Gottesfurcht und Gottesbild

 

Ein Spiel mit Nähe und Distanz

In diesem Artikel findest du ein Tool, mit dem du dein Gottesbild prüfen kannst.


Gott wird Mensch als Gegenstück zu seiner Herrlichkeit

Gott hat die Distanz zu uns Menschen, die durch seine schiere Größe existiert, überwunden, indem er Mensch geworden ist. Gott wollte nie, dass der Mensch einfach aus der Ferne seine Herrlichkeit bestaunt. Bereits beim Volk Israel hat Gott Wege geschaffen, wie sein Volk ihm nahe sein kann. Durch Jesus ist er den Menschen unendlich nahegekommen. Musste man davor Angst haben zu sterben, wenn man Gott begegnet, konnten jetzt Menschen Gott ins Angesicht schauen. Der Hebräerbrief drückt aus, dass Gott vollständig einer von uns geworden ist, in allem uns gleich (Hebräer 2,17). Darüber hinaus behauptet Paulus, dass dieser Jesus in unseren Herzen wohnt (Kolosser 1,28). Näher geht es kaum. Hier erscheint uns Gott als Bruder, Freund und Gefährte, der nah an unserem Herzen ist.

Gottes Liebe zu den Sündern als Gegenstück zu seiner Heiligkeit

Die Heiligkeit Gottes ist für Gott kein Grund sich von Sündern fernzuhalten, im Gegenteil. Er ist Sündern barmherzig zugeneigt und liebt sie trotz ihrer Sünde (Römer 5,8). Jesus macht deutlich, dass Gott gerne unter Sündern ist (Markus 2,15-17). Nicht weil er über die Sünde hinwegsieht, sondern weil in seiner Gegenwart Unrecht ausgeräumt werden kann. Es hört aber nicht damit auf, dass Gott Sündern zugeneigt ist, sondern er beschenkt Sünder mit seiner eigenen Gerechtigkeit (Jesaja 61,10, Römer 3,22) und wir können ohne Angst mutig in seiner Gegenwart sein (Hebräer 4,16). Hier erscheint uns Gott als liebender Vater, als Versöhner und „voll gnädigen Erbarmens“.

Überleitung

Ich denke, dass wir leicht in der Gefahr stehen diese Spannung aus Nähe und Distanz in eine der beiden Richtungen aufzulösen und an eine „falsche Nähe“ und eine „falsche Distanz“ zu glauben.  Je nach Persönlichkeit, Prägung und Überzeugung neigen wir dazu einen Aspekt auf eine ungute Art zu betonen. Das Problem dabei ist, dass sich diese falschen Gedanken auf den ersten Blick gar nicht so leicht von der Wahrheit unterscheiden lassen. Wenn wir eine „gesunde Gottesfurcht“ entwickeln wollen, ist es gut eine Trennschärfe zu einer falschen Gottesfurcht zu bekommen. Dafür scheint es mir wichtig falsche Zerrbilder, die wir von Gott erstellen, klar benennen zu können, um zu einem gesunden Gottesbild und dadurch zu einer gesunden Gottesfurcht zu gelangen.

Fragebogen

Dieser kleine Fragebogen enthält 20 Aussagen, über die man Nächte lang diskutieren könnte. Sie sollen dir helfen, deine eigenen Tendenzen in dieser Frage festzustellen. Du kannst in das Feld dahinter eine Zahl von 0-3 schreiben, wie sehr du dieser Aussage zustimmst. Danach zählst du die Punkte in vier verschiedenen Kategorien zusammen. Der Test soll aufzeigen, in welche Richtung dein Verständnis von Gottesfurcht tendiert. Selbstverständlich macht der Test keine eindeutige Aussage, über dein Gottesbild, sondern soll für dich ein Hilfsmittel zur Reflektion sein. Damit der Test gut funktioniert, füllst du den Fragebogen am besten intuitiv aus, ohne jede Aussage ins Detail zu zerlegen. (Du kannst dir den Test auch als PDF herunterladen – ganz oben ist ein kleiner Button (Büroklammer) dafür) Danach kannst du dich auf die Feinheiten der Aussagen stürzen. Am Ende des Bogens findest du eine kleine Auswertung und eine Erklärung zu den verschiedenen Kategorien.

