Geist oder Fleisch als Daseins-Prinzip? – Gute Nachricht für Christen!

Geist (Mordechai) oder Fleisch (Haman) als Daseinsprinzip?

– Gute Nachricht für Christen! Bibeltext: Esther 9,1-19

Bekannterweise werden wir im Buch Esther über einen Regierungs-Umsturz im persischen Königreich des Ahasveros informiert.  Dabei lernen wir die chaotische Leitungs-Struktur auf der königlichen Chefetage kennen. Wir erleben gleichsam mit, wie die höchsten Staatsdiener, Haman und Mordechai auf Befehl des Königs ausgetauscht worden sind.

Der damalige Regierungs-Umsturz hat sich laut dem biblischen Bericht geschichtlich ereignet. Diese Sichtweise vertritt auch der Autor der Hänssler/Telos-Publikation „Tote können nicht sterben“, Major Thomas. Darin unternimmt er eine symbolische Auslegung des gesamten Esther Buches. Aus seiner eher allegorischen Sicht ist König Ahasveros für alle Menschen als Autoritäts-Symbol für ihr Persönlichkeits-Reich (Geist-Seele-Leib) zu betrachten, in dem sie wie Könige herrschen.  Weil Christen sich bewusst für den Einfluss des Heiligen Geistes entschieden haben, ist dies mit des Ahasveros Wahl für Esther als Königin zu vergleichen. Letztlich haben sie sich damit zugleich für die Regentschaft Mordechais als dem Beispiel für Christi Herrschaft in ihnen entschieden.  Christen sind folglich Leute, die Jesus bewusst in ihr Herz aufnahmen und ihn generell als ihren Gott und Herrn akzeptieren.

Ermutigend bemerkt Major Thomas zu diesem Gleichnis-Verständnis: „Wer wirklich daran interessiert ist, den Schlüssel zu einem siegreicheren Leben zu finden, um „mehr als ein Überwinder“ zu werden – der sollte weiterlesen“.

Ich selber schließe mich seiner symbolischen Sichtweise an. Daher möchte ich jetzt einige Personen und Ereignisse gleichnishaft für unser Christsein auslegen. Ebenso haben es auch Jesus und die Apostel mit Bibelberichten häufig getan.

Im heutigen Tagestext werden zwei wichtige Grundwahrheiten für einen erfolgreichen Glaubenskampf aufgezeigt. Als erstes erfuhren die glaubenden Juden in Ahasverus‘ Königreich, dass Gott ihnen eine starke Siegeskondition in ihren Herzen verlieh. Er traute es ihnen zu, dass sie selbst nun befähigt waren, den Sieg über Hamans „Judenverfolger“ in Gottes Kraft zu erringen. Daher hatte er ihnen nicht nur den Festjubel, sondern ein mutiges „Hand anlegen“ an die bereits entmachteten Feinde erlaubt und sogar befohlen.

Die zweite Grundwahrheit in Vers 2 lautet: Was Gott seinen Erlösten zutraut und befiehlt, das können sie auch erfüllen! Die empfangene Sieges-Kondition motivierte die befreiten Juden, sofort mit dem großen Erneuerungswerk in ihrem Land zu beginnen.   Ich zitiere ab Vers 2: “Daher „versammelten sich die Juden in ihren Städten in allen Ländern des Königs Ahasveros, um Hand anzulegen an die, die ihnen übelwollten… Und niemand konnte ihnen widerstehen“. Welch eine herrliche Wende vom zunächst noch zaghaften Sieges-Glauben zum konkret erlebten Siegesaufbruch im ganzen Land war ihnen möglich geworden!

     Angewandt auf unseren heutigen Tagestext von Esther 9 geht es nun darum, die neuen Lebens-Grundsätze Mordechais und Esthers auch im befreiten Königreich unserer Herzen nach Jesu Vorbild zu realisieren. Auch dabei ist folgender Vergleich zu beachten: Laut Kapitel 7 wurde das unterdrückte Volk Israel von Gott zwar kampflos befreit, aber dieser Sieg war damit im großen Königreich noch nicht praktisch vollzogen. Folgendes musste erst noch geschehen, damit der geschenkte Sieg sich überall konkret auswirken konnte:

1. Die befreiende Nachricht vom gelungenen Regierungs-Umsturz musste allen Israeliten überzeugend verkündigt werden. Dafür war ein Zeitspielraum vonnöten.

