Johannes 18,12-19,42 –
Hierauf nahmen die Abteilung Soldaten mit ihrem Hauptmann und die Diener der Juden Jesus fest, fesselten ihn und führten ihn zunächst zu Hannas ab; denn er war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. Kaiphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei besser, dass ein einzelner Mensch für das Volk sterbe. Simon Petrus aber und noch ein anderer Jünger waren Jesus nachgefolgt. Dieser (andere) Jünger war aber mit dem Hohepriester bekannt und ging (deshalb) gleichzeitig mit Jesus in den Palast des Hohepriesters hinein, während Petrus draußen vor der Tür stehenblieb. Da ging der andere Jünger, der mit dem Hohepriester bekannt war, hinaus, redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da sagte die Bedienstete, welche die Tür hütete, zu Petrus: »Gehörst du nicht auch zu den Jüngern dieses Menschen?« Er antwortete: »Nein.« Es standen aber die Knechte und Diener da, sie hatten sich wegen der Kälte ein Kohlenfeuer angemacht und wärmten sich daran; aber auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
Der Hohepriester (Hannas) befragte nun Jesus über seine Jünger und seine Lehre. Jesus antwortete ihm: »Ich habe frei und offen zu aller Welt geredet; ich habe immer in den Synagogen und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen; im Geheimen habe ich überhaupt nicht geredet. Warum fragst du mich? Frage die, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; diese wissen, was ich gesagt habe.« Als er das ausgesprochen hatte, gab einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus einen Schlag ins Gesicht und sagte: »So antwortest du dem Hohenpriester?« Jesus entgegnete ihm: »Wenn ich ungehörig gesprochen habe, so sage, was ungehörig daran gewesen ist; wenn ich aber richtig gesprochen habe, warum schlägst du mich?« Darauf sandte Hannas ihn gefesselt zum Hohepriester Kaiphas. Simon Petrus aber stand (unterdessen) da und wärmte sich. Da fragten sie ihn: »Gehörst du nicht auch zu seinen Jüngern?« Er leugnete aber »Ich bin es nicht«. Da sagte einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter des Knechtes, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: »Habe ich dich nicht in dem Garten bei ihm gesehen?« Da leugnete Petrus nochmals; und gleich darauf krähte der Hahn.
Man führte Jesus dann aus dem Haus des Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Die Juden selbst gingen dabei nicht ins Prätorium hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Passah essen zu können. Darum kam Pilatus zu ihnen hinaus und fragte sie: »Welche Anklage habt ihr gegen diesen Mann zu erheben?« Sie antworteten ihm mit den Worten: »Wäre dieser Mensch kein Verbrecher, so hätten wir ihn dir nicht überliefert!« Da sagte Pilatus ihnen: »Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz.« Die Juden entgegneten ihm: »Wir haben nicht das Recht, jemanden hinzurichten« – so sollte sich das Wort Jesu erfüllen, durch das er die Art seines Todes angedeutet hatte. Pilatus ging nun wieder ins Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: »Bist du der König der Juden?« Jesus antwortete: »Fragst du so von dir selbst aus, oder haben dir andere von mir gesagt?« Pilatus antwortete: »Ich bin doch kein Jude! Dein Volk und die Hohepriester haben dich mir überantwortet: was hast du verbrochen?« Jesus antwortete: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so würden meine Diener (für mich) kämpfen, damit ich den Juden nicht überliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.« Da sagte Pilatus zu ihm: »Ein König bist du also?« Jesus antwortete: »Ja, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, um die Wahrheit zu bezeugen; jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.« Darauf antwortete ihm Pilatus: »Was ist Wahrheit?!« Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte ihnen: »Ich finde keinerlei Schuld an ihm. Es ist aber Gewohnheit bei euch, dass ich euch am Passah einen (Gefangenen) freigebe: soll ich euch also den König der Juden freigeben?« Da schrien sie wieder laut: »Nein, nicht diesen, sondern den Barabbas!« Barabbas war aber ein Räuber.
Dann ließ Pilatus Jesus ergreifen und geißeln; dann flochten ihm die Soldaten eine Dornenkrone, setzten sie ihm aufs Haupt und legten ihm einen scharlachroten Mantel um; hierauf traten sie vor ihn und riefen aus: »Sei gegrüßt, Judenkönig!« und versetzten ihm Schläge ins Gesicht. Pilatus kam wieder heraus und sagte zu ihnen: »Seht, ich führe ihn zu euch heraus, damit ihr erkennt, dass ich keinerlei Schuld an ihm finde.« Jesus ging hinaus und trug die Dornenkrone und den Purpurmantel, und Pilatus sagte ihnen: »Seht, der Mensch!« Als ihn nun die Hohepriester und die Tempeldiener erblickten, schrien sie: »Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz!« Pilatus entgegnete ihnen: »Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm.« Die Juden antworteten ihm: »Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat.« Als nun Pilatus dieses Wort hörte, geriet er in noch größere Angst; er ging also wieder ins Prätorium hinein und fragte Jesus: »Woher bist du?« Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: »Mir willst du nicht Rede stehen? Weißt du nicht, dass ich die Macht habe, dich freizugeben, und auch die Macht habe, dich kreuzigen zu lassen?« Jesus antwortete ihm: »Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben her gegeben wäre; deshalb trifft den, welcher mich dir ausgeliefert hat, eine größere Schuld.« Von da an wollte Pilatus ihn freigeben; aber die Juden schrien: »Gibst du diesen frei, so bist du kein Freund des Kaisers! Jeder, der sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf!« Als Pilatus diese Worte hörte, ließ er Jesus hinausführen und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, welcher ›Steinpflaster‹, auf hebräisch Gabbatha, heißt. Es war aber der Rüsttag auf das Passahfest, und zwar um die sechste Stunde (mittags um 12Uhr]. Nun sagte Pilatus zu den Juden: »Seht, da ist euer König!« Da schrien jene: »Weg, weg mit ihm, kreuzige ihn!« Pilatus entgegnete ihnen: »Euren König soll ich kreuzigen lassen?« Die Hohepriester antworteten: »Wir haben keinen König als den Kaiser!« Darauf übergab er ihnen Jesus zur Kreuzigung. So übernahmen sie Jesus; und dieser ging, indem er sein Kreuz selbst trug, (aus der Stadt) hinaus nach der sogenannten ›Schädelstätte‹, die auf hebräisch Golgatha heißt; dort kreuzigten sie ihn und mit ihm noch zwei andere auf beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
Auch eine Aufschrift hatte Pilatus schreiben und oben am Kreuz anbringen lassen; sie lautete: »Jesus von Nazareth, der König der Juden.« Diese Aufschrift nun lasen viele von den Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag und die Aufschrift in hebräischer, römischer und griechischer Sprache abgefasst war. Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: »Schreibe nicht: ›Der König der Juden‹, sondern: ›Dieser Mensch hat behauptet, er sei der König der Juden‹!« Pilatus (aber) antwortete: »Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben!« Als nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleidungsstücke und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten ein Teil, außerdem noch das Unterkleid. Dieses Unterkleid war ohne Naht, von oben an in einem Stück gewebt. Da sagten sie zueinander: »Wir wollen es nicht zerschneiden, sondern darum losen, wem es gehören soll« – so sollte das Schriftwort seine Erfüllung finden (Ps 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich verteilt und über mein Gewand das Los geworfen.« Auf diese Weise verfuhren die Soldaten. Beim Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, auch Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter und neben ihr den Jünger, den er (besonders) lieb hatte, stehen sah, sagte er zu seiner Mutter: »Frau, siehe dein Sohn!« Darauf sagte er zu dem Jünger: »Siehe deine Mutter!« Und von dieser Stunde an nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus.