Wie sehr stimmst du dieser Aussage zu (0-3)

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Der Test ist natürlich nur ein Hilfsmittel. Der Gedanke dahinter ist, Aussagen zu treffen, über die man diskutieren kann und die, wenn sie als 100% richtig verstanden werden, schnell problematisch sein könnten. Wenn ich daher den Aussagen in eine Richtung stark zustimme, kann es gut sein, dass ich in dieser Richtung in der Gefahr stehe an ein ungutes Gottesbild zu glauben.

Du kannst deine Ergebnisse hier in den folgenden vier Kategorien zusammenzählen. Wenn du viele Punkte in einer Kategorie hast, kann es gut sein, dass du deine Beziehung zu Gott auf diese Art und Weise wahrnimmst. Dieses Gottesbild wird deine Ehrfurcht Gott gegenüber stark beeinflussen.

Weiter unten findest du eine detaillierte Beschreibung jeder Kategorie. Vielleicht findest du dein Gottesbild in dem einen oder anderen Satz wieder.

  • Gott als Direktor: Fragen 1+8+13+14+18
  • Gott als Kumpel: Fragen 2+6+10+15+20
  • Gott als Polizist: Fragen 3+5+9+12+17
  • Gott als Großmutter: Fragen 4+7+11+16+19

Gott als Polizist

Beschreibung: Kennst du das Gefühl, wenn dir beim Autofahren ein Polizeiauto entgegenkommt? Du denkst sofort, dass du was falsch gemacht hat und selbst wenn du alles richtig gemacht hat, hoffst du, dass du nicht angehalten wirst. Wir haben eine seltsame Beziehung zu unserem „Freund und Helfer“. Es kann uns leicht passieren, dass wir Gott in einer ähnlichen Weise wahrnehmen. Gott ist dann in erster Linie an deinem Fehlverhalten interessiert und dauernd enttäuscht. Er ist nicht nur zornig über Sünde, sondern auch zornig über dich.

Falsche Distanz: Gott auf diese Art und Weise zu fürchten schafft eine falsche emotionale Distanz. Gott ist dann emotional weit weg aufgrund deiner Sünde und will nichts mit mir zu tun haben. Er ist beinahe ausschließlich an deiner Performance interessiert. Es lähmt dich in der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, da die Angst etwas falsch zu machen alle anderen Gedanken übertönt. Langfristig führt es zu einem frustrierenden und krampfhaften Glaubenskampf, indem du dich der eigenen Freiheit beschneidest und der Freude an der Errettung beraubt. Es kann aber auch zu einer falschen Nähe führen, wenn man meint die Performance passt (siehe Pharisäer in Lukas 18)

Die Wahrheiten, die man nicht glaubt: Die Vaterliebe Gottes. Die Liebe Gottes zu Sündern, denen er nah sein möchte. Das bedingungslose Ja Gottes zu seinen Kindern. Die Vergebungsbereitschaft Gottes. Das komplette Auslöschen der Schuld.

Biblische Beispiele: Die Pharisäer, die dachten, dass die Tatsache, dass jemand Sünder ist, das erste und entscheidende ist, was Gott auffällt und interessiert (Markus 2,15-17); Der reiche Jüngling, der meinte mit seiner Performance zu punkten und im Erkennen seines Versagens Jesus traurig verlässt, anstatt sich an ihn zu wenden (Markus 10,22); Hiobs Freunde, die sich gar nicht vorstellen können, dass Gott nicht Hiobs Sünde straft.

Gott als naive Großmutter

Beschreibung: Kennst du diese liebe und naive Großmutter? Der Enkel bekommt immer einen extra Nachtisch, er bekommt jeden Wunsch erfüllt und er wird immer der nette Goldjunge bleiben selbst nachdem er die Bank aufgrund seiner Spielschulden ausgeraubt hat. Vielleicht ist das nur ein Klischee, aber ich denke, dass wir in der Gefahr stehen, Gott als unsre naive Großmutter zu sehen. Gott ist dann ausschließlich daran interessiert, dass es dir gut geht. Er stellt keinerlei Ansprüche an dein Leben und redet dir auch nicht rein. Dein Fehlverhalten hat keine Konsequenzen und „Züchtigung“ ist ein Fremdwort. Gottes Willen und sein Anliegen für diese Welt verblasst. Gott wird schnell zu einem Wunschbrunnen für deine Ziele.

