Sergej Pauli – Autor David Mathis übersetzt von Lynn Wiebe Kapitel 6 aus Killjoys: „The Seven Deadly Sins.“
Habgier –
„Habt acht und hütet euch vor der Habsucht! Denn niemandes Leben hängt von dem Überfluss ab, den er an Gütern hat.“ – Jesus (Lukas 12,15)
Habgier ist gut. So sagt es Gordon Gekko, einer der denkwürdigsten Bösewichte Hollywoods, gespielt von Michael Douglas im Film Wall Street von 1987. Habgier ist seit langem „der Kobold des Kapitalismus“, 1 das Laster, das die unsichtbare Hand des freien Marktes bewegt. Der Ökonom Adam Smith würde vorschlagen, ihr freundlichere Namen zu geben. Nach Smith ging Alfred Marshall sogar so weit, „die Liebe zum Geld“ zu verteidigen – genau das, was das Neue Testament so klar in 1. Timotheus 6,10 und Hebräer 13,5 verurteilt – vorausgesetzt, ihr Beweggrund ist einer von „vielen der höchsten, edelsten und selbstlosesten Elemente unserer Natur.“
Wir sind heute von Habgier überschwemmt. Sie begegnet uns an nahezu jeder Ecke, winkt uns aus fast jeder Werbung entgegen, ist in das Gewebe alltäglicher Interaktion eingewoben und bleibt dabei diabolisch unauffällig. Sie nagt an unserem unruhigen Gewissen in Bezug auf unsere Finanzen, da wir ihre Hässlichkeit offen anerkennen, wenn sie ungezügelt ist, aber von ihren unbeabsichtigten Auswirkungen „zum Wohle der Allgemeinheit“ profitieren. Wir mögen nach Luft schnappen, wenn wir die Gier auf frischer Tat ertappen, doch meist ist sie so vorsichtig, sich außer Sichtweite zu halten, wo sie sich vermehrt und ausbreitet, schwer fassbar und allgegenwärtig. Unsere Gesellschaft verurteilt Habgier zwar in der Theorie durch eine gewisse allgemeine Gnade, doch wir sind zögerlich, mit dem Finger auf konkrete Fälle zu zeigen, besonders wenn dieser Finger auf uns selbst zeigen könnte. Wie John Paul Rollert schreibt,
Wenn wir ein bestimmtes Verhalten ablehnen, aber in seltenen Fällen eine Ausnahme zugestehen, genießen wir den Vorteil, moralisch überlegen zu sein, ohne die Last moralischer Zurückhaltung tragen zu müssen. Außerdem bestärken wir dieses Verhalten, das mit einer vermeintlichen Billigung fortgesetzt wird. Im öffentlichen Diskurs und in der höflichen Konversation wird „Habgier“ so bald wohl nicht „gut“ sein, doch ein Laster muss nicht zur Tugend werden, damit das Endergebnis gleich aussieht. 2
Wir mögen ungezügelte Habgier nicht offiziell gutheißen, aber wir haben ihr tausendmal zugezwinkert und unsere Vorbehalte hinuntergeschluckt. Und das Unkraut wächst fröhlich weiter und füllt jeden Zentimeter, den wir ihm geben.
In der Bibel und in uns
Der amerikanische Kapitalismus ist jedoch nicht der Ursprung der Habgier. In der Bibel wird häufig vor ihr gewarnt, und seit mehr als 1.500 Jahren erkennt die Kirche die Habgier als eine der sieben Todsünden an. Die moderne Literatur mag uns Gordon Gekko und Ebenezer Scrooge gegeben haben, aber die Bibel kennt Gehasi, den habgierigen Diener Elisas (2. Könige 5,20–27), und den reichen Narren, der größere Scheunen plante (Lukas 12,16–21). Am erschütterndsten von allen ist Judas Iskariot, der für dreißig Silberstücke nicht nur seinen Lehrer und Freund verriet, sondern Gott selbst im Fleisch.
