Die Evangelikalen – eine bemerkenswerte Rezension

Die Evangelikalen

10.07.2020, Nachtrag 2: Jürgen Mette und Thomas Schirrmacher haben sich am 4. März diesen Jahres in Bergisch Gladbach persönlich getroffen und am 27.04.2020 folgende Erklärung vereinbart, der nunmehr seit 22.06.2020 auf dem nachfolgenden Link zu lesen ist:

Die „Gemeinsame Erklärung von Jürgen Mette und Thomas Schirrmacher“ ist erfreulicherweise nicht nur eine politisch korrekte Darstellung unterschiedlicher Position mit Eingeständnissen auf beiden Seiten. Sie erinnert mich ein wenig an meine eigene Korrektur dieses Blogs, nachdem sich Jürgen Mette schriftlich gemeldet hatte (siehe unten „Nachtrag 1“). Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass es immer gut ist, sich in theol. Auseinandersetzungen zu Korrekturen in Ton und ggf. Inhalt zu erklären.

  • Von daher: dickes Lob!

Was mich aber umtreibt, ist, wie locker beide Protagonisten sich darin einig wurden, dass Evangelikale vor allem als „Jesus-first“-Leute zu verstehen sind und andere Fragen, wie etwa die Bibelfrage hinten anstehen müssen:

Jütgen Mette: Wir sind uns darin einig, dass die Evangelikalen nicht nur streitbar, sondern vor allem auch plural aufgestellt sind, gerade im Schriftverständnis, nicht zuletzt denen gegenüber, die eine solche Pluralität nicht wahrhaben wollen, sondern ihr eigenes Schriftverständnis als das einzig legitime vertreten.

Nr. 1 in der Stellungnahme von J. Mette

Thomas Schirrmacher: Der Gedanke einer deutschlandweiten und weltweiten Gemeinschaft der Evangelikalen geht gerade von der Pluralität der Auffassungen aus und hält nur einen harten Kern christlicher Lehren für unverzichtbar.

zu Nr. 1, in der Stellungnahme von Thomas Schirrmacher

Sie sind sich darin einig mit Thorsten Dietz: Ja, sehr spannender Beitrag! Schön finde ich, dass Thomas Schirrmacher ja der Kernthese von Jürgen Mette ausdrücklich zustimmt, dass „evangelikal“ eigentlich für eine „Sammlung von ‚Jesus-first‘-Gesinnten“ steht und mit eigenen Worten hinzufügt, „dass es eine Sache gibt, die uns eint, und vieles, was uns unterscheidet.“ (S. 8). Besonders hilfreich finde ich die Bestätigung, dass es eben gar nicht das eine evangelikale Schriftverständnis gibt.

Siehe Fußnote 2 hier im urspr. Artikel

Auch wenn es geschichtlich richtig ist, dass es in der Bibelfrage „schon immer“ große Unterschiede unter den Evangelikalen gab, ist die Leichtfertigkeit, mit der diese Kernfrage behandelt wird, auffallend!

  • Von daher: kritische Rückfrage!

Was konservative Evangelikale bzgl. der „Chicago-Erklärung“ damals als „Angriff“ von Jürgen Mette empfanden, bewertet er erfreulicherweise selbstkritisch als „flapsigen und leichtfüßigen Umgangs mit der Chicago-Declaration“. Aber was mit dem Satz, die „Bibel ist Gottes Wort“ genau gemeint ist, klärt sich dadurch noch nicht.

Ich denke, es wird zunehmend wichtig werden, zu definieren, was zum „harten Kern christlicher Lehren“ gehört, der als „unverzichtbar“ zu bezeichnen ist, wenn man seine Identität als „Evangelkale“ und die notwendige Grundlage der Einheit bewahren will.

  • Gehört das „sola scriptura“ weiterhin dazu (und wie wird es definiert?)?
  • gehören die Inhalte (!) der „fundamentals„, die vor 110 Jahre publiziert wurden, dazu (und was bedeutet es heute?)?

Wenn fast alles – jedenfalls die Bibelfrage – an den theol. Rand gedrängt wird und als Kern nur ein irgendwie unbestimmtes „Jesus-inside“ übrig bleibt, kann man sich natürlich locker „einig“ werden: mit „katholischen Theologen“, wie TS und mit „progressiv evangelicals“ wie JM …

Der Verfasser erinnert sich an die Anfänge seiner Mitarbeit in der evangelistischen Studentenarbeit (1987/88), als ein Mitarbeiter eines bekannten Missionswerkes betonte, mit allen zusammenarbeiten zu wollen, die „Jesus begegnet sind“ und sich gleichzeitig weigerte zu definieren, was das bedeutet …

14./16.02.2020, Nachtrag:
Am 10.02.2020 hat Jürgen Mette, der Verfasser von „Die Evangelikalen“, durch Vermittlung von Dr. Markus Till sich per Mail an mich (bzw. biblipedia) gewandt und unsere Kommentierung der Rezension von Dr. Thomas Schirrmacher (in Teilen zu Recht) zu kritisieren.