Darauf, weil Jesus wusste, dass nunmehr alles vollbracht war, sagte er, damit die Schrift ganz erfüllt würde: »Mich dürstet.« Es stand dort ein mit Essig gefülltes Gefäß. Sie umwickelten also einen mit Essig getränkten Schwamm mit Ysop und hielten diesen an seinen Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sagte er: »Es ist vollbracht!«, neigte dann das Haupt und gab den Geist auf. Weil nun Rüsttag war, trugen die Juden, damit die Leichen nicht während des Sabbats am Kreuz blieben – dieser Sabbattag war nämlich ein hoher Festtag –, dem Pilatus die Bitte vor, ihnen sollten die Beine mit Keulen zerschlagen und sie dann (vom Kreuz) herabgenommen werden. So kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, ebenso auch dem andern, der mit (Jesus) gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er bereits tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer von den Soldaten stieß ihn mit seiner Lanze in die Seite; da floss sogleich Blut und Wasser heraus. Ein Augenzeuge hat dies bezeugt, und sein Zeugnis ist zuverlässig, und jener weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr zum Glauben kommt. Dies ist nämlich geschehen, damit das Schriftwort erfüllt würde (2.Mose 12,46; Ps 34,21): »Es soll kein Knochen an ihm zerbrochen werden.« Und noch eine andere Schriftstelle lautet (Sach 12,10): »Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.« Hierauf trug Joseph von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war – allerdings ein geheimer aus Furcht vor den Juden –, Pilatus die Bitte vor, dass er den Leichnam Jesu vom Kreuze abnehmen dürfe; und Pilatus gewährte ihm die Bitte. So ging er hin und nahm seinen Leichnam (vom Kreuz) ab. Aber auch Nikodemus kam, derselbe, der zum ersten mal bei Nacht zu Jesus gekommen war (Joh 3,1-30), und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe mit, ungefähr hundert Pfund. So nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn in Leinwandstreifen ein mitsamt den wohlriechenden Stoffen, wie es Sitte der Juden bei Bestattungen ist. An dem Ort, wo er gekreuzigt worden war, war ein Garten, und in dem Garten (befand sich) ein neues Grab, in welchem bisher noch niemand beigesetzt worden war. Dorthin brachten sie Jesus mit Rücksicht auf den jüdischen Rüsttag, weil das Grab in der Nähe war.

Psalm 22,2-19
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46; Mk 15,34) Ach, fern von meiner Rettung bleiben die Worte meiner Klage! Mein Gott! Ich rufe bei Tag, doch du antwortest nicht, und bei Nacht, und ich finde keine Ruhe! Und doch bist du der Heilige, der thront über Israels Lobgesängen. Auf dich haben unsere Väter vertraut, sie haben vertraut, und du hast ihnen ausgeholfen; zu dir haben sie geschrien und Rettung gefunden, auf dich haben sie vertraut und sind nicht enttäuscht worden. Doch ich bin ein Wurm und kein Mensch mehr, der Leute Hohn und verachtet vom Volk; alle, die mich sehen, spotten über mich, reißen den Mund auf, schütteln den Kopf: »Er werfe es auf den HERRN: der möge ihn befreien, der möge ihn retten: er hat ja Wohlgefallen an ihm!« Ja du bist es, der mich der Mutter in den Schoß gelegt hat, mich sicher geborgen hat an meiner Mutter Brust; von Geburt an bin ich auf dich geworfen, vom Schoß meiner Mutter an bist du mein Gott. O bleibe nicht fern von mir, denn die Drangsal ist nah, und sonst ist kein Helfer zu sehen! Mich umzingeln mächtige Stiere, Basans Stiere haben mich umringt; den Rachen sperren sie gegen mich auf – ein reißender, brüllender Löwe! Wie Wasser bin ich ausgegossen, alle meine Glieder sind ausgerenkt; mein Herz ist geworden wie Wachs, zerschmolzen in meinem Inneren. Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe und die Zunge klebt am Gaumen: in den Staub des Todes hast du mich gelegt. Ach, Hunde umgeben mich rings umher, eine Rotte von Übeltätern umkreist mich; sie haben meine Hände und Füße durchbohrt. All meine Gebeine kann ich zählen: sie aber blicken mich an und weiden sich an meinem Anblick. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand (Mt 27,35; Joh 19,24).

