Wie bleiben wir Menschen mit Mission 5: Was bedeutet das Phänomen der „Postevangelikalen“ für die evangelikale Bewegung?

Das Thema Wissenschaft spielt auch im Kapitel über die sogenannten „Postevangelikalen“ eine wichtige Rolle. Gleich zweimal äußert Dietz: Postevangelikale legen (großen) Wert auf intellektuelle Redlichkeit. (S. 316 und 326) Konkret bedeutet das:

  • Sie halten zwar am Offenbarungsglauben und an der Heiligen Schrift fest. Sie setzen sich aber ab von einer Entwicklung innerhalb des Evangelikalismus, die die Irrtumslosigkeit der Bibel zum zentralen Maßstab der Bibeltreue gemacht hat. (S. 316)
  • Postevangelikale distanzieren sich vom Fundamentalismus im Allgemeinen und vom fundamentalistischen Schriftverständnis im Besonderen. … Sie lehnen den Kreationismus ab. (S. 326)
  • Sie bejahen die evangelikale Bewegung, insofern sie eine Selbstbehauptung des christlichen Glaubens im Zeitalter zunehmender Säkularisierung war. Es sind die massiven antimodernen Haltungen, denen sie widersprechen: dem apokalyptischen Geist, der die Moderne pauschal eines unaufhaltsamen Niedergangs bezichtigt; dem fundamentalistischen Versuch, die Bibel als Grundlage eines Weltbildes zu verwenden, das sich von der wissenschaftlichen Welterkenntnis der Gegenwart unabhängig macht, und schließlich dem Bestreben, mit politischen Mitteln eine autoritäre Gegenkultur zu errichten, die klassische Hierarchien der Geschlechter und Kulturen gegen die Gleichheitsideale der Neuzeit aufrechtzuerhalten versucht. (S. 329)

Demnach wären es nicht etwa die Postevangelikalen, die sich von evangelikalen Überzeugungen entfernt haben. Es gäbe vielmehr unter Evangelikalen negative Trends, die Postevangelikale nicht mitgehen wollen, um intellektuell redlich leben und glauben zu können. Dietz stellt gar die Frage: Handelt es sich beim Postevangelikalismus also um Erfahrungen des Glaubenswachstums?[1] (S. 326) Er will sich aber diesbezüglich nicht festlegen: Müsste man daher sagen, dass es eigentlich umgekehrt ist: Wenden sich Postevangelikale nicht von der evangelikalen Bewegung … ab, sondern nur von seinen fundamentalistischen Entstellungen? … Mein Vorschlag ist an dieser Stelle, Postevangelikale weder als liberale Abtrünnige noch als Flüchtende vor dem Fundamentalismus zu betrachten. Für zusammenfassende Bewertungen des Spektrums ist es noch zu früh. (S. 320)

Dietz äußert sich durchaus auch kritisch über Postevangelikale, wenn er schreibt: Bisweilen kommen sie dabei im Umgang mit der Heiligen Schrift zu einer Beliebigkeit, die weit hinter dem zurückbleibt, was in allen nicht evangelikalen Kirchengemeinschaften betont wird. Die Verbindlichkeit der Bibel als Grundlage von Glauben und Leben ist keine evangelikale oder fundamentalistische Idee. In den neutestamentlichen Texten sind die heiligen Schriften Israels keine bloßen Meinungsäußerungen. Wenn Postevangelikale im Gegensatz zum bisherigen Fundamentalismus ihr freies Verhältnis zur Bibel betonen, die sie für gute Literatur halten, aber nicht als Autorität in irgendeinem Sinne, ist das keine liberale Theologie, sondern kaum noch christliche Theologie. (S. 326/327) Sind einige Postevangelikale in ihrem Umgang mit der Bibel also noch liberaler als die großen Kirchen? Richtig ist, dass kirchliche Bekenntnisse der Bibel eine hohe Autorität einräumen und dass Pfarrer im Ordinationsgelübde darauf verpflichtet werden. Meine Beobachtung ist aber auch: In der universitären theologischen Praxis wird die biblische Autorität vielfach noch viel weitergehender verworfen als ich das aus postevangelikalen Äußerungen kenne.