Falsche Nähe: Wer Gott so begegnet verlässt sich auf eine trügerische Nähe. Gott ist dann scheinbar nah, weil du keine Angst vor ihm hast und du immer auf ihn zurückgreifen kannst, aber er nimmt keinen Einfluss auf dein Leben. Er kann dir nicht reinreden, dich nicht korrigieren und dich nicht zur Buße führen. Echte Nähe erzeugt Reibung. Gott will, dass es dir gut geht, aber indem du in seinem Willen lebst, denn der ist gut. Eine naive Großmutter wird dir in den dunklen Zeiten deines Lebens keine Hilfe sein. Ein heiliger Gott, der dir den richtigen Weg zeigt, auch wenn es weh tut, hat rettende Kraft.

Die Wahrheiten, die man nicht glaubt: Die Heiligkeit Gottes. Die Bosheit und natürlichen Konsequenzen der Sünde. Die Notwendigkeit und Gerechtigkeit von Gericht. Dass Gott seine Kinder züchtigt, um sie zu erziehen.

Biblische Beispiele: Der Scheunenbauer in Lukas 12, der nicht einen Gedanken daran verschwendet zu überlegen, was Gott zu all dem zu sagen hat. Das Volk Israel in Jeremia 7, die glauben, dass Gott ihnen nicht böse sein kann, weil sie ja den Tempel haben und sein Volk sind.

Gott als unpersönlicher Schuldirektor

Beschreibung: Was hattest du für einen Schuldirektor? Meiner war einer der alten Garde: sehr unnahbar, strikt und unpersönlich. Wir hatten alle Angst vor ihm und ich war mir nicht sicher, ob er überhaupt wusste, dass ich existiere. Vielleicht stehen wir in der Gefahr unsere Beziehung zu Gott in einem ähnlichen Licht zu sehen. Gott ist dann nicht nur der distanzierte Direktor, sondern der distanzierte Schöpfer des Universums. Die riesigen Wellen des Meeres, für die du nur ein Spielball bist. Oder die gewaltigen Winde, die dich in die Luft heben. Das sind Bilder, mit denen du Gott vergleichst. Gott ist ein Titan, dem du ausgeliefert bist und der dich kaum wahrnimmt. Wer bin ich denn schon vor dem ewigen Schöpfer! Ja Gott ist gewaltig, aber dieser gewaltige Gott will dich.

Falsche Distanz: Gott auf diese Art und Weise zu fürchten schafft eine falsche Distanz, die letztendlich unpersönlich und gleichgültig ist. Eine Distanz, die vergisst, dass sich Gott nahbar gemacht hat (auch schon im Alten Testament) und das Gott immer nahe bei den Menschen sein wollte. Du vergisst, dass Gott ein Gott ist, „der mich sieht“ (1. Mose 16,13). Gott ist Gott, aber nicht dein Gott.  Im schlimmsten Fall führt das zu einer zynischen Weltsicht, in der du nicht mit dem Eingreifen Gottes rechnest, weil dein Leben in seinen Augen keine Rolle zu spielen scheint.

Die Wahrheiten, die man nicht glaubt: Wie sehr Gott die Gemeinschaft mit Menschen sucht. Die Tatsache, dass Gott Mensch geworden und in allem(!) uns gleich geworden ist (Hebräer 2,17).  Dass man ihn persönlich kennen und lieben lernen kann. Dass Gott mich persönlich gemeint hat.

Biblische Beispiele: Das Volk Israel am Berg Sinai (2. Mose 20), das Gottes Herrlichkeit sieht und Mose vorausschickt, weil ihnen die Sache zu heiß ist und so doch Gott fernbleiben. Die Dämonen, die auch an Gott glauben und zittern (Jakobus 2,19). Der Lehrer im Buch Prediger, der sich als ein Spielball des Schicksals wahrnimmt und darüber beinahe resigniert.