Matthäus 26,50b-27,1-66
Hierauf traten sie hinzu, legten Hand an Jesus und nahmen ihn fest. Einer von den Begleitern Jesu streckte jedoch die Hand aus, zog sein Schwert und schlug damit nach dem Knecht des Hohepriesters und hieb ihm das Ohr ab. Da sagte Jesus zu ihm: »Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen! Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir nicht gleich mehr als zwölf Legionen Engel zu Hilfe senden? Wie sollten dann aber die Schriften erfüllt werden, dass es so geschehen muss?« In jener Stunde sagte Jesus zu dem Haufen: »Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen. Täglich habe ich im Tempel gesessen und gelehrt, und ihr habt mich nicht festgenommen. Dies alles ist aber geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllt werden!« Hierauf verließen ihn alle Jünger und ergriffen die Flucht. Die Männer aber, die Jesus festgenommen hatten, führten ihn zum Hohepriester Kaiphas ab, wo sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelten. Petrus folgte ihm von ferne bis zum Palast des Hohepriesters, ging hinein und setzte sich dort unter die Diener, um den Ausgang der Sache abzuwarten. Die Hohepriester aber und der gesamte Hohe Rat suchten nach einer falschen Zeugenaussage gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können; doch sie fanden keine, obwohl viele falsche Zeugen herzutraten. Zuletzt aber traten zwei auf und sagten aus: »Dieser Mensch hat behauptet: ›Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen.‹« Da stand der Hohepriester auf und fragte ihn: »Entgegnest du nichts auf das, was diese Zeugen gegen dich aussagen?« Jesus aber schwieg. Da sagte der Hohepriester zu ihm: »Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott: Sage uns, bist du Christus, der Sohn Gottes?« Da antwortet ihm Jesus: »Ja, ich bin es! Doch ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels.« (Dan 7,13; Ps 110,1) Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sagte: »Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr selbst die Gotteslästerung gehört! Was urteilt ihr?« Sie gaben die Erklärung ab: »Er ist des Todes schuldig!« Hierauf spien sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit den Fäusten; andere gaben ihm Ohrfeigen und sagten: »Weissage uns, Christus! Wer ist es, der dich geschlagen hat?«
Petrus aber saß (unterdessen) draußen im Hof. Da trat eine Bedienstete auf ihn zu und sagte: »Du bist auch bei Jesus, dem Galiläer, gewesen!« Er aber leugnete vor allen und sagte: »Ich verstehe nicht, was du da sagst!« Als er dann ins Tor hinausgegangen war, bemerkte ihn eine andere Bedienstete und sagte zu den Leuten dort: »Dieser ist auch mit Jesus, dem Nazoräer, zusammen gewesen!« Da leugnete er wieder, (diesmal) mit einem Eid: »ich kenne den Menschen nicht!« Kurz danach traten die Leute, die dort standen, hinzu und sagten zu Petrus: »Wahrhaftig, du gehörst auch zu ihnen: schon deine Sprache verrät dich!« Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: »Ich kenne den Menschen nicht!«, und gleich darauf krähte der Hahn. Da dachte Petrus an das Wort Jesu, der ihm gesagt hatte: »Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Als es hierauf Tag geworden war, fassten alle Hohepriester und die Ältesten des Volkes den Beschluss gegen Jesus, ihn hinrichten zu lassen. Sie ließen ihn fesseln, abführen und übergaben ihn dem Statthalter Pontius Pilatus. Als nun Judas, sein Verräter, erkannte, dass er (Jesus) verurteilt worden war, bereute er seine Tat. Und er brachte die dreißig Silberstücke den Hohepriestern und Ältesten zurück mit den Worten: »Ich habe unrecht getan, dass ich unschuldiges Blut ausgeliefert habe!« Sie erwiderten jedoch: »Was geht uns das an? Sieh du selbst zu!« Da warf er das Geld in den Tempel und machte sich davon, ging hin und erhängte sich. Die Hohepriester aber nahmen das Geld und sagten: »Wir dürfen es nicht in den Tempelschatz tun, denn es ist Blutgeld.« Nachdem sie sich dann beraten hatten, kauften sie für das Geld den ›Töpferacker‹ zum Begräbnisplatz für die Fremden; daher führt jener Acker den Namen ›Blutacker‹ (hebräisch Hakeldama) bis auf den heutigen Tag. Damals erfüllte sich das Wort des Propheten Jeremia (Sacharja 11,12-13; Jer 32,6): »Sie nahmen die dreißig Silberstücke, den Geldbetrag für den Geschätzten, den man von Seiten der Söhne Israels zu diesem Preis geschätzt hatte, und gaben sie für den Töpferacker, wie der Herr es mir geboten hatte.«
Jesus wurde dem Statthalter vorgeführt, und dieser befragte ihn mit den Worten: »Bist du der König der Juden?« Jesus antwortete: »Ja, ich bin es.« Während er dann von den Hohepriestern und Ältesten angeklagt wurde, antwortete er ihnen nichts. Da fragte ihn Pilatus: »Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen?« Doch er beantwortete ihm keine einzige Frage, worüber sich der Statthalter sehr wunderte. An jedem (Passah-) Fest aber pflegte der Statthalter dem Volk einen Gefangenen nach ihrer Wahl freizugeben. Damals war aber ein berüchtigter Gefangener namens Barabbas (in Haft). Als die Menge nun versammelt war, fragte Pilatus sie: »Wen soll ich euch freigeben, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt?« Er wusste nämlich sehr wohl, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten. Während er auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau ausrichten und sagen: »Habe du mit diesem Gerechten nichts zu schaffen! Denn ich habe heute Nacht im Traum viel um seinetwillen ausgestanden.« Die Hohepriester und Ältesten aber redeten auf das Volk ein, sie sollten sich den Barabbas erbitten, Jesus dagegen hinrichten lassen. Da richtete der Statthalter (nochmals) die Frage an sie: »Wen von den beiden soll ich euch freigeben?« Sie riefen: »Barabbas!« Pilatus fragte sie weiter: »Was soll ich denn mit Jesus machen, den man Christus nennt?« Sie riefen alle: »Ans Kreuz mit ihm!« Der Statthalter entgegnete ihnen: »Was hat er denn Böses getan?« Sie schrien nur noch lauter: »Ans Kreuz mit ihm!« Als nun Pilatus einsah, dass er nichts erreichte, der Lärm vielmehr immer größer wurde, ließ er sich Wasser anreichen, wusch sich vor dem Volk die Hände und sagte: »Ich bin am Blut dieses Gerechten unschuldig; seht ihr zu!« Da antwortete das gesamte Volk mit dem Ruf: »Sein Blut (komme) über uns und über unsere Kinder!« Daraufhin gab er ihnen Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn (den Soldaten) zur Kreuzigung. Hierauf nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich ins Prätorium und riefen dort die ganze Kohorte gegen ihn zusammen. Sie entkleideten ihn und legten ihm einen scharlachroten Mantel um, flochten eine Krone aus Dornen, die sie ihm aufs Haupt setzten, und (gaben) ihm ein Rohr in die rechte Hand; daraufhin warfen sie sich vor ihm auf die Knie nieder und verhöhnten ihn mit den Worten: »Sei gegrüßt, Judenkönig!« Auch spien sie ihn an, nahmen das Rohr und schlugen ihm damit aufs Haupt. Nachdem sie ihn so verspottet hatten, nahmen sie ihm den Mantel wieder ab und legten ihm seine eigenen Kleider an; dann führten sie ihn zur Kreuzigung ab.
Während sie (zur Stadt) hinauszogen, trafen sie einen Mann aus Cyrene namens Simon an; diesen zwangen sie, für ihn das Kreuz zu tragen. Als sie dann auf einem Platz namens Golgatha, das bedeutet Schädelstätte, angekommen waren, gaben sie ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war (Ps 69,22); doch als er ihn gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn dann gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleidungsstücke unter sich, indem sie das Los um sie warfen (Ps 22,19), setzten sich hierauf nieder und bewachten ihn dort. Über seinem Haupt hatten sie eine Inschrift angebracht, die seine Schuld angeben sollte; sie lautete: »Dieser ist Jesus, der König der Juden.« Dann wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, der eine zu seiner Rechten, der andere zu seiner Linken. Die Vorübergehenden aber schmähten ihn, wobei sie den Kopf schüttelten (Ps 22,8; 109,25) 40 und ausriefen: »Du wolltest ja den Tempel abbrechen und ihn in drei Tagen wieder aufbauen! Hilf dir nun selbst, wenn du Gottes Sohn bist, und steige vom Kreuz herab!« Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten mit den Worten: »Anderen hat er geholfen, sich selber kann er nicht helfen! Er ist der König von Israel: so steige er jetzt vom Kreuz herab, dann wollen wir an ihn glauben! Er hat auf Gott vertraut: der rette ihn jetzt, wenn er ihm wohlgesonnen ist! Er hat ja doch behauptet: ›Ich bin Gottes Sohn.‹« In gleicher Weise schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. Aber von der sechsten Stunde [12Uhr] an trat eine Finsternis über das ganze Land ein bis zur neunten Stunde [15Uhr] Um die neunte Stunde aber rief Jesus mit lauter Stimme aus: »Eli, Eli, lema sabachthani?«, das heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Ps 22,2). Als einige von den dort Stehenden dies hörten, sagten sie: »Der ruft den Elia!« Und sogleich lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm, tränkte ihn mit Essig, steckte ihn an ein Rohr und wollte Jesus trinken lassen. Die anderen aber sagten: »Lass das! Wir wollen doch sehen, ob Elia wirklich kommt, um ihm zu helfen.« Jesus aber stieß noch einmal einen lauten Schrei aus und gab dann seinen Geist auf.
Da zerriss der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Stücke, die Erde bebte und die Felsen zersprangen, die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt und kamen nach seiner Auferstehung aus ihren Gräbern hervor, sie gingen in die heilige Stadt hinein und erschienen vielen. Als aber der Hauptmann und seine Leute, die Jesus bewacht hatten, das Erdbeben und was (sonst noch) geschah, sahen, gerieten sie in große Furcht und sagten: »Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen!« Es waren dort aber auch viele Frauen, die von weitem zuschauten; sie waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Unter ihnen befanden sich Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und des Joseph, und die Mutter der Söhne des Zebedäus. Als es Spätnachmittag geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathäa namens Joseph, der gleichfalls ein Jünger Jesu geworden war; der begab sich zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Da gab Pilatus den Befehl, man solle ihm den Leichnam übergeben. Joseph nahm den Leichnam, wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in das neue Grab, das er für sich selbst im Felsen hatte aushauen lassen; dann wälzte er einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und entfernte sich. Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria zugegen; sie saßen dem Grab gegenüber. – Am nächsten Tag aber, der auf den Rüsttag folgte, versammelten sich die Hohepriester und Pharisäer bei Pilatus und sagten: »Herr, wir haben uns erinnert, dass jener Betrüger zu seinen Lebzeiten angekündigt hat:›Nach drei Tagen werde ich auferweckt.‹ Befehle also, dass das Grab bis zum dritten Tag sicher bewacht wird; sonst könnten seine Jünger kommen, ihn stehlen und dann zum Volk sagen: ›Er ist von den Toten auferweckt worden‹; dann wäre der letzte Betrug noch schlimmer als der erste.« Pilatus antwortete ihnen: »Ihr sollt eine Wachmannschaft haben; geht hin und sichert es, so gut ihr könnt!« Da gingen sie hin und sicherten das Grab unter Hinzuziehung der Wachmannschaft, nachdem sie den Stein versiegelt hatten.

Jesaja 53,1-12
Wer hat unserer Verkündigung Glauben geschenkt, und wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? Er wuchs ja vor ihm auf wie ein Wurzelspross, wie ein Trieb aus dürrem Erdreich; er hatte keine Gestalt und keine Schönheit, dass wir ihn hätten ansehen mögen, und kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gehabt hätten; nein, er war verachtet und gemieden von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut, ja wie einer, vor dem man das Angesicht verhüllt, verachtet, so dass wir ihn für nichts ansahen. Jedoch unsere Krankheiten waren es, die er getragen hat, und unsere Schmerzen hatte er sich aufgeladen, während wir ihn für einen Gestraften, von Gott Geschlagenen und Gemarterten hielten. Und doch war er verwundet wegen unserer Übertretungen und zerschlagen infolge unserer Verschuldungen: die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung zuteil geworden. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder wandte sich seinem eigenen Weg zu; der HERR aber hat ihn unser aller Schuld treffen lassen. Als er misshandelt wurde, ergab er sich willig und machte seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Mutterschaf, das vor seinen Scherern stumm bleibt tat er seinen Mund nicht auf. Aus der Drangsal und dem Gericht ist er hinweggenommen worden, doch wer unter seinen Zeitgenossen bedachte, dass er vom Lande der Lebenden abgeschnitten war? Wegen der Verschuldung meines Volkes hat ihn die Strafe getroffen. Und man gab ihm sein Grab bei Frevlern und seine Gruft bei Missetätern, obwohl er keine Gewalttat verübt hatte und kein Betrug in seinem Mund gewesen war. Doch dem HERRN hatte es gefallen, ihn mit Krankheit zu zerschlagen; wenn er sein Leben als Sühne einsetzen wird, soll er Nachkommen sehen und viele Tage leben und der Wille des HERRN durch ihn gelingen. Wegen seiner Seelenqual wird er (Frucht wachsen) sehen und satt werden; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht als Gerechter den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, indem er ihre Verschuldungen auf sich lädt. Darum will ich ihm die Anteil geben unter den Großen, und mit Gewaltigen soll er Beute teilen zum Lohn dafür, dass er sein Leben in den Tod hingegeben hat und unter die Übeltäter gezählt worden ist, während er doch die Sünde vieler getragen hat und für die Übeltäter gebeten hat.

