Gottes Realität und die evangelikale Krise

Die evangelikale Bewegung steckt meiner Meinung nach in einer großen Krise. Sie ist größtenteils übersimplifizierend, nicht sehr tiefgehend und es mangelt an geistlicher Wirklichkeit/Realität.

Die entscheidende Frage ist: Wo bin ich der Realität Gottes begegnet? Wo bin ich mit Gottes Wirklichkeit in Kontakt getreten? In welchen Bereichen meines Lebens habe ich eine transzendente Erfahrung gemacht, die mich letztendlich so geprägt hat, dass ich an Gott glaube?

Manche machen diese Erfahrung nicht in der Kirche, die eigentlich den Raum für solche Erfahrungen schaffen sollte, sondern sie begegnen der Realität Gottes in der Musik, in der Kunst oder in anderen Bereichen ihres Lebens. Leider ist es oft die logische Folge, dass bei Menschen, die Gott außerhalb der Kirche begegnen, sofort die Kirche als Ganzes in ihrer Sinnhaftigkeit hinterfragt wird und das Versagen der Menschen mit der Existenz der Kirche untrennbar vereint wird.

Hier muss die Kirche sich an die Nase packen und sich fragen, wie es sein kann, dass die Menschen außerhalb mehr transzendente Erfahrungen machen als innerhalb?

Wenn Du der Realität Gottes nicht begegnet bist, dann wirst du früher oder später deinen Glauben an den Nagel hängen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du dich “evangelikal”, “evangelisch”, “liberal”, “konservativ”, oder sonstwie nennst, sondern die entscheidende Frage ist: Bist du Christus begegnet, der die ultimative Realität aller geistlichen Dinge ist?

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Dieser Blog-Beitrag von H. Richert erschien zuerst auf TRLT . Lies hier den Original-Artikel "Gottes Realität und die evangelikale Krise".

About H. Richert

Jahrgang 1977, Ehemann, Papa von drei Kindern, Lehrer, Gründer und Mitleiter der Christusgemeinde Bielefeld. Ich mag Denken & Lernen, Bücher, Sci-Fi, Design, gutes Essen & Trinken, Sport, Musik & Gitarre, Bielefeld und schreibe vorrangig über echtes Leben in einer zunehmend unechten Welt.

4 thoughts on “Gottes Realität und die evangelikale Krise

  1. Man kann sehr wohl Christus begegnet sein und eines Tages trotzdem abdriften. Die ganze Entwicklung in der ev. Kirche samt Freikirchen und auch zum Teil Evangelikalen, aber auch stückweise in der katholischen, geht doch in Richtung Liberalisierung und Oberflächlichkeit. Jesus ist nicht so mehr der Herr, sondern oft auch Kumpel. Respekt oder gar Gottefurcht wird immer mehr klein geschrieben, man weiß oft gar nicht mehr, was das ist. Das sieht man auch an Gottesdiensten sogar bei denen, die noch mehr oder weniger Glaubenssubstanz haben. Etliche gaben die sich anbahnende Entwicklung schon vor Jahren kommen sehen. Die ganzen Streitereien und Lutherhypes bringen nichts. Luther ist gestorben und hatte nicht den besten Charakter, um das mal vorsichtig zu sagen, Jesus aber ist auferstanden von den Toten und in den Himmel gefahren. Lob und Dank. Wer Jesus näher kommen will, der muss sich mehr mit Ihm identifizieren, Ihn mehr lieben, mehr sein Blut trinken, denn Sein BLUT macht uns rein von aller Sünde. Das müssen wir nur mehr in Anspruch nehmen.

  2. Die entscheidende Frage ist doch: Kann man Gott außerhalb des Wortes Gottes begegnen bspw. in der Musik, in der Kunst etc.?

    Beziehungsweise wem, oder was begegnet man, wenn man außerhalb des Wortes transzendente Erfahrungen gemacht hat?

