Der König, der kam, um zu bleiben (Weihnachtsgeschichte)

Die Weihnachtsgeschichte „Der König, der kam, um zu bleiben“ ist eine schöne Nacherzählung aus der Sicht eines Weisen aus dem Morgenland. Sie eignet sich gut, um an unsere Sehnsüchte und Erwartungen und das Heil durch das Kommen des Messias anzuknüpfen. Viel Freude beim Lesen und Teilen!

Der König, der kam, um zu bleiben Weihnachtsgeschichte
Pixabay, public domain

Der König, der kam, um zu bleiben

Seit er denken konnte war sie da, die Sehnsucht nach Frieden, Sicherheit und Geborgenheit. Als sein Vater eines Tages nicht mehr nach Hause kam, brannte dieses Gefühl wie ein Feuer in seiner Kinderseele. Wie verloren er sich gefühlt hatte, wie verlassen und orientierungslos.

In dieser Zeit des tiefsten Schmerzes, hörte er eines Mittags fast
zufällig eine Unterhaltung, als er unbeachtet von den eilig Vorüberlaufenden,
im Schatten einer Hauswand unter einem Fenster auf dem Boden saß. Er konnte der
Unterhaltung längst nicht ganz folgen, aber eines verstand er: Gott sollte als
Mensch auf die Erde kommen. So hatte es wohl vor langer Zeit ein Prophet Daniel
vorausgesagt.

Lebendige Hoffnung

Der Gedanke, dass Gott auf die Erde kommen würde, er ihm vielleicht
begegnen könnte, hatte ihn seit jenem Tag nie wieder losgelassen. Vielleicht
würde das Erscheinen dieses Gottes den schrecklichen Kriegen, blutigen
Aufständen und der nicht enden wollenden Not endlich ein Ende bereiten. Und vielleicht
wäre dann auch sein eigenes Leid zu Ende und die ihn langsam auffressende
Sehnsucht nach Frieden endlich gestillt.

Die Hoffnung war nicht unbegründet. Denn dieser Messias, so hörte er über
die Jahre immer wieder, sollte Frieden bringen, Shalom Frieden. Obwohl er kein
Israelit war, wusste auch er, dass Shalom mehr bedeutete als nur äußerer
Friede. Dieser Friede umfasste auch den inneren Frieden, Ruhe, Sicherheit,
Freude, Wohlergehen und Gesundheit.

Die verheißungsvollen Worte des Propheten Daniels hatten vor 500 Jahren
eine Sehnsucht entfacht, die von Generation zu Generation weitergegeben, auch
sein Herz erfasst hatte. Vielleicht hatte er sich deshalb, wenn auch unbewusst,
dafür entschieden, sein Leben dem Studium der Sterne zu widmen. Es sollte nämlich
ein Stern sein, der die Ankunft des Königs der Juden ankündigen würde.

Vieles sprach dafür, dass die Zeit bald kommen musste. Der Prophet Daniel
hatte ziemlich genaue Zeitangaben gemacht. Unter Fachkollegen, Geistlichen,
aber auch an Königshöfen herrschte deshalb eine seltsame Unruhe.

Licht eines guten Sterns

Es war in einer sternklaren Winternacht als er einen Stern entdeckte, den
er nie zuvor bemerkt hatte. Eilig prüfte er, wie schon so oft, die Zeitangaben
des Propheten Daniels und zog auch die Schriften des Propheten Jesajas zu Rate:
„Deshalb wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben. Seht, die unberührte
junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den sie
Immanuel, Gott mit uns, nennt.“

Könnte dies der Stern sein, von dem der Prophet Daniel vor vielen hundert
Jahren gesprochen hatte und der dieses ungewöhnliche Ereignis ankündigte? Sein
Herz überschlug sich fast vor Freude. Seine sonst so wissenschaftliche
Sachlichkeit war dahin. Ein kaum zu beschreibendes Gefühl des Glücks überkam
ihn. Sollte das Warten nun endlich ein Ende haben? Sollte das Chaos der Welt
und auch sein eigenes inneres Chaos endlich ein Ende haben? Nachdem andere
Sterndeuter und Wissenschaftler seine Vermutung bestätigten, stand sein
Entschluss fest: er musste sich auf den Weg machen und diesen Messias, den
König der Juden, finden.

Den Blick immer wieder auf den Stern gerichtet, als hätte er Angst ihn zu verlieren, folgten er und eine Handvoll andere Sterndeuter dem Stern so schnell sie konnten. Er war froh, dass seine Kollegen, die fast schon so etwas wie Freunde waren, mit ihm unterwegs waren. Die Gespräche über die Sterne lenkten ihn von seinen eigenen Gedanken ab. Er liebte die Sterne. Auch wenn Wolken sie manchmal verdeckten, waren sie immer da. Verlässliche Lichter im Dunkel des Firmaments.

