Untergehen oder umkehren

Eine dramatische Analyse – Ein Ruf zur Umkehr – Ein Mutmacher für einen neuen Aufbruch

„Wir stehen auf der Schwelle in eine neue Ära der Kirche. Die Volkskirche, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, gibt es bald nicht mehr.“(S. 149)

Diese Grundthese des Buchs „Untergehen oder Umkehren“ begründet der Autor Alexander Garth mit zwei nicht aufzuhaltenden Megatrends: „Der Niedergang institutioneller Religiosität bzw. geerbter Religion und der Aufschwung individueller Religiosität bzw. gewählter Religion.“ (S. 69) Die Zeiten sind demnach vorbei, in denen es genügte, irgendwie mit der Kirche zu glauben. „Die Menschen brauchen ihren persönlichen Zugang, ihr eigenes Erweckungserlebnis.“ (S. 25)

Bekehrung rückt in den Fokus

Für die großen Kirchen bringt dieser Wandel eine dramatische Konsequenz mit sich: „Eine Kirche, die aus dem volkskirchlichen Betreuungsmodell nicht gewählter Religion hin zu einer Kirche der Zukunft aufbrechen will, wo gewählte Religion zur Normalität wird, muss dem Thema Konversion (früher sagte man »Bekehrung« dazu) höchste Priorität einräumen. Denn die Übermorgenkirche wird aus Menschen bestehen, die Glaube und Kirche gewählt haben.“ (S. 153) Dabei ist diese zentrale Bedeutung von „Bekehrung“ für Garth nichts Neues: „Das Thema Bekehrung zieht sich wie eine Leuchtspur durch die ganze Kirchengeschichte. In den dynamisch wachsenden Kirchen Afrikas, Asiens und Leinamerikas ist Bekehrung ein Massenphänomen. Und bei uns? Es wird wieder ein wichtiges Thema in der Kirche, oder aber es gibt sie nicht mehr.“ (S. 177)

Volkskirche ist von Haus aus antimissionarisch

Der grundlegende Wandel in Richtung gewählter Religiosität stellt die großen Volkskirchen vor eine doppelte Herausforderung. Einerseits ist sie seit der konstantinischen Wende geradezu antimissionarisch aufgestellt, denn: „Wenn alle Bürger schon irgendwie Christen sind, dann ist Mission eigentlich überflüssig, ja sogar schädlich, weil es dann Christen gibt, die etwas Besseres sein wollen, bekehrter, echter, hingegebener. Es genügt dann, dass die Kirchenmitglieder in ihrem (Minimal)-Glauben betreut und gestärkt werden. Sie werden parochialisiert (Gemeinden zugeordnet), sakramentalisiert, aber nicht missioniert.“ (S. 45/46) Den getauften Kirchenmitgliedern wieder zu sagen, dass sie sich bekehren müssen, würde einen grundlegenden Paradigmenwechsel bedeuten, der momentan nicht erkennbar ist. Stattdessen ist Garth‘s Beobachtung: „Mission ist für die liberalen Kirchen des Westens peinlich. Sie gilt als übergriffiger Akt, der das emanzipierte, mündige Gegenüber nicht ernst nimmt. … Es geht nicht mehr um Konversion, sondern um Entwicklungshilfe, um Dialog, um Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu Jüngern zu machen, wird auf die Ethik reduziert.“ (S. 99/100)

Auch die Kirche selbst hat die Bevölkerung gegen den Glauben immunisiert

Hinzu kommt ein zweites Problem: Während überall in der Welt der christliche Glaube an Dynamik gewinnt, scheint in Deutschland geradezu eine „Herdenimmunität“ gegenüber dem christlichen Glauben zu bestehen. Aber warum ist das eigentlich so, dass die „Menschen bei uns weithin allergisch auf den christlichen Glauben reagieren“ (S. 55)? Garth nennt 5 Faktoren:

  1. Die über sehr lange Zeit währende Verbindung von staatlicher Macht und Kirche hat die Menschen misstrauisch gemacht.
  2. Das volkskirchliche Minimalchristentum macht immun gegen den echten christlichen Glauben.
  3. Der Religionsmonopolismus eines religiösen Anbieters kann nicht genügend Zugänge zum Glauben anbieten, was aber in einer offenen, diversen Gesellschaft erforderlich ist.“
  4. Reduktive Theologien … haben die Volksfrömmigkeit beschädigt“.
  5. DieMoralisierung des Glaubens führt dazu, dass Menschen sich sagen: Glauben brauche ich nicht, denn ich kann auch ohne ein guter Mensch sein.“ (S. 51/52) „Religion, die sich in sozialem Engagement, Klimarettung, Geschlechtergerechtigkeit und Weltverantwortung erschöpft, schafft sich ab.“ (S. 81)

Anpassung ist nicht die Lösung, sondern das Problem

Die gängige Frömmigkeit, die man in den Kirchen antreffen kann, beschreibt Garth in deutlichen Worten: „Statt des Glaubens, wie ihn z.B. die altkirchlichen Bekenntnisse bezeugen, finden wir eine diffuse Religiosität an einen Kuschelgott, der für das persönliche Wohlergehen zuständig ist und die Freiheit nicht einschränken darf.“ (S. 60) „Dass im Zentrum des christlichen Glaubens der Erlösungsgedanke steht, ist komplett außerhalb des Blickfeldes.“ (S. 78)

Aber ist es nicht zwangsläufig notwendig, dass die Kirche sich an die Menschen anpassen muss, wenn sie nicht noch mehr Mitglieder verlieren möchte? Garth schreibt dazu: „Liberale Christen vereint eine Illusion: Sie glauben, dass moderne Zeiten eine moderne Religion erfordern. … Die Religion der Zukunft muss sanft und moderat sein, pluralistisch und nicht exklusiv, spirituell, aber nicht dogmatisch, den Menschen bestätigend, nicht hinterfragend, eine gefällige Religion, die sich an die Erwartungen der Gesellschaft anpasst und keine Forderungen an die Gläubigen stellt. Dean M. Kelleys Studie und auch andere religionssoziologischen Erhebungen kommen zu dem gegenteiligen Schluss, nämlich dass diese Form von Softreligion das sicherste Rezept für Erfolgslosigkeit ist.“ (S. 112/113)