Markus 14,46-15,47
…da legten sie ihre Hände an Jesus und nahmen ihn fest. Einer der Dabeistehenden zog jedoch das Schwert, schlug auf den Knecht des Hohenpriesters ein und hieb ihm das Ohr ab. Jesus aber sagte zu ihnen: »Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen, um mich gefangen zu nehmen. Täglich bin ich bei euch im Tempel gewesen und habe dort gelehrt, und ihr habt mich nicht festgenommen; doch die Schriften müssen erfüllt werden.« Da verließen ihn alle und ergriffen die Flucht. Aber ein junger Mann, der nur einen Leinenüberwurf auf dem bloßen Leibe anhatte folgte ihm nach, den ergriffen sie; er aber ließ seinen Überwurf los und floh unbekleidet. Sie führten nun Jesus zum Hohepriester ab und alle Hohepriester sowie die Ältesten und Schriftgelehrten kamen zusammen. Petrus aber war ihm von ferne bis in den Palast des Hohepriesters hinein gefolgt; dort hatte er sich unter die Diener gesetzt und wärmte sich am Feuer. Die Hohepriester aber und der gesamte Hohe Rat suchten nach einer Zeugenaussage gegen Jesus, um ihn zum Tode verurteilen zu können, fanden jedoch keine; viele machten falsche Aussagen gegen ihn, doch ihre Aussagen stimmten nicht überein. Einige traten auch auf und brachten eine falsche Aussage gegen ihn vor, indem sie sagten: »Wir haben ihn sagen hören: ›Ich werde diesen Tempel, der von Menschenhänden errichtet ist, abbrechen und in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht von Menschenhänden errichtet ist‹«; doch auch darin war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend. Da stand der Hohepriester auf, trat in die Mitte und fragte Jesus mit den Worten: »Entgegnest du nichts auf die Aussage dieser Zeugen?« Er aber schwieg und gab keine Antwort. Nochmals befragte ihn der Hohepriester mit den Worten: »Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten?« Jesus antwortete: »Ja, ich bin es, und ihr werdet den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels!« (Dan 7,13; Ps 110,1) Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sagte: »Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört: was urteilt ihr?« Da gaben sie alle das Urteil über ihn ab, er sei des Todes schuldig. Nun fingen einige an, ihn anzuspeien, ihm das Gesicht zu verhüllen, ihn mit der Faust zu schlagen und zu ihm zu sagen: »Weissage uns!« Auch die Gerichtsdiener versetzten ihm Schläge ins Gesicht. Während Petrus unten im Hof (des Palastes) war, kam eine von den Bediensteten des Hohepriesters, und als sie Petrus sich (am Feuer) wärmen sah, blickte sie ihn scharf an und sagte: »Du bist auch mit dem Nazarener, mit Jesus, zusammen gewesen!« Er aber leugnete und sagte: »Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst!« Er ging dann in die Vorhalle des Hofes hinaus, und als die Bedienstete ihn dort sah, fing sie wieder an und sagte zu den Dabeistehenden: »Dieser ist auch einer von ihnen!« Er aber leugnete wiederum. Nach einer kleinen Weile sagten die Dabeistehenden wieder zu Petrus: »Wahrhaftig, du gehörst zu ihnen! Du bist ja auch ein Galiläer.« Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: »Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr da redet!« Bald darauf krähte der Hahn zum zweiten mal. Da dachte Petrus an das Wort Jesu, wie er zu ihm gesagt hatte: »Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Als er daran dachte, brach er in Tränen aus.
Gleich frühmorgens fertigten die Hohepriester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und (somit) der gesamte Hohe Rat den (endgültigen) Beschluss aus, ließen Jesus fesseln und abführen und übergaben ihn an Pilatus. Dieser befragte ihn: »Bist du der König der Juden?« Er antwortete ihm mit den Worten: »Ja, ich bin es.« Die Hohenpriester brachten dann viele Anklagen gegen ihn vor; da fragte Pilatus ihn nochmals: »Entgegnest du nichts? Höre nur, was sie alles gegen dich vorbringen!« Jesus aber antwortete nichts mehr, so dass Pilatus sich verwunderte.
An jedem Fest aber pflegte er ihnen einen Gefangenen freizugeben, den sie sich erbaten. Nun saß damals ein mit dem Namen Barabbas bekannter Mensch im Gefängnis mit (anderen) Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten. Da zog die Volksmenge hinauf und fing an, ihn um das zu bitten, was er ihnen gewöhnlich gewährte. Pilatus antwortete ihnen mit der Frage: »Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe?« Er war sich nämlich darüber klar geworden, dass die Hohenpriester ihn aus Neid überliefert hatten. Die Hohepriester aber hetzten die Volksmenge auf, er möchte ihnen lieber den Barabbas freigeben. Nun richtete Pilatus nochmals die Frage an sie: »Was soll ich denn mit dem (Mann) machen, den ihr den König der Juden nennt?« Sie schrien zurück: »Lass ihn kreuzigen!« Pilatus entgegnete ihnen: »Was hat er denn Böses getan?«Da schrien sie noch lauter: »Lass ihn kreuzigen!« Um nun dem Volk ihren Willen zu geben, gab Pilatus ihnen den Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn (den Soldaten) zur Kreuzigung. Die Soldaten aber führten in ab in das Innere des Palastes – das ist nämlich das Prätorium – und riefen die ganze Abteilung (eig. Kohorte) zusammen, dann legten sie ihm einen Purpurmantel um, setzten ihm eine Dornenkrone auf, die sie geflochten hatten, und fingen an, ihm als König zu huldigen mit dem Zuruf: »Sei gegrüßt, Judenkönig!« Dabei schlugen sie ihm mit einem Rohr aufs Haupt, spien ihn an, warfen sich vor ihm auf die Knie nieder und brachten ihm Huldigungen dar. Nachdem sie ihn so verspottet hatten, nahmen sie ihm den Purpurmantel wieder ab und legten ihm seine eigenen Kleider an. Dann führten sie ihn zur Kreuzigung (aus der Stadt) hinaus und zwangen einen Vorübergehenden, Simon aus Cyrene, der vom Feld kam, den Vater Alexanders und des Rufus, für ihn das Kreuz zu tragen.
