Starke Argumente – Warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen

Die Inhalte dieses Artikels sind auf YouTube als Vortrag verfügbar, der am 1.11.2019 bei einer Tagung des deutschen christlichen Techniker-Bunds (DCTB) gehalten wurde.

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Lange Zeit war der Blick auf die Bibel in der akademischen Welt geprägt von einem Wissenschaftsbegriff, der es Wissenschaftlern prinzipiell unmöglich machte, mit übernatürlichen Ereignissen, mit göttlicher Offenbarung oder mit vorhersagender Prophetie zu rechnen. Die Folgen für die Theologie und die Kirche waren umwälzend. Zentrale Bekenntnisse des Christentums wurden in Frage gestellt oder umgedeutet. Völlig aus dem Blick gerieten zudem die vielen Argumente dafür, dass die Existenz und die Botschaft der Bibel ein Wunder ist, das mit menschlichen Mitteln nicht erklärt werden kann.

Seit der Aufklärung ist der akademische Wissenschaftsbegriff geprägt von einem starken oder zumindest schwachen bzw. methodischen Naturalismus. Das heißt: Die Wissenschaft hat sich der Selbstbeschränkung unterworfen, hinter allen Phänomenen prinzipiell eine natürliche Ursache zu vermuten. Die Bibel unterstützt diese Sichtweise! Denn sie trennt strikt zwischen Schöpfer und Schöpfung. Allerdings macht die Bibel auch deutlich: Punktuell nimmt sich der Schöpfer durchaus die Freiheit, übernatürlich ins Weltgeschehen einzugreifen.[1] Das gilt besonders für die Erschaffung der Welt. Aber auch danach berichtet die Bibel immer wieder von punktuellen Eingriffen Gottes ins Weltgeschehen, z.B. beim Auszug Israels aus Ägpyten oder bei der Auferstehung Jesu. Zudem behaupten die biblischen Autoren, dass Gott auch bei der Entstehung der biblischen Texte intensiv beteiligt war.

Die Bibel erforschen, „als ob es Gott nicht gäbe“?

Für Theologen, die mit dem vorherrschenden naturalistisch geprägten Wissenschaftsbegriff die Bibel erforschen wollen, hat das weitreichende Konsequenzen. In ihrer Forschung werden sie gezwungen, prinzipiell nicht damit zu rechnen, dass Gott direkt und unter Aufhebung der Naturgesetze ins Weltgeschehen eingegriffen hat. Sie müssen die Bibel so zu untersuchen, „als ob es Gott nicht gäbe“ („etsi deus non daretur“). Dabei glauben Theologen, die so arbeiten, durchaus daran, dass es Gott gibt. Aber in der praktischen Bibelforschung dürfen sie direkte göttliche Eingriffe ins Weltgeschehen nicht in ihre Überlegungen einbeziehen.

Zudem galt auch in der Bibelwissenschaft zunehmend die aufklärerische Maxime, dass nüchterne Wissenschaft jeden Forschungsgegenstand prinzipiell dem wissenschaftlichen Zweifel, also dem Urteil der menschlichen Vernunft, unterwerfen muss. Das wäre aber nicht möglich, wenn die Bibel eine göttliche Offenbarung wäre – denn göttliche Offenbarung kann nun einmal nicht kritisieren werden. Dann wäre die Theologie aber nach aufklärerischem Verständnis keine Wissenschaft mehr. Dann hätte sie auch an den Universitäten nichts mehr zu suchen.

Deshalb trifft es zu, wenn der finnische Professor Tapio Puolimatka schreibt: „Wenn Theologen zum Ausgangspunkt ihrer Forschung nehmen würden, dass Gott gesprochen habe und dass man Gottes Sprechen erkennen und verstehen könne, dann würden sie in einen Konflikt mit der breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit geraten.“[2]

Ein Gott, der spricht und verstanden wird, der somit das Weltgeschehen ganz direkt beeinflusst, der passt nicht ins Weltbild des (schwachen) Naturalismus. Diese faktische Selbstbeschränkung auf einen methodischen Naturalismus hatte ohne Zweifel gewaltige Konsequenzen für die Theologie und folglich auch für die Kirche.

4 Konsequenzen des methodischen Naturalismus für die Theologie

Das „Arbeitsbuch zum Neuen Testament“ von den Professoren Hans Conzelmann und Andreas Lindemann liegt mittlerweile in der 14. Auflage vor. Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es an den Universitäten vielfach in der studentischen Ausbildung eingesetzt. Aktuell wird an der 15. Auflage gearbeitet. Das Buch ist also durchaus nach wie vor aktuell.

Natürlich denken bei weitem nicht alle Theologen wie Conzelmann und Lindemann. Aber ohne Zweifel hatten diese beiden Theologen in den vergangenen Jahrzehnten erheblichen Einfluss. Besonders deutlich wurde die Denkweise von Prof. Lindemann in einem Interview, das er 1999 dem Magazin Spiegel gegeben hat.[3] Das Arbeitsbuch zum Neuen Testament und dieses Spiegel-Interview eignen sich besonders gut, um die Konsequenzen des methodischen Naturalismus für die Theologie nachzuvollziehen.

1.   Die Bibel kann keine übernatürliche Offenbarung sein!

Wenn Gott nicht direkt ins Weltgeschehen eingreift, dann kann die Bibel natürlich keine göttliche Offenbarung sein. Stattdessen gehen Prof. Conzelmann und Prof. Lindemann von einer anderen Sichtweise auf die Bibel aus. In ihrem Arbeitsbuch schreiben sie: „Die biblischen Texte werden methodisch nicht anders behandelt als andere literarische Zeugnisse, insbesondere solche der Antike. … Die Bibel enthält geschichtlich entstandene Dokumente, die – in großer Vielfalt theologischer Meinungen – den jüdischen bzw. christlichen Glauben bezeugen und darstellen.“ (S. 3)

Die Konsequenz ist klar: Wenn die Bibel keine göttliche Offenbarung ist sondern ein Buch wie jedes andere, dann wissen wir letztlich nichts Gesichertes über Gott, über Jesus und über die ewigen Fragen. Die Naturwissenschaft kann bei solchen Fragen schon aus methodischen Gründen nicht weiterhelfen. Denn Gott ist „transzendent“, d.h. er steht als Schöpfer jenseits dieser Welt – genau wie ein Regisseur hinter einem Film steht, im Film selbst aber nicht zu sehen ist. Auch wenn wir den Inhalt eines Films ganz genau erforschen – seine Handlung, die Schauspieler, die Kulissen, die Musik und die Spezialeffekte – wissen wir trotzdem so gut wie nichts über den Regisseur. Wir können zwar spekulieren, was uns der Film vielleicht über das Wesen des Regisseurs sagen könnte. Aber das bleibt Spekulation – es sei denn, der Regisseur baut sich selbst in eine Filmszene ein, so wie es Alfred Hitchcock regelmäßig getan hat. Noch viel mehr erfahren wir, wenn dem Film ein „Making of“ mit einem Interview des Regisseurs beigefügt wird. Nur wenn der Regisseur sich offenbart, können wir etwas verlässliches über ihn herausfinden. Ohne eine solche Offenbarung bleibt alles Spekulation.

So ist es auch bei Gott. Wir wissen nichts über ihn – außer das, was uns die Bibel offenbart. Wenn die Bibel aber gar keine Offenbarung sondern nur ein Werk mit sich widersprechenden menschlichen Meinungen ist, dann bleibt es unserer subjektiven Einschätzung überlassen, ob wir der Bibel folgen wollen oder nicht – und dann bleibt letztlich alles subjektive Spekulation. Dann verlieren die Theologie und die Kirche letztlich ihre Grundlage, weil sie über diesen Gott überhaupt nichts Verlässliches wissen oder sagen kann.

2.   Die biblischen Wundergeschichten können nicht historisch sein!

Eine 2. Konsequenz ist: Wenn Gott nicht wundersam in die Weltgeschichte eingreift, dann können die biblischen Wundergeschichten nicht historisch sein. Entsprechend äußert Prof. Lindemann im Spiegel-Interview: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass Jesus die …  genannten Wunder getan hat. Solche Erzählungen gab es damals auch über andere große Männer.“

Was ist die Konsequenz dieser Annahme? Wenn die biblischen Wundergeschichten nicht geschehen sind, dann ist die Kernaussage des Johannesevangeliums, dass die Wunder Jesus als Messias ausweisen, falsch: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes.“ (Joh. 20, 31)

Als Johannes, der Täufer, Zweifel bekam, ob Jesus wirklich der Messias ist, schickte er aus dem Gefängnis heraus seine Jünger zu Jesus und ließ ihn fragen: Bist du der, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Die Antwort Jesu unterstreicht, wie entscheidend wichtig die Wunder dem Evangelienschreiber sind: „Geht hin und sagt Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf.“ (Luk. 7, 22) Jesus machte also deutlich: Gerade diese Wunder sind es, die Jesus als den von den Propheten angekündigten Messias ausweisen.

Eine weitere Konsequenz ist deshalb: Wenn die biblischen Wundergeschichten nicht geschehen sind, dann sind die biblischen Texte insgesamt nicht vertrauenswürdig, weil sie selbst viele Wundergeschichten eindeutig als historische Geschehnisse einstufen. Oft wird zwar behauptet, es sei für den Glauben und die theologische Aussage der biblischen Texte nicht relevant, ob diese Wunder wirklich passiert sind oder ob diese Geschichten als Gleichnisse zu verstehen sind. Die Texte selbst machen aber immer wieder deutlich, dass sie tatsächlich historisch verstanden werden wollen. Und die Tatsächlichkeit der Wunder ist ein wesentlicher Teil ihrer theologischen Aussage! Deshalb werden die Texte zwangsläufig unglaubwürdig, wenn die Wunder nicht wirklich geschehen sind. Und deshalb wird auch die theologische Aussage der Texte ausgehöhlt, wenn man mit der historischen Tatsächlichkeit der Wunder nicht rechnen möchte. Besonders dramatisch wirkt sich das bei der Auferstehung Jesu aus:

3.   Jesus kann nicht leiblich von den Toten auferstanden sein!

Wenn Gott nicht in die Geschichte eingreift, dann kann Jesus auch nicht leiblich von den Toten auferstanden sein. Zumindest in der praktischen Forschung müssen Theologen dann von natürlichen Ursachen für die Entstehung des Osterglaubens ausgehen. Aber welche Ursachen könnten das sein? Die Jünger könnten Visionen oder Halluzinationen gehabt haben. Sie könnten sich selbst etwas eingeredet haben. Oder sie könnten ihr Festhalten an den Ideen und den Lehren Jesu mit dem Bild von der Auferstehung verknüpft haben.