Aber warum ist das so? Garth beschreibt die selbstzerstörerische Dynamik der kirchlichen Anpassung so: Das Resultat der Anpassung ist ein weichgespültes Evangelium und eine profillose Kirche. … Dennoch verstärkt sich der Trend zum Kirchenaustritt. Die Logik geht nicht auf. Der Nivellierungskurs führt zu einer Banalisierung des Glaubens. Kaum einer weiß noch, wofür die evangelische Kirche eigentlich steht – außer natürlich für das, wofür auch der gesellschaftliche Mainstream steht. Aber dafür braucht es keine Kirche. Wer in der Kirche auf Anpassung setzt, schafft sie ab. … Eine an die Allgemeinheit angepasste Kirche produziert Langeweile und Gleichgültigkeit. Und sie trägt bei zur Immunisierung gegenüber dem Evangelium, erworben durch den schleichenden Kontakt mit einem harmlosen, verdünnten Christentum.“ (S. 61/62)

Die Entstehung einer „reduktiven Theologie“

Eine große Rolle spielen für Garth dabei die Entwicklungen an den theologischen Fakultäten in den letzten 200 Jahren: „Unter den Bedingungen einer Staats- und Volkskirche, in der man Mission nicht nötig hatte, weil alle dazu gehörten, konnte sich ein theologisches Denkmodell entwickeln, das … den missionarischen Aufbruch des Glaubens behindert und verhindert: Das liberale Denkraster. Die sogenannte liberale Theologie des Westens – global betrachtet ein Randphänomen – hat mit ihrem Erkenntnisreduktionismus, der einem materialistischen Weltbild verpflichtet ist, das Fundament des christlichen Glaubens in einen Sumpf verwandelt und die missionarische Kraft der Kirchen beschädigt. Das ist das geistliche Drama des Westens mit der Folge einer desaströsen geistlichen Frucht- und Vollmachtslosigkeit.“ (S. 26/27) Diese „reduktive Theologie, die den Zweifel zum normativen Prinzip erhob, hat einen großen Anteil an der Immunisierung vieler Menschen gegen den christlichen Glauben.“ (S. 77) Garth spricht dabei lieber von „reduktiver“ statt von „liberaler“ Theologie, denn: „Das liberale reduktive Denkraster ist das Resultat einer reduktiven Vorannahme, nämlich der wissenschaftlich nicht begründbaren Entscheidung, Wunder, Offenbarungen und göttliches Eingreifen von vornherein auszuschließen. … Dieser Grundsatz dominiert bis heute als methodisches Axiom die exegetischen Wissenschaften und entzieht damit den anderen theologischen Disziplinen ihr biblisches Fundament.“ (S. 84)

Die entscheidende Rolle der Theologie

Heute ist oft der Ruf zu hören: Lasst uns doch nicht um Theologie streiten, sondern gemeinsam evangelisieren! Garth macht hingegen deutlich: Gerade um der Mission willen muss dringend um Theologie gestritten werden, denn: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen liberaler westlicher Theologie und dem Niedergang von Gemeinden. Es sind fast ausschließlich liberale Kirchen, die teilweise dramatisch Mitglieder verlieren.“ (S. 108) Umgekehrt ist für Garth ebenso klar: „Wenn man in der Welt aufstrebende Gemeinden und Bewegungen bestimmen möchte, die nicht evangelikal sind, so würde man kaum etwas finden. Zumindest gehört das zu den gesicherten Forschungsergebnissen der Religionssoziologie.“ (S. 174) Diese Aussage ist umso erstaunlicher, da Garth sich selbst gar nicht unbedingt als Evangelikaler sieht. Seine Selbstbeschreibung lautet vielmehr: „Heute bin ich vielleicht so etwas wie ein evangelikal-liberaler Lutheraner mit katholischen und pentekostalen Neigungen.“ (S. 206)

Aber warum führt „reduktive Theologie“ zur Schrumpfung der Kirchen? Garth erklärt: „Dieser fundamentalistische Rationalismus macht aus der großen Geschichte Gottes mit der Menschheit ein armseliges Trauerspiel der Auflösung des Glaubens in lauter harmlose Existenzialismen und Moralismen. Das ist nicht nur eng, das ist langweilig.“ (S. 90) Er ist zudem „ein Commitment-Killer erster Güte. Eine Kirche mit einer beschädigten Christologie vermag nicht das Commitment zu generieren, das für einen missionarischen Aufbruch des Glaubens notwendig ist.“ (S. 147) Warum trotz dieser klaren Fakten ein Teil der freikirchlichen Evangelikalen ernsthaft mit der Theologie der großen Kirchen flirtet, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben.

Was sich ändern muss: Die Bibel hochhalten und eine gesunde Christologie entwickeln

Trotz der harten Diagnose ist Garth keineswegs ein Pessimist in Bezug auf die Zukunft der Kirche, im Gegenteil: Er ist überzeugt, dass der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat. Aber was muss denn nun aus seiner Sicht nun geschehen, damit Kirche Zukunft hat? Sie muss zunächst einen anderen Umgang mit der Bibel finden: „Die Kirche der Zukunft wird auf jeden Fall die Bibel als einzigartiges Dokument der Offenbarung Gottes hochhalten.“ (S. 92) Denn: „Das Christentum ist wesensmäßig eine Offenbarungsreligion.“ (S. 97)

