusammenhang mit der Erlösung erwähnt wird, wo er einfach nicht hingehört. Offenbar tut man das aus Wunschdenken, weil doch dann das mit der Erlösung alles so einfach ist. Aber die Bibel sagt etwas ganz anderes, nämlich, dass wir von neuem geboren werden müssen und ohne Heiligung niemand den HErrn schauen wird.
          Natürlich hat Jesus den Tod exemplarisch überwunden, das durch die Auferstehung sinnenfällig wurde (Alle meine Blogartikel machen ja deutlich, dass ich nichts leugne). Aber weder der Schächer, noch Sie, noch ich, haben ihn überwunden. In uns ist er noch sehr lebendig.
          Ein Trost mit Jesus ins Jenseits zu kommen (das Versprechen an den Schächer) ist eben noch keine Erlösung. Wie auch das Leben nach dem Tod nichts ist, was es nicht bereits vor Jesus gegeben hätte.

          Die Zeugnisse, die wir heute vom Leben nach dem Tod, z.B. durch die Nahtoderlebnisse, haben zeigen ganz deutlich, dass niemand in der Weise durch die Begegnung mit dem liebevollen Licht, das Christen mit Jesus identifizieren, neu geboren wird, sondern in seinem Angesicht erkennen die Menschen, wo sie in ihren Leben nicht geliebt haben. Sie stehen offenbar vor der Aufgabe das zu ändern. Zugleich wird gezeigt, dass sich das Leben eines Atheisten im Jenseits kaum von dem eines Christen unterscheidet, weil eben da nicht der Glaube zählt sondern nur das, was in der Seele wirklich lebt.

  10. Danke für den Artikel Markus Till,
    Folgenden deinen Satz verstehe ich und verstehe ihn doch nicht
    „Wichtig ist dabei gerade auch das Alte Testament, denn es bildet den notwendigen Hintergrund, vor dem das Evangelium erst seine Strahlkraft und seinen revolutionären Charakter gewinnt. Ohne diesen Hintergrund verkommt es zum billigen Abklatsch.“
    Also ich meine, wenn man das neue Testament vorbehaltlos liest, auch unangenehme Worte auf sich einwirken lässt, die Sprache – die Heftigkeit der Sprache – ernst nimmt und nicht mittels Übersetzungsglättungen flachbügelt (nur noch „ermuntern“, nie mehr „ermahnen“ liest),
    wenn man auch das Buch der Offenbarung, des Judas, des Petrus, des Jakobus, Briefe des Johannes ernst nimmt und auch Paulus (allein Römer 1 lässt zusammenzucken) – eigentlich eben alle – nicht selektiv liest, sondern Jesu Aussagen beim Turm, der die Leute erschlagen hat oder seine „wehe“-Aussagen und die jeweilige Kehrseite seiner Gleichnisse ernst nimmt, dann ist die Frohbotschaft eben auch eine Drohbotschaft.
    Ich meine, das Evangelium ist beides – aber, da man Drohbotschaft nicht sagen darf, würde ich sagen,
    es müsste jedermann sehr nachdenklich machen, der Jesu Worte hört und versteht und wer an ihn glaubt hat ewiges Leben.

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