Solche Theorien haben lange Zeit breiten Raum in der Theologie eingenommen. Conzelmann und Lindemann schreiben dazu: „Die immer wieder diskutierte Frage, ob die Auferstehung Jesu ein „historisches Ereignis“ sei, ist von vornherein abzuweisen.“ (S. 524) Im Spiegel-Interview wird Prof. Lindemann noch deutlicher: „Man würde auf dem Film die von Paulus erwähnten Menschen (die den Auferstandenen gesehen haben), vielleicht ihre Reaktionen, aber gewiss kein filmisch wahrnehmbares Gegenüber sehen.“

Wichtig ist, festzuhalten: Solche Theorien wurden nicht etwa aus einer genaueren Analyse der biblischen Texte abgeleitet, denn diese geben solche Deutungen ganz sicher nicht her. In den biblischen Ostergeschichten haben die Jünger Jesus angefasst. Sie haben mit ihm gesprochen. Sie haben mit ihm zusammen gegessen. Sie haben vom leeren Grab berichtet. Wenn Theologen trotz dieser absolut eindeutigen Texte zu dem Schluss kommen, die Auferstehung wäre nur eine Vision gewesen, dann steht dahinter besonders offenkundig die außerwissenschaftliche Denkannahme, dass es so etwas wie eine Auferstehung von den Toten aus biologischen Gründen eben nicht geben kann.

Die Konsequenz für den christlichen Glauben ist dramatisch. Denn wenn das Grab nicht leer war, verliert die christliche Auferstehungshoffnung im Kern ihre Basis. Die Bibel macht den Gläubigen ja ebenfalls Hoffnung auf eine eigene Auferstehung. Dabei gründet sie die Auferstehungshoffnung für die Christen auf die Auferstehung Jesu! Wie sollen wir auf unsere eigene Auferstehung hoffen, wenn Paulus schon in Bezug auf die Auferstehung Jesu geirrt hat? Entsprechend spricht Paulus dann auch Klartext, wenn er sagt: Wenn Jesus nicht auferstanden ist, „dann ist euer Glaube nutzlos …, dann lasst uns Feste feiern und uns betrinken, denn morgen sterben wir!“ (1. Korinther 15, 17+32) Die Auferstehungshoffnung stand von Beginn an im innersten Zentrum des christlichen Glaubens. Sie hat dazu geführt, dass sich das Christentum trotz massiver Verfolgung so rasant ausbreiten konnte. Wer die Botschaft vom leeren Grab durchstreicht, streicht die christliche Hoffnungsbotschaft im Kern durch.

4.   Es wird nicht mit vorhersagender Prophetie gerechnet!

Wenn Gott nicht in die Geschichte eingreift, dann gibt es auch keine vorhersagende Prophetie. So schreiben Conzelmann und Lindemann zum Beispiel: „Ebenso wie Matthäus (und wohl auch Markus) ist Lukas jedenfalls nach 70 verfasst worden; in Lk. 21,10 ist unmissverständlich auf die Belagerung Jerusalems am Ende des Jüdischen Krieges und auf die Zerstörung der Stadt angespielt.“ (S. 343) Die Autoren befassen sich in diesem Abschnitt mit der Frage: Wann sind eigentlich die Evangelien verfasst worden? Und ihre Argumentation lautet: Im Lukasevangelium spricht Jesus von der Belagerung und Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Das ereignete sich im Jahr 70 nach Christus. Deshalb – so die Schlussfolgerung – müssen die Evangelien nach 70 nach Christus geschrieben worden sein. Denn erst da wusste man ja von dieser Zerstörung.

Dieses Argument ist für Conzelmann und Lindemann so stark, dass andere Argumente für eine frühere Entstehung der Evangelien gar nicht erst diskutiert werden: Denken wir nur an die Apostelgeschichte, die ganz plötzlich noch zu Lebzeiten des Paulus endet. Paulus starb etwa Mitte der 60iger Jahre den Märtyrertod. Warum hört die Apostelgeschichte vorher auf? Warum schrieb Lukas zwar ausführlich über den Märtyrertod von Stephanus, während er den Tod von Paulus und Petrus mit keinem Wort erwähnt? Warum kommt insgesamt die Zerstörung Jerusalems und des Tempels abgesehen von diesen prophetischen Ankündigungen nirgends vor im Neuen Testament? Dazu muss man sich vor Augen führen: Die Zerstörung des Tempels war sicher ein extrem traumatisches Erlebnis für alle Juden. Dass dieses Ereignis nirgends erwähnt wird ist eigentlich ein mächtiges Argument für eine frühere Datierung. Aber das zählt natürlich nicht, wenn man die Denkvoraussetzung hat, dass es vorhersagende Prophetie nicht gibt.

Aber der Ausschluss vorhersagender Prophetie hat noch mehr dramatische Konsequenzen: Wenn es keine biblischen Vorhersagen gibt, dann sind etwa 30 % der biblischen Texte eine Vorspiegelung falscher Fähigkeiten. Die Bibel ist schließlich voll von Prophetien und Vorhersagen und von der Behauptung, dass Vorhersagen sich tatsächlich erfüllt haben. Sie warnt sogar selbst vor falschen Propheten, die nur vortäuschen, etwas über die Zukunft zu wissen (z.B. 5. Mose 18, 22). Wenn aber die biblischen Propheten selbst nichts über die Zukunft wussten und zugleich vor falschen Propheten gewarnt haben, die nichts über die Zukunft wissen, dann müssten wir ihnen einen äußerst fragwürdigen Charakter unterstellen.

Eine weitere Konsequenz aus der Ablehnung vorhersagender Prophetie ist, dass die biblischen Texte erst spät nach den prophezeiten Ereignissen entstanden sind oder zumindest nachträglich manipuliert wurden. In der Folge sind dann auch die Evangelien keine Augenzeugenberichte mehr, weil sie erst viele Jahrzehnte nach Jesu Tod aufgeschrieben wurden. Die Konsequenz daraus ist, dass die Evangelien nicht den historischen Jesus zeigen sondern nur die Vorstellungen der urchristlichen Gemeinde über Jesus beschreiben. Prof. Lindemann sagt dazu im Interview: Dass es sich bei den Evangelien um Lebensbeschreibungen Jesu handelt, wird „seit Jahrzehnten von keinem ernst zu nehmenden Exegeten mehr behauptet.“ Ganz offenkundig handelte es sich bei dieser Sichtweise also nicht etwa um eine Außenseiterposition sondern vielmehr um den Mainstream in der universitären Theologie. Aber wie können wir einem Jesus vertrauen, von dem wir nichts Verlässliches wissen, weil die einzigen Aufzeichnungen über ihn religiös ausgeschmückte, verfälschte Geschichten sind? Ich könnte das jedenfalls nicht. Und ich habe Verständnis, dass viele Zeitgenossen in Bezug auf die Bibel abschalten und aus der Kirche austreten, wenn sie solche Äußerungen von Theologen hören.

Angesichts derart dramatischer Konsequenzen für den christlichen Glauben und die Kirche stellt sich umso mehr die Frage:

Hat sich der methodische Naturalismus in der Bibelwissenschaft bewährt?

Anders gefragt: Hat es sich denn gelohnt, diesen hohen Preis in der Theologie zu bezahlen? Eine gute wissenschaftliche Theorie zeigt sich ja daran, dass sie sich mit der Zeit verfestigt, dass sie immer stabiler wird, dass sie Vorhersagen machen kann, die dann auch tatsächlich eintreffen und dass unterschiedliche Wissenschaftler bei der Erforschung des gleichen Gegenstands zu den gleichen Schlüssen kommen. Ist das so in der universitären Bibelwissenschaft? Können wir das beobachten in der vom methodischen Naturalismus geprägten Theologie? Haben wir heute mehr Klarheit darüber, worin die Botschaft der Bibel besteht und wie ihre Texte auszulegen sind? Haben wir mehr Klarheit, was eigentlich das Evangelium ist und was im Zentrum der christlichen Botschaft steht? Und haben wir heute ein genaueres Bild vom historischen Jesus und von dem, was Jesus wirklich gelehrt und verkündigt hat? Sah Jesus sich selbst als Messias oder nicht? Wollte er eine Kirche gründen oder nicht? War Maria wirklich Jungfrau? War sein Tod ein bewusstes, stellvertretendes Sühneopfer oder war Jesus einfach ein Opfer der römischen Justiz? Ist Jesus wirklich auferstanden? Oder haben die Jünger nur Visionen gesehen? War das Grab wirklich leer? All das sind ja keine Randthemen des christlichen Glaubens. Und doch ist die Vielfalt an Meinungen zu allen diesen Themen und Fragestellungen fast unübersehbar. Der Theologe Prof. Heinzpeter Hempelmann schrieb deshalb:

„Wenn die Anwendung eines methodischen Instrumentariums bei der Auslegung biblischer Texte zu völlig unterschiedlichen und sogar gegensätzlichen Ergebnissen führt, gibt dies …  Anlass zur Rückfrage nach der Stringenz des Methodenkanons. … Christlicher Glaube und christliche Kirche haben seit nunmehr fast 2000 Jahren sehr genau gewusst, wovon im Neuen und Alten Testament die Rede ist, und genau dies hat diese religions-geschichtlich einzigartige Bewegung zur Bewegung gemacht und bis heute in Bewegung gehalten. Wenn wir dies heute mit unseren Methoden nicht mehr einzuholen wissen, … wenn neutestamentliche Exegese nicht mehr sagen kann oder will, wer der Jesus des Neuen Testamentes historisch ist, dann ist das bezeichnend für heutige Wissenschaft vom Neuen Testament.“[4]

Wenn Prof. Hempelmann mit dieser Aussage recht hat, dann müssten wir eigentlich konsequenterweise sagen: Nein, das spricht nicht dafür, dass die moderne historisch-kritische Methode ein erfolgreicher wissenschaftlicher Ansatz ist. Das wäre ein guter Grund, diesen methodischen Ansatz in Frage zu stellen, weil er keine stabilen Ergebnisse zu den zentralen Fragen der Bibelauslegung liefern kann.