Garths Ausführungen zum Thema Bibelverständnis bleiben allerdings ein wenig vage. Wichtiger scheint ihm zu sein, dass die Kirche wieder eine solide Christologie (Lehre von Christus) entwickelt. Denn im Moment ist seine Wahrnehmung: „In der evangelischen Kirche ist überhaupt nicht mehr klar, wer Jesus Christus ist.“ (S. 152) Wenn aber „der Christus der Verkündigung nicht mehr der Christus der Bibel und der kirchlichen Bekenntnisse ist (vom Apostolischen Glaubensbekenntnis bis zum Bekenntnis von Barmen), dann sind die Folgen leere Kirchen, frustrierte Prediger, gelangweilte Menschen, keine Bekehrungen. Dann wird das ganze Christentum müde und farblos. Der Grund? Gottes Geist macht sich rar. … Der Heilige Geist sagt: »Nicht mein Jesus! Da bleib ich zu Hause.«“ (S. 118/119) Deshalb ist Garth überzeugt: „Die Neuformatierung von einer Volkskirche zu einer missionarischen Kirche benötigt eine gesunde, biblische, und gemäß den altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnissen geformte Christologie.“ (S. 26)

Die Jungfrauengeburt ist entscheidend

Eine gesunde Christologie macht Garth ganz besonders auch an der Jungfrauengeburt fest: „Dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, findet seinen unüberbietbaren Ausdruck in der Jungfrauengeburt. Nur ein paar Theologen des Westens, welche eine unglaublich arrogante Skepsis zur norma normans, zum normierenden Prinzip gemacht haben und in ihrer Gefolgschaft einige von Zweifeln beseelte Abendländler, meinen, dass der Glaube unbeschadet bleibt ohne »Jungfrau.«“ (S. 96) Hier muss die Kirche also zwingend zurück zu ihren Bekenntnisgrundlagen, denn: „Ohne eine von reduktiver Überfremdung gereinigte Christologie gibt es keinen Aufbruch des Glaubens.“ (S. 157) Punkt. Auch seine vielen internationalen Erfahrungen bestärken Garth in dieser Sichtweise: „Ich war öfters in Afrika, Indien und in anderen Teilen der Welt und habe dort studiert, wie Gemeinden sich entwickeln, welche missionarischen Konzept sie vertreten und was ihre Theologie ausmacht. Ich habe von verschiedenen Pastoren und Gemeindegründern mehrfach einen Satz gehört: »Wenn du willst, dass deine Gemeinde stirbt und dass dein Dienst ohne Frucht bleibt, dann übernimm die Theologie Europas!«“ (S. 160) Umso wichtiger ist es Garth, dass das Christentum in Deutschland endlich von den weltweit wachsenden Kirchen lernt.

Konservativ ist auch keine Lösung

Die Lösung besteht für Garth aber keineswegs darin, einfach nur konservativ zu werden. Stattdessen schreibt er: Die globale religionssoziologische Perspektive zeigt: Wachsende Gemeinden sind nicht einfach nur konservativ. Sie haben eine Doppelstrategie. Einerseits haben sie eine konservative Christologie verbunden mit dem Enthusiasmus, Menschen in die Nachfolge Jesu zu rufen. Im Bereich Moral sind diese Gemeinden zumeist sehr konservativ. Besonders in Sachen Sexualmoral vertreten sie Ansichten, die – zumindest aus westlicher Sicht – unerträglich streng und gestrig sind. Andererseits sind diese Gemeinden auffällig progressiv. Sie sind digital gut vernetzt bei Facebook, Youtube, Instagram und Twitter. … Überhaupt ist das ganze Erscheinungsbild aufstrebender Kirchen auffällig zeitgemäß.“ (S. 199) Parallelen dazu sieht Garth auch schon in der frühen Kirche: „In unserer heutigen sexualisierten Kultur fällt auf, dass in der frühen Kirche eine strenge Sexualmoral gelebt wurde, die sich von der Moral der Heiden unterschied. Sex außerhalb der Ehe galt als Unzucht.“ (S. 37) Kulturelle Differenzen sind für Garth aber kein Problem, sondern eine Chance auch für die heutige Kirche: „Ich sehe im Niedergang des Systems Volkskirche, der sicher ein schmerzhafter Prozess ist, die enorme Chance, dass Kirche wieder das werden kann, wozu sie berufen ist: eine Kontrastgesellschaft zur Bürgergesellschaft, ein göttlicher Gegenentwurf zur Welt, eine Einladung Christi, Gottes Alternative zu leben.“ (S. 27/28) Eine Kirche, die sich so auf den Weg macht, wird aus Garth’s Sicht auch keine finanziellen Probleme haben, denn: „Wo der Heilige Geist ist, da ist auch Geld. Finanzielle Großzügigkeit verrät immer, dass da etwas geschieht, was Menschen begeistert.“ (S. 190)

Hat die Umkehr schon begonnen?

Garths Analyse und Ruf zur Umkehr spricht mir insgesamt sehr aus dem Herzen. Sein Optimismus, dass in der evangelischen Kirche nicht nur in einzelnen Gemeinden sondern auf breiter Front eine Umkehr stattfinden wird, kann ich im Moment allerdings noch nicht wirklich teilen. Ich bin eher skeptisch, wenn Garth schreibt: „Auch die universitäre Theologie wird in einen Prozess der Erneuerung eintauchen, wenn nämlich immer mehr Studenten nach der Aneignung missionarischer und kybernetischer Kompetenz verlangen.“ (S. 164) Garth sieht sogar schon erste zarte Pflänzchen wachsen: „Die neue Pfarrergeneration, die viele Ideen für einen Aufbruch der Kirche hat, organisiert sich bereits in dem Netzwerk Churchconvention. Sie wollen eine »Mission-Shaped Church«, eine missionsgeformte Kirche.“ (S. 158) Ich wünschte, er hätte recht. Aber meine Beobachtung ist eher: Die auch von Garth erwähnte „Evangelikalenphobie“ in kirchlichen Fakultäten und Gremien ist ungebrochen und nimmt sogar eher noch zu. Auch der Niedergang der Kirche oder der Pfarrermangel ändert daran bisher überhaupt nichts. Wie strikt die Abwehrhaltung gegenüber evangelikal ausgebildeten Theologen selbst in der als vergleichsweise konservativ geltenden württembergischen Landeskirche noch ist, musste ich jüngst in meiner eigenen Gemeinde schmerzhaft erleben.

