Das Manifest (3): Es kommt ein Tag, an dem alles noch einmal auf den Tisch kommt!

„Rechnest Du wirklich damit, dem Urteil Gottes entgehen zu können? … Du bist starrsinnig und im tiefsten Herzen nicht bereit, dich zu ändern. Und so ziehst du dir selbst mehr und mehr den Zorn Gottes zu bis zum Tag des Zorns. Das ist der Tag, an dem Gott sich als gerechter Richter offenbart. Gott wird allen das geben, was sie für ihre Taten verdienen. … Über jeden Menschen, der Böses tut, lässt er Not und Verzweiflung hereinbrechen. … Denn Gott richtet ohne Ansehen der Person.” (Kap. 2, Verse 3b,5,6,9,11)

Paulus lässt keinen Zweifel daran: Es gibt einen Gott, dem nichts entgeht. Dieser Gott wird zornig angesichts unseres rebellischen, ungerechten und egoistischen Verhaltens. Eines Tages wird er alle unsere Taten noch einmal ans Licht bringen, beurteilen und im Gericht für Gerechtigkeit sorgen.

Wird die Frohbotschaft zur Drohbotschaft gemacht?

Die Lehre vom Gericht Gottes ist für Paulus offenkundig ein unverzichtbarer Teil des Evangeliums. Er verschweigt dabei nicht, dass der Ausgang dieses Gerichtstages gravierende Konsequenzen für uns haben wird. Er kündigt an, dass Gott „Not und Verzweiflung“ über alle bösen Menschen hereinbrechen lässt. Jesus selbst hat diese Aussicht zum Teil sogar noch deutlich schärfer formuliert (z.B. Matth. 13, 41+42). Trotzdem wurde kaum ein Element der christlichen Lehre so angegriffen oder verdrängt wie die Lehre vom Zorn, vom Gericht und von der Strafe Gottes. Selbst innerhalb der Kirche wird oft gesagt: Man dürfe mit solchen Lehren doch nicht aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft machen. Das hört sich schön an. Das Problem ist nur: Jesus tut es. Und Paulus tut es auch. In aller Deutlichkeit. Warum macht er das? Will er die Menschen einschüchtern und manipulieren, um sie bei der christlichen Stange zu halten?

Manipulation oder berechtigte Warnung?

Tatsache ist: Düstere Warnungen dieser Art sind immer dann hochgradig verwerflich, wenn die angedrohten Konsequenzen aus der Luft gegriffen wurden, um Menschen Angst zu machen. Wenn die möglichen Konsequenzen eines Fehlverhaltens hingegen real sind, dann wäre die Sachlage genau umgekehrt. Dann wäre es verwerflich, auf die Warnung zu verzichten! Dann müssten diejenigen schuldig gesprochen werden, die für die Warnung verantwortlich waren, sie aber – aus welchen Gründen auch immer – verschwiegen haben. Ob die Rede vom Zorn Gottes, von Gericht und Strafe ein notwendiger Akt der Liebe oder eine verwerfliche Manipulation darstellt, hängt also letztlich allein von der Frage ab, ob es wirklich der Realität entspricht, was alle Christen seit jeher gemeinsam bekennen: „Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“

Ein Segen für die Unterdrückten – und für die ganze Gesellschaft!

Die Lehre vom Gericht ist aber mehr als eine Warnung. Sie ist eine Hoffnungsbotschaft für alle Unterdrückten, Ausgebeuteten, Bedrängten und Betrogenen, die von keinem weltlichen Gericht Gerechtigkeit erwarten können. Entsprechend jubelt der Psalmschreiber: „Die Berge sollen fröhliche Lieder singen vor dem Herrn. Denn der Herr kommt, die Erde zu richten. Er wird die Welt richten mit Gerechtigkeit und alle Völker nach seiner Wahrheit.“ (Psalm 98, 8b+9)

