Debattenstarter: Stolz und Vorurteil? Wie wissenschaftlich ist die Bibelwissenschaft?



 

Dieser Artikel von Dr. Markus Till kann hier auch als PDF heruntergeladen werden.

Was war der größte Fehler Ihres Lebens?“ fragte der Journalist. Der alte Kunstkritiker lachte. „Als ich einmal unser Kind im Kindergarten abholte baten mich die Betreuerinnen, einen Blick auf die gesammelten Kunstwerke des Kindergartens zu werfen. Leider fiel mir nicht auf, dass zwischen den Kinderbildern ein abstraktes Werk eines bekannten Künstlers hing. Das brachte mir noch für lange Zeit ein spöttisches Grinsen ein – und lehrte mich viel darüber, wie leicht man durch Vorurteile etwas Wunderbares übersehen kann.“

In den vergangenen 150 Jahren ist etwas Dramatisches passiert: Die Theologie hat den Blick für das Wunder der Bibel verloren! Das offenbarte, autoritative, normative Wort Gottes ist menschlich geworden. Fehlerhaft. Widersprüchlich. Unhistorisch. Tendenziös. Nicht mehr vertrauenswürdig. Müssen wir das als aufgeklärte und rationale Menschen in Kauf nehmen, weil die wissenschaftliche Untersuchung der Bibel schlicht keine anderen Schlussfolgerungen zulässt? Oder könnte es sein, dass sich in der Theologie genau das gleiche Drama vollzieht wie in der kleinen einleitenden Episode unseres Kunstkritikers? Könnte es sein, dass auch in der modernen Bibelwissenschaft Vorurteile den Blick für das Wunder verstellen?

Auf Seite 3 des weit verbreiteten theologischen Grundlagenwerks „Arbeitsbuch zum Neuen Testament“ von Conzelmann & Lindemann[1] (im Folgenden als C&L bezeichnet) finden wir dazu einen interessanten Hinweis: „Die biblischen Texte werden methodisch nicht anders behandelt als andere literarische Zeugnisse, insbesondere solche der Antike.“ [2]

Der gleiche Blick auf die Bibel wie auf alle anderen Bücher? Wird man damit der Bibel gerecht? Oder kommt diese Theologie womöglich zu völlig falschen Schlussfolgerungen, weil sie die Bibel unter völlig falschen Voraussetzungen betrachtet? Bevor wir dieser Frage nachgehen muss ich als begeisterter Naturwissenschaftler zuerst einmal ein kleines Loblied auf die (Natur-) Wissenschaft singen:

Vom Erfolg des Ursache-Wirkungs-Prinzips

Der gewaltige Erfolg der Naturwissenschaften basiert hauptsächlich auf dem Vertrauen in das Ursache-Wirkungs-Prinzip, also der Annahme, dass alles, was geschieht, eine natürliche Ursache hat. Auf dieser Basis ging man z.B. davon aus, dass hinter dem Gewitterdonner keine launischen zornigen Götter stecken sondern physikalische Gesetze, die nach dem immer gleichen Schema ablaufen und die man gründlich erforschen und verstehen kann. Es waren nicht zuletzt Christen wie Isaac Newton, die sagten: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, dann hat er ihr feste Gesetzmäßigkeiten gegeben, die wir mit Hilfe von Beobachtung und Experiment herausfinden können. Was für eine gute Entscheidung! Denn auf dieser Basis hat die Naturwissenschaft eine phantastische Erfolgsgeschichte geschrieben. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip hat sich als eine phantastische Grundlage für die Erforschung der heutigen Welt erwiesen. Wir können dankbar sein für die rasante Entwicklung von Forschung und Technik, die auf dieser Basis gelungen ist.

Vom Segen der Bibelwissenschaft

Dankbar bin ich auch für die akribische Arbeit vieler Bibelwissenschaftler. Die möglichst genaue Rekonstruktion des biblischen Urtextes, die Erforschung des historischen und kulturellen Umfelds der biblischen Texte, die Ermittlung der genauen Wortbedeutungen und Textgattungen sowie die intensive Übersetzungsarbeit helfen uns, die sprachliche, zeitliche und kulturelle Kluft zwischen uns und den biblischen Texten zu überbrücken und so die ursprüngliche Aussageabsicht der biblischen Autoren immer besser verstehen zu können. Was für eine wichtige und wertvolle Arbeit!

Von der Notwendigkeit des wissenschaftlichen Zweifels

Zur Wissenschaft gehört immer auch der wissenschaftliche Zweifel: Haben wir das bislang richtig gesehen? Wurden alle Fakten und Erkenntnisse berücksichtigt? Oder müssen wir etwas neu überdenken? Wissenschaft muss nach Möglichkeit vorurteilsfrei arbeiten. Sie soll sich an den Fakten orientieren und eigene, außerwissenschaftliche Denkvoraussetzungen nicht absolut setzen. Das muss auch in der Bibelwissenschaft gelten: Fakten, die dem bisherigen Verständnis von biblischen Aussagen widersprechen (also z.B. Ausgrabungsergebnisse, inner- und außerbiblische Quellen) dürfen für Bibelwissenschaftler kein Grund sein, Scheuklappen aufzusetzen.

Andererseits wird jeder gute Bibelwissenschaftler die Aussagekraft solcher Fakten auch kritisch bewerten. Schließlich ist historische Wissenschaft nicht mit exakter Naturwissenschaft vergleichbar. Sie untersucht nicht die gesetzmäßig ablaufenden Dinge, wie das die Naturwissenschaften tun, sondern sie versucht, unwiederholbare Ereignisse der Vergangenheit zu rekonstruieren. Sie interpretiert dafür relevante Indizien, kann die wesentlichen Fragen aber nicht experimentell untersuchen. Die empirische Methode der Naturwissenschaften ist in den historischen Wissenschaften also nur untergeordnet anwendbar. Die Rekonstruktion vergangener Geschichte und Kulturen bleibt daher immer ein Stück weit vorläufig und mehr oder weniger unsicher. Sie hängt u.a. auch davon ab, welchen der (oft lückenhaften und widersprüchlichen) Quellen man mehr oder weniger Vertrauen schenkt.

Von der Fragwürdigkeit außer­wissenschaftlicher Vorurteile

Spätestens wenn Prägungen, Erwartungen und außerwissenschaftliche Vorurteile (in der Wissenschaft „Prämissen“ genannt) die Interpretation, Bewertung und Gewichtung von Quellen beeinflussen, verlassen wir den Boden der vorurteilsfreien Wissenschaft. Das ist an sich nicht weiter schlimm, solange man sich offen und ehrlich dazu bekennt. Irreführend und tendenziös ist es aber, wenn sich solche außerwissenschaftliche Vorentscheidungen unter dem Deckmantel einer scheinbar objektiven Wissenschaft verstecken und andere Ansätze als unwissenschaftlich aus dem Rennen werfen, bevor sie überhaupt geprüft wurden.