Gott als Kumpel:

Beschreibung: Kennst du diesen Moment, wenn du jemanden kennenlernst und ihr euch irgendwie sofort versteht? Vielleicht ist es, weil ihr die gleichen Hobbies habt oder den gleichen Humor habt oder irgendwas da ist, was man nicht so ganz beschreiben kann. In jedem Fall tickt ihr ähnlich und habt ein Gegenüber auf Augenhöhe gefunden. Versteh mich nicht falsch, ich finde solche Begegnungen großartig und ich freu mich wahnsinnig, dass Jesus seine Jünger Freunde nennt, aber ich sehe hier auch eine gewisse Gefahr. Denn wenn Gott in erster Linie dein Kumpel ist, dann kann das schnell dazu führen, dass Gott nicht mehr dein Herr ist. Dann sind Gottes Gebote eher Vorschläge für dein Leben, über die man gemeinsam diskutieren kann und nicht der Wille deines Herrn, dem du gehorsam sein möchtest. Gott begegnet dir dann auf Augenhöhe und nicht als der König dieser Welt.

Falsche Nähe: Gott auf diese Art und Weise zu begegnen schafft eine falsche Nähe, die deswegen besteht, weil du Gott auf das eigene Niveau runterholst. Dort kannst du dann diese vermeintliche Nähe leben. Dieses begegnen auf Augenhöhe kann dazu führen, dass du dich selbst überschätzt und meinst Gott „braucht“ deine Fähigkeiten und Begabungen. Du stehst dann in der Gefahr Gott klein und dich selbst groß zu machen. So wichtig und richtig es ist, dass Gott uns in Jesus als Freund begegnet, so notwendig ist es, dass wir uns daran erinnern, dass wir den lebendigen Gott vor uns haben. Gott ist völlig anders als wir und das ist auch gut so. Das zu unterschlagen, führt zu einer trügerischen Nähe, die zerbricht, sobald du dir deiner Schwachheit bewusstwirst. Denn spätestens dann brauchst du einen Gott, der größer ist als du selbst. Wenn wir das verstehen, lässt das unsre Freundschaft in einer neuen Dimension erstrahlen.

Die Wahrheiten, die man nicht glaubt: Die Autorität Jesu über seine Jünger. Die totale Abhängigkeit des Menschen von Gott. Die furchtbare und gleichzeitig wunderschöne Herrlichkeit Gottes.  Die Göttlichkeit Jesu.

Biblische Beispiele: Die Beschwörer, die Jesu Namen als Zauberwort benutzen wollen, um Dämonen auszutreiben (Apostelgeschichte 19). Johannes und Jakobus, die sich auf Augenhöhe mit Jesus sehen, mit ihm regieren und seine Aufgaben tun wollen (Markus 10, 35-40)

Was nun?

Hast du dich in manchen Punkten wiedergefunden? Vermutlich ja. Ich persönlich habe in den letzten Monaten Gott als den distanzierten Schuldirektor betrachtet und gemerkt, wie das meine Gottesfurcht beeinflusst. Ich halte es tatsächlich für wichtig diese falschen Vorstellungen zu kennen, um auch die Gefahren zu erkennen und darauf reagieren zu können. Für noch wichtiger halte ich es aber, die Wahrheiten über Gott zu kennen. Das falsche Bild zerfällt sehr schnell, wenn man das wahre Bild erblickt. Auch wenn eine gesunde Ausgewogenheit nie verkehrt ist, glaube ich, dass man Wahrheiten nur schwer überbetonen kann. Ich bin überzeugt, wer die Heiligkeit Gottes neu entdeckt, der wird ziemlich schnell von seiner Liebe für Sünder begeistert werden und umgekehrt. Und wer über die Tatsache nachdenkt, dass Gott unter Menschen wohnt, der kann nicht anders als schon bald von der Majestät und Größe Gottes erfasst zu werden. Also mach dich auf den Weg und lerne Gott kennen. Gott so zu sehen, wie er ist, wird dich wahre Gottesfurcht lehren, in all ihren Facetten.