Tief in uns kennen wir die Habgier nur zu gut. Sie lauert in den Herzen von Reichen und Armen, im schlimmsten Übeltäter ebenso wie im bekennenden Gläubigen. In unserer eigenen Seele haben wir den maßlosen Appetit gespürt, den Thomas von Aquin „das Verlangen nach Gewinn, das keine Grenze kennt“ nennt. Wir haben das Ziehen der Habgier erlebt, die „unersättlich ist“ (Habakuk 2,5), und wir leben in einer Gesellschaft, die vielleicht wie keine andere eine unvergleichliche Gemeinschaft von „in der Habsucht geübten Herzen“ ist (2. Petrus 2,14).
Wir mögen in Euphemismen von ihr sprechen und ihr Kosenamen geben wie Konsumismus oder Horten oder extremes Couponing oder einfach „für die Zukunft sparen“, aber wir spüren ihren starken Sog, wenn wir über ein Geschenk nachdenken, durch die Gänge eines Ladens schlendern, einen Katalog durchblättern, an einer Werbetafel vorbeigehen, online oder im Fernsehen Werbung sehen und überlegen, wieviel Trinkgeld wir der Kellnerin geben. Sie ist ein widerliches Unkraut, das nicht nur „da draußen“ in unserer Gesellschaft und unter unseren Bekannten Wurzeln geschlagen hat, sondern auch „hier drinnen“ – in unseren Gemeinden, in unseren eigenen Familien und in unseren eigenen Herzen. Doch bevor wir beginnen, das Kudzu zurückzuschneiden, müssen wir uns die Natur und die Strategien der Habgier ansehen – wie tief ihre Wurzel reicht – und welche konkreten Mittel die größte Kraft entfalten.
Gutes Verlangen, das in die falsche Richtung ging
Habgier, unter den Alten als „Avaritia“ bekannt, ist das ungeordnete Verlangen nach Reichtum und Besitz. Sie ist laut Rebecca DeYoung „eine übermäßige Liebe zum Geld oder zu irgendeinem Besitz, den Geld kaufen kann“. 3 Biblisch gesehen ist Habgier weitgehend gleichbedeutend mit „Begehren“, das gewöhnlich nach Dingen oder Besitz verlangt. Diese Habsucht ist das Letzte, was in den Zehn Geboten ausdrücklich verboten wird (2. Mose 20,17: „Du sollst nicht begehren“), wodurch etwas von dem ernsten Gewicht der Habgier deutlich wird. An anderer Stelle erscheint Habgier als „reich werden wollen“ (1. Timotheus 6,9). Nur einen Vers später ist es „die Geldliebe“ (auch Hebräer 13,5), die „eine Wurzel alles Bösen“ ist (1. Timotheus 6,10). Ein weiteres Beispiel ist das Sammeln von Schätzen auf Erden, das dem Sammeln von Schätzen im Himmel gegenübergestellt wird (Matthäus 6,19).
Während diese Erscheinungsformen der Habgier in der Bibel und in unserem Leben so konkret materiell sind, ist es wichtig festzuhalten, dass Habgier ein ungeordnetes Verlangen ist, eine fehlgeleitete Liebe, ein Aufstand im Herzen, ein fehlgerichtetes Begehren (wie in 1 Timotheus 6,10). „Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen,“ sagt Jesus, „kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht, Mord, Diebstahl, Geiz, Bosheit, Betrug, Zügellosigkeit, Neid, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.“ (Markus 7,21-22).
Habgier ist ein gutes Verlangen, das in die falsche Richtung geraten ist. Gott schuf die Menschheit – als Statthalter in seiner überreichen Schöpfung – dazu, zu haben und zu besitzen, mit einem gesunden Verlangen zu erwerben. Begehren bedeutet, etwas zu verlangen, das wir nicht verlangen sollten, oder es mit einer unangemessenen Intensität zu verlangen. Das Verlangen nach Besitz an sich ist nicht böse, sondern gut. Der begehrende Gott hat uns als begehrende Menschen geschaffen und wird eines Tages all unsere guten Wünsche erfüllen. Doch wenn Verlangen unverhältnismäßig oder fehlgeleitet ist, dann ist es Sünde – das eigentliche Wesen der Sünde.
Auf diese Weise wirkt Habgier in beide Richtungen. Sie ist nicht nur eine Sünde, die jene verfolgt, die besitzen und egoistisch festhalten, sondern auch jene, die nichts haben. Die Schrift, so schreibt Brian Hedges, „verortet das Problem der Habgier in den ungeordneten Neigungen unseres Herzens und nicht im Geld oder Besitz an sich. Das bedeutet, dass du ein Problem mit Habgier haben kannst, auch wenn du nicht viel Geld besitzt. Entscheidend ist nicht, was du besitzt, sondern was dich besitzt.“ 4 Habgier plagt den Verschwender ebenso wie den Geizhals.
Grausamer, tödlicher, finsterer Herrscher
Was uns besitzt, sagt etwas Tiefgreifendes über Gott aus, selbst wenn wir blind für unsere eigene Knechtschaft sind. Wenn wir der Habgier Raum geben, geraten wir unter die Verurteilung aus Jeremia 2,13: „Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“ Habgier entehrt Gott, indem sie sagt, dass wir ihm nicht zutrauen, für uns zu sorgen. Stattdessen horten wir, indem wir versuchen, uns selbst übermäßig zu versorgen. Habgier sagt auch, dass wir meinen, Gott und seine Gaben genügten nicht, um die Sehnsüchte unserer Seele zu stillen. Stattdessen nähren wir unsere Begierden mit Dingen – mehr Dingen, teuren Dingen, neuen Dingen.
Habgier ist Götzendienst (Kolosser 3,5; Epheser 5,5). Sie ist Unglaube im Herzen, der sich auf Geld und Besitz richtet. Wir glauben nicht, dass Gott und seine Gaben genug sind, deshalb wenden wir uns anderen Dingen zu. So schreibt John Piper, dass die Habgier beginnt, „die Zufriedenheit, die das Herz eigentlich von Gott empfangen sollte, von etwas anderem zu beziehen.“ 5 Habgier macht etwas anderes als Gott zu einem Gott – was bedeutet, dass sie nicht nur ein Bruch des zehnten Gebots ist, sondern auch des ersten (2 Mose 20,3).
Habgier ist also keine kleine Unachtsamkeit und kein harmloses Laster. Sie ist ein Angriff auf den, der unsere guten Wünsche geschaffen hat, ein Angriff auf den guten und fürsorgenden Gott des Universums. Er sagt: „Tue deinen Mund weit auf, so will ich ihn füllen!“ (Psalmen 81,11), doch die Habgier bückt sich und nimmt einen Mund voll Staub. Habgier erstickt und verhungert den rettenden Glauben (Markus 4,19), und deshalb sagt Jesus ohne Umschweife: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon!“ (Matthäus 6:24). Wenn ein bekennender Gläubiger unbußfertig bleibt, ist Habgier ein Vergehen, das Gemeindezucht nach sich ziehen muss (1. Korinther 5,11). Leiter dürfen nicht als „geldgierig“ oder „nach schändlichem Gewinn strebend“ bekannt sein (1. Timotheus 3,3, 8; Titus 1,7; 1. Petrus 5,2). Wir mögen erwarten, dass die Welt habgierig ist, aber nicht die Braut (Epheser 5,3). Und doch spüren wir die glühenden Funken der Habgier in unseren eigenen Herzen.
Weil Habgier ein Verlassen unserer guten Bestimmung und eine Beleidigung unseres Schöpfers ist, muss sie Konsequenzen haben. Gottes Ehre steht auf dem Spiel ebenso wie die Freude seiner Kinder. Es ist angemessen, dass Gottes gerechter Zorn über jene entbrennt, die ihn, den unendlich Wertvollen, missachten und geringschätzen. „Um dieser Dinge willen“, einschließlich der Habsucht, „kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams“ (Epheser 5,6; Kolosser 3,5–6). Habgier ist tödlich, weil ihr Lohn wie bei jeder Sünde der Tod ist (Römer 6,23). Wenn sie ungehemmt bleibt, nicht bekämpft wird und frei wachsen, sich vertiefen und ausbreiten darf, führt sie nicht nur zu verheerenden zwischenmenschlichen und finanziellen Folgen in diesem Leben, sondern zum ewigen Tod (Jakobus 1,14–15). Tatsächlich werden die Habgierigen das Reich Gottes weder erben noch können sie es erben (1. Korinther 6,10).
Ein zweiter Grund, warum Habgier tödlich ist, besteht darin, dass sie ein Heer der Zerstörung hinter sich herzieht. Sie ist die Mutter weiterer Bosheit. Habgier blockiert nicht nur die Liebe (Römer 13,9–10; 1 Johannes 3,17), sondern bringt Tod hervor. Sie gebiert Lüge (2. Petrus 2,3), Streit (Sprüche 28,25), Kämpfe, Auseinandersetzungen und sogar Mord (Jakobus 4,2). „Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen.“ (1. Timotheus 6,10). „Ein Herz, das seine Zufriedenheit im Geld und nicht in Gott findet“, erklärt Piper, „ist die Art von Herz, aus der alle möglichen anderen Formen des Bösen hervorgehen.“ 6 Billy Graham geht sogar so weit zu sagen, dass Habgier „wahrscheinlich die Mutter von mehr Bösem ist als alle anderen Sünden“. 7 Deshalb müssen wir „die Habsucht töten“ (Kolosser 3,5), bevor sie unserer Seele den Todesstoß versetzt.
Den Kampf aufnehmen
Der Kampf gegen die Habgier ist ein lebenslanger Feldzug. Der Sieg geschieht nicht durch eine einzelne Entscheidung oder eine dramatische Handlung. Es mag bedeutende Triumphe geben, bei denen große Bereiche unseres Herzens ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden. Wir sollten mit einigen Niederlagen rechnen, aber hoffentlich mit noch mehr Siegen. Wir werden mancher besonders heimtückischen Guerillakriegsführung ausgesetzt sein, denn Habgier greift oft dann an, wenn wir es am wenigsten erwarten. Doch der, der ein gutes Werk in uns begonnen hat, verspricht, es auch zu vollenden, auch wenn er zugleich verheißt, die letzten Handgriffe erst am „Tag Jesu Christi“ auszuführen (Philipper 1,6).
Für diesen Krieg brauchen wir wie für jeden Krieg offensive und defensive Taktiken. Die Aufgabe der Verteidigung besteht darin, Habgier in ihrer Tarnung zu erkennen und ihr entgegenzutreten. Das bedeutet, sie aufzuspüren, wenn sie sich im Dickicht versteckt, ihre feinen Spuren auf dem Weg zu erkennen – nicht hauptsächlich im Leben unserer Mitmenschen, sondern in unseren eigenen Herzen. Die Gnade Gottes im Evangelium vergibt nicht nur unsere ungeordneten Wünsche und Taten, sondern erzieht uns auch dazu, „die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen“ (Titus 2,11–12). Die Gnade Gottes lehrt uns, die Fangarme der Habgier in unserem Leben zunehmend zu erkennen und ihnen dann abzusagen. Um sie ans Licht zu bringen, können wir uns einige einfache Fragen stellen: Ist mein Umgang mit Geld von christlicher Großzügigkeit geprägt? Was sagt mein Gebrauch von Geld darüber aus, was mich am glücklichsten macht? Sammle ich für dieses Leben? Unterstützt mein Geldgebrauch ausdrücklich die Ausbreitung des Evangeliums und die Bedürfnisse der Gemeinde? Aus einer anderen Perspektive betrachtet: Ist mein Umgang mit Geld so vorsichtig, dass er mich daran hindert, die Menschen in meiner Nähe wirklich zu lieben?
Doch Verteidigung allein wird diesen Krieg nicht gewinnen. Wir müssen selbst zum Angriff übergehen. Das Ziel besteht nicht nur darin, uns von der Habgier fernzuhalten – ihren Lügen zu widersprechen –, sondern uns vielmehr ihren Gegensätzen in Liebe hinzugeben. Habgier hält das Versprechen von Freude durch irgendein unerlaubtes Verlangen vor Augen. Sie flüstert: Wenn ich nur auch das hätte, dann wäre ich glücklich. Doch in Christus sagen wir der Sünde nicht nur ab, sondern schlagen mit der Kraft einer größeren Freude zurück. Wir sollen „allen Fleiß daran setzen, in eurem Glauben die Tugend darzureichen, in der Tugend aber die Erkenntnis“ (2. Petrus 1,5) und stärken dadurch sowohl unsere Verteidigung gegen die Habgier als auch unseren offensiven Vormarsch gegen die Pforten der Hölle.
Hüte dich jedoch vor vereinfachten Vorstellungen von den Gegenspielern der Habgier. Das Gegenteil von Habgier ist nicht Askese – also die Ablehnung der Güte der Schöpfung. Vielmehr wird die Unzufriedenheit im Herzen der Habgier durch eine tiefere, vollere und reichere Zufriedenheit in Christus überwunden.
Zufriedenheit in Christus
Der Glaube steht an vorderster Front im Angriff gegen die Habgier und richtet sich gegen ihre Wurzel des Unglaubens – insbesondere der Glaube als Zufriedenheit in Christus, der Glaube, der seine letztendliche Erfüllung in Gott sucht. Ein solcher Glaube – eine solche Zufriedenheit in Christus – ist der große Erzfeind der Habgier. In The Rare Jewel of Christian Contentment definiert Jeremiah Burroughs Zufriedenheit als „jene süße, innere, gnadenvolle Haltung des Geistes, die sich Gottes weiser und väterlicher Führung in jeder Lage freiwillig unterordnet und sich daran erfreut“. 8 Mit anderen Worten: Zufriedenheit ist ein beständiger Glaube, der uns innerlich festigt, während sich die Umstände verändern und uns prüfen. Drei Texte zeichnen diese Definition genauer nach.
1) Das Geheimnis ist Christus
Zuerst kommt das erstaunliche Zeugnis von Paulus in Philipper 4,11–13:
„Ich habe nämlich gelernt, mit der Lage zufrieden zu sein, in der ich mich befinde. Denn ich verstehe mich aufs Armsein, ich verstehe mich aber auch aufs Reichsein; ich bin mit allem und jedem vertraut, sowohl satt zu sein als auch zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als auch Mangel zu leiden. Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.“
Der Apostel war aufrichtig dankbar, finanzielle Unterstützung von den Philippern zu erhalten, doch seine Zufriedenheit in Christus bewahrte ihn vor Habgier. Sein gutes Verlangen nach Versorgung und einem ausreichenden Einkommen wird durch seine beständige Zufriedenheit in Christus vor sündhafter Unordnung bewahrt. Er nennt dies „das Geheimnis“ der Zufriedenheit: jene innere Festigkeit, die daraus entsteht, Jesus als den zu kennen, der die belohnt, die ihn suchen (Hebräer 11,6), und zu wissen, dass er selbst die alles übertreffende Belohnung ist (Philipper 3,7–8).
2) Der Kampf gilt dem Glauben
Als Nächstes folgt 1. Timotheus 6,6–10, wo die Zufriedenheit in Christus als das Gegenteil von Habgier und „Geldgier“ dargestellt wird:
„Es ist allerdings die Gottesfurcht eine große Bereicherung, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden wird. Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, und es ist klar, dass wir auch nichts hinausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen! Denn die, welche reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke und viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen. Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen; etliche, die sich ihr hingegeben haben, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst viel Schmerzen verursacht.“
Wieder sehen wir ein gutes Verlangen nach den grundlegenden Bedürfnissen des Lebens: „Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen!“ Doch darüber hinaus warnt Paulus vor „Geldgier“ und dem „reich werden wollen“. Wieder gilt: Nicht Reichtum und Geld an sich sind böse. Das Böse liegt vielmehr in unseren Herzen, in ungeordnetem Verlangen und einer übermäßigen Liebe zum Reichtum.
Wo beginnt also der Kampf gegen die Habgier? Wir begegnen dem Unglauben der Habgier mit Zufriedenheit in Christus. Ein solcher Glaube sieht Jesus nicht nur als wahr, sondern auch als schön und gut. Das Gegenmittel zur Habgier ist der Glaube an Christus als unsere Versorgung. Paulus warnt vor der Habgier und sagt dann unmittelbar danach: „Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge, jage aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Geduld, Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens.“ (1. Timotheus 6,11-12).
3) Die Verheißung ist die Kraft
Die dritte deutliche Bibelstelle über Zufriedenheit – und vielleicht die kraftvollste – ist Hebräer 13,5:
„Euer Lebenswandel sei frei von Geldliebe! Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist; denn er selbst hat gesagt: »Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!«“
Habgier entspringt nicht nur der Lüge, dass Gott uns in der Gegenwart nicht genug sei, sondern auch der Angst, dass er in Zukunft nicht ausreichend für uns sorgen werde. Habgier will nicht nur heute mehr horten, erwerben und besitzen, sondern sie fürchtet auch, dass Gott morgen unsere Bedürfnisse nicht stillen und uns nicht genügen wird. Hebräer 13,5 lehrt uns nicht nur, dass das Gegenteil von „Geldgier“ darin besteht, mit dem zufrieden zu sein, was vorhanden ist, sondern überträgt auch Gottes gewaltige Verheißung der Versorgung an Josua (Josua 1,5) auf jeden Christen: „Ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen.“ Weit besser als ein scheinbar unerschöpflicher, aber dennoch begrenzter Vorrat an Besitz ist es, den unendlichen Gott selbst zu haben – mit seiner wahrhaft grenzenlosen Kraft und Weisheit, um all unsere Bedürfnisse zu stillen und seine Gnade an uns zu verschwenden „über die Maßen mehr, als wir erbitten oder erdenken können“ (Epheser 3,20).
Mitgefühl, Großzügigkeit und Opferbereitschaft
Wenn die Wurzel der Habgier durch eine solche Zufriedenheit in Christus durchtrennt ist, werden wir zunehmend frei, damit an ihrer Stelle die Liebe in voller Blüte wachsen kann. Befreit von der Habgier und unserer Knechtschaft unter ihren Begierden, werden wir befähigt, einen Blick und ein Herz für andere zu entwickeln (Mitgefühl) und von uns selbst zu geben, um ihren Bedürfnissen zu begegnen (Großzügigkeit), selbst wenn es uns unseren eigenen Besitz kostet (Opferbereitschaft). Dadurch errichten wir die Belagerungswerke für unseren lebenslangen Angriff gegen die Habgier.
Hebräer 10,32–34 gibt uns einen Einblick, wie das funktioniert, und Vers 34 ist vielleicht die treffendste Bibelstelle in der ganzen Schrift für das Herz dieses Kampfes.
„Erinnert euch aber an die früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet wurdet, viel Kampf erduldet habt, der mit Leiden verbunden war, da ihr teils selbst Schmähungen und Bedrängnissen öffentlich preisgegeben wart, teils mit denen Gemeinschaft hattet, die so behandelt wurden. Denn ihr hattet Mitleid mit mir in meinen Ketten bewiesen und den Raub eurer Güter mit Freuden hingenommen, weil ihr in euch selbst gewiss seid, dass ihr ein besseres und bleibendes Gut in den Himmeln besitzt.“
Vers 34 spricht von dem Mitgefühl, das in diesen jungen Gläubigen aufkam, die in Christus zufrieden und von der Habgier befreit waren und deshalb den Verlust ihres Besitzes mit Freude annahmen. Dann folgt der große Grund dafür: „weil ihr in euch selbst gewiss seid, dass ihr ein besseres und bleibendes Gut in den Himmeln besitzt.“ Sie hatten etwas Größeres und Dauerhafteres als alles andere, das sie besaßen. Damit sind wir schließlich am eigentlichen Mittelpunkt dieses Kampfes angekommen. Das ist der Schlüssel: Habgier zu überwinden durch die weit größere Freude daran, Christus selbst als unseren Besitz zu haben.
Zufrieden in Christus waren diese verfolgten Christen frei von dem ungeordneten Verlangen, ihren kostbaren irdischen Besitz festzuhalten. Sie waren frei, weil sie wussten, dass sie einen Besitz hatten, der alles andere weit übertraf und ihnen nicht genommen werden konnte. Jesus, ihr besserer und bleibender Besitz, hatte begonnen, jedes gute Verlangen ihrer Seele nach Besitz zu erfüllen. Er war der Schatz, der es möglich machte, jeden anderen Schatz zu verlieren. Da sie die Freude kannten, Christus zu haben, ließen sie ihren festen Griff um ihre kleinen, vielen Besitztümer – und welche Freuden diese auch immer bringen mochten – los, denn im Glauben besaßen sie einen großen, einzigen Besitz. Und so wurde nicht nur die selbstsüchtige Habgier an ihrer Wurzel zerstört, sondern der Same des Glaubens, der an ihre Stelle gepflanzt wurde, wuchs, streckte sich aus und brachte selbstloses Mitgefühl, Großzügigkeit und Opferbereitschaft hervor.
Ein realer, aber relativer Maßstab
Jeder von uns muss persönlich mit der feinen Grenze zwischen gesunden und ungesunden Wünschen nach Besitz ringen. Augustinus bietet einen Maßstab an, indem er auf „die Bedürfnisse dieses Lebens“ verweist. Damit meint er laut DeYoung
„… nicht nur das, was zum bloßen Überleben notwendig ist, sondern auch das, was nötig ist, um ein Leben zu führen, das dem Menschen angemessen ist. Es geht nicht darum, von trockenen Brotkrusten zu leben, kahle Wände zu haben und abgetragene Kleidung zu tragen. Der Punkt ist vielmehr, dass ein wahrhaft menschliches Leben frei davon gelebt wird, von unserem Besitz versklavt zu sein. Unser Besitz soll unseren Bedürfnissen und unserem Menschsein dienen, statt dass unser Leben darauf ausgerichtet ist, unserem Besitz und unserem Verlangen danach zu dienen.“ 9
Zu erkennen, was ein „wahrhaft menschliches Leben frei davon … von unserem Besitz versklavt zu sein“ ist und was nicht, wird sich von Ort zu Ort und von Person zu Person unterscheiden. Gott möchte einfach, dass wir die Wahrheit erfassen: „So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.“ (2. Korinther 9,7). Auch wenn es unweise sein mag, hier konkrete Einzelheiten vorzuschreiben, kann es dennoch hilfreich sein, allgemeine Autorn zu bilden und Irrwege zu benennen, die vermieden werden sollten.
Eine Sache, die beachtet werden sollte, ist, dass das menschliche Leben kein statischer Zustand ist. Gott hat uns für Rhythmen und Wechsel geschaffen, für Festzeiten und Fastenzeiten. Es hat einen gewissen Nutzen, auch wenn er begrenzt ist, die Extreme von anhaltendem Überfluss auf der einen Seite und strenger Entbehrung auf der anderen zu erkennen und zu benennen. Wir brauchen Raum sowohl für finanzielles Feiern als auch für finanzielles Fasten. Wir sollten das sogenannte Wohlstandsevangelium verabscheuen und uns nicht von liebloser Knausrigkeit täuschen lassen, die sich als christliche Haushalterschaft tarnt. Doch obwohl es keine leichte Aufgabe ist, von Person zu Person genau zu unterscheiden, was zu wenig oder zu viel ist, bemerkt Piper weise: „Die Unmöglichkeit, eine genaue Grenze zwischen Nacht und Tag zu ziehen, bedeutet nicht, dass man Mitternacht nicht erkennen kann.“ 10
Eine letzte Sache, die wir hier im Hinblick auf einen praktischen Maßstab beachten können, ist die Prüfung der Opferbereitschaft. Verzichten wir jemals darauf, unsere eigenen empfundenen Bedürfnisse zu erfüllen, um anderen zu geben? Ein Leben ohne die Praxis des Opfers – eine Liebe, die selbst Mangel erträgt, um den Bedürfnissen anderer zu begegnen – ist kein wirklich christliches Leben.
