Figurale Skulptur, ein starker Mann . Blogthema Simson und Jesus

Simson erinnert mich an Jesus

Sergej Pauli

Richter 16,20–30 „Und sie sprach: Philister über dir, Simson! Da wachte er auf von seinem Schlaf und dachte: Ich werde davonkommen wie die anderen Male und mich freischütteln. Er wusste aber nicht, dass der Herr von ihm gewichen war. Und die Philister griffen ihn und stachen ihm die Augen aus; und sie führten ihn nach Gaza hinab und banden ihn mit ehernen Fesseln, und er musste im Gefängnis mahlen. Aber das Haar seines Hauptes begann wieder zu wachsen, sobald es geschoren war. Und die Fürsten der Philister versammelten sich, um ihrem Gott Dagon ein großes Schlachtopfer zu opfern und um ein Freudenfest zu feiern; denn sie sprachen: Unser Gott hat Simson, unseren Feind, in unsere Hand gegeben. Und als das Volk ihn sah, priesen sie ihren Gott; denn sie sprachen: Unser Gott hat unseren Feind in unsere Hand gegeben und den Verheerer unseres Landes und den, der viele von uns erschlug. Und es geschah, als ihr Herz fröhlich war, da sprachen sie: Ruft Simson, dass er vor uns spiele. Und sie riefen Simson aus dem Gefängnis, und er spielte vor ihnen; und sie stellten ihn zwischen die Säulen. Und Simson sprach zu dem Knaben, der ihn bei der Hand hielt: Lass mich, damit ich die Säulen betaste, auf denen das Haus ruht, und mich dagegen lehne. Das Haus war aber voll von Männern und Frauen, und alle Fürsten der Philister waren dort; und auf dem Dach waren etwa 3.000 Männer und Frauen, die zusahen, wie Simson spielte. Und Simson rief zu dem Herrn und sprach: Herr, Herr, gedenke doch meiner und stärke mich doch nur diesmal, o Gott, damit ich an den Philistern eine einmalige Rache nehme für meine beiden Augen! Und Simson umfasste die beiden Mittelsäulen, auf denen das Haus ruhte, die eine mit seiner Rechten und die andere mit seiner Linken, und er stemmte sich dagegen. Und Simson sprach: Meine Seele sterbe mit den Philistern! Und er beugte sich mit aller Kraft; da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, das darin war; und die Toten, die er in seinem Tod tötete, waren mehr als die, die er in seinem Leben getötet hatte.“

Ein tragisches und ein emotionales Leben nimmt auch ein tragisches Ende.

Irgendwie ist es Programm gewesen in seinem Leben, dass Simson sich immer in Schwierigkeiten bringt und auch inmitten von Schwierigkeiten stirbt. Die für diesen Vortrag angekündigte Überschrift war “Vergeudete Kraft”, aber als ich das Konzept detaillierter ausarbeitete ist mir klar geworden, dass ich diese Überschrift anpassen muss. Es erscheint mir nun, dass es besser wäre zu sagen: “Simson erinnert mich an Jesus” – Aber ist das angebracht?

Simson, dieser seltsame Bursche, dieser Lüstling, er ist eigentlich der Richter, der am meisten versagt. Er und Jephta sind die beiden Richter des Niedergangs. Die beiden gehören zu den Richtern, bei denen wir die Phrase „und das Land hatte 40, 80, 16 Jahre Ruhe“ nicht mehr finden. Während es alle anderen Richter schafften, wenigstens einige Stämme zu vereinen, ist Simson einer, der eigentlich die ganze Zeit alleine kämpft, kein Stamm unterstützt ihn. Und ausgerechnet der Stamm Juda will sogar einmal lieber mit den Erzfeinden zusammenarbeiten als mit ihm.

Ich möchte dennoch einige Parallelen zeigen.

Simson ist wie ein Spiegel oder ein Schattenbild auf Jesus.

Diese alttestamentlichen Spiegel haben immer eine Symmetrie – also eine Ähnlichkeit – und sie haben auch eine Asymmetrie, eine Nichtübereinstimmung.

