Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

Meines Erachtens eine faire Gegenüberstellung dieser beiden Strömungen im bibeltreuen Schriftverständnis hat Ligon Duncan in seiner Vorlesung Covenant Theology. Ein gut lesbares Skript dazu findet sich im .pdf-Format und .epub und .mobi Format.  Für Visuelle Typen geht es hier Richtung youtube (youtube-Pro-Tip: es gibt die Möglichkeit automatische Untertitel auf Englisch zu aktivieren).

Im Kapitel „Dispensationalism – A Reformed Evaluation“ führt Duncan eine hilfreiche und präzise Gegenüberstellung der beiden Positionen aus, die ich übersetzt habe und hier veröffentliche, man lese und staune über hermeneutische Unterschiede…

(Eine Anmerkung zu Beginn: Vor allem bei den letzten Punkten  kommen einige Fremdwörter. Diese können irritieren, was völlig verständlich ist. Ich habe gelernt diese zu akzeptieren, als ich anfing dahinter Codewörter zu sehen, um theologisches Verständnisse mit einem Label zu versehen. So kann man größere Zusammenhänge in kurzer Zeit gegenüberstellen. Eine kurze Erklärung der Begriffe findet sich unter dieser Tabelle. Wichtig: Es nützt wenig sich in Details zu verlieren und die klaren Linien zu übersehen)