Die Kirche wird nicht durch die Konzentration auf Kirchenrettung gerettet

Lange Jahre war ich Teil der Initiative „Network XXL“, die stark inspiriert war von der anglikanischen Gemeindegründungsbewegung „Fresh Expressions of church“, die auch im Garths Buch thematisiert wird. Die Berichte aus England hatten mich begeistert und die Hoffnung geweckt, dass „Fresh X“ auch in Deutschland ein Motor der Erneuerung werden könnte. Inzwischen bin ich tief enttäuscht. Der deutsche Fresh X-Zweig hat sich progressiven und teilweise sogar tief liberalen theologischen Vertretern geöffnet. Die „reduktive Theologie“ führt auch hier dazu, dass theologisches Profil verloren geht.

Wer aber nur die Formen, nicht aber die theologischen Fundamente der Kirche erneuert, bleibt letztlich verhaftet in einem „Ekklesiozentrismus“, denn man daran erkennt, „dass die Kirche zu sich einlädt, statt zu Jesus, von sich schwärmt, aber nicht von Jesus.“ (S. 186) Garth hingegen stellt klar: „Es geht nicht um Mitgliedergewinnung. Es geht darum, dass Menschen sich rufen lassen, Jünger und Jüngerinnen Christi zu werden.“ (S. 170) Damit das gelingt, benötigt die Kirche der Zukunft im Kern ein solides Bibelverständnis, aus dem eine gesunde Christologie und damit auch eine dynamische, geisterfüllte, missionarische Gemeindearbeit in vielfältigen Formen erwachsen kann. Dann wird die Kirche Jesu in der Lage sein, unsere vielfältige Gesellschaft mit dem Evangelium zu erreichen. Eine Abkürzung oder ein alternativer Weg existiert nicht. Die Alternative wäre Untergang. Ich bin Alexander Garth sehr dankbar, dass er das in diesem Buch so eindrücklich deutlich gemacht hat.

Das Buch “Untergehen oder Umkehren – Warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat” von Alexander Garth ist hier erhältlich.

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Untergehen oder umkehren".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

13 thoughts on “Untergehen oder umkehren

  1. Ich würde gerne etwas Positives sagen, aber es fällt mir schwer. Die Analyse der Ausgangssituation halte ich für weitgehend gelungen, und dann kommt sinngemäß „man müßte …“ oder „man könnte …“. Ja, aber passieren wird da wohl nicht viel.

    Die Situation heute, gerade in der evangelischen Landeskirche:
    1. Gehe ich in eine beliebige Kirche in einen Gottesdienst (Urlaub), dann weiß ich nicht, ob ich auf einen gläubigen Pfarrer stoße. Um evangelischer Pfarrer zu werden reicht bekanntlich ein Theologiestudium, aber was und ob man glaubt ist nachrangig. Auch das Studium online angebotener Gemeindebriefe, die Häufigkeit von Doppelnamen, der Charakter von Veranstaltungen oder Gemeindehilfsaktionen usw. sind nicht immer aussagekräftig.
    2. Der örtliche Gemeindekirchenrat besteht heutzutage aus Personen, die organisieren und verwalten, aber reflektieren nicht mehr Gemeindeälteste nach biblischem Vorbild. Bibelkenntnisse i.d.R. unter dem Gefrierpunkt. Das wäre das einzige Gremium, das in der Lage wäre, einen ungläubigen Pfarrer gar nicht erst in die Gemeinde kommen zu lassen.
    3. In einem typischen 1200-Seelendorf sind noch ganze 150 Leute Kirchensteuerzahler. 5 – 8 von diesen sieht man mehr oder minder regelmäßig in den alle drei Wochen stattfindenden Gottesdiensten, der Rest benötigt die Kirche nur noch für folkloristische Veranstaltungen wie Weihnachten, Taufe, Hochzeit, Beerdigung. Der Pfarrer wird zum Zeremonienmeister für gelegentliche Veranstaltungen. Da 150 Kirchensteuerzahler weniger als 300 sind, entfällt aufgrund formaler zentralistischer Beschlüsse die Selbständigkeit der Gemeinde, sie wird an irgendeinem Nachbarort angegliedert.
    4. Der Pfarrermangel führt dazu, dass ein Pfarrer heutzutage rund 7 „Kirchgebäude“ in 7 Dörfern zu betreuen hat. Die Häufigkeit der Gottesdienstangebote ist dementsprechend reduziert, einmal im Monat, manchmal zwei. Da fehlt dann auch den Gemeindemitgliedern die „Übung“ des Kirchenbesuches, daher wird auch nicht mehr die Liebe zur Schrift oder bibeltreuen Predigt gelernt. Und die Gemeinde muss quasi jeden nehmen, der sich als Pfarrer bewirbt, sonst bleibt die Stelle über lange Zeit vakant. Und manch Pfarrer ist mehr Kanzelpolitiker als Verkündiger des Evangeliums.
    5. Die steigende Immobilität verhindert die Kirchenbesuche in den Nachbarorten, in denen noch ein Gottesdienst stattfindet. Das liegt am Alter der Leute und an den steigenden Benzinpreisen. Kurzum: es geht nicht, oder der Wert des Gottesdienstbesuches wird gegen Zeit- und Geldaufwand gegengerechnet.