10 Argumente für die Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Offenbarungsqualität der Bibel

Eine weitere Konsequenz des methodischen Naturalismus in der Theologie ist, dass Argumente für die Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Offenbarungsqualität der Bibel gar nicht erst diskutiert werden. Wer schon vor Beginn seiner Forschung die Vorentscheidung getroffen hat, dass es keine Wunder und keine Offenbarung gibt, der braucht sich mit Argumenten für die Historizität der Wunder und der Offenbarungsqualität der Bibel erst gar nicht auseinandersetzen. Denn das wäre ja unwissenschaftlich. Wie Schade! Denn in Wahrheit gibt es phantastische Argumente dafür, dass die Bibel tatsächlich ein Wunder göttlicher Offenbarung ist. 10 dieser Argumente wollen wir nun genauer betrachten:

1.   Die einzigartige Überlieferungs­qualität

Die ältesten Abschriften bekannter antiker Texte wie z.B. die Annalen von Tacitus oder die Ilias von Homer sind mindestens 400 Jahre jünger als das Original. Oft ist die Zeitdifferenz zwischen der Abfassung der Texte und der ältesten erhaltenen Abschrift noch viel größer. In allen Fällen haben wir nur relativ wenige historische Abschriften.

Beim Neuen Testament sieht das vollkommen anders aus. Die ältesten Abschriften, die wir heute noch besitzen, sind nur etwa 60 Jahre nach den Originalen entstanden. Dazu kommt: Es gibt ganze Berge von antiken Zeugnissen! Wir verfügen heute über ca. 5700 griechische Handschriften. Dazu kommen Übersetzungen ins Lateinische und in andere Sprachen sowie zahllose Zitate in antiken Schriften.

Das heißt: Die Qualität der Überlieferung des Neuen Testaments spielt im Vergleich zu allen anderen antiken Schriften in einer ganz eigenen Liga! Kein anderes Dokument ist auch nur annähernd so verlässlich überliefert wie das Neue Testament.

An der Universität Münster werden alle diese Textzeugnisse genau ausgewertet mit dem Ziel, einen möglichst genauen Urtext zu rekonstruieren. Das Zwischenergebnis ist: 99,9 % des Textes hat sich als absolut zuverlässig erwiesen! Der Projektleiter Prof. Holger Strutwolf sagt: „Insgesamt ist die Überlieferung der Bibel sehr gut und sehr treu. In den theologischen Punkten gibt es unter den Abertausenden Handschriften kaum Abweichungen.“ [5] Anders ausgedrückt: Wir können uns darauf verlassen, dass das, was wir heute lesen, tatsächlich das ist, was die biblischen Autoren damals geschrieben haben!

2.   Die Texteigenschaften authentischer Augenzeugenberichte

Die sehr gute Qualität der Überlieferung muss allerdings noch nicht heißen, dass ihre Inhalte zuverlässig sind. Haben sich die biblischen Autoren vielleicht nur lückenhaft erinnert, vieles verdreht und verwechselt?

Dagegen sprechen einige Eigenschaften des Textes im Neuen Testament, die darauf hindeuten, dass hier tatsächlich Augenzeugen geschrieben haben. Besonders eindrücklich ist die korrekte Häufigkeit der Namen und die richtige Namensverteilung in den Evangelien. Die Verwendung von Namen war schon immer eine Frage des Geschmacks, der einem starken Wandel unterlag. Durch die Auswertung von Gräbern konnte inzwischen recht gut rekonstruiert werden, welche Namen zur Zeit des Neuen Testaments besonders in Mode waren: 15,6 % aller Männer trugen die 2 häufigsten männlichen Namen Simon und Joseph. 28 % aller Frauen hießen entweder Maria und Salome. Dieser Befund deckt sich sehr genau mit der Häufigkeit der Namen im Neuen Testament. Besonders erstaunlich ist: Der Vergleich der 9 häufigsten Männernamen der damaligen Zeit mit den 9 häufigsten Männernamen im Neuen Testament deckt sich das sogar ganz hervorragend.

Das ist deshalb so bedeutsam, weil man eine genaue Namensverteilung Jahrzehnte später nicht mehr rekonstruieren kann. Ganz offenkundig haben hier also Leute geschrieben, die genau wussten, wie die Leute, die in den Geschichten vorkamen, tatsächlich hießen.

Das gleiche gilt für die zahlreichen Ortsnamen, die wir in den Evangelien finden. Interessant ist dabei der Vergleich mit den apokryphen Evangelien: Dort kommen Ortsnamen nämlich kaum vor! Das zeigt: Ortsnamen verwendet man nur, wenn man sich wirklich auskennt. Leute, die einen Bericht sehr viel später verfassen, können sich an solche Details ganz offenkundig nicht mehr erinnern.

Darüber hinaus enthält das Neue Testament zahlreiche korrekte historische Angaben. Prof. Puolimatka zitiert dazu den Forscher Colin Hemer, der die Kapitel 13 – 28 der Apostelgeschichte auf historisch überprüfbare Angaben ausgewertet hat. Im Ergebnis konnte Hemer in den 16 Kapiteln 84 korrekte historische Angaben nachweisen.[6] Das zeigt: Hier schreibt jemand, der wirklich dabei gewesen ist und entweder selbst Augenzeuge war oder aber seine Berichte auf Basis von Augenzeugenberichten erstellt hat, so wie Lukas das ja auch selbst von seinen Berichten behauptet hat.[7]

3.   Der enorme Erfolg in der Zeit und der Region der Augenzeugen

Es ist relativ einfach, wilde Geschichten über Ereignisse in weit entfernten Regionen in längst vergangenen Zeiten zu verbreiten, weil sie von niemand überprüft werden können. Ganz anders ist das bei Berichten über Ereignisse, die in der eigenen Zeit und der eigenen Region stattgefunden haben. Trotz dieser Überprüfbarkeit haben sich die biblischen Berichte in der Zeit und der Region der Augenzeugen extrem schnell ausgebreitet. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet, dass Kaiser Nero bereits im Jahr 64 nach Christus den Christen den Brand Roms in die Schuhe geschoben hat. Das heißt: Trotz fehlender Kommunikations- und Verkehrsmittel hatte sich die christliche Botschaft bereits 30 Jahre nach Jesu Tod bis ins weit entfernte Rom derart erfolgreich ausgebreitet, dass Nero sich genötigt fühlte, dieser neuen Religion einen kräftigen Dämpfer zu verpassen!

Der Althistoriker Dr. Jürgen Spieß berichtet, dass es unter Historikern völlig unbestritten ist, dass sich das Leben der Nachfolger Jesu in einem unglaublichen Ausmaß umgekrempelt hat. Bei sehr vielen Menschen gab es ganz offenkundig einen drastischen Bruch mit fest verankerten Traditionen. Besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass so viele streng monotheistische Juden plötzlich begannen, den gekreuzigten Jesus als Gott anzubeten! Damals hatte Tradition eine sehr viel stärkere Bindungskraft als heute. Für einen derart drastischen Traditionsbruch fehlt bis heute jede natürliche Erklärung![8]

4.   Die extreme Opferbereitschaft der Zeugen

Der Geschichtsschreiber Tacitus berichtet eindrücklich von der grausamen Christenverfolgung in Rom: „Nero gab denen, die … das Volk Christen nannte, die Schuld und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen. … In Felle wilder Tiere eingenäht wurden sie von Hunden zerfleischt oder mussten ans Kreuz geschlagen und angezündet nach Einbruch der Dunkelheit als nächtliche Beleuchtung brennen.“

Der Bericht von Tacitus ist nur einer von vielen Belegen, die zeigen: Die erste christliche Generation war einem brutalen Verfolgungsdruck ausgesetzt. Die meisten der Jünger Jesu starben den Märtyrertod. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus berichtet, dass auch Jakobus, der leibliche Bruder Jesu, der die Gemeinde in Jerusalem mit geleitet hat, den Märtyrertod für seinen Glauben an Jesus starb. Ist eine derartige Opferbereitschaft überhaupt denkbar, wenn Jesus nicht tatsächlich sichtbar auferstanden ist?

Die Jünger Jesu (und erst recht sein leiblicher Bruder Jakobus) wussten genau, ob die Botschaft von der Auferstehung stimmt oder ob es sich um eine Lüge handelt. Diese Menschen haben nicht nur ihr Leben umgekrempelt, sie haben nicht nur ihre Tradition über Bord geworfen, sie waren auch noch bereit, für diese Botschaft in den Tod zu gehen. Kann man all das wirklich durch eine Lüge oder durch einen psychologischen Effekt erklären?

5.   Das ungewöhnliche, unpopuläre Gottesbild

Zumal man eine Lüge normalerweise nur dann in die Welt setzt, wenn man sie für erfolgversprechend hält und man sich von ihr einen Vorteil verspricht. Aber was für ein Vorteil sollte das bei der Botschaft der ersten Christen gewesen sein? Ihre Botschaft war doch extrem seltsam: Ein göttlicher König, der weitgehend unbemerkt bei unbedeutenden Leuten in einem Stall geboren und dann am Kreuz ermordet wird. Im 5. Mose 21, 23 ist zu lesen: „Ein [am Holz] Aufgehängter ist verflucht bei Gott.“ Der Kreuzestod wurde in der damaligen Kultur so verachtet, dass es bis zum 4. Jahrhundert gedauert hat, bis das Kreuz zunehmend zum Symbol der Christen wurde. Es ist somit kein Wunder, dass Paulus schrieb: „Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“ (1. Kor. 1, 23) Die Botschaft vom gekreuzigten Gott war also alles andere als attraktiv! Sie war im Gegenteil eine Provokation und ein Ärgernis. Und trotzdem war sie unfassbar erfolgreich, so dass reihenweise Menschen bereit waren, für diese Botschaft zu sterben. Wie kann man sich das erklären außer dadurch, dass die Ereignisse, die im neuen Testament geschildert werden, wirklich geschehen sind und dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist?