Was können wir von Thorsten Dietz lernen?

Thorsten Dietz schreibt: Allzu oft wurden Menschen vermeintlich absolute Wahrheiten im Namen der Bibel entgegengehalten, die lediglich auf menschlich allzu menschlichen Festlegungen beruhten. Auf solche Zumutungen mit Vertrauensverweigerung zu reagieren, ist gesund und notwendig. (S. 327) Dieses Problem kenne ich aus vielen Begegnungen mit Postevangelikalen, die mir gezeigt haben: Manche evangelikale Milieus leiden tatsächlich unter Enge, Denkfeindlichkeit sowie unter dem manipulativen Einfluss von Machtmenschen, die ihre ganz persönliche Bibelauslegung zum autoritativen Maßstab für alle machen wollen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass nicht wenige Gruppierungen stark von einzelnen charismatischen Leiterpersönlichkeiten geprägt sind. Dazu schreibt Dietz: Diese charismafreundliche Religionsstruktur ist höchst missbrauchsanfällig. Mit dieser Ambivalenz umzugehen ist eine der großen Herausforderungen der evangelikalen Welt. (S. 437) Die Skandale um evangelikale Leitungspersönlichkeiten beweisen, dass Dietz hier einen wichtigen Punkt anspricht.

Richtig ist auch, dass viele Postevangelikale auf intellektuelle Redlichkeit besonderen Wert legen und dass sie deshalb den akademischen Anspruch universitärer Theologie für attraktiv halten. Die Frage ist nur: Ist progressive bzw. liberale Theologie intellektuell wirklich befriedigender als seriöse evangelikale Theologie? Legen Evangelikale denn wirklich pauschal weniger Wert auf intellektuelle Redlichkeit als Postevangelikale?

Gibt es Anfragen oder Gegenperspektiven zu den Thesen von Thorsten Dietz?

Ich selbst gehöre definitiv zu denen, die unmöglich auf Dauer gegen ihren Intellekt anglauben könnten. Natürlich gibt es Fragen, auf die ich in meinem Welt-, Gottes- und Menschenbild keine Antwort weiß. Ich bin jedoch der Meinung: Es gibt im Moment kein einziges Welterklärungsmodell, das nicht mit massiven Problemen zu kämpfen hätte. Mit ungeklärten Fragen müssen wir alle leben. Auch in postevangelikalen Denksystemen fallen nicht nur mir erhebliche Dissonanzen und Widersprüche auf. Oft begegnen mir dort auch Argumentationen, die eher gefühlsgeleitet statt sachorientiert sind. Könnte es sein, dass es hier manchmal weniger um mehr intellektuelle Redlichkeit geht, sondern schlicht um die Frage: Wem vertraue ich auf Basis meiner Erfahrungen und Denkvoraussetzungen mehr?

Was mir bei allen Überlegungen von Thorsten Dietz zum Thema Postevangelikalismus ganz grundsätzlich fehlt, ist die simple und naheliegende Frage: Treffen denn die vier evangelikalen Grundmerkmale nach Bebbington (Bekehrung, Aktivismus, Biblizismus, Kreuzeszentrierung) noch auf die Postevangelikalen zu? Dietz fokussiert als Beispiel für ein postevangelikales Milieu auf die Hörerschaft des Podcasts „Hossa Talk“ von Jakob Friedrichs und Gottfried Müller. Gerade hier lässt sich zeigen, dass diese Merkmale deutlich verlassen werden. So äußert zum Beispiel Thorsten Hebel in Folge 5 („Ex-Evangelisten unter sich“): „Ich glaube, dass alle Menschen bei Gott sind. … Und deshalb macht es für mich auch keinen Sinn zu bekehren.“ Stattdessen schildert er ein Bekehrungsverständnis, das auch der Postevangelikale Rolf Krüger beschreibt: „Ziel von Mission ist … nicht ein Religionswechsel, sondern ein Gesinnungswechsel.“ Mehrfach wird im Hossa Talk die These vertreten, dass Muslime keine Christen werden müssen, um gerettet zu sein. Und mehrfach wird dort das Verständnis des Kreuzestodes als stellvertretendes Sühneopfer in aller Deutlichkeit verworfen.

