Der frustrierend gnädige Gott

Wie passen die Gerichtsandrohungen der Propheten zu dem Gott, der die Liebe in Person ist?

„Ninive wird in 40 Tagen zerstört werden!“ (Jona 3,4b) Harte Gerichtsandrohungen wie diese finden sich vielfach in den prophetischen Büchern der Bibel. Und nicht selten trifft dieses Gericht auch tatsächlich in voller Härte ein. Wie passt das zu dem Gott des Neuen Testaments? Wie kann ein Gott, der doch die Liebe in Person ist (1. Joh. 4,8), derart gewaltvolle Drohungen aussprechen und dann auch noch umsetzen? Diese Frage treibt viele Christen um. Eine Antwort darauf findet sich in einem kleinen, aber berühmten prophetischen Buch, das ziemlich aus dem Rahmen fällt.

Mitten unter den 12 sogenannten „kleinen Propheten“ findet sich das Buch Jona. Während in den anderen 11 Büchern im Wesentlichen die Botschaften der Propheten dokumentiert werden, wird hier eine abenteuerliche Geschichte erzählt. Die Story kenne ich seit meinen Kinderkirchtagen: Anstatt Ninive vor dem bevorstehenden Gericht zu warnen flieht Jona auf ein Schiff. Im Sturm wird er von den Seeleuten ins Meer geworfen – und von einem großen Fisch gerettet. Danach geht Jona doch noch nach Ninive. Seine Botschaft wird positiv aufgenommen, weswegen Gott seine Gerichtspläne fallen lässt – eine Wendung, die Jona überhaupt nicht schmeckt.

Das Buch Jona fasziniert mich. Auf mich wirkt es so, als hätte Gott dieses Buch ganz bewusst in der Mitte der prophetischen Bücher platziert, um unsere Perspektive auf die Botschaften der Propheten ins rechte Licht zu rücken. Gerade für uns Menschen des 21. Jahrhunderts scheint mir das auch bitter nötig zu sein. Denn mein modern geprägtes Hirn denkt beim Lesen vieler prophetischer Texte immer wieder: Wie kann Gott nur so hart sein? Ist der Gott des Alten Testaments denn – anders als Jesus – nur ein knallharter, strafender Richter?

Genau auf diese Frage gibt das Buch Jona eine überraschende Antwort. Es zeigt mir: Meine moderne Perspektive und mein daraus resultierendes Vorurteil gegenüber dem Gott des Alten Testaments ist kurzsichtig und voreingenommen. Deutlich wurde mir das zum ersten Mal, als ich intensiver über folgende Frage nachdachte:

Warum ist Jona eigentlich vor Gott geflohen?

Lange Zeit dachte ich, Jona hätte ganz einfach Angst gehabt, Gottes Gerichtsbotschaft in Ninive zu predigen. Umso überraschter war ich, als mir auffiel, dass ich mit meiner Annahme vollkommen falsch lag. Der tatsächliche Grund für Jonas Flucht findet sich in Jona 4,2-3, einer Schlüsselstelle des gesamten Buchs:

„Ach Herr, habe ich das nicht schon gesagt, bevor ich von zu Hause aufbrach? Deshalb bin ich ja fortgelaufen nach Tarsis! Ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, dass du geduldig und voller Gnade bist, weil du das Unheil bedauerst. So mach nun meinem Leben ein Ende, Herr! Ich will lieber sterben, als zu leben.“

Das hat mich nun wirklich verblüfft. Jona schimpft hier also sinngemäß: Ich hab es doch gleich geahnt, dass Du immer so wahnsinnig gnädig und barmherzig bist! Und am Ende kneifst Du dann wieder… Die Gnade und Barmherzigkeit Gottes ist für Jona nicht etwa Grund zur Freude, ganz im Gegenteil: Jona fürchtete sie regelrecht. Sie war für ihn ein Anlass, Gottes Befehl zu verweigern, vor Gott davonzulaufen, ihn wütend anzuklagen und in existenzielle Depressionen zu verfallen. Wie kann das sein? War Jona etwa ein Sadist, der unbedingt Blut sehen wollte?