6.   Die drastische Ehrlichkeit und
fehlende Idealisierung

Geschichtsschreiber wurden in der Antike oft von Herrschern beauftragt oder zumindest streng kontrolliert. Deshalb wurden viele Herrscher zu Helden oder gar zu Göttern verklärt. Deshalb wurden viele Herrscher zu Helden oder gar zu Göttern verklärt. Dazu wurde die eigene Nation oft heroisiert und so dargestellt, als wäre ihre Geschichte voll von ruhmreichen Heldentaten. Wir kennen das auch von heutigen Diktatoren. Nicht so in der Bibel! In ihr finden wir keine idealisierten Überflieger. In ihr finden wir nur Menschen mit Stärken und Schwächen.

Selbst die größten Helden der biblischen Geschichte blamieren sich reihenweise bis auf die Knochen: Noah hat sich betrunken. Abraham, der Vater des Glaubens, hat seine Frau mehrfach feige im Stich gelassen. Die Karriere Jakobs, des Namensgebers Israels, basierte auf einem Betrug. Mose war ein Mörder. Das Volk Israel war glaubensschwach und untreu. König David war ein Ehebrecher und Mörder. Der weise König Salomo betete Götzen an. Petrus hat Jesus verleugnet. Paulus hat sich mit Barnabas und Petrus zerstritten…

Besonders auffällig: Frauen waren die ersten Zeugen der Auferstehung! Das ist bemerkenswert, denn das Zeugnis von Frauen galt damals als wertlos.[9] Wer seine Mitmenschen von der Auferstehung überzeugen wollte brauchte also Männer als Zeugen. Und wer Andere von der Autorität und dem Vorbildcharakter eines Abraham, Jakob oder Petrus überzeugen will, braucht Helden statt Versager. Trotzdem ist die Bibel durchgängig ehrlich und realistisch. Sie hat diesen einzigartigen Klang der Wahrheit, der sie von allen Epen und Heldengeschichten unterscheidet.

7.   Die durchgängige Geschichte

Die Bibel besteht aus 66 Büchern. Sie wurde von mindestens 40 Autoren verfasst, die über einen Zeitraum von etwa 1600 Jahren in völlig verschiedenen Kulturen gelebt haben. Trotzdem enthält die Bibel eine durchgängige, sich immer weiter entfaltende Geschichte. Sie beginnt damit, wie die Beziehung zwischen Gott und Menschen zerbricht. Und sie endet damit, wie diese Beziehung wiederhergestellt wird und Gott wieder bei den Menschen wohnt. Durchgängig schildert die Bibel diesen heiligen und zugleich liebenden Gott, der alles dafür tut, um die Beziehung zu den Menschen wiederherzustellen. Schon auf den ersten Seiten beginnen die Hinweise auf einen geheimnisvollen Nachkommen Evas, der zwar von der Schlange gebissen, ihr aber den Kopf zertreten wird. (1. Mose 3, 15) Danach folgt die Bibel durchgängig immer dieser einen Abstammungslinie, die schlussendlich zu Jesus führt.

Insgesamt finden sich etwa 63.000 Querverweise in der Bibel. Grafisch dargestellt wird deutlich: Die Bibel ist ein Gesamtkunstwerk, in dem jeder Text mit vielen anderen Texten verknüpft ist. Die große Frage ist: Wer hat in diesem Buch die Regie geführt? Wer hat den roten Faden durch dieses Buch gelegt? Wer hat darauf geachtet, dass alle 40 Autoren an dieser einen Geschichte weiterschreiben?

8.   Die zahllosen erfüllten Vorhersagen

Die Bibel ist ein Buch, das ein gewaltiges Risiko eingeht. Etwa 30 % der biblischen Texte enthalten prophetische Vorhersagen für die Zukunft. Zugleich wird immer wieder gewarnt: Wenn Vorhersagen nicht eintreffen, dann müssen die Propheten verworfen werden. Es ist höchst gefährlich, solche Texte zu schreiben, wenn man die Zukunft nicht wirklich vorhersehen kann. Die Bibel ist dieses Risiko eingegangen. Und das Gewaltige ist: Tatsächlich haben sich zahllose Vorhersagen der Bibel buchstäblich erfüllt:

Der Prophet Jesaja sagte nicht nur voraus, dass der Tempel zerstört wird, sondern auch, dass er später wieder aufgebaut wird. Er nannte sogar den Namen des Herrschers Kyrus, der diesen Wiederaufbau voranbringen wird (Jes. 44, 28).

Der Prophet Daniel sagte die nach ihm kommenden 4 Weltreiche voraus. Über Jesus gibt es zahlreiche Vorhersagen: Die Geburt in Betlehem (Micha 5, 1), die Abstammung aus dem Stamm Juda (1. Mose 49, 10), der Einzug in Jerusalem auf einem Esel (Sacharja 9, 9) sowie viele Details und sogar der Zeitpunkt der Kreuzigung (Psalm 22, Jesaja 53, Daniel 9, 24-27[10]).

Dass es viele korrekte Vorhersagen in der Bibel gibt, ist weitgehend unbestritten. Deshalb wird seit langem diskutiert, ob entweder die Texte oder aber die spätere Geschichte nachträglich manipuliert wurden. So könnten z.B. die Evangelisten behauptet haben, dass Jesus in Bethlehem von einer Jungfrau geboren wurde, damit es gut zu den prophetischen Vorhersagen passt – obwohl Jesus eigentlich in Nazareth geboren worden war. Die Frage ist nur: Ist das glaubwürdig? Hat zum Beispiel Jakobus, der leibliche Bruder Jesu und Leiter der Gemeinde in Jerusalem, wirklich die Behauptung des Geburtsorts Bethlehem mitgetragen, obwohl er genau wusste, dass das gar nicht stimmt? Haben die jüdischen Schriftgelehrten, denen doch eine ausgeprägte Ehrfurcht vor ihren heiligen Texten nachgesagt wird, wirklich regelmäßig und in großem Umfang die Texte der Propheten manipuliert, um nachträglich den Anschein zu erwecken, dass es sich um korrekte Vorhersagen handelt?

Besonders schwierig zu erklären sind die Vorhersagen, die die Bibel für die Neuzeit gemacht hat. Schon in den Mosebüchern lesen wir erstaunliche Vorhersagen über das Volk Israel: Das Volk würde unter alle Nationen zerstreut und dort verfolgt werden (5. Mose 28, 64-65, 3. Mose 26, 38). In der Zeit des Alten Testaments ist Israel zwar verschleppt worden. Aber die Zerstreuung unter alle Nationen begann tatsächlich erst im 1. Jahrhundert nach Christus. Seither gab es kein Volk, dass durch alle Zeiten hindurch und in allen Kulturen so irrational gehasst und verfolgt worden ist wie die Juden, so dass fast jedes Kind den Fachbegriff kennt für diesen Hass: Antisemitismus. Für welches andere Volk kennen wir einen solchen Begriff?

Am unglaublichsten aber ist sicher die vielfache biblische Vorhersage, dass die Juden aus allen Ecken der Welt wieder in ihr Land zurückkehren werden (Hes. 11,17; 36,13; Jes. 43,5-6; Jer. 16,14-15). Viele Jahrhunderte lang schien die Erfüllung dieser Vorhersagen undenkbar. Aber seit dem Ende des 19. Jahrhunderts geschieht es vor unseren Augen: Die Juden kehren in ihr Land zurück aus allen Ländern der Welt. Wir müssen uns klar machen, was da geschehen ist: Ein Volk, das 2000 Jahre lang in alle Welt verstreut ist, behält trotzdem seine Kultur und seine Identität und kehrt dann wieder zurück in sein Land. Das ist ein absolut einmaliger Vorgang der Weltgeschichte. Die Bibel hat genau das schon vor mehr als 2.000 Jahren vielfach angekündigt.

Jesus hat zudem angekündigt, dass seine Worte nie vergehen (Lukas 21,33) und in aller Welt gepredigt werden (Matth. 24,14) – eine extrem gewagte Ankündigung für einen Wanderprediger in einem unbedeutenden Land, der seine Worte nicht einmal aufgeschrieben hat. Heute ist die Bibel tatsächlich das mit großem Abstand am weitesten verbreitete und am meisten übersetzte Buch der Welt. Wir stehen kurz davor, dass buchstäblich jedes Volk der Erde die Worte Jesu in seiner Sprache hören kann. Können das denn wirklich alles Zufälle sein?

9.   Das zutreffende Welt- und Menschenbild und die wegweisende Ethik

Die Bibel liefert insgesamt ein Weltbild, das den Test der modernen Wissenschaft hervorragend bestanden hat! Sie sagt voraus, dass wir bei der Erforschung der Welt immer mehr natürliche Erklärungen für die Naturphänomene finden werden, weil das Geschaffene nicht göttlich ist und somit nach festen Gesetzen funktioniert. Aber sie sagt auch voraus, dass wir bei den Ursprungsfragen immer mehr Anzeichen von Design und bewusster Planung finden werden, weil die Welt von Gott geschaffen wurde. Tatsächlich können wir heute staunen über die extreme Feinabstimmung des Universums oder über extrem ausgeklügelte molekulare Maschinen. Je mehr Entdeckungen wir machen, umso mehr bestätigen sich die biblischen Vorhersagen.[11]

Das gilt auch für das biblische Menschenbild. Die Bibel verleiht jedem Menschen zwar eine unveräußerliche Würde, zugleich schmiert sie uns Menschen aber auch keinen Honig um den Mund. Sie schildert sehr realistisch, dass der Mensch im Kern eben nicht gut, sondern unheilbar mit dem Bösen verstrickt ist (1. Mose 8,21; Röm. 3,12). Die Weltgeschichte hat diese Sichtweise durchgängig und eindrücklich bestätigt. Gesellschaftssysteme, die auf einen guten Kern im Menschen setzen (Sozialismus, Kommunismus) sind bislang immer krachend gescheitert. Erfolgreich waren hingegen Systeme, die auf dem menschlichen Egoismus aufbauen (Kapitalismus, soziale Marktwirtschaft) und in denen jeder Mensch, der Macht hat, effektiv kontrolliert wird (Demokratie).

Umso wertvoller sind die herausragenden biblischen Texte über Ethik und ein gelingendes menschliches Zusammenleben. Texte wie die 10 Gebote oder die Bergpredigt haben weltweit die Kulturen mehr geprägt als jedes andere Buch der Welt.

