Charles H. Spurgeon: Der gekreuzigte Christus

Eine Predigt, gehalten am Sonntagabend zu Beginn des Jahres 1858 von C.H. Spurgeon in der New Park Street Chapel in Southwark (Download als .pdf):

Korinth befand sich in Mitten eines Volkes, das Eloquenz und Weisheit bewunderte. Der Brief wurde im Zeitalter der Redner und Philosophen verfasst. Der Apostel Paulus war ein Mensch tiefer Gelehrsamkeit – er wurde an den Füßen Gamaliels in aller Weisheit des Ostens ausgebildet. Wir können uns sicher sein, dass er ein sehr begabter Mensch war, denn, obwohl seine Schriften durch den Heiligen Geist inspiriert wurden, hat der Heilige Geist gerade Ihn als Sein Instrument wählte. Einen Menschen, der offensichtlich die Fähigkeit für tiefes und kraftvolles Denken und Argumentieren besaß. Auch bezüglich seiner Redefähigkeit glaube ich, dass wenn Er sich entscheiden würde, diese zu trainieren, sie von erstklassiger Qualität wären, denn wir finden in einigen seiner Briefe eine Eloquenz, die alles, was je von den Lippen Ciceros[1] oder Demosthenes[2] fiel, überragt.

In den Gedanken eines einfachen Menschen, der eine solche Stadt wie Korinth betritt, besteht die Versuchung, zu sich selbst zu sagen: „Ich will mich bemühen, meine Redefähigkeit auszubauen. Ich habe ein gesegnetes Evangelium zu predigen, das der höchsten Gaben wert ist, die ich diesem überhaupt weihen kann.“ Paulus könnte so denken: „Ich bin redebegabt. Ich muss nun alles daransetzen, meine Predigten aufzupolieren und meine Ansprachen so einzukleiden, um alle Redner, die gerade die Korinther fesseln, überbieten zu können. Das will ich natürlich besten Gewissens tun, denn ich werde meine Absicht im Auge behalten, Jesus Christus zu predigen – und ich werde Jesus Christus mit einer derartig edlen Sprache verkündigen, dass es mir gelingen wird, mein Publikum dazu zu bewegen, über das Evangelium nachzudenken.“

Doch der Apostel entschied sich nicht für diesen Schritt. „Nein“, sagte er, „bevor ich die Tore Korinths betrete, ist das meine feste Bestimmung – dass wenn irgendetwas Gutes hier erreicht werden kann, wenn hier irgendjemand zum Glauben an Christus, den Messias gebracht werden kann, wird dieser Glaube Folge nicht meiner Eloquenz sondern des Hörens auf das Evangelium sein. Es wird nie heißen: „Kein Wunder, das sich das Evangelium derart verbreitet, beachtet was für einen fähigen Rhetor es besitzt.“ Vielmehr wird es immer lauten: „Wie mächtig muss die Gnade Gottes sein, die diese Menschen durch einfache Predigt überzeugt hat und sie dazu brachte, den Herrn Jesus Christus durch ein solch schwaches Werkzeug wie den Apostel Paulus anzunehmen.“ Er beschloss, seiner feurigen Zunge einen Riegel vorzuschieben. Er entschied sich dafür, in ihrer Mitte bescheiden zu reden. Statt sich selbst zu erhöhen, würde er sein Amt und die Gnade Gottes erhöhen, indem er sich selbst die Verwundung dieser Mächte versagte, die, wenn sie Gott geweiht wären, was sie wirklich waren, aber wären sie völlig eingesetzt, wie manche sie nutzen würden – ihm den Ruf eingebracht hätten, der redebegabteste Prediger der ganzen Erde zu sein!