    In den Freikirchen sieht es teilweise mittlerweile ähnlich aus:
    1. In kleineren Gemeinden reicht das Geld nicht mehr für einen eigenen Pastor. Also wird krampfhaft irgendwer Sonntags auf die Kanzel zur Verkündigung komplementiert. „Predigtreihen“, die einen gewissen Sinn machen würden, gibt es dann entweder gar nicht, oder wenn von verschiedenen Personen durchgeführt, oftmals widersprüchlich.
    2. Wenn das Geld für einen Pfarrer reicht, dann findet man erstmal keinen. Auch schon miterlebt: es wird einer gefunden, der Ältestenkreis hat die Referenzen nicht überprüft, und man hat sich etwas eingetreten …, und man steht (fast) vor einem weltlichen Arbeitsgericht.
    3. Oder man stellt fest, dass man in einem Gemeindebund ist, der sich in eine liberale Richtung hin entwickelt, so dass man sich fragen muss, ob man das noch mittragen möchte.
    4. Das dann noch flankiert von einer Aufnahmepraxis in Gemeinde und Bund, die den Atem stocken läßt. Irgendwann ist ein Zustand erreicht, der eine Selbstheilung unmöglich macht.
    5. …

    Eigentlich habe ich in den letzten 20 Jahren zuviel erlebt um noch der Meinung sein zu können, die „Kirche“ würde sich noch irgendwie berappeln. Ich habe vereinzelt gläubige Pfarrer kennengelernt, die teilweise viel auszuhalten hatten oder haben. Es werden weniger, die letzten von denen die ich kenne stehen kurz vor dem Ruhestand.
    Und vielleicht schafft man in einzelnen Gemeinden es noch einige Zeit, bibeltreu und christuszentriert den Betrieb aufrecht zu erhalten, also ein „solides Bibelverständnis“ zu haben und zu pflegen. Aber das allein wird nicht die Welle auslösen, die notwendig ist, um den Untergang der Institution Kirche aufzuhalten.
    Die Zukunft sehe ich in Gemeinden, die sich verselbständigen und neu beschließen, ob sie einer Institution / einem Gemeindebund angehören wollen. Da liegen die Hürden aber in der personellen und pekunären Situation.

  2. Das ganze Geschrei, das Politische und das Kirchliche ist kaum noch zu ertragen, ein Geschrei übeall, jeder will Recht haben, jeder hat eine andere Vorstellung davon wie der Mensch leben soll, wir leben in einer furchtbaren Orientierungslosigkeit, wem kann man noch trauen?
    Der Wohlstand hat den Menschen satt gemacht, er ist mit sich selbst zufrieden, und braucht Gott nicht mehr, er fühlt sich stark und glaubt alles im Griff zu haben.
    In der letzten Zeit habe ich mit vielen Menschen gesprochen, nur ein Beispiel von vielen: mit einer Frau, die an der Kasse im Supermarkt sitzt, wir unterhielten uns (nicht im Geschäft) über diese verworrene Zeit, ich sagte ihr: Die Menschen müssen umkehren zu Gott, das fand sie Richtig und stimmte mir zu, …..im weiteren Gespräch erzählte sie (sie hatte Mut gefunden sich zu öffnen), das sie in Kontakt mit den Geistern ist die sie besuchen kommen und sie sogar berühren, Menschen Verstorbene, die sie liebte, und darüber ist sie sehr glücklich, sie wollte auch umkehren zu Gott, als ich ihr sagte das sie sich lossagen muss von den Geistern, weil es Gott ein Greul ist, wurde sie traurig und sagte das sie das nicht aufgeben könnte usw.
    Diese Frau war nicht die Einzige die mir von solchen Dingen berichtete, leider haben sich die Menschen so weit von Gott entfernt, und lieben ihre neuen Götzen, warum? weil die Welt zu einem lauten Getöse geworden ist, antichristlich dämonisch und selbstverliebt. An einen Aufbruch der Kirche kann ich nicht glauben, eher das Gegenteil wird passieren, die Menschen stimmen Gott zu, aber sie meinen einen anderen Gott, das sehe ich immer deutlicher, die Verwirrung in der Welt hat das zum Vorschein gebracht.
    Wir Christen müssen wieder stiller werden und uns nicht überall reinhängen was diese Welt an ungereimtheiten zusammenträgt, ein stilles Wesen redet lauter, Mission heißt, wenig reden aber liebevolles Handeln, vielleicht kehrt der eine oder andere noch um.

    Wie kommen Menschen zur Umkehr? Wenn die Not über sie hereinfällt, und sie ihre wahre Hilflosigkeit erkennen, dann kommt die Erinnerung und der Ruf nach Gott, oder auch nicht.
    Darin sehe ich einen Aufbruch zur Umkehr, doch der kommt nicht aus der Kirche, es ist vielleicht der letzte Ruf Gottes, und es werden kleine Hauskreise sein die sich zur Anbetung Gottes versammeln.

  3. ….den Satz fand ich gut:
    „Ekklesiozentrismus“, denn man daran erkennt, „dass die Kirche zu sich einlädt, statt zu Jesus, von sich schwärmt, aber nicht von Jesus.“

  4. Da muss man doch ein paar Mal durchschlafen, wenn man das liest:
    – bekehren ja, aber wohin? Zu welchem von den Verständnisses über Jesus, die gerade kursieren soll ich mich denn bekehren oder ist das egal?
    – das evangelische Taufverständnis als Bekehrungshindernis? Wenn man bei einer evangelischen Trauerfeier am Samstag zweimal die Kindertaufe als Weg zur Erlösung darstellt und es oft so erklärt wird fühle ich mich da als baptistisch geprägter Christ bestätigt in der Kritik an der Kindertaufe. Nur wie soll das praktisch gehen? Gründen die ernsthaften evangelischen Christen taufgesinnte Gemeinden? Oder macht man es dann wie in den 80er Jahren ein Pfarrer im Wutachtal, der damals einen der besten Kirchenbesuche in der badischen Landeskirche hatte? Er sagte allen Taufeltern sinngemäß: Ich taufe euer Kind, aber die Kindertaufe hat keinen Wert. Ist man dann wirklich so konsequent und sieht die Taufe dann wirklich so? Fragen über Fragen. Deshalb denke ich, dass die Gedanken des Autors einfach nicht zu Ende gedacht sind

    1. Ich lese Deinen Beitrag und bin der Meinung, dass Du ins gleiche Horn stößt. Und das ist jetzt nicht negativ gemeint. Die beklagte liberale Theologie, die in der Landeskirche nicht nur Fuß gefasst hat, sondern vorherrschend ist, führt halt zur Unklarkeit dessen, wer Jesus ist, welches Verständnis über ihn denn das richtige(re) wäre.