Hinzu kommt: Das Wissen um die Existenz eines allwissenden, jenseitigen Richters entlastet ganz offenkundig die diesseitigen Richter. Der indische Philosoph und Theologieprofessor Vishal Mangalwadi berichtet in seinem „Buch der Mitte“, wie sehr es ihn erstaunte, in Deutschland auf einen Bauernhof zu treffen, in dem man Milch einfach mitnehmen und das Geld dafür in eine offene Kasse legen kann. In Indien würde man nach seiner Einschätzung nicht nur das Geld sondern auch die Milch und die Kühe mitnehmen, wenn der Stall nicht abgeschlossen ist. Den Unterschied zwischen den Kulturen kann er sich nur durch den Einfluss der Reformation erklären. So trägt eine gesunde Ehrfurcht vor Gott dazu bei, dass Menschen einen Eigenantrieb entwickeln, ein ehrliches und rücksichtsvolles Leben zu führen. Das erhöht die Wertschöpfung, weil dem Staat viel Aufwand für Kontrolle, Überwachung und Strafverfolgung erspart bleibt. Ehrlichkeit und das daraus resultierende Vertrauen ist insgesamt eine entscheidende Grundlage für eine florierende Wirtschaft und Wohlstand.

Das Gewissen bezeugt die Existenz einer objektiven Moral

Wie gut also, dass Paulus deutlich macht: Das Gericht Gottes wird ALLE Menschen treffen – selbst dann, wenn sie von der Bibel und Gottes Gesetzen noch nie etwas gehört haben. Denn Gott hat jedem Menschen etwas von seinem Gesetz ins Herz geschrieben:

„Die Völker kennen das Gesetz zwar nicht. Trotzdem tun sie von sich aus, was das Gesetz verlangt. Obwohl sie das Gesetz nicht kennen, tragen sie es offensichtlich in sich. Sie zeigen damit, dass das vom Gesetz geforderte Handeln in ihr Herz geschrieben ist. Ihr Gewissen bestätigt das. So streiten ja auch in ihren Gedanken Anklage und Verteidigung miteinander. Das wird an dem Tag sichtbar, an dem Gott durch Christus Jesus Gericht hält. Dann urteilt er über das, was im Menschen verborgen ist. So entspricht es der Guten Nachricht, die ich verkünde.“ (2,14-16)

Unser Gewissen belegt laut Paulus also: Gott hat jedem Menschen ein Gespür dafür gegeben, dass es eine objektive Moral gibt. Jeder Mensch kann unterscheiden zwischen Gut und Böse. Deshalb klagen wir Menschen uns gegenseitig an. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern darüber, dass eines Tages ein objektiver Richter auch uns entsprechend prüft und beurteilt.

Das Gericht: Eine Provokation und ein Ärgernis

Quer durch die ganze Bibel, im Alten wie im Neuen Testament, wird gleichermaßen ein Bild von einem Gott gezeichnet, der zwar gnädig, geduldig und barmherzig ist, der aber zugleich in seiner Heiligkeit Sünde nicht dulden kann, der zornig wird angesichts des bösen Verhaltens der Menschen und der sie als Richter entsprechend straft. Diese biblische Lehre ist und bleibt eine Bedrohung, eine Provokation und ein Ärgernis für Alle, die es sich bequem machen wollen in einer Welt ohne Gott, ohne Gericht, ohne Strafe, ohne Konsequenzen. Dieser “Starrsinn” und die fehlende Bereitschaft, sich zu ändern, ist in uns allen tief verankert. Kein Wunder, dass diese Lehre auf so viel Ablehnung stößt.

Aber bevor wir sie verwerfen, sollten wir unbedingt die weiteren Thesen des Römerbriefs kennen lernen. Denn auf dieser Gerichtsbotschaft baut Paulus eine wunderbar befreiende, entlastende und tröstliche Erlösungsbotschaft auf, die kein Mensch dieser Welt verpassen sollte!


Zur Übersicht: 7 fundamentale Thesen des Römerbriefs

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Das Manifest (3): Es kommt ein Tag, an dem alles noch einmal auf den Tisch kommt!".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

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