Auch in der Worthaus-Mediathek findet man Vorträge, in denen das stellvertretende Sühneopfer (teils in drastischer Deutlichkeit) verworfen[2] oder zumindest subjektiviert[3] wird. Zudem gibt es eine Reihe von Vorträgen, in denen auch zentrale biblische Aussagen in Frage gestellt werden. Diese Differenzen mit evangelikalen Kernüberzeugungen kommentiert Dietz, der gemeinsam mit Siegfried Zimmer inzwischen der prominenteste Vertreter von Worthaus ist, nur knapp mit den Worten: Obwohl bei Worthaus inzwischen circa 30 Theologinnen und Theologen aufgetreten sind, die ein breites Spektrum der Theologie abdecken, von denen aber so gut wie kaum jemand liberal im engeren Sinne ist, gilt Worthaus bei manchen Evangelikalen als liberale Gefahr, als Bedrohung für bibeltreue Gemeinden, als ein Phänomen, an dem sich die Meinungen spalten. (S. 334) Richtig daran ist: Die Worthaus-Referenten sind mehrheitlich nicht „liberal“ im Sinne der universitären Definition für liberale Theologie (laut der auch Rudolf Bultmann kein liberaler Theologe war). Aber wenn Siegfried Zimmer z.B. äußert, dass Jesus nichts vorhersehen konnte[4], oder wenn er mosaische Gesetze als Männer- und Priesterphantasien bezeichnet[5], dann wird deutlich: Diese Theologie ist trotzdem weit liberaler als evangelikale Theologie! Siegfried Zimmer warnt sogar explizit vor dem Evangelikalismus mit den Worten: „Auf keinen Fall evangelikal!“ Seine Vorträge sind durchzogen mit herabwürdigenden Äußerungen über Evangelikale und ihre Positionen. Kein Wunder, dass Worthaus tatsächlich vielerorts zu Streit und Spaltung führt, wie mir seit meinen Blogartikel zum Thema „Worthaus“ immer wieder aus dem ganzen Land berichtet wird.

Auf Seite 317 schreibt Thorsten Dietz: Sind Postevangelikale also auf dem Weg zu einem liberalen Christentum? Aus Tomlinsons Sicht ist diese Frage ein typisches Problem evangelikaler Wahrnehmungsverengung. … In der Bindung an ein solches Entweder-oder-Denken liege eine Grenze des bisherigen Evangelikalismus. Angesichts des kulturellen Wandels werden Evangelikale zunehmend sprachunfähig. Es stimmt ohne Zweifel, dass die Evangelikalen zunehmend sprachunfähig werden. Aber liegt das wirklich an ihrer fehlenden „Ambiguitätstoleranz“ gegenüber postevangelikalen Positionen?

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel aus dem Jahr 2021 von Volker Gäckle, dem Leiter der Internationalen Hochschule Liebenzell. Er berichtet, dass das Klima im evangelikal-pietistischen Umfeld längst nicht mehr nur wegen der Frage nach der Bewertung gleichgeschlechtlicher Sexualität „gereizt und nicht selten überhitzt“ ist. Die Debatte drehe sich um viel zentralere Themen: „Gibt es ein letztes Gericht Gottes? Ist der Glaube an Jesus Christus das entscheidende Kriterium für Rettung und Verlorenheit? Ist die Heilige Schrift auch in geschichtlicher Hinsicht eine zuverlässige und vertrauenswürdige Grundlage für Glaube und Leben der Gemeinde? Darüber hat der Pietismus in den 60er- und 70er-Jahren mit der Ökumenischen Missionsbewegung und der liberalen Theologie auf Kirchentagen und Synoden gestritten. Heute streiten wir über ähnliche Fragestellungen im eigenen Laden.“ Auch Steffen Kern schrieb 2019 im Buch „Mission Zukunft“: „Selbst in den zentralsten Glaubens- und Lebensfragen werden viele unsicher. Was früher manchmal so klar schien, scheint auf einmal zwischen den Fingern zu zerrinnen. Die Kirchen und Gemeinden, die Haltungen und Positionen werden pluraler, Orientierung zu finden immer schwieriger. Darum verfallen wir über Frömmigkeitsgrenzen hinweg ins Schweigen.“ [Unterstreichung nachträglich]

Nicht fehlende Toleranz, sondern im Gegenteil ausufernde Pluralität ist demnach der Grund, warum Evangelikale ihre Einheit und ihre Sprachfähigkeit verlieren. Wenn Postevangelikale ins evangelikale Spektrum integriert werden, obwohl sie sich offen von den zentralen Kernmerkmalen der evangelikalen Bewegung distanzieren, dann hat das zwangsläufig negative Folgen für die Einheit, die Sprachfähigkeit und die missionarische Dynamik der Evangelikalen.

Worüber sollten wir uns dringend gemeinsam klar werden?

Wie gehen wir als Evangelikale um mit Menschen, die ihre evangelikalen Überzeugungen hinter sich lassen? Wollen wir einerseits aus den Erfahrungen lernen, die bei diesen Menschen die evangelikalen Überzeugungen ins Wanken brachten? Wollen wir andererseits gerade auch ihnen gegenüber fröhlich und mutig zu dem stehen, was uns Evangelikalen unaufgebbar wichtig ist – und uns somit auch in Bezug auf die Differenzen ehrlich machen?

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Fußnoten:

[1] Dietz hebt dabei auf die Entwicklungsmodelle nach James Fowler oder Brian McLaren ab.

[2] So äußert Dr. Thomas Breuer in seinem Worthaus-Vortrag über die Bedeutung des Kreuzestodes: „Ein Gott der Menschenopfer braucht ist nicht der gütige Vater, es ist nicht Jahwe, es ist der Gott Moloch. Es ist kein Gott dem man vertrauen kann.“ „Jesu Tod an sich ist sinnlos.“ „Erlösend ist nicht der Tod am Kreuz, erlösend ist allein die Liebe Gottes.“

[3] „Subjektivierung“ steht für die Position: Das stellvertretende Sühneopfer ist eine von vielen möglichen Deutungen des Kreuzes, an die man glauben kann, wenn das persönlich als stimmig empfunden wird.

[4] „Ich gehe mal davon aus, dass Jesus kein Hellseher war, er hat kein Orakelwissen gehabt. Meint ihr, dass Jesus alle Details, alles klar war? Er ist schon ein normaler Mensch, bitte!“ Siegfried Zimmer im Worthaus-Vortrag „Der Prozess vor Pilatus“ (53:20)

[5] „3. Buch Mose – sagt man ja so – das ist Gottes Wort. Meint ihr wirklich, dass Gott selber dermaßen frauenfeindliche Gesetze erlassen hat? Stellt ihr euch Gott so vor? … Oder sind das nicht eher Männerphantasien? Priesterphantasien?“ Siegfried Zimmer im Worthaus-Vortrag „Jesus und die blutende Frau“ (37:00)

Weiterführend:

⇒ Weiter geht’s mit Frage 6: Ziehen sich die Evangelikalen zunehmend von der Gesellschaft zurück? (folgt in Kürze)

⇒ Hier geht’s zur Übersicht über die gesamte Artikelserie.

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Wie bleiben wir Menschen mit Mission 5: Was bedeutet das Phänomen der „Postevangelikalen“ für die evangelikale Bewegung?".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

12 thoughts on “Wie bleiben wir Menschen mit Mission 5: Was bedeutet das Phänomen der „Postevangelikalen“ für die evangelikale Bewegung?

  1. Dass der Tod Jesu ein Sühnopfer war und dass dies den Kern des Erlösungswerks Christi ausmacht, das bezweifle ich nicht. Nur sollte man sich mal Gedanken darüber machen, was man damit verbindet, wenn man „Sühne“ sagt.

  2. Vielen Dank für die faire Darstellung der Position Dietz, aber vor allem auch der sehr treffenden Analyse postevangelikaler Theologie und Praxis.

    Was mir vor allem an den Postevangelikalen aufstößt, ist die (scheinbare) Demut: Sie sind ja nur diejenigen, die intellektuell redlich bleiben möchten, während die Evangelikalen, an ihrem fundamentalistischen Verständnis festhalten. Dabei werden dann, was die Evangelikalen angeht, Extrembeispiele gewählt. Mir stellt sich aber eine Frage: würden sich diejenigen, die Dietz als Negativbeispiele wählt, selbst als Evangelikal ansehen?

    Nehmen wir die Tradition, die ich kenne – die Brüderbewegung. Natürlich findet man innerhalb dieser Bewegung die Exklusiven. Was sie so von sich geben, wie sie leben und die Bibel verstehen, ist tatsächlich äußerst problematisch. Da braucht man wirklich nicht lange suchen, bis man eine Autoritätsstruktur findet, die den Papst vor Neid erblassen lassen würde. Aber jetzt kommt es: Würden sich die Exklusiven Brüder als Evangelikale bezeichnen? Sicherlich nicht.

    Ich könnte mir vorstellen, dass Gleiches für einige russlanddeutsche Gemeinden gilt. Auch sie können sehr autoritär sein und davon geleitet, allein die Bibel richtig zu verstehen und auszulegen. Selbst ein Sergej Pauli (für den das natürlich nicht zutrifft!) – für den die Autorität und Irrtumslosigkeit wohl auch außer Frage steht (denke ich zumindest) – hat vor kurzem geschrieben, dass er sich nicht den Evangelikalen zugehörig fühlt. Ich hoffe ich habe es richtig im Ohr. Also wieder: Würden sich Russlanddeutsche der Evangelikalen Bewegung zugehörig ansehen? Nein, würden sie nicht.

    Das Problem von Dietz und den Postevangelikalen ist, dass sie von den Extremen her argumentieren und so ein völlig verzerrtes Bild evangelikaler Theologie und Lehre zeichnen. Echte Evangelikale Theologie hat sich nie gegen die WIssenschaft gewandt. Was sie allerdings tut, ist, die WIssenschaft nicht gegen Gottes Wort auszuspielen. Im Zweifelsfall hat Gott das letzte Wort. Gemäß dem zu leben, bedeutet auch, wenn es schwierige Fragen gibt, das Eingeständnis, keine Antwort zu haben. Was die Postevangelikalen tun, ist eine Umkehrung. Die WIssenschaft hat das Primat über die Aussagen des Wortes Gottes. Deshalb kann man z. B. nicht glauben, Adam und Eva seine historische Persönlichkeiten usw. Die WIssenschaft hat doch „bewiesen“, also versteht man die Aussagen der Bibel gemäß diesem bereits feststehenden Ergebnis.

    Mir fällt immer wieder auf, wie geschickt Postevangelikale argumentieren, wenn auch nicht immer fair. Ich sehe die Bewegung so: Thorsten Dietz ist der Theologe der Postevangelikalen, Jürgen Mette deren Journalist und HossaTalk sind die gewinnenden Talkmaster.

    Liebe Grüße

  3. Viele Christen oder sollte man besser sog. Christen sagen, gehen den falschen Weg. Sie sezieren die Bibelworte, statt zu versuchen sie geistlich zu verstehen. Das geht am Ende auch nur durch Gebet. Manche Gottesmänner haben immer gesagt, man solle beten, bevor man die Bibel liest, damit Gott einem die Zusammenhänge offenbaren kann. Es ist ja so: Je mehr jemand den Glauben lebt, desto mehr versteht er die Bibel. Das Wort Gottes muss man nämlich meditativ erfassen und nicht nur mit dem eigenen, doch sehr begrenzten Verstand.
    Es hat genug Zeitgenossen gegeben, die die Bibel gelebt haben, aber keinerlei Theologiestudium hatten. Gott hat sich manchen von denen direkt geoffenbart, sogar auch ungelehrten Kindern. Das werden die meisten Theologen, die oft nur mit vielen Worten, die kaum eine geistliche Substanz haben, nicht gerne hören..
    Auch Christen, die wieder ins Fleischliche zurückgefallen sind, versuchen das Christentum immer mehr dem Weltgeist anzupassen und merken das nicht einmal. Zwar ist jeder Christ mehr oder weniger vom Fleisch angefochten, aber aus der Anfechtung eine Lehre zu machen, das ist fatal und letztlich auch satanisch wie das Beispiel von Petrus schon zeigt ( Matthäus 16, 21- 23 ), Den hat der Herr schwer gerügt, aber Petrus ist letztlich umgekehrt.

    1. Volle Zustimmung meinerseits, Walter Weber, zu Ihren Ausführungen.

      Das „Rezept“ gibt der HERR selbst in  Joh, Kap. 14 und 15 – insbesondere in  Joh 14, 23:

      „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und WIR werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“    

      Wo aber GOTTVATER und GOTTSOHN sind, da ist eben auch der HL. GEIST, die 3. Person des Dreieinigen Gottes!

      Voraussetzung für das Kommen GOTTES und damit des HL. GEISTES ist also das persönliche Festhalten am Wort des HERRN (und nichts sonst): 

      Das Halten des Doppelgebotes der Gottes- und der Nächstenliebe.

      So ist also von solch einem gläubigen Menschen Gott der Boden zum Wohnung nehmen bei ihm bereitet.    

      Es gilt nun wachsam und bereit für den Besuch des Hl. Geistes zu bleiben.

      Dazu ist das Wort des Hl. Apostels Paulus aus 1Kor 6,19  hilfreich:

      „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in Euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht Euch selbst.“

      Der Tempel des Leibes sollte also allzeit bereit gehalten sein für den Besuch Gottes  – es genügt nicht, einmalig ihn für den Besuch hergerichtet zu haben und ihn dann nicht mehr weiter regelmäßig in Ordnung zu halten. Dann könnte und würde er allmählich wieder verlottern und gar verkommen.

            

      Fraglich, ob dann der Heilige Geist noch zu Besuch kommt bzw. bei solch einem Menschen länger verweilt.

      Gott ist jedenfalls völlig souverän bzgl. des Zeitpunkts und der Dauer Seines Besuches. Wir kennen weder Tag noch Stunde.

       

      Auch die Form und Art, wie sich der Heilige Geist für den von Ihm besuchten Menschen zeigt, ist unterschiedlich:

      Eine selbst mehrfach erfahrene Form besteht darin, dass uns Worte der heiligen Schrift aufgehen und man plötzlich ein größeres Bibelverständnis erhält  gemäß der Verheißungen des Herrn in Joh 14,26:     

                             

      „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und an alles erinnern, was ich Euch gesagt habe.“    

      und in Joh 16,13:

      „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“

      NIE darf man dabei außer Acht lassen, dass der Hl. Geist eine eigene und selbständig und souverän handelnde Göttliche Person ist, die man keineswegs zu irgend etwas zwingen kann, sondern der man vielmehr mit der gleichen Demut und Achtung begegnen soll wie Gottvater oder Gottes Sohn Jesus Christus!

  4. „Auch Christen, die wieder ins Fleischliche zurückgefallen sind, versuchen das Christentum immer mehr dem Weltgeist anzupassen und merken das nicht einmal. Zwar ist jeder Christ mehr oder weniger vom Fleisch angefochten, aber aus der Anfechtung eine Lehre zu machen, das ist fatal und letztlich auch satanisch wie das Beispiel von Petrus schon zeigt ( Matthäus 16, 21- 23 ), Den hat der Herr schwer gerügt, aber Petrus ist letztlich umgekehrt.“
    In der katholischen Kirche in Deutschland wird zur Zeit eine sog. Synode abgehalten, wo sich fleischliche Lehren auch immer mehr durchsetzen wollen.
    So hat z.B ein Frankfurter Dekan, der bei der Synode mitwirkt, in einer Predigt gesagt, da derzeit ca, ein Drittel der Ehen geschieden würden, müsse die Kirche das als Hinweis Gottes sehen, dass nunmehr auch die kirchliche Wiederheirat der Geschiedenen zu erlauben sei.
    Man sollte zu solchen und ähnlichen Aussagen bzw, zu deren Autoren das sagen, was zutreffend ist. Das sind Ungläubige. Der heilige Geist hat ihnen das bestimmt nicht gesagt. Welcher Geist kann denn solche Meinungen vertreten ist die Frage. Der, der in der Bibel zum Ausdruck kommt, bestimmt nicht.

