Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren ?!

Disputier- Impuls:
Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren!

Disputier-These: Kirchliche Sakramentslehre – Irrweg zum Himmel?! (unten)

Gerne denke ich an meinen Dienst  als Evangelist der Deutschen Zeltmission in den 1960ger und 1970ger Jahren zurück. Der Theologe Dr. Dr. Gerhard Bergmann und später auch Peter Hahne waren u. a. meine Kollegen. Dr. Bergmanns 1963  erschienenes Buch: Alarm um die Bibel erregte  damals großes Aufsehen  über die dreist gewordene Bibelkritik. Er attackierte darin primär die noch wenig bekannte Entmythologisierungs-Theorie von Prof. Rudolf Bultmann. Als Reaktion darauf entstand (1966) die jetzt noch aktive Bekenntnisbewegung  Kein anderes Evangelium , sowie später weitere Bekenntnis-Initiativen. Als z. Zt. hoch aktuell gilt das Netzwerk Bibel und Bekenntnis  mit Pfarrer Ulrich Parzany.

Was diese streitbaren  Initiativen gemeinsam haben, ist eine polemisch abwehrende Grundhaltung gegenüber einer liberal konditionierten amtskirchlichen Autorität. Diese wird prinzipiell jedoch nicht infrage gestellt, sondern trotz alledem akzeptiert. Man protestiert  somit  gegen die amtskirchlichen Missstände, ist aber unfähig, bzw. nicht offensiv genug, um die bedrohliche Situation zu verändern. Ganz im Gegenteil. Inzwischen hat der bibelkritische Ungeist einige bislang bibeltreue Ausbildungsstätten bibelkritisch zu „vergiften“ vermocht.
Ich möchte die Sachlage der bibel- und zugleich kirchentreuen Christen mit der Gewaltherrschaft der Midianiter über Gideon und die Israeliten vergleichen.  Tapfere Männer wie Gideon mussten ihren Ernteertrag vor den sie beherrschenden Midianitern  förmlich verstecken (Ri 6,11). Und doch ordneten sie sich als militärisch Unterlegene dem geltenden Macht-Anspruch ungern, aber „gehorsam“ unter.

Für die freiwillige Unterordnung bibeltreuer Christen unter amtskirchliche Kompetenzansprüche sei nur ein aktuelles Beispiel genannt. Und dabei kommen wir auf die allgemein akzeptierte  Sakramentspraxis zu sprechen:
Amtskirchlicherseits ist die Verwaltung  und Ausübung der Sakramente, Taufe und Abendmahl, nur urkundlich ordinierten Personen gestattet. Landeskirchliche Prediger etwa, die in ihren Gemeinschaften das Abendmahl feiern wollten, haben sich freiwillig einer speziellen kirchlichen Ordinationsprozedur unterzogen, um die Erlaubnis dafür zu erhalten. Umgekehrt ist für ordinierte Pfarrer die vorgeschriebene Sakramentsverwaltung unaufhebbare Pflicht. Sobald sich jemand dieser Amtspflicht entzieht, wird er seines Pfarramtes enthoben.
Diese Vorgehensweise ist kirchlicherseits absolut legitim.

Damit aber sind folgende grundsätzliche Fragen noch ungeklärt – und bleiben klärungsbedürftig:

Wurden Taufe und Abendmahl in den urchristlichen Gemeinden bereits im Sinne der amtskirchlichen Sakramentspraxis ausgeübt?

  1. Gibt es im Neuen Testament irgendwelche Hinweise, Taufe und Abendmahl als Sakramente zu praktizieren?
  2. Ist die kirchliche Sakramentspraxis nicht eine freie Erfindung des katholischen Klerus gewesen?
  3. Warum hat Martin Luther trotz der Verwerfung weiterer katholischer Sakramente,  Taufe und Abendmahl dennoch nach Inhalt und Form übernommen?
  4. Wurden die „Heiligen Sakramente“ nicht fälschlich mit dem Mythos: „*Beim Vollzug bedingungslos wirksam“ umgeben? (*genauer im Thesen-Artikel)

6. Ist es nicht hohe Zeit, statt defensiv über die „Entmythologisierung der Bibel“ jetzt offensiv über die „Entmythologisierung  der biblisch fraglichen Sakraments-Theorie“ und deren Folgen zu disputieren? (wie Luther und Eck in Leipzig)

  1. Brächte die damit ausgelöste Scheidung der Geister nicht die – durch den Entscheidungsverlust bei der Babytaufe bedingte – sakramentale Entmündigungs-Praxis ins Wanken, um einer entscheidungsbedingten, selbstbewusst-ehrlichen und daher opferbereiten Kirchenmitgliedschaft mit einem ehrlichen Finanzierungsprinzip Platz zu machen?

Wie die Fragen ahnen lassen, ist für eine konsequente „Entmythologisierung der Sakramentspraxis“ ein relativ hoher Preis zu bezahlen. Und wieder ist genau hier die ganz persönliche, ehrliche Entscheidung gefragt. Entsprechend dieser wird dann auch pro oder kontra argumentiert.

Als Basis für die überfällige Disputation empfehle ich, meine folgende Disputier These: aufmerksam zu studieren.

Kirchliche Sakraments-Praxis  –  Irrweg zum Himmel

Auszug aus dem Buch: „Lebens-Reformation – Dynamik im Protestantismus“
zum Thema: Von der „Babylonischen Gefangenschaft“ christlicher Kirchen
von Herbert Masuch

Symptome der Babylonischen Gefangenschaft

Ein tragisches Merkmal der Babylonischen Gefangenschaft besteht darin, dass die Christen geistlich erblinden. Sie beginnen das sichtbare Erscheinungsbild – die Formen, die Symbole, die Kunstwerke, den Glanz und den Prunk – zu überschätzen. Sie begnügen sich mit den Äußerlichkeiten. Wenn man die geistliche Gefangenschaft der vorreformatorischen Papstkirche skizzieren will, entdeckt man die Symptome dafür vor allem in drei Bereichen.

Die Kirche war gefangen in der

  • V i s u a l i s i e r u n g
  • R i t u a l i s i e r u n g
  • S a k r a m e n t a l i s i e r u n g.

Die Visualisierung zeigte sich darin, dass in den Gotteshäusern die Dinge in den Vordergrund traten. Die Dome und Kathedralen wurden mit Schätzen, die bewundert wurden, zunehmend überladen. Es waren Dinge, die man sehen, also sinnlich wahrnehmen kann. Gottes Wort aber will die Herzen erreichen. Doch durch imposante Statuen, vergoldete Bilder, kunstvolle Verglasung, hohe Marmorsäulen und prunkende Altäre werden höchstens fromme Gefühle geweckt. Kleider, Mäntel, Talare, Hüte, Kreuze und würdige Gebärden beeindrucken zwar rein äußerlich. Der Prunk lenkt aber vom gepredigten Wortzeugnis ab. Man bleibt im Sichtbaren stecken. Durch übermäßige Visualisierung erreichte die Papstkirche das genaue Gegenteil von dem, was geschehen sollte: Das Verlangen des Herzens, Gott zu erleben, wurde nicht gestillt, sondern überlagert. Die überzogene Visualisierung ließ  kaum noch Spielraum, vom Heiligen Geist berührt und erleuchtet zu werden.  Das Herz blieb leer. Babylon! – Gefangen in Äußerlichkeiten!

Die Ritualisierung des geistlichen Geschehens in der Papstkirche markiert noch stärker den Erdrutsch von innen nach außen. Die Aufmerksamkeit der versammelten Gemeinde konzentrierte sich während der Gottesdienste immer mehr auf die Vorgänge am Altar. Dort geschah etwas. Dort wurde immer schöner (?) und auffallender zelebriert, d.h. geläutet, geweihräuchert, gebetet, sich verbeugt und gesungen. Man war gerührt, beeindruckt, vielleicht auch fasziniert – vom menschlich Machbaren – von bloßen Äußerlichkeiten.  Und das Ergebnis? Herz und Geist blieben immer noch hungrig und leer.

Doch das Schlimmste war: dieser alttestamentliche Zeremonienkult sollte das Eigentliche, nämlich das geistliche Erleben ersetzen.  Gewiss, ab und zu wurden die Gläubigen beim liturgischen Zeremoniell selber aktiv. Sie durften aufstehen, sich verneigen und niederknien. Es war eingeplant und somit erlaubt, vorgegebene Texte zu beten oder zu singen. Doch damit ist der feststehende Ritus lediglich modifiziert worden. Es gab keinen Spielraum für persönliche Initiativen, für Impulse und Eingebungen durch den Heiligen Geist. Vielmehr wurde gelehrt, dass man durch bloße Teilnahme bei rituellen Handlungen Gott erlebte und diente (1 Kor 12-14).

Kein Laie durfte sich erkühnen zum Altar zu treten und zu sagen: So spricht der Herr!

Weil die Liturgien immer länger wurden, blieb für die Verkündigung des Wortes Gottes immer weniger Zeit. Die Evangelisierung wurde durch die Ritualisierung verdrängt und ersetzt. Das Evangelium wurde kaum mehr gehört, geglaubt und… daher auch nicht ausgelebt. Das allgemeine Priestertum geisterfüllter Christen blieb dabei auf der Strecke. Kein Laie durfte sich erkühnen zum Altar zu treten und zu sagen: So spricht der Herr! Man hätte ihn verhaftet, verurteilt und… vermutlich getötet. Eine Kirche in Gefangenschaft! – gefangen im Babylon der Äußerlichkeiten.