Aus dem sich anschließenden Schriftverkehr heraus, habe ich einige Aussagen in dieser Kommentierung überarbeitet, ergänzt, bzw. gelöscht. Nach dem Dialog sehe ich stärker als zuvor, dass Mettes Buch nicht nur eine theologische Bewertung der Evangelikalen darstellt (die mir zu flapsig ist – und bleibt …), sondern eben auch einen biografisch-subjektiven Erfahrungsbericht darstellt (dem ich auch menschliche Stärken abgewinnen kann).

Es sollte nicht sein, dass theologische Streitfragen auf persönlicher Ebene durchschlagen. Wo das geschehen ist, bitte ich Jürgen Mette um Entschuldigung! – Andererseits ist sein Buch und die Antwort von Thomas Schirrmacher und anderer Rezensenten zu Recht eine öffentliche Auseinandersetzung, die wohl auch notwendig bleibt …


25.01.2020, Kommentierung der Rezension von

Thomas Schirrmacher, ‚Theologischer ‚Streit‘ muss sein und gehört zur DNA der Evangelischen Allianz – oder: Warum ich Streitgespräche liebe. Ein offener Brief an Jürgen Mette zu seinem Buch „Die Evangelikalen“‘,

in: ‚Glauben und Denken heute‘ (Ausgabe 2/2019, Nr. 24/13. Jahrgang, Seite 8-24)

Kaum kam die neue Ausgabe von Glauben und Denkenheraus, da stellte Rod Nolte am 23.01.2020 in einem theologischen Forum in FB eine kurze Zusammenfassung aus Thomas Schirrmachers o.g. Kritik an dem Buch von Jürgen Mette. Die Evangelikalen. Weder einzig noch artig. Eine biografisch-theologische Innenansicht. 2019 Gerth Medien zusammen: wir geben eine überarbeitete Fassung mit freundlicher Genehmigung von Rod Nolte weiter (4 Seiten) – wer mehr Zeit hat, lese Schirrmachers Original (17 Seiten) … [1]

Schirrmacher legt eine bemerkenswerte Rezension zu Mettes Buch vor!


Schirrmachers Kritik ist in der Tat fundamental. Mette hat in den sozialen Medien angekündigt, erst dann zu antworten, wenn er sich mit seinem Kritiker getroffen hat: man darf hoffen, dass er die Argumente von Schirmmacher ernstnehmen und darauf eingehen wird. Zu stark sind die von Schirmmacher aufgezeigten logischen Widersprüche und Inkonsistenzen in Mettes Buch, als das sie unbeantwortet bleiben sollten.

Hier ein paar Schneisen in Kurzform … – und hier die pdf dazu.

Streitkultur oder Brückenbauen …?