Der historische Hintergrund: Ein grausamer und blutrünstiger Feind

Bevor wir Jona für seine Haltung verurteilen sollten wir uns zuerst einmal ein wenig mit dem historischen Hintergrund des Buchs Jona beschäftigen. Die Stadt Ninive war eine wichtige Provinzhauptstadt des assyrischen Reichs, das damals eine aggressive Expansionspolitik betrieb. Auch Israel war von den Kriegszügen Assyriens betroffen. Vom späteren Propheten Nahum wird Ninive als „Stadt des Blutvergießens“ (Nah.3,1) bezeichnet, die ihren Reichtum aus Beuteraubzügen speist (Nah.2,13-14). Assyrien und Ninive waren in den Augen der Israeliten also höchst aggressive und existenziell bedrohliche Feinde. Wir machen uns heute kaum noch eine Vorstellung davon, was das damals konkret bedeutet hat. In diesen Kriegen ging es oft menschenverachtend grausam zu. Die Assyrer mussten in den Augen der Israeliten damals ähnlich furchteinflößend gewirkt haben, wie grausame IS-Horden in den Augen von Jesiden und Christen im Nahen Osten heutzutage. Die Aussicht auf ein zerstörerisches göttliches Gericht über diesem hochaggressiven Volk war aus der Sicht Jonas deshalb ein Hoffnungsschimmer, denn es würde Israel von der Angst vor Krieg und Terror erlösen.

Ist der Gott des Alten Testaments ein strengerer Richter als wir es an seiner Stelle wären?

Diese Perspektive wirft ein völlig anderes Licht auf die Gerichtsandrohungen Gottes in der Bibel. Könnte es sein, dass es an unserem fehlenden Hintergrundwissen liegt, wenn Gottes Strafandrohungen auf uns hart und unangemessen wirken? Unser menschliches Urteilen ist ja zu einem erheblichen Maß emotionsgesteuert. Ich beobachte das an mir selbst, wenn ich mir einen Actionfilm anschaue. In „Herr der Ringe 3 (Die Rückkehr des Königs)“ freue ich mich darüber, wenn endlich die feindlichen Armeen niedergemetzelt werden, obwohl Teile dieser Armeen zuvor als recht menschlich präsentiert wurden. Aber meine Emotionen als Zuschauer werden im Film primär auf das Mitgefühl mit den Bewohnern der Stadt Minas Tirith programmiert, die von diesen Armeen brutal und rücksichtslos angegriffen werden. Wenn uns die grausamen Auswirkungen des menschlichen Handelns plastisch vor Augen geführt werden, dann setzen auch wir modernen Menschen uns gerne und schnell auf den Richterstuhl. Und das Buch Jona macht klar: Jona würde auf diesem Richterstuhl sehr viel härter und drastischer agieren als der Gott des Alten Testaments! Denn Gott tat genau das, was Jona schon vor seiner Flucht befürchtet hatte: Er lässt sich von Mitleid leiten und schont die zahlreichen Menschen, „die nicht zwischen links und rechts unterscheiden können, ganz zu schweigen von den vielen Tieren.“ (Jona 4,11) Gott vergab den Menschen, die zwar zu einem „Tätervolk“ gehörten, aber vielfach nicht wussten, was sie taten. Das erinnert mich an Jesus, der sogar noch mitten Leiden betet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Luk.23,34)

Jona hatte dafür keinerlei Verständnis. Im Gegenteil. Er war wütend und frustriert. Gott war ihm viel zu nachsichtig, viel zu gnädig, viel zu barmherzig. Jona hatte also genau das umgekehrte Problem mit Gott wie wir modernen Menschen. Das mag auch daran liegen, dass wir im Gegensatz zu Jona als Nachkriegsgeneration noch nie am eigenen Leib spüren mussten, was Krieg und Kriegsgefahr wirklich bedeutet. Kein Wunder, dass wir zu einem naiven Pazifismus neigen, der allzu leicht ausblendet und verdrängt, dass Gewalt manchmal nur mit Gewalt gestoppt werden kann und muss. Umso mehr sollten wir uns selbstkritisch der Frage stellen: Glauben wir wirklich, dass wir unter dem Einfluss von realer Kriegsgefahr immer noch so pazifistisch denken würden? Ist es nicht arrogant und anmaßend zu denken, dass wir gnädiger und barmherziger wären als Jona, wenn wir Angst um unser Leben und das Leben unserer Familien und Kinder haben müssten?

