IST DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE EINE LEGENDE?

Eine öffentliche Diskussion über die Glaubwürdigkeit der biblischen Weihnachtsgeschichte ist In der Vorweihnachtszeit gewiss aktuell. Ich erlebte sie in meiner eigenen evangelischen Kirchengemeinde vor einigen Jahren.  Meine „Betroffenheit“ über die öffentliche Bibelkritik in der Weihnachtsausgabe unseres Gemeindebriefes wurde von der Zeitung „Die Rundschau“ komplett übernommen. Der Artikel löste eine gewisse Unruhe, sowie ein „Bereinigungsgespräch“ mit leitenden Kirchvertretern in unserem Gemeindehaus aus.
Damals ahnte ich nicht, dass sich mein kritischer Bericht jemals auf evangelikale Veröffentlichungen anwenden ließe. Das trifft heute jedoch erstaunlich kühn in deren Büchern und Zeitschriften zunehmend zu. Prüfen Sie, ob meine „empörte“ Reaktion auch dafür zutreffend ist:
Die Weihnachtsgeschichte – eine Legende?
Das Geschehen zu Bethlehem, der Besuch der Hirten, die Weisen aus dem Morgenland… Diese Geschichten sind, wissenschaftlich gesehen, Legenden“.  
Mit dieser kühnen Behauptung hat ein dreister Artikelschreiber im Gemeindeblatt meiner Kirchengemeinde einige Christen aufgeschreckt. Ich gehörte zu ihnen. Vielleicht sind Sie, lieber Leser, ebenfalls schon mit solchen Thesen konfrontiert worden. Darum möchte ich einmal erzählen, wie ich darauf reagiert habe:

Verunsichert griff ich zuerst nach „Wahrigs Deutschem Wörterbuch“. Vielleicht ist der Begriff „Legende“ doch nicht so nahe mit dem Begriff „Märchen“ verwandt, dachte ich mir. Aber dort ist erklärend zu lesen: „Legende, … verzerrt dargestellter historischer Vorgang; nicht mehr nachweisbares und oft phantasievoll ausgeschmücktes historisches Ereignis“. Die Verwirrung war perfekt. Wie konnte denn der Schreiber das Wort Gottes im Gemeindeblatt als Legende bezeichnen? protestierte ich. Wird damit nicht die Glaubwürdigkeit der ganzen Bibel in Frage gestellt? Beginnt mit den „Legenden von der Geburt Jesu“ nicht alles zu wanken!?

Für mich als überzeugtem Christen stand viel auf dem Spiel. Ich wollte den Argumenten der Vernunft nicht ausweichen, sondern entschloss mich, der Sache auf den Grund zu gehen. Christen brauchen doch ihren Verstand nicht „an der Garderobe abzugeben“, begehrte ich auf. Sie sind in der Lage, weiterzudenken. Denn wenn das mit der Legende stimmt, überlegte ich , so hat dies weitreichende Konsequenzen. Und diesen Konsequenzen bin ich dann schonungslos nachgegangen. Ich war bereit, Schlussfolgerungen zu ziehen und – falls zwingend – den eigenen Glauben einem Test zu unterziehen.
Wenn nämlich die Legendenthese wirklich stimmt – so die Logik -, dann wäre Jesus nicht vom Heiligen Geist, sondern von einem Mann gezeugt worden. Dann wäre er aber weder Gottes Sohn noch der Erlöser der Welt. Dann lohnte es aber nicht, ihn ernst zu nehmen und sich mit ihm zu befassen. Wenn dem so wäre, dann wären die Verfasser der Evangelien keine Zeugen der Wahrheit, sondern Fabeldichter und schamlose Lügner. Gerade der Evangelist Lukas behauptet doch, er beabsichtige „Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie es uns von denen überliefert wurde, die es von Anfang an selbst gesehen haben“ (Lukas 1,1 – 2). Somit wären auch die Apostel nichts anderes als Lügenapostel.

Die „Heilige Schrift“ wäre dann konsequenterweise in ihren Aussagen total unglaubwürdig. Sie wäre nichts anderes als eine Ansammlung von legendären Spielereien. Dann aber könnte man die Bibel getrost vergessen. Wer möchte schließlich auf bloße Legenden bauen und sich im Leben und Sterben davon etwas erhoffen? Die christliche Kirche aber wäre auf Grund solchen Sachverhaltes eine Verdummungs-Institution ohnegleichen. Schließlich hätte sie doch jahrhundertelang und weltweit den arglosen Menschen bloße Legenden als Tatsachen, als historische Wahrheit „verkauft“. Das aber wäre eine Unverfrorenheit, ja ein Betrug.