  • Mette wirft den konservativen Evangelikalen einen „Hang zum Streiten“ vor und verfasst dann selbst eine „Streitschrift“ (anstatt, gem. seiner Zielsetzung ‚Brücken zu bauen‘) …
  • In den beiden Vorworten seines Buches wird Mette als „Brückenbauer“ bezeichnet – und im Interview mit Wolfgang Bühne bestätigt Mette dies als Selbstwahrnehmung: „Ich sehe meine Aufgabe im Brückenbauen zwischen den Lagern der Jesus-Leute“. Von Bühne hat er hingegen den Eindruck, er liebe die Fronten
  • In seinem eigenen Buch sieht man aber auch Abgrenzung auf Abgrenzung … – Kardinal John Henry Newman hingegen wird von Mette als „Brückenbauer“ erwähnt? Worin besteht nochmal sein Vorbild? (man erinnere sich: ehemalig führendes Mitglied der ‚Oxford-Bewegung‘, Ex-Anglikaner (dessen Bruder der evangelikalen Szene nahestand), ein Konvertit zum röm. Katholizismus, später Kardinal und seit dem Herbst 2019 auch ein off. ‚Heiliger)
  • Mette fordert Einigkeit, und sagt gleichzeitig: „Wer mich öffentlich als ’nicht mehr bibeltreu‘ bezeichnet, ist nicht mein Bruder / Schwester“ (ein vorschnelles Urteil); Mette findet, dass man ihn kritisiere, ohne ihn vorher zu einem Gespräch besucht zu haben, …
  • Es fehlt bei Mette eine klare Bibelarbeit, die darlegt, was falsches und was richtiges Streiten ist. Unklar bleibt, warum Mette scharf und angreifend formulieren darf und andere nicht. Immer sind „die anderen“ die Streithammel, nicht Mette oder Leute, die auf seiner Seite stehen.
  • Die christliche Theologie hat die „Disputation“ vor 1.500 Jahren in den Klöstern hervorgebracht (aus dem Judentum übernommen). Universitäten sind aus diesem Geiste entstanden. Die Errungenschaften der Moderne sind nicht durch ‚Schmusen‘ und Einheitsbeteuerungen, sondern durch organisierte Streitgespräche hervorgebracht worden.
  • Zum Protestantismus / zu den Evangelikalen gehört, dass jeder selber um die richtige Bibelinterpretation ringt. Schirrmacher hat z.B. am ökumenischen Dokument von 2011 „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ (CZmrW, Vatikan, Ökumenischem Rat der Kirchen, Weltweiter Evangelischer Allianz) mitgearbeitet, wofür er von anderen (Anm.: zu Recht …) auch deutlich kritisiert wurde.
  • Gruppen, die sich einer theol. Liberalisierung entgegenstellen, nennt Mette „Protestzirkel“. „Statt sich zu inspirieren / zu erneuern, werden immer neue Protestzirkel etabliert“ (Mette, S. 45). Daraus ergebe sich die gesellschaftliche Wirkungslosigkeit der Evangelikalen!
  • Es scheint, als gelte: „Bestehende Strukturen / Denkweisen sind zu erhalten“. Dabei war es ja Mette, der seine eigene Sichtweise „modernisiert“; sich also aus früheren Strukturen hinausbewegt hat. Warum ist er jetzt kein „böser Protestzirkler“?
  • Mette kritisiert, dass Worthaus-Predigten „kritisiert werden“, übergeht aber, dass die Worthaus-Prediger oft selbst sehr heftig austeilen, mit polemischem Ton gegenüber anderen Christen.

Evangelikale …

  • Mette kritisiert, dass unter Evangelikalen „geprüft werde, ob er im Glauben klar stehe“ (was ihn offensichtlich ärgert), er selber nennt aber ebenfalls listenweise Dinge, die man auf keinen Fall vertreten dürfe …
  • Mette sagt (S. 205): „Ich will mir immer wieder bewusst machen, dass ich von meinen schärfsten Kritikern sehr viel lernen kann“, aber im Buch findet sich kaum ein Beispiel, was er von den Kritikern gelernt hat.
  • Mette findet den Begriff „evangelikal“ derart überfrachtet, kontaminiert, theologisch entkernt, dass man ihn abschaffen solle. Schirrmacher hingegen behauptet: man schafft Begriffe nicht ab und ersetzt sie durch „Nichts“, sondern mit besseren Begriffen. Mette solle einen besseren Begriff vorschlagen …
  • Sicher kann man sich für manche ‚Evangelikale‘ nur schämen – aber das gibt es überall, wo es Menschen gibt. Laut Mette „kränkelt“ die evangelikale Szene jedoch schon von Anfang an, und müsse die „ursprüngliche Idee“ wiederherstellen. (welche “ursprüngliche Idee“ eigentlich? Die der realen evangelikalen Bewegung, die angeblich schon von Anfang an kränkelte, oder einem von progressiver Seite erträumte …?)

Sexualität

  • Laut Mette sei Homosexualität ein „Randthema“, das wir nicht zu einer Bekenntnisfrage machen sollten. Schirrmacher: „Da sind sich Freund und Feind ausnahmsweise mal einig, dass das (Homosexualität) kein Randthema ist. Das ist wirklich Deine (Mettes) ganz private Meinung, die sicher nichts zur Lösung beitragen wird.“
  • Mette übertreibt: Evangelikale befassen sich nicht „nur“ mit Homosexualität – über Islam und Christenverfolgung wird weit mehr publiziert, da gibt es Institute und Zeitschriften …
  • Mette wendet sich gegen „vereinfachende“ Lösungen, aber für das Thema Homosexualität hat er selber eine ultravereinfachende Lösung, indem er es zum „Randthema“ erklärt, das keine Bekenntnisfrage sein kann …
  • Diese Lösung habe laut Schirrmacher noch nirgends funktioniert. Sexualethik sei nun mal kein Randthema. Wenn Sexualität ein Randthema wäre: was ist mit sexuellem Missbrauch, soll das auch alles nur privat ausdiskutiert werden? Bei Abtreibung sagt Mette wiederum nicht, dass dies ein Randthema sei.
  • Wer entscheidet nun, was ein „Randthema“ ist: Mette hält seine eigene Position zu Homosexualität für die einzig gangbare und vertritt sie mit Nachdruck – warum ist ihm seine Position so wichtig, wenn es ein Randthema ist?