So brachten sie ihn zu dem Platz Golgatha, das bedeutet übersetzt ›Schädel(stätte)‹, und reichten ihm mit Myrrhe gewürzten Wein, den er aber nicht nahm (Ps 69,22). Dann kreuzigten sie ihn und verteilten seine Kleider unter sich, indem sie das Los um sie warfen, welches Stück jeder erhalten sollte (Ps 22,19). Es war aber die dritte Tagesstunde [9 Uhr], als sie ihn kreuzigten; und die Inschrift mit der Angabe seiner Schuld lautete so: »Der König der Juden.« Mit ihm kreuzigten sie auch zwei Räuber, den einen zu seiner Rechten, den anderen zu seiner Linken. [So wurde das Schriftwort erfüllt, das da lautet (Jes 53,12): »Er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.«] Und die Vorübergehenden schmähten ihn, schüttelten die Köpfe (Ps 22,8; 109,25) und riefen aus: »Ha du, der du den Tempel abbrichst und ihn in drei Tagen wieder aufbaust: hilf dir selbst und steige vom Kreuz herab!« Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester untereinander samt den Schriftgelehrten mit den Worten: »Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen! Der Christus, der König von Israel, steige jetzt vom Kreuz herab, damit wir sehen und gläubig werden!« Auch die (beiden) mit ihm Gekreuzigten schmähten ihn. Als dann aber die sechste Stunde [12Uhr] gekommen war, trat eine Finsternis über das ganze Land ein bis zur neunten Stunde [15Uhr]; und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: »Eloi, Eloi, lema sabachthani?«, das heißt übersetzt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« (Ps 22,2) Als dies einige von den Dabeistehenden hörten, sagten sie: »Hört, er ruft den Elia!« Da lief einer hin, tränkte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn an ein Rohr und wollte ihm zu trinken geben (Ps 69,22), wobei er sagte: »Laßt mich! Wir wollen doch sehen, ob Elia kommt, um ihn herabzunehmen!« Jesus aber stieß noch einen lauten Schrei aus und verschied dann.
Da zerriss der Vorhang des Tempels in zwei Stücke von oben bis unten. Als aber der Hauptmann, der ihm gegenüber in der Nähe stand, ihn so sterben sah, erklärte er: »Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen.« Es waren aber auch Frauen da, die von weitem zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm schon, als er noch in Galiläa war, nachgefolgt waren und für ihn Dienste geleistet hatten, und noch viele andere (Frauen), die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren. Als es nun bereits Spätnachmittag geworden war – es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor dem Sabbat –, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, begab sich mit kühnem Entschluss zu Pilatus hinein und bat ihn um den Leichnam Jesu. Pilatus wunderte sich, dass er schon gestorben sein sollte; er ließ (deshalb) den Hauptmann zu sich rufen und fragte ihn, ob er schon lange tot sei; und als er es von dem Hauptmann erfahren hatte, schenkte er Josef den Leichnam. Der kaufte Leinen, nahm ihn (vom Kreuz) herab, wickelte ihn in Leinentuch und setzte ihn in einem Grab bei, das in einen Felsen gehauen war; dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria von Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, sahen sich den Ort genau an, wohin er gelegt worden war.

Hebräer 9,1-27
Allerdings hatte auch der erste (Bund) Satzungen für den Gottesdienst und (hatte) auch das weltliche Heiligtum. Es wurde nämlich ein Zelt hergestellt, dessen vorderer Raum, in welchem sich der Leuchter sowie der Tisch mit den aufgelegten Schaubroten befinden, das sogenannte Heilige ist. Hinter dem zweiten Vorhang aber liegt der Teil des Zeltes, der das Allerheiligste genannt wird, mit dem goldenen Räucheraltar und der ganz mit Gold überzogenen Bundeslade, in welcher sich der goldene Krug mit dem Manna sowie der Stab Aarons, der Blüten getrieben hatte, und die Bundestafeln befinden; oben über ihr aber stehen die (beiden) Cherubim der Herrlichkeit, welche (mit ihren Flügeln) die Deckplatte überschatten – doch hierüber soll jetzt nicht im Einzelnen geredet werden. Seitdem nun dies so eingerichtet worden ist, betreten die Priester, welche die gottesdienstlichen Handlungen zu verrichten haben, den Vorderraum des Zeltes jederzeit; in den zweiten Raum dagegen darf nur der Hohepriester einmal im Jahr eintreten, (und zwar) nicht ohne Blut, das er für sich selbst und für die Verfehlungen des Volkes darbringt. Dadurch weist der Heilige Geist darauf hin, dass der Weg zum wahrhaften Heiligtum (Hebr 8,2) noch nicht geoffenbart ist, solange das vordere Zelt noch Bestand hat. So ist denn dieser Vorraum ein Sinnbild auf die Gegenwart, insofern in ihm unblutige und blutige Opfer dargebracht werden, die doch nicht imstande sind, den, der (Gott mit ihnen) dient, in seinem Gewissen ans Ziel zu bringen. Sie sind ja neben den (Verordnungen über) Speisen, Getränke und mancherlei Waschungen ebenfalls nur als fleischliche Satzungen bis zu der Zeit auferlegt, wo etwas Besseres in Geltung tritt. Christus dagegen ist, indem er als Hohepriester der zukünftigen Güter kam, durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht ist, d.h. nicht dieser erschaffenen Welt angehört, auch nicht mittels des Blutes von Böcken und Kälbern, sondern mittels seines eigenen Blutes ein für allemal in das (himmlische) Heiligtum eingetreten und hat eine ewiggültige Erlösung ausfindig gemacht. Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh, mit der man die Verunreinigten besprengt, Heiligung zu leiblicher Reinheit bewirkt, um wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst durch den ewigen Geist als fehlerloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen! Und aus diesem Grunde ist er auch der Mittler eines neuen Bundes, damit aufgrund eines Todes, der zum Erlass der während der Dauer des ersten Bundes begangenen Übertretungen erfolgt ist, die Berufenen das verheißene Gut des ewigen Erbes empfangen sollten. Denn wo eine letztwilliges Testament vorliegt, da muss unbedingt der Tod dessen, der das Testament errichtet hat, (als eingetreten) nachgewiesen werden; ein Testament wird ja erst nach Eintritt des Todes rechtskräftig, während es durchaus keine Kraft besitzt, solange der Verfasser des Testaments noch lebt. Daher ist ja auch der erste Bund nicht ohne Blut eingeweiht worden. Nachdem nämlich Mose jedes Gebot, wie es das Gesetz vorschrieb, dem ganzen Volk vorgetragen hatte, nahm er das Blut der Kälber und der Böcke mit Wasser und Scharlachwolle und einem Büschel Ysop und besprengte damit das Buch selbst und auch das gesamte Volk, indem er dabei ausrief: »Dies ist das Blut des Bundes, den Gott für euch angeordnet hat!« (2.Mose 24,6-8) Aber auch das Zelt und sämtliche gottesdienstlichen Geräte besprengte er in gleicher Weise mit dem Blut; überhaupt wird beinahe alles nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen erfolgt keine Vergebung.