Liebe Freunde, könnt ihr es erkennen, dass der Apostel gute Gründe für seine Bestimmung besaß? Wenn ein Mensch sagt, dass er das Tun einer bestimmten Sache beschlossen hat, scheint es, dass er an eine schwer umzusetzende Sache denkt. Ich denke somit, dass es für den Apostel eine schwere Sache war, sich selbst zu verpflichten, dieses eine aufrechtzuerhalten: „Jesus Christus, der Gekreuzigte.“ Ich bin mir sicher, dass 90% der Prediger dieser Zeit dies nicht hätten tun können. Der ungewöhnliche Paulus jedoch geht durch die Straßen Korinths und hört einen Philosophen, wie er die aktuelle Theorie der Schöpfung erklärt. Er erzählt den Menschen etwas darüber, wie die Welt aus bestimmten Dingen entsprang, die davor existierten und der Apostel Paulus denkt: „Ich könnte den Fehler dieses Menschen leicht korrigieren. Ich könnte ihm sagen, dass der Herr alle Dinge in sechs Tagen geschaffen hat und am siebten ruhte und könnte ihm aus der Genesis den inspirierten Bericht der Schöpfung zeigen.“ „Doch nein, “ sagt er zu sich selbst, “ich habe eine weitaus wichtigere Botschaft als diese zu übermitteln.“ Dennoch wird er den Wunsch fühlen, den ihr alle kennt, wenn man einen Menschen dabei hört, wie er eine böse Lüge verbreitet. Ihr fühlt euch so, als müsstet ihr gleich jetzt einen Streit mit ihm anfangen. Doch stattdessen denkt sich der Apostel nur: „Es ist nicht meine Aufgabe die Menschen bezüglich ihrer Weltentstehungstheorien zu korrigieren. Alles was ich tun muss, ist nur Jesus Christus, den Gekreuzigten, zu kennen.“Er hätte auch meinen können: „Diese Philosophen sind sehr weise Menschen. Wenn ich sie herausfordern möchte, muss ich auch sehr weise sein. Diese Korinther sind ein sehr edles Volk. Sie stehen schon seit langer Zeit unter der Ausbildung dieser talentierten Menschen. Ich muss so sprechen wie sie sprachen: in Rätseln und vielen Sophismen! Ich muss die ganze Zeit irgendein dunkles Problem ergründen. Ich muss nicht in einer Tonne leben, wie Diogenes[3], doch wenn ich seine Lampe nehme, kann ich damit etwas erreichen. Ich muss mich anstrengen und etwas von seiner Weisheit borgen. Ich besitze eine tiefgründige Philosophie, um diesen schlauen Leuten zu predigen. Wenn ich dann anfinge, diese Philosophie zu verkündigen, könnte ich all ihre Theorien bezüglich der mentalen und moralischen Wissenschaften zerstören. Ich habe ein wunderbares Geheimnis heraus-bekommen und ich möchte mich in ihrer Mitte auf dem Marktplatz erheben und hinausschreien: „Heureka[4], Heureka, Ich habe es gefunden!“ Doch ich kümmere mich nicht darum, das Evangelium auf Grundlage menschlicher Weisheit aufzubauen. Nein, wenn irgendjemand zum Glauben an Christus gebracht wird, geschieht es durch das einfache, ungeschminkte Evangelium, einfach in unpolierter Sprache gepredigt. Der Glaube meiner Zuhörer, wenn sie zu Gott bekehrt werden, soll nicht in der Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes bestehen.“

Zudem gab es in Korinth regelmäßig politische Auseinandersetzungen und ich zweifele keineswegs daran, dass Paulus für sein jüdisches Volk mitfühlte und er hätte es gerne gesehen, dass alle seine Volksgenossen das Privileg des Bürgerrechts erhielten. Manchmal hielten die Korinther öffentliche Veranstaltungen ab, in denen sie die Meinung unterstützen, dass die Juden kein Bürgerrecht in Korinth besitzen sollten. Könnte nicht der Apostel in einer solchen Zusammenkunft eine Rede halten? Wenn man ihn diesbezüglich fragte, würde er sagen: „Ich weiß nichts über solche Angelegenheiten. Alles was ich weiß ist der gekreuzigte Jesus Christus.“ Sie hielten ohne Zweifel in Korinth politische Veranstaltungen ab und Vorträge über diese und jene Themen. Tatsachlich wurden allerlei Arten wundervoller Themen antiker Poeten von unterschiedlichen Menschen aufgesagt. Hielt der Apostel auch eine solche Vorlesung ab? Sagt er nicht: „Ich könnt ein Stückchen Evangelium hineinsetzten und etwas Gutes tun?“ Nein, er sagt: „Ich komme hierher als Christi Diener und ich werde nichts anderes sein, als Christi Diener. Ich werde die Korinther in keiner anderen Eigenschaft als der eines Boten Christi ansprechen. Denn ich habe für mich selbst beschlossen nur eine Sache zu kennen, und dass ist Jesus Christus, der Gekreuzigte.“ Gebe Gott, dass alle Prediger unserer Zeit sich selbst das gleiche Ziel verordneten.