Schöpfungsforschung und Schriftverständnis

  • Die Frage nach Kreationismus bzw. Schöpfungsforschung löst Mette ganz einfach: Wer gelernt hat, die unterschiedlichen Literaturgattungen zu unterscheiden, der muss nie wieder über die Evolutionstheorie streiten … (S. 100). [Christen haben jedoch schon immer Literaturgattungen unterschieden, und ob Genesis 1 und 2 als „Poesie“ zu sehen ist, darüber entscheiden philologische Argumente, etc.]
  • Die Gegner von Mette seien einfach Fundamentalisten, die „einfache Menschen“ mit simplen Antworten bedienen, jedoch sind die Lösungsvorschläge von Mette ebenfalls simplizistisch.
  • Das Schriftverständnis von Mettes Gegnern werde „von Angst dominiert“. [Psychologisierung des Gegners.]. Schirrmacher weist hingegen die Vorwürfe von Mette gegen die Chicago-Erklärung als haltlos aus. Artikel XVIII sagt ja gerade, dass grammatisch-historische Exegese wichtig ist, und Artikel XIII sagt, dass literarische Kategorien wesentlich sind, etc.
  • Mette meint, er versuche die Bibel ganz ohne Vorverständnis zu lesen. Dazu Schirrmacher: keiner kann so einfach die Bibel lesen, wie sie sich selbst verstanden hat. Man muss zuerst erarbeiten, was ein Text damals gemeint hat, dann sich seiner eigenen Sprache, Kultur und Voreingenommenheit bewusstwerden. „Das ist auch kleines Einmaleins jeder bibeltreuen Theologie“.
  • Mette habe wohl einfach seine frühere „fromme“ hermeneutische Tradition mit einer anderen ausgetauscht. Schirrmacher: „Da kannst Du doch nicht einfach ‚fromm‘ erklären, Du seist quasi der Einzige, der nur schlicht die Bibel so verstehen wolle, sie sie sich selbst verstanden wissen will.“ …
  • Mette meint, seine Gegner sagen: „Man soll einfach das wörtlich nehmen, was da steht“ – Schirrmacher bittet, dass er ihm diesen Satz bitte von einem evangelikalen / bibeltreuen Theologen zeigen soll. Leider habe sich Mette nicht die Mühe gemacht, die Schriften seiner Gegner gründlich zu studieren. So schlage er ständig auf Strohmänner der Gegenseite ein.

Koran und liberale Theologie

  • Mette meint, es gäbe die islamische Sicht im Umgang mit dem Koran auch „in christlichen Ausprägungen“. Das sei, so Schirrmacher, schlicht falsch, das habe es weder in der Geschichte noch heute je gegeben. (S. 22 bei Schirrmacher).
  • Mette erweckt den Eindruck, die liberale Theologie habe uns nur ein wenig philologisch auf die Sprünge geholfen, aber übergeht komplett den glaubenszerstörenden Effekt (und die falschen philosophischen Grundlagen) der liberalen Theologie / der historisch-kritischen Bibelauslegung.
  • Mette preist die europäische Akkreditierung unter staatlicher Aufsicht seit der Einführung der Bologna-Kriterien wegen ihrer Wissenschaftlichkeit – Fakt ist aber, so Schirrmacher, dass sich die meisten theologischen Fakultäten an deutschen Universitäten gegen die Einführung der Bologna-Methoden wehren, weil sie deren Folgen als nicht förderlich ansehen …

Schirrmachers Rezension ist ausbaufähig …

  • Schirrmacher kommt bisweilen etwas hochnäsig rüber: hier der universelle Dr. mult., dort der lokale pietistische Theologe …
  • Er beschreibt fast ausschließlich formale Aspekte und bleibt auf der Meta-Ebene, indem er die „Streitkultur“ zwischen verschiedenen Meinungen sehr stark betont und lobt, ohne inhaltlich Grenzen zu ziehen, was denn nun evangelikal ist und was nicht mehr zur evangelischen Allianz gehören solle …
  • Inhaltlich hat er z.B. nichts zum Thema Homosexualität gesagt. Jede inhaltliche Festlegung würde natürlich von der Gegenseite sofort wieder als „zu eng“, „intolerant“ etc. diffamiert werden.
  • Diese ‚Offenheit‘ kann natürlich ein postmodern gesinnter Gegenüber sofort ausnutzen: ‚wir sind ja gerade für Pluralität; dann muss unsere Sicht von Homosexualität, liberaler Schriftauffassung, liberaler Sicht von Sex vor der Ehe, von der Wahrheit anderer Religionen, vom Sühneopfer, etc. auch voll akzeptiert werden, Hauptsache wir sind bereit, darüber zu diskutieren.‘ … – vgl. Thorsten Dietz in seiner Reaktion auf Schirrmachers Rezension in einem anderen Facebook-Thread …  [2]
  • Problem: Wenn man keine inhaltlichen Festlegungen mehr machen kann, weil man Angst haben muss, innerhalb der evangelikalen Bewegung als intolerant ausgegrenzt zu werden, dann haben die ‚konservativen Evangelikalen‘ schon verloren, weil damit die Hermeneutik der Gegenseite „de facto“ akzeptiert wurde.
  • Dies scheint die Strategie zu sein, auf die Mettes Buch (ob bewusst oder unbewusst) hinausläuft: dass nicht mehr über Inhalte diskutiert wird, dass keine Wahrheitsansprüche für christliche Positionen mehr ausgesprochen werden, sondern alle Sichtweisen gleichberechtigt nebeneinanderstehen können (postmodern und bibeltreu). Damit hat dann aber – auf der Metaebene – die postmoderne Fraktion ‚gewonnen‘ …
  • Fakt ist: Mettes Buch liest sich – nach Schirrmachers Rezension – wie eine „Kampfansage“ an konservative Evangelikale. Sollen konservative Evangelikale in der evangelikalen Bewegung „marginalisiert“ werden?
  • Insofern ist Thomas Schirrmachers Rezension fast schon defensiv …

Summe

Schirrmacher liefert mit seiner Rezension zwar starkes Argumentationsmaterial, aber die innerevangelikale ‚Schlacht‘ geht erst richtig los … – Die Freunde aus ‚Post-Evangelikalien‘ erheben einen klaren Führungsanspruch, und scheinen die Interpretation dessen, was in der Evangelischen Allianz gilt, für sich gewinnen zu wollen.

Zum Weiterlesen:


D. Facius schließt die damalige Rezension des Bibelbundes wie folgt ab:

Und noch ein Weiteres muss verwundern: das fast völlige Fehlen einer Auseinandersetzung mit der „Wahrheit“. Mette schreibt viel über Gnade und Liebe, geht aber kaum darauf ein, dass Jesus gekommen ist, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben (Joh 18,37) und seine Gemeinde als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit baut (1Tim 3,15). Wer ernsthaft an einer Beilegung von innerevangelikalen Streitigkeiten interessiert ist, muss sich vordringlich mit dem Problem befassen, wie sich Liebe und Gnade und Wahrheit zueinander verhalten. Nicht jede inhaltliche Auseinandersetzung, nicht jede Kritik ist nämlich per se „ungnädig“.

Links:


[1] Diese Textfassung verantwortet natürlich der Herausgeber selbst …

[2] Thorsten Dietz Ja, sehr spannender Beitrag! Schön finde ich, dass Thomas Schirrmacher ja der Kernthese von Jürgen Mette ausdrücklich zustimmt, dass „evangelikal“ eigentlich für eine „Sammlung von ‚Jesus-first‘-Gesinnten“ steht und mit eigenen Worten hinzufügt, „dass es eine Sache gibt, die uns eint, und vieles, was uns unterscheidet.“ (S. 8)

Besonders hilfreich finde ich die Bestätigung, dass es eben gar nicht das eine evangelikale Schriftverständnis gibt. Gerade in der DEA war das Bekenntnis zur Irrtumslosigkeit der Bibel noch nie der Maßstab evangelikaler Bibeltreue. Schön, dass von einem zu bestätigt zu finden, die die Chicagoer Erklärung bis heute in seiner eigenen Deutung vertritt.

Interessant fand ich auch die Feststellung, dass selbst unter den Anhängern einer Hermeneutik der Irrtumslosigkeit der Kreationismus keineswegs so selbstverständlich ist, wie andere es bisweilen darstellen. Es gilt nicht nur: „Eine kreationistische Auslegung des Schöpfungsberichtes und die theistische Evolution haben in der evangelikalen Bewegung seit Darwin immer schon nebeneinander her bestanden“ (18), was ja offensichtlich ist. Sondern mehr noch: „bereits die ersten „Fundamentalisten“ waren in dieser Frage nicht einig“ (Ebd.). Wenn man selbst von der Chicagoer Erklärung her zu dem Ergebnis kommt, dass wir „mit einer großen Bandbreite an ‚bibeltreuen‘ Sichtweisen von Genesis 1–11 leben müssen“, sehe ich in diesem Zugeständnis eher eine Stärkung der Anliegen Jürgen Mettes als eine Kritik.

