5 Arten von Reformierten

Wenn man sich so in der christlichen Szene umsieht, trifft man einige, die sich irgendwie auf die Reformation berufen und sich reformiert nennen. Es gibt jedoch ein recht breites Spektrum von Vorstellungen, die damit verbunden werden. Ich habe fünf Arten von Reformierten erkannt und versuche die dahinter stehenden Vorstellungen zu benennen und beschreiben.

1. Der Bekennformierte

Dieser Hardcore-Reformierte besteht darauf, dass sich nur reformiert nennen darf, wer alle Bekenntnisse und Katechismen bekennen, begründen, verteidigen und alle Fragen dazu beantworten kann. Westminster, Heidelberger und natürlich darf auch die Dordrechter Regel nicht fehlen.

2. Der Tulpiformierte

Das englische Akronym TULIP (Tulpe) steht für die fünf Punkte der Dordrechter Lehrregel und damit für den Calvinismus im weiteren Sinne. Der Tulpiformierte hält vor allem für wichtig, dass diesen fünf Punkten zugestimmt wird: Totale Verderbtheit des Menschen, Bedingungslose Erwählung, Beschränktes Sühnwerk, Unwiderstehliche Gnade und Beharrlichkeit der Gläubigen.

3. Der Resolierte

Nicht mehr ganz fünf, aber doch immerhin noch vier bis viereinhalb Punkte sind dem Resolierten wichtig: Die vier Sola: Sola Scriptura, Sola Gratia, Sola fide, Solus Christus. Allein die Schrift, allein aus Gnade, allein durch Glauben, allein von Christus. Und wer noch mehr bezeugen will, nimmt den viereinhalbten Punkt auch noch dazu: Soli Deo Gloria, allein zu Gottes Ehre. Der Komponist Johann Sebastian Bach unterschrieb seine Werke mit der Signatur S.D.G., was die Kurzform davon ist.

4. Der Reformandierte

Eine weitere Spezies ist der Reformandierte, dem an der Reformation das Wichtigste ist, dass sie immer weitergehen soll. Egal wie, Hauptsache anders als bisher. Gerne in gutem Einklang mit dem Zeitgeist, sei es als Deutsche Christen vor einigen Jahrzehnten oder als gutbürgerliche Lutherkritiker und Postevangelikale unserer Tage. „Ecclesia semper reformanda“ ist sein Schlagwort: Die Gemeinde sei beständig zu reformieren.

5. Der Reformuzzer

Die letzte Gruppe von Reformierten weiß zumeist sehr wenig über die Reformatoren und die Lehren der Reformation, aber das ist nicht so wichtig. Der Reformuzzer muss nur wissen, dass es etwas gab, wogegen die Reformatoren waren. Da der Reformuzzer sowieso meist gegen alles ist, wird ihm Luther zum Genossen, zum Kampfgefährten und Freund.

Wer sich nicht sicher ist, in welche dieser Schubladen er passt, möge sich ein wenig umhören und eine Umfrage starten. Reformierte von Typ 1 wissen üblicherweise, wo sie hinpassen. Auch ohne Umfrage. Wer die Umfrage braucht und auf die Mehrheit hört, wird wohl am ehesten Typ 4 oder 5 zuzuordnen sein, während Typ 2 und 3 die Umfrage gerne starten, sich am Ende aber nicht unbedingt um das Ergebnis scheren.

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Dieser Blog-Beitrag von Jonas Erne erschien zuerst auf Jonas Erne - Der Blog . Lies hier den Original-Artikel "5 Arten von Reformierten".

About Jonas Erne

Ich bin Ehemann, Vater, Theologe, Gemeindereferent, Vielleser. Auf meinem Blog geht es um Gelesenes, aber auch um die Auseinandersetzung mit Fragen des täglichen Lebens, mit der Kultur und der Bibel. Hin und wieder gibt es auch kreative Texte wie Gedichte, kurze Geschichten und mehr.

9 thoughts on “5 Arten von Reformierten

  1. Das Ganze interessiert doch heute nur gewisse Theologen. Die Masse der Christen setzt sich mit solchen Fragen nicht auseinander und will ohnehin auch von sinnvoller Theologie nichts wissen, sondern sucht eher ein Gefühlschristentum, das dann meist unecht ist, denn Gefühle sind weitgehend nur für Anfänger da und für beinahe vollendete Christen. Die Reformation ist heute weitgehend überholt und erst recht der Calvinismus mit seiner doppelten Vorherbestimmung.
    Beschränktes Sühnwerk, wenn ich das richtig verstanden habe, dann gilt das im Calvinismus nur für die von Gott Erwählten, wogegen lt. Bibel Jesus für alle Menschen gestorben ist und allen Menschen sein Heil anbietet.