10.    Der Selbstanspruch, göttliche Offenbarung zu sein

Die Bibel ist voller Aussagen, dass in ihr nicht primär Menschen sprechen sondern Gott selbst. Jeremia schreibt zum Beispiel: „Der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“ (Jer. 1,9) Ganz ähnlich äußert sich Paulus, wenn er sagt: „Das Evangelium, das von mir gepredigt ist, ist nicht von menschlicher Art … sondern eine Offenbarung Jesu Christi.“ (Gal. 1,11-12) Diese extrem steilen Selbstbehauptungen führen zu einer großen Frage:

Die Bibel: Was ist das eigentlich?

Ist die Bibel einfach eine Sammlung inspirierender Berichte über religiöse Erfahrungen und Ideen? Sind das kluge Lehren über Gott und Moral? Tatsache ist: Genau das wollen die biblischen Texte ausdrücklich nicht sein! In der Welt gibt es viele religiöse Erfahrungsberichte und interessante Abhandlungen über religiöse Themen. Aber dieses Buch hat den Anspruch, eine Offenbarung Gottes zu sein! Wenn jemand seine Lehre oder seine Erfahrungen mit diesem Anspruch verknüpft, dann müssten wir doch eher sagen: So ein Text muss ein Werk von Lügern oder die Phantasie von religiösen Schwärmern sein. Aber passt diese These zu den Eigenschaften der biblischen Texte? Denken wir an die wegweisende Ethik, das zutreffende Welt- und Menschenbild, die vielen erfüllten Vorhersagen, die extreme Opferbereitschaft der Zeugen, die extreme Ehrlichkeit der biblischen Texte… Nein, hier waren keine Lügner und auch keine Schwärmer am Werk. Die Inhalte und Eigenschaften der Texte sprechen vollkommen dagegen.

Aber was ist die Bibel dann? Es bleibt nur eine Möglichkeit: Die Bibel ist das, was sie selbst behauptet zu sein: Gottes offenbartes Wort. Tatsächlich bezeugen Menschen in der ganzen Welt: Dieses Buch verändert Leben. Es verändert ganze Kulturen.[12] Wir haben wirklich allen Grund, diesem Buch unser Vertrauen zu schenken, unser Leben und unsere Gesellschaft darauf aufzubauen.                                 n

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Dr. Markus Till, veröffentlicht im April 2020

Die Inhalte dieses Artikels wurden zunächst für einen Vortrag erarbeitet, der am 1.11.2019 auf einer Tagung des deutschen christlichen Technikerbunds (DCTB) gehalten wurde.

Weiterführend zu diesem Thema sind im AiGG-Blog (blog.aigg.de) folgende Artikel erschienen:

[1] Sehr empfehlenswert dazu ist der Worthausvortrag von Prof. Peter Wick „Das Mys­te­ri­öse – Von der rationalen Wunderkritik über den postmodernen Wunderglauben zurück zu Jesus“

[2] Tapio Puolimatka, „Glaube, Naturwissenschaft und Bibel“, Ruhland-Verlag, 2018, S. 28

[3] „Ist Jesus dem Glauben im Weg“, Der Spiegel, 13.12.1999

[4] In: „Was heißt christlicher Glaube? Reflexionen über einen ebenso notwendigen wie unmöglichen Begriff“, in: Theologische Beiträge 44 (2013) 4/5, S.

185–201, hier: S. 197.

[5] Nähere Informationen dazu im AiGG-Artikel „Meister der Überlieferung“(blog.aigg.de/?p=1924)

[6] In T. Puolimatka: „Glaube, Wissenschaft und die Bibel“, Ruhland-Verlag 2018, S. 486 ff.

[7] Lukas 1, 1-4; Man beachte dazu auch die Passagen der Apostelgeschichte, die in „Wir-Form“ verfasst sind, z.B. Apg. 16, 10 ff.

[8] Siehe dazu z.B. den Vortrag von Dr. Jürgen Spieß: „Ein Althistoriker über die Glaubwürdigkeit des NT“

[9] So schrieb z.B. der jüdische Geschichtsschreiber Josephus: „Das Zeugnis der Frau ist nicht rechtsgültig wegen der Leichtfertigkeit und Dreistigkeit des weiblichen Geschlechts.“

[10] Siehe dazu den AiGG-Artikel: „Hat Daniel das Datum der Kreuzigung vorhergesagt?“ (blog.aigg.de/?p=2204)

[11] Siehe dazu der Vortrag von Markus Till: „Außerwissenschaftliche Vorannahmen – Denkvoraussetzungen von Wissenschaftlern und Theologen“

[12] Die kulturverändernde Kraft der Bibel wurde eindrücklich dargelegt vom Inder Vishal Mangalwadi in seinem „Buch der Mitte“.

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Starke Argumente – Warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

22 thoughts on “Starke Argumente – Warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen

  1. Die Bibel – Gottes offenbartes Wort?
    Die von Herrn Dr. Markus Till aufgeführten 10 Begründungen habe ich lange Zeit selbst geglaubt und nach außen vertreten. Seine Fakten erscheinen auf den ersten Blick sorgfältig zurecht gelegt. In der Summe wirken jene jedoch wie schützende Feigenblätter vor massigen Vorwürfen. In meiner letzten Glaubenszeit als Christ habe ich mich immer wieder gefragt: Sollte doch etwas an den Argumenten der Bibelkritiker dran sein? Was wären die Folgen? Es war mir klar: Dann stürzt der ganze Bau ein – wie ein Kartenhaus! Da hat sogar Herr Dr. Markus Till in seiner Beurteilung Recht ( siehe Konsequenz unter Punkt 2)! Der drohende Einsturz flösste mir schon Respekt ein, als Bibelkenner wusste ich was mir blüht: Dem Glauben abzusagen, den Herrn zu verlassen und sogar Gegenteiliges behaupten…. ja, da drohen ewige Strafen, Hölle, Feuer, Quälereien und keine Chance mehr zum Herrn zurück zu kommen… (siehe Hebräerbrief).
    Ich stand vor der Entscheidung: Sollte ich meine Zweifel und kritischen Erkenntnisse zur Seite wischen? Kindlichen Begründungen hatte ich zu lange vertraut! Machen wir es kurz: ich entschloss mich ehrlich zu werden, gegenüber mir und meinem Umfeld. Seither bin ich nicht mehr Christ. Was ich glaube? Das die Bibel nicht das Wort eines Gottes ist, sondern von Menschen mit zielgerichteter Interessenlage stammt. Ich schließe es nicht aus, dass es da einen Gott gibt (oder sogar mehrere Götter). Allerdings müsste es ein Gott sein, der unzweifelhaft für jeden Menschen(!) erkennbar wäre. Einer, der sich den ersten Homosapiens (und die gibt es nachweislich seit mehreren hunderttausend Jahren) offenbarte und kein Lokalgott, der erst vor ca. 4000 Jahren dem Mose ins Ohr flüsterte, was sich ca. 2000 Jahre zuvor zugetragen hat…. Na denn, wer das glauben will, der soll das gerne weiter tun!

    Freundliche Grüße

    Thomas Klepsch

    1. Lieber Thomas Klepsch, leider habe ich diesen Kommentar übersehen, so dass er versehentlich nicht freigegeben wurde. Ich bitte um Entschuldigung. Vielen Dank für Ihre Offenheit. Ihre Konsequenz nötigt mir Respekt ab. Ich finde es natürlich traurig, dass sich die Fakten aus Ihrer Sicht so darstellen. Ich versuche immer wieder, in mich hineinzuhören. Aber mich überzeugen diese Argumente wirklich. Ich finde keine Antworten außer die, dass es wirklich wahr ist. Herzliche Grüße Markus Till

  2. Lieber Till,
    danke für das spannende Thema.
    Aber warum sollte ich Glauben? Aus logischen Gründen oder weil es zweckdiendlich ist?
    Die meisten Ihrer Argumente und Einwände könnte man direkt übernehmen und einen Artikel darüber schreiben, weshalb man dem Koran vertrauen sollte, oder warum die Griechischen Götter vertrauenswürdig sind.

    Andere Argumente sind hingegen nur teilweise Korrekt.

    zb.
    Wenn ich den Umgang der „liberalen“ Theologen mit der Bibel kritisiere (Buch wie alle anderen), warum behandle ich den Koran dann wie jedes Buch?
    Auch Muslime sehen hier Wunder und Offenbarungen.

    Auch König Laios, Vater des Ödipus, erhielt Prophezeiungen. Der Text geht von der Absoluten Glaubwürdikeit seiner Erzählung aus.

    Der Kurze Abfassungszeitraum gilt für Bruchstücke des NT, doch was ist mit dem AT?

    Authentischer Augenzeugenberichte? Die Namen passen, doch liest man eine Synopse dann gibt es ungereimtheiten.
    Und was ist mit dem Historischen Problem, das Herodes und Quirinius nicht gleichzeitig ihr Amt hatten?

    Erfolg und Opferbereitschaft sind als Argument ebenfalls Schwach, trifft dies doch auch auf andere Religionen zu.

    Die drastische Ehrlichkeit und fehlende Idealisierung haben wir bei den Griechen zu genüge. Die ganze Illias basiert auf billigen Streitereien.

    Und beim Roten Faden gibt es Einschränkungen.
    Gen 4,7
    Deut 30,11
    usw (berichte über „Gerechte“)
    hier kann der Mensch sündlos sein, wir wissen aber das er dies eben nicht ist.

    usw.

    Es gibt also keinen zwingenden Grund zu Glauben, außer zu Glauben.
    Sollte dies nicht den Vorrang gegenüber einer dünnen Apologetik haben?