Findet man nicht manchmal einen Diener, der an einer wichtigen Wahl teilnimmt, der es für seine Angelegenheit hält, sich politisch zu engagieren? Hat es euch auch getroffen, dass er außerhalb seines Platzes war, dass es seine Aufgabe ist, unter den Menschen nichts weiter zu wissen, als Christus den Gekreuzigten? Sehen wir nicht an jeder Ecke unserer Straße Anzeigen für Vorträge, die zu diesem und jenem und sonstigem Thema von diesem und jenem Prediger gehalten werden, die ihre Kanzel verlassen, um Vorträge über allerlei Themen halten können? „Nein“, würde Paulus sagen, „wenn ich das Evangelium Christi nicht rechtmäßig verbreiten kann, in dem ich es offen predigen, will ich es auch nicht tun, in dem ich meiner Predigt einen absurden Titel gebe! Das Evangelium soll auf seinen eigenen Verdiensten stehen oder fallen, und mit keinerlei verführerischen menschlichen Worten will ich es predigen. Lasst ruhig jeden zu mir sagen: „Komm und kämpfe für diese oder jene Reform“, und meine Antwort wird sein, „Ich weiß nichts über dieses Thema, denn ich habe für mich selbst entschieden unter euch nichts anderes zu kennen, außer Christus, den Gekreuzigten.“

Wie Albert Barnes sehr deutlich sagt[5]: „Dies sollte die Entscheidung eines jeden Dieners des Evangeliums sein. Das ist sein Geschäft, – nicht die politische Betätigung, nicht der Einsatz in den menschlichen Kontroversen. Er soll weder ein guter Farmer noch ein Gelehrter sei. Er braucht sich nicht mit seinem Volk an Festen und Trubel zu weiden. Er muss auch nicht ein Mensch des Geschmacks und der Philosophie sein und sich vor allem durch feine Manieren absetzen. Nicht ein tiefgründiger Philosoph oder Metaphysiker soll er sein, sondern er soll Christus, den Gekreuzigten zum Zielobjekt seiner Aufmerksamkeit machen und jederzeit danach suchen, Ihn überall bekannt zu machen.

Er soll sich nirgendwo der demütigenden Lehre schämen, dass Christus gekreuzigt wurde. Dafür muss er geehrt werden. Auch wenn die Welt sich aufregt, die Philosoph spotten mögen und die Reichen und Lustigen es ablehnen mögen, dennoch ist das das große Objekt seines Interesses. Zu keiner Zeit und in keiner Gesellschaft schämt er sich dafür. Es geht nicht um die Vergnügungen der ihn umgebenden Gesellschaft. Welche Gewinne der Wissenschaft, des Erfolgs und der Leidenschaft vor ihm offen sein mögen, der Diener Christi muss Christus, den Gekreuzten allein kennen. Wenn er sich mit den Wissenschaften beschäftigt, dann nur um das Evangelium erfolgreicher erklären und erhöhen zu können. Wenn er sich mit den Sitten der Kunst und des Geschmacks vertraut macht, dann nur damit er denen, die diese pflegen die überlegene Schönheit und Exzellenz des Kreuzes zeigen kann. Wenn er die Pläne und Ziele der Menschen studiert, dann dafür, um diesen Plänen erfolgreicher entgegentreten zu können und deutlicher vom Plan der Sühne Christi zu sprechen. So war es in der Zeit der Apostel, so war es in der Reformationszeit, so war es in der Mission der Herrnhuter. So war es in jeder religiösen Erweckung. Es gibt eine Kraft in diesem Predigen, das Philosophie und menschliche Vernunft nicht besitzen.“ Christus ist Gottes großartige Anordnung für das Heil der Welt. Wir werden den Verbrechen, den Leiden und Schmerzen der Welt nur dann angemessen begegnen, wenn wir das Kreuz als das festhalten, dass zur Überwindung derselben bestimmt ist.

Mögen doch alle Diener das im Blick behalten, dass sie nichts außerhalb ihres Dienstes zu bieten haben, dass man als Diener für immer ein Diener bleibt und nie zu einem Orator oder Politiker wird! Dass man als Prediger ein Prediger des heiligen Evangeliums Christi bleibt bis Christus uns zu sich selbst nimmt, damit wir das neue Lied vor dem Throne Gottes singen können!

Nun Brüder und Schwestern, es ist meine Pflicht diese Dinge zu sagen. Wenn sie auf irgendeinen Prediger zu treffen, denn ihr bewundert, dann tut es mir nicht leid. Hier ist der Text und was wir von diesem lernen ist, dass der Apostel Paulus alles dem Ziel unterordnen, ein Diener Christi zu sein. So ist es auch eure Pflicht, meine lieben Brüder und Schwestern, das als Hörer zu tun. Als Christen ist es unsere Pflicht und unser Privileg nichts anderes zu wissen als Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Als erstes, bezüglich der Lehren,