  3. Kennst du die Autobiografie von C.S.Lewis „Überrascht von Freude“? Lewis entdeckt schon früh, dass er bei bestimmter Literatur eine ganz bestimmte Freude empfindet, kann diese aber nicht einordnen und sucht überall danach. Er entdeckt diese Freude sogar beim Lesen nordischer Mythen (und das ist ja nicht wirklich christliches Zeugs…). Diese Freude ist das, was ihn letztendlich zu Gott führt, wo er entdeckt, dass er der Geber und die Quelle der Freude ist. Seine Bekehrungsgeschichte ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ihn Gott durch die Literatur, sogar durch explizit heidnische, verfolgt hat. Weitere Beispiele findest du z.B. im Iran (unter anderem Open Doors, usw), wo es unzählige Zeugnisse von Moslems gibt, denen Jesus im Traum erschienen ist, die daraufhin anfingen, die Bibel zu lesen und sich dann zu Christus hin bekehrt haben. Das sind alles Existenzbeweise – wenn du ein Nein auf deine Fragen erwartest/erhoffst, dann müsstest du allen diesen Menschen den wahren Glauben absprechen und diese Existenzbeweise für ungültig erklären.

    Aber deine Frage kann man so nicht genau beantworten, denn sie beinhaltet eine krasse „Unschärfe“: Wenn im Neuen Testament vom „Wort Gottes“ geschrieben steht, ist damit nicht das geschriebene Wort Gottes gemeint, sondern es wird fast immer explizit personifiziert (vgl. Joh 1, 1. Joh 1, Hebr 4:12-13, Offb 19:11-16 und noch ein paar mehr…). Wenn dagegen von „Schrift“ die Rede ist, dann ist das geschriebene Wort Gottes gemeint (2. Tim 3:16). Je nachdem was du mit „Wort Gottes“ meinst: Die Person oder das Buch, lässt deine Frage mehrere Antworten zu. Alle transzendenten Erfahrungen außerhalb der Person Christus sind im höchsten Grade gefährlich. Aber dass man Gott außerhalb des geschriebenen Wortes begegnen kann, nun, dass steht selbst im geschriebenen Wort drin:

    „denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so daß sie keine Entschuldigung haben.“ Römer 1:20

    „Der Himmel erzählt die Herrlichkeit Gottes, und das Himmelsgewölbe verkündet seiner Hände Werk.“ – Psalm 19:2

    Es wäre schön, wenn wir Konservativen die Bibel öfter und genauer lesen würden. Das wünsche ich mir für uns und um unser Anliegen willen! Alles Gute!

  4. Ich wünsche Dir und diesem Portal auch alles Gute! Aber die Bezeichnung „wir Konservative“ halte ich schon für etwas gewagt. Ethisch konservativ wohl durchaus, aber theologisch? Das bleibt abzuwarten und darf bei solchen Artikeln und Positionierungen wie Deiner hier eher kritisch bewertet werden.

    Deine Argumentation beginnt nun zunächst auch weder mit der Bibel, noch mit konservativen oder bibeltreuen Argumenten, sondern mit einem- durchaus hochkarätigen- Leumundszeugen: C. S. Lewis.

    C.S. Lewis ist nun ohne jeden Zweifel ein großartiger, scharfsichtiger Denker, Apologet und Autor, den ich sehr schätze. Aber als Beispiel für einen konservativ-bibeltreuen Christen, oder als klassisches Bekehrungsbeispiel ist er überaus schlecht gewählt. C.S. Lewis hielt die Bibel nicht für für irrtumslos oder gar 100%tig inspiriert, glaubte an das römische Fegefeuer und gab sehr vielen Menschen den entscheidenden Impuls zur Konversion in die römische Kirche.

    Und eine „Bekehrungsgeschichte“ auf Grundlage nordischer Mythen? Ich bitte Dich! Sowohl Argumentation wie das zugrunde liegende Denken ist alles, aber nicht evangelikal-konservativ, sondern in der Tat mystisch bzw. Du sagst es selbst: explizit heidnisch!

    Die Bibel schließt dies aus:

    1Kor 2,14 Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.

    Du schließt Dich zwar mit in die Forderung „wir Konservativen sollten die Bibel öfter und genauer lesen“ mit hinein, meinst aber offenkundig Personen wie mich. Aber gerne! Wie kann also ein unbekehrter=natürlicher Mensch grundsätzlich etwas vom Geist Gottes vernehmen? Irrt Paulus hier, ist das nur seine Meinung, oder ist das ein kein inspirierter Satz? Oder noch abstruser: sind nordische Mythen vom Geist Gottes inspiriert?