Die Sakramentalisierung der geistlichen Vorgänge,

wie Buße, Glaube und Wiedergeburt, verdrängte noch stärker den Heiligen Geist. Sein Wirken wurde gleichsam überflüssig. Die Kirche machte das alles auch ohne ihn – mit Hilfe der Sakramente. Taufe und Abendmahl wurden bald nicht mehr im urchristlichen Sinne als Glaubensäußerung bekehrter Menschen verstanden. Der Klerus funktionierte sie zu so genannten Gnadenmitteln um, die im Vollzug wirksam seien. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon lässt sich nachlesen:

„Das Konzil in Trient (12. Jahrhundert) definierte die Sakramente als heilsnotwendige, wirksame Gnadenmittel; danach genügt der Glaube allein nicht. Der Wirkzusammenhang zwischen Sakrament und Gnade wird als der eines Opus operatum gesehen…“  Und zum Begriff Opus operatum [lat. = die vollzogene Handlung] wird erklärt: „…in der christlichen Theologie Bezeichnung für eine dogmatische Theorie, nach der die Gnaden vermittelnde Wirkung der Sakramente unabhängig von der Person des Spenders oder Empfängers allein durch den Vollzug („ex opere operato“) eintritt.“)

Solchen sakramentalen Missbrauch des Heilserlebens hat die Papstkirche zu einem System ausgebaut, auf Konzilien festgeschrieben und im Imperium des Heiligen Vaters konsequent praktiziert. Das alles ohne eine Basis in der Heiligen Schrift. Damit bekam der Klerus scheinbar das Wirken des Heiligen Geistes fest in den Griff. Alles, wonach suchende Menschen sich sehnten, konnte man ihnen jetzt durch sakramentale Handlungen auf mystisch-magische Weise übermitteln: Die Sündenvergebung, die Wiedergeburt und den Heiligen Geist. Gerettet und gerecht wurde man jetzt durch den Empfang der Sakramente und nicht mehr durch Herzens-Buße und Glauben.

Dadurch war das Christwerden sakramental vollziehbar und menschlich machbar geworden. Es geschehe  – so wurde gelehrt – auch dann, wenn man als Baby oder als Sterbender unfähig sei, sich bewusst für oder gegen Christus zu entscheiden.

Mit ihrer unbiblischen Sakramentslehre hat die Kirche den Menschen die Tür zum Himmel nicht aufgetan, sondern verschlossen. Dieser Rettungsmechanismus der Sakramente machte es überflüssig, ja verdächtig, Glauben weckend zu predigen und zur Umkehr zu rufen. Nach dem empfangenen Taufsakrament war es nicht mehr nötig zu fragen: „Was muss  ich tun, um gerettet zu werden?“ (Apg 16,30).  Man verließ  sich weithin darauf, getauft und damit ein Christ geworden zu sein. Dabei versäumte man es, Christus zu suchen und persönlich zu finden.

Es blieb nicht aus, dass aufrichtig Suchende – wie Luther – dennoch beunruhigt blieben, dass ihr Gewissen nach Gottes Barmherzigkeit schrie. Doch anstatt ihnen zu predigen: „Glaube an den Herrn Jesus Christus“ (Apg 16,32) unterwies man sie, noch mehr Gutes zu tun. Damit wurden sie statt zu Christus unter den Zwang des Gesetzes getrieben. Auch das Klosterwesen des Mittelalters war letztlich ein Versuch, durch verdienstliches Tun noch frommer zu werden. Durch noch mehr Leistung wollte man sein Gewissen – und Gott – mehr befriedigen. Doch alles, was man auf diesem Wege erreichte, waren Werke des Fleisches.Luther sagt dazu:
„Denn alle diese guten Werke… sind keine guten Werke, sondern Sünde und Irrtum, weil sie aus einem bösen Herzen kommen, dem die Gnade noch nicht geholfen hat. Solch ein Herz vermag durchaus nichts zu suchen als sich selbst…“

Da aber weder Sakramente noch eigene Werke die Gewissen stillten, griff man auf den Überschuss fremder Werke zurück (Heiligenkult). Weil auch das nicht reichte, sollte der Ablasshandel aus der Gewissensnot Abhilfe schaffen. Welche Schizophrenie!  Man besaß die sakramentale Heilssicherheit und dazu den Trost guter Werke. Dennoch aber blieb die Angst vor dem Fegefeuer, dominierte die quälende Unsicherheit, nagte die Furcht vor der Hölle!

Glaube kommt aus der Predigt (Rö 10,17)

Martin Luther hatte mit seiner Schrift: „Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ keineswegs übertrieben. Durch die Visualisierung war vom Allerheiligsten dieser Kirche, dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, nur ein Schatten, ein bloßes Abbild, eine Erinnerung übrig geblieben.

Das gemalte, geschnitzte, gemeißelte oder gegossene Kreuz Jesu Christi erreichte nur die leiblichen Augen. Man sah einen toten Christus. Der lebendige, im Geist erfahrbare Christus blieb den Menschen verborgen. Denn:
Allein das gepredigte Wort vom Kreuz vermag die Herzensaugen zu öffnen.

Ebenso hatte sich gezeigt, dass die Ritualisierung des Gotterlebens eine Sackgasse war. Sie bietet nicht die notwendige Basis für lebendigen Glauben. Allein das verkündigte Evangelium führt zum Frieden mit Gott (Rö 5,1;10, 17).

