Der Tag, an dem ich den Glauben verleugnete…

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Sprüche 28,13: Wer seine Missetat leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.

Die Bindung an eine Sünde führt oft dazu, dass man für viele andere Sünden, die vielleicht schlimmer oder gar die Ursache für die praktizierte Bindung darstellen, blind wird. So war ich immer geneigt, meine Pornographiesucht als mein größtes Problem anzusehen und übersah viel dickere Schnitzer! Einer davon ist Menschenfurcht. Da ich als Sonderling immer eher abseits stand, habe ich lange nicht ein bisschen gemerkt, dass ich ein Mensch bin, der geradezu krampfhaft ein Feigling ist. Eine Episode bereitet mir bis heute schlaflose Nächte, obwohl das Erlebnis nun über 12 Jahre her ist.

Damals war ich Mitglied in der höchstwahrscheinlich konservativsten Gemeinde in ganz Deutschland. Nicht, dass dort alles schlecht war, waren es schließlich Leute, die mich zum Glauben führten, und Onkel Jakob, den ich für einen großen Glaubenshelden halte, war dort ebenfalls aktiv! Aber ein Erlebnis war möglicherweise doch durchaus typisch!: Als ich mich mit 17 Jahren in der Gemeinde taufen ließ, war ich überaus aktiv und suchte überall nach Christen, war die Ortsgemeinde ja über 30 km von meinem Wohnort entfernt. Schnell fand ich einige Christen auch in der Schule. Ich stellte mich damals furchtbar unfreundlich und hemdsärmelig an, den natürlich wollte ich erst prüfen, ob diese Menschen wirklich echte Christen waren. Die Kleider fand ich zumeist schon immer sehr problematisch…. Ein Mädchen aus der Parallelklasse hat mich jedoch besonders beeindruckt. Nicht nur, weil ihre Blöcke und Mäppchen mit Bibelversen verziert waren, ich war auch beeindruckt über ihr immer weises Zeugnis gegenüber den Klassenkameraden. Zu solchen weisen Antworten war ich oft nicht in der Lage. Sie war den meisten Mädchen, die ich in meiner Ortsgemeinde hat, meilenweit überlegen. Nun dauerte es nicht lange, bis ich mich auch überwand die Gemeinde, die sie besuchte, auch zu besuchen. Einige Male war ich auch auf der Jugendstunde. Es war eine kleine Brüdergemeinde, und es hat mir eigentlich alles im Gottesdienst gefallen. An einer anderen Stelle habe ich meine Hochachtung vor der Art und Weise wie die Brüdergemeinden ihre Gottesdienste durchführen, ausführlich geschildert. Ich war wirklich froh, Christen in meiner Umgebung entdeckt zu haben (so blöd sich dieser Satz jetzt auch anhört). Leider war ich auch zu tollpatschig meine Entdeckung für mich zu behalten, und besprach meine Erlebnisse relativ offen mit den Jugendlichen meiner eigentlichen Ortsgemeinde. Die Kinder des Pastors, – er hat viele und vertraut ihnen in besonderem Maße-, klagten mich entsprechend schnell bei Ihrem Vater an. Entsprechend bald folgte auch eine Ermahnung! Der Pastor führte ausführlich aus, dass ich mich doch vor diesen verirrten Christen fernzuhalten habe (er selbst war aber nie dort), und ich bringe mich nur vom Schmalen weg ab, etc… Man kennt ja die Argumente zu Genüge. Nun, natürlich habe ich versucht zu widersprechen und versuchte zu schildern, dass diese Gemeinde unserer SO ähnlich ist, dass die Frauen dort sogar Tücher tragen. Aber alles half nichts! Es wurde Gehorsam erwartet, ansonsten nur die Alternative Gemeindezucht möglich.

Das ich damals eingeknickt bin, dass empört mich heute in höchstem Maße über mich selbst! Ich erschrecke vor dieser Feigheit! Ich habe mich lieber angepasst, anstatt dem Wort Gottes zu gehorchen und die Dinge und Argumente zu prüfen! Und gewonnen habe ich dadurch nichts! Der Pastor, der natürlich sich wieder bestätigt sah, dass er seinem Aufseheramt nachkommt, hat ja nun einen schwachen Christen erneut zurechtgewiesen. Dadurch war meine Stellung vor ihm schon determiniert. Im Übrigen will ich aber gar nicht sein Verhalten kritisieren, irgendwo hat er auch meine Sympathie dafür, dass er ein Auge für die Situation hatte! Es soll hier wirklich um meine Reaktion gehen. Damals, aber auch einige Jahre später, redete ich mich ganz leicht damit heraus, dass ich doch kaum christliche Sitten kannte, ganz „frisch im Glauben war“ und bei weitem nicht die Erkenntnis eines Pastors beanspruchen konnte. Und so wie oben angedeutet habe ich dieses Erlebnis zunächst so gut wie vergessen.

Aber in den letzten Jahren ist es wie ein Mahnmal für mich, wie anfällig ich persönlich für Menschenfurcht bin. Mit Menschenfurcht gewinnt man nichts, verliert aber sehr viel! Immer wieder gibt es diesen Druck, etwas um des „Friedens willen“, wie man es gerne verpackt zu tun. Weil man ansonsten nicht mehr predigen darf, manche These nicht mehr so klar zu formulieren. Weil man sonst als „geizig“ verschrien wird, etwas „offiziell“ zu spenden. Der Anzahl der Fallen mit dem Label „Menschenfurcht“ ist Legion!

Nun habe ich bekannt, Gott gebe mir die Kraft, zu lassen!

Mehr unter:

10 Hinweise auf Menschenfurcht.

Menschenfurcht – kein Kavaliersdelikt

Hinweis an den Leser: Ich rede in meinen Beiträgen regelmäßig relativ offen über meine Fehler. Ich bin in besonderem Maße der Vergebung und der Gnade in Christus bedürftig. Echte Gnade für einen echten Sünder – das beanspruche ich für mich! Auf keinen Fall möchte ich jedoch den Eindruck erwecken, dass zu einer echten Vergebung ein öffentliches Bekenntnis nötig ist. Die Schuld muss vor Gott bekannt werden und vor den Betroffenen! Man sollte auch nach Möglichkeiten suchen, Schaden zu begleichen. Aber sich vor anderen zu entblößen, dass muss man nicht! Hier ist viel Weisheit und Einsicht nötig. Bete darum!

Dieser Blog-Beitrag von Sergej Pauli erschien zuerst auf Glauben und Denken . Lies hier den Original-Artikel "Der Tag, an dem ich den Glauben verleugnete…".

Über Sergej Pauli

Hallo, ich bin Sergej Pauli, Jahrgang 1989 und wohne in Königsfeld im Schwarzwald. Ich bin Ingenieur, verheiratet, habe vier Kinder. Diesen Blog möchte ich nutzen, um über das Wort Gottes und seine durchdringende Wirkung bis in unsere Zeit zu schreiben. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren. Hast du bestimmte Fragen oder Anliegen, dann scheue dich nicht, mich zu kontaktieren.

14 thoughts on “Der Tag, an dem ich den Glauben verleugnete…

  1. Danke, Sergej, für Dein Zeugnis. Ich glaube, manchmal führt uns Gott ungewöhnliche Wege, um uns klarzumachen, wo wir uns noch mehr auf seine Führung verlassen müssen. Und oftmals liegt in diesen Wegen auch eine Bewahrung:
    Wo ständest Du heute, wenn Du damals die Gemeinde gewechselt hättest (freiwillig oder aus Gründen einer unangebrachten Gemeindezucht), weil die andere Gemeinde doch so attraktiv erschien? Hätte die etwas liberalere Gemeinde vielleicht Deinen Glauben erschüttert oder wären Einflüsse auf Dich zugekommen, die Dich von einem guten Glauben abgebracht hätten?
    Hättest Du andernorts und in der Folge so für den Herrn arbeiten können, wie Du es jetzt kannst?

    Ja, Du bist eingeknickt, und ich bin mir sicher, Gott wußte das vorher, und Gott hat es so geplant. Und Du hast was daraus gelernt. Und ich würde davon ausgehen, dass Gott Dich auf diesem Weg behalten wollte. Und letztendlich: Dein damaliger Pastor hatte das Aufseheramt und damit eine Verantwortung – seine Entscheidung mag rückblickend falsch (oder auch nicht) gewesen sein und aus Uninformiertheit erfolgt sein, aber dennoch hat er sein Amt ernst genommen. Der für ihn leichtere Weg wäre gewesen zu sagen „mach doch.“ Ein Aufseher, der seine Schäfchen ermahnt, hat mehr Konflikte mit den Menschen auszuhalten als einer, der sie einfach „um des Frieden willen“ machen läßt .

    Leg die Schlaflosigkeit bzgl. des Erlebnisses ab, denn Du darfst Gott danken, dass er Dir aufgezeigt hat, wo er Dir weiterhelfen möchte, und gleichzeitig hat er Dich bewahrt und dahin als Arbeiter in den Weinberg dahin gestellt, wo er Dich braucht.

    1. Danke Stephan für deinen Kommentar und deine Ermutigung, im Grunde genommen sehe ich das oft sehr ähnlich wie du! Gott lenkt auch die Fehlentscheidungen zum Besten in seiner Gnade.
      Prinzipiell möchte ich auf gar keinen Fall den Pastor negativ darstellen und sehe durchaus auch Stärken in seinem Verhalten…

  2. Hi Sergej,
    ja, das sagt eigentlich Keiner…“Weil man ansonsten nicht mehr predigen darf, manche These nicht mehr so klar zu formulieren.“
    Was alles macht man dafür, dass die anderen gut über Einen denken. Und: Wie schnell ist man „alleine“ als einsamer Wolf-.—
    Abgesondert, unbeliebt, ungeliebt, ausgestoßen. So funktionieren Gesellschaften, und manchmal leider auch christliche.
    Andererererseits bist du nun da wo du bist – ein Segen. !

  3. Ich kann hier Stephan nach dem Überfliegen seines Textes wenig zustimmen.

    Unsere Sache ist es nicht, über Transzendentes zu spekulieren.

    Wir können zumindest lernen, ganz nüchtern zu entscheiden und mit Vernunft sprich Verstand, der eins der größten Geschenke an uns ist, wie erwachsene Christen zu handeln und ganz nüchtern entscheiden und auch durch Verstand dazulernen. Erst dann kann Gott das Getane segnen. Nichtstun und Faulheit erfährt keinen Segen. An Gottes Segen für unser Tun ist alles gelegen.

    Jesus und Paulus mahnen uns, unseren ganzen Verstand zu nutzen sowie darin zu wachsen und uns zu mühen. Vom Kind hin zum mündigen erwachsenen Mann..

    Meines erachtens kehrst du die Dinge unter dem Druck unter dem du damals standest um.

    Du hast nicht dem, was Gott wollte, sondern deiner engstirnigen gesetzlichen Gemeinde widersprochen.

    Und das war gut so.

    Frieden zu halten und demütig sein heißt nicht, dem Frevler und Schwätzer nicht mit Anstand und Stärke zu widersprechen. Das kann auch zum ausgestoßen werden führen. Da kann man auch schon mal 400 Tage allein in der Wüste wandern…..um Jesu Willen. Sowas findet man heute natürlich praktisch kaum mehr. Kaffeetrinken in der Gemeindelounge ist bequemer 😉

    1. Und deshalb kann man heute auch mehr und mehr erkennen, daß sich Freikirchen genauso statisch dogmatisch festgelegt hin zu den Kirchensystemen entwickeln, die man früher genau deswegen kritisiert hat.

      Animalfarm von George Orwell lässt grüßen.

      1. Ich bin kein Gegner vom Dogmen, wie Du sicherlich schon bemerkt hast 😉 Voraussetzung: die Dogmen sind schriftkonform.

        Welchen Vorteil habe ich mit Dogmen?
        – Sie legen die nicht verhandelbaren Dinge fest (wer will schon die x-te Diskussion über die Jungfrauengeburt oder Trinität führen, wenn diese einmal korrekt aus der Bibel abgeleitet ist …?. Oder das nur der Glaube an Jesus rettet?)
        – Sie zeigen, wofür eine Gemeinde steht, und ob ich da hinein passe
        – Sie helfen mir beim Einstieg in die Bibelarbeit, denn wenn ich ein Problem mit einem Dogma habe, sollte ich die Herleitung des Dogmas nachlesen können. Ich sehe z.B. den Heidelberger Kathechismus als eine sinnvolle Dogmensammlung an, wenngleich ich wenige Dinge anders sehe.