Es fängt bei Simson schon an, bevor er überhaupt geboren ist:

Richter 13,2-5 „Und es war ein Mann aus Zorha, vom Geschlecht der Daniter, sein Name war Manoah. Und seine Frau war unfruchtbar und gebar nicht. Und der Engel des Herrn erschien der Frau und sprach zu ihr: Sieh doch, du bist unfruchtbar und gebierst nicht; aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Und nun hüte dich doch und trink weder Wein noch starkes Getränk, und iss nichts Unreines! Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen, denn ein Nasir (Geweihter) Gottes soll der Knabe sein von Mutterleib an; und er wird anfangen, Israel aus der Hand der Philister zu retten.“

Eine übernatürliche Geburt, die von einem Engel angekündigt wird.

In der Geschichte Israels gab es immer wieder diese Situationen der übernatürlichen, wundersamen Geburt. So entstand das Volk Israel überhaupt, als einst Abraham die Verheißung bekam, er wird Nachkommenschaft bekommen. Denken wir aber auch an Hannah, auch das ist so eine Parallele. Eine übernatürliche Geburt drückt eine besondere Aufgabe aus. bei Simson ist es die Aufgabe, er wird anfangen Israel zu retten. Bei Jesus, er wird diese Errettung vollenden.

Das ist die Symmetrie, aber die Asymmetrie ist hier, dass bei allen diesen wundersamen Geburten des Alten Testaments der Mutter dadurch immer große Ehre zuteil wurde. Dadurch wurde genau ihre Sehnsucht erfüllt. Abraham und Sarah wünschten sich doch nichts mehr als als einen Nachkommen. Bei Hannah ist ein ganzes Kapitel dieser Sehnsucht nach Nachkommen gewidmet. Und hier bei Manoa und seiner Frau lesen wir es nicht so konkret, dass sie diesen Wunsch hatten, aber es kann gar nicht anders sein.

Seine Frau hat unter dieser Unfruchtbarkeit gelitten und sie bekommt dieses unerwartete Kind und freut sich natürlich darüber. Allen diesen Müttern hat diese unerwartete Geburt großen Segen, große Privilegien, große Freude gebracht.

Maria hat sich sicherlich auch gefreut, aber es war auch sehr anrüchig, denn sie war ja – im Gegensatz zu all diesen Müttern – nicht verheiratet. Sie war eine Jungfrau und der Vorwurf war sofort im Raum: Sie hat bestimmt gehurt. Jesus war sozusagen schon bei der Ankündigung immer mit einer Schande oder einer Anrüchigkeit verbunden in einer Zeit in der eine uneheliche Kindschaft oder unehlich schwanger zu werden mindestens die Ausstoßung aus der Gesellschaft zur Folge, wenn nicht sogar juristische Konsequenzen hatte.

Ich habe mich gefragt, ist das etwas überinterpretiert?

Weil so konkret formuliert das ja keiner. Aber einen Text finden wir doch in der Bibel, der darüber spricht und das ist im Dialog, als Jesus mit den Pharisäern darüber spricht, „wer ist euer Vater“ und sagt, der Satan ist eigentlich euer Vater. Die ihm zuhören, finden da die Stelle, wo sie ihn packen können, sie sprachen zu ihm, Johannes 8,41 „Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott.“

Für Jesus gab es dann 30 Jahre nach seiner Geburt immer noch den Vorwurf, war das nicht so, dass du eigentlich ein uneheliches Kind warst, weil man nicht bereit war, das übernatürliche Wunder seiner Geburt zu sehen.

Die technologische Überlegenheit der Philister

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Exkurs geben: Die Philister sind ein seefahrendes Volk, das aus Kreta stammte. Nach der Sintflut wurde in 1. Mose Kapitel 10 beschrieben, wie die verschiedenen Völker sich überall verteilten. 1. Mose 10,13–14 „Und Mizraim zeugte Ludim und Anamim und Lehabim und Naphtuchim und Pathrusim und Kasluchim von denen die Philister ausgegangen sind und Kaphtorim.“

Die Philister kamen in etwa um die gleiche Zeit in das Land Kanaan wie die Israeliten. Dafür sprechen vor allem zwei Bibeltexte. 5. Mose 2,23 „Und die Awiter, die in Dörfern wohnten bis Gaza: Die Kaphtoriter, die aus Kaphtor kamen, vertilgten diese und wohnten an ihrer statt.“ Ein Text, der von Amos bestätigt wird, wir vergleichen dafür Amos 9,7 „(es) spricht der Herr. Habe ich nicht Israel aus dem Land Ägypten heraufgeführt und die Philister aus Kaphtor und die Syrer aus Kir?“.