    1. Guten Tag!

      Ich halte Ihre Auslegung von Matthäus 16, 21- 23 nicht für ganz richtig. Yeschua gebraucht hier das Wort Satan im Sinne von „Widersacher / Hindernis“. Petrus ist nicht vom Teufel besessen oder sowas. Petrus macht sich Sorgen um Yeschuas Sicherheit. Er hat nicht den gesamten Heilsplan im Blick. Yeschua hat offenbar Jesaja 53 als Aktionsplan verstanden, dies seinen Jüngern aber erst nach seiner Auferstehung erklärt, da er nicht sicher war, ob er den Plan durchhalten würde. Das zeigen sein Gebet in der Nacht im Garten vor der Verhaftung, sein Schweigen bei den Verhören und die Emmaus-Jünger-Geschichte.
      Alles Gute!

      1. Niemand hat behauptet, Petrus sei vom Satan besessen gewesen in dieser Angelegenheit. Aber man kann an dem Beispiel gut sehen, dass menschliche, auch vielleicht gut gemeinte, Ansichten, längst nicht immer Gottes Willen entsprechen. Das hat der Herr als satanisch angesehen..
        Jesus als der Sohn Gottes hat sehr wohl gewusst, was ihm bevorsteht und dass er alles durchhalten würde. Das heisst aber nicht, dass er nicht im Moment der grössten Anfechtung und Todesangst – er schwitzt Blut – lieber einen anderen Weg hätte gehen wollen und doch hat er schliesslich gebetet, dass Gottes Wille geschehen möge.

        1. Richtig, von Besessenheit des Petrus kann keine Rede sein.
          Aber Jesus Christus hat hier sofort den Versuch einer Einflüsterung des Versuchers über den Umweg des Petrus erkannt und weist den Teufel wie schon damals nach dessen direkten Versuchungen in der Wüste etc. mit scharfen Worten zurück!

  5. Hallo!

    > Ist der Glaube an Jesus Christus das entscheidende Kriterium für Rettung und Verlorenheit?

    Das ist eine grobe Vereinfachung der Botschaft Gottes in der Bibel. Die Bibel sagt dazu u.a. folgendes:

    Matthäus 7: „21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? 23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet! 24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.“

    Galater 5: „6 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

    Johannes 3: “ 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. … 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. … 10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht?“ Jesu Kritik an Nikodemus weist darauf hin, daß die Wiedergeburtslehre im Tanach stehen muß. Wörtlich findet man sie da aber nicht. DIe Lutherbibel gibt als Parallelstelle an:

    Hesekiel 36: „25 und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. 26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“

    1. Johannes 2: “ 29 Wenn ihr wisst, dass er [Jesus] gerecht ist, so erkennt ihr: Wer die Gerechtigkeit tut, der ist von ihm geboren.“

    Es geht also bei der Wiedergeburt nicht um Zustimmung zu ein paar Glaubenssätzen, sondern Umwandlung des Herzens. Die christlichen Kirchen haben daraus den Unfug gemacht, daß man Wasser auf Babyköpfe kippt, um diese der Gnade Gottes zu versichern.

    Psalm 103: „17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind 18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun.“

    Galater 5: „14 Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«“

    1. Johannes 2: „10 Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. 11 Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet. … 17 Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“

    1. Johannes 3: „10 Daran wird offenbar, welche die Kinder Gottes und welche die Kinder des Teufels sind: Wer die Gerechtigkeit nicht tut, der ist nicht von Gott, und auch, wer seinen Bruder nicht lieb hat. … 14 Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer nicht liebt, der bleibt im Tod. 15 Wer seinen Bruder hasst, der ist ein Mörder, und ihr wisst, dass kein Mörder das ewige Leben bleibend in sich hat.“

    Gnade ist also die Reaktion Gottes darauf, daß jemand von Gottes Liebe angesteckt wird.