Als Naturwissenschaftler fällt mir auf: Genau das geschieht offenbar leider in Teilen der modernen Bibelwissenschaft. Vor allem auf die folgenden drei folgenschweren Vorurteile bin ich gestoßen:

1. Vorurteil: Es kann keine Wunder geben

In der Biologie hat es in Bezug auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip eine schwerwiegende Grenzüberschreitung gegeben: Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es nicht mehr nur auf die gegenwärtige Schöpfung angewandt, sondern auch auf die Ursprungsfrage ausgedehnt. Seither wurde (und wird bis heute) nicht nur bei der Frage „Wie funktioniert das?“ sondern auch bei der Frage „Woher kommt das?“ die Möglichkeit einer (Mit-)Wirkung einer übernatürlichen, höheren Intelligenz und Schöpferkraft nicht ergebnisoffen geprüft sondern von vornherein („a priori“) grundsätzlich ausgeschlossen.

Anders als bei der Erforschung der gegenwärtigen Welt hat dieser Ausschluss schöpferischer Eingriffe bei der Ursprungsfrage aber keine Erfolgsgeschichte nach sich gezogen, im Gegenteil: 150 Jahre nach Darwin sind noch immer zentrale und grundlegende Fragen zur Entstehung der Vielfalt der Baupläne der Lebewesen vollkommen ungeklärt. Bis heute kann kein Mensch beantworten, wie komplexe Systeme, Information, Schönheit und Bewusstsein ohne eine steuernde Intelligenz entstehen kann[3]. Der Glaube an ein allumfassendes Ursache-Wirkungs-Prinzip (Determinismus bzw. Naturalismus), der in der Blütezeit der Aufklärung die akademische Welt dominiert hat[4], ist als umfassendes, ausnahmslos geltendes Welterklärungsmodell krachend gescheitert. Er ist zudem philosophisch letztlich unhaltbar, wie z.B. Prof. Daniel von Wachter dargelegt hat.[5]

Diese Erkenntnis scheint jedoch in Teilen der Theologie bis heute nicht vollständig angekommen zu sein. Unter dem Eindruck der naturwissenschaftlichen Erfolgsgeschichte hatten prägende Theologen[6] noch im 20. Jahrhundert versucht, auch in der Theologie gänzlich ohne Wunder auszukommen. So schreibt z.B. Rudolf Bultmann:

„Der Gedanke des Wunders als Mirakels ist für uns heute unmöglich geworden, weil wir das Naturgeschehen als gesetzmäßiges Geschehen verstehen.“ [7]  „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.“ [8]

Auch bei Troeltsch, Schleiermacher und anderen einflussreichen Theologen lassen sich vergleichbare Zitate finden.[9] So wird verständlich, warum in der liberalen Theologie des 19. Jahrhunderts der Glaube an eine leibliche Dimension der Auferstehung Jesu weitgehend durch die Annahme ersetzt wurde, die Jünger hätten nur Visionen gehabt. Die treibende Kraft für diesen Umschwung waren nicht etwa irgendwelche neuen Forschungsergebnisse. Der Ausschluss von Wundern war vielmehr eine philosophische Entscheidung. Er wurde grundsätzlich vorausgesetzt, weil „man es einfach nicht glauben kann“, wie Bultmann ganz offen formuliert.

Seit Bultmann hat sich die universitäre Theologie weiter entwickelt. So scharf wie er würden heute wohl nur noch wenige Theologen den Ausschluss von Wundern formulieren. Eine grundsätzliche Wunderskepsis ist jedoch ganz offensichtlich geblieben. Das wird bei der Auferstehung Jesu, also dem zentralen Heilsereignis der Christenheit, besonders deutlich. So formulieren C&L zur Frage der Auferstehung: „Die immer wieder diskutierte Frage, ob die Auferstehung Jesu ein „historisches Ereignis“ sei, ist von vornherein abzuweisen.“[10] Eine sachliche Begründung für diese These wird nicht geliefert. Noch deutlich schärfer formuliert Prof. Stefan Schreiber in seinem „Worthaus“-Vortrag über den „historischen Jesus“ [11]. Die Vorstellung, dass Jesus nach der Auferstehung leiblich „über die Erde spaziert sei“ entspricht für ihn einem überreizten Gespensterglauben, bei dem er dringend einen Arztbesuch oder wenigstens ausgiebiges Ausschlafen empfiehlt.[12] Das „Sehen“ des Auferstandenen durch die Jünger setzt er mit dem „Sehen“ der alttestamentlichen Propheten gleich, obwohl sich die Berichte des Neuen Testaments über Begegnungen mit dem Auferstandenen grundlegend von prophetischen Visionen unterscheiden.

All das wirkt seltsam auf mich. Denn natürlich kann man sehr wohl mit (geschichts-)wissenschaftlichen Mitteln die verschiedenen Erklärungsmodelle für die Entstehung des Osterglaubens durchspielen, ihre Erklärungskraft bewerten und damit eine Aussage darüber treffen, welches Modell welche Wahrscheinlichkeit besitzt. Wenn man das ergebnisoffen tut, ist das Ergebnis aus meiner Sicht sehr eindeutig: Die Fakten sprechen klar dafür, dass die Auferstehung eine leibliche Dimension gehabt haben muss![13] Das ist für mich bislang die einzige schlüssige Erklärung, die zu den zahlreichen und vielfältigen historischen Fakten passt. Aber diese Debatte wird bei C&L leider überhaupt nicht geführt. Die Möglichkeit von Wundern wird hier aus philosophischen (nicht aus wissenschaftlichen!) Gründen von vornherein grundsätzlich ausgeschlossen.

2. Vorurteil: Es gibt keine Offenbarung

Die biblischen Autoren behaupten an zahlreichen Stellen, göttlich offenbarte Wahrheiten zu verkünden![14] Wer aber einem allumfassenden physikalischen Ursache-Wirkungsprinzip vertraut, kann natürlich auch nicht an göttliche Offenbarung glauben. Stattdessen geht man von vornherein davon aus, dass die Bibel ein Machwerk von Menschen sein muss.

Dass dieses Vorurteil tatsächlich in den liberaleren Zweigen der Bibelwissenschaft eine Rolle spielt, zeigt sich zum Beispiel bei der Frage nach der Datierung der Evangelien. Dazu schreiben C&L: „Ebenso wie Matthäus (und wohl auch Markus) ist Lukas jedenfalls nach 70 verfasst worden; in Lk. 21,10 ist unmissverständlich auf die Belagerung Jerusalems am Ende des Jüdischen Krieges und auf die Zerstörung der Stadt angespielt.“ [15] Tatsächlich lesen wir in Lukas 21, dass Jerusalem belagert und der Tempel komplett zerstört wird (so auch in Mark. 13,2 und Mt. 24,2). Aber das wird dort ja gerade nicht als Bericht, sondern als Vorhersage (Prophetie) Jesu dargestellt. Anders als z.B. in Apg. 11,28 erwähnen die Evangelisten dabei mit keinem Wort, dass Jesu Prophetie tatsächlich in Erfüllung gegangen ist. Das heißt: Das einzige Argument von C&L für eine Datierung nach 70 n.Chr. basiert auf der Annahme, dass es Prophetie nicht geben kann! Dieses Argument wiegt so stark, dass die zahlreichen Argumente für eine frühere Datierung gar nicht erst diskutiert werden:

  • Im ganzen Neuen Testament herrscht in Bezug auf die Zerstörung des Tempels, die für die Juden ein absolut prägendes und traumatisches Ereignis gewesen sein muss, ein geradezu dröhnendes Schweigen.
  • Auch die Märtyrertode von Paulus und vom Herrenbruder Jakobus (einem Ältesten der Urgemeinde in Jerusalem) in den 60er Jahren werden mit keinem Wort erwähnt, stattdessen wird der Märtyrertod des wesentlich unbedeutenderen Stephanus ausführlich geschildert.
  • Die Apostelgeschichte des Lukas, die er nach seinem Evangelium verfasst hat, bricht noch vor dem Tod von Paulus plötzlich ab.
  • Eine Textanalyse der Evangelien belegt: Diese Berichte weisen alle Eigenschaften von frühen, authentischen und kenntnisreichen Augenzeugenberichten auf. Aufgrund der vielen stimmigen Details können sie unmöglich das Ergebnis von langer mündlicher Tradition darstellen[16]. Somit fehlt auch die Zeit für umfangreiche Legendenbildungen.