Lukas Brinkmann
studiert in München und ist in der Christlichen Gemeinde Unterschleißheim in der Jugendarbeit tätig

Dieser Blog-Beitrag von Uwe Brinkmann erschien zuerst auf brink4u . Lies hier den Original-Artikel "Gottesfurcht und Gottesbild".

Über Uwe Brinkmann

beruflich +21 Jahre als Projektleiter in der Bauabteilung eines kommunalen Energieversorgers; seit 2018 Projekteinkäufer im Anlagenbau ... aufgewachsen in der 4. Generation der "Brüderbewegung"; trotz kritischer Aufarbeitung von daher geprägt: heute moderater "Dispi"; seit seiner "Bekehrung" (1981) theol. Autodidakt, 1993/94 für eine theol. Kurzausbildung in den USA ... seit 1987 im Großraum München in der Gemeindearbeit und bis 2017 in der Jugendarbeit tätig; Gründungsmitglied (1997) und Mitglied im Leitungsteam einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, der "Christlichen Gemeinde Unterschleißheim" (www.cgush.com) ... Mitarbeiter eines übergemeindlichen Schlungsprogramms: H3: "Hirn, Herz und Hand" im Großraum München; seit 01.01.2015 Blogger auf www.brink4u.com ... * 1962 (Oberhausen / Rhld.), seit 1992 verheiratet, 4 Kinder ...

20 thoughts on “Gottesfurcht und Gottesbild

      1. Ja, ich will diese Aussage der Schrift auch gar nicht kritisieren, sondern nur verstehen. Es ist ja wg. Natha Buch derzeit viel von der Furcht Gottes die Rede, auch verstanden als Angst.

        Ich sehe die Furcht Gottes als den Anfang der Weisheit als den Beginn einer Abkehr von der Ursünde, nämlich sich selbst auf das Level von Gott zu begeben. Der Weisheit Anfang ist dann das Zugeständnis, dass ich Gott wirklich Gott sein lasse und mich selbst als sein Geschöpf erkenne. Aus dieser Erkenntnis erwächst dann der Respekt vor Gott.

        1. Ja, Nathas Buch hat das Thema nach vorne gebracht, aber es war vorher schon im Kommen. Und sein Buch ist ggf. etwas verkürzt in der Darstellung des Themas: siehe die Rezensionen in meinem Artikel (am Ende).

  1. Warum kann Gott in der Person Jesu so eng Gemeinschaft mit Sündern haben, die doch in ihren Herzen nicht von heute auf morgen zum Engelchen mutiert sind?

    1. Noch schlimmer: werden Menschen jemals „zum Engelchen“? Nach dem NT bleibt unsere „unerlöste Natur“ zeitlebens unverbesserlich. Wir werden „gerechtfertigt“ (= gerecht gesprochen), nicht innerlich gerecht. Auf der anderen Seite lehrt die Schrift, dass die „neue Natur“ sehr wohl zu Gott passt und nicht sündigt. Gott spricht uns gerecht in Christus und im „Prozess der Heiligung“ wird das, was er in uns an Neuem hineingelegt hat, auch praktisch sichtbarer. Aber wir sind von Anfang an begnadigt „in dem Geliebten“ (Eph 1,6).

      Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, 22 hat er[20] aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen, 23 sofern ihr im Glauben gegründet und fest bleibt und euch nicht abbringen lasst von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, (Kol 1,21 ff)

      1. Ich würde unterscheiden
        a) den Status gerechtfertigt (Blut-Dimension der Erlösung)
        b) den innewohnenden Geist als die erlösende Antwort auf das Fleisch (Leib-Dimension der Erlösung), neue Natur.
        c) unser Herz im biblischen Sinne. Die Bibel redet meines Wissens nicht davon, dass unser Herz erlöst wird, oder?

        Bei meiner Befassung mit dem Thema der Heiligung bin ich an für mich der erstaunlichen Tatsache vorbeigekommen, dass die Bibel von zwei verschiedenartigen Heiligungen weiß. Einmal von einer Art Einmalheiligung durch das Werk Christi und zum zweiten spricht sie von der Heiligung als fortdauernder Prozess, der wir nachjagen sollen.