die ihr glaubt, bitte ich euch, nichts anderes zu glauben, als Christus, den Gekreuzigten. Manch einer wird euch erzählen, dass ein solch-und-solches Theologie System auf den überzeugendsten Prinzipien der Vernunft aufbauen. Man wird euch sagen, dass die alten Lehren, die ihr geglaubt habt, in diese fortgeschrittenen Zeiten nicht hineinpassen. Hier und da werdet ihr einem intelligenten jungen Herrn begegnen, der euch lehren wird, dass man als Calvinist ein ganzes Stückchen hinter diesem fortgeschrittenen Zeitalter sei. „Denn ihr wisst“, sagen sie, „dass überall intellektuelle Prediger auferstehen und dass es gut wäre, wenn ihr ein bisschen intellektueller bezüglich des Predigens und des Hörens sein könntet.“ Wenn man euch so etwas erzählt, dann bitte ich euch, antwortet: „Ich weiß von nichts anderem außer von Jesus Christus, dem Gekreuzigten. Wenn du mir mehr über Christus sagen kannst, als ich weiß, will ich dir danken. Wenn du mir sagen kannst, wie ich Christus ähnlicher werden kann, wie ich in größerer Gemeinschaft mit ihm leben kann, wie mein Glaube an Ihn stärker werden kann und wie mein Glaube an sein heiliges Evangelium gefestigt werden kann, dann werde ich dir danken. Doch wenn du mir nichts mehr zu sagen hast als ein paar intellektuelle Gedanken, die du mühselig ausgearbeitet hast, will ich dir sagen, dass es für dich eine nette Sache zum Predigen sein mag und womöglich für andere Intellektuelle nett anzuhören sei. Doch ich gehöre nicht zu eurer Klasse, noch möchte ich dazu gehören – Ich gehöre zu der Sekte, die überall auf Widerspruch stößt (vgl. Apg. 28,22), die dem Gott ihrer Väter dient und auf das vertraut, was im Gesetz und den Propheten geschrieben steht (vgl. Apg. 24,14). Ich gehöre zu dem Volk, dass glaubt, dass nicht der Stolz der Intellektuellen noch der Pomp des Wissens den Menschen irgendetwas Geistliches lehren kann. Ich gehöre zu denen, die meinen, dass Gott sich eine Macht aus dem Munde der Kleinkinder und Unmündigen zubereitet hat (vgl. Ps. 8,3). Zudem glaube ich, dass Gott aus deinem Mund jegliche Kraft entfernt hat! Ich gehöre zu den Menschen, die mit Maria zu den Füßen Jesu sitzen (Vgl. Luk. 10, 39), um einfach das zu empfangen, was Christus sagte, so wie Christus es sagte und weil Christus es sagte. Ich möchte keine Wahrheit, denn das, was Er sagt ist die Wahrheit Gottes und es gibt keine andere Grundlage es zu glauben, außer die, dass Er es sagt und keinen besseren Beweis, dass es wahr ist, außer den, dass ich es als wahr in meinem Herzen angewandt fühle und kenne.“

Nun, mein lieber Freund, wenn du so handeln kannst, dann glaube ich, dass du überall, selbst unter den weisesten Häretikern unserer Zeit bestehen wirst! Du magst zwischen den Spitzen der falschen Lehre wandeln, doch du wirst die Plage der Ketzerei niemals empfangen, wenn du diesen goldenen Schutzschirm der Wahrheit Gottes besitzt und sagen kannst: „Ich kenne nichts anderes, als Jesus Christus, den Gekreuzigten.“ Für mich selbst kann ich mit Sicherheit bezeugen, dass Jesus Christus der Gekreuzigte die Summe alles Wissens für mich ist. Er ist der Höchste Intellektualismus. Er ist die tiefste Philosophie, die mein Sinn je ergründen kann. Er ist der Gipfel, der höher ist, als all mein Bestreben und keine tiefere Wahrheit Gottes als diese, will ich jemals ergründen! Jesus Christus, der Gekreuzigte ist die Summe all dessen, was ich wissen, bekennen und predigen möchte.

Als zweites sollte es sich so auch in Eurer Erfahrung verhalten.