      Auch das Thema „Taufe“ wird zu vielfältig verstanden. Es gibt m.E. gute biblische Gründe für eine Kindertaufe, gleichermaßen aber auch für die Erwachsenentaufe.
      Die Bandbreite des Taufverständnisses habe ich auch leider schon in der Landeskirche von der Kanzel gehört, von „wer getauft ist und Mitglied der Kirche = Steuerzahler ist, ist gerettet“ bis hin, dass das eigene Bekenntnis zur Taufe im entscheidungsfähigen Alter notwendig ist.
      „Mein“ Pfarrer hat da einen m.E. gangbaren Weg gefunden – er stellt die Kindertaufe als solches nicht großartig in Frage, aber die Konfirmation ist der Anlass, dass die Konfirmanden die Taufe öffentlich annehmen und bestätigen müssen. Das hat zwar auch theologische Schwächen, aber andererseits lesen wir in der Bibel von Hausvorstehern und dass sie sich und ihr ganzes Haus taufen ließen, und darunter wären auch Unmündige zu verstehen.

      Nun will ich keinen Ausflug machen, was denn das richtige Taufverständnis ist (ich hatte Kinder- und aufgrund eigener Entscheidung und Einsicht Erwachsenentaufe), eher pflichte ich Dir bei, dass die theologische Unverbindlichkeit in der ev. Landeskirche ein Problem ist – die Pfarrer glauben, was sie wollen, und das steuerzahlende Kirchenvolk handelt gleichermaßen.

      Die Kirche war schon mal weiter. Da war dann z.B. der Heidelberger Katechismus im Konfirmationsunterricht mehr oder weniger auswendig zu lernen, und der enthält eine recht verbindliche Lehre. Der Zeitgeist hat den Menschen erfolgreich eingeredet, dass sowas nicht mehr benötigt würde.
      Im Urlaub habe ich ein Faible für den Besuch von Kirchen mit mittelalterlichen Kirchenfenstern. Die reflektieren ein tieferes biblisches Verständnis der damaligen, gerne des Lesens unkundigen Bevölkerung, als das, was man heute von vielen studierten Theologen von der Kanzel hört.

      Es fehlt eine erneute Reformation. Letztendlich also eine erneute Kirchenspaltung. Die evangelische Kirche ist Ergebnis einer notwendigen Kirchenspaltung, Baptisten, Freie ev. Gemeinden, Methodisten, Pfingstler sind aus ähnlichen Gründen entstanden, weil die Gläubigen eine entsprechende Not verspürten.

      1. Hallo Stephan,
        Danke für Deine Antwort. Ich für meinen Teil kann gut damit leben, wenn es in Gemeinden, die Kleinkinder taufen eine klare Lehre innerhalb der Konfirmation Richtung Tauferneuerung gibt. Nur wenn das praktiziert wird, in der Nachbarkirche was anderes erzählt wird ist das ganze unglaubwürdig. Deshalb wie schon mehrfach hier gesagt wie Du es auch schreibst: ohne klare Abgrenzung vom Liberalismus wird keine Kirchenerneuerung funktionieren.

  5. Hallo Stephan,
    der Hauptgrund, warum es an Mut fehlt institutionell neues zu wagen ist doch sicher das Geld. Eine Gemeinde ob frei oder Kirche, kann in der Regel incl. Gebäude nicht einfach austreten weil die Gebäude dem Gemeindebund gehören. Auch viele Pfarrer würden sich mit Gehalt und Pensionsbezügen in einer unabhängigen Gemeinde sicher schlechter stellen. Selbst wenn ein ganzer Freikirchen Bund sich z.b. gegen Homoehe stellen würde ist doch die Frage ob er seine Zulassung als KdöR nicht verlieren würde. Wenn die Leitung nicht bereit ist, für Reinhaltung der Lehre finanzielle Opfer zu bringen, wie sollen es dann die Schäfchen verstehen? Wenn das aber so ist wie es ist scheint vielen die Reinhaltung der Lehre auch nicht besonders wichtig zu sein

    1. Ich würde es nicht (nur) am Geld festmachen. Freie Gemeinden finanzieren ihren Pastor selbst wie auch ihr Gebäude, auch wenn beides in die Verwaltung eines Bundes gelegt ist. Hier sehe ich in den mir bekannten Gemeinden eher das Problem, den notwendigen „Schwellenwert“ an Mitgliedern zu haben, um eine, sagen wir mal aus Vereinfachungsgründen, „konservative“ Theologie zu pflegen. Es ist hier vielmehr die Angst vor Spaltung aus meiner Sicht gegeben. Das führt dann zu Stilblüten wie „Wir heißen FREIE Gemeinde, weil wir frei sind in unseren theologischen Ansichten und daher eine Vielfalt zulassen.“

      In den Landeskirchen fehlt es noch mehr an bibeltreuen Christen. Mein Beispiel von „1200 Einwohner, 150 Kirchensteuerzahler, ca. 5 regelmäßige Gottesdienstbesucher“ kommt ja tatsächlich aus der Praxis. Der Gemeindekirchenrat könnte die Berufung von Pfarrern verhindern, hat aber selbst keine feste Auffassung dazu, was noch evangelisch ist – und besteht aus mehr Mitgliedern als Gottesdienstbesuchern.
      Die Situation wird sich nächstes Jahr verschlechern – der gläubige Pfarrer geht in den Ruhestand, und die Dorfgemeinden werden anderen Pfarrern bzw. Pfarrbezirken zugeschlagen. Eine dieser Pfarrerpersonen kenne ich, die segelt unter der Regenbogenfahne. Ich werde mir also einen neuen Wirkungskreis suchen müssen.