    Anmerkung am Rande zur Wissenschaftstheorie.
    Einheitliche Methoden und Ergebnisse? Gibt es in anderen Fächern auch nicht, siehe Psychologie (Pawlow oder Freud als extrem bspl). Ist dort auch kein Problem, solange man ein Problem irgendwie behandelt. So herrscht im AT ein minimal Konsens.
    Insbesondere Geisteswissenschaften sind für ihren Pluralismus berühmt.

    aber auch die Physik ist nicht eindeutig, sonst würde die Bestimmung von Geschwindigkeit und Ort eines Teilchens nicht so Probleme bereiten…

    Widerlegen sie mich ruhig, wenn sie wollen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Spinoza

    1. Lieber Spinoza, danke für diese Gedanken.
      Warum sollte ich glauben? Warum glaube ich? Weil der Heilige Geist in mir Glauben weckt. Und natürlich, weil es ein gigantisches Geschenk ist, sich in diesem wunderbaren, liebevollen himmlischen Vater geborgen zu wissen bis in alle Ewigkeit. Weil ich es als entscheidend wichtig empfinde, dass mein Schuldschein am Kreuz hängt. Und neben all dem bin ich auch froh, dass ich nicht gegen meinen Verstand anglauben muss, sondern dass mein Glaube auch rational begründbar und schlüssig ist.
      Sie schreiben: „Die meisten Ihrer Argumente und Einwände könnte man direkt übernehmen und einen Artikel darüber schreiben, weshalb man dem Koran vertrauen sollte, oder warum die Griechischen Götter vertrauenswürdig sind.“ Nein, das ist schlicht falsch. Der christliche Glaube ist einzigartig, weil er sich gerade nicht nur auf Behauptungen von irgendwelchen Offenbarungen gründet sondern weil er zudem auf überprüfbaren geschichtlichen Aussagen basiert. Der christliche Glaube macht sich verletzbar, weil er auf Ereignissen basiert, die – wenn sie sich als falsch herausstellen würden – dem Glauben die Basis entziehen würden. Hätte es keine Auferstehung gegeben, dann wäre der christliche Glauben nichtig. Das gibt es in keiner anderen Religion. Auch die vielen anderen Eigenschaften der Bibel, die ich beschrieben habe, treffen zumindest in diesem Umfang auf andere „heilige Schriften“ nicht zu.
      Meine Kritik an der liberalen Theologie besteht ja nicht darin, dass sie anders an die Bibel herangeht sondern darin, dass sie die „Offenbarungsthese“ prinzipiell von vornherein ausschließt. Gute Wissenschaft müsste so funktionieren, dass sie die Bibel sowohl auf Basis eines methodischen Atheismus als auch auf Basis einer Offenbarungsannahme prüft und dann vergleicht, welche Grundannahme die besseren, schlüssigeren Ergebnisse liefert. Dann hätten die Menschen die Möglichkeit, auf Basis dieses ehrlichen Vergleichs ihre Glaubensentscheidung zu treffen zu der Frage, welche Grundannahme stimmt. Wenn aber eine Grundannahme von vornherein verbannt wird, dann haben wir keine ergebnisoffene Wissenschaft mehr.
      Auch zur Überlieferung des AT gibt es beeindruckende Fakten, insbesondere die Entdeckung der kompletten Jesajarolle aus dem 2. Jhdt. v. Chr., die sich als praktisch vollständig übereinstimmend mit dem bis dahin schon gültigen Jesajatext erwiesen hat. Auch hier zeigt sich: Die Juden haben tatsächlich über Jahrtausende hinweg ihre Texte extrem detailgetreu überliefert. Das macht es mir leicht, zu vertrauen, dass die biblischen Texte tatsächlich insgesamt authentisch sind, weil es sich überall dort, wo wir Fakten dazu vorgefunden haben, bestätigt hat.
      Es passen wie gesagt nicht nur die Personen- sondern auch die Ortsnamen und viele andere Details (siehe dazu http://blog.aigg.de/?p=3296). Auch zu den angeblichen „Ungereimtheiten“ gibt es umfangreiche Antworten. Ja, es sind tatsächlich einige Fragen nicht ganz geklärt, z.B. in Bezug auf die Weihnachtsgeschichte. 2016 hat der Althistoriker Dr. Andreas Gerstacker im Rahmen einer umfangreichen Faktenanalyse dargelegt, dass auch die Weihnachtsgeschichte sehr wohl „auf soliden historischen Grundlagen ruht“. Steuerschätzungen und damit verbundene Reisen waren damals durchaus üblich. Womöglich war Quirinius zu Herodes Zeiten schon einmal als Gesandter vor Ort gewesen. Das chronologische Problem mit der Amtszeit des Quirinius könnte aber auch ganz schlicht auf einem Übersetzungsfehler beruhen (siehe dazu sein Buch „Was geschah an Weihnachten?“). Wir müssen uns aber klar machen, dass solche noch nicht letztlich geklärten Einzelprobleme einer Fülle an eindeutig bestätigten Fakten gegenüberstehen. Warum vertrauen wir im Moment eher den außerbiblischen Quellen, wenn sie mit den biblischen Quellen im Widerspruch stehen? Ich sehe dazu keinen Anlass. Lukas hat sich vielfach als verlässlicher Historiker erwiesen.
      Zur Opferbereitschaft habe ich deutlich gemacht: Ich kenne keinen Fall, in dem Leute für eine eigene Lüge gestorben sind. Die Jünger sind nicht für eine spinnerte Idee oder Ideologie in den Tod gegangen sondern für das, was sie gesehen und gehört haben: Jesus ist leiblich auferstanden. Würde die Auferstehung nicht stimmen, dann hätten sie sich reihenweise für eine eigene Lüge geopfert, die ihnen zu keiner Zeit Macht, Einfluss oder Geld gebracht hat. Und kein einziger ist im Angesicht des Henkers schwach geworden und hat die Lüge eingestanden? Das ist nicht schlüssig, dafür gibt es auch sonst keine Beispiele.
      Auch wenn es Gegenbeispiele geben mag: Wollen Sie wirklich bestreiten, dass es in historischen Texten reihenweise Beispiele von heroisierten Darstellungen gibt? Bedenken Sie, dass die Bibel aus 66 Büchern besteht. Ist es da nicht auffällig, dass es durchgängig überall über die Maßen menschelt?
      Natürlich gibt es beim roten Faden Einschränkungen. Das habe ich nie bestritten. Nicht alles in der Bibel deckt sich mühelos und passt auf den ersten Blick vollständig ineinander. Aber das Wunder bleibt, dass es dieses große übergreifende biblische Drama überhaupt gibt. Am meisten bringt mich zum Staunen, wie konsequent das ganze AT die Abstammungslinie von Jesus verfolgt, obwohl es sich dabei z.T. nicht einmal um den Erstgeborenen handelt. Welches andere antike literarische Sammelwerk liefert ein solches buchübergreifendes Drama?
      Wie gesagt: Glauben ist primär eine Wirkung des Heiligen Geistes. Es geht nicht darum, das Wirken des Geistes durch Beweise zu ersetzen, die – so wie alle historische Beweisführung – natürlich niemals abschließend zwingend sein kann. Aber warum sollten wir Christen nicht begeistert davon berichten, dass es für unseren Glauben auch zahlreiche vernünftige, rationale Argumente gibt? Warum reden wir diese Argumente selber klein? Sie müssen sich für Apologetik nicht erwärmen, wenn Sie nicht möchten. Aber meinen Glauben beflügelt das. Es ermutigt mich zusätzlich, ihn umso mehr mit Begeisterung in die Welt hinauszutragen. Und mein starker Eindruck ist: Meine evangelische Kirche hat leider auch die Begeisterung und evangelistische Leidenschaft verloren, seit sie sich ihre Apologetik von einem naturalistisch geprägten Wissenschaftsbegriff hat rauben lassen. Wie traurig!
      Herzliche Grüße,
      Markus Till

    2. Ich habe mal die „wenn“-„dann“ in dem Antwortkommentar gezählt.

      „wenn“: 61, „dann“ :59

      Prinzip: wenn dies , dann muß oder kann nur das…..

      1Kor 13,2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.

      Eph 3,19 auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt.

      Joh. 14,21 Wer sich an meine Gebote hält – und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben; und auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben.«

      Röm 13,8 Bleibt niemand etwas schuldig – außer der Schuld, die ihr niemals abtragen könnt: der Liebe, die ihr einander erweisen sollt. Wer den Mitmenschen liebt, hat alles getan, was das Gesetz fordert.

      Röm 2, 13 – es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.

      Jak 1,22 Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen!

      23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! (Ihr gebt den zehnten Teil von ´Kräutern wie` Minze, Dill und Kümmel) und lasst dabei die viel wichtigeren Forderungen des Gesetzes außer Acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Diese Forderungen sollt ihr erfüllen …..

      Jede Obrigkeit ist von Gott gegeben. Seid untertan der Obrigkeit.
      Betet für die Obrigkeiten, damit alle in Frieden leben.

      Wir sind uns alle Schuldner.

      Vergebt einander.

      Wir vergeben einander.

  3. Nach der Lektüre empfinde ich großen Schwindel.

    Ich erbitte von Ihnen als Wissenschaftler, der zu theologischen Sachverhalten wissenschaftlich wissenschaftliche Thesen Anderer durch eigene Hypothesen widerlegen will, um Offenlegung relevanter flankierender Quellenangaben zu Ihren eigenen wissenschaftlichen Hypothesen.

    1. Die Quellenangabe
      ___________________

      Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in Deinem Lichte sehen wir das Licht. Psalm 36 Vers 10

      Jesus sagt:
      Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Joh 16.13

      Nun kann man dem Einen oder dem Anderen glauben. Und der Eine oder der Andere Weg führt zu einem Ergebnis!

      Als Christ steht man nicht in der Beweispflicht, der Glaube ist ein Angebot, ohne wissenschaftliches Fundament. Jeder Mensch kann prüfen (sich selbst prüfen) wem er sein Vertrauen schenken will.

    2. Lilli, Herr Till argumentiert immer wieder sehr gern „wissenschaftlich“. Wenn er das tut, um Andere zu widerlegen, sich selbst aber nur auf seinen heiligen Geist zu berufen braucht, dann werden Äpfel und Birnen vermischt. Dann entsteht Verwirrung, eine Schieflage..

      Der Heilige Geist ist der Autorität der Bibel als heiliges Wort Gottes streng unterworfen. Wenn er das nicht ist, dann ist das Ergebnis beliebig und bestenfalls eine eigene Meinung.

      Herr Till betont immer wieder mit Recht die Autorität der Heiligen Schrift.

      Herr Till könnte sich entscheiden. Entweder verlässt er sich auf die Autorität der Schrift, oder auf seine wissenschaftlichen Versuche.

      Offensichtlich liebäugelt er mit beidem.

      So ist es an ihm, wenn, dann auch konsequenter Weise wissenschaftlich zu arbeiten. Dazu gehören hier Quellenangaben von wenigstens zwei oder drei Zeugen, die seine Hypothesen unterstreichen.