Die Philister sind ein technologisches Volk. Die Israeliten sind Nomaden. Die Philister sind gewohnt mit Schiffen zu fahren, sie verstehen etwas von Technik und Metall. Das spielt eine große Rolle für die ganze Entwicklung, weil da kommt ein einfaches Nomadenvolk, es sind Hirten mit einfachem Werkzeug, vieles ist aus Holz gemacht und die Philister wissen bereits um diese Zeit, wie man Waffen herstellt. Die Philister hatten 900 eiserne Wagen.

Richter 4,3 „Und die Kinder Israel schrien zu dem Herrn; denn er hatte 900 eiserne Wagen, und er bedrückte die Kinder Israel zwanzig Jahre mit Gewalt.“

Man denkt sich, okay, was ist daran so schlimm?

Es war deswegen so schlimm, weil die Israeliten nicht wussten, wie man Eisen verarbeitet. Sie waren darauf angewiesen, dass die Philister das für sie taten. Das heißt, die Philister hatten ein Eisenmonopol. Und das passt wunderbar zu dieser Zeit, weil das geschichtlich der Übergang von der Bronzezeit in die Eisenzeit ist. In ganz Israel gab es lange nach Simson wie viele Schwerter?

Zwei Stück.

a) 1. Samuel 13,19–22 „Und es war kein Schmied zu finden im ganzen Land Israel; denn die Philister hatten gesagt: Die Hebräer sollen sich weder Schwert noch Speer machen! Und ganz Israel ging zu den Philistern hinab, jeder, um seine Pflugschar und seinen Spaten und sein Beil und seine Sichel zu schärfen, wenn die Schneiden an den Sicheln und an den Spaten und an den Gabeln und an den Beilen abgestumpft waren, und um den Rinderstachel zu richten. Und es geschah am Tag des Kampfes, da wurde weder Schwert noch Speer gefunden in der Hand des ganzen Volkes, das mit Saul und mit Jonathan war; doch bei Saul und seinem Sohn Jonathan fanden sie sich vor.“

An anderen Stellen werden eiserne Waffen erwähnt Josua 17,16 „Und die Kinder Joseph sprachen: Das Gebirge reicht für uns nicht aus, und bei allen Kanaanitern, die im ebenen Land wohnen, sind eiserne Wagen: bei denen, die in Beth-Schean und seinen Tochterstädten, und bei denen, die im Tal Jisreel wohnen.“ und Richter 1,19 „Und der Herr war mit Juda, und er nahm das Gebirge in Besitz; denn die Bewohner der Talebene vertrieb er nicht, weil sie eiserne Wagen hatten.“

Saul hatte ein Schwert und sein Sohn hatte eins. Die Hebräer mussten sogar zu den Philistern gehen, wenn sie ihre Sichel oder Pflugschar schärfen wollten. Das heißt, ein technologisch starkes Volk hat ungefähr um die gleiche Zeit angefangen dieses Kanaan zu besiedeln, als Israel aus Ägypten heraufkam. Also fangen zwei Völker an zu kämpfen. Entgegen den Kanaanitern waren die Philister nicht die Ureinwohner dieser Gegend, sondern sie sind aus der Insel Kaftor (Kreta) gekommen.

Wir sehen auf einer Seite 900 Wagen und dann Simsons Waffen – mit welchen Waffen hat er gekämpft?