  2. @Jonas Erne

    Kein sonderlich konstruktiver Beitrag. Frage mich als Nicht-Reformierter, was es bringen soll, Calvinismus auf Karikaturen zu reduzieren? Damit Leute wie Reichelt und Weber sich über die Reformation und schlussendlich das Evangelium echauffieren?

  3. @ Sosthenes. Wo bitte echauviere ich mich über Evangelium und Reformation. Ist nicht deutlich genug, dass ich mich GERADE für Evangelium und „Ecclesia semper reformanda“ einsetze? – Manchmal muss man sich schon wundern…

  4. @Manfred Reichelt

    Man muss diese Leute, die nicht lesen können und anderen Dinge unterstellen, die sie nie geschrieben haben, nicht ernster nehmen, als sie es verdienen.

    1. @Heinz Weber

      Sie reduzieren die christliche Weltanschauung in ihrer calvinistischen Ausprägung auf die dopp. Präd. und das ist nicht redlich.

      Wo ist die Reformation überholt? In ihrem Anliegen, dass Sünder beständig zum Wort Gottes zurückkehren, um biblische Kirche zu sein?
      Von wem soll sie überholt worden sein? Dem Pietismus? Dem Reformkatholizimus?

      Mich stört immer wieder, wie sehr pietistisch geprägte Freikirchler (unter denen ich meine geistliche Heimat habe) auf biblisch-evangelische Theologie herabblicken und die eigenen Balken gar nicht sehen.

      Was sollen denn beinahe vollendete Christen sein? Die besonders „durchgeheilgten“? Jeder Christ ist gleichermaßen geheiligt, neue Kreatur. Jemand, der ein heiliges Leben führt, erkennt doch immer mehr seine Abhängigkeit von und Verlorenheit ohne Jesus…

      1. Die Reformation ist deswegen weitgehend überholt, weil es in der kath. Kirche hernach ein Konzil gab, das die berechtigten Kritiken Luthers berücksichtigt hat. Luther hat ja auch den freien Willen bestritten.
        Die Diskussion um die Heiligen mit oder ohne Anführungszeichen geschrieben kenne ich nur zu gut. Heilig wird eben unterschiedlich definiert, Die einen sagen, ein gerade Bekehrter sei heilig, andere sagen es brauche bei diesen noch die Heiligung. Beides kann man der Bibel entnehmen und kann es da anwenden, wo es einem gerade in den Kontext reinpasst. Die Bibel sagt an einer Stelle, daß nur Gott heilig ist. An anderer Stelle ist von Vollkommenheit die Rede, die man haben müsse, um Gott eines Tages schauen zu können.
        Ich habe es hier schon einmal geschrieben, daß die Heiligung letztlich auch den Leib umfassen muss. Nur wird das nicht verstanden, obwohl es auch in der Schrift steht, vielleicht nicht ganz so direkt, aber immerhin indirekt. Ich habe auch schon geschrieben, daß man bei Tersteegen einiges davon nachlesen kann, freilich nicht nur bei ihm.

        1. Rom hat Reformen durchgeführt, aber keine Erneuerung (Reformation) im eigentlichen Sinne durchgemacht. Natürlich gibt es massenhaft verzerrte Irrtümer über die RKK (gerade unter Freikirchlern). In Trient wurde ja genau das verworfen, was die Reformatoren moniert hatten. Man denke nur an die darauffolgende Gründung des Jesuitenordens.

          „Heiligungsstress“ ist unter uns Konservativen ein Druckmittel, das vielen Menschen etwas von der Freude am Evangelium raubt. Unter anderem, weil der Mensch und das „siegreiche Christsein“ im Fokus steht. Wir haben scheinbar eine zu verschiedene Lesart um in solchen Fragen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

          Die Anspielung auf Luther verstehe ich nicht?! Soll das schlecht sein? Dass der menschliche Wille nicht frei im allgemein so verstandenen Sinne ist, erläutern Jesus, Paulus, Johannes und der sonstige Rest der Bibel. Gehört ja zu den grundlegenden Erkenntnissen über die menschliche Natur…

          Klinke mich nun an dieser Stelle aus.

          Wünsche Ihnen Gottes reichen Segen
          Sosthenes

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