Nach dem Studium des Buchs Jona bin ich mir sicherer denn je: Es ist keine Floskel, wenn die Bibel Gott immer wieder als barmherzig, geduldig und gnädig beschreibt. Gott lässt sich zwar nicht von naivem Pazifismus leiten, aber eben auch nicht von der durchaus verständlichen Gerichtssehnsucht Jonas. Die Größe der Barmherzigkeit Gottes wird noch durch 2 weitere erstaunliche Tatsachen im Buch Jona unterstrichen:

  • Gott berücksichtigt in seinem Gerichtshandeln nicht nur die Schuld des Kollektivs sondern er sieht das Schicksal der einzelnen Menschen und sogar der Tiere (Jona 4,11, siehe oben). Das ist schon erstaunlich in einer Zeit, in der man vom modernen Individualismus und erst recht von Tierschutz noch nichts wusste.
  • „Gott, der Herr, tut nichts, ohne sein Geheimnis vorher seinen Dienern, den Propheten, anvertraut zu haben.“ (Amos 3,7) Gottes Gericht kommt nicht unangekündigt. Gott versucht, vorher zu warnen. Er gibt den Menschen Zeit, um umkehren zu können. Das gilt bis heute. Gott wartet nun schon 2000 Jahre mit seiner Wiederkehr „weil er Geduld mit uns hat. Denn er möchte nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht, sondern dass alle Buße tun und zu ihm umkehren.“ (2. Petr.3,9)

Einmal mehr kann ich nicht erkennen, dass es zwischen dem Gott des Alten und des Neuen Testaments einen grundlegenden Unterschied gäbe.

Wie soll man so einer Geschichte heute noch glauben?

Trotz dieser erhellenden Botschaft gilt das Buch Jona heute vielen Menschen als ein Paradebeispiel dafür, dass man der Bibel als moderner, aufgeklärter Mensch nicht mehr trauen kann. Ein Mensch, der 3 Tage im Bauch eines großen Fischs überlebt: Das klingt doch zu märchenhaft in unseren modernen Ohren.

Nun würde ja auch ich gerne glauben wollen, dass diese Geschichte nur ein großes Gleichnis ist – wenn denn die Bibel diese Sichtweise bestätigen würde. Aber sie lässt zumindest keinen Zweifel daran, dass Jona eine historische Figur war: In 2. Könige 14, 25 wird erwähnt, dass genau dieser Jona die Landgewinne Israels unter Jerobeam II. (781 bis 742 v. Chr.) vorausgesagt hatte. Auch Jesus bezog sich in seinen Predigten auf das Buch Jona: Er verglich die Zeit zwischen Kreuz und Auferstehung mit der Zeit des Jona im Bauch des Fischs. Und er verglich seine Predigten mit der Predigt Jonas in Ninive und tadelte die Israeliten, weil sie nicht so wie die Einwohner Ninives mit Buße und Umkehr darauf reagierten (Matth. 12, 38-41; Luk. 11, 29-30). Ganz offenkundig hielt Jesus diese Geschichte im Wesentlichen für historisch. Denn mit welchem Recht könnte Jesus die Israeliten durch den Hinweis auf Ninive kritisieren, wenn die Erzählung von der Umkehr Ninives nur ein frommes Märchen ist? Auch hier gilt: Die Historizität der Geschichte ist ein entscheidender Teil ihrer theologischen Botschaft! Man kann sie nicht einfach streichen, ohne die Botschaft zu beschädigen.