        Wenn Du mal in die Historie der Gemeindebünde hineinschaust, dann ist erkennbar, dass neue Gründungen / Abspaltungen i.d.R. damit zu tun hatten, dass der Mutterbund seine Dogmen und erarbeiteten Glaubenswahrheiten verlassen oder in die Beliebigkeit gestellt hat. Um dann 200 Jahre später die gleichen Fehler zu wiederholen …

        1. Man muß differenzieren.

          Viele Dogmen der mittelalterlichen Kirche halte ich für daneben.

          Die EKD hat sich sehr zurückgehalten mit Dogmen.

          Der Multineudogmatismus der Freikirchen ist mir weitaus überwiegend nicht nachvollziehbar.

    2. Hoppla, ich habe nochmal nachgelesen.
      Ja, du bist formal eingeknickt.

      Insofern habe ich „nur“ deine innere Haltung dazu „wohlwollend“ unterstrichen.

      🙂

  4. @Sergej,
    Mich bewegt der eine Satz den du im letzten Abschnitt deines Artikels geschrieben hast. ,,Hinweis an den Leser“
    Die Schuld muss vor Gott bekannt werden und vor den Betroffenen!

    Warum fällt es den Menschen leicht etwas vor Gott zu bekennen, aber den Betroffenen nicht um Vergebung bitten?

  5. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, …..nimmt man Gott nicht ernst, warum sollte man Ihm etwas bekennen?
    Und wer Gott nicht erlebt, würde sich auch nicht veranlasst sehen, Schuld vor Ihn zu bringen.
    Kann denn jemand Christ sein der so denkt und handelt?

    1. Lilli, ich mag dich. Du bist eine gute Seele.

      Die Betreiber dieses Portals bleiben stumm.

      Sie helfen dir nicht aus deiner Not. Sie stehen darüber. Sie stehen dir nicht bei.

      Sie überführen mich nicht, weil sie die Macht dazu nicht haben. Um deinet Willen müssten sie dir beistehen und mich verdammen. Es würde mich freuen, um deinet Willen.

      Sie tun es nicht. Sie lassen deine gute ehrliche Seele allein.

      Sie schauen zu!

      Wie lange noch?

      Verdammt mich, damit Lilli ruhig schlafen kann und Frieden findet und bewahrt!

      Lilli, wenn du mir sagt, ich soll hier verschwinden, dann verschwinde ich hier um deinet Willen!

      Sags mir!

  6. Jazzico,
    Die Seele ist zerissen,…..das Herz des Sünders und die Sehnsucht des Suchenden schlägt in ihr. Nach gefühlten Tausend Milliarden Minuten singt sie noch immer ihr Lied……..rette mich…….rette mich…….rette mich.
    Als die Kinderseele noch voller Hoffnung im Frieden Gottes das Leben liebte, kam es wie es kommen musste, dunkle Wolken zogen auf, und die ,,Welt“ offenbarte ihr wahres Gesicht, nun zog die Traurigkeit bei dir ein, die Sehnsucht ist geblieben ….der Friede nicht, unruhig hin und her geworfen von Liebe und Hass, von Klage und Anklage wartest du immer noch auf …..,,die Antwort“….
    wo bist du Gott, nach den Kinderträumen legte sich der Schmerz, dick wie Felsenstein auf deine Seele. Gott ist dir fremd geworden, du glaubtest wie in deinen Kinderträumen, an einen Gott der die Welt rettet, ER hat es getan……..es ist nur noch nicht sichtbar…..doch hat ER schon verheissen, dass ER alle Tränen abwischen wird von unseren Augen. Kinderträume erfüllen sich, du musst nur ….weiter…..,,glauben“

    Ein Lied für Dich

    Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet.
    Wenn dich Furcht befällt vor der langen Nacht, hört er dein Gebet.
    Er hört dein Gebet , hört auf dein Gebet.
    Er versteht was sein Kind bewegt, Gott hört dein Gebet.
    Wenn du kraftlos bist und verzweifelt weinst, hört er dein Gebet.
    Wenn du ängstlich bist und dich verneinst, hört er dein Gebet.
    Wenn die Menschheit vor ihrem Ende steht, hört er dein Gebet.
    Wenn die Sonne sinkt und die Welt vergeht, hört er dein Gebet.

    Worte für Dich.

    Jesus spricht: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
    Nicht gebe ich euch , wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Joh 14. 27

    Jazzico, BLEIB, du bist auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel!

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