Schließlich ist in der Papstkirche deutlich geworden, dass die Sakramentalisierung des Evangeliums die Menschen in eine falsche Sicherheit wiegt, Denn kein Sakrament bewirkt automatisch (oder gar magisch) die Gotteskindschaft oder Wiedergeburt, wie der Taufakt dies suggerierte – und bis heute nochsuggeriert. Auch Martin Luther blieb trotz der empfangenen Sakramente und Weihen ohne Frieden mit Gott. Aber durch den Glauben an das Evangelium wurde er gerecht, mit dem Geist Gottes erfüllt und widergeboren. Denn wer die Frohe Botschaft hört und bewusst annimmt, wird es konkret und gewiss erfahren:

„Das Evangelium von Jesus Christus  ist eine Kraft Gottes, die da errettet alle, die daran glauben “ (Rö 1,16).

[1] Mit den kaiserlichen Edikten von 311 und 313 durch Konstantin (306-337)

Dieser Blog-Beitrag von Herbert Masuch erschien zuerst auf Christus-Portal-Blog . Lies hier den Original-Artikel "Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren ?!".

Über Herbert Masuch

HERBERT MASUCH wurde 1929 in Ostpreußen geboren. Nach den Zusammenbruch des Dritten Reich erlebte er eine bewusste Umkehr zu Jesus Christus. Von 1954 bis 1958 studierte er am Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Es folgte ein mehrjähriger Dienst in der Essener Stadtmission. 1963 wechselte er als Evangelist in die Deutsche Zeltmission. Etwa dreißig Jahre lang war Masuch im In- und Ausland als Rufer zu Gott unterwegs. Auch durch die Mitarbeit beim Evangeliums-Rundfunk, die Veröffentlichung mehrerer Bücher und als Liedautor war er bemüht, die Frohe Nachricht von Jesus, dem Retter der Welt, zu bezeugen. Seit 1964 sind Masuch’s glücklich verheiratet und haben drei Kinder. Ehefrau Gretel war mit ihrem Mann viele Jahre missionarisch unterwegs. Heute wendet sich der ehemalige Evangelist überwiegend an Christen. Er bietet Hilfen an, die befreiende Botschaft „Christus in euch“ erstmals oder neu zu entdecken und zu verwirklichen. Diesem Anliegen dient auch seine dreibändige Buchreihe Lebensreformation (1994), die zugleich eine geschichtliche Analyse des jahrzehntelangen charismatischen Konfliktesherdes bietet.

5 thoughts on “Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren ?!

  1. Schön, nach langer Zeit wieder einen Artikel und Beitrag von Dir zu lesen. Ich möchte gerne eine Sicht zu den Aussagen hinzufügen, weil ich das doch hinsichtlich einer rückwirkenden Betrachtung zu Liturgie, Sakramenten, Bauwerken usw.. für gewinnbringend sehe. Denn nicht alles, was wir heute kritisieren, war schlecht durchdacht.

    Luther hat tatsächlich Sakramente als Altlasten mitgeschleppt. Er wollte ja die Kirche nicht spalten, sondern reformieren. Damit hat er manch alten Zopf nicht abgeschnitten, den man aus heutiger Sicht abschneiden müßte. Bedenkt man die paar Jahre, die er hatte, dann entschuldigt das sicherlich, dass er nicht alles regeln konnte, was eigentlich hätte geregelt werden müssen. Gleichermaßen wollte er den christlichen Kirchgängern auch nicht unbedingt die Identität nehmen.

    Beispiel Taufe: Der Heidelberger Katechismus begründet theologisch die Kindertaufe in einer durchaus nachvollziehbaren Art und Weise. Gleichwohl sehe ich jedoch andere Bibelstellen existent, die mir die Kindertaufe falsch erscheinen lassen. Der Heidelberger Katechismus reflektiert m.E. die damaligen theologischen Erkenntnisse – ich denke, heute haben wir mehr Licht in dieser Frage, aber auch mehr Freiheiten bei der Schriftauslegung. In der heutigen evangelischen Praxis in manchen Landeskirchen wird anläßlich der Konfirmation der Konfirmand befragt, ob er die damalige Taufe „anerkennt“. Die Taufe macht aus dem Menschen zwar einen Kirchensteuerzahler, aber erst das öffentliche Bekenntnis bei der Konfirmation nimmt den jungen Menschen in den Kreis der Gemeinde auf.
    Allerdings habe ich auch schon mal von der Kanzel gehört, dass, wer getauft ist und Kirchensteuern zahlt (also nicht ausgetreten ist), ein Christ sei und in den Himmel komme. Nun denn, manche Pfarrer erleben mich nur einmal an der Orgel, und das war so ein Fall.
    Zumindest zeigen diese Vorkommnisse, dass das Thema (Kinder-)Taufe nicht so homogen ist, wie man vielleicht meint. Da gibt es innerhalb der Amtskirche durchaus unterschiedliches Verständnis.