(…)

Alles in allem habe ich nach Lektüre dieses Textes den Eindruck, dass Thomas Schirrmacher fast mehr Klärungsbedarf hätte mit konservativen Evangelikalen als z.B. mit Jürgen Mette oder auch mir….

Auf diesem Niveau könnten die Gespräche gerne fortgesetzt werden. Vielleicht mit einem etwas weniger schulmeisterlichen Tonfall und „Tunnelblick“-Unterstellung, um auch etwas kritische Bedenken anzumelden…

https://www.facebook.com/till4one/posts/3332592770144740

Dieser Blog-Beitrag von Uwe Brinkmann erschien zuerst auf brink4u . Lies hier den Original-Artikel "Die Evangelikalen – eine bemerkenswerte Rezension".

Über Uwe Brinkmann

beruflich +21 Jahre als Projektleiter in der Bauabteilung eines kommunalen Energieversorgers; jetzt Facheinkäufer für Bau- und Ing.-Leistungen ...-... aufgewachsen in der 4. Generation der "Brüderbewegung"; trotz kritischer Aufarbeitung von daher geprägt: heute moderater "Dispi" seit seiner "Bekehrung" (1981) theol. Autodidakt, 1993/94 für eine theol. Kurzausbildung in den USA seit 1987 im Großraum München in der Gemeinde- und Jugendarbeit tätig; einer der Gemeindeleiter und Gründungsmitglied (1997) einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde (im Ehrenamt), der "Christl. Gemeinde Unterschleißheim" (www.cgush.de) Mitarbeiter eines übergemeindlichen Schlungsprogramm: H3: "Hirn, Herz und Hand" im Großraum München; seit 01.01.2015 Blogger (www.brink4u.com) * 1962 (Oberhausen / Rhld.), seit 1992 verheiratet, 4 Kinder

33 thoughts on “Die Evangelikalen – eine bemerkenswerte Rezension

  1. Herr Schirrmacher hat Herrn Mettes Buch schön auseinandergenommen. Solche Bücher kann nur jemand schreiben, der geistlich gesehen ein Psycho ist, wohlgemerkt geistlich gesehen, nicht medizinisch. Derart Christen laufen genug in der Welt herum, die eigene Erlebnisse pauschalieren und falsche Schlüsse daraus ziehen, also wenig objektiv sind. Gut beobachten lässt sich das auch beim jetzigen Papst, der nicht wenige Bibeltexte völlig falsch auslegt und bei den Evangelikalen gibt es auch genug, besonders von denen, die meinen die Universitätstheologie habe ganz, ganz neue Erkenntisse auf manchen Gebieten gebracht. Dabei widersprcht der eine Theologe dem andern und was ehemals als neueste Erkenntnis propagiert wurde – ich denke da an Bultmann und Co – das wird heute doch anders gesehen. Viele Theologen sind eher Theolunken als Theologen.

    1. Walter, hast du jeden Satz im Buch von Jürgen Mette selbst gelesen?

      Und kennst du die calvinistischen Schriften Schirrmachers durch eigenes Studium?

    2. Hallo Herr Weber,
      mit etwas Verspätung dann doch ne Antwort: das „der geistlich gesehen ein Psycho ist, wohlgemerkt geistlich gesehen, nicht medizinisch“ finde ich a weng polemisch. Bisher hat ja kaum jemand auf Ihren ersten Kommentar unter dem Artikel geantwortet, ich mache es mal, ohne eine Lawine lostreten zu wollen: fühlt sich unter der Gürtellinie an = nicht gut …

      Polemik ist erlaubt. Kritik auch. Aber es braucht argumente – siehe Schirrmacher …

      1. Nun, Schirrmacher hat doch die Argumente schon gebracht und die waren ja auch so, das er ihm grosse Subjektivität vorwarf, die ja letztlich aus psychischen Gründen entsteht. Ich habe das halt Psycho genannt, aber auch erwähnt, dass das nicht medizinisch gemeint ist. Um mal allgemein darauf hinzuweisen: Es gibt ja genug Prediger, die sozusagen psychisch predigen, indem sie in die Worte der heiligen Schrift, die sie auslegen, ihre eigene seelische Verfassung hineinrühren. Das machen ja nicht nur die Modernisten (die sowieso), sondern auch die evangelikalen Prediger manchmal.
        Ich habe ja den Text von Schirrmacher weitgehendst gelesen und der legt die Argumente wie gesagt ja schon deutlich vor. Dann reicht ja auch mein Kurzkommentar hierzu. Ich bin nicht sicher wie sehr das Buch von Jürgen Mette dann nicht auch etwas unter der Gürtellinie ist. M.E. bringt es geistlich gesehen aber nichts, jedenfalls nach dem Kommentar von Schirrmacher zu urteilen.

