Ruhe und Freude in jeder Situation – es ist möglich

Dieser Blog-Beitrag von Thomas Richter erschien zuerst auf Für den König . Lies hier den Original-Artikel "Ruhe und Freude in jeder Situation – es ist möglich".

Seit ein paar Tagen geht mir folgender Satz von Oswald Chambers nicht mehr aus dem Kopf:

Mir ist egal, was Gott tut. Für mich zählt nur, wer Gott ist.

Gehört habe ich diesen Satz zum ersten Mal am Montag (30. März 2020), als ich versuchte einzuschlafen. Vor ein paar Wochen habe ich mir nämlich das Hörbuch „Männer des Glaubens“ gekauft und zum Einschlafen höre ich mir gerne diese inspirierenden Geschichten an. CD 2 befasst sich mit dem Leben des britischen Predigers Oswald Chambers, welcher vor allem durch das, nach seinem Tode veröffentlichte, Werk „Mein Äußerstes für sein Höchstes“ bekannt wurde. Eine Sammlung seiner Andachten. Ich selbst habe dieses Andachtsbuch schon des Öfteren gelesen und wurde dabei sehr herausgefordert. Vor allem kann ich mich daran erinnern, dass ich bei vielen Sätzen auf den ersten Blick nicht zustimmen konnte bzw. sie mir ein Anstoß waren. Chambers schreibt sehr klar und radikal. Womöglich ist dir das obige Zitat auch ein Anstoß? Nun, ich könnte es nachvollziehen, denn beim ersten Hören war ich tief bewegt und aufgewühlt zugleich. Kann mir etwas, was Gott betrifft, egal sein? Oswald Chambers‘ Frau bringt in dem Hörspiel das auf den Punkt, was wahrscheinlich die meisten denken, wenn sie den Satz zum ersten Mal hören: „Du hast recht Oswald, wie immer. Deine Bemerkung wirkt sehr oberflächlich, aber das ist sie ganz und gar nicht. Nicht die Situation in der wir stehen soll uns beeinflussen, sondern Gott selbst.“ 

Den Schatz entdecken

Lasst uns das Zitat mal näher anschauen. Denn je länger man darüber nachsinnt, desto größer ist der Schatz, welcher sich hinter diesen Worten verbirgt. „Egal“ klingt zunächst erst einmal nicht angemessen, wenn wir über die Sache Gottes reden. Ich glaube auch nicht, dass es Oswald Chambers bei dieser Aussage darum ging, überhaupt nicht nach Gottes Wegen zu fragen, aber manchmal braucht es radikale Aussagen um wichtige geistliche Wahrheiten hervorzuheben. Chambers betont mit dem „nur“, auf was er hinaus will und worin der Schatz in dieser Aussage verborgen liegt. Wer von uns kennt das nicht, etwas bricht in unserem Leben über uns hinein und unser ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt. Aktuell erleben wir dies ja alle ganz deutlich durch die Coronakrise. Dieses Ereignis, sei es ein Unfall, eine Krankheit oder eine andere erschreckende Nachricht wirft uns aus der Bahn. Uns kommen sofort Fragen in den Kopf, wie: Warum Gott? Wie soll es nun weitergehen?“ Und ich weiß nicht wie es dir geht, aber sehr häufig bleiben die konkreten Antworten auf diese Fragen aus. Wir stellen Mutmaßungen an, wobei womöglich eine dieser richtig sein könnte. Wir haben das Wort Gottes, wodurch wir viele Antworten auf unsere Fragen erhalten und dennoch können wir in vielen Situationen nicht zu 100% sagen, warum dieses oder jenes geschehen ist und wie es weitergehen soll. Gottes Gedanken übersteigen unsere und wir können sie häufig (zunächst einmal) nicht nachvollziehen:

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55,8-9)

Und genau in diese Situation spricht nun dieses Zitat von Oswald Chambers hinein. Wenn ich weiß wer mein Gott ist, dann kann ich in jeder Situation meines Lebens dankbar sein und Freude haben, ohne die jeweilige Situation zu negieren und alle Antworten parat zu haben. Deshalb konnte Paulus auch schreiben:

Freut euch allezeit! Betet ohne Unterlaß! Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. (1. Thessalonicher 5,16–18)

Paulus war eine Person, welche durch sehr viel Leid gegangen ist (vgl. 2Kor 11,21-29), weshalb seine Worte keine leeren Floskeln sind. Er konnte inmitten der schweren Situationen seines Lebens dankbar sein und Freude empfinden. Warum konnte Paulus solche Aussagen treffen, die unsere menschliche Vernunft übersteigen? Weil er wusste, wer und wie sein Gott ist. Weil Gott im Zentrum seines Lebens stand. Er drehte sich nicht um sich selbst und hinterfragte alles, sondern er drehte sich um seinen Gott und fand Ruhe in Ihm, mitten in den Umständen. Wenn Paulus nur auf seine Umstände geschaut und auf Antworten gewartet hätte, wäre er mit Sicherheit in Verdammnis und Depressionen versunken. Sogenannte „Wohlstandevangelisten“ verkündigen heutzutage die Botschaft: „Wenn es dir gut geht, dann bist du von Gott gesegnet.“ – Welch eine gefährliche Irrlehre! John Piper hat einmal gesagt:

If God’s love for his children is to be measured by our health, wealth, and comfort in this life, God hated the apostle Paul.

(dt. Übersetzung: Wenn Gottes Liebe für seine Kinder an unserer Gesundheit, unserem Reichtum und Komfort gemessen wird, dann hat Gott den Apostel Paulus gehasst.

Paulus fühlte sich trotz all der Leiden, welche er erlebte, nicht von Gott gehasst, sondern geliebt. Warum? Weil er seinen Gott und sein Wesen kannte. Er wusste, das ihn nichts von der Liebe Gottes trennen konnte (vgl. Röm 8,38f). Er wusste, dass sein Gott treu, allmächtig, souverän, allwissend, gerecht, voller Liebe, Barmherzigkeit und Güte ist. Dieses Wissen um Gottes Charakter ließ ihn und auch Oswald Chambers in den schwierigen Situationen seines Lebens frohlocken. C.H. Spurgeon sagte einst:

The character of God is the refuge of the Christian.

(dt. Übersetzung: Der Charakter Gottes ist der Zufluchtsort des Christen.)

Und an einer anderen Stelle schreibt er:

The sovereignty of God is the pillow upon which you lay your head.

(dt. Übersetzung: Die Souveränität Gottes ist das Kissen, auf welches du deinen Kopf legst.)

Ich möchte dich ermutigen, lieber Leser, finde deine Ruhe, Freude und Zuversicht in Gott und nicht in deinen Umständen bzw. im Wissen um deine Zukunft. Beschäftige dich mit dem Charakter Gottes. Ein Bibelvers begleitet mich nun schon viele Monate:

Nach diesen Begebenheiten erging das Wort des Herrn an Abram in einer Offenbarung: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! (Genesis 15,1)

Dies sagt Gott zu Abraham bevor er mit ihm einen Bund schließt und seine Verheißungen kundtut, denn darum geht es. Gott ist mein Lohn und Gott möchte auch dein Lohn sein. In Ihm finden wir alles was wir brauchen, in jeder Situation unseres Lebens. Asaph drückt es wie folgt aus:

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. (Psalm 73,25)

Und auch Jesus Christus hält uns vor Augen, dass die Erkenntnis Gottes ewiges Leben ist:

Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. (Johannes 17,3,)

Es lohnt sich, Gott zu betrachten und sich an Ihm zu erfreuen. Alles was Er tut, speist sich aus seinem Wesen. Deshalb konnte Oswald Chambers auch diese Worte sagen. Es geht mir übrigens bei all dem nicht darum, dass wir gar nicht nach dem „Warum?“ und „Wie?“ fragen dürfen, oder wenn wir krank sind, leiden usw. nicht für Heilung oder Besserung der Umstände beten sollen. Die Bibel fordert uns auf für Kranke zu beten. Die Bibel fordert uns auf, all unsere Sorgen, Nöte und Ängste zu Gott zu bringen. Du sollst ehrlich vor Gott sein und Ihn anflehen, aber das Wichtigste dabei ist, dass du in Ihm und seinem Charakter ruhst und Freude findest, egal was Er tut. Das verherrlicht Ihn!

Ein persönliches Wort

Zum Schluss noch ein persönliches Wort. Meine Frau und ich erleben das, was ich soeben geschrieben habe, sehr persönlich in unserem Leben. Wir versuchen nun schon seit fast 3 Jahren Kinder zu bekommen, doch leider blieb es uns bislang verwehrt. Gott kennt unsere Herzen und unseren Wunsch. Wir bitten Ihn täglich, dass er uns Kinder schenken möge. Und ja, man erlebt den einen oder anderen Tag, wo man sehr traurig über diese Tatsache ist. Wir halten unsere Herzen Gott hin, mit unserer Trauer, mit unseren Fragen, ob wir irgendetwas tun können. Sind da womöglich noch verborgene Sünden? Soll erst noch dieses oder jenes geschehen, bevor die Zeit reif ist? Aber wie ihr seht, kommen wir auch hier an den Punkt, welchen ich zu Beginn beschrieben habe: Es gibt viele Mutmaßungen, aber (noch) keine klare Antwort. Was uns aber in all dem tröstet und uns Freude mitten in dieser Situation gibt – ja, im Christenleben kann man sich zugleich freuen als auch traurig sein -, ist das Wissen um unseren wunderbaren Gott und das er gut ist und genau weiß was er tut. Das er uns liebt und wir mit und in Ihm alles haben, was wir brauchen. Das lässt uns aus einer inneren Gelassenheit heraus für diese Situation beten. Denn wir, als Kinder Gottes, haben die Verheißung:

Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. (Römer 8,28)

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Dieser Blog-Beitrag von Thomas Richter erschien zuerst auf Für den König . Lies hier den Original-Artikel "Ruhe und Freude in jeder Situation – es ist möglich".

Über Thomas Richter

Ich bin 30 Jahre alt und glücklich mit Jana verheiratet. Ich bin Theologe, bin fasziniert und überführt von dem Wort Gottes und ich liebe es Lobpreis zu machen. Ich leite, gemeinsam mit einem Bruder im Herrn, die Netzwerkgemeinde in Dresden.

4 thoughts on “Ruhe und Freude in jeder Situation – es ist möglich

  1. Ein nicht erfüllter Kinderwunsch hat nichts mit verborgenen Sünden zu tun – so ist zumindest mein Bibelverständnis. Vielleicht eine Prüfung (siehe Abraham, der über lange Jahre von Gott „geformt“ wurde).
    Schlichtweg meine ich: Gott hat (derzeit ?) andere Pläne und Aufgaben für Euch.

    1. Lieber Stephan!
      Vielen Dank für deine Gedanken. Nun, wenn ich ehrlich bin, ich glaube das auch nicht, dass es an Sünden liegt. Es sind Beispielfragen, weil ich Christen kenne, bei denen diese Frage immer wieder aufkommt. Und bei mir ist und kommt sie auch immer wieder auf, aber ich betrachte das als etwas positives, da ich so mein Herz vor Gott bewege.
      Danke auch für deine anderen Worte. Möglich ist das definitiv, aber am Ende läuft es ja darauf hinaus, was ich im Blogartikel angesprochen habe: es sind Mutmaßungen. Gottes Charakter kenne ich jedoch – dank der Heiligen Schrift – genau (bzw. bin dabei ihn mehr und mehr kennenzulernen ;-)). Das ist es, was mir Frieden gibt.

      Liebe Grüße, Thomas

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