Vorwort

Hier entsteht ein Buch. Live, interaktiv, aktuell. Du kannst in diesem Blog dabei zusehen, Kapitel um Kapitel verfolgen. Sie kommen mal früher, mal später dazu. Wie die Steine zu einem Mosaik. Und sowas Ähnliches wird daraus auch werden.

Warum im Blog? Erstens liest gefühlt kaum noch jemand Bücher. Zweitens dauert es so lange, eines zu schreiben, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon wieder veraltet ist. Drittens habe ich als Pfarrer einer Kleinstadtgemeinde vielfältige Aufgaben, und Glaubensinhalte zu vermitteln ist (leider) nur eine davon. Mir steht nicht so viel Zeit zur Verfügung und ich kann auch nicht immer so, wie ich will. Da bietet es große Vorteile, wenn ich das, was ich habe, dann auch zeitnahe publizieren kann. Sonst entsteht bei erzwungen Kreativitätspausen leicht das Gefühl, dass alle bisherige Arbeit umsonst war.

Das bedeutet aber, dass dieser Blog etwas anders funktioniert als andere Blogs. Manche Kapitel bauen nämlich auf früheren Kapiteln auf. Aber sie werden ziemlich sicher nicht in dieser zeitlichen Reihenfolge entstehen bzw auch mal umsortiert werden. Deshalb verlinke ich auf der rechten Seitenleiste ein Inhaltsverzeichnis, so wie eine Art Leseempfehlung, in welcher Reihenfolge Ihr Euch durch die einzelnen Artikel bewegen könnt, damit der Zusammenhang deutlich wird.

Tiefer glauben – darum geht es. Glaubenstiefe zu gewinnen in den Veränderungen, die in unserem ganzen Umfeld vor sich gehen. Wie ein Baum, der saftig und grün bleibt, auch wenn die Hitze den Boden ausdörrt, weil seine Wurzeln das Grundwasser in der Tiefe erreichen. Dafür müssen wir die Ursachen dieser Dürre verstehen, das heißt, die gesellschaftlichen Veränderungen aufschlüsseln, die sie auslösen. Wir müssen in die Tiefe bohren und dafür die richtige Richtung finden. Und wenn wir auf Wasser stoßen, dann genügt es nicht, darüber zu reden. Wir müssen es trinken! Trinken vom Wasser des Lebens, das von Jesus Christus ausgeht. Du kannst nicht gleichzeitig Wasser analysieren und deinen Durst damit löschen. Entweder du untersuchst seine Eigenschaften aus der Perspektive des Beobachters oder du nimmst es in dich auf. Beides gleichzeitig geht nicht. Und so manches Wasser ist nach der Analyse ungenießbar. Es gibt den Moment, in dem wir uns entscheiden müssen, zu trinken statt zu verdorren. Das sind die Entscheidungsmomente, in denen es um Leben oder Sterben des Glaubens geht, und solche Momente kommen in diesem Buch vor.

Denn wir sind nun mal keine Bäume, sondern Menschen und als solche haben wir drei personale Funktionen – Denken, Fühlen und Wollen. Alle diese Fähigkeiten brauchen wir, um Glaubenstiefe zu gewinnen, und sie werden in jeweils eigenen Kapiteln Aufmerksamkeit erhalten. Das Buch hat darum eine mosaikartige Struktur. Es sind Texte dabei, die zum Nach- und Mitdenken anregen, auch wissenschaftliche Erörterungen. Manche Texte – z.B. die autobiographischen Kapitel – drücken Gefühle aus oder sprechen sie an. Und es gibt essayartige Texte, in denen es um das Wollen geht, um Entscheidungen, um Vorhaben und Glaubenspraxis. Diese Textgattungen sind an ihren Farben erkennbar und – das ist der Vorteil im Blog – sie werden getaggt. Menschen, die sich z.B. mit Denkfragen nicht wohlfühlen oder denen die emotionale Schiene suspekt ist, können so leichter diejenigen Kapitel finden, mit denen sie mehr anfangen können.

Es gibt übrigens ganz verschiedene Möglichkeiten für den Aufbau eines solchen Unternehmens. Es gibt z.B. lineare und spiralförmige Curricula. Ein linearer Buchaufbau unterteilt den Gegenstand des Buches in Themenfelder und schreitet diese nacheinander ab. Ich bin ein Fan von Spiralcurricula. Ein Spiralcurriculum ordnet die Themenfelder kreisförmig an und durchschreitet sie mehrfach, wobei immer mehr Aspekte berücksichtigt werden. Das Wissen kann sich so viel besser vernetzen. Einer meiner Lehrer, Sven Findeisen, war Meister darin. Die Header der einzelnen Kapitel geben Euch Hinweise, in welchen Themenfeldern wir uns gerade bewegen.

Noch ein Wort zu Kommentaren. Ich werde alle Kommentare lesen, und Eure Gedanken, die Ihr beitragt, werden in die zukünftigen Kapitel mit einfließen. Aber bitte erwartet nicht, dass ich alle Kommentare direkt beantworte. Bitte versteht das nicht als Arroganz oder so, sondern als Ausdruck des oben geschilderten Problems: Wenn ich die wenigen Minuten des Tages, die ich zum Schreiben verwenden kann, für die Beantwortung von Kommentaren nutze, werde ich nie fertig. Deshalb an dieser Stelle: Was Ihr schreibt werde ich lesen und in meinem Herzen bedenken!

In diesem Sinne – viel Freude beim Mitlesen und mitdenken!

2 thoughts on “Vorwort

  1. „Tiefer glauben – darum geht es. Glaubenstiefe zu gewinnen in den Veränderungen, die in unserem ganzen Umfeld vor sich gehen. “

    Lieber Gerrit, ein schönes Unterfangen! Ich wünsche Gottes Segen! Viel Klarheit!

    Mir geht es auch auf meinem Blog und in allem meinem Tun um lebendigen Glauben und um ein immer Tieferwerden desselbigen.

  2. Die Glaubenstiefe kommt durch eine tiefe Buße. „Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut widerstanden“ Hebr, 12,4. Viele Gebete, hauptsächlich die öffentlichen, gehen nicht in die Tiefe und sind oft auch nicht ernsthaft. Zerknirschung fehlt. Gott erhört die, die zerschlagenen Herzens sind. Stehlt alles in der Bibel. Mehr und vor allem inniger beten, weniger predigen.

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