Brüder und Schwestern, ich ersuche euch, in euren Erfahrungen nichts anderes zu kennen, außer Jesus Christus, den Gekreuzigten. Morgen könnt ihr hinausgehen, nicht einfach nur in die Welt, sondern in die Kirche, die Namenskirche und ihr werdet auf einen Typus Menschen treffen, die euch beim Ohr packen werden und zu sich in die Häuser holen werden. Kaum seid ihr dort, beginnen sie mit euch ein Gespräch über die Lehren des Evangeliums. Sei sagen nichts über Jesus Christus, sondern fangen aufs Geradewohl heraus an mit den ewigen Ratschlüssen Gottes, mit der Erwählung und mit den hohen Mysterien des Bundes der Gnade. Während sie so sprechen, sagt ihr in euren Herzen: „Was sie sagen ist wahr, doch in all dem ist ein beklagenswerter Mangel enthalten – Ihre Lehre ist die Wahrheit ohne Christus.“ Das Gewissen flüstert: „Die Erwählung die ich glaube ist die Erwählung in Christus. Diese Menschen sprechen aber nicht darüber, sondern nur über die Erwählung. Die Erlösung an die ich glaube, besitzt immer eine besondere Verbindung zum Kreuz Christi. Diese Menschen erwähnen Christus jedoch nicht – sie sprechen von der Erlösung, als handele es hierbei um eine finanzielle Transaktion und sagen nichts über Jesus. Bezüglich des endgültigen Ausharrens glaube ich alles, was diese Menschen sagen, dennoch wurde ich gelehrt, dass die Heiligen nur aufgrund ihrer Beziehung zu Christus ausharren, doch diese Menschen schweigen darüber.“ Dieser Diener, sagen sie, ist nicht wahrhaftig und dieser andere Diener ist es auch nicht. Lasst es mich euch so sagen, dass wenn ihr euch unter diesen Typus Menschen bewegt, ihr eines Tages den Tag bereuen werdet, ihnen überhaupt begegnet zu sein.

Wenn ihr ihnen schon begegnen müsst, bitte ich euch ihnen dies zu sagen: „Ich liebe alle Wahrheiten, die ihr festhaltet, doch meine Liebe zu diesen kann niemals meine Liebe zu Jesus Christus, den Gekreuzigten überbieten oder übersteigen. Ich möchte euch in aller Deutlichkeit sagen, dass ich, so wenig ich mich dort aufhalten kann, wo Irrlehren verkündigt werden, das genauso wenig in Kreisen tun kann, in denen die wahre Lehre ohne den Herrn Jesus Christus verkündigt wird! Ich könnte keinen Ort betreten, an dem ein Mann sich in ausgefallene Kleider hüllt und von sich behauptet, Christus zu sein, ohne es zu sein. Auf der anderen Seite jedoch könnte ich mich an keinem Ort aufhalten, an dem ich Christi echte Kleider sehe, doch der Meister Selbst wäre abwesend. Was ich brauche sind nicht seine Kleider, ich brauche den Meister. Ihn allein. Wenn ihr mir nun trockene Lehre ohne Jesus Christus verkündigt, geht das deutlich gegen meinen Geschmack. Denn meine Erfahrung ist gerade diese, dass ich meine Erwählung nur dann kenne, wenn ich sie in meiner Vereinigung mit dem Lamm kenne. Ich sage es in aller Deutlichkeit, dass ich weiß, dass ich erlöst bin, doch ich kann nicht über die Erlösung denken, ohne an den Herrn zu denken, der mich erlöst hat. Es ist mir eine Ehre bis zum Ende auszuharren, doch ich weiß, – jede Stunde macht mir das deutlich -, dass mein Ausharren von meinem Stand in Christus abhängig ist. Ich muss diese Wahrheit in Verbindung mit dem Kreuz Christi verkündigt haben.“

Oh, habt nichts mit solchen Menschen zu schaffen, außer um sie zu korrigieren, denn ihr werdet sie als solche kennenlernen, die voll bitterer Galle (Apg. 8,23) sind und Otterngift ist unter ihren Lippen (Röm. 3,13). Statt euch mit Seelenspeise zu versorgen, werden sie euch mit allerlei Arten der Verbitterung, Bosheit und des Afterredens gegen die Menschen füllen, die den Herrn Jesus wahrhaft lieben, aber von ihnen in geringster Weise abweichen.