      In der ehemaligen Gemeinde (Landeskirche) meiner Mutter habe ich es erlebt, dass ein bibeltreuer Pfarrer nahezu verjagt wurde (er ist auch später dann gegangen), als er Konfirmanden nicht zur Konfirmation zulassen wollte, es gab dafür gute Gründe. Das ist ähnlich wie die Situation in Bremen gewesen (Latzel), aber halt nicht mit der Außenwirkung, da nur größere Dorfkirche.

      Mein gemeindeübergreifender Hauskreis ist mit dem Tod meines Mitleiters Geschichte – ich halte nichts von alleiniger Leiterschaft, aber aus dem verbliebenen kleinen Kreis war kein Sparringpartner oder auch nur Urlaubs-/Krankheitsvertreter zu rekrutieren. Ein Teil der Mitglieder war vorher verstorben, oder wurde krank, oder hatte mehr Angst vor Corona als vor dem Verzicht auf den Hauskreis. Einzugsbereich des Hauskreises waren rund 15km mit mehreren Ortschaften, zusammen rund 50.000 Einwohner …

      Wo es genügend Christen gäbe, da würde eine „Wohnzimmerkirche“ ausreichen. Aber nicht einmal die ist, auch an größeren Orten, noch aufbaubar. Und letztendlich wäre es auch nur ein Abwerben der bibeltreuen Christen aus anderen Gemeinden oder Hauskreisen und damit (noch) nicht misssionarisch.

      Da kommt jetzt vielleicht etwas Frust in meinen Sätzen hoch. Es sind genug Bücher und Aufsätze geschrieben worden, die sich mit dem Niedergang beschäftigen. Einige Leute schreiben die Bücher, noch mehr Leute lesen und kommentieren die. Dann klopft man sich auf die Schulter, weil man eine ähnliche Sichtweise hat, hat aber die Zeit und Ressourcen nicht darauf verwendet oder verwenden können, um die Situation zu ändern. Und wir machen da ja auch mit, und sei es nur mit unserem Zeitaufwand für das Kommentieren.

      Und zu den neuen Aufgaben, die ich mir im nächsten Jahr suchen muss: es gibt hier eine Freikirche mit rund 100 Mitgliedern, von denen ich mal gerade zwei Personen indirekt/oberflächlich über die ehemalige Hauskreisarbeit kenne. Es gibt dort einen Mangel an Verkündigern, und ich werde angefragt. Es ist erstaunlich: innerhalb der Gemeinde finden sich zu wenige oder niemand für die Verkündigung, und ohne dass der Ältestenkreis mich mal vorher befragt und mir auf den theologischen Zahn fühlt, werde ich angefragt und würde auf die Kanzel gelassen.
      Und das halte ich nicht für „gesund“. Noch schlimmer: wer wird vielleicht das korrigieren können, was ich dort „anrichte“, falls ich mehr meine Meinung als die des Heiligen Geistes kund tue?

      Ich bin also manchmal recht ratlos und frage mich gelegentlich, ob wir in manchen geografischen Regionen schon in den dunklen Tagen leben, an denen niemand mehr wirken kann.

      1. Hallo Stephan, so und ähnlich scheint es an vielen Orten in Deutschland zu sein. Bei uns sieht das so aus, dass Gemeinden sich entschließen Leute bis ca. 40 Jahren mit modernen Mitteln zu erreichen. Die Alten werden vergrault oder es entstehen überalterte Gemeinden weil die Jungen gegangen sind. Dann werden noch vereinfachte Predigten ( nach meiner Frau auf Kinderstundenniveau) gehalten, die sehr oft liberal geprägt sind. Die charismatisch- pfingstliche Lehre von der großen Erweckung kann ich nicht teilen, obwohl es immer noch lebendige Kirchengemeinden gibt. Aber im Grundsatz gehen wir auf geistlich dürre Zeiten zu, da ein echter Veränderungswille nicht besteht.

        1. Sehe ich auch so.
          Beim Blick über den theologischen Tellerrand habe ich heute mal ein paar Artikel zu den bisherigen Ergebnissen des „Synodalen Wegs“ gelesen.
          Gestern gab es Empörung: die 2/3-Mehrheit bei den Bischöfen wurde knapp verfehlt, so dass der Beschluss für eine „moderne Sexualmoral“ abgeschmettert worden ist. Was auf den ersten Blick erfreulich klingt offenbart auf dem zweiten Blick: die Mehrheit der Laien ist für eine bunte Sexualethik, und auch die Mehrheit der deutschen Bischöfe, nur eben (noch) nicht die erforderliche 2/3-Mehrheit der Bischöfe. Es wurde von „Ziel knapp verfehlt“ gesprochen.
          Heute soll dann noch das Thema Frauenordination abgestimmt werden, ich bin gespannt.

          Nun sehe ich ja die katholische Kirche als Hort eines Konservatismus, und am Vatikan und der offiziellen Lehrmeinung führt auch kein deutscher Beschluss vorbei – aber, wenn es hier nicht eine gezielte Unterwanderung und Stimmungsmache durch die LQ…-Buchstabensuppe ist, dann hat es enorme Veränderungen in den letzten 60 Jahren gegeben:
          Vor 30 Jahren ist man entweder den Gottesdiensten fern geblieben und hat beim Glaubensbekenntnis vielleicht manche Stelle nicht mitgesprochen.
          Vor 60 Jahren war die katholische Lehrmeinung für so ziemlich alle Katholiken unumstößlich.

          Nun sehe ich die meisten Ziele dieses „Synodalen Weges“ als bibelwidrig an und finde es erschreckend, wie sich innerhalb von ein paar Jahren mehr als die Hälfte der Bischöfe von der bisherigen Lehre abwenden.
          Man hört ja manchmal Geschichten, was in manchen katholischen Kirchen und Bistümern jetzt schon „möglich“ ist, und was in meinem Verständnis durchaus gegen die bisherige Lehre gerichtet ist. Und damit weiß ein Katholik kaum noch, was einem im Urlaub in der dort besuchten Kirche erzählt und gelebt wird – wie bei uns evangelischen Leuten auch.

