Aktualisierung des Worthaus-Artikels

Als am 3.10.2017 der AiGG-Artikel „Worthaus – Universitätstheologie für Evangelikale?“ online ging, konnte ich nicht ahnen, welche Folgen das haben würde. Bis heute überwältigt mich die Resonanz durch Klickzahlen, Nachdrucke in verschiedenen Publikationen und teils bewegende persönliche Zuschriften. Natürlich waren auch kritische Rückmeldungen darunter. Da die Worthaus-Mediathek sich zudem ständig weiter entwickelt wurde es höchste Zeit, den Artikel zu überarbeiten und zu aktualisieren. Dabei wurden auch ein paar Fehler ausgemerzt. In der ursprünglichen Version hieß es zum Beispiel im Abschnitt „Worthaus geht ans Eingemachte“: „Der Tod sei keine Folge der Sünde sondern Teil von Gottes Schöpfung.“ Das wurde den Aussagen in Siegfried Zimmers Vortrag „Ist der Mensch unsterblich erschaffen worden?“ nicht gerecht. Richtig muss es heißen: „Der Tod sei nicht nur eine Folge der Sünde sondern Teil von Gottes guter Schöpfung.“

Oft wurde dem Artikel entgegengehalten, er würde eine einheitliche „Worthaus-Theologie“ unterstellen. Dabei war schon in der alten Version vermerkt worden: „Worthaus ist kein einheitlicher Block mit einheitlicher Theologie.“ Einzelne Worthaus-Vorträge sind nicht repräsentativ für die Meinung aller Worthaus-Sprecher. Die neue Version versucht noch stärker, Anlässe für Missverständnisse bei dieser Frage zu vermeiden.

Ich hoffe und wünsche mir, dass die Diskussion um Worthaus weitergeht. Wichtig ist mir dabei aber, dass um die Sache und Inhalte diskutiert wird, nicht um Menschen und ihre Haltung. Der Fokus auf die Sachthemen war schon immer die Absicht dieses Artikels. Er war auch bei der Überarbeitung ein wichtiger Leitgedanke. Es steht niemandem zu, anderen Christen dunkle Motive zu unterstellen. Aber eine inhaltliche Debatte um das richtige Verständnis der Bibel brauchen wir dringend. Ich hoffe, dass diese Debatte weiter zunimmt und dass dieser Artikel auch zukünftig ein wertvoller Beitrag dafür sein kann.

 

Worthaus – Universitätstheologie für Evangelikale?

Dieser Blog-Beitrag von Markus Till erschien zuerst auf aufatmen in Gottes Gegenwart . Lies hier den Original-Artikel "Aktualisierung des Worthaus-Artikels".

Über Dr. Markus Till

Evangelisch landeskirchlicher Autor, Blogger und Lobpreismusiker mit pietistischen Wurzeln und charismatischer Prägung

7 thoughts on “Aktualisierung des Worthaus-Artikels

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Markus Till, die eigenen Thesen, falls erforderlich, zu verändern, ist eine Noble Eigenschaft.
    Allerdings ist es bedenklich dass, sie ihre Meinung (trotz Angebot) nicht öffentlich und im Dialog mit ihren Gegnern verteidigen.

    Eine prinzipielle Abneigung gegen Podcasts wie zb Hossa-Talk besteht anscheinend nicht. Doch das Angebot zum Diskurs von Seiten Siegfried Zimmers lehnten sie trotzdem ab.

    Die Frage ist: Wieso?
    Vertreten Sie ihre Thesen wirklich oder wollen sie sich nur als „Bekämpfer der liberalen Theologie“ in ihren eigenen Kreisen profilieren.

    Mit freundlichen Grüßen

    Max

    1. Lieber Max, im Hossa Talk erwähnt es Jay Friedrichs selbst: Ich hatte in Wahrheit den öffentlichen Diskurs gar nicht abgelehnt sondern vorher um ein persönliches Gespräch gebeten, bevor wir öffentlich sprechen. Diese Info hatte Jay leider nicht an Siegfried Zimmer weiter gegeben. Siegfried Zimmer hat mir persönlich gesagt, dass er von meinem Angebot leider erst live im Hossa Talk erfahren hatte. Ich denke, ich habe ansonsten nicht nur im Hossa Talk gezeigt, dass ich mich dem Dialog sehr gerne stelle, wo jemand bereit ist, respektvoll um die Sache zu ringen, z.B. hier in idea Spektrum: https://www.bibelundbekenntnis.de/wp-content/uploads/2018/07/idea_Streitgespr%C3%A4ch-Dietz-Till.pdf
      Herzliche Grüße,
      Markus Till

      1. Sehr geehrter Herr Dr. Markus Till,

        haben Sie Herrn Prof. Dr. Siegfried Zimmer inzwischen von sich aus ein Gesprächstangebot gemacht?

        Würde viele erfreuen.

        Herzliche Grüße

  2. Die Spaltung

    Die Diskussion führte bisher eher wie nebenbei in einer
    weiten Schlaufe zu unterschiedlichen Grundfragen im Verständnis
    verschiedener christlicher „Kirchen“ im Verhältnis von Juden zu
    Christen. Ich vereinfache nun insofern, daß es Unterschiede
    zwischen der EKD und Evangelikalen gibt. (In sich gibt es jeweils
    ebenso ein gefächertes Meinungs- und Argumentatiosspektrum)

    Nachvollziehbar gilt in einem konservativ-evangelikalen Portal
    auch eine entsprechende Theologie heute noch als gesetzt und in
    gewisser Weise unumstößlich. Deshalb wirken die letztlich
    auslegenden Artikel in diesem Portal auch oft
    sehr statisch und als allein maßgebend.

    Dazu Erläuterungen zum Judentum:

    Im orthodoxen und umso exklusiver im ultraorthodoxen Judentum
    gilt die Torah Buchstabe für Buchstabe als unumstößlich, aber
    nur die Torah.

    Nach diesen 5 Büchern Mose kommt im Tanach der Rest der jüdischen
    Bibel. Diese folgenden Bücher entstanden oder lösten konträre
    Diskussionen auf der Basis der Torah in den sogenannten
    Judenschulen aus.

    Der Tanach ist auch teilweise „nur“ ein Auslegungsbuch der Torah
    und gilt nicht als wortwörtlich von Gott gegeben. In diesem
    Torah-Bereich entstanden durch auslegende Diskussionen 613
    Gesetze. Die Juden sagen „Weisungen“ dazu. Sie sind sozusagen
    „interpretierte ausführende Bestimmungen“ zu den 10 Geboten.

    Ich erinnere eine Sache/Torahstelle, leider nicht mehr
    inhaltlich, zu der es sage und schreibe, abhängig von
    verschiedensten Situationsaspekten, 70, in Worten siebzig
    variierende Interpretationen, zu EINEM Text in der Torah also 70
    Auslegungen zu dieser einen Torahstelle durch Rabbis gibt.

    Dies ist genau das Gegenteil zur Chicagoerklärung, die aber von
    Evangelikalen auch auf das gesamte AT angewendet wird.

    Entscheidend ist für mich folgendes:
    Wenn selbst innerhalb der Bibel ein Großteil der Texte durch
    „menschliches“ verstandesmäßiges Arbeiten entstanden ist, dann
    sollte heute keine christliche Denomination auf einem eigenen
    exklusiven Bibelverständnis beharren, sondern den Dialog mit
    anderen christlichen Denominationen suchen und kontinuierlich
    praktizieren. Dann ist sozusagen ein inter-denominationaler
    Dialog unerlässlich. Es ist ein „gut-liberaler“ Dialog nach dem
    Vorbild im und zum AT.

    Die Entwicklung hier zeigt, daß es auch hier möglich ist.
    Im Judentum herrscht weitgehend eine „liberale“ Haltung
    untereinander und über die Inhalte der Torah wird bei Gegensätzen
    gemeinschaftlich und brüderlich nicht gegeneinander sondern
    miteinander gerungen.

    Solch einen offenen Dialog wünsche ich mir für alle christlichen
    Kirchen bei allen Unterschieden, um sich dadurch näher zu kommen.

    Herr Dr. Markus Till, erwiedern Sie ihre Einladung zu Hossatalk mit einer Einladung an Herrn Prof. Dr. Sigfried Zimmer.

    Ich verbleibe in fröhlicher Hoffnung
    Tom Jacob, Privatgelehrter

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