Aber können aufgeklärte Menschen noch daran glauben, dass ein Mensch 3 Tage lang im Bauch eines Fisches überlebt hat? Gegenfrage: Warum sollte das für einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, ein Problem darstellen? Dass es sich dabei um ein natürlich nicht erklärbares Wunder handelt, war auch dem Autor des Buchs Jona schon bewusst. Schließlich ist ausdrücklich die Rede davon, dass Gott selbst diesen Fisch gesteuert hat (Jona 2,1+11). Jona betet aus dem Fisch: „Ich schrie aus dem Rachen des Todes.“ Auch ihm war also klar: Seine Situation ist ein Todesurteil, wenn Gott nicht wundersam eingreift. Jesus bestätigt diese Sichtweise, wenn er Jonas Aufenthalt im Bauch des Fisches mit seiner Zeit zwischen Kreuz und Auferstehung vergleicht. Wer glauben kann, dass Jesus 3 Tage nach seinem Kreuzestod wieder das Grab verlassen konnte, der sollte eigentlich auch kein Problem damit haben, dass Gott Jona nach 3 Tagen wieder aus einem Fisch herauskommen lassen kann. Ich sehe deshalb keinen Grund, warum diese Geschichte, selbst wenn sie in Teilen poetisch erzählt und gemeint sein mag, nicht zumindest einen großen historischen Kern enthalten sollte – so groß, dass wir die Wucht der Botschaft dieser Geschichte nicht zu schmälern brauchen, indem wir ihr die historische Tatsächlichkeit von vornherein absprechen. Auch heute noch dürfen wir in diesem Buch ein bewegendes Zeugnis sehen für diesen heiligen und richtenden, zugleich aber auch liebenden, barmherzigen, geduldigen und gnädigen Gott, der uns quer durch die ganze Bibel immer wieder in gleicher Weise vor Augen geführt wird.

Siehe auch:

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Der frustrierend gnädige Gott".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

20 thoughts on “Der frustrierend gnädige Gott

  1. Lieber Markus, wie viele dazukommende Menschen in Ihrem persönlichen, beruflichen und gemeindlichen Umfeld haben Sie und bibelundbekenntnis seit der Existenz von Biblipedia in den letzten drei Jahren nachhaltig zum Glauben an Jesus Christus geführt durch Ihre Mission und Ihren bereits revidierten Glaubenskurs?

    Ich habe den Eindruck, dass Sie nur konservativ-evangelikalen Christen predigen. Diese lernen durch Sie nichts Neues………Oder?

          1. Ideell gesehen schon. Aber allein hier gibt es viele Wahrheiten. Und jede menschliche Wahrheit ist bekanntlich Stückwerk…. 😉

            Oder hat sich DARIN Paulus geirrt? Doppelsmilie

      1. „Die Aufgabe eines Christen ist doch nicht die Menschen zur Bibel zu führen sondern zum auferstandenen HErrn!“

        Das schöne ist, dass dies ja überhaupt kein Widerspruch ist. Tägtäglich begegnen Menschen dem auferstanden Herrn in der ganzen Bibel. Das ist schon seit 2000 Jahre Kirchengeschichte so. Es ist genial! Bibellesen lohnt sich, auch das AT. 🙂

  2. Ja, Gott ist langsam zum Zorn. Ich denke, es ist ein biblisches Grundmuster des Wesens Gottes, dass er Gericht hinauszögert, solange er irgend kann (das Maß ist noch nicht voll).

    Die Frage ist jedoch, ob Gericht dann nicht nur eine anders verpackte Form der Liebe und Barmherzigkeit Gottes darstellt? Um die Menschen zur Einsicht zu bringen. Gibt es dazu Beispiele?

    1. Ein Beispiel ist z.B. in den Offenbarungen.
      Off 9, 20 Und die Übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten auch nicht Buße von den Werken ihrer Hände, nicht mehr anzubeten die Dämonen und die goldenen und die silbernen und die bronzenen und die steinernen und die hölzernen Götzenbilder, die weder sehen noch hören noch wandeln können. 21 Und sie taten nicht Buße von ihren Mordtaten noch von ihren Zaubereien noch von ihrer Unzucht[5] noch von ihren Diebstählen.

      Den Sätzen gehen 6 Posaunen und davor die Öffnung der 7 Siegel voraus. Jede der Kastrophen und der Unglücke ist ein Ruf zur Umkehr (z.B. Off 8, 13 Und ich sah: Und ich hörte einen Adler hoch oben am Himmel fliegen und mit lauter Stimme sagen: Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, wegen der übrigen Stimmen der Posaune der drei Engel, die posaunen werden!).