DISPENSATIONALISTEN: BUNDESTHEOLOGEN:
Hohe Betonung auf „wörtlicher“ Interpretation der Bibel Akzeptiert sowohl die wörtliche wie die bildliche Auslegung der Bibel
Akzeptiert normalerweise nicht die Idee der „Analogie des Glaubens“ Akzeptiert so gut wie immer  die Idee der „Analogie des Glaubens“
„Israel“ meint immer nur die tatsächlichen, physischen Nachkommen Jakobs „Israel“ kann entweder die wörtlichen, physischen Nachkommen Jakobs oder das bildliche geistliche Israel meinen, je nach Kontext
„Israel Gottes“ in Gal 6,16 meint nur das physische Israel „Israel Gottes“ in Gal. 6,16 meint das geistliche Israel, so wie auch Gal. 3.29, Rom 2.28-29. 9.6, Phil. 3.3
Gott hat zwei Völker mit zwei unterschiedlichen Zielen: Israel (irdisch) und die Gemeinde (himmlisch) Gott hatte immer nur ein Volk, die Gemeinde entwickelte sich schrittweise
Die Gemeinde entstand zu Pfingsten Die Gemeinde begann im AT (Apg. 7,38) und erreichte seine Erfüllung im NT
Die Gemeinde wurde nicht im AT vorhergesehen, sondern war ein verstecktes Mysterium bis zum NT Es gibt viele Prophezeiungen des AT über die Neutestamentliche Gemeinde
Alle Prophezeiungen des AT für „Israel“ sind für das physische Israel nicht für die Gemeinde Einige Prophezeiungen des AT sind für das physische Israel andere für das geistliche Israel
Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist das physische Israel Gottes Hauptanliegen in der Geschichte ist zunächst Christus und dann auch die Gemeinde
Die Gemeinde ist ein Einschub in Gottes Programm für alle Zeitalter Die Gemeinde ist der Höhepunkt des Anliegen Gottes für alle Zeitalter
Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Isaak und das physische Israel Der Haupterbe des Bundes mit Abraham war Jesus und das geistliche Israel
Es gab keinen ewigen Bund der Erlösung in der Dreieinhigkeit Der ewige Bund der Erlösung war in der Dreieinigkeit um Erwählung zu bewirken
Es gab keinen Bund der Werke mit Adam im Garten Eden Gott machte einen konditionellen Bund der Werke mit Adam als einem Stellvertreter aller seiner Nachkommen
Es gab  bezüglich Adam keinen Bund der Gnade Gott machte einen Bund der Gnade mit Christus und seinen Leuten, einschließlich Adam
Israel handelte übereilig als es den Bund am Berge Sinai annahm Israel handelte richtig, als es den Bund  am Berge Sinai annahm
Der neue Bund in Jer. 31,31-34 ist nur für das physische Israel und ist nicht der neue Bund in Lk. 22,20 Der neue Bund in Jer. 31 ist der selbe wie in Lk 22. Beide sind gemäß Heb. 8 für das geistliche Israel
Gottes Handlungsweise in der Geschichte ist vor allem durch getrennte Dispensationen geprägt Gottes Handlungsweise in der Geschichte ist vor allem durch zusammenhängende Bündnisse geprägt
Einige Dispensationalisten sagten, dass die Sünder des AT durch Werke gerettet wurden Nie wurde ein Mensch durch Werke selig, sondern allein durch Gnade
Die meisten Dispensationalisten lehren, dass Menschen des AT durch den Glauben gerettet wurden, der nur Bestandteil ihrer Dispensation  war, aber dies schloß nicht den Glauben an den Messias als ihren Sündenträger ein. Alle Menschen die je gerettet wurden, wurden durch den Glauben in Christus als ihren Sündenträger selig, was fortschreitend zu allen Zeiten offenbart wurde.
Der Heilige Geist wohnt nur in den Gläubigen des Zeitalters der Gnade, nicht im AT und nicht nach der Entrückung Der Heilige Geist wohnt(e) in den Gläubigen aller Zeiten, insbesondere  in der aktuellen Zeit des NT, und wird nicht weggenommen werden.
Jesus machte ein Opfer für das physische Israel, da Israel es ablehnte, wurde es verschoben Die Gläubigen des AT glaubten an das Evangelium vom Messias als Sündenträger vor allem durch Opfer als Bilder und Prophezeiungen.
die Gläubigen des AT waren nicht in Christus, noch Teil des Leibes oder der Braut Christi Die Gläubigen aller Zeiten sind in Christus und Teil des Leibes und der Braut Christi
Das Gesetz wurde abgeschaft Das Gesetz hat 3 Nutzen: a) Um die Sünde in der Gesellschaft zu bändigen, b) um zu Christus zu führen, c) um Christen in Gottseligkeit zu unterweisen. (…)
Die Gesetze des AT sind nicht mehr gültig, es sei denn sie werden im NT wiederholt Die Gesetze des AT sind immer noch gültig, es sei den sie werden durch das NT außer Kraft gesetzt
Das Millennium ist das Reich Gottes. Dispensationalisten sind immer Premillenialistisch und üblicherweise pretribulationalistisch Die Gemeinde ist das Reich Gottes. Bundestheologen sind üblicherweise Amillennialisten, gelegentlich Premillennialisten oder Postmillennialisten, sehr selten pretribulationialistisch
Die Tieropfer des AT werden im Millennium wiederhergestellt Die Opfer des AT wurden erfüllt und für immer abgeschafft in Jesus Christus
Das Millennium wird den Bund Abrahams erfüllen. Israel hat eine Zukunft Christus erfüllte den Bund Abrahams. Einige Bundestheologen glauben in eine Zukunft des physischen Israels, die meisten nicht.
David wird im Millinnium auf einem Thron in Jerusalem sitzen Christus sitzt allein am Thron. Die Heiligen herrschen unter ihm.

Die versprochenen Begriffserklärungen:

  • Tribulation bedeutet Trübsal (Trübsalszeit). Geht man von unterschiedlichen Zeitaltern aus, erwartet man entsprechend eine Entrückung vor ( = pre) der Trübsal (Pretribulation)
  • Millennium, auch tausendjähriges Reich ist das Codewort für die beschriebenen tausend jahre in Offb. 20. Geht man davon aus, dass sich die prophetischen Verheißungen nicht in Jesus Christus erfüllt haben, platziert man viele davon im Millennium
  • Post- (= nach) und Pre-(Vor) Millennialismus, beschäftigt sich mit der Perspektive der Wiederkunft Christi, bzw. der Zeit, wann das tausendjährige Reich kommt. Postmillennialisten erwarten die Wiederkunft Christi nach dem tausendjährigen Reich, während Premillennialisten dieses nach der Wiederkunft Christi (oder eher der heimliche Entrückung der Gemeinde) erwarten. In diesem Fall erwartet man eine weitere nicht heimliche Erscheinung Christi zum letzten Gericht
  • der A ( = Ohne)millennialismus sieht die Verheißungen der Propheten in Christus erfüllt. das Tausendjährige Reich spielt in seinem Denken somit keine Rolle wenn er das Alte Testament liest. Man könnte auch sagen, dass er es symbolisch erfüllt im Zeitalter der Gemeinde sieht.

Was denke eigentlich ich? Nun, eine Stellungnahme als Bild:

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Dieser Blog-Beitrag von Sergej Pauli erschien zuerst auf Glauben und Denken . Lies hier den Original-Artikel "Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich".

About Sergej Pauli

Hallo ich bin Sergej Pauli und wohne in Villingen-Schwenningen. Zwar habe ich schon erste Erfahrungen zum Bloggen auf dem Literaturblog „Nimm-Lies“ gesammelt, dennoch bin ich relativ unerfahren darin, mich im Web darzustellen, deswegen bitte ich um Verständnis bei möglichen Fehlern. Für eine andere Sache schlägt mein Herz besonders laut, das ist der Glaube. Ich möchte hier die Schönheit dessen vorstellen, was man Gottseligkeit nennt. Ich bin überzeugt davon, dass ein Mensch Frieden mit seinem Schöpfer finden kann und im Nachsinnen über Gott und sein Wort Frieden und Freude bekommen kann. Allein dieser Segen lohnt sich, sich ausführlicher mit dem Glauben, der Religion und der Theologie auseinanderzusetzen. Darum möchte ich auf dieser Webseite einige meiner eigenen Bibelarbeiten vorstellen, einige Biographien vorstellen und schließlich auch einige christliche Bücher vorstellen. In meiner Gemeinde darf ich als Laienprediger mithelfen. Ich plane hier auch meine Predigten zu veröffentlichen. Teilweise soll das in schriftlicher Form, teilweise aber auch in audioform geschehen. Gelegentlich spiele ich auch Gitarre, gute Lieder möchte ich hier ebenfalls vorstellen.

6 thoughts on “Dispensationalismus und Bundestheologie im Vergleich

  1. Nur gut, dass ich mal wieder keinem Lager angehöre, weder Calvinist noch Lutheraner, weder Bundestheologe noch Dispensationalist.

    Fangen wir mal gleich mit dem ersten Punkt auf der Liste an:
    Interpretiere ich die Geschichte um David, Abigail und Nabal als rein historische Begebenheit, oder entnehme ich ihr, wie Jesus in das Leben eines Menschen kommt (also: wie werde ich zum Christen)? Nach meinem Verständnis wäre ich da Bundestheologe (irgendeinen Sinn muss es ja auch geben, warum uns die Geschichte niedergeschrieben worden ist; David ist m.E. eine Abschattung von Jesus). Gleichzeitig wäre ich auch nicht richtiger Calvinist, auf der einen Seite schon, weil ich ja als Nabal/Abigail (die als Ehepaar eine Verantwortungsgemeinschaft bilden) es nicht in der Hand habe, ob David mich besucht, gleichermaßen aber doch die Abigail aktiv wird, und dann hinterher dem Harem / der Brautgemeinde Christi, hinzugefügt wird.

    „Gott hat zwei Völker mit zwei unterschiedlichen Zielen: Israel (irdisch) und die Gemeinde (himmlisch)“: und nun finde ich mich auf der anderen Seite wieder, bei den Dispensionalisten. Nehme ich mal den Aussatz der Miriam her, so interpretiere ich den als den Vorläufer einer Gemeindezucht, also durch sündhaftes Verhalten vom Volk Gottes getrennt (irdisch), oder durch Sünde von der Gemeinschaft des Volkes für den Himmel getrennt.

    Wenn ich also die Liste durchgehe, finde ich mich mal hier, mal dort.

    Hinsichtlich der Entrückung gibt es neben dem „vor“ oder „nach“ der Trübsal sogar noch eine Auslegung „zur Halbzeit“. Ich werde jetzt nicht streiten wollen, was die richtige Auslegung ist (da habe ich aber durchaus eine Meinung zu), eines ist jedoch klar: ich muß mich vor meinem Tod (oder meiner Entrückung) für Jesus entscheiden. Heilsentscheidend für mich und andere ist von daher nicht die Frage, welchem Lager ich angehöre, und auch wenn das Thema für mmich spannend ist: nicht darin verzetteln, sondern lieber missionieren.

    1. Danke Stephan für deinen guten und wichtigen Kommentar, ich denke, dass man immer eine Theologie entwickelt, zumindest habe ich noch nie einen Menschen getroffen, der es nicht tat, obwohl gerade in meinen Kreisen üblich ist zu sagen: man glaube nur an die Bibel, frägt man dann aber nach, sind die Lagerverteilungen meist aber mehr als eindeutig

      1. Ja, da gibt es deutliche Lager. Ich habe einige recht schlüssig klingende Bücher beider Lager gelesen, die auch anhand von Bibelauslegungen jeweils ihre Position gut dargelegt haben, manchmal auch fließend zwischen beiden Lagern. Ich kann keinen vorwerfen, nicht bibeltreu ausgelegt zu haben oder auslegen zu wollen, oder dass es um das Recht haben geht.
        Hier und da hatte ich Zweifel, ob denn eine für die jeweilige Argumentation wichtige Bibelstelle nicht hätte anders ausgelegt werden müssen, aber ich würde jetzt keinen Streit darüber anfangen. Ich habe Bücher beider Lager mit Gewinn gelesen, denn letztendlich haben sich mir damit einige Dinge in der Bibel erschlossen, die ich vorher nicht wahrgenommen habe.
        Was bei mir hängen geblieben ist: die Bibel weist von Anfang an auf Jesus hin, der Heilsplan Gottes wird ständig weiter entfaltet. Viele (eigentlich) alle Aussagen des AT werden durch das Licht, das uns das NT gibt, erhellt. Auch vermeintlich nebensächliche Begebenheiten im AT weisen oftmals auf Jesus hin, oder erklären uns Gottes Handeln, seine Gerechtigkeit, seinen Willen. Allein die Stiftshütte mit ihrer Ausstattung ist ein einziger großer Jesushinweis.
        Sieht man Israel als Gottes Volk für die Erde und Christen als Gottes Volk für den Himmel, dann gibt es erstaunliche Parallelen. Z.B. die Sünden, für die im AT die Todesstrafe oder auch der Fluch über ganz Israel verhängt worden sind, finde ich nahezu identisch im NT wieder, wenn erklärt wird, wer das Himmelreich nicht sehen wird (umgangssprachlich die Todsünden).
        Dann die Person David: zum König auserkoren, er besiegt den als unbesiegbar geltenden Goliath (also Jesus besiegt Tod und Sünde). 40 Tage lang hat Israel nicht den Mut gefunden, es mit ihm aufzunehmen. 40 Tage lang hat Jesus sich nicht vom Satan in der Wüste überwinden lassen. Wir finden viele Begebenheiten im AT, in denen David und andere die Abschattung des damals noch kommenden Jesus sind. Oder aber Salomo die Abschattung von Jesus nach seiner Wiederkunft ist.

        Lese ich die Sendschreiben in den Offenbarungen, dann finde ich nicht nur die Ansprache an konkrete Gemeinden, sondern auch eine Vorhersage über die Entwicklung der christlichen Gemeinde und ihren Denominationen, sehe hier und da aber auch Ähnlichkeiten zum Werdegang des Volkes Israels: wir haben eine Menge Brückenschläge zwischen AT und NT, sehen aber auch die unwandelbare Gerechtigkeit Gottes.

        Es gibt aber, wie schon gesagt, unterschiedliche Auslegungen, die man mit Gewinn lesen kann, über die ich aber nicht sonderlich streiten würde, außer um dazu zu lernen. Aber diese sind m.E. nicht heilsentscheidend.
        Wie sagt mein Pastor i.R. im Hauskreis so schön: in den Offenbarungen sind Könige erwähnt, die außerhalb vom neuen (himmlischen) Jerusalem wohnen und Geschenke bringen. Ich würde ja gerne jetzt schon wissen, was das bedeutet – aber es ist nur die Neugier, und das Wissen ist für die Errettung nicht notwendig.

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