    Die Bibel lehrt beim „genauer lesen“ wie Bekehrung geschieht:

    Röm 10, 14-17 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?Wie sollen sie aber verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Wie geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße derer, die Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen!« Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht; denn Jesaja spricht: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?« Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.

    Menschen beginnen also an Gott zu glauben, wenn sie vorher nicht geglaubt, nichts gehört haben: durch Verkündigung, Verkündigung aber aus dem Wort Gottes.

    Die Erzählungen/Zeugnisse bei Open Doors sind ebensowenig „Beweise“, sondern bestenfalls menschliche Eindrücke. Wie oben bereits Gottes Wort zitiert: Natürliche Menschen können den Geist Gottes nicht vernehmen. Wenn sie also so etwas berichten, kann das was sie da gesehen/gehört/gespürt haben, nicht der Geist Gottes gewesen sein. Also: nicht meine Frage ist „unscharf“, sondern imho Deine Interpretation. Inwiefern diese Menschen heute „wahren Glauben“ haben, weiß keiner von uns beiden. Das zeigt sich ohnehin erst am Ende, auch bei Dir und mir.

    Daher spreche ich auf guter Grundlage Deinen gewählten Beispielen ab, „Existenzbeweise“ für ein Wirken des Heiligen Geistes entgegen dem Wort Gottes zu sein. Das ist- mit Verlaub- eine regelmäßig bibelkritische Argumentation: Ist nur Christus, oder auch die Bibel als wahrhaftiges „Wort Gottes“, autorative Rede von Gott zu bezeichnen?

    Aber weiter: Du lehrst (und ja, wer öffentlich blogt, lehrt natürlich), dass „wenn im Neuen Testament vom „Wort Gottes“ geschrieben steht, ist damit nicht das geschriebene Wort Gottes gemeint, sondern es wird fast immer explizit personifiziert“.

    Wie kommst Du also zu dieser äußerst merkwürdigen, keineswegs konservativ-evangelikalen Behauptung und wie belegst Du diese biblisch?

    Schauen wir uns zunächst doch mal Deine erste Belegstelle Joh 1 an. Auch wenn die Bedeutung dieser Bibelstelle nicht zu unterschätzen ist, stellt dieser symbolhafte Vergleich keinesfalls eine Singularität dar. Gleichsam wie Christus hier eindeutig als das „Wort Gottes“, analog zu den Schriften des AT oder Briefen des NT bezeichnet wird, geschieht dies jedoch ebenfalls mit Begrifflichkeiten wie:

    * „Brot“ (Joh6,57ff; Lk4,4),
    * „Fels“ (Matth7,24ff; 1Kor10,4),
    * „Licht“ (Ps119,105; Joh8,12) und weiteren, welche äquivalent sowohl für die Schrift, wie auch auf Christus hin erwandt werden.

    Es gilt also zu untersuchen, was andere Bibelstellen über das Wort Gottes und dem, was es ist, aussagen.

    Wenn wir nun bspw. die Frage betrachten, wie Menschen, die nicht an Gott glauben, plötzlich doch an Gott glauben, sind Röm10:17 oder auch Jak1,18, oder 2.Korinther 2,12-17 relevante Belegstellen. Beurteile selbst, lies selbst genauer was dort mit Wort Gottes gemeint ist:

    Jak1,18 Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir die Erstlinge seiner Geschöpfe seien.

    2.Kor 2,12-17 Als ich aber nach Troas kam, zu predigen das Evangelium Christi, und mir eine Tür aufgetan war in dem Herrn, da hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern ich nahm Abschied von ihnen und fuhr nach Makedonien. Gott aber sei gedankt, der uns allezeit im Triumph mitführt in Christus und offenbart den Geruch seiner Erkenntnis durch uns an allen Orten! Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden: diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben. Und wer ist dazu tüchtig? Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott redet, so reden wir vor Gott in Christus.

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