Die Sehnsucht in uns

Es war diese Verlässlichkeit, die Beständigkeit, die ihm so wohltat. Sein
ganzes Leben war von Unruhe und Unbeständigkeit geprägt. Nach all den Jahren
spürte er immer noch die Verlorenheit durch den Tod seines Vaters, die
Orientierungslosigkeit als sie ihr Elternhaus plötzlich verlassen mussten, weil
Aufständische ihr Unwesen trieben und den schmerzvollen Verlust von Freunden
und Bekannten, die durch die Dürre der Felder gezwungen waren, woanders ihr
Glück zu suchen. Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, nach Sicherheit und
Wohlergehen, nach etwas Bleibendem kannte er schon so lange. Viel zu lange.

Endlich nun war die Quelle, die diese Sehnsucht stillen konnte in
greifbarer Nähe. Denn die Worte des Propheten Daniels begannen sich zu
erfüllen: Der Stern, der sie jetzt durch die karge Berglandschaft hin nach
Jerusalem führte, war sichtbarer Beweis. Sollte dann nicht auch wahr sein, was
über den Messias vorausgesagt war? Sollte dieser dann nicht auch den
Shalom-Frieden bringen, nach dem er sich so sehr sehnte? Die Hoffnung darauf
beflügelte ihn und nahm ein Stück der Beschwerlichkeit des wochenlangen
Fußmarsches.

Herzen ohne Heimat

Endlich standen sie vor den Toren Jerusalems. Wie seltsam, die Menschen
in der Stadt gingen wie gewöhnlich ihrer Arbeit nach. Das laute Geschrei auf
den Straßen war nicht anders als sonst, das Geschwätz der Leute wie gewöhnlich.
Wussten sie denn nicht, dass der Messias, ihr König, geboren war? Tagelang
schon hatten sie in Jerusalem vergeblich nach dem König der Juden gefragt, als
sie abends ein eilender Bote des Königs Herodes unverzüglich in den Palast
kommandierte.

Der König schien überraschend beunruhigt. Erst nachdem sie ihm alles
berichtet hatten, was sie über den Stern und seine Bedeutung wussten, schickte
er sie nach Bethlehem. Dort, so hatten es seine führenden Geistlichen und
Gelehrten bestätigt, sei das Kind geboren worden.

Bei jedem Schritt, der ihn und seine Berufskollegen näher nach Bethlehem
brachte, fühlte er sein Herz höherschlagen. Eine Jahrhunderte alte Vorhersage
erfüllte sich. Und er, ein unbekannter Sterndeuter aus Persien hatte den Stern
entdeckt. Warum gerade er? Warum durfte er Teil der Geschichte werden?

Ziel aller Sehnsucht

Der Stern bewegte sich nicht mehr. Endlich waren sie angekommen. Das Haus
in Bethlehem war schnell gefunden. Die Einheimischen wussten, wo die fremde
Familie aus Nazareth wohnte. Doch zum ersten Mal zögerte er. Sternedeutern war
es nicht erlaubt in die Gegenwart Gottes zu treten. Was würde mit ihm geschehen?
Immer wieder hatte er die Schriften studiert. Besonders der Gedanke, dass Gott
selbst auf dieser Erde erscheinen würde, berührte ihn in besonderer Weise. Er
musste diesem Gott begegnen. Es gab kein zurück. Seine Sehnsucht war größer als
die Angst.

Nichts deutete auf einen König hin. Das Haus, schlicht und einfach, die Eltern gewöhnlich. Und doch war ihm, als er in das Licht des kleinen Raums trat, in dem die Mutter ihr Kind in den Armen hielt, als sei er in eine andere Welt eingetaucht. Ein wunderbarer Friede erfüllte ihn. Dieser Friede durchdrang seinen Körper, seine Seele, seine Gedanken. Alles wurde ruhig in ihm. Seine schmerzvolle Sehnsucht war verschwunden. Er war angekommen. Er wagte es kaum sich zu bewegen, weil er diesen wunderbaren Moment nicht verlieren wollte.

Als sein Blick auf das Kind fiel, wusste er: in diesem Kind begegnet er Shalom. Es war tatsächlich der Messias, von dem Daniel sprach. Von Emotionen überwältigt, kniete er nieder. Tief in seinem Innern wusste er: Was er hier gefunden hatte, würde er niemals wieder verlieren müssen. Denn dieser König war gekommen, um zu bleiben.

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Mit freundlicher Genehmigung © Hanna Fett, Marburger Mission, 2017

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Das Beitragsbild „Krone“ stamm von Pixabay, public domain.

Der Beitrag Der König, der kam, um zu bleiben (Weihnachtsgeschichte) erschien zuerst auf Blog von Viktor Janke.

Dieser Blog-Beitrag von Viktor Janke erschien zuerst auf viktorjanke . Lies hier den Original-Artikel "Der König, der kam, um zu bleiben (Weihnachtsgeschichte)".

Über Viktor Janke

*1984 / **1997 / 2004 Abitur / 2008 Theologiestudium-Abschluss & Beginn als Hauptamtlicher in der Gemeindearbeit / 2009 Ehemann / 2014, 2016 & 2019 Vater, seit 2019 auch überregionaler Jugendreferent

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