Ihr könnt auch einem anderen Typus Menschen begegnen, die sich euer Ohr rauben werden und euch sagen werden: „Wir lieben auch die Lehren Christi, doch wir glauben, dass unsere Freunde auf der anderen Seite des Wegs falsch liegen. Sie predigen nicht genug über die Erfahrung.“ Ihr werdet antworten: „Nun bin ich endlich unter Menschen die zu mir passen,“ und ihr werden den Prediger darauf pochen hören, dass die kostbarste Erfahrung dieser Welt, die erfahrbar ist, eure eigene Verderbtheit sei, das Böse des menschlichen Herzen zu füllen, den stinkenden Dunghaufen immer und immer wieder in seinem Gestank umzuwenden und in der Sonne ausbreiten. Nachdem ihr die Predigt angehört habt, die voll angeblicher Demut ist, steht ihr von euren Plätzen stolzer auf, als ihr es jemals in eurem Leben wart und seid nun fest entschlossen, euch dessen zu rühmen, was ihr bisher als Abschaum gewertet habt. Die Dinge, derer ihr euch einst zu denken schämtet, haltet ihr nun für euren Ruhm! Diese tiefe Erfahrung, die einst eure Unehre war, soll nun zur Krone eurer Freude werden. Ihr sprecht zu den teuren Brüdern und Schwestern, die diese Ansicht aufsaugen und sie werden euch sagen, dass erste was es zu suchen gilt, ist nicht das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, sondern die verborgenen Dinge des Gefängnisses, die Entdeckungen der Ungerechtigkeit und die Verderbtheit der Seele.

Oh, meine lieben Freunde, wollt ihr euer Leben derart miserabel machen? Wollt ihr wieder in die Knechtschaft Ägyptens zurückkehren? Wenn ihr euch wieder die Seile Pharaos um den Nacken binden wollt, dann wählt ihr Motto zu eurem Motto. Doch wenn ihr so leben wollt, wie ich glaube, dass Christus euch leben haben will, dann bitte ich euch zu sagen: „Nein, es tut mir gut zu manchen Zeiten über das böse Herz zu hören, doch ich habe für mich selbst beschlossen nichts anderes zu kennen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten und ihr habt mir überhaupt nichts über ihn gesagt.“ Diese Menschen predigten an einem Sonntag über den Aussätzigen doch am nächsten Sonntag nicht über den geheilten Aussätzigen! Diese Menschen erklären alles über den verdorbenen Zustand des menschlichen Herzens, doch sei sagen wenig oder nichts über den Fluss, der da ist, um dieses zu reinigen und zu waschen! Sie sagen einiges über die Krankheut, aber nicht so viel über den Arzt! Wenn ihr ihren Dienst sehr lange besucht, werdet ihr zu euch sagen müssen: „Ich komme in einen derart trübseligen Zustand, dass ich versucht bin Judas nachzueifern und hinzugehen um mich selbst aufzuhängen! Somit sage ich euch Ade, denn ich habe für mich selbst bestimmt, in meinen Erfahrungen nichts anderes zu kennen, als Jesus Christus, den Gekreuzigten.“

Ich muss euch in diesen Dingen ernstlich warnen, denn es gibt unter bekennenden Christen eine zunehmende Tendenz, andere Dinge als Jesus Christus, den Gekreuzigten zum Mittelpunkt der Erfahrung zu erklären. Erzählt mir, dass eure Erfahrung um den Herrn Jesus Christus besorgt ist, und ich will mich dessen freuen. Je mehr Christus dort ist, desto köstlicher ist sie. Erzählt ihr mir jedoch, dass eure Erfahrung voll der Erkenntnis eures Versagens ist und ich antworte: „ Wenn es diese nicht in Mischung mit der Erkenntnis Christi gibt und solange die Erkenntnis Christi nicht im weiten Maße dominiert, ist eure Erfahrung Holz, Heu und Strom und muss verbrennen und ihr werdet Verluste erfahren (vgl. 2. Kor. 3,12-15)“

An dieser Stelle möchte ich euch eine kleine Geschichte über Bunyans Pilgerreise berichten. So sehr ich John Bunyan auch schätze, halte ich ihn doch nicht für unfehlbar, und jüngst hörte ich eine Geschichte über ihn, die ich für eine sehr gute halte. Da war in Edinburgh ein junger Mann, der gerne Missionar werden wollte. Er war ein verständiger junger Mann, daher überlegte er: „Wenn ich Missionar werden will, ist es gar nicht nötig, daß man mich weit von hier fortsende; ich kann ja in Edinburgh ebenso gut Missionar sein.“ Hier ist ein Wink für solche Schwestern, die in ihren Bezirken Traktate verbreiten, aber ihrem eigenen Dienstmädchen keinen geben. Nun, dieser junge Mann wollte sogleich mit dem Missionieren beginnen und mit der ersten Person sprechen, die ihm begegnete. Diese war eine alte Fischhändlerin. Wer diese Art einmal kennen gelernt hat, vergisst sie sobald nicht wieder; es sind ganz außerordentliche Frauen. Er trat auf sie zu und sagte: „Liebe Frau, Sie haben da eine große Last auf Ihrem Rücken zu tragen; ich möchte Sie fragen, ob Sie auch eine andere, eine geistliche Last kennen gelernt haben.“ „Wie,“ antwortete sie; „meinen Sie die Last, von der in Bunyans »Pilgerreise« die Rede ist? Wenn Sie die meinen, so will ich Ihnen nur sagen, daß ich sie schon seit langer Zeit los bin, wahrscheinlich ehe Sie geboren wurden. Aber ich habe einen besseren Weg eingeschlagen als Bunyans Pilger. Der Evangelist, von dem Bunyan erzählt, war einer von euren Pastoren, die nicht das Evangelium verkündigen, denn er sagte: »Behalte jenes Licht im Auge und laufe auf die enge Pforte zu!« Nun, junger Mann, das war nicht der rechte Ort, wohin er laufen musste.