      Ansonsten besten Dank an Dr. Till, er hat einige Verse aufgeführt und die Bedeutung von Ninive für Israel, die mir so noch nicht bewußt waren.
      Wenn ich mich recht erinnere, ist Ninive trotzdem ca. 100 Jahre nach Jonas Auftritt untergegangen, die Umkehr der Bewohner hat nicht lange angehalten.

      1. Und ein anderes Bsp., was Gerichtsfeuer bewirken kann:

        Ich werde den dritten Teil ins Feuer (!) bringen, und ich werde sie läutern, wie man das Silber läutert und prüfen, wie man das Gold prüft. Es wird meinen Namen anrufen, und ich werde ihm antworten; ich werde sagen: Es ist mein Volk; und es wird sagen: Jehova ist mein Gott (Sach. 13,9).

      2. Die ersten 19 bis 20 überwiegend metaphorischen Kapitel des Buches Offenbarung versteht letztlich kein Mensch so ganz und gar richtig. Deshalb gibt’s verschiedenste und manchmal krude Auslegungen dazu.

        Dazu wissen wir, dass ein Mensch oder eine menschliche Gemeinschaft, Gemeinde, Kirche, das Volk Gottes oder auch ein Individuum immer wieder strauchelt und immer wieder aufstehen muss, um dem Willen Gottes zu dienen. Dies thematisiert die Offenbarung weitaus überwiegend, genau so sehr besonders auch zig mal wiederholt der Tannach. . Nur weniges ist eschatologisch. Aber um so überraschender ist das Wenige.

        So genügt es eschatologisch, endlich nach all den Strafen und Gerichten Gottes, das ultimative und sensationelle Ende der Vision des Johannes als das Finale Gottes mit den Menschen dieses irdischen Zeitalters zu lesen:

        Dieses für viele „Rechtgläubige“ erstaunlich anmutende Ende der Vision lautet:

        Offb 22 ,1-5
        1 Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, 2 mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. 3 Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen 4 und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. 5 Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichts einer Lampe und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird über ihnen leuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

        Amen.

        1. Es gibt mittlerweile recht gute Auslegungen zu den Offenbarungen. Ein guter Ausleger zeichnet sich dadurch aus, dass er die Verbindungen zu der Endzeitrede Jesu herstellt kann, ebenso zu Daniel, Hesekiel, … (und viele weitere Stellen aus dem AT – will man die Offenbarungen verstehen, kommt man um das Studium des AT eben nicht herum), und sich z.B. vorsichtiger darüber äußert, was denn die Farben der Pferde der Reiter bedeuten könnten.

          Off 22 1-5 ist nicht das Ende der Version, da kommen noch einige Verse hinterher. Voraus geht Off20, 15 bis Off 21,8.
          Und gerade bei Off 28,8 wird der Personenkreis miterwähnt, den wir in Off 9,20-21 finden. Und den gibt es nochmals in Off 22,15 zu finden.
          Ebenso finden wir in Off 21,9ff die „die Braut, die Frau des Lammes“ erwähnt, jetzt nicht mehr nur Braut, sondern bereits die Frau.

          Und jetzt noch ein Sahnehäubchen obenauf für alle, die die Allversöhnung lehren und das Gerichtshandeln Gottes leugnen: Off 22, 19. Das Ende der Offenbarungen endet mit einer Warnung vor Irrlehre(r)n und nicht etwa mit der Schilderung des neuen Jerusalems.

        2. Die Offenbarung besteht vereinfacht gesagt aus einem

          1. Prolog, Vorspann, Vorwort zur eigentlichen Vision
          Offb Kapitel 1

          2. aus der Vision selbst, sprich Weissagung, Prophetie, „Enthüllung“.
          Offb 2 bis 22, Vers 5

          3. aus einem Epilog, Nachspann, Nachwort
          Offb 22,6 bis Ende des verschrifteten Buches der Offenbarung

          Ich stelle mir Johannes zum damaligen Zeitpunkt auf Patmos real vor.

          Der Engel erscheint Johannes und kündigt ihm vor der eigentlichen Vision in einem Dialog (Offb 1) vorab die Vision an.