Er hatte einmal einen Eselskinnbacken gefunden, also einen halben Schädel eines Esels. Das war die einzige Waffe, die er zur Verfügung hatte. Das sind geschichtliche Fakten. Ich habe sie deswegen so ausführlich geschildert, um uns zu stärken, den Berichten der Bibel zu vertrauen. Wenn ein Rabbi im 5. Jahrhundert vor Christus in Babylon diese Geschichten irgendwie erfunden hätte, hätte er niemals auf solche Details geachtet. Niemals hätte er gewusst, dass 500 Jahre zurück oder 800 Jahre vor seiner Zeit ein Eisenmonopol bestand von den Philistern und dass die Philister von der Insel kamen. Das sind alles Details, die durch Archäologie bestätigt wurden und sie unterstreichen alle die Zuverlässigkeit der biblischen Berichte, sie zeigen einfach, was die Bibel sagt, ist zuverlässig und vertrauenswürdig.

Und dennoch geht es nicht nur um die Zuverlässigkeit, sondern auch um die Botschaft. Die Bibel möchte uns einfach zeigen, Simson kam in einer sehr schwierigen Zeit für das Volk Israel. Sie waren unterlegen und ein anderer, der technologisch mächtiger war, hat ihr Land kontrolliert, auch solche Sachen wie z.B. das Eisenmonopol.

Das erinnert uns ja wirklich an Jesus,

Als Jesus kommt, ist sein Volk wieder einem Land technologisch unterlegen, den Römern, die technologisch deutlich weiter sind, politisch viel stärker strukturiert, organisiert und militärisch eine Übermacht darstellen.

Und wieder haben wir diese Parallele. Sie kommen beide als Retter zu ihrem Volk zur Zeit der Not, der Unterdrückung, zur Zeit der Schwierigkeit. Und sie selber identifizieren sich in dieser Notzeit auch persönlich oder gesellschaftlich.

Warum eigentlich? Denn es ist ja nicht so, dass sie in ihrem Volk besonders angesehen sind.

Aus welchem Stamm kommt Simson eigentlich?

Er kommt aus dem Stamm „Dan“. Was kommt denn Gutes aus dem Stamm Dan? Es ist der Stamm, der das verheißene Land sogar verlässt und sich in Lachisch ansiedelt, was außerhalb der verheißenen Grenzen war und das schon sehr früh. Aus der Offenbarung wissen wir, wenn die 12.000 genannt werden, dann wird vom Stamm Dan noch nicht einmal gesprochen. Das ist doch interessant, man kann sich fragen, was kommt eigentlich aus dem Stamm Dan Gutes?

Es gibt schon ein paar wenige Sachen und das erinnert uns wieder an Jesus, denn, was kann aus Nazareth Gutes kommen?

Sagt sogar einer seiner Jünger als er Jesus sieht.

Beide sind ausgesondert zum Dienst, bei Simson wird das sehr stark betont. Er bekommt die Nasiräer Würde. Das war die größte Möglichkeit für einen, der kein Levit war, in besonderer Weise Gott zu dienen. Für diesen Nasiräer oder Nasir waren drei Kennzeichen verpflichtend für sein Gelübde. Er durfte keinen Wein, Alkohol trinken und auch keine Weintrauben, Rosinen essen. Er durfte sich keinem Leichnam nähern und er musste lange Haare tragen, solange sein Gelübde gilt.

Normalerweise war es ein auf eine bestimmte Zeit beschränktes Gelübde, auch Paulus hatte ein Gelübde. Vielleicht kennen Sie den Text in Apostelgeschichte , da lesen wir, er schnitt seine Haare ab, da hat er sein Gelübde erfüllt. Bei Simson ist es ein Gelübde, ähnlich wie bei Johannes dem Täufer, von Geburt an verpflichtend auf Lebenszeit.

Schauen wir doch einmal, wo ist hier die Parallele zu Jesus.

Jesus, wenn er auch nicht Nasiräer genannt wird, so wird er doch in Matthäus 2,23 „und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: „Er wird Nazaräer genannt werden.““

Die Bibel spielt an dieser Stelle ein klein wenig mit den Begriffen Nazir (Sproß) der Stadt Nazareth und der Berufung eines Nazoräers. Da packen ihn die Menschen auch, sie machen ihm den Vorwurf, wenn du der Christus bist, wieso bist du ein Fresser und Weinsäufer?