Es mussten also zwar die Nachbildungen der im Himmel (befindlichen Heiligtümer) durch diese Mittel gereinigt werden, aber für die himmlischen Heiligtümer selbst muss es bessere Opfer geben, als jene es sind. Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhänden hergestelltes Heiligtum eingegangen, das nur eine Nachbildung des wahren Heiligtums wäre, sondern in den Himmel selbst, um für uns jetzt (persönlich) vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen; auch hat er das nicht in der Absicht getan, sich oftmals als Opfer darzubringen, wie der (irdische) Hohepriester alljährlich mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht; sonst hätte er ja seit Erschaffung der Welt oftmals leiden müssen. So aber ist er nur einmal am Ende der Weltzeiten (Hebr 1,2) offenbar geworden, um die Sünde durch sein Opfer aufzuheben. Und so gewiss es den Menschen bevorsteht, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, ebenso wird auch Christus, nachdem er ein einziges Mal als Opfer dargebracht worden ist, um die Sünden Vieler wegzunehmen, zum zweiten mal ohne (Beziehung zur) Sünde erscheinen für diejenigen, die auf ihn warten, zur Rettung.

Lukas 22,49-23,56
Als nun die Begleiter Jesu sahen, was kommen würde, sagten sie: »Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?«, und einer von ihnen schlug (wirklich) nach dem Knecht des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber antwortete: »Lasst es! Nicht weiter!« Dann rührte er das Ohr an und heilte ihn. Zu den Hohepriestern aber und den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die gegen ihn gekommen waren, sagte Jesus: »Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen. Während ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis!« Als sie ihn dann festgenommen hatten, führten sie ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters; Petrus aber folgte von weitem. Als sie mitten im Hof ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, nahm auch Petrus mitten unter ihnen Platz. Da sah ihn eine Bedienstete am Feuer sitzen; sie blickte ihn scharf an und sagte: »Dieser ist auch bei ihm gewesen.« Petrus aber leugnete mit den Worten: »Frau, ich kenne ihn nicht!« Kurz danach bemerkte ihn ein anderer und sagte: »Du gehörst auch zu ihnen!« Petrus aber entgegnete: »Mensch, ich nicht!« Nach Verlauf von etwa einer Stunde behauptete noch ein anderer: »Wahrhaftig, dieser ist auch mit ihm zusammen gewesen, er ist ja auch ein Galiläer!« Petrus entgegnete: »Mensch, ich verstehe nicht, was du sagst!«; und unmittelbar darauf, während er noch redete, krähte der Hahn. Da wandte der Herr sich um und blickte Petrus an; und Petrus dachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm gesagt hatte: »Ehe der Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.« Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Die Männer aber, die Jesus zu bewachen hatten, verspotteten ihn und schlugen ihn; sie verhüllten ihm das Gesicht und fragten ihn: »Weissage uns: Wer ist’s, der dich (eben) geschlagen hat?« Und viele andere Schmähungen stießen sie gegen ihn aus. Als es Tag wurde, versammelte sich der Rat der Ältesten des Volkes, Hohepriester und Schriftgelehrte; sie ließen ihn in ihren Hohen Rat führen und sagten: »Wenn du der Christus bist, so sage es uns!« Doch er erwiderte ihnen:
»Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir doch nicht glauben, und wenn ich Fragen an euch richte, werdet ihr mir keine Antwort geben. Aber von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen!« (Dan 7,13; Psalm 110,1) Da sagten sie alle: »So bist du also der Sohn Gottes?« Er antwortete ihnen: »Ja, ihr selbst sagt es: ich bin’s.« Da erklärten sie: »Wozu haben wir noch weitere Zeugenaussagen nötig? Wir haben es ja selbst aus seinem Munde gehört!«
Nun erhob sich ihre ganze Versammlung, und sie führten ihn bei Pilatus vor. Dort erhoben sie folgende Anklagen gegen ihn: »Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk aufwiegelt und es davon abhalten will, dem Kaiser Steuern zu entrichten, und dass er behauptet, er sei Christus, ein König.« Pilatus fragte ihn nun: »Bist du der König der Juden?«, und Jesus antwortete ihm: »Ja, ich bin es!« Da sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und der Volksmenge: »Ich finde keine Schuld an diesem Mann.« Sie aber versicherten immer heftiger: »Er wiegelt das Volk auf, indem er seine Lehre im ganzen jüdischen Land verbreitet: in Galiläa hat er damit begonnen und es bis hierher fortgesetzt!« Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer wäre; und als er vernahm, dass er aus dem Machtbereich des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen ebenfalls in Jerusalem weilte. Herodes aber war sehr erfreut darüber, Jesus zu sehen; denn er hätte ihn längst gern gesehen, weil er viel über ihn gehört hatte; er hoffte auch, ein Wunderzeichen von ihm vollführt zu sehen. Er richtete viele Fragen an ihn, doch Jesus gab ihm keine Antwort; die Hohepriester und Schriftgelehrten aber standen dabei und verklagten ihn leidenschaftlich. Da behandelte ihn Herodes mit seinen Soldaten mit Verachtung und Hohn und sandte ihn, nachdem er ihm ein Prachtgewand hatte anlegen lassen, zu Pilatus zurück. An diesem Tage wurden Herodes und Pilatus Freunde, während sie vorher verfeindet gewesen hatten. Pilatus ließ nun die Hohepriester und die Mitglieder des Hohen Rates und das Volk zusammenrufen und sagte ihnen: »Ihr habt mir diesen Mann als einen Volksverführer vorgeführt. Nun, ihr seht, ich habe ihn in eurem Beisein verhört, habe aber an ihm durchaus nicht die Schuld gefunden, deren ihr ihn anklagt. Ebenso wenig auch Herodes, denn er hat ihn an uns zurückverwiesen. Ihr seht also: nichts, was die Todesstrafe verdient, ist von ihm begangen worden. Darum will ich ihn geißeln lassen und dann freigeben.