Dass Theologen wie C&L diese Diskussion erst gar nicht führen ist tragisch. Denn natürlich hat die Datierung auch erhebliche Auswirkungen auf die Vertrauenswürdigkeit der biblischen Quellen, womit wir beim 3. Vorurteil wären:

3. Vorurteil: Die biblischen Autoren sind nicht vertrauenswürdig

Trotz des von Lukas selbst formulierten Anspruchs, einen genau recherchierten Bericht vorzulegen (Lk.1,1-4)[17], verwehren C&L sogar bei einem in Wir-Form geschriebenen Abschnitt der Apostelgeschichte (Apg. 16,11-40) die Möglichkeit, dass es sich um einen Augenzeugenbericht handeln könnte. Begründung: Der Bericht sei „stark mirakulös, also vermutlich kein Augenzeugenbericht.“[18] Das heißt: Die grundlegende Wunderskepsis wirkt sich auch auf die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der biblischen Autoren aus.

C&L sehen aber noch mehr Gründe, warum man den biblischen Autoren misstrauen muss. Ein Problem ist für sie der Glaube der biblischen Autoren. So lesen wir, „dass es für die Erscheinung des Auferstandenen niemals neutrale Zeugen gibt: Jede Erscheinung führte sofort zum Glauben.“ [19]. Diese Bemerkung ist nun wirklich skurril. Welcher Zeuge könnte wohl „neutral“ bleiben, wenn er den Gekreuzigten lebendig vor sich stehen sieht? Diskreditiert das etwa ihr Zeugnis? Wäre denn ein Zeuge, der nicht glaubt, was er sieht, glaubwürdiger? Oder ist es nicht gerade umgekehrt ein klarer Beweis für die leibliche Dimension der Auferstehung, dass es nach den „Erscheinungen“ eben überhaupt keine Zweifler mehr gab, sondern todesmutige Zeugen, die trotz massiver Verfolgung die Nachricht von der Auferstehung extrem erfolgreich verbreitet haben?

Das grundlegende Misstrauen gegenüber den biblischen Zeugen wird bei C&L auch im Kapitel über die „historische Jesusforschung“ besonders deutlich. Ausgangspunkt ist hier die Annahme, dass der reale, historisch über die Erde gegangene Jesus sich klar unterscheidet von dem Christus, den die Urgemeinde gezeichnet und bezeugt hat. Zwar traut man den ersten Christen durchaus zu, dass in ihre Aufzeichnungen auch historische Erinnerungen an den realen Jesus eingeflossen sind. Aber die Aufgabe der Bibelwissenschaft sei es nun, diese Erinnerung zu unterscheiden von nachträglich entwickelten Christusbildern und von Aussagen, die die ersten Christen Jesus später in den Mund gelegt[20] bzw. mit denen sie ihn nachträglich gedeutet hatten. Und welches Kriterium wendet man an, um diese Unterscheidung zwischen „echtem Jesus“ und nachträglicher Deutung zu machen? „Als erstes (Minimal-) Kriterium gilt, dass zunächst einmal nur solche Jesusworte als sicher […] „echt“ anzusehen sind, die […] nicht aus theologischen bzw. christologischen (oder ekklesiologischen) Tendenzen der nachösterlichen Gemeinde heraus erklärt werden können.“ [21] Im Klartext: Zuviel Übereinstimmung mit dem urchristlichen Jesusbild spricht dafür, dass das wohl nicht von Jesus stammt sondern ihm nachträglich von den ersten Christen in den Mund gelegt wurde.[22] Krasser kann man sein Misstrauen gegenüber der Überlieferungstreue der Urgemeinde kaum zum Ausdruck bringen. Nur auf Basis dieses Vorurteils wird verständlich, warum C&L auch der Meinung sind, dass „Jesus keinen der in den synoptischen Evangelien erwähnten christologischen Hoheitstitel in Bezug auf seine eigene Person gebraucht“ habe  [23]. Im Klartext: Da können die Evangelisten schreiben, so viel sie wollen: Das sagt uns alles nichts darüber, wie Jesus sich eigentlich selbst sah. Trotz der vielen anderslautenden Bibelstellen hielt Jesus sich selbst wohl nicht für den Messias. Das zeigt: Diesen Evangelisten kann man aus Sicht von C&L ganz offensichtlich nicht vertrauen.

Auch Prof. Stefan Schreiber weiß in seinem Vortrag über den historischen Jesus[24] letztlich nichts darüber zu sagen, ob Jesus sich selbst als Messias sah oder nicht. Insgesamt zeichnet er in seinem Vortrag ein völlig vermenschlichtes Jesusbild. Das ist kein Wunder. Denn auch für ihn wird der echte, historische Jesus erst dann sichtbar, wenn man sich auf die Jesus-Zitate konzentriert, die sich von der urchristlichen Christologie unterscheiden. Doch dieser Jesus hat dann nur noch wenig mit dem Christus des Neuen Testaments zu tun.

Die fehlende Debatte: Ist es auch heute noch vernünftig, der Bibel zu vertrauen?

Die Vorurteile von C&L drücken sich nicht nur in dem aus, was sie schreiben. Man erkennt sie auch in dem, was in ihrem Buch vollkommen fehlt, nämlich eine Debatte über Argumente, die den Selbstanspruch der biblischen Autoren, Gottes offenbarte Wahrheit zu verkünden, unterstützen könnten.

Im Artikel „10 Gründe, warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen“[25] habe ich einige dieser Argumente aufgelistet:

  • Die einzigartig hohe Qualität der Textüberlieferung
  • Das unerklärte Rätsel der Entstehung des extrem erfolgreichen Osterglaubens in der Region und in der Zeit der Augenzeugen samt der durchgängigen Bereitschaft der Zeugen, für diesen Glauben den Märtyrertod auf sich zu nehmen
  • Die zahllosen eingetroffenen biblischen Vorhersagen, die sich oft auch nicht durch nachträgliche Einfügung erklären lassen
  • Die stimmige, durchgängige Geschichte der Bibel, die über einen Zeitraum von 1600 Jahren von mindestens 40 äußerst unterschiedlichen Autoren geschrieben wurde, die völlig verschiedenen kulturellen und religiösen Einflüssen ausgesetzt waren und dabei nicht die Bibel als gemeinsame Glaubensgrundlage hatten
  • Die schonungslose Ehrlichkeit, die selbst vor den größten Königen und Glaubenshelden nicht Halt macht und zu keiner Zeit die Geschichte Israels verklärt
  • Das realistische Menschenbild, das bestätigte Weltbild und das einzigartige Gottesbild
  • Die herausragende Ethik, die bis heute weltweit prägend wirkt
  • Der göttliche Anspruch, der uns vor die herausfordernde Wahl stellt: Waren das Betrüger, durchgeknallte Spinner oder haben sie wirklich die Wahrheit gesagt?