        Die von dir angeführte Kolosserstelle adressiert beides (V22) bzw. V23. In anderen Stellen wird der Unterschied deutlicher, z. B. Hebr 10,10: Sind wir durch die Darbringung des Leibes (!) Christi ein für alle mal geheiligt. Und: Hebr 12,14: Jaget nach der Heiligung.

        Der Einmalheiligung ordne ich das Leib-Thema zu, der fortdauernden Heiligung unser Herz, das transformiert werden muss.

        1. Ich würde weniger schematisch argumentieren (Nicht in „Teilen“), aber ja …

          a) Ja, wir werden gerechtfertigt „duch sein Blut“
          b) Ja, wir haben so etwas wie eine „neue Natur“ bekommen, die laut Johannes nicht sündigen „kann“
          c) Gott schenkt uns ein neues Herz (nach meinem Verständnis eine andere Analogie)

          Die „Einmalheiligung“ ist unsere Position vor Gott, die in fast allen Paulusbriefen am Anfang behauptet wird, bevor der darauf aufbauende Prozess betont wird. Gott sei Dank.

          1. Nun, in der Person des Sohns sind alle Erlösungskomponenten vereint. Das ist die Klammer.

            Nur ist bereits im Abendmahl eine Zweiteilung angelegt: Wein und Brot. „Jesu Blut für uns vergossen“ ist deutlich zu unterscheiden von „Jesu Leib für uns gegeben“. Das Blut ist on-top, weil daran der Vertrag des NT hängt. Doch Jesu Blut und Jesu Leib haben in der Erlösung eine ganz unterschiedliche Bedeutung. (Nicht natürlich bei der Sühneversion nach Anselm und Nachfolger. Da dient beides nach meiner Kenntnis zur Genugtuung Gottes).

          2. Das ist wohl wahr, dass alles, was es an Aspekten des Heils geben mag (von Dir „Erlösungskomponenten“ genannt), diese im Sohn selbst zu finden sind.

            Ja und ich denke auch, dass es Facetten des einen (!) Werkes am Kreuz widerspiegelt, wenn im Evangelium beim Abendmahl von Brot und Wein gesprochen wird (und nicht nur von einem Symbol). Aber ich kann nicht erkennen, dass da „ganz unterschiedliche Bedeutung“ zu sehen ist. Es geht am Kreuz um Sühnung und Stellvertretung und in den beiden „Elementen“ (von Brot und Wein) um eben die Symbole eben dieses Todes. Noch viel weniger sehe ich, dass das Blut „on top“ sei: oder heißt das bei Dir „das wichtigste“ sei, denn Du fährst fort „weil daran der Vertrag des NT hängt“ …? Was ich auch so sähe … – wobei „Vertrag“ etwas ungewöhnlich klingt; allgemein spricht man vom (Neuen) Bund, der durch das Blut Jesu eingeweiht / ratifiziert wurde:
            – Lk 22,20 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.
            – 1Kor 11,25 Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis!
            – 2Kor 3,6 der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
            – Hebr 9,18 Daher ist auch der erste ⟨Bund⟩ nicht ohne Blut eingeweiht worden. (so wie dr zweite sieh Hebr 9,19-26)
            – Hebr 9,20 »Dies ist das Blut des Bundes, den Gott für euch geboten hat.« 21 Aber auch das Zelt und alle Gefäße des Dienstes besprengte er ebenso mit dem Blut; 22 und fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung. 23 ⟨Es ist⟩ nun nötig, dass die Abbilder der in den Himmeln ⟨befindliche Dinge⟩ hierdurch gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese.
            – Hebr 12,24 und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zum Blut der Besprengung, das besser redet als ⟨das Blut⟩ Abels.

            Gerne können wir (per Mail) weiter diskutieren, allerdings habe ich in diesem thread die Kommentarfunktion gesperrt, wegen den unsäglichen behauptungen von Hr. Reichelt.