      Liebe und liebende Grüße

      1. So isses

        —Dann entsteht Verwirrung, eine Schieflage..—

        Und in dieser schiefen Lage befinden wir uns seit fast 2000 Jahren, ….auch die Verwirrung hat rapide zugenommen.

        Ich hab’s ja schon erwähnt, es geht um ,,Glauben“
        Ein Christ kann immer nur Zeuge sein, so wie Markus Till

        8) Ihr werdet aber die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Apg 1. 8

        —Der Heilige Geist ist der Autorität der Bibel als heiliges Wort Gottes streng unterworfen. —

        Das ist quatsch, der Heilige Geist, Gott und Jesus sind Eins, und niemand unterworfen. Das Wort Gottes ist die Autorität Gottes.

        Wem war denn der Heilige Geist unterworfen, als die Bibel, die Evangelien, die Apostelgeschichte noch nicht geschrieben war?

        3) Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen,
        4) und sie wurden alle voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen in anderen Zungen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Apg 2. 3,4

      2. —Der Heilige Geist ist der Autorität der Bibel als heiliges Wort Gottes streng unterworfen. —

        Damit ist gemeint, wenn ein Mensch, ein Prophet in einer Gemeinde sagt: „Der heilige Geist hat mir dies oder das über dich gesagt“, dann kann und darf dies im einzelnen oder im allgemeinen nicht im Widerspruch zur Schrift stehen, andernfalls kommt es nicht aus dem heiligen Geist, sondern aus einem unheiligen Geist.

        Ich denke an eine große Pfingstgemeinde. Sie haben 60 -in Worten sechzig- Propheten und Prophetinnen. Diese ProphetInnen haben die Aufgabe, zu anderen Gemeindegliedern zu gehen und ihnen zu „weissagen“, was sie alles falsch machen. Diese Propheten haben in der Praxis letztlich die Aufgabe, die Macht des Gemeindeführers zu stärken, der diese Propheten selbst bestimmt.
        Ein Herrschaftssystem. Diese Gemeindeoberen dienen nicht der Gemeinde, sie herrschen über die Gemeinde und und ihre Geldspender. Die Herrschenden leben dabei in Saus und Braus. Das Fußvolk spendet und ist zugleich gefügig gemacht. Ich höre an jeder Ecke von solchen und ähnlichen superfrommen Gemeinden.

        Dabei denke gerade an einen besonderen evangelikalen Glaubenskurs. Er hat in der älteren Version, die ich kenne, 160 Seiten. Dieser Glaubenskurs enthält sehr auffällig eine Buchstabenfolge: Sie lautet „Wenn wir…“. Diese Zeichenfolge ist sehr auffällig mehr als 170 mal in diesem Glaubenskurs enthalten. Nach diesem „Wenn wir….“ folgen dann Formulierungen wie „Wenn wir“ dies oder das tun oder dies oder das nicht lassen….. dann……“ ja was dann? Ich vermute…. „dann sind wir richtige und gute Christen.
        Sozusagen 170 kleine Minigesetze, Miniverordnungen, Minidogmen?
        Mir war nach der Lektüre schwindlig. Dieser Kurs ist rein seitenmäßig wohl dicker als das Evangelium des Matthäus. Ist es die Privatoffenbarung von Markus Till für alle Gemeinden?

        Ich bin mir sicher: Keiner der Autoren hier und keiner der Leser hier hat in den letzten 10 Jahren wenigstens eins der drei synoptischen Evangelien wenigstens einmal komplett am Stück gelesen, geschweige denn verstanden. Mehr Information kann Markus Till inhaltlich in seiner Offenbarung keinesfalls geschrieben haben, sonst wäre er schlauer als Jesus.
        Weil Markus Till seinen Text selbst kennt und befolgt, aber gedrängt ist, ihn an Andere und die Welt weiterzugeben, müsste der mehr als 170-fach vorkommende String „Wenn wir….“ eher lauten, „Wenn IHR….“.

        Ob dieser Glaubenskurs wenigstens das „Höchste“ und das „Wichtigste“ enthält, was Jesus gesagt und gelehrt hat, das könnt ihr selbst nachprüfen.
        aber bitte prüft auch alles, was nach dieser „Wenn wir“-Formel geschrieben ist.

        Ich frage mich allerdings, warum zum Schmittchen gehen und nicht gleich zum Schmitt? Wir haben ja das „allgemeine Priestertum“. Luther hat es schliesslich formuliert. Allerdings nicht ganz ohne Auflagen……

        Jesus hat am Ende des Evangeliums gesagt:

        Ich
        habe
        euch
        ALLES
        gesagt.

        Die Jünger Jesu waren sehr einfache Leute wie du und ich.
        Jesus hat sie einfach mitgenommen, ohne ihnen jegliche Bedingungen zu stellen.

        Ganz sicher bin ich mir, dass Jesus uns heute dringend empfiehlt: „Lest meine Worte in ihren jeweiligen thematischen Zusammenhängen. Bitte kein Bibelverspingpong kreuz und quer durch die Bibel. Daran wird man selbst irre und macht dazu andere irre.“

        Irre ich mich? In allem? Dann entschuldige ich mich jetzt schon für meine Irrtümer.

        1. Lassen wir mal die Exzesse dieser Pfingstgemeinde(n) weg. Damit könnte ich mich nie „anfreunden“. Um nicht zu sagen: ich halte das für unbiblisch.
          Auch bei Glaubenskursen (einschließlich dem Alpha-Kurs) bin ich sehr skeptisch. Ein Glaubenskurs kann gute Bibelarbeit nicht ersetzen, mich bringen mich die Gedanken / Predigten / Auslegungen weiter. Auch ein Katechismus kann hilfreich sein, sofern man sich bewußt ist, wer ihn wann zu welcher Zeit mit welchem Grundverständnis geschrieben hat.

          „Keiner der Autoren hier und keiner der Leser hier hat in den letzten 10 Jahren wenigstens eins der drei synoptischen Evangelien wenigstens einmal komplett am Stück gelesen, geschweige denn verstanden.“
          Ich bin mir sicher, dass jeder Autor und Leser hier die Evangelien in dieser Zeit mehrfach gelesen und für sich verarbeitet hat. Und ebenso bin ich der Auffassung, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Bei jedem erneuten Studium mit einem gewissen zeitlichen Abstand entdecke ich in jedem Bibeltext Aussagen, die mir vorher entgangen sind. Der Weg zum Schriftverständnis ist ein lebenslanger Prozeß, der m.E. nie abgeschlossen ist.

          „Ich frage mich allerdings, warum zum Schmittchen gehen und nicht gleich zum Schmitt?“
          Ich gehe gern zu Schmitt. Aber manchmal hat Schmittchen gute Gedanken oder Einsichten, die mir bislang verborgen sind. Natürlich prüfe ich, ob Schmittchens Darstellungen der biblischen Sicht entsprechen. Von daher nehme ich nicht alles an, was irgendein Schmittchen sagt.

          Aus
          „Ich
          habe
          euch
          ALLES
          gesagt.“

          folgt zwangsläufig:
          „Ich
          habe
          nicht
          ALLES
          verstanden
          und
          verinnerlicht.“

          Jahreslosung 2020 ‚Ich glaube; hilf meinem Unglauben!‘

        2. —Ich denke an eine große Pfingstgemeinde. Sie haben 60 -in Worten sechzig- Propheten und Prophetinnen. Diese ProphetInnen haben die Aufgabe, zu anderen Gemeindegliedern zu gehen und ihnen zu „weissagen“, was sie alles falsch machen. Diese Propheten haben in der Praxis letztlich die Aufgabe, die Macht des Gemeindeführers zu stärken, der diese Propheten selbst bestimmt.—

          Ja die gibt es, jeder Mensch trägt diese Eigenschaften in sich….
          MACHT!
          Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, das Ergebnis ist ,,Selbstverherrlichung“
          Die Frage lautet also, wieviel Raum gebe ich dem wirken des Heiligen Geistes, und wieviel Raum gebe ich der Selbstbestimmung.
          Die Propheten in vielen Gemeinden sind oft falsche Propheten.
          Echte prophetische Rede wird aus der Liebe Gottes heraus (zur Ermahnung oft) offenbart, und rufen zur Umkehr auf.
          Der Mensch der es hört reagiert auf zweierlei Weise, ….er hört Gottes Stimme, die ihn direkt anspricht und folgt, nicht dem prophetisch Begabten, sondern der Stimme Gottes. Oder er hält sich die Ohren zu und lehnt sich auf, weil er die Stimme Gottes zwar gehört hat, aber nicht hören will, und dem Weg nicht folgen will, …er bleibt lieber in seiner Selbstbestimmung.

          Auf dem Weg mit Jesus ist es genau andersherum….
          Die Welt ruft auf zur Selbstverwirklichung, und wendet sich gegen alle Gebote Gottes. Jesus (der Heilige Geist) zeigt auf, genau dieses alles zu verlassen, und sich zu demütigen vor Gott, und sich vom alten Wesen (welches immer da ist), heilen zu lassen.
          Viele Christen verwechseln Macht mit Offenbarung des H.G. weil sie nach der Selbstverwirklichung streben, Macht und Ansehen zu genießen.
          Das erinnert mich an die 10 Jungfrauen….
          Die einen (5) haben ihr Leben unter die Herrschaft Gottes gestellt, Haben sich der Veränderung unterzogen. Die anderen (5) haben den Geist gedämpft, und ihr Ego (die Selbstbestimmung) ausgelebt.
          Wenn der Bräutigam nun kommt, lässt sich das alles nicht mehr nachholen in kürze, denn die Demut die dazu nötig ist, Gott Recht zu geben, ,,in mir ist nichts gutes“ und sich dann durch das Wirken des H.G. verändern zu lassen, in das Bild von dem Menschen, wie Gott ihn sich gedacht hat. Das ist ein Prozess von vielen kleinen und großen Prozessen im laufe des Lebens, ….und das läßt sich auch nicht mal eben beim ,,Krämer“ einkaufen.

          So sehen die ,,Werke“ des Geistes aus, die Veränderung, zum Ziel des neuen Menschen, das lässt sich nicht selber bewerkstelligen, denn dann wäre es ,,Selbstverwirklichung“ aus eigener Kraft ein neuer Mensch zu werden. Der neue Mensch liegt bereit in Jesus, von IHM müssen wir nehmen, und darin liegt die Demut, ,,ich kann nichts dazu beitragen“ ich muss es mir schenken lassen, und meine Selbstverwirklichung aufgeben.