2. Die Tatsache, dass sie befreit waren und sogar Vollmacht über ihre Sklaventreiber besitzen, musste tief in die Herzen der befreiten Israeliten dringen. Diesen Herrschaftswechsel zwischen Haman und Mordechai, Fleisch und Geist, zwischen dem alten und dem neuen Menschen galt es, im Glauben fest zu ergreifen und zu vertiefen. Dazu gehört der herrliche Durchblick: Gottes souveräner Austausch von Mordechais Todesgalgen zum Herrschaftsthron Christi kommt jedem Glaubenden vollgültig zugut. Das bedeutete mehrt als die Gewissheit, begnadigt zu sein. Es bedeutete damals für Israel: Wir sind autorisiert, Haman und seinen Despoten zu widerstehen, ja diese sogar zu „beseitigen“.

Übertragen auf den Glaubenskampf in Neuen Bund bedeutet das: Durch Jesu Kreuzestod und Auferstehung sind alle Christen autorisiert, Satan, Sünde und Welt mit ihren Zwängen siegreich zu widerstehen!  Mit dem Apostel Paulus dürfen sie sich ohne Abstrich „mit Christus für die Welt und ihre Lust als mit-Gekreuzigte“ halten. Da Christus in ihnen lebt, ja „ihr Leben“ ist, dürfen und sollen sie sich mit ihm auch als mit-Auferstandene betrachten. Das wiederum befähigte sie, ihrem neuen Erlöser und Herrn, nämlich Mordechai, als dem „Christus in ihnen“, ungeteilt verfügbar zu sein. Christus selbst kann und will fortan seine Werke in ihnen und durch sie vollbringen. Dadurch werden nicht sie selbst als die „Wohltäter“, sondern Gott und Christus durch sie als eigentlicher Vollbringer gelobt und gepriesen.

Übungsfelder für praktische Glaubens-Hingabe und Glaubens-Sieg bietet der Alltag in den Familien, am Arbeitsplatz, sowie in der Öffentlichkeit. Wie wichtig dabei Christi helfende Gegenwart ist, verspürte ich bei meinem ersten Versuch, in der Mitternachtsmission tätig zu sein. „Noch ein Wort und du liegst in der Gosse hier“, so reagierte ein Mann empört auf mein Traktat-Angebot. Nur durch Christi Beistand habe ich weitere – darunter auch positive – Kontaktversuche in dieser Nacht unternommen.                 

Bei einer symbolhaften Übertragung der königlichen Autorität auf unser Leben ist folgendes zu beachten: Unser Besitz-Anrecht an Christi Siegeskraft und Vollmacht besteht nur dann, wenn wir IHN durch echte Herzenshingabe als „Mordechai in uns“ und damit auch als Herrn und Gebieter unseres ganzen Persönlichkeits-Reiches akzeptiert haben. Andernfalls wäre der böse Hamann noch unser Herr.

Im Hinblick auf unser befreit sein vom Sündenzwang sei noch auf folgende Gefahr hingewiesen: Jeder Siegesbericht lädt förmlich dazu ein, unter den Siegern nach den „Glaubenshelden“ zu suchen. Ganz nüchtern wird im Text jedoch dazu erwähnt: „denn die Furcht vor Mordechai war über sie gekommen“. Bei dieser Furcht waren damals neben den besiegten Feinden auch die Juden selber, also ihre Besieger, gemeint. Diese töteten zwar mutig auch die zehn Söhne Hamans. Aber als der eigentliche Held wird der im Königreich des Ahasveros wirkende Mordechai in seiner Größe und Vollmacht beschrieben.

Wichtig für Christen ist ferner die Aussage in Vers 6, dass Mordechai „in allen Ländern des Königreiches immer mächtiger wurde“. Für die Erneuerung seines großen Königtums brauchte er folglich genügend Zeit. Auch der Hinweis in Vers 7-10: „Dazu töteten sie die zehn Söhne Hamans, des Judenfeindes,“ bestätigt diese häufig übersehene Tatsche. Die bei der Wiedergeburt begonnene „Re-formation“ unserer arg lädierten Persönlichkeit ist eben kein bloßes „Tagesgeschäft“, sondern ein uns oft beschämender lebenslanger Prozess.

