Richard Dawkin’s – Der christliche Atheist

Glen Scrivener reagiert auf seinem Video-Podcast „The 321 Course“ auf das Osterinterview das Rachel Johnson, die Schwester von Boris Johnson auf LBC (London Broadcasting Company) mit Richard Dawkins geführt hat. Der bekennende Atheist und Autor von „Der Gotteswahn“ sprach dort davon, dass Großbritannien ein „christliches Land“ sei und das Christentum eine „grundsätzlich anständige Religion sei.

Die aktuellen Aussagen von Dawkins mögen in ihrer Tendenz nicht neu sein, aber in ihrer Massivität und Dringlichkeit schon. 

Das hängt damit zusammen, dass mittlerweile die „Vakuum-Eroberung“ des ehemals vom Christentum geprägten Raum der Religion durch Islam, linken Wokeismus und rechte Verschwörungsnarrative dramatisch vorangeschritten ist, was aus der Perspektive der schrumpfenden intellektuellen Einflußsphäre des klassischen Liberalismus, der Dawkins angehört als sehr bedrohlich angesehen wird.

Glen Scrivener bezeichnete den „New Atheism“ im Video als eine „Publisher“-Bewegung.

Der Grund warum Scrivener, sozusagen ein kultureller Hipster, der eine traditionell christliche Theologie vertritt in diesem Video zu Recht so triumphialistisch auftritt ist, dass auch er ein „Publisher“ ist. Er ist ein Publisher, der dieses sich immer mehr verschärfende Dilemma des sog. „christlichen Atheismus“ – dass man den Baum der christlichen Kultur unbedingt erhalten will und gleichzeitig dessen Glaubenswurzeln absägt – im Westen schon seit Jahren in seinen Büchern bearbeitet. Er kann solche Meilensteine wie das aktuelle Ostern-Interview mit Richard Dawkins für seine Agenda als Publisher natürlich nicht unkommentiert vorüberziehen lassen.

Nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Bewunderer von Glen Scrivener.

Ich sehe eine sehr dynamische  Aufbruchstimmung in einer lose verbundenen Denkschule traditionell christlicher Intellektueller mit einem kulturapologetischen Ansatz, die in der Tradition von Timothy Keller stehen.

Glen Scriveners Buch „The Air We Breathe“ knöpft sich im Westen hochgeschätzte Werte wie Freiheit, Fortschritt und Gleichheit vor und zeigt wie diese sich aus dem christlichen Denken entwickelt haben. 

Ausserdem sehr zu empfehlen ist sein Podcast „Postchristianity?“ mit dem Historiker Andrew Wilson, der vom Keller Center for Cultural Apologetics / The Gospel Coalition produziert wird.

Über Reinhard Jarka

Reinhard Jarka, * 1963, Hausarzt & Social-Media-Journalist, wiederverheiratet, fünf Kinder. Kindheit und Jugend im nordhessischen Pietismus, dann 15 Jahre postevangelikaler Skeptiker, Wiedereinstieg erst als Charismatiker, ab 2006 "old, restless & reformed" mit Hinwendung zur Reformierten Theologie, 2012 erstmals Teilnahme am "Evangelium 21"-Kongress in Hamburg. Seit 2017 Mitglied beim "Netzwerk für Bibel und Bekenntnis". Ab 2017 Konzept und Aufbau des Portals Biblipedia.de. Aktuell Mitglied in einer von Acts29 gegründeten Freikirche in Potsdam, die innerhalb des Christus Forum Deutschland zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehört.