Iraner

„Können Sie mir sagen, wo es eine christliche Gemeinde gibt? Eine Kirche?“ Mit diesen Worten wurden wir begrüßt. „Ja, da ist eine Gemeinde hier im Ort, die übersetzen die Predigt auf Kopfhörer in ihrer Sprache und nachmittags ist da sogar eine iranische Gemeinde, die sich hier trifft.“
Sie strahlen mich an, als hätte ich ihnen 20 Tage schönes Wetter und einen vorderen Platz bei einem Staatsempfang versprochen. Die Freundlichkeit ist überwältigend und anrührend. Wir geben Ihnen ein „Incil“ (neues Testament) in Farsi, manche küssen die Schrift oder halten sie kurz an ihr Herz, die Iraner reagieren sehr freundlich.
Nicht alle, aber sehr viele, auffällig viele.
Seit 2015 kommen Hunderttausende ins Land, Syrer, Afghanen, Iraker, Somalis, Nigerianer, Eritreer, Albaner, Mazedonier, Tschetschenen, Algerier, Marokkaner, Sudanesen, Türken UND Iraner. Iraner finden zu Jesus Christus.
„Ich bin Muslim“ ist der typische Standardsatz, den wir auf der Flüchtlingsstraße regelmäßig hören, wenn wir ein Lukas- oder Johannes-Evangelium anbieten in der jeweiligen Landessprache. Wir treffen Menschen an, die gerade mal 2-3 Tage im Land sind, manche auch bereits Wochen und Monate. „I am muslim.“ „Das Incil ist auch für Muslims“ erklären wir freundlich und sieben von zehn Muslims nehmen das heilige Buch gerne an, manche auch mit einer gewissen Unsicherheit….

Wer ist der fremde Mann, der mir hier mitten auf der Straße eine Jesus-Schrift anbietet, was will er von mir. Wer sind diese Leute. „Von welcher Kirche seid ihr?“ „Werdet ihr dafür bezahlt?“ „Könnt ihr mir helfen, ich brauche Hilfe in meinem Asylverfahren. Ich habe morgen mein Interview, ich hoffe, dass es gut laufen wird.“

Deutschland ist das Land der Hoffnung geworden für viele aus allen Ländern weltweit. Die Tore stehen offen, die Wege sind bekannt, für alles gibt es einen Anwalt oder eine Beratung oder jemand, der dir einen Tipp gibt, wie es weitergehen kann. Die Verfahren ziehen sich zwar ins Endlose, aber inzwischen bekommst du etwas zu Essen und ein Taschengeld oder vielleicht auch mehr. Schon nach wenigen Monaten verbessert sich die Versorgung für viele, so dass sogar die Gefahr entsteht, Neuankömmlinge daran zu gewöhnen, dass man hier auch ohne Arbeit ganz gut leben kann. Diese Entwicklung läuft auch schon lange bei deutschen Leuten falsch.

Nach den Greueltaten des islamischen Staates hatte ich eigentlich gehofft, dass Muslime, die nach Deutschland kommen, die Schnauze gestrichen voll haben von ihren Imamen, den bärtigen Seelentreibern, die mit dem Koran in der Hand den Tod über jedermann bringen, der ihnen nicht Ergebenheit heuchelt. „I am muslim“ ist jedoch immer noch der Standardsatz. Auf meine Nachfrage nach den muslimischen Übeltätern in Syrien oder anderswo erklären mir die Muslims „das sei die Politik“. Sie verorten das „jeder gegen jeden“ in Syrien als politisches Machtspiel und nicht als den ganz gewöhnlichen Auswuchs ihrer Koranschule.

Jedoch es ist, als ob Gott eine Tür aufgemacht hätte. Und ich rede nicht von offenen Grenzen oder Schiffspassagen, 8000-Euro teuren Einreiserouten über die Türkei, Serbien, Algerien, manchmal mit dem Flugzeug, manche zu Fuß, manche mit dem Bus. Ich rede nicht von den Türen des Erstaufnahmezentrums oder einer Kirche, sondern von einer Tür, die Gott geöffnet hat: Sag mir was du willst, ich hab es monatelang, über ein Jahr beobachtet, nachgefragt, abgewägt, auch die Nachrichten gelesen, dass manche Iraner sich nur deswegen taufen lassen, weil sie sich eine bessere Position im Asylverfahren versprechen – das alles gibt es – es ist eine Sehnsucht bei vielen Iranern nach dem Christentum, nach Informationen (sic!) über den christlichen Glauben, sie wollen eine christliche Kirche besuchen. „Wo gibt es hier eine christliche Kirche?“ Sie nehmen ein neues Testament in ihrer Sprache an, als hätten sie einen 50- Euro-Schein bekommen (Zitat T.H.). Wie gesagt, nicht alle Iraner, aber auffällig viele Iraner zeigen ein starkes oder sehr starkes Interesse an Jesus Christus und seiner Lehre und seiner Kirche und seinen Worten.

Herr Müller käme über die Straße – dein Nachbar: „Ich habe Sie lange nicht gesehen, bei dem Wetter ist man eben mehr drinnen, es ist kalt – sagen Sie mir, wo ist hier eine christliche Kirche, ein Gottesdienst?“ – Undenkbar. Gott kann es tun, aber es ist bei deutschen Menschen derzeit „nicht drin“.

Iranische Frauen, iranische Männer, die den Iran verlassen haben, wollen vielfach auch vom Koran nichts, nichts, nichts mehr wissen. Gar nichts. Sie sehnen sich regelrecht nach den Worten Jesu. Das ist beinahe unglaublich.

Ich war und bin manchmal noch skeptisch. Aber ich nehme es hin. Ich bin nicht gegen eine Bewegung Gottes. Wir kennen es nicht. Es mutet uns schier unglaublich an, dass dich jemand am Arm anfasst und fragt, – „gibt es hier eine Kirche“?

Kein McDonalds. Keine Spielothek, keine Wurstbude, nein, eine Kirche.

Kurz nach dem Krieg müssen die Kirchen im Land hier voll gewesen sein. War es so? Es gab mal einen Wilhelm Busch und einen Gerhard Bergmann, die die Worte Gottes lautstark in Hallen und Zelten verkündigten und die Bude war brechend voll. Es flossen Tränen, ja es gab Entscheidungen, Gnade.

Kurze Zeit später ist das Feld leer, Sand weht über die Düne, die Düne wandert, ein Schlangenloch, eine Kaktee, war da mal was? Wind bläst, verweht Sand wie er will. Wo ER will. Gott will.

Iraner – sollten iranische Familien, Männer oder Frauen in deiner Nachbarschaft neu zugezogen sein, riskiere doch mal, Ihnen ein Incil-Teil in „farsi“ anzubieten – mail mich an (rolf.oetinger at googlemail.com), ich schick dir ein paar Stück zu. Es ist so etwas wie der Zeitpunkt Gottes, den Theologen „kairos“ nennen, der Zeitpunkt, wenn
Gott auf seine Uhr schaut und sagt „jetzt“!
Es hat etwas, was einen wie mich zum Staunen bringt, ich fasse es irgendwie nicht, freu´ mich und hoffe auf Nachhaltigkeit. Es gibt so viele Gründe und Argumente, warum etwas so abläuft und nicht anders, dass die Iraner ihre Religions- und Sittenwächter so satt haben. Aber erklären kann ich es nicht anders als so:
Gott sei die Ehre, dass Menschen diese geöffnete Tür wahrnehmen und zum Leben hinein marschieren. Sie gehen seitlich vorbei an vielen Deutschen. Es ist so.

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Dieser Blog-Beitrag von Rolf Oetinger erschien zuerst auf jesus-blog.de . Lies hier den Original-Artikel "Iraner".

About Rolf Oetinger

Knapp unter 60 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder. Emigrierter Schwabe, der eine Hessin geheiratet hat und hauptsächlich im Bereich Haushaltsauflösungen inklusive Verwertung als Selbständiger arbeitet. Christ seit 1986, was für alle Beteiligten das deutlich Bessere ist.

4 thoughts on “Iraner

  1. Hi Rolf! Danke, dass du deine Erfahrungen mit der Flüchtlingswelle teilst, ich denke du gehst damit richtig um, ich glaube auch, dass Gott diese Welle nützt um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen! Leider habe ich persönlich noch keinen Zugang zu Flüchtlingen gefunden

  2. Lieber Rolf…….schön!

    Wieviele solcher Iraner in Deutschland hast du schon getroffen?

    Kann man sagen, wieviele das sind oder werden?

    Grüßle

  3. @Jazzico
    Vielleicht hundert oder mehr Iraner, sehr viele sehr positiv – nicht alle. In meiner Nachbarstadt gibt es 3 iranische Gemeinden mit ca 100, 30 und 20 Leuten z. Teil fluktuierend auch wegen Umzügen etc.
    Ich bin bei und mit solchen Berichten sehr vorsichtig. Aber diese Bewegung unter iranischen Leuten ist wirklich auffällig. Du findest auch anderswo Berichte.
    Natürlich kannst du keinem Menschen ins Innerste schauen, deswegen – und wegen der Asylantragsstellungsproblematik – bin ich da etwas zögerlich – aber es lässt sich einfach nicht leugnen und ist ein Segen Gottes.
    Es gibt also auch hier in -Deutschland Menschen, die Christen werden.!

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