Theologie an der Weggabelung

Dieser Tweet von Johannes Traichel hat mich dazu gebracht, über etwas nachzudenken, was mich immer wieder bewegt hat.

In dem Zitat von Ratzinger werden Auferstehung und Jungfrauengeburt als Prüfstein für den eigenen Glauben an Gott hervorgehoben. Es ist verständlich, dass Ratzinger diese zwei Ereignisse im Leben von Jesus besonders hervorhebt, markieren sie doch das außergewöhnliche Wirken Gottes einerseits am Anfang und andererseits am Ende des Lebens und am Anfang des erneuerten Lebens von Jesus.

Wenn Ratzinger die Frage nach Gott auf diese zwei Ereignisse herunterbricht, so sind Jungfrauengeburt und Auferstehung nur Stellvertreter für ein grundlegenderes Thema.

Meine Beobachtung ist, dass es zwei grundlegende Kategorien von Theologen gibt: Es gibt die Einen, für die alle metaphysischen Themen nur ein Chiffre für innerweltliche Phänomene sind – der in meinen Augen klassische Vertreter dieser Kategorie ist Bultmann. Und es gibt die Anderen, für die die metaphysische Sphäre eine Realität ist.

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Theologe einmal vor einer Weggabelung steht und sich bewusst oder unbewusst entscheiden muss, welchen dieser beiden Wege er beschreiten will.

Die Entscheidung, die man dann trifft, hat weitreichende Konsequenzen. Ist die metaphysische Sprache der Bibel nur eine Chiffre für innerweltliche Phänomene, dann gibt es keine Wunder und dann gibt es kein übernatürliches Wirken Gottes in dieser Welt. Dann sind auch Jungfrauengeburt und Auferstehung nur Chiffren und Symbole, die eine Erfahrung beschreiben oder Metaphern sind, aber keine Realität.

Glaube ich aber daran, dass es eine übernatürliche Wirklichkeit gibt, die in unsere Welt hineinwirken kann, dann ist theoretisch alles denkbar und möglich. Dann sind nicht nur Jungfrauengeburt und Auferstehung möglich, sondern auch Heilungen, Entrückungen, Inspiration oder die Sieben-Tage-Schöpfung.

Die Grundfrage lautet daher: Glaube ich daran, dass Gott auf eine übernatürliche Weise in dieser Welt wirken kann, oder glaube ich das nicht?

Wenn ich es nicht glaube, dann muss ich alles, was in der Bibel über diese Art des Wirkens Gottes steht, neu bewerten und auslegen.

Glaube ich es aber, dann öffnet sich ein unendlicher Raum an Möglichkeiten. Denn wieso sollte das Eine dann möglich sein, das Andere aber nicht? Wieso sollte ich Gott zutrauen, dass er Jesus auferstehen lässt, ihm aber nicht zutrauen, dass er ihn durch eine Jungfrau auf die Welt kommen lässt? Wenn Gott auf wundersame Weise heilen kann, wieso kann er dann Menschen nicht auf eine besondere Art und Weise dafür ausrüsten, uns seine guten Gedanken durch die Inspiration zuverlässig zu vermitteln?

Irritiert bin ich vor allem über die Theologen, die zwar grundsätzlich offen sind für das Wirken Gottes in dieser Welt, dann aber hier und da ihre Anfragen haben, ob das nun tatsächlich wirklich so geschehen ist. Ich kann verstehen – auch wenn ich vielleicht anderer Meinung bin – wenn man anmerkt, dass man den Text, in dem ein Wunder beschrieben wird, nicht für authentisch hält. Aber ich kann schwer verstehen, wenn man anfragt, ob man dieses übernatürliche Wirken wirklich Gott „zutrauen“ kann. Öffne ich die Tür für die metaphysische Realität, dann ist die Grenze für das, was von Gottes Seite möglich ist, ausschließlich der Wille Gottes selbst.

2 thoughts on “Theologie an der Weggabelung

  1. Die italienische Frau Gemma Di Giorgi, sieht ohne, daß sie Pupillen hat. Sie wurde ohne Pupillen geboren und ohne diese ist man blind. Als Kind nahm ihre Großmutter sie zu Pater Pio, einem bekannten italienischen Priester, der für das Kind betete. Nach dem Gebet konnte sie wieder sehen und das seit Jahrzehnten, obwohl sie weiterhin keine Pupillen hat.
    In Italien wurde von dem Fall des öfteren berichtet, aber unsere Theologen, nehmen solche und noch andere Wunder nicht zur Kenntnis in ihrer unsäglichen Borniertheit.

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