« [Er war aber verpflichtet, ihnen an jedem Fest einen (Gefangenen) freizugeben.] Da schrien sie allesamt: »Hinweg mit diesem! Gib uns dagegen Barabbas frei!« – dieser saß nämlich wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes im Gefängnis. Da redete Pilatus zum zweiten mal auf sie ein, weil er Jesus gern freigeben wollte; sie aber riefen ihm dagegen zu: »Kreuzige, kreuzige ihn!« Zum drittenmal fragte er sie dann: »Was hat denn dieser Mann Böses getan? Ich habe keine todeswürdige Schuld an ihm gefunden! Ich will ihn also geißeln lassen und dann freigeben.« Sie aber bestürmten ihn mit lautem Geschrei und verlangten seine Kreuzigung; und ihr Geschrei drang durch. So fällte Pilatus das Urteil, dass ihre Forderung erfüllt werde. Er gab also den Mann frei, der wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden war, wie sie es verlangten; Jesus dagegen gab er ihrem Willen preis. Als sie ihn (zur Richtstätte) abführten, ergriffen sie einen gewissen Simon aus Cyrene, der vom Feld heimkam, und bürdeten ihm das Kreuz auf, damit er es Jesu nachtrug.
Es folgte ihm aber eine große Volksmenge, auch viele Frauen, die um ihn wehklagten und weinten. Da wandte Jesus sich zu ihnen um und sagte: »Ihr Töchter Jerusalems, weint nicht über mich, weint vielmehr über euch selbst und über eure Kinder! Denn wisst wohl: es kommen Tage, an denen man sagen wird: ›Glücklich zu preisen sind die Unfruchtbaren und die Frauen, die nicht Mutter geworden sind und die kein Kind an der Brust genährt haben!‹ Dann wird man anfangen, den Bergen zuzurufen: ›Fallt auf uns!‹ und den Hügeln: ›Bedeckt uns!‹ (Hos 10,8) Denn wenn man dies am grünen Holz tut, was wird da erst am dürren geschehen?« Es wurden aber außerdem noch zwei Verbrecher mit ihm zur Hinrichtung abgeführt. Als sie nun an den Platz gekommen waren, der ›Schädel(stätte)‹ heißt, kreuzigten sie ihn dort und die beiden Verbrecher, den einen zu seiner Rechten, den anderen zu seiner Linken. Jesus aber sprach: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!«
Darauf verteilten sie seine Kleidungsstücke unter sich, indem sie das Los darüber warfen (Ps 22,19); und das Volk stand dabei und sah zu. Es verhöhnten (ihn) aber auch die Mitglieder des Hohen Rates mit den Worten: »Anderen hat er geholfen; so helfe er nun sich selbst, wenn er wirklich Christus, der Gesalbte Gottes, ist, der Auserwählte!« Auch die Soldaten verspotteten ihn: sie traten hinzu, reichten ihm Essig (Ps 69,22) und sagten: »Bist du der König der Juden, so hilf dir selbst!« Über ihm war aber auch eine Inschrift angebracht [in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift]: »Dies ist der König der Juden.« Einer aber von den Verbrechern, die da gehenkt waren, schmähte ihn mit den Worten: »Du willst Christus sein? So hilf dir doch selbst und uns!« Da antwortete ihm der andere mit lautem Vorwurf: »Hast du denn nicht einmal Furcht vor Gott, da dich doch derselbe Urteilsspruch getroffen hat? Und zwar uns beide mit Recht, denn wir empfangen den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan!« Dann fuhr er fort: »Jesus, denke an mich, wenn du in deine Königsherrschaft kommst!« Da sagte Jesus zu ihm: »Wahrlich ich sage dir: Heute (noch) wirst du mit mir im Paradies sein!« Es war nunmehr um die sechste Stunde: [12Uhr] da kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde [15Uhr] indem die Sonne ihren Schein verlor; und der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei. Da rief Jesus mit lauter Stimme die Worte aus: »Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!« (Ps 31,6), und nach diesen Worten verschied er. Als nun der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: »Dieser Mann ist wirklich ein Gerechter gewesen!« Und die ganze Volksmenge, die zu diesem Schauspiel zusammengekommen war und alles sah, was sich zugetragen hatte, schlug sich an die Brust und kehrte heim. Alle seine Bekannten aber standen von fern (Ps 38,12), auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren und dies alles mit ansahen. Und siehe, ein Mann namens Joseph, der ein Mitglied des Hohen Rates war, ein guter und gerechter Mann – er war mit ihrem Beschluss und ihrer Handlungsweise nicht einverstanden gewesen – aus der jüdischen Stadt Arimathäa, der auf das Reich Gottes wartete: dieser ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Dann nahm er ihn (vom Kreuz) herab, wickelte ihn in feine Leinwand und legte ihn in ein Grab, das in den Felsen gehauen und in welchem bisher noch niemand beigesetzt worden war. Es war aber der Rüsttag, und der Sabbat brach an. Die Frauen aber, die ihn aus Galiläa begleitet hatten, waren mitgegangen und hatten sich das Grab und die Beisetzung seines Leichnams angesehen. Nachdem sie hierauf (in die Stadt) zurückgekehrt waren, besorgten sie wohlriechende Stoffe und Salben und ruhten dann am Sabbat nach der Vorschrift des Gesetzes.
Alle Bibeltexte: von Rolf Oetinger revidierte Menge-Übersetzung – Selbstverständlich dürfen Sie die Texte auch gerne auszugsweise ohne Nachfrage und ohne Quellenangabe kopieren und verwenden.

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