  2. Im Artikel wird auf einen Facebook-Thread hingewiesen, in dem Thorsten Dietz auf Schirrmacher antwortet. Leider hat eine google-Suche danach nicht zum Erfolg geführt. Ich habe auch kein eigenes Facebook Profil. Gibt es eine Möglichkeit diesen Beitrag irgendwie zu finden. Denn das würde mich sehr interessieren.

    Liebe Grüße

    1. Hallo Schlotti,

      die Antwort von Thorsten Dietz muss ich suchen: Jürgen Mette hat auf Schirrmachers Kritik auf dessen Facebook-Profil wie folgt geantwortet:

      Jürgen Mette Seit einer Woche versuche ich den Autor dieser gründlichen Kritik zu erreichen. Ich werde mich weder hier auf FB noch auf anderen Kanälen gegen ihn stellen. Er ist ein verdienter Bruder in Christus , für dessen internationale Brückenbauarbeit ich ihm ausdrücklich danke. Warum er nicht das Gespräch mit gesucht hat, bleibt sein Geheimnis. Ich werde keine öffentliche Stellungnahme abgeben, ohne mit ihm persönlich gesprochen zu haben. Pech für alle, die sich auf einen endlosen shitstorm gefreut haben. Im Übrigen ist Mt.18:15 immer noch in Kraft.

      Das geht leider an der Sache vorbei: wer umfängliche Kritik an einer Bewegung in einem öffentlichen Buch übt, muss eine öffentliche Antwort aushalten, das hat nichts mit Matth 18:15 zu tun.

      1. Hier die Antwort von Thorsten Dietz zu einem thread von Markus Till bzgl. Schirrmachers Artikel in „Glauben und Denken“:

        Thorsten Dietz Ja, sehr spannender Beitrag! Schön finde ich, dass Thomas Schirrmacher ja der Kernthese von Jürgen Mette ausdrücklich zustimmt, dass „evangelikal“ eigentlich für eine „Sammlung von ‚Jesus-first‘-Gesinnten“ steht und mit eigenen Worten hinzufügt, „dass es eine Sache gibt, die uns eint, und vieles, was uns unterscheidet.“ (S. 8)
        Besonders hilfreich finde ich die Bestätigung, dass es eben gar nicht das eine evangelikale Schriftverständnis gibt. Gerade in der DEA war das Bekenntnis zur Irrtumslosigkeit der Bibel noch nie der Maßstab evangelikaler Bibeltreue. Schön, dass von einem zu bestätigt zu finden, die die Chicagoer Erklärung bis heute in seiner eigenen Deutung vertritt.
        Interessant fand ich auch die Feststellung, dass selbst unter den Anhängern einer Hermeneutik der Irrtumslosigkeit der Kreationismus keineswegs so selbstverständlich ist, wie andere es bisweilen darstellen. Es gilt nicht nur: „Eine kreationistische Auslegung des Schöpfungsberichtes und die theistische Evolution haben in der evangelikalen Bewegung seit Darwin immer schon nebeneinander her bestanden“ (18), was ja offensichtlich ist. Sondern mehr noch: „bereits die ersten „Fundamentalisten“ waren in dieser Frage nicht einig“ (Ebd.). Wenn man selbst von der Chicagoer Erklärung her zu dem Ergebnis kommt, dass wir „mit einer großen Bandbreite an ‚bibeltreuen‘ Sichtweisen von Genesis 1–11 leben müssen“, sehe ich in diesem Zugeständnis eher eine Stärkung der Anliegen Jürgen Mettes als eine Kritik.
        Etwas kurios fand ich den Einwurf: „Dass die Weltweite Evangelische Allianz mit dem UN-Klimarat zu-sammenarbeitet und ein WEA Sustaina-bility Center direkt gegenüber der UN in Bonn hat, scheinst Du gar nicht zu wissen“. (23) Na ja, dieses Zentrum wurde erst 2019 eröffnet also nach Veröffentlichung des Buches von Jürgen Mette…. Aber natürlich ist das sehr erfreulich und ich wünsche mir sehr, dass die WEA an dieser Stelle noch viel lauter ihrer Stimme erhebt, gerade auch den nicht ganz wenigen Evangelikalen gegenüber, die in dieser Frage im letzten Jahr sich nicht so eindeutig zu den Positionen des UN-Klimarats stellen konnten oder wollten.
        Alles in allem habe ich nach Lektüre dieses Textes den Eindruck, dass Thomas Schirrmacher fast mehr Klärungsbedarf hätte mit konservativen Evangelikalen als z.B. mit Jürgen Mette oder auch mir….
        Auf diesem Niveau könnten die Gespräche gerne fortgesetzt werden. Vielleicht mit einem etwas weniger schulmeisterlichen Tonfall und „Tunnelblick“-Unterstellung, um auch etwas kritische Bedenken anzumelden…