Matthäus 11,19 „Der Sohn des Menschen ist gekommen, der isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund von Zöllnern und Sündern.”

Die Menschen zur Zeit Jesu sagten und dachten, „das ist irgendwie ein Mensch, der besonders für Gott lebt, Gott geweiht ist. Aber das passt doch nicht. Da müsste er doch gar keine Gemeinschaft mit Sündern haben.“

Wir sehen zwei Freunde von Sündern. Jesus der wahre Geweihte wird zum Freund der Sünder.

Simson, der Gottgeweihte, sollte sich von den Sündern enthalten, jedoch geht er gleich zu den Feinden und sucht sich eine Frau von dort aus und sitzt dann tatsächlich auf der Feier mit ihnen am Fressen und Weinsaufen.

Beachten wir doch mal genauer, wie Simson mit seiner Weihe umgeht.

Die Enthaltung von Leichen, also keine Berührung von Kadavern, die Enthaltung von Alkohol und lange Haare. Simson tritt in jedes Fettnäpfchen. Schauen wir uns erst einmal seinen Umgang mit Kadavern an. Als sie ins Philisterland zur Brautwerbung gehen, begegnet ihm ein Löwe und er ist so stark, dass er ihn zerreißt. Das ist eine zulässige Berührung. Aber einige Tage später, nachdem die Brautwerbung erfolgreich ablief, möchte er diese Frau heiraten und sie gehen zusammen mit den Eltern und trennen sich dann, weil Simson wieder zu der Stelle will, wo der Löwe war und dort findet er den Kadaver.

Richter 14,8–9 „Und er kehrte nach einiger Zeit zurück, um sie zu nehmen, und er bog ab, um das Aas des Löwen zu besehen, und siehe, ein Bienenschwarm war im Körper des Löwen und Honig. Da nahm er ihn heraus in seine Hände und ging und aß im Gehen; und er ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter und gab ihnen, und sie aßen; aber er berichtete ihnen nicht, dass er den Honig aus dem Körper des Löwen herausgenommen hatte.“

Zwei Auffälligkeiten und es wird sehr detailliert dargestellt. Er nimmt den Honig aus dem Kadaver heraus. Er erzählt es seinen Eltern nicht und man denkt, warum erzählt er das seinen Eltern nicht? Das war doch schön. Schaut mal, leckerer Honig. Und ich habe immer gedacht, okay, weil er es aus dem Tier herausgeholt hat und das vielleicht ein bisschen unhygienisch ist? Nein, nein, er versteht schon. Die Eltern werden ihm sagen, aber Simson, du bist doch ein Nasiräer, du darfst doch keine Kadaver berühren. Das war ja eine Bedingung seiner Berufung. Und das ist übrigens nicht das erste Mal, dass er so leichtsinnig mit dieser Auflage umgeht.

Er hatte seine Waffe gefunden, als er von den Philistern umgeben ist.

Richter 15,15 „Und er fand einen frischen Esels-Kinnbacken, und er streckte seine Hand aus und nahm ihn und erschlug damit tausend Mann.“

Ich habe das aus einem Kommentar, der erklärt, was die Bibel mit „frischer Eselskinnbacken“ meint, ist ein noch vom Fleisch feuchter Kinnbacken. Das heißt einen Knochen berühren wäre in Ordnung gewesen, aber das war schon noch immer ein Kadaver, den er berührt. Wir sehen also, dass Simson sein Gelübde in Bezug auf den Umgang mit Kadavern nicht sonderlich ernst nahm und obwohl er das wiederholt macht, was sehen wir?

Dennoch bleibt Gott mit ihm. Also, er ist nicht sonderlich ernsthaft im Umgang mit seinem Gelübde, aber Gott bleibt mit ihm.

Wie war eigentlich sein Umgang mit Alkohol?