Alle Pfarrer und Prediger des Evangeliums müsste man ferner – falls die Legendentheorie wirklich stimmt – konsequenterweise als Volksverführer ersten Grades bezeichnen. Es wäre unverantwortlich, fast kriminell, den aufgeklärten, mündig und urteilsfähig gewordenen Zeitgenossen zuzumuten, verstaubten Legenden Glauben zu schenken. Die Christen schließlich müssten – falls die Bibel nur so etwas wie ein Märchenbuch wäre,- sich ehrlich eingestehen: Wir haben uns von bloßem Legendengeschwätz verführen und beeindrucken lassen. Das in etwa war meine „Bilanz“ – falls die Legendenthese tatsächlich stimmt.

Doch als wahrheitsliebender Mensch wollte ich meine barsche Reaktion erst noch überdenken. Ich wollte herausfinden, ob der Artikelschreiber seine Legendenthese sachlich zu beweisen vermag. Andernfalls wäre es ja lediglich eine Hypothese, d. h. eine Vermutung, die er persönlich vertritt. Und es wäre genauso naiv, solch eine folgenschwere Behauptung ungeprüft ernst zu nehmen.

Nachdem ich in der Geschichte der biblischen Textüberlieferung nachgeforscht hatte, bestätigte sich, dass es im ersten Jahrhundert so etwas wie eine „Nahtstelle“ zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung gibt. Manche Fragen bleiben dabei einfach offen. Aber „wissenschaftlich“ beweisen lässt sich ein legendärer Ursprung der Weihnachtsgeschichte dadurch keineswegs.
Ganz im Gegenteil. Die Berichterstatter Matthäus und Lukas wurden über die weihnachtlichen Ereignisse, etwa über die „Hirten in Bethlehem“ aus erster Hand informiert. Matthäus z. B. war einer der zwölf Apostel. Er hat folglich die Mutter Jesu, Maria, persönlich gekannt und gesprochen. Glaubwürdiger hätte ihm niemand über die Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist (Math 1, 20b), den Besuch der Weisen oder den Kindermord des Herodes (Math 2) informieren können. Da ist kein Platz für Legenden und Mythen. Bei einer sauberen Quellenforschung ist dieser Tatbestand zu akzeptieren.

Somit erweisen sich nicht die Verfasser des Weihnachtsberichtes, sondern die dreisten „Legendenapostel“ als Verführer und Lügner. Sie bringen nämlich ihre Vermutung frech als „wissenschaftlich erwiesen“ unter die Menschen.

Der uneingeweihte Leser fragt sich natürlich: Wieso gibt es solch eine bibelkritische Haltung denn überhaupt? Zunächst muss gesagt werden, dass nicht alle wissenschaftlich Gebildeten bibelkritisch denken. Gott sei Dank gibt es heute noch viele Akademiker, die sich zur Verlässlichkeit und Autorität der Bibel bekennen. Auch sie wurden in ihrem Studium durch die sogenannte „Historisch-kritische Forschung“ mit der Legendentheorie konfrontiert. Diese argumentiert nach den Kriterien der „reinen Vernunft“ (Kant). Nach dieser „Logik“ kann und darf es z. B. Wunder nicht geben. Aber solche scheinbar plausiblen Theorien haben den Glauben an die Verlässlichkeit der Bibel nicht schon als überholt bewiesen.

So war es auch bei mir. Die Legendentheorie brachte es nicht fertig, mir Christus und die Bibel als Gottes untrügliches Wort in Frage zu stellen. Dazu sehe ich keinerlei Grund. Ich habe den zu Bethlehem proklamierten „Frieden auf Erden“ im Glauben an Jesus persönlich erlebt. Ich erfahre ihn täglich und möchte – wie einst die Hirten – davon erzählen und Gott dafür loben und preisen!

Dieser Blog-Beitrag von Herbert Masuch erschien zuerst auf Christus-Portal-Blog . Lies hier den Original-Artikel "IST DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE EINE LEGENDE?".