          Wer meine bisherigen Kommentare gelesen hat weiß ja, dass ich durchaus Kritikpunkte an der katholischen Theologie habe, aber ich erkenne auch gerne an, dass dort manche Lehre trotz aller Gegenbewegungen hochgehalten wurde und wird, die in evangelischen oder freikirchlichen schon als verteidigungsunwert aufgehoben wurde (Frauenordination, Sexualethik, Abtreibung, …).

          Wir sehen also den Glaubensabfall nicht nur in den evangelischen Kirchen, sondern flächendeckend. Die Konsequenz wird sein, dass sich die Kirchen nicht mehr vom zeitgeistigen Verhalten der Nichtmitglieder unterscheiden, von den Kanzeln das gleiche Geplärre ertönt wie auf manchen politischen Veranstaltungen. Wenn mir Kirche aber keine feste Orientierung mehr bietet, kein Festhalten an Lehre und/oder Glaubenswahrheiten, notfalls auch Feindschaft mit zeitgeistlichen Haltungen pflegt, warum sollte ich mich dem Laden dann noch anschließen?

          1. Die katholische Kirche hat in meiner Sicht Mängel bei den Themen Erlösung, Taufe und Abendmahl sowie beim Amtsverständnis. Bei vielen anderen Themen vor allem in moralischen Fragen hat die konservative Seite der RKK einen guten Weg. Du siehst das schon richtig. Bei allen Kirchen werden Teile der biblischen Botschaft in Frage gestellt

  6. Auf der Worthaus-Tagung vor drei Monaten wurde das Thema auch referiert, und zwar von Sandra Bils vom CVJM. Die sprach sehr positiv über Fresh-X. Als ich da drin war und Ulrich Parzany Ober-Vorsitzender, galt der CVJM als Hort der ernsthaft Gläubigen in Kassel. Ist der mittlerweile eigentlich zu einem Club abgefallener Häretiker, die die Sünde gutheißen und die Kirche zu einem linken Polit-Verein degradieren wollen, geworden? 😉
    Ich war noch nie in einer liberalen Gemeinde und habe noch nie einen liberalen Pfarrer getroffen. Vielleicht sollte ich mal in die Peterskirche, um zu prüfen, ob die wirklich so schlimm sind.
    Heute in der Leipziger Elim-Gemeinde war die Predigt Teil einer Reihe zum Thema Wachstumspotential. Der Prediger hat erstmal klargestellt: 2. Petrus 1: „3 Jesus Christus hat uns in seiner göttlichen Macht alles geschenkt,[1] was wir brauchen, um so zu leben, wie es ihm gefällt.“
    Pessimismus und Gejammer gab es schon in der Antike: Richter 6: „Ach, mein Herr, wenn Gott uns wirklich beisteht, warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind all die Wunder, von denen unsere Eltern uns erzählt haben? Sie sagen, der HERR habe uns aus Ägypten befreit. Aber was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!“
    Aber auch für düstere Zeiten gelten Verheißungen von Jahwe: Sacharja 8: „2 »Meine Liebe zu Zion ist ungebrochen; voller Leidenschaft setze ich mich für die Stadt ein und verfolge ihre Feinde mit glühendem Zorn. Darauf gebe ich, der HERR, der allmächtige Gott, mein Wort. … 6 Ihr meint, dies sei unmöglich? Doch ich sage euch, dem Rest meines Volkes: Für mich ist es keineswegs unmöglich, denn ich bin der HERR, der allmächtige Gott! 7 Ihr werdet sehen: Ich rette die Menschen, die zu meinem Volk gehören; aus der ganzen Welt, vom Osten und vom Westen, hole ich sie 8 und bringe sie nach Jerusalem zurück. Dort sollen sie dann wohnen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Treu und gerecht will ich zu ihnen stehen! … 11 Doch von jetzt an will ich mit euch, die ihr von meinem Volk noch übrig geblieben seid, ganz anders umgehen. Das sage ich, der HERR!“
    Null Pessimismus, und dann hat der Prediger auch noch Jürgen Moltmann zitiert – muß der nun auch als liberaler, abgefallener Häretiker gelten? Das wäre doof, wo die doch eine der professionellsten Worship-Bands in ganz Leipzig haben …
    Alles Gute!

    1. Nur dass halt die Predigt bzw. zitierten Bibelstellen auf das Volk Gottes (für den Himmel) und den einzelnen Christen anzuwenden sind. Natürlich bezweifel ich nicht, dass Gott seine Christen bzw. Jesus seine Brautgemeinde aus allen Teilen der Welt sammeln wird. Der „Pessimusmus und das Gejammer“ bezieht sich hier doch nicht darauf, dass Gott seine Zusagen uns gegenüber nicht halten würde – er hält alle seine Versprechen.

      Was hier eher im Artikel und den Kommentaren beklagt wird ist die Wandlung einer Gesellschaft und ihrer religiösen Einrichtungen, die sich immer mehr von Gottes Wort entfernt, in der jeder das glaubt was er möchte, und die Bibel und somit Gottes Wort an uns nur noch als unverbindliche Empfehlung wahrgenommen werden, die man im Lichte moderner Zeiten beliebig interpretieren kann. Die folgerichtig eintretende Bedeutungslosigkeit von Amts- und Freikirchen, die der liberalen Theologie huldigen, führt in der Konsequenz dazu, dass die Anzahl von bibeltreuen Christen immer überschaubarer wird. Aber auch das ist ja in der Schrift vorhergesagt – Gott hält sich an das, was er hat prophezeien lassen.
      Die Frage ist halt: sind wir in der Geschichte schon soweit, dass der Trend unumkehrbar ist?

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