Jonas Erne –
Ich bin kürzlich über ein Insta-Carousel einer christlichen Autorin gestolpert, Ashley Worrell (hier geht es zum Original-Link), die einen Punkt anspricht, der mich schon lange umtreibt. Es ist die bittere Erkenntnis, dass wir in einer Welt (und speziell in einer Online-Community) gelandet sind, die sich fast nur noch über ihre Abgrenzung definiert. Es ist anstrengend, jeden Tag durch Feeds zu scrollen, in denen die lautesten Stimmen diejenigen sind, die sagen: “Das darfst du nicht lesen”, “Diese Phrase ist ein Trigger”, “Dieser Autor ist problematisch”. Ashley spricht aus, was viele von uns fühlen: Diese ständige Negativität saugt uns die Luft aus den Segeln. Es fühlt sich an wie ein “Schlag in die Magengrube”, weil es die Freude am Entdecken durch eine lähmende Angst ersetzt, etwas falsch zu machen.
Mich persönlich betrifft weniger die Angst davor, ich könnte etwas Falsches lesen. Das tue ich in den Augen einiger Geschwister sowieso schon lange und es ist mir egal. Ich kenne meine Grenzen gut und weiß, was ich vertrage und wann das Weglegen dran ist. Aber dieses Nein, das man überall zu lesen bekommt, ist so anstrengend, dass ich schon oft nur noch mit äußerstem Widerwillen die asozialen Medien überhaupt öffne.
Was ich aber noch viel schlimmer finde, ist das Bild, das von uns bleibt. Mir ist das vor ein paar Jahren so tief eingefahren, als ich in unserer Gemeinde durch das Buch Esther gepredigt habe, und gesehen, wie arg wir einem Mordechai gleichen. Mordechai war ein U-Boot-Jude, der so lange es ging, unbemerkt bleiben wollte, am Hof des persischen Königs, aber in dem Moment, als von allen verlangt wurde, den König als Gott anzubeten, sagte er plötzlich NEIN.
So ähnlich sind wir oft auch. Wir schweigen gern zu dem, was wir gut finden. Es fällt uns schwer, begeistert von Jesus zu erzählen. Begeistert von den Gottesdiensten zu erzählen. Begeistert in unsere Gemeinden einzuladen. Wo diese Begeisterung fehlt, sind wir plötzlich nur noch wie Mordechai U-Boot-Christen, die dann und wann NEIN-schreiend auftauchen. Wenn es um Abtreibung geht. Wenn es um Sendungen geht, in denen wir schlecht dargestellt wird. Wenn es um Bücher geht, die etwas falsch darstellen.
Sind wir die NEINhörner des 21. Jahrhunderts geworden? Müssen wir wie die Ärzte in ihrem Lied „Rebell“ fast singen „Ich bin dagegen – egal worum es geht“? Es ist kein Wunder, wenn wir dann auch politisch in die Nähe von Parteien gerückt werden, die genau dieses DAGEGEN als ihr Markenzeichen heraushängen. Die sich nicht festlegen, sondern überall mitmischen wollen, aber eben im Dagegen-Sein, gegen das, was andere Parteien sagen.
Aber wie kommen wir da raus? Wie werden wir von frustrierten „Dagegen-Christen“ wieder zu Menschen, deren Hoffnung ansteckend wirkt?
Ich glaube, es braucht einen radikalen Fokuswechsel:
- Begeisterung ist mutiger als Kritik. Es ist sicher und bequem, ein Buch zu verreißen oder einen Trend zu verdammen. Es ist jedoch ein Wagnis, sein Herz weit zu machen und laut zu sagen: „Das hier hat mich tief berührt. Das hat mir Hoffnung gegeben.“ Wir müssen wieder lernen, von dem zu schwärmen, was uns lebendig macht, anstatt nur zu warnen, was uns töten könnte.
- Raus aus dem U-Boot, bevor der Sturm kommt. Wenn das erste Mal, dass meine Nachbarn oder meine Online-Bubble von meinem Glauben hören, ein „Nein“ zu einem ethischen Reizthema ist, habe ich die wichtigste Chance bereits vertan. Wir müssen von Jesus erzählen, bevor das nächste Streitthema die Schlagzeilen beherrscht. Unsere Identität darf nicht erst im Moment des Protests sichtbar werden
- Die Anziehungskraft des Lichts. In der Angst vor der Finsternis vergessen wir schnell, dass es das Licht ist, das die Finsternis vertreibt. Doch irgendwo ist da eine Angst davor, dass das Licht Gottes nicht ausreichen könnte. Dass wir noch selbst etwas hinzufügen müssen, irgend ein Aber, irgend eine Warnung oder ein Nein. In wenigen Wochen feiern wir das allergrößte JA der Weltgeschichte. Das JA Gottes zu dir. Das JA Gottes auch zu einer Welt, die Ihn ablehnt.
Fürchte dich nicht, in dieses JA einzustimmen. Das JA ist größer und attraktiver als jede NEINsammlung. Neins lassen uns verneinsamen, Jas fordern heraus, über die Größe und Schönheit dessen nachzudenken, der alles gemacht hat.
Ich werde in den kommenden Wochen mehr zu diesem Ja und zu diesem Dafür schreiben. Lass uns mal sammeln. Wofür bist du? Was macht dich dankbar? Was hat dich als letztes berührt oder verändert?
Dieser Blog-Beitrag von Jonas Erne erschien zuerst auf Jonas Erne – Der Blog . Lies hier den Original-Artikel „Bitte: Sei mehr dafür als dagegen!„
Über Jonas Erne

Ich bin Ehemann, Vater, Theologe, Gemeindereferent, Vielleser. Auf meinem Blog geht es um Gelesenes, aber auch um die Auseinandersetzung mit Fragen des täglichen Lebens, mit der Kultur und der Bibel. Hin und wieder gibt es auch kreative Texte wie Gedichte, kurze Geschichten und mehr.

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