Nichts davon wird bei C&L auch nur ansatzweise diskutiert. Wie schade!

Gesten grenzenloser Überlegenheit

Weder die genannten Argumente für die Glaubwürdigkeit der Bibel noch die dargelegten außerwissenschaftlichen Vorurteile halten manche Theologen davon ab, die universitäre Theologie für beinahe grenzenlos überlegen zu halten. So stellt z.B. Siegfried Zimmer in seinem Worthaus-Vortrag über die „Arbeitsweise der modernen Bibelwissenschaft“[26] die steile These auf (siehe dazu dieser 4-minütige Auszug aus seinem Vortrag):

  • Die gesamte weltweite Kirche hat die Gleichnisse Jesu 1800 Jahre lang falsch verstanden.
  • Noch heute legen weltweit Millionen von Christen, die keinen Kontakt zur Universitätstheologie haben, die Gleichnisse Jesu falsch aus (und Zimmer fragt seine Hörer: Bist Du auch noch in einer solchen Gruppe?).
  • Der Grund für dieses Desaster: Auch die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas haben die Gleichnisse bereits nicht im Sinne Jesu ausgelegt. Indem sie ihre falsche Auslegung Jesus nachträglich in den Mund gelegt haben, haben sie die Kirche in die Irre geführt.

Zimmer stellt uns also vor die Wahl: Sollen wir in der Frage der richtigen Deutung der Gleichnisse den Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas vertrauen? Oder sollen wir stattdessen der modernen Universitätstheologie folgen?

Egal, wie Sie sich entscheiden, lieber Leser: Fakt ist jedenfalls, dass Zimmer damit den reformatorischen Grundsatz verlässt, dass die Schrift sich selbst auslegt („Sacra scriptura sui ipsius interpres“) und dass eine solche Theologie sich vollständig aus der Auslegungsgemeinschaft der weltweiten und der historischen Kirche verabschiedet mit allen schwerwiegenden Folgen, die das für die Theologie und für die von ihr geprägten Kirchen hat[27]:

Abschied aus der Auslegungsgemeinschaft der Kirche

Der christliche Glaube beruht nicht auf einer Sammlung von Ideen und Dogmen, auf einer Bewunderung für die Person Jesu oder auf einer gefühlten Begeisterung über die Liebe Gottes sondern zuerst einmal auf historischen Ereignissen[28], v.a. dem Leben, dem Sterben und der Auferstehung Jesu. Diese Ereignisse haben für Christen zentrale Heilsbedeutung. Sie standen deshalb im Zentrum der Verkündigung der ersten Christen (Joh. 20,30+31). Das führt natürlich zu der Frage: Was wird aus dem christlichen Glauben, wenn diese historischen Ereignisse in Frage gestellt werden?

Die Brisanz dieser Frage ist offenbar auch C&L bewusst. Sie schreiben deshalb: „So kann die Furcht aufkommen, die persönliche Glaubensüberzeugung werde beispielsweise durch die Infragestellung der historischen Zuverlässigkeit bestimmter Überlieferungen gefährdet. Dem steht die These gegenüber, Glaube und historische Erkenntnis gehörten grundsätzlich zwei verschiedenen Ebenen an.“[29] Diese These meint also: Der Glaube sei von historischen Erkenntnissen vollkommen unabhängig.

Die Formulierung ist wohl bewusst so vorsichtig gewählt. Denn natürlich ist diese These völlig unhaltbar. Selbstverständlich sind die theologischen Aussagen der Bibel immer mit dem historischen Handeln Gottes aufs engste und untrennbar miteinander verknüpft. Christliche Verkündigung ist ja gerade nicht primär ein moralischer Aufruf, etwas zu tun, sondern ein Zeugnis darüber, was Gott getan hat! Im Mittelpunkt steht die Tatsache: Christus starb für Dich! Das ist ein historisches Ereignis, ohne das alle sonstigen Lehren und Wahrheiten des Christentums nichts wert wären![30] Der Glaube wird entleert, wenn ihm der Bezug auf die historischen Ereignisse genommen wird, denn er kann sich dann auf nichts mehr beziehen. Auch unser Bild von Christus hängt untrennbar mit seinem Leben, seinen Wundern, seinem Sterben und seiner Auferstehung zusammen.[31] Wenn Christus nicht auferweckt ist, dann ist Predigt und Glaube vergeblich, sagt Paulus (1.Kor. 15,14). Das gilt auch heute noch. Wer die Historizität der biblischen Geschichten streicht, raubt dem Evangelium seine Basis, seine Kraft und verhindert den Gemeindebau.

Ein Christentum ohne Wunder und ohne Auferstehung ist deshalb ein Widerspruch in sich. Falls Schleiermacher und Co. die Theologie mit ihrer „Entmythologisierung“ tatsächlich retten wollten, so muss man heute feststellen: Sie haben der Theologie und der Kirche einen Bärendienst erwiesen. Sie haben den christlichen Glauben faktisch abgeschafft. Eine Theologie auf Basis der oben genannten Vorurteile rettet die Kirche nicht, sondern sie löst die zentralen Fundamente der Kirche auf. Sie hält die „Lehre der Apostel“ (Apg. 2,42) für menschlich und deshalb von vornherein für widersprüchlich, wie C&L schreiben: „Die Bibel enthält geschichtlich entstandene Dokumente, die – in großer Vielfalt theologischer Meinungen – den jüdischen bzw. christlichen Glauben bezeugen und darstellen.“ [32] Sie hält die Christologie der Urkirche für eine nachträgliche „Deutung“, kann aber gleichzeitig nichts Verlässliches sagen über die Christologie, die Jesus selbst hatte. Diese Theologie widerspricht also grundlegend den biblischen Aussagen und Bekenntnissen der weltweiten Kirche quer durch alle Jahrhunderte. Sie hat sich damit faktisch aus der Gemeinschaft der Kirche Jesu verabschiedet.

Katastrophale Folgen für die Kirche

Das Tragische ist, dass diese kirchenferne Theologie in weiten Teilen der westlichen Kirchen nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Ausbildung der zukünftigen Gemeindeleiter ausübt. Da ist es keine Überraschung, was Christian Schwarz in seiner Analyse von tausenden von Gemeinden herausgefunden hat: „Das Theologiestudium hat eine stark negative Beziehung sowohl zum Wachstum als auch zur Qualität der Gemeinde.“ [33] Anders gesagt: Wenn ein Gemeindeleiter durch diese theologische Ausbildung gegangen ist, erhöht das messbar die Wahrscheinlichkeit, dass die Qualität und die Quantität der Gemeinde sinkt. Tatsächlich kenne ich kein Beispiel einer blühenden, wachsenden Gemeinde, in der der Pastor oder die Pastorin von der Kanzel predigt, dass Jesus gar nicht leiblich auferstanden ist, dass die biblischen Geschichten so gar nicht passiert sind und dass Gott in jeder Religion zu finden ist. Das rasche Schrumpfen aller westlichen Kirchen, die von dieser liberalen Theologie beeinflusst sind, untermauert dies eindrücklich.