          Dann offenbart der Engel Johannes die Vision selbst. Visionsteil.
          Offb 2 bis 22, Vers 5

          Im Nachspann gibt es damals einen weiteren Dialog auf Patmos zwischen Engel und Johannes. (Offb 22,6 bis 22,21 als Ende des biblischen Buches Offenbarung.

          1. Erklärungsversuch:
          Letzteres bedeutet, dass dieser „Nachspann“ eine extreme Zusammenfassung der gerade von Johannes auf Patmos gehörten Vision für die damals noch anbrechende kommende ZUKUNFT, den Beginn der Erfüllung der Vision, war.

          2. Erklärungsversuch:
          Versetzt man sich in die damalige Zeit und den damaligen Ort Patmos, dann kann’s nicht anders sein. Nochmals, dieser „Abspann“ wurde formuliert in die damalige Zukunft hinein, in der die ERFÜLLUNG der Vision noch Zukunft war.

          3. Erklärungsversuch:
          Der Epilog, Abspann ist eigentlich ein stark zusammen gefasster VORSPANN, direkt nach dem Empfang der Vision. zu Zeit und Stunde auf Patmos als Mahnung für die Dinge, die damals noch kommen sollten.

          So ist das eigentliche Ende der Vision in Offb 2 bis 22, Vers 5 vielleicht der Abschluss der gesamten Eschatologie der Bibel?

          Grüßle

          1. Erklärungsversuch 4:

            Ab Offb 22,6 gibt es ganz offensichtlich ein Gespräch zwischen Engel und Johannes NACH der bereits KOMPLETT erhaltenen Vision und VOR dem dann ausstehenden Beginn der ERFÜLLUNG dieser Vision.

            Folglich geschieht im Epilog und damit im Nachdialog von Engel und Johannes nur ein Aufgreifen, Erinnern , Bestätigen, WIEDERHOLEN von Teilen der vor wenigen Minuten empfangenen Vision.

            Der kurze Auszug aus der Vision in dem Dialog hat zum Schwerpunkt also eine Mahnung, ab „Patmos“ sich „ordentlich“ Gott gemäß zu verhalten.

            Wie Sie richtig schreiben, liegt es ja auf der Hand, dass in dem Nachdialog auf Inhalte der gerade erhaltenen Vision direkt zugegriffen wird, diese damit bestätigt werden.

        3. Hallo Jazzico,

          das letzte offenbarte Ziel der Pläne Gottes steht m. E. nicht in der Offenbarung, sondern in 1. Kor. 15,28. In der Offenbarung ist ja noch alles im Werden: Sie ich mache alles neu, nicht: ich habe bereits alles neu gemacht. Interpretiert man die jüdischen Feste als Darstellung des Heilsplans Gottes im 7-armigen Leuchter. So korrespondiert das 6. Fest „Chanukka“ mit der Neuschöpfung (hier Offb.), das 7. Fest „Purim“ mit der Vollendung, der Überwindung der letzten Gottesfeinde, hier der Tod bei Paulus in 1. Kor.15.

          Gruss

          1. 1. Kor 15,28 würde ich als die „Kurzzusammenfassung“ vom Anfang der Off 22 sehen – das gleiche Thema, mit unterschiedlichen Worten und unterschiedlichem Adressatenkreis.

            Die Off 22,6ff kann man m.E. durchaus als zusammenfassenden Epilog werten – In V17 ist ja wieder von der Braut (und nicht der Frau des Lammes) die Rede. Von daher halte ich es für besonders erwähnenswert, dass hier nochmals das Gerichtshandeln Gottes aufgeführt wird.

            Um nicht ganz vom Thema des „gnädigen Gottes“ abzukommen:
            Für mich sind die Offenbarungen auch ein Ausdruck der Geduld Gottes – jede Katastrophe, jedes Siegel, jede Posaune, jeder Reiter eine Einladung zur Umkehr.
            Ich kann mich schon mit Jona identifizieren: ginge es nach mir, wäre schon lange Ende. Ich nenne nur mal Abtreibungen, „Sterbehilfe“, Kriege, fremde Religionen bis hin zur Klimareligion, Selbstüberschätzung, …, Gott hat mehr Langmut als ich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.