      2. „Nach dem NT bleibt unsere „unerlöste Natur“ zeitlebens unverbesserlich. Wir werden „gerechtfertigt“ (= gerecht gesprochen), nicht innerlich gerecht. “ Das ist für den Anfang auch richtig, aber das Ziel ist es wie Paulus sagt in Christus verwandelt zu werden, also doch innerlich gerecht zu werden. Nicht so wie es in einem sog. christlichen Jugendlied heisst: Besser sind wir nicht, aber besser sind wir dran. Die Bibel aber sagt, wenn ihr nicht besser seid als die Welt, dann…..
        Manche haben das oben genannte Ziel weitgehend erreicht, andere wiederum nicht. Die alte Natur, die mit unserem Leib, dem Fleisch zu tun hat, muss eben auch erlöst werden, was nur wenigen gelingt. Ziel wäre die Verklärung oder mindestens die Vorstufen dazu. Die meisten Christen erreichen das erst im anderen Leben.

        1. Das Ziel der Verwandlung ist richtig beschrieben, aber es ist nicht die Voraussetzung, um „in den Himmel zu kommen“ … – Im Übrigen hatte ich das auch gleich im nächsten Satz gesagt:

          „Auf der anderen Seite lehrt die Schrift, dass die „neue Natur“ sehr wohl zu Gott passt und nicht sündigt. Gott spricht uns gerecht in Christus und im „Prozess der Heiligung“ wird das, was er in uns an Neuem hineingelegt hat, auch praktisch sichtbarer. Aber wir sind von Anfang an begnadigt „in dem Geliebten“ (Eph 1,6).“

          Es ist gut im Kontext zu zitieren!

      3. Ja, wir werden zu „Engelchen“ wenn die rechte Ursache wirksam ist. (Ich rede jetzt bewusst nicht in biblischer Sprache, weil da zwar jeder mit dem Kopf nicken könnte und doch nichts versteht.)
        Ohne, dass wir Jesus Christus gleich werden, gibt es keine Erlösung. Solange bleiben wir dem Leiden unterworfen. Nur die Heiligung überwindet das Leiden und befreit. Andere sogenannte „Rechtfertigungen“ a la Juristerei sind völlig uninteressant. Gott lässt sich nicht veräppeln indem er nur Christus sieht und nicht den sündigen Menschen.
        https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/04/23/die-taegliche-erhoehung-der-lebensqualitaet/

        1. Hallo Herr Reichelt,

          der Artikel spricht von Gottesbild und Gottesfurcht.
          Sie haben es geschafft das Thema nun ganz auf Ihren Standpunkt bzgl. der Errettung zu drehen: diese Auffassung kennen wir ja schon auf biblipedia; sie ist leider nicht biblisch. Regelmäßig benutzen Sie unsere Plattform, um Ihre eigene Seite zu bewerben; aber das ist zu wenig, um in der Erkenntnis von Gottes Wort weiter zu kommen! Es ist so, wie toblog schreibt, dass die Bibel zwei Aspekte von Heiligung kennt: die unmittelbare geschenkte Position und der Prozess („werde was Du bist“). Sie müssen lernen den Unterschied zwischen Rechtfertigung und Heiligung zu verstehen. Sonst bleiben Sie in der kath. Perspektive, die sie – ggf. unbemerkt – tradieren, verhaftet und werden das Evangelium nicht erfassen können. Letzteres wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

          1. Lieber Herr Brinkmann,
            was ich geschrieben habe und überhaupt auf meinem Blog schreibe, ist WAHRHEIT.
            Demgegenüber sagen Sie, was ich schreibe sei nicht „biblisch“. Was soll das sein, „biblisch“? Die Vielzahl der Meinungen aller derer, die die Bibel lesen und Theorien über das, was angeblich Gott sagt und meint, auf Grund ihrer undurchschauten Impulse, ein Mäntelchen der Authorität umlegen?
            Ferner reden Sie von einer „katholischen Perspektive“. Jo mei, bei Gott gibt es weder katholisch noch evangelisch oder sonstwas, sondern nur WAHRHEIT oder IRRTUM.

            Obwohl ich ein berufener Lehrer bin, meinen Sie, ich hätte das Evangelium noch nicht erfasst…Das ist doch sonderbar, dass Gott solche Leute berufen sollte. Ich selbst würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich von Dingen redete, die ich nicht VERSTANDEN habe. Aber mit unverstandenen Bibelworten zu hantieren ist USUS unter den Schriftgelehrten und Pharisäern. Und leider muss man sagen, dass diese, wie zu Jesu Zeiten, die führenden religiösen Kräfte sind.