        https://www.facebook.com/till4one/posts/3332592770144740

        1. Vielen Dank für die Antwort auf meine Frage!

          Ich finde sehr vieles in der Rezension bzw. dem offenen Brief von Thomas Schirrmacher überaus gelungen. Wie er Mettes Inkonsequenz aufzeigt, wenn dieser sich einerseits als Brückenbauer versteht und er gleichzeitig alle Brücken zu bestimmten Teilen der Evangelikalen (Bekenntnisevangelikale) abreißt. Wie Schirrmacher ihm seine Inkonsequenz und Einseitigkeit vor Augen führt. Zum Beispiel wenn Mette den „bibeltreuen“ vorwirft einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben und dann selbst sehr einfache Antworten präsentiert. Schirrmachers Bekenntnis zur Chicagoer Erklärung ist ermutigend und hat einfach gut getan zu lsen. Und noch vieles mehr.

          Erstaunlicherweise stimme ich mit einigen Anmerkungen von Dietz überein, aber aus völlig anderer Richtung. Auch mir ist aufgefallen, wie sehr Schirrmacher die Pluralität von Beginn der Evangelikalen Bewegung an betont, auch was die Schriftfrage angeht. Aber genau hier hätte ich mir einige Sätze mehr gewünscht. Ist diese Pluralität also gewollt? Gibt es Grenzen für sie oder nicht? Nicht allein was die Schriftfrage angeht, sondern auch in Bezug auf deren Inhalt.

          Wenn Evangelikal allein bedeutet „Bewegung von Jesus first Leuten“ spielt es dann eine Rolle wer dieser Jesus ist, warum er kam, wie wir seinen Tod am Kreuz verstehen usw.? Oder gilt Hauptsache Jesus, wer oder wie auch immer er war? Das sind Fragen für mich. Ich bezweifle nicht, dass Schirrmacher Antworten darauf sich mit meinen weitgehend decken würden. Aber bei Mette und Dietz würde ich das in Teilen bezweifeln.

          Mir geht es hier in erster Linie nicht um Bewertung, sondern schlicht um die Frage, ob das Wort, besser die Bewegung Evangelikal überhaupt noch einen fest umrissenen Inhalt hat, wenn eigentlich jeder über Gottes Wort, Jesus und vieles mehr denken kann was er will. Man, was für ein langer Satz.

          Nochmals vielen Dank!

          Liebe Grüße
          Schlotti

          1. Deine letzten beiden Absätze sprechen „mein Hauptproblem“ an. Allein aus unterschiedlichen Bewertungen der Schöpfungsgeschichte (Kreationismus, theistische Evolution, Evolution) entstehen unterschiedliche Bedeutungen des Kreuzestodes, damit auch unterschiedliche „Interpretationen“ der Person Jesus.
            Das geht aber dann noch weiter: wie sieht man das Thema Jungfrauengeburt? Will man es auf die Spitze und in Details treiben: Frauenordination? Abendmahlsverständnis (Gedächtnismahl, Transsubstantiation? Irgendwas dazwischen?) Ist Sexualmoral heilsentscheidend? Es gibt einige Themenbereiche, bei denen ich der Meinung bin, dass ich da bei anderen Auffassungen nicht mitgehen kann, und dass es gut ist, dass wir uns in unterschiedlichen Gemeinden befinden – oder eben Trennen, wie die Baptisten, die Methodisten, … .

            Gleichermaßen bin ich der Auffassung, dass Gott den Glauben in uns wirkt, und der Heilige Geist uns die Schrift aufschließt. Um wieviel „besser“ ist dann mein Schriftverständnis als das des Gegenübers? Auch mein Gegenüber hält sich für bibeltreu, und liest und versteht die Bibel so, wie er vom Geist geführt wird.

            Ab wann ist der Punkt erreicht, ab dem ich ein fremdes Joch ziehe (2. Kor 6,14)? Oder gehört der andere lediglich zu Apollo und ich zu Kephas (1. Kor 1, 11ff)?

            