Das ist nicht ganz so eindeutig geschildert, aber dennoch….als er einige Tage lang Hochzeit feiert

Richter 14,10 „Und sein Vater ging zu der Frau hinab, und Simson machte dort ein Festmahl; denn so pflegten die Jünglinge zu tun.“

Das hebräische Wort für Festmahl hier ist mishteh und meint wörtlich Trinkgelage oder Festmahl mit Wein, am ehesten passend wäre wohl heute das Wort Bankett. Überhaupt wird die Hochzeit so geschildert, dass Simson tagelang von betrunkenen Philistern umgeben ist. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Simson das Gelübde in Bezug auf den Alkohol auch nicht ernst nahm. Die Hochzeit geht einige Tage und er ist umgeben von 30 Gesellen. Theoretisch ist es möglich, dass alle Wein getrunken haben und Simson nicht.

Ich denke nicht, dass es so war. Ich denke, er hat fleißig mitgemacht und das heißt, auch das zweite Gelübde nimmt Simson nicht sonderlich ernst. Er weiß, er soll keinen Wein trinken und macht es trotzdem. Und interessant ist, dennoch bleibt Gott mit ihm, die Kraft bleibt bei ihm.

Ein Zeichen hat er aber noch, die Haare und daran hält er sehr lange fest.

Sie waren irgendwie auch so sein Statussymbol und wir wissen, dass Delila ihn lange bearbeiten und verführen musste, „woher kommt denn deine Kraft?“

Simson ist auch selbst überzeugt, solange ich die Haare habe, ist Gott mit mir. Und da versteht er eigentlich ein bisschen was falsch. Er fängt an zu denken, es liegt an den Haaren und nicht an Gott. Und er denkt, ja gut, ich trinke Alkohol, sollte ich nicht machen, mache ich, ich berühre die Kadaver, sollte ich nicht machen, mache ich, ich habe immer noch die Kraft, na, die Haare mache ich auch mal ab? Und als die Haare weg sind, hat er überhaupt nichts mehr, was ihn einen Nasiräer sein lässt. Es gibt nichts mehr, was bleibt, dass man sagen kann, okay, das ist ein Gottgeweihter.

Gott weicht daraufhin von ihm, seine Kraft verschwindet und er wird sehr leicht von den Philistern überwältigt.

Das erinnert uns daran, wie es mit Jesu Berufung lief. Während Simson die ganze Zeit abweicht, seine Berufung nicht wirklich ernst nimmt, sehen wir, dass Gott konsequent immer wieder bei ihm bleibt und sogar als er von ihm weicht wegen den Haaren, ist er beim nächsten Gebet Simsons wieder bei ihm und erhört ihn. So viele Male verließ Simson Gott und Gott blieb bei ihm. So oft vergessen wir Gott und doch bleibt Gott bei uns. Warum ist das so? Woher haben wir diese unverdiente Gnade, dass Gott bei uns ist?

Manfred Siebald besingt es in seinem Lied “Hier in seiner Hand “ sehr gut:

Warum bin ich noch immer hier in Seiner Hand? Warum ließ mich Gott wohl noch nicht fallen , Nie in all den Jahren, seit Er mich fand? Warum bin ich noch immer hier in Seiner Hand?
Hat Er nicht tausendmal schon Grund gehabt, Mich im Zorn zu verwerfen und hat Er mich nicht nur noch tausendmal fester gefasst…

In der letzten Strophe gibt er die Lösung. Die Antwort kann ja nur die Liebe Gottes sein.


Morgen geht es weiter mit dem 2. Teil von „Simson erinnert mich an Jesus“. Alle Bibelzitate aus der Elberfelder Übersetzung 1905, teils selbst editiert.


Diese Predigt von Sergej Pauli erschien verlinkt auf glaubend.de, hier geht es zum Original-Artikel „Simson erinnert mich an Jesus.“ mit der entsprechenden Weiterleitung zum Vortrag unter dem Artikel.

Über Sergej Pauli

Hallo, ich bin Sergej Pauli, Jahrgang 1989 und wohne in Königsfeld im Schwarzwald. Ich bin Ingenieur, verheiratet, habe vier Kinder. Diesen Blog möchte ich nutzen, um über das Wort Gottes und seine durchdringende Wirkung bis in unsere Zeit zu schreiben. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren auf glaubend.de .

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