Das möchte ich abschließend durch ein persönliches Erlebnis als Bibelschüler bestätigen: Während ich in der Warteschlange zur „Baseler Messe“ voranschlich, nahte sich mir von außen ein Mann mit seiner Eintrittskarte „zum halben Preis!“ Ich überdachte den Vorteil der Zeit- und Geldersparnis des „harmlosen“ Deals und tauchte bald bei den „legalen“ Messebesuchern unbemerkt unter. Am Abend erwähnte ich unter meinen Klassenbrüdern, welch glückliche „Zu-fälle“ es doch unverhofft gibt. Einer von ihnen wies mich nachdenklich darauf hin, dass der Betrag meiner Eintrittskarte in der Abendkasse der Messe sicherlich fehlte. Gottes Geist beziehungsweise „die Furcht Mordechais“ bewirkten in dieser Nacht, dass ich am nächsten Tag einen anderen Klassenbruder eine „legale“ Messekarte für mich kaufen ließ. Diese ist dann ungenutzt im Papierkorb gelandet. Auch als inzwischen fast Dreiundneunzigjähriger möchte noch mehr als bisher darauf achten, dass der göttliche „Mordechai“, Jesus, den 1. Platz in meinem Herzen besitzt. Nur so wird meine – und auch Ihre Lebens-Reformation, lieber Zuhörer, sehr gute Fortschritte machen.  

Dieser Blog-Beitrag von Herbert Masuch erschien zuerst auf Christus-Portal-Blog . Lies hier den Original-Artikel "Geist oder Fleisch als Daseins-Prinzip? – Gute Nachricht für Christen!".

Über Herbert Masuch

HERBERT MASUCH wurde 1929 in Ostpreußen geboren. Nach den Zusammenbruch des Dritten Reich erlebte er eine bewusste Umkehr zu Jesus Christus. Von 1954 bis 1958 studierte er am Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Es folgte ein mehrjähriger Dienst in der Essener Stadtmission. 1963 wechselte er als Evangelist in die Deutsche Zeltmission. Etwa dreißig Jahre lang war Masuch im In- und Ausland als Rufer zu Gott unterwegs. Auch durch die Mitarbeit beim Evangeliums-Rundfunk, die Veröffentlichung mehrerer Bücher und als Liedautor war er bemüht, die Frohe Nachricht von Jesus, dem Retter der Welt, zu bezeugen. Seit 1964 sind Masuch’s glücklich verheiratet und haben drei Kinder. Ehefrau Gretel war mit ihrem Mann viele Jahre missionarisch unterwegs. Heute wendet sich der ehemalige Evangelist überwiegend an Christen. Er bietet Hilfen an, die befreiende Botschaft „Christus in euch“ erstmals oder neu zu entdecken und zu verwirklichen. Diesem Anliegen dient auch seine dreibändige Buchreihe Lebensreformation (1994), die zugleich eine geschichtliche Analyse des jahrzehntelangen charismatischen Konfliktesherdes bietet.

4 thoughts on “Geist oder Fleisch als Daseins-Prinzip? – Gute Nachricht für Christen!

  1. Die Leute wollen aus eigener Kraft heilig werden, indem sie bestimmte Bibelsprüche in Anspruch nehmen, aber DAS GEHT NICHT !
    Es ist nämlich ein Geheimnis Überwinder und Sieger zu werden und zu bleiben.

  2. Allegorische Schriftauslegung im Stil von Origenes?
    Davor hat ja nicht nur Siegfried Zimmer auf Worthaus gewarnt, sondern auch Martin Luther, John MacArthur und Florian Sondheimer. Eine Phantasie, was wofür stehen soll, hört sich für mich nicht bibeltreu an.
    Ich würde an Esther ganz anders rangehen. In der Bibel geht es bekanntlich um das Evangelium. Was „Evangelium“ ist, steht in Jesaja 52: „7 Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“
    Das ist zwar final in Jesus eingetroffen, aber in anderer Weise auch schon in Esther 8: “ 14 Und die reitenden Boten auf den besten Pferden ritten aus schnell und eilends nach dem Wort des Königs, und das Gesetz wurde in der Festung Susa angeschlagen. … 16 Für die Juden aber war Licht und Freude und Wonne und Ehre gekommen. 17 Und in allen Provinzen und Städten, an welchen Ort auch immer des Königs Wort und Gesetz gelangte, da war Freude und Wonne unter den Juden, Gastmahl und Festtag;“
    Gott wird im gesamten Buch Esther gar nicht erwähnt.
    Von einem Rabbi habe ich mal die Auslegung gehört, daß Esther lehre, daß Gott auch dann sein Volk schützt, wenn er gar nicht aktiv zu sein scheint.
    In diese Richtung würde ich versuchen, Esther auszulegen.
    Alles Gute!

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