            Wenn jemand meint anderer Meinung sein zu müssen als ich, würde ich demjenigen empfehlen, sich lieber selbst in Frage zu stellen. Mit dem übereinzustimmen, was ein berufener Lehrer lehrt, bringt WIRKLICH weiter.

            Es bleibt dabei, und dafür gibt es dezidiert Bibelstellen: Erst wenn ich in Jesu Christi Bild gestaltet bin, ist das Ende des Leidens da. Deshalb ist, was Sie und viele andere von „Rechtfertigung“ sagen, irrelevant. Wichtig ist allein der zu vollziehende völlige Übergang von der fleischlichen zur geistigen Natur. Kein „begnadeter Sünder“ kommt in den Himmel. Wann sollte denn das sein? Nach dem Tod? – Wo doch der physische Tod das letzte Übel ist, das aufgehoben werden muss?

            Ich empfehle Ihnen alle meine Texte zu studieren. Sie sind eine Fundgrube an KLAHRHEIT. Besonders zunächst: https://www.academia.edu/44621183/Die_Widerlegung_kirchlicher_Pr%C3%A4destinationslehren Da wird etwas deutlich über die Bedeutung der Rechtfertigung.

          2. Lieber Herr Reichelt,

            Sie sind leider ganz offenbar ein „falscher Lehrer“ – hier einige Zitate:
            – „Was ich geschrieben habe und überhaupt auf meinem Blog schreibe, ist WAHRHEIT.“
            – Sie spielen in den nächsten Sätzen den Begriff ‚biblisch‘ gegen Ihre „Wahrheit“ aus: der Begriff soll – so ihre Auffassung der „Vielzahl der Meinungen … ein Mäntelchen der Authorität umlegen?“
            – Sie spielen außerhalb der Kategorien katholisch oder evangelisch „oder sonstwas“, denn es gäbe nur „WAHRHEIT oder IRRTUM“ (und offensichtlich sind sie auf der Haben-Seite; vgl. nä. Satz)
            – Sie seien ein „berufener Lehrer“
            – Sie glauben tatsächlich, dass wenn jemand „anderer Meinung“ sei wie sie, der müsse sich „lieber selbst in Frage … stellen“
            – Sie behaupten mit Verweis auf sich: „Mit dem übereinzustimmen, was ein berufener Lehrer lehrt, bringt WIRKLICH weiter.“
            – Sie postulieren, dass „Erst wenn ich in Jesu Christi Bild gestaltet bin, ist das Ende des Leidens da“; wichjtig sei „allein der zu vollziehende völlige Übergang von der fleischlichen zur geistigen Natur. Kein „begnadeter Sünder“ kommt in den Himmel“ ….
            – Sie sagen von Ihren Texten: „Ich empfehle Ihnen alle meine Texte zu studieren. Sie sind eine Fundgrube an KLAHRHEIT.“

            Sicher werden sie verstehen, dass ich Sie jetzt für diesen Artikel sperre.

            Uwe B.

            „Einen sektiererischen Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung ab, 11 da du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt und durch sich selbst verurteilt ist!“ (Titus 3,10-11)

  2. Ist es für Jesus nicht sogar gefährlich, so eng mit Sündern zu sein? Er isst und trinkt mit Ihnen. Und nach der Auferstehung verleiht er ihnen durch die Taufe sogar seinen eigenen Namen. Die Christen wurden nach dem genannt, der für sie der Christus ist. Macht er sich dadurch nicht selbst angreifbar? Mit einer Mafia-Bande will man ja nicht unbedingt gesehen werden. Mitgehangen mitgefangen.

    Warum geht das plötzlich zusammen?

      1. Ja, natürlich. Er gibt diesen Typen sogar seine eigene Identität. Er stellt sich zu ihnen. Und er wird dadurch selbst nicht gefährdet, weil er weiß, dass sich der Vater zu ihm als Person selbst stellte und fortgesetzt stellt. In der Auferweckung usw. Und das aus einer Lage/Situation heraus, in der dem Sohn alle möglichen Vergehen als seine eigenen angelastet werden und er die konsequente und todbringende Gottesdistanz erfahren muss.

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