          —Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert.—
          —Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. Mt 10. 38,39—

          Selbstverwirklichung oder Demut läßt sich leicht erkennen, die einen halten sich die Ohren zu vor der Wahrheit und schreien nach ihren Rechten auf Selbstverwirklichung, die anderen schreiben und mahnen und leben in Geduld und rufen unermüdlich auf ….lass dich versöhnen mit Gott, kehre um.

  4. Punkt Prophetie im Artikel.

    Nach Ihrem Artikel besteht die Heilige Schrift zu 30% aus vorhersagender Prophetie.

    Was genau ist für Sie vorhersagende Prophetie?

    Ich verstehe Prophetie bisher so:

    Die Gebote und Weisungen Gottes bilden mittels der Heiligen Schrift und ihrer Autorität die Grundlage, auf der jede Prophetie basiert. (Wenn ein Prophet etwas jenseits dieser Basis prophezeit, dann wird er bereits in der Schrift selbst als falscher Prophet oder Lügenprophet erkannt.)

    Entsprechend sind heutige Prediger, Pfarrer und Geistliche in diesem Sinne Propheten. Sie lehren und ermahnen Gläubige, dem Willen Gottes an Hand der Schrift und anhand der verfügten Gebote und Weisungen Jesu entsprechend Gehorsam zu leisten. Der Geistliche kann sich dabei entweder nur auf eine Person oder eine Gruppe oder auf eine Gemeinde beziehen, deren Verfehlungen ihm im einzelnen oder kollektiv vorab bekannt geworden sind oder aber die sich offensichtlich abzeichnen.

    Prophetie ist also die Gabe der Auslegung des göttlichen Willens in Bezug zu konkreten Vergehen und den daraus resultierenden und bereits biblisch formulierten Konsequenzen in den konkreten Fällen.

    Verstehe ich das richtig, oder ist es dazu noch etwas anderes?

    Wie seht ihr das heute?

    1. Zusatzfrage:

      Sind nach dem Abschluss der Heiligen Schrift Prophezeiungen in folgender beschriebener Weise heute oder in Zukunft zu erwarten? Und mit welcher Begründung?

      „Über Jesus gibt es zahlreiche Vorhersagen: Die Geburt in Betlehem (Micha 5, 1), die Abstammung aus dem Stamm Juda (1. Mose 49, 10), der Einzug in Jerusalem auf einem Esel (Sacharja 9, 9) sowie viele Details und sogar der Zeitpunkt der Kreuzigung (Psalm 22, Jesaja 53, Daniel 9, 24-27“

    2. „Was genau ist für Sie vorhersagende Prophetie?“
      Vorhersagende Prophetie sind Voraussagen, die zum Zeitpunkt der Verfassung der Prophetie noch in der Zukunft liegen. Also z.B. Vorhersagen, dass Israel wieder im Heiligen Land versammelt wird. Das ist ursprünglich eine vorhersagende Prophetie, die mittlerweile zum Großteil bereits erfüllt ist. Auch ist die Gründung des Staates Israel eine erfüllte Prophetie.
      Klügere und fleißigere Köpfe als meiner haben nachgezählt und kommen auf über 6000 Prophezeihungen in der Schrift, von denen bereits über 4000 erfüllt sind.

      „Die Gebote und Weisungen Gottes bilden mittels der Heiligen Schrift und ihrer Autorität die Grundlage, auf der jede Prophetie basiert.“
      Nein. Gebote und Weisungen sind konkrete Aufträge / Anleitung an Gottes Kinder. „Du sollst keinen Gott neben mir haben“ ist eine Anordnung, keine Prophetie.

      „Entsprechend sind heutige Prediger, Pfarrer und Geistliche in diesem Sinne Propheten. “ Eben nicht. Sie legen die Schrift aus, entweder als reine Verständnisauslegung, oder aber die Bedeutung des Wortes in der heutigen Zeit, ordnen dieses ein, … Aktuell z.B. wäre: was sagt die Bibel zu Corona.

      „Der Geistliche kann sich dabei entweder nur auf eine Person oder eine Gruppe oder auf eine Gemeinde beziehen, deren Verfehlungen ihm im einzelnen oder kollektiv vorab bekannt geworden sind oder aber die sich offensichtlich abzeichnen.“
      Es geht eben nicht primär um Verfehlungen. Es geht oft genug um „haltet fest“ usw.. Paulus z.B. benennt in seinen Briefen oft genug Mißstände, aber den größten Teil des Inhalts macht theologische Lehre aus (z.B. Auslegung des AT, der Worte Jesu, …), aber auch Ermutigung, Aufbau, Ratschläge, …

      „Prophetie ist also die Gabe der Auslegung des göttlichen Willens in Bezug zu konkreten Vergehen …“
      Nochmals: es geht nicht um Vergehen. Natürlich gibt es auch heute noch die Gabe der Prophetie, das sind aber keine geschichtlichen Prophezeihungen, aber z.B. Ratschläge in die aktuelle Gemeindesituation hinein. Eine Prophetie heute kann sein, dass jemand „weiß“, dass z.B. jetzt eine Zeltevangelisation dran ist, oder dass die Befassung mit bestimmten Bibeltexten in einer Lebenssituation dem Betreffenden helfen wird.
      Im AT finden wir oft genug Prophezeihungen in der Form „Wenn ihr dieses tut und jenes unterlasst, dann trifft folgendes ein.“ Oder Prophetie in Form von Hoffnungsvermittlung: „Gott wird das Schicksal wenden …“. Teilweise sind das Ereignisse, die die Zeitgenossen des Propheten zu Lebzeiten nicht mehr erlebt haben. Abraham bekam Versprechungen bzgl. des gelobten Landes, und dann kamen für seine Nachkommen erst einmal 400 Jahre in Ägypten.

      Ich finde es auffällig, dass Du hier die Worte „Vergehen“ und „Verfehlungen“ so häufig nutzt, das klingt angstbesetzt: „Ich habe Angst, etwas Falsches oder Nichts zu tun, und dann verspiele ich meine Errettung.“ Die Bibel sagt es jedoch anders: „Du bist errettet, ein für allemal.“

      Zu Deinen weiter oben angeführten Vorwürfen an Dr. Till: ich kann Deine Kritik nicht nachvollziehen. Ich stelle für mich fest, dass ich keine Probleme mit den Ausführungen von Dr. Till habe. Auch muss man sich bei Auslegungen der Schrift nicht auf die Schriften und Hypothesen anderer „Wissenschaftler“ abstützen und schauen, ob man da seine eigenen Argumente unterfüttert bekommt. Der Heilige Geist erschließt die Schrift. Und nicht etwa „Rabbiner zitieren“.
      Wenn ich der Meinung bin, dass die Begegnung von David mit Abigail und Nabal ein Bild dafür ist wie Jesus in das Leben eines Menschen eintritt: welcher Wissenschaftler würde dieses Bild stützen oder stürzen können? Ich weiß, dass es bei mir so wie in dieser Begegenheit eingetreten ist: der Nabal ( übersetzt: Narr) in mir, der Zweifel am Herrschaftanspruch Jesu (David) hatte, wurde zuerst zum Schweigen gebracht und ist dann „verstorben“, nachdem der schwächere, aber schönere Teil in mir gesagt hat: „Ich lass mich auf Dich ein.“ Und wie Abigail zur Brautgemeinde Davids danach gehörte, gehöre ich zur himmlischen Gemeinde.
      Ein Wissenschaftler kann die Parallelen nicht sehen, ein Christ, geleitet durch den Heiligen Geist schon.

  5. 1. Kor 1, 18-25
    18 Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.
    19 Denn es steht geschrieben: „Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten, und den Verstand der Verständigen werde ich verwerfen[10].“
    20 Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortstreiter dieses Zeitalters[11]? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
    21 Denn weil in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, hat es Gott wohlgefallen, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu retten.
    22 Und weil denn Juden Zeichen fordern und Griechen[12] Weisheit suchen,
    23 predigen wir Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis[13] und den Nationen eine Torheit;
    24 den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen[14], Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
    25 Denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen.
    26 Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind;
    27 sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache.
    28 Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache,
    29 dass sich vor Gott kein Fleisch rühme.
    30 Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung;
    31 damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.

  6. —Der Heilige Geist ist der Autorität der Bibel als heiliges Wort Gottes streng unterworfen. —

    Damit ist gemeint, wenn ein Mensch, ein Prophet in einer Gemeinde sagt: „Der heilige Geist hat mir dies oder das über dich gesagt“, dann kann und darf dies im einzelnen oder im allgemeinen nicht im Widerspruch zur Schrift stehen, andernfalls kommt es nicht aus dem heiligen Geist, sondern aus einem unheiligen Geist.—

    16) Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
    17) Und Jesus sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Mt 16. 16,17

    Auch hier gab es noch keine Bibel, und Jesus hat sich auch nicht dem Simon Petrus bestätigt, Gottes Geist hat es dem Petrus selbst offenbart, also bevor die Bibel geschrieben ist und Jesus gesprochen hat, offenbart und bestätigt und bezeugt Gott selbst seinen Sohn als ,,Wahrheit“ dem menschlichen Geist.

    Der Heilige Geist offenbart Wahrheit, und im weiteren Weg, wer mit Jesus unterwegs ist, reihen sich Erkenntnisse über die Wahrheit an, alles erscheint in einem anderen Licht. Man kann also von Jesus hören, vieles von Ihm nachlesen usw. aber das ist noch keine Offenbarung, und keine Gewissheit, ,,das Jesus Gottes Sohn ist“. Es muss meinem Leben selbst, durch den Geist Gottes bezeugt werden, ,,von neuem geboren“ dann betritt der Mensch den Weg der Wahrheit und findet darin das Leben.
    —In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Joh 1.4—

    Der Heilige Geist leuchtet in den Menschen hinein, und führt zur Erkenntnis der Sünde, und zeigt den neuen Weg auf. Ohne Licht bleibt alles dunkel, und der Mensch irrt suchend umher, und findet nicht, wonach er sucht (er sucht nach Leben), weil es nur in Jesus zu finden ist.

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