Er hätte sagen sollen: »Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!« Aber stattdessen schickte er den armen Pilger erst nach der Pforte hin, und das hat ihm nicht sonderlich genützt.“

„Aber sind Sie denn nicht durch einen Sumpf der Verzagtheit gekommen?“ fragte der junge Mann. „Ja, allerdings; aber es war viel leichter, ohne Last hindurchzukommen, als mit einer schweren Last auf dem Rücken.“ Die alte Frau hatte ganz recht. John Bunyan schiebt die Befreiung von der Last am Anfang der Pilgerreise viel zu weit hinaus. Wenn er den gewöhnlichen Lauf der Dinge beschreiben wollte, so war er ganz im Recht; wenn er aber zeigen wollte, wie es sein sollte, war er im Unrecht. Wir dürfen zu der suchenden Seele nicht sagen: „Wenn du gerettet sein willst, so eile hin zum Taufbassin, gehe zur Pforte, gehe zur Kirche, oder tue dies und tue jenes.“ Nein, dicht vor der Pforte sollte das Kreuz stehen, und wir sollten zu den Sündern sagen: „Dort wirf dich nieder und blicke hinauf, so bist du gerettet. Du kannst nicht errettet werden, bis du deine Last am Fuß des Kreuzes niederlegst und i in Jesus Frieden findest.“[6]

Lasst mich Abschließend euch sagen,

dass ihr für euch Vornimmt von dieser Stunde an in eurem Glauben nichts anderes zu wissen, außer Jesus Christus, den Gekreuzigten! Ich bin völlig davon überzeugt, dass ich nicht ein Körnchen meines eigenen Verdienstes besitze, dem ich vertrauen könnte, und nicht einmal ein Atom an Kraft, um mich darauf zu verlassen. Dennoch erwische ich mich sieben Tage die Woche darin, mich auf meine Verdienste zu verlassen, die nicht existieren und auf die eigene Kraft zu bauen, von der ich gleichzeitig bekenne, diese nicht zu besitzen. Ihr und ich, wir bezeichnen den Papst häufig als Antichrist. Doch spielen wir selber nicht auch oft den Antichristen? Der Papst setzt sich selbst zum Haupt der Kirche ein, doch gehen wir nicht noch viel weiter, weil wir uns immer wieder zu unseren eigenen Errettern einsetzen? Laut sprechen wir das natürlich nicht aus, außer mit einer dünnen Stimme, ähnlich dem Murmeln alter Zauberer. Es ist keine laute, herausgerufene Lüge, weil wir dann wohl wüssten, wie wir damit umgehen sollten. „Doch jetzt“, flüstert der Teufel, „Wie gut du das getan hast“, und schon fangen wir an, unseren Werken zu vertrauen und flüstern uns selbst zu: „Du hast gestern so gut gebetet, du wirst sicher nie wieder kalt in deinen Gebeten werden. Du wirst in deinem Glauben so stark werden, dass du Gott nie wieder anzweifeln wirst.“ Es ist das alte goldene Kalb, dass wir hier erneut aufrichten. Denn, auch wenn es zu Pulver zermalmt wurde, scheint es die Kunst des erneuten Zusammenwachsens zu beherrschen.

Nachdem man uns dutzende Male erklärte, dass wir keinen Verdienst an uns selbst finden, fangen wir zu handeln, als könnten wir es. Der Mensch, der euch erzählt, dass alle frischen Quellen in Christus sind, denkt doch und handelt gerade so, als hätte er aus sich heraus frische Quellen. Er klagt, als läge alle Abhängigkeit an ihm, er murrt, als hinge die Errettung von seinem eigenen Verdienst ab. In unseren eigenen Seelen sprechen wir so, als ob wir das Evangelium überhaupt nicht glauben, sondern darauf hoffen, durch unsere eigenen Werke und unsere Taten gerettet zu werden. Welch starker Entschluss ist es dann, nichts anderes zu kennen, außer Jesus Christus, den Gekreuzigten! Ich flehe zu Gott, dass ich diesen Entschluss für mich selbst fassen könnte und dass ihr dies alle mit mir tun könntet!