Über Herbert Masuch

HERBERT MASUCH wurde 1929 in Ostpreußen geboren. Nach den Zusammenbruch des Dritten Reich erlebte er eine bewusste Umkehr zu Jesus Christus. Von 1954 bis 1958 studierte er am Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Es folgte ein mehrjähriger Dienst in der Essener Stadtmission. 1963 wechselte er als Evangelist in die Deutsche Zeltmission. Etwa dreißig Jahre lang war Masuch im In- und Ausland als Rufer zu Gott unterwegs. Auch durch die Mitarbeit beim Evangeliums-Rundfunk, die Veröffentlichung mehrerer Bücher und als Liedautor war er bemüht, die Frohe Nachricht von Jesus, dem Retter der Welt, zu bezeugen. Seit 1964 sind Masuch’s glücklich verheiratet und haben drei Kinder. Ehefrau Gretel war mit ihrem Mann viele Jahre missionarisch unterwegs. Heute wendet sich der ehemalige Evangelist überwiegend an Christen. Er bietet Hilfen an, die befreiende Botschaft „Christus in euch“ erstmals oder neu zu entdecken und zu verwirklichen. Diesem Anliegen dient auch seine dreibändige Buchreihe Lebensreformation (1994), die zugleich eine geschichtliche Analyse des jahrzehntelangen charismatischen Konfliktesherdes bietet.

4 thoughts on “IST DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE EINE LEGENDE?

  1. Was hat denn der Kritiker geschrieben ausser der Behauptung diese Geschichten seien Legenden? Der muss doch auch mitgeteilt haben, warum er das so sieht. Beim dem ganzen Geschehen war er ja auch nicht dabei. Nach rund 2000 Jahren kann man vieles behaupten. Der Lüdemann hat wenigstens Gründe angegeben, warum er an der Auferstehung gezweifelt hat, nur waren diese Gründe gar nicht nachvollziehbar.

  2. Ihre Ausführungen enthalten ein paar Schönheitsfehler.

    Zum einen verwechseln sie Legenden und Märchen.
    Erstere haben einen historischen Kern mit Ausformung des Ramens, letztere nicht.
    Sie bemerken korrekt, daß Teile einer Legende nicht mehr nachweisbar sind.

    Aus historischer wissensch. Sicht sind die Texte des NT oft nicht „Beweisbar“, man kann sie glauben.
    Oder halten Sie die Legende von Mohammeds treffen mit Gabriel für wahr?
    Warum nicht?

    Dennoch: Selbst sehr kritische Forscher sehen einen historisch belegbar Kern im NT (siehe Gerd Theißen und Annete Merz)

    Ein anderer Punkt ist ihre „wenn ein Detail nicht stimmt (bzw Beweisbar ist) ist alles falsch“ Sicht.

    Jesus kritisiert zb das Scheidegebot als „nur von Mose inspiriert“. Sagt er deshalb das Ganze AT sei falsch?

    Strittige Details in der Erzählung berühren den Kern des Glaubens nicht.

    Zuguter letzt:
    Wie bereits von anderen erwähnt:
    Wo sind die Argumente? Aufzählungen von positiven Belegen sind gegenüber (vermeintlichen) Falsifizierungen weniger gewichtig.
    Eine Auseinandersetzung mit den Argumenten der Kritiker ist also besser.

    Zb das Problem mit Quirinius und Herodes.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Publius_Sulpicius_Quirinius

  3. Wenn ein Historiker in das Lk-Evangelium guckt, dann stellt er folgendes fest:
    Der Lukas war ein Arzt, war sicherlich das genaue Beobachten und diagnostizieren gewohnt.
    Er benennt Orte, er benennt Zeugen. Jede seine Äußerungen hätte ein Zeitgenosse widerlegen können, indem er die gleichen Zeugen an den gleichen Orten befragt.
    Es gibt ähnliche schriftliche Berichte anderer Zeugen.

    Kurzum, nach allen Kriterien, mit denen ein wissenschaftlich arbeitender Historiker die Texte bewerten würde, muss er den Text für wahr annehmen.

    „Jesus kritisiert zb das Scheidegebot als „nur von Mose inspiriert“.“ Jesus spricht nicht von inspiriert. Scheidungen waren erlaubt, obwohl von Gott nicht gewollt. Das hatte aber Gründe, die in einem längeren Text abzuhandeln wären. Kurzum: wer Gott nicht treu sein kann, kann seiner Frau auch nicht treu sein. Paulus vergleicht später die Ehe mit der Beziehung von Jesus zum Menschen. Aber das wäre jetzt ein längerer Erklärungtext.
    Wir heiraten ja auch heute keine Prostituierten, weil ein Prophet das mal auferlegt bekommen hat …

  4. Was heisst hier „Ich wollte den Argumenten der Vernunft nicht ausweichen…“ Welche Argumente der Vernunft sollen das gewesen sein, das wird ja gar nicht erwähnt. Demnach kann man diese „Argumente“ auch nicht widerlegen. Blosse Behauptungen dies oder jenes sei nicht wissenschaftlich erwiesen, sind ein Unding, wenn nicht auch die Belege dafür erwähnt werden.
    Aber offenbar kommt da auch nichts mehr.

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