Mein großer Besitz
Im Opfer klingt in unserem Leben auf schwache Weise jenes entscheidende Ereignis wider, das jeden Fortschritt in unserem Kampf gegen die Habgier gesichert hat. Der Sieg wurde lange errungen, bevor wir überhaupt auf den Schauplatz traten. Die Habgier erhielt ihren Todesstoß, als der Sohn Gottes selbst an Land kam und den Brückenkopf befestigte. Der, der alles besaß, machte sich selbst zu nichts, damit wir alles in ihm haben könnten. Er klammerte sich nicht an seinen unendlichen Reichtum, sondern öffnete seine Hand und entäußerte sich selbst (Philipper 2,6–7). „Er war reich und wurde doch arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2. Korinther 8,9). Er war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz (Philipper 2,8), beraubt von allem, was er hatte, einschließlich seines Gewandes und seiner Würde, und sogar seiner Gemeinschaft mit dem Vater, sodass er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46). Dann ist er auferstanden über Habgier, Tod und Hölle und bereitet für diejenigen, die ihm gehören, eine neue Schöpfung vor, in der sie alles besitzen werden (1. Korinther 3,21; Matthäus 5,5). Wir werden Anteil am göttlichen Erbe haben und die ganze Welt besitzen.
Und so rufen wir angesichts der überreichen Gnade Gottes gegen die Habgier aus: Jesus ist mein großer Besitz. Er ist mein besserer und bleibender Besitz (Hebräer 10,34). Er ist derjenige, dessen Gegenwart die große Verheißung ist, die für mich die Macht der Geldgier zerbricht (Hebräer 13,5). Er ist mein im Acker verborgener Schatz, um dessentwillen ich gern alles verkaufen würde, was ich habe (Matthäus 13,44).
Wenn ich an Schaufenstern vorbeigehe oder über eine großzügige Tat nachdenke oder erwäge, ein neues Gerät zu kaufen, dann besteht die tiefste Lösung für mein ungeordnetes Verlangen nach immer mehr nicht darin, nichts zu haben, sondern Christus zu haben. Das große Heilmittel gegen die fehlgeleitete Liebe der Habgier ist die tägliche Neuordnung meines Herzens im Blick auf meinen Geliebten. Das Totenglöckchen der Habgier ist der einfache Refrain aus dem Hohelied Salomos: „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein“ (Hohelied 2,16; 6,3; 7,10). Alles, was ich habe – und alles, was ich mir jemals wirklich wünschen könnte –, findet sich in Christus und seiner Fürsorge.
Alle Bibelzitate aus Schlachter 20000 Übersetzung.
- John Paul Rollert, „Greed Is Good: A 300-Year History of a Dangerous Idea“ in The Atlantic, 7. April 2014. Online verfügbar unter http://www.theatlantic.com/business/archive/2014/04/greed-is-good-a-300-year-history-of-a-dangerous-idea/360265 verfügbar ↩︎
- Ebd. ↩︎
- Rebecca DeYoung, Glittering Vices: A New Look at the Seven Deadly Sins and Their Remedies (Grand Rapids: Brazos, 2009), 100. ↩︎
- Brian Hedges, Hit List: Taking Aim at the Seven Deadly Sins (Minneapolis: Cruciform Press, 2014), Kindle-Positionen 1047–1049. ↩︎
- John Piper, Future Grace: The Purifying Power of the Promises of God, 2. Auflage (Colorado Springs: Multnomah, 2012), 221. ↩︎
- 1. Korinther 5,11) ↩︎
- Zitiert in Hedges, Hit List. ↩︎
- Jeremiah Burroughs, The Rare Jewel of Christian Contentment (Banner of Truth, 1964), 19. Zitiert in Hedges, Hit List. ↩︎
- Glittering Vices, 106. ↩︎
- Collin Hansen, „Piper on Pastors’ Pay“, The Gospel Coalition, 6. November 2013, http://www.thegospelcoalition.org/article/piper-on-pastors-pay. ↩︎
Dieser Blog-Beitrag von Sergej Pauli erschien zuerst auf glaubend.de, lies hier den Original-Artikel „Die sieben Todsünden (5): Habgier„.
Über Sergej Pauli

Hallo, ich bin Sergej Pauli, Jahrgang 1989 und wohne in Königsfeld im Schwarzwald. Ich bin Ingenieur, verheiratet, habe vier Kinder. Diesen Blog möchte ich nutzen, um über das Wort Gottes und seine durchdringende Wirkung bis in unsere Zeit zu schreiben. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren auf glaubend.de .

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