Einst hörte ich von einem Landsmann, der an einem Tag predigte, und die erste Hälfte seiner Predigt sehr ordentlich ablieferte, doch zum Schluss völlig versagte. Sein Bruder sagte zu ihm: „Tom, ich kann dir sagen, warum du zum Ende deiner Predigt nicht mehr gut gepredigt hast. Du fingst zunächst so gut an, dass der Teufel flüsterte: „Gut gemacht, Tom! Du machst es sehr gut“. Kaum sprach der Teufel das aus, dachtest du. „Tom ist ein ganz netter Geselle“ und daraufhin verließ der Herr dich… „Glücklich wäre Tom, wenn er für sich beschlossen hätte, nicht anderes zu kennen, als Christus den Gekreuzigten – und Tom überhaupt nicht zu kennen.

Das ist es, was ich selber wissen und kennen möchte, denn ich kenne keine andere Macht außer die, die von Oben kommt. Ich kann zu keinem Zeitpunkt schwächer als zu einem anderen sein, und ich kann mich meiner Schwachheiten rühmen, weil diese Raum der Macht Christi geben.

Meine Schwächen rühme ich

So ruht dann Christi macht auf mir

Nur in Schwächen werde stark ich

Gnade mein Schild, Christus die Tür[7]

Das wäre eine feine Gesinnung für euch, Brüder und für mich, sich vorzunehmen nichts über uns und über unsere Werke zu wissen. Nun mein lieber Johannes, fang an nichts übe dich zu wissen, außer Jesus Christus. Lasst Johannes dahingehen wo er will, damit er nicht auf Johannes Kraft baut, sondern auf Christi. Und du, Petrus, wisse nichts mehr über Petrus und rühme dich nicht: „Wenn dich auch alle verleugnen sollen, werde ich das niemals tun.“ Sondern erkenne, dass des Petrus Herr Jesus in Petrus lebt – und dann magst du getröstet werden.

Bestimmt für euch dies, ihr Christen, durch die Gnade Gottes und es soll euer Eifer sein, euer Auge fixiert zu lassen, eurem Glauben sich nur an den Herrn Jesus geklammert haben, ohne diesem irgendwelche Werke oder eure Kräfte hinzuzufügen. Habt ihr das bestimmt könnt ihr euren Weg fröhlich ziehen, singend über das Kreuz Christi als euren Ruhm, eure Ehre und euer Alles! Wir werden uns jetzt dem Tisch des Herrn zu und ich hoffe, dass es unser Ziel hier ist, nichts anderes zu kennen als Jesus Christus, den Gekreuzigten. Möge der Herr uns segnen! Amen.


[1] Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.), römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der berühmteste Redner Roms

[2] Demosthenes (384-322 v. Chr.), einer der bedeutendsten griechischen Redner und Staatsmann Athens

[3] Diogenes von Sinope, ein griechischer Philosoph und Zyniker (Verm. 413-323 v. Chr.), der die Bedürfnislosigkeit und Unabhängigkeit von äußeren Zwängen propagierte. Lebte in einem Fass und lief oft tagsüber mit einer Lampe umher, mit der Begründung, er suche einen ehrlichen Menschen.

[4] Heureka (ηὕρηκα) ist gr. Und heißt: „Ich habe es gefunden“. Der Ausruf ist durch Archimedes von syrakus berühmt geworden, der unbekleidet durch die Stadt gelaufen sein soll und laut „Heureka!“ ausrief, nachdem er in einer Badewanne das archimedische Prinzip der Massenverdrängung in Fluiden herausgefunden hat.

[5] Aus Notes, explanatory and practical, on the First Epistle of Paul to the Corinthians. By Albert Barnes. Third Edition, Harper & Bros. 1846

[6] Diese Begebenheit dokumentiert C.H. Spurgeon nahezu unverändert in seinem Kommentar zur Pilgerreise: „Bilder aus der Pilgerreise“. Deutschsprachig kostenlos hier erhältlich.

[7] Eine Liedstrophe aus dem Lied „Let me but hear my Savior say” von Isaak Watts

Über Sergej Pauli

Hallo, ich bin Sergej Pauli, Jahrgang 1989 und wohne in Königsfeld im Schwarzwald. Ich bin Ingenieur, verheiratet, habe vier Kinder. Diesen Blog möchte ich nutzen, um über das Wort Gottes und seine durchdringende Wirkung bis in unsere Zeit zu schreiben. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.