Man kann deshalb nicht genug davor warnen, dass Formate wie Worthaus nun dafür sorgen wollen, dass diese Theologie auch noch in evangelikale Ausbildungsstätten, Gemeinschaften und Gemeinden hineingetragen wird.[34] Denn ganz sicher wird sie auch dort die gleiche Verwüstung hinterlassen, wie wir sie jetzt schon in den großen Volkskirchen mit ansehen müssen.

Die Bibel ermutigt uns, vor dieser Not zu warnen! Das Anprangern von Irrlehren ist in der Bibel eben keine „gnadenlose Frömmigkeit“ und keine „Suche nach schwarzen Schafen“ [35], sondern ein schützendes Eintreten für die intellektuell Schwachen, die nun einmal nicht durchschauen können, dass sich hinter vielen angeblich so objektiven, klugen und scheinbar wissenschaftlichen Lehren zutiefst unwissenschaftliche Vorentscheidungen verbergen, die man getrost ablehnen kann, ohne seinen Verstand an der Kirchengarderobe abgeben zu müssen.

Kann es eine konservative Bibel­wissenschaft geben?

Wie bereits dargelegt: Vorurteile („Prämissen“) sind grundsätzlich nichts Schlechtes, wenn man offen und ehrlich darüber spricht und transparent macht, auf welchen Grundlagen man zu welchen Schlussfolgerungen kommt. Das Problem bei C&L ist, dass die oben genannten Vorurteile kaum offen gelegt und praktisch überhaupt nicht diskutiert werden. Eine gute Bibelwissenschaft wird das anders machen. Wenn sie evangelikal und konservativ geprägt ist, wird sie offen über die Prämissen reden, die sie in ihrer Arbeit verwendet: Sie geht davon aus, dass Wunder und Offenbarungen möglich sind und dass die biblischen Autoren gemäß ihrem Selbstzeugnis tatsächlich verlässliche Wahrheit verkünden. Sie geht außerdem davon aus, dass sich die einzelnen Schriften theologisch nicht widersprechen, sondern ergänzen und insgesamt eine Einheit bilden[36]. Unter dieser Voraussetzung ist der verlässlichste Auslegungsschlüssel für die Bibel immer die Bibel selbst. Aus ihr können wir am besten lernen, wie die einzelnen Verse, Texte und Geschichten zu verstehen sind.

Eine weitere wichtige Hilfe wird in dieser Theologie nicht die Abkehr, sondern die bewusste Orientierung an den kirchlichen Bekenntnissen sein, die jeden Theologen einfügt in die Auslegungsgemeinschaft der ganzen Kirche Jesu in ihrem historischen Werdegang und ihm deshalb wertvolle Orientierung in der Auslegung der Bibel gibt.[37]

All das sind in gewissem Sinne „Vorurteile“ (Prämissen), für deren Sinnhaftigkeit man aber – wie oben geschildert – zahlreiche gute Argumente anführen kann. Schön wäre es, wenn es nun zu einem wissenschaftlichen Wettbewerb käme: Welche Prämissen führen zu einer schlüssigeren Integration aller vorliegenden Fakten? Wer kann die Daten in seinem Modell besser erklären? Das wäre echte, ergebnisoffene Wissenschaft, die es dem Außenstehenden auch leichter machen würde, die Argumente zu vergleichen und sich selbst ein Bild zu machen. Doch dafür müsste der evangelikale Ansatz erst einmal grundsätzlich anerkannt werden. Alle Bibelwissenschaftler müssten ihre „Vorurteile“ eindeutig und nachvollziehbar offenlegen und sich zugleich hüten vor der Gefahr des Stolzes, die natürlich in allen Lagern besteht. Gerade als Bibellehrer müssen wir alle den biblischen Ruf zur Demut immer wieder hören (Jak. 3,1; 1.Petr. 5,5; 1.Kor. 8,1!).

Der grundlegende Unterschied zwischen den theologischen Welten

Ein Kunsthistoriker, der davon ausgeht, dass ein Bild von einem kleinen Kind gemalt wurde, wird darin niemals eine ausgereifte Kunstfertigkeit erkennen. Ein Theologe, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit Wunder und Offenbarung von vornherein ausschließt und seine Forschung so betreibt, als ob es Gott nicht gäbe („etsi Deus non daretur“ bzw. „methodischer Atheismus“) wird in der Bibel niemals Gottes verlässliches, offenbartes Wort erkennen. Wie grundlegend sich die aus diesen Vorurteilen resultierende Theologie von der traditionellen und reformatorischen Theologie unterscheidet, hat der Theologe J. Gresham Machen bereits im Jahr 1923 beschrieben:

„Wenn man die Wunder ablehnt, macht man aus Jesus die schönste Blume der Menschheit, die einen derartigen Eindruck auf seine Jünger machte, dass sie nach seinem Tod nicht glauben konnten, dass er wirklich tot war, sondern Halluzinationen hatten, die den Eindruck erweckten, er sei von den Toten auferstanden. Wenn man aber die Wunder annimmt, so glaubt man an einen Erlöser, der freiwillig auf diese Welt kam, um uns zu erlösen, am Kreuz für unsere Schuld litt, durch die Macht Gottes von den Toten auferstand und nun lebt, um für uns einzutreten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Standpunkten ist der zwischen zwei vollkommen verschiedenen Religionen. Es ist höchste Zeit, das klarzustellen.“ [38]

Ist dieser tiefe Graben in der Theologie inzwischen kleiner geworden? 1999 gab Prof. A Lindemann, der Mitautor von C&L, dem  SPIEGEL ein eindrückliches Interview[39]. Darin sagte er: Im deutschsprachigen Raum kenne er keinen Exegeten, der die Evangelien für zuverlässige historische Zeugnisse hält. Seit Jahrzehnten würde kein ernst zu nehmender Exeget mehr behaupten, dass es sich bei den Evangelien um Lebensbeschreibungen Jesu handelt. Bis auf Ausnahmen würden die Exegeten übereinstimmen, dass kein Augen- oder Ohrenzeuge noch direkt zu uns spricht. Menschen mit Allgemeinbildung wüssten, dass die Geburtsgeschichten nicht wirklich geschehen sind. Nur wenige katholische Neutestamentler hielten noch an der Jungfrauengeburt fest. Jesus habe nicht an seine Existenz vor seiner Geburt geglaubt, sich nicht für Gottes Sohn gehalten, seinen Tod nicht als Sühnetod verstanden und das Abendmahl nicht eingesetzt. Keines der bekannten großen Wunder habe er tatsächlich vollbracht. Er sei nicht leiblich auferstanden, habe keinen Missionsbefehl erteilt und wollte keine Kirche gründen. Der christliche Glaube beziehe sich nicht auf das Selbstverständnis und die Verkündigung Jesu (diese habe dem christlichen Glauben z.T. sogar widersprochen). All das würden viele Exegeten so formulieren, weit mehr noch als vor 20, 30 Jahren.

Der evangelikale Theologe Armin D. Baum kommt aufgrund dieser Aussagen – ganz ähnlich wie J.G. Machen fast 100 Jahre zuvor – zu dem Schluss[40]: „Prof. Lindemann […] bestreitet in seinem SPIEGEL-Interview die christologische Kernaussage des Neuen Testaments, dass Jesus der Sohn Gottes war […] Und er bestreitet die Zentralaussage der neutestamentlichen Soteriologie, Jesus sei historisch von den Toten auferstanden […] Ob zwei Menschen den gleichen Glauben haben, lässt sich meines Erachtens nicht einfach daran ablesen, ob sie die gleichen Begriffe verwenden. Ein solches Urteil hängt davon ab, welche Inhalte sie mit den Begriffen meinen. Inhaltlich sind die Aussagen, die Prof. Lindemann und ich über das Heil in Christus treffen, bis zur Gegensätzlichkeit verschieden. Uns trennt ein garstiger breiter Graben, weil Prof. Lindemann das Christentum aus meiner Sicht in seinem Zentrum entkernt.“

Wenn Prof. Lindemann auch nur teilweise recht haben sollte mit seiner Behauptung, dass solche Ansichten die universitäre Theologie dominieren, dann bewegt mich eine grundlegende Frage: Warum verlangt meine evangelische Kirche von ihren zukünftigen Gemeindeleitern, bei der Ordination ein Gelübde auf Bibel und Bekenntnis abzulegen[41], lässt sie aber zuvor zumindest zum Teil von Theologen ausbilden, die den Bekenntnissen inhaltlich derart grund­legend und weitreichend widersprechen? Auf mich wirkt das so, wie wenn eine Metzgereikette seine Azubis zu überzeugten Veganern in die Lehre schickt und sich nachher wundert, warum die Kunden kein Fleisch mehr kaufen. Wie sollen unsere Gemeindeleiter Glauben wecken, wenn sie von Menschen ausgebildet werden, die selbst elementarste Botschaften der Bibel in Frage stellen oder – wie Prof. Lindemann – sogar offen ablehnen? Ich meine: Das kann nicht funktionieren. Und deshalb bin ich überzeugt: Ohne eine grundlegende theologische Erneuerung bleiben alle sonstigen Reformbemühungen der Kirche zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.


Danke an Dr. Reinhard Junker, Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter und Dr. Gerrit Hohage für die fachlich kompetente Prüfung des Artikels und alle guten Anregungen, Kommentare und Korrekturen. 

Besonders zu empfehlen sind in diesem Zusammenhang die beiden Vorträge, die Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter (Direktor der internationalen Akademie für Philosophie am Fürstentum Liechtenstein) am 9.12.2017 in der STH Basel gehalten hat:

Im AiGG-Blog sind zu diesem Thema u.a. folgende weiterführende Artikel erschienen:


[1] Prof. Hansjörg Schmid hat das unter Theologen weit verbreitete Arbeitsbuch von C&L als „Bestseller und Klassiker“ bezeichnet (Christ in der Gegenwart 54 (2002) 41, S. 336f.). An der Humboldt-Universität Berlin wird aktuell an der 15. Auflage gearbeitet. Es wird also vermutlich auch zukünftig das Studium vieler Theologiestudenten prägen.

[2] H.Conzelmann A.Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament 14. Auflage 2004, S. 3

[3] Siehe dazu mein Artikel: „4 Dinge, für die ich Atheisten bewundere“ (AiGG-Blog 2015)

[4] Immer wieder hört man die Aussage, nach der Aufklärung könne man nicht mehr so glauben und christlich lehren wie zuvor. In seinem äußerst empfehlenswerten Vortrag „Gab es die Aufklärung“ zeigt Prof. Daniel von Wachter, dass die dominierenden Thesen der Aufklärung letztlich ein Mythos und ein eingebürgertes Narrativ sind und keineswegs unser Verständnis des christlichen Glaubens beeinflussen oder gar zerstören müssen.

[5] Prof. Daniel von Wachter 2017: „Wunder sind keine Verletzung der Naturgesetze“

[6] Es ist natürlich gewagt, den Begriff der „liberalen Theologie“ zu verwenden und schwierig, ihn zu definieren. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten ist der Begriff sehr zerfleddert. In diesem Artikel lehne ich mich an die Definition von Prof. Daniel von Wachter an, der in seinem Vortrag „Die Schlüsselvoraussetzung der liberalen Theologie“ die liberale Theologie als markante theologische Schule bezeichnet, die in etwa das vertritt, was die Theologen Schleiermacher, Troeltsch und Bultmann gemeinsam haben.

[7] Rudolf Bultmann 1933, 84f

[8] Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie. 1941, 18

[9] Fridrich Schleiermacher im Jahr 1829: „Der Begriff des Wunders wird in seiner bisherigen Art und Weise nicht fortbestehen können.“ Ernst Troeltsch im Jahr 1889: „[Es kann] keine Veränderung an einem Punkte eintreten […] ohne vorangegangene und folgende Änderungen an einem anderen, so dass alles Geschehene in einem beständigen korrelativen Zusammenhange steht und notwendig einen Fluss bilden muss, in dem Alles und Jedes zusammenhängt.“ (Über historische und dogmatische Methode in der Theologie) Zitiert im Vortrag „Die Schlüsselvoraussetzung der liberalen Theologie“ von Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter

[10] H.Conzelmann A.Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 524

[11] Worthaus-Vortrag „Auf der Suche nach dem historischen Jesus“ von Prof. Stefan Schreiber 2014

[12] Im Wortlaut formuliert Prof. Schreiber: „Diese Menschen, und zwar nicht nur einer sondern viele, waren der Meinung oder waren davon überzeugt, ihnen ist Jesus von Nazareth erschienen. Sie haben gesehen, dass er lebt. Sie haben erfahren, dass er lebt. Deswegen muss der noch lange nicht auf der Erde rumspaziert sein wie ein Gespenst oder so etwas. Das wäre dann eher wieder die alberne Variante. Also wenn ich jetzt meine Oma hier sehen würde, dann würde ich zum Arzt gehen, verstehen Sie? Da würde ich irgendwie denken, jetzt sollte ich mal wieder richtig schlafen oder so etwas. Darum geht’s nicht. Darum geht’s auch bei der Erweckung Jesu nicht. Die waren nicht einfach alle überreizt oder so etwas.“ (ab 1:23:28)

[13] Ausführlich erläutert in meinem Artikel: „Die Auferstehung Jesu: Fakt oder Fiktion? Der Indizienprozess“ (AiGG-Blog 2016)

[14] So sahen sich Mose und die alttestamentlichen Propheten als direkte Sprachrohre Gottes (z.B. Jer. 1,9). Jesus und die Autoren des NT haben diese Sichtweise voll bestätigt (Mt. 5,18; Hebr. 1,1; 2.Petr. 1,21). Paulus betonte, dass seine Lehre nicht menschlich, sondern eine direkte Offenbarung Gottes ist (Gal. 1,11-12). Und Johannes warnte eindringlich davor, auch nur minimale Änderungen an seinem Text vorzunehmen (Offb. 22,18-19).

[15] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 343

[16] Siehe dazu mein Artikel „Die Berichte des NT weisen alle Eigenschaften von frühen, authentischen Augenzeugenberichten auf“ (AiGG-Blog 2017)

[17] Dazu schreibt Armin D. Baum in Bibel und Gemeinde 100, Band 4 (2000): Wollten die Evangelisten Geschichte schreiben? […] Prof. Lindemann hat […] eine deutliche Antwort gegeben […]: „Es ist … ein Missverständnis der biblischen Texte, wenn sie als Tatsachenberichte aufgefasst werden”. Diese These halte ich für falsch. Einer der Evangelisten hat sich dazu, ganz im Stil der antiken Historiographie, ausdrücklich geäußert: „Es erschien mir gut, nachdem ich allem bis auf die Anfänge nachgegangen war, es exakt und der Reihe nach aufzuschreiben” (Lk 1,3). Und es ist meines Wissens kein einziger antiker Leser nachweisbar, der den Evangelien eine historische Absicht abgesprochen hätte.“

[18] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 354

[19] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 524

[20] Die These, dass die ersten Christen Jesus massenhaft Zitate nachträglich untergeschoben hätten kommentiert Prof. G. Schröter: „Ich halte es nicht für die feine Art, Jesus etwas in den Mund zu legen, damit der Text als wirkungsvoller empfunden wird. […] Natürlich gibt es bis heute hier und da Kujaus, Plagiatoren, Abschreiber und „Als-ob-Formulierer”. Aber sollten gerade die ersten Christen, die zu strikter Wahrheitsliebe aufriefen, so gehandelt haben? Mitnichten!“ (in „Und die intellektuelle Redlichkeit?“, Bibel und Gemeinde 100, Band 2, 2000)

[21] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 464

[22] Dem hier vorgestellten „Differenzkriterium“ wird heute meist das „Kriterium der vielfachen Bezeugung“ (Erscheinen in verschiedenen Gattungen/unabhängigen Quellen) sowie das „Kohärenzkriterium“ (Ähnlichkeit zu anderen Stellen, die den beiden erstgenannten Kriterien entsprechen) beigestellt. Auch das neuere „historischen Plausibiltätskriterium“ überwindet das Differenzkriterium nicht, es erscheint dort unter den Namen „Tendenzwidrigkeit“ und „kontextuelle Individualität“ (nachzulesen z.B. hier).

[23] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 495

[24] „Auf der Suche nach dem historischen Jesus“ Worthaus-Vortrag von Prof. Stefan Schreiber 2014

[25] „10 Gründe, warum es auch heute noch vernünftig ist, der Bibel zu vertrauen“ (AiGG-Blog 2016)

[26] Worthaus 5.8.2 Prof. S. Zimmer 2015

[27] Dazu schreibt der Theologe Holger Lahayne in seinem grundlegenden Artikel von 2016 „Solo oder sola scriptura“: „Es wäre völlig töricht, all die in zweitausend Jahren angesammelten theologischen Lehren in Gänze beiseite zu schieben. Denn darin würde sich ein ungeheurer Hochmut ausdrücken. Schon immer haben Menschen die Bibel interpretiert, und sehr oft haben sie das Wort Gottes richtig gedeutet. […] Wenn die Tradition verachtet wird, wird es auch kaum möglich sein, an der Wahrheit Gottes in der Heiligen Schrift festzuhalten.“

[28] Der Begriff „historisch“ wird hier im Sinne von „was wirklich geschehen ist“ verwendet. In der klassischen historisch kritischen Methode gilt nach Troeltsch aber nur das als historisch, was den Kriterien der Kritik, Analogie und Korrelation (Begriffsdefinition siehe z.B. hier) standhält. Wunder wie die Auferstehung sind nach dieser Definition grundsätzlich von vornherein „unhistorisch“ und nicht wirklich geschehen. Zurecht sieht Prof. Rainer Mayer darin den Versuch, „ein rein innerweltliches, mithin atheistisches Wissenschaftsverständnis für die Theologie verbindlich zu machen. […] Diese Prinzipien behindern unvoreingenommene historische Untersuchung, weil sie aller Erkenntnis ein „Filter“ vorschalten, das von vornherein alles das als „unhistorisch“ aussondert, was nicht in das vorgefasste Wissenschaftsparadigma passt.“ Spätere Theologen haben den Wunderausschluss abgeschwächt mit der Aussage: Wunder könnten zwar geschehen sein, aber die Wissenschaft könne aus methodischen Gründen nichts über sie sagen. Damit wird aber nach wie vor die Möglichkeit, dass real geschehene Wunder die beste Erklärung für die historischen Fakten liefern könnten, von vornherein ohne Sachgründe aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen und damit abgewertet.

[29] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 3

[30] Siehe dazu mein Artikel „Das Kreuz – Stolperstein der Theologie“ (AiGG-Blog 2018)

[31] Dazu schreibt Armin D. Baum in in Bibel und Gemeinde 101, Band 1 (2001): „Die Christologie der Evangelien ruht auf der Überzeugung, dass Jesus Wunder getan hat: Jesus von Nazareth hat sich seinen Zeitgenossen gegenüber durch Wundertaten ausgewiesen (Apg 2,22), und zwar sowohl als der in den Schriften verheißene Messias als auch als der einzigartige Sohn Gottes. Der Täufer ließ Jesus aus dem Gefängnis zweifelnd fragen, ob er der verheißene Messias sei. In seiner Antwort an den Täufer spielte Jesus darauf an, dass der Messias Jes 35,5-6 zufolge nicht nur einzelne Heilungswunder tun würde, wie die Propheten vor ihm, sondern sehr viele. Der Messias sollte an der enormen Fülle seiner Machttaten erkannt werden, die weit über alles hinausging, was man aus den heiligen Schrift über wundertätige Propheten wusste. Eine Identifizierung Jesu als Messias wäre diesem biblischen Konzept zufolge ohne Wunder nicht möglich gewesen.“

[32] H. Conzelmann & A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 3

[33] Christian Schwarz in  „Natürliche Gemeindeentwicklung“ 4. Auflage 2006, S. 25, in dem er die Ergebnisse seiner systematischen Untersuchung von 45.000 Gemeinden aus der ganzen Welt präsentiert

[34] So schreibt Christoph Schmieding in seinem Artikel „Was ist eigentlich „post-evangelikal?“: „Das von Siegfried Zimmer initiierte Worthaus Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, moderne Bibelwissenschaft in die evangelikalen Biotope zu tragen – und das mit Erfolg!“

[35] Jürgen Mette in seiner pro-Kolumne „Von Lämmern, Leithammeln und schwarzen Schafen“.

[36] Dazu schreibt Dr. Armin D. Baum: Im Unterschied zu dieser von ZIMMER befürworteten Hermeneutik geht ein evangelikales Schriftverständnis von der Annahme aus, dass die Bibel – bei aller Unterschiedlichkeit der innerbiblischen Gesprächsbeiträge – nicht nur in ihren zentralen Aussagen, sondern insgesamt eine theologische Einheit darstellt und als solche respektiert werden will.“ Ichthys 46 (2008), S. 82-83

[37] „Die Krise des Schriftprinzips ist also immer auch eine Krise des Bekenntnisprinzips.“ Holger Lahayne 2016 in „Solo oder sola scriptura

[38] J. Gresham Machen „Christentum und Liberalismus“ S. 129

[39] „Ist Jesus dem Glauben im Weg? SPIEGEL-Interview mit Prof. A. Lindemann vom 13.12.1999

[40] In „Geschichtsschreibung, Wunder und der christliche Glaube: eine Antwort an Prof. Lindemann“ in Bibel und Gemeinde 101, Band 1 (2001), S.30-37

[41] Aus der Urkunde über das Ordinationsgelübde der Nordelbischen Kirche: „…Er hat gelobt, […] das Evangelium von Jesus Christus zu predigen, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche bezeugt ist…”

Autor: Dr. Markus Till

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8 thoughts on “Debattenstarter: Stolz und Vorurteil? Wie wissenschaftlich ist die Bibelwissenschaft?

  1. Wir alle, sowohl Liberale als auch Bibelgläubige haben ein Problem und das ist NICHT die Bibel, sondern unsere materialistische Weltsicht. Diese ist historisch geworden. Hegel schrieb über die Entwicklung vom Ursprung zur Neuzeit: „Das Auge des Geistes musste mit Zwang auf das Irdische gerichtet und bei ihm festgehalten werden; und es hat einer langen Zeit bedurft, jene Klarheit, die nur das Überirdische hatte, in die Dumpfheit und Verworrenheit, worin der Sinn des Diesseitigen lag, hineinzuarbeiten und die Aufmerksamkeit auf das Gegenwärtige als solches, welche Erfahrung genannt wurde, interessant und geltend zu machen. – Jetzt scheint die Not des Gegenteils vorhanden, der Sinn so sehr in dem Irdischen festgewurzelt, dass es gleicher Gewalt bedarf, ihn darüber zu erheben. Der Geist zeigt sich so arm, dass er sich, wie in der Sandwüste der Wanderer nach einem einfachen Trunk Wassers, nur nach dem dürftigen Gefühle des Göttlichen überhaupt für seine Erquickung zu sehnen scheint. An diesem, woran dem Geiste genügt, ist die Größe seines Verlustes zu ermessen.“ („Phänomenologie des Geistes“).
    Diese Entwicklung, wie gesagt, brachte es mit sich, dass man den geistigen Ursprung aller Dinge leugnete, und der Materie das Primat übertrug. Zusammen mit der Wissenschaft, die nur das Materielle erforscht und alles andere aus ihr abzuleiten versucht, sind die Liberalen darin konsequent, dass sie alle Wunder leugnen. Aber dann brauchen wir auch keine Bibel mehr.
    Wenn man heute noch die Auferstehung und die Wunder der Bibel wissenschaftlich aufrecht erhalten will, werden an den Theologen ganz andere Anforderungen gestellt, als sich nur mit der Bibel zu befassen. Man müsste sich z.B. ernsthaft mit den parapsychologischen Forschungsergebnissen beschäftigen, die nämlich eindeutig darauf hinweisen, dass eben materielle Gesetzmäßigkeiten nur eine untergeordnete Funktion in der gesamten Schöpfung haben. Das wird aber auch an jedem Organismus deutlich, denn ein solcher stellt materielle Substanzen und Gesetzmäßigkeiten in einen zweckhaften Dienst. Dergleichen würde nicht möglich sein, wenn nicht das Leben an sich primär sein würde. Es gilt also eine geistige Sicht auf lebendige Vorgänge zu entwickeln, die eigentlich schon jeder Christ haben sollte. Erst dann wird der Glaube wieder Kraft gewinnen.

  2. Ich nehme nur einmal zum Thema Wunder in der Bibel kurz Stellung:
    Diese sog. Wissenschaftler sollten einmal auf ihrem Elfenbeinturm herausgehen ins echte Leben. Da würden sie vor Ort feststellen, daß es heute noch Wunder gibt und zwar immer wieder neu und sogar sehr grosse Wunder. Wer an gott glaubt, wer weiß, daß Gott Schöpfer des Himmels und der Erde ist, der hat kein Problem damit, an die biblischen Wunder zu glauben und auch an heutige Wunder, die aus dem Glauben an Gott hervorgehen. Hier ein Beispiel eines Dauerwunders: Frau sieht ohne Pupillen: https://gloria.tv/article/RgZWivMyeNeq18oTTBN6ofTLv

  3. Nur eine kleine Anmerkung zu „Oder ist es nicht gerade umgekehrt ein klarer
    Beweis für die leibliche Dimension der Auferstehung, dass es nach den
    „Erscheinungen“ eben überhaupt keine Zweifler mehr gab, sondern
    todesmutige Zeugen, die trotz massiver Verfolgung die Nachricht von
    der Auferstehung extrem erfolgreich verbreitet haben“?
    Zweifler gab es auch nach der Auferstehung unter den Jüngern (Aposteln) laut Mt.28,16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf einen Berg, dahin Jesus sie beschieden hatte. 17Und da sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. 18Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.…
    Weil die geistige, unsichtbare Wirklichkeit für uns so schnell „aus dem Blick kommt“ setzen die Zweifel für uns Augenmenschen ein! Deshalb ruft uns Paulus auf, die „unsichtbare Dimension“ in den Blick zu nehmen und mit ihr zu rechnen! Darin besteht der Kampf aber auch die Zuversicht des Christen. Er rechnet mit dem Eingreifen Gottes auch in seinem eigenen Leben! Man mag es „natürliches“ oder „übernatürliches Eingreifen“ Gottes nennen. Auf alle Fälle ist es eine andere Dimension als die rein materialistische.
    Ansonsten eine sehr gute und klare Darlegung der Krise in der Kirche des Westens!

    1. Seit es Menschen gibt, hat sich Gott bezeugt.
      Schon im A.T. läßt sich die Liebe eines Vaters erkennen, der sich nicht zu schade ist, seinen Namen zu verbinden , mit den Menschen,wenn er sagt: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.
      ER kümmert sich um das Leben und die Wege seiner Menschen „was für ein Trost“
      Damit beschreibt Gott sich in seiner Liebe und Führsorge zum Menschen.
      Gott bezeugt auch im N.T. seinen Sohn Jesus Christus
      Jeder muß selber entscheiden, in dem was er über Gott weiß und gehört hat ob er auch glauben will. Sogar wenn Jesus vor uns stehen würde, können wir das glauben od. nicht.Jesus stand vor den Pharisäern und Schriftgelehrten, sie wollten nicht glauben, sie liebten ihr eigenes Leben mehr als Gott, so ist es bis heute.
      Wir brauchen doch keine Wunder um zu glauben, und Beweise? Jeder Mensch kann doch erkennen, was Gott dem Menschen anbietet ; der eine plagt sich alleine durchs Leben, und wer klug ist entscheidet sich für Gott den Vater
      In der Bibel sehen wir, klar, nüchtern und ganz konkret wer Gott ist; und wer der Mensch ist.
      Nun, vielen Theologen gefällt das so nicht, sie schreiben lieber ihre eigenen Geschichten.

    2. Danke für den Hinweis, Siegfried Koch. Ja, es stimmt, die Bibel bezeugt, dass die Jünger sogar nach den Begegnungen mit dem Auferstandenen noch zweifelten. Das Pfingstwunder musste noch hinzu kommen, um aus diesen verzagten Jüngern todesmutige Gläubige zu machen.

  4. Danke für den Artikel.
    Genau dieses Thema hat Prof. Dr. Eta Linnemann schon ausführlich u.a. in dem Kapitel „Anmerkungen zum Studium der historisch-kritischen Theologie“ ihre Buches „Orginal oder Fälschung“ aus dem Jahre 1994 diskutiert.

    Leider hat sich seit dieser Zeit nichts an den verknöcherten und verstaubten Zuständen der Theologie in Deutschland verändert. Sie schein un-reformierbar zu bleiben und in ihrem vor-reformatorischen Zustand verharren zu wollen, in welchem der Theologe den Sitz des unfehlbaren Papstes eingenommen hat und sich das Recht heraus nimmt die Bibel nach seinen Vorstellungen zu kritisieren und beurteilen zu können.

    Ein erfrischender Vortrag von Prof. Dr. Linnemann:

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