    Mit der Sündenvergebung funktioniert das bei Hesekiel so:

    Hesekiel 18: „5 Wenn nun einer gerecht ist und Recht und Gerechtigkeit übt, 6 der von den Höhenopfern nicht isst und seine Augen nicht aufhebt zu den Götzen des Hauses Israel, der seines Nächsten Frau nicht befleckt und nicht liegt bei einer Frau in ihrer Unreinheit, 7 der niemand bedrückt, der dem Schuldner sein Pfand zurückgibt und niemand etwas mit Gewalt nimmt, der mit dem Hungrigen sein Brot teilt und den Nackten kleidet, 8 der nicht auf Zinsen gibt und keinen Aufschlag nimmt, der seine Hand von Unrecht zurückhält und rechtes Urteil fällt unter den Leuten, 9 der nach meinen Gesetzen lebt und meine Gebote hält, dass er treu danach tut: Das ist ein Gerechter, der soll das Leben behalten, spricht Gott der HERR. … 21 Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben. 22 Es soll an alle seine Übertretungen, die er begangen hat, nicht gedacht werden, sondern er soll am Leben bleiben um der Gerechtigkeit willen, die er getan hat. 23 Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? 24 Und wenn sich der Gerechte abkehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Unrecht und lebt nach allen Gräueln, die der Gottlose tut, sollte der am Leben bleiben? An alle seine Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden, sondern wegen seines Treubruchs und seiner Sünde, die er getan hat, soll er sterben.“

    Pietisten, die Heiligung für wichtig nehmen, sollten ja kein Problem mit diesem Kriterium für Erlösung/Verdammnis haben.

    Was für Leute kritisiert die Bibel?

    Deisten wie David Hume:
    Zephanja 1: „12 Zur selben Zeit will ich Jerusalem mit Lampen durchsuchen und heimsuchen die Leute, die träge auf ihren Hefen liegen und sprechen in ihrem Herzen: Der HERR wird weder Gutes noch Böses tun.“

    Atheisten wie Schmidt-Salomon und Amoralisten wie de Sade oder Nietzsche:
    Weisheit 2: „1 In die Irre gingen ihre Gedanken, und sie sagten zueinander: »Kurz und mühselig ist unser Leben, und wenn ein Mensch dahin ist, so ist es aus mit ihm. Auch weiß man von keinem, der aus dem Totenreich befreit. 2 Denn nur zufällig sind wir geworden, und nachher werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Denn der Atem in unsrer Nase ist nur Rauch und unser Denken nur ein Funke, der aus dem Pochen unsres Herzens entsteht. 3 Wenn er verloschen ist, so geht der Leib dahin wie Asche, und der Geist zerflattert wie Luft. 4 Unser Name wird mit der Zeit vergessen, und niemand wird sich unseres Tuns erinnern. Unser Leben fährt dahin, als wäre nur eine Wolke da gewesen, und zergeht wie Nebel, der von den Strahlen der Sonne verjagt und von ihrer Hitze verzehrt wird. 5 Unsre Zeit geht vorbei wie ein Schatten, und wenn wir weg sind, gibt es keine Wiederkehr; denn es ist besiegelt, dass niemand wiederkommt. 6 Kommt nun und lasst uns genießen, was wir jetzt haben, und die Schöpfung auskosten, solange wir jung sind. 7 Wir wollen mit bestem Wein uns füllen und uns salben, und keine Frühlingsblume soll uns entgehen. 8 Lasst uns Kränze tragen von Rosenknospen, ehe sie welk werden. 9 Keine Wiese bleibe von unserem Übermut verschont; überall lasst uns Spuren unserer Freude hinterlassen. Denn das ist unser Teil und dies unser Los. 10 Lasst uns den Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt; lasst uns keine Witwe verschonen; wir wollen uns nicht scheuen vor dem grauen Haar des Greises. 11 Unsere Stärke sei das Gesetz der Gerechtigkeit; denn es zeigt sich, dass Schwäche nichts ausrichtet.“

    Lieblose Leute:
    Johannes 3: „19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“

    Offenbarung 22: „15 Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun.“

    Alles Gute!

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