    Visualisierung: Es gibt mittlerweile einige Forschungserkenntnisse über den Kathedralenbau, die ich sehr spannend finde. Vergleicht man die Dimensionen der Bauten mit der Beschreibung des himmlischen Jerusalems, so erkennt man, dass die damaligen Architekten (oder Bauherren, wer auch immer entscheidend beteiligt war) versuchten, ein Modell des himmlischen Jerusalems zu schaffen, ein (be)greifbares lichtdurchflutetes Abbild der Herrlichkeit, die wir einmal erleben dürfen. Die Kathedrale als eine in Stein gesetzte Auslegungspredigt.
    Es gibt in zwei französischen Kirchen mittelalterliche Kirchenfenster, die die Vertreibung aus dem Paradies durch Christus zeigen (und nicht etwa durch Gott-Vater – das ist heute kein christliches Allgemeinwissen mehr) und direkt anschließend Christus als den barmherzigen Samariter, der den Menschen rettet (heute legen ja 98% der Christen das Gleichnis so aus, als wäre der Mensch der barmherzige Samariter und nicht etwa derjenige, der am Boden liegend die Errettung nötig hätte). Wir sehen in vielen Kirchenbildern ein durchaus fundiertes und worttreues Bibelverständnis, das heute in den Gemeinden vielerorts gar nicht mehr vorhanden ist. Es lohnt sich durchaus, sich mal mit den alten Kirchenfenstern zu beschäftigen und wie diese „gelesen“ werden. Und manch altes katholisches Bibelfenster wirkt eher evangelisch – vor 700, 800 Jahren kam die Rettung durch Christus und noch nicht überall durch die Papstkirche.
    Hält man sich jetzt noch vor Augen, dass das Analphabetentum zur damaligen Zeit immens war, die Menschen also nicht die Bibel lesen konnten, aber doch durchaus die Bilder verstanden haben, dann finde ich das beachtlich. Ich denke, wir unterschätzen da durchaus die Bibelfestigkeit unserer Ahnen.
    Die Bilder der Cranach-Sippe sind nicht nur einfach Kunst (ich werte die eher als zeitgenössische Comics), sie erzählen und erläutern, sie werben für die Reformation, sie liefern theologische Aussagen, sie sind ein „Verstärker“ für Luthers geschriebene und gepredigte Worte. Also auch durchaus einen tieferen Hingucker wert.

    Ritualisierung: ich habe es in meiner freikirchlichen Zeit erlebt, dass bis zu dreimal im Jahr die Predigt das Thema „Lob und Dank zuerst“ hatte. Ja, das war in der Gemeinde erforderlich, weil das kein selbstverständliches Wissen war.
    Die kirchliche Liturgie dagegen stellt das Gloria recht früh in den Ablauf des Gottesdienstes. Die Liturgie hat durchaus ihre Wurzeln in biblischen Aussagen bzw. auch gewisse logische Sinnhaftigkeiten – nur kennt die heute kaum noch jemand, und vielfach werden die festen Elemente eines Gottesdienstablaufes nur heruntergeleiert. Auch da fehlt uns heute „Allgemeinwissen“ und Identifizierung mit dem biblischen Wort, das ja auch ins Leben umgesetzt werden soll, damit auch in den Gottesdienst. Ich kann auch durchaus etwas mit den klassischen Leseordnungen anfangen, auch die der katholischen Kirche. Sehr oft stehen die Lesungstexte aus AT, Psalm, Briefen und Evangelien in einem inhaltlichen Zusammenhang und zeigen damit auf, dass die ganze Schrift von Jesus und dem Heilsplan Gottes kündet.
    Ja, Prunk und Form, bzw. Visualisierung / Ritualisierung / Sakramentisierung kann zur Ablenkung und Dämpfung des Heiligen Geistes dienen. Primär liegt es m.E. daran, dass wir diese „Sprache“ nicht mehr kennen und beherrschen, aber auch eine Armut bzgl. der Bibelkenntnis vorliegt. Hinzu kamen dann selbstverstärkende Mechanismen, die den „korrekten“ Ablauf eines Gottesdienstes zu einem Selbstzweck erhoben, nur gültig und heilsbringend ist das vorgeschriebene Gebet und die Riten des „Messbuches“ usw. usf. – mit der Folge eines ablenkenden Herunterleierns des gesamten Gottesdienstes. Das allgemeine Priestertum ist quasi abgeschafft, die Predigt bleibt speziell ausgesuchten Menschen oder auch mal Politikern vorbehalten …, die Predigt gerät in den Hintergrund ist oftmals nur noch politische Aussage oder allgemeine Lebenshilfe ohne biblischen Bezug. Der Gottesdienst in seiner Gesamtheit verkommt zum ritualisierten sonntäglichen Spektakel.

    Nicht alles, was mal war, ist m.E. schlecht gewesen, zumindest die Intention war oftmals eine biblisch hergeleitete Idee. Aber wohin sich die Dinge entwickelt haben, das ist nicht optimal, so dass wir mit den Bauten, der Liturgie, der Kunst nichts mehr inhaltlich anfangen können. Manches tatsächlich oder vermeintlich Überkommene sollten wir uns durchaus ansehen und darüber nachdenken, ob die Generationen vor uns an der ein oder anderen Stelle nicht mehr Licht oder Glaubenseifer hatten als wir heute.

    Man muss ja nicht gleich die Sakramente wieder als heilsnotwendig hochleben lassen – das liegt mir ferne. Aber bevor wir uns über die Sterbesakramente der katholischen Kirche lustig machen, darf man sich durchaus fragen, ob die Ältesten der eigenen Gemeinde denn die Krankensalbung praktizieren und vielleicht vorsichtshalber ein Fläschchen Salböl vorrätig haben (Jak 5,14-15). Das wäre ein Zeichen dafür, dass die Schrift in der eigenen Gemeinde ernst genommen wird.

  2. So ein Quatsch kann nur von jemand kommen, der nichts, aber auch gar nichts verstanden hat. Es ist zwar zutreffend, dass man Sakramente und vieles andere mehr missbrauchen kann und das geschieht ja auch vielfach, das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch einen rechten Gebrauch gibt. Nur weil die Beobachtung des vielfachen Missbrauchs sei es bei den Katholiken oder auch Evangelischen seine Richtigkeit hat, sind eben nicht alle Protestanten und alle Katholiken geistlich gesehen Unbekehrte. Ja, man könnte, wenn es einem nur wie dem Verfasser um Kritik geht, sogar Gebet, auch die biblischen Gebete als absurd bezeichnen, nur weil es Menschen gibt, die nicht im richtigen Sinne und vor allem nicht in der richtigen Verfassung beten, sozusagen nur an die Wand beten. Jeder, der noch halbwegs seinen sieben Sinne bei sich hat, wird doch erkennen, dass derart Schlussfolgerungen einem absoluten Irrtum gleichen und einer regelrechten Sektenideologie entspringen und ebenfalls einem riesigen Hochmut. Der Verfasser meint ja auch man müsse sich nur auf bestimmte Bibeltexte berufen, um vollkommen zu werden. Das hört sich an wie bei einem Beamten, der sich krass auf die Gesetze beruft, weil man dann gerecht handelt im Sinne der Gesetzgebung eines Staates. Wenn das so einfach wäre mit dem Vollkommen-und Heiligwerden, dann liefen bestimmt viele vollkommene Christen auf der Welt herum. Auch hier irrt Herr Masuch gewaltig, denn das ist leider nicht so. Zum vollkommen werden, gehört mehr als nur die Berufung auf bestimmte Worte der Bibel; da muss man erst bestimmte geistliche Vorraussetzungen nach und nach erfüllen wie uns die Christen lehren, die das Ziel in einem hohen Maß erreicht haben und unter diesen finden sich sowohl Evangelische als auch Katholiken, aber es sind nicht sehr viele und die haben die Sakramente der beiden grossen Kirchen nicht kritisiert. Sie wussten aber sehr wohl, dass es auf den Inhalt ankommt und die Form allein ohne den Inhalt wenig hilft. Diese Leute hätten aus geistlicher Sicht Herrn Masuch die passende Antwort erteilt. Es sind eben nicht die Sakramente usw., die die Menschen vom Glauben abhalten, sondern die Tatsache, dass diese innerlich nicht angenommen werden, weil der Glaube und die rechte Überzeugung dabei fehlt Es hängt alles vom Glauben ab wie die Bibel sagt und der richtigen Gesinnung und genau das lehrt auch die katholische Kirche jedenfalls, bei der evangelischen wird es wohl nicht anders sein, jedenfalls nach der Überzeugung der ev. Kirche von früher, von der heutigen reden wir hier nicht. Irgendwann sollte man als Christ auch soweit kommen, dass man den Grund des Unglauben im Unglauben selber erkennt und nicht andere Gründe wie die Sakramente usw, als Grund vorschiebt. Wer das nicht begreift, der hat keinen Überblick und dem ist nicht zu helfen.

    1. Herr Weber, es fehlen bei Ihnen Argumente. „So ein Quatsch“ ist zumindest kein Argument. Hat Jesus Sakramente eingesetzt, die man haben muss zur Errettung? Sind Sakramente heilsnotwendig? Kann die Inanspruchnahme eines katholischen Sakramentes zur Errettung beitragen, oder zum Verlust der Errettung, wenn den Empfang des Sakraments ablehnt? Kann aus Werken, und nichts anderes ist ein Sakrament, überhaupt Rechtfertigung entspringen?

      „Zum vollkommen werden, gehört mehr als nur die Berufung auf bestimmte Worte der Bibel; da muss man erst bestimmte geistliche Vorraussetzungen nach und nach erfüllen “ Und welche? Hat der Schächer am Kreuz bestimmte geistliche Voraussetzungen erfüllt? Er hat nicht mal die einzigen Dinge, die Jesus eingesetzt hat und die man näherungsweise als Sakrament bezeichnen könnte, empfangen, also Taufe und Abendmahl. Vom Judas können wir das dagegen schon annehmen …

      „Diese Leute hätten aus geistlicher Sicht Herrn Masuch die passende Antwort erteilt.“ Das glaube ich nicht. Denn Sie erteilen ja auch keine passende Antwort, weil Sie diese anscheinend nicht herleiten können. Sie poltern hier nur.

      „Es sind eben nicht die Sakramente usw., die die Menschen vom Glauben abhalten, sondern die Tatsache, dass diese innerlich nicht angenommen werden, weil der Glaube und die rechte Überzeugung dabei fehlt “
      Und hier geraten Sie in einen tollen, Sie selbst widerlegenden Zirkelschluß: Wer Sakramente innerlich nicht annimmt, der nimmt diese in heutiger Zeit auch nicht mehr äußerlich an. Der soziale Gruppendruck einer dörflichen Kirchengemeinde fehlt ja heutzutage. Sakramente nimmt nur jemand an und fragt diese nach, der innerlich den Sakramenten eine wichtiges Eigenschaft zuschreibt (lassen wir mal die Kindertaufe als folkloristisches Element außen vor). Und damit hat derjenige, der Sakramente nachfragt, schon den Glauben durch Handlungen ersetzt.
      Oder in anderen Worten: die Handlungen, die Sakramente, die Liturgie, der Kirchenprunk, lenken den biblisch ungebildeten Menschen von der Heilsbotschaft ab. Die Menschen sehen die Handlung, aber die Verknüpfung zum biblischen Wort sehen sie nicht mehr. Ein Katechismus erklärt ihnen die Sakramente als heilsbringend, und der Verwalter der Sakramente sei die katholische Kirche.
      Der Kath. Katechismus von 1985: „Aus dieser Heilsbedeutung der Sakramente ergibt sich dass die Sakramente für die Gläubigen zum Heil notwendig sind.“ Meiner Bibel entnehme ich, dass allein Jesus errettet, durch meinen Glauben an ihn (und nicht an Sakramente) bin ich errettet.
      Und weiter, Konzil zu Trient 1562: „Die heilige Mutter Kirche weiß um diese ihre Vollmacht in der Verwaltung der Sakramente.“ Also nur die Sakramente der katholischen Kirche, die für die Gläubigen zum Heil notwendig sind …
      Weiter im Katechsmus: „Jedes Sakrament ist vielmehr ein Kanal der göttlichen Gnade, ihre „werkzeugliche Ursache““. Ebenso dort: Gott überträgt seine Gnade mittels der Sakramente und der sachgemäßen Durchführung des Ritus kraft des vollzogenen Ritus selbst aufgrund der vollzogenen Handlung.
      Weiter im Katechismus: Der Katholik muss vorbereitet sein, d.h. über die heilgmachende Gnade in seiner Seele verfügen, die Vorbereitung umfasst ein glaubendes Herz (Glauben an was? die Wirkung der Sakramente? Daran, dass nur die kath. Kirche die Gnade verwaten kann?), Besinnung Gebet und ggf. Bußübungen = mal wieder Handlungen, diese Bußübungen. Die Menge der im Sakrament empfangenen Gnade hängt davon ab, wie gut die Person vorbereitet ist sowie von der Großzügigkeit Gottes!
      Heidewitzka, von der Großzügigkeit Gottes. Nicht etwa Joh 3,16: Wer an Jesus glaubt, ist errettet (bedingungslos!), nein, die Großzügigkeit Gottes im Einzelfall muß durch ein bußfertiges Herz vor dem Empfang des Sakramentes getriggert werden.

      Ich verstehe echt nicht, wie Sie es wagen können, dem Artikel von Herr Masuch zu widersprechen, denn er führt genau das als Problem an, was Sie vertreten. Letztendlich sind nicht nur die Sakramente und die Äußerlichkeiten die Ursachen, die Menschen vom Glauben, dem Heiligen Geist und von der Schrifterkenntnis fernhalten, sondern auch Menschen wie Sie, die genau diese antibiblischen, folkloristisch eingeschliffenen, mittlerweile sinnentleerten Dinge als heilsnotwendig vertreten.
      Und das ist genau das, was ich im vorherigen Beitrag schrieb: aus gut gemeinten Dingen, die ursprünglich zur Ehre Gottes dienen sollten, die den damaligen Menschen das biblische Wort nahebringen sollten, sind durch Verselbständigung genau solche Auswüchse entstanden, die Sie hier vertreten.

  3. Ich habe die Sakramente nicht als heilsnotwendig vertreten, lehne sie aber auch nicht grundsätzlich ab. Schon gar nicht sehe ich sie als Hindernisse im Glauben. Der Glaube muss da sein, wenn man die Sakramente erhält. Wenn der nicht da ist, nützen sie weitgehend nichts. Das vertreten beide Kirchen an sich und im übrigen wird in den Kirchen immer auf Jesus Christus Bezug genommen und darauf dass das Heil nur in IHM liegt.
    Das Problem ist nur, dass diese Tatsache vielfach nicht mehr ernst genommen wird und die Menschen diese ganzen durchaus christlichen Dinge und Formen lieblos nur über sich ergehen lassen oft ohne Sinn und Verstand.
    Das war aber auch schon seit mehr als tausend Jahren oft so und daher hat es in der Kirche bzw. den Kirchen immer wieder Erneuerungsbewegungen gegeben. Wer das alles aus seiner Schmalspurrichtung betrachtet, der wird weiterhin am Äusseren hängen bleiben und daraus sein falsches Urteil beziehen. Er blickt es einfach nicht, weil er in seiner Engformung bleiben will.

    Im übrigen haben gläubige Katholiken, darunter auch Priester und ebenso auch gläubige Evangelische, darunter auch Pfarrer früher schon darauf hingewiesen, dass die blossen Formen ohne Glauben an Jesus Christus nicht das Heil bringen, das ist auch Fakt, da kann einer zitieren was er will und auch Dinge, die aus dem Zusammenhang gerissen sind bzw. nicht ALLE Aspekte darstellen und genau das macht ihr in eurer Überheblichkeit.
    Möglichst pauschal alle gläubigen Evangelischen und Katholiken abwerten und nur ihr allein habt den wahren Glauben. Derweil sind die Sekten gespaltener denn je. Alle haben die Worte der Bibel und doch sind sie sich nicht einig.

    Irgendwann muss einer mal begreifen, dass es nicht die Formen sind, die den Glauben schaffen, auch wenn diese richtig sein und auf Richtigkeiten hinweisen können. Das es eine geistliche Not ist, dass der Glaube der Menschen nur noch weitgehend ein formaler ist, ist das Problem und nicht die Formen an sich, die ja auch zumindest zu einem deutlichen Teil der Bibel entnommen sind. Dass man jede noch so gute Form missbrauchen kann, ist nichts Neues und das geschieht hier eben, aber es geschieht auch auf anderen Gebieten.
    Ich respektiere jeden echten evangelischen und auch katholischen Christen, wenn er mit Jesus lebt, auch wenn ich da und dort anders denke als er und ich sehe, dass es in der Kirchengeschichte immer wieder herausragende Christen gab in beiderlei Kirchen, die andere Christen anerkannten, auch wenn sie in manchen Details anders dachten. Hier aber kommt ein Engerlingsgeist zum Ausdruck, der abzulehnen ist. Wenn ein Katholik sich bekehrt oder ein Evangelischer, dann wird und kann er danach sicher vieles nicht kennen und vielleicht auch da und dort irren, auch theologisch, aber immerhin hat er einen guten Anfang gemacht.
    Der eine bekehrt sich im Rahmen des Katholischen, der andere im ev. Rahmen. Auch heute ist das noch möglich da und dort, auch wenn der Liberalismus in der heutigen Zeit, noch mehr als schon früher der Fall, in die Kirchen eingedrungen ist. Was aber die Ansicht von Herrn Masuch über die Vollkommenheit angeht, die ist falsch und irrig und das hat auch nichts mit dem Schächer am Kreuz zu tun. Die reine Lebenspraxis zeigt doch, dass es die vollkommenen Christen nicht gibt und man diese nur aus früheren Zeiten aus Berichten kennt und auch ein Herr Masuch hat kein Patentrezept wie man zur Vollkomenheit gelangt. Tersteegen hat mal gesagt, darüber kann man nur ernsthaft reden, wenn man das selber schon zu einem deutlichen Teil erreicht hat. Es geht sonst wie mit so vielen Prediger, die darüber reden, was gut und richtig wäre in Glaubensdingen, selber aber von dem, was sie predigen weit entfernt sind.

  4. „Irgendwann muss einer mal begreifen, dass es nicht die Formen sind, die den Glauben schaffen, auch wenn diese richtig sein und auf Richtigkeiten hinweisen können.“
    Richtig. Aber das ist genau auch die Aussage, die ich auch in dem o.a. Beitrag von Herrn Masuch auch herauslese. Das Problem ist jedoch , dass Formen / Äußerlichkeiten in den Amtskirchen sehr hochgehalten werden und damit auf den christlich unbeleckten Menschen „erdrückend“ wirken, dadurch in der Wahrnehmung den Blick auf Christus verstellen. Ich war lange Zeit selbst aktiv in der katholischen Kirche, und retroperspektiv muss ich sagen, dass die Formalien (Ablauf Messfeier, Sakramente) dort wichtig waren, ich aber den tatsächlichen Hintergrund nie kannte, weil der eben nicht vermittelt worden ist, weder im Religionsunterricht, Kommunionsunterricht, Firmung,… Und ich weiß aus Gesprächen, dass das den allermeisten Katholiken genauso erging und ergeht.
    Mein absolutes Highlight war der nächtliche Ostergottesdienst, der Priester hatte eine fette Erkältung und suchte nach Rede-Einsparpotential, und mein dezenter Hinweis, wenn dem St. Blasius an der Allerheiligenlintanei Gefallen hätte, hätte der auch als zuständiger Schutzheiliger den Hals des Pfarrers bewahrt. Den bösen Blick werde ich nicht vergessen, trotzdem ließ er die Litanei ausfallen, und am nächsten Tag kamen massive Beschwerden einiger Gemeindemitglieder, wie man nur die Litanei an Ostern ausfallen lassen konnte. Bei denen stand nicht das Ostergeschehen im Mittelpunkt, sondern der zeremonielle Ablauf.

    „Die reine Lebenspraxis zeigt doch, dass es die vollkommenen Christen nicht gibt und man diese nur aus früheren Zeiten aus Berichten kennt und auch ein Herr Masuch hat kein Patentrezept wie man zur Vollkomenheit gelangt.“
    Wir kennen auch keine vollkommenen Christen aus früheren Zeiten. Das würde voraussetzen, dass wir den Menschen ins Herz blicken könnten, und das kann nur Jesus. Nicht wir. Wir kennen die Fassaden, und das war es dann schon.
    Ansonsten gilt das, was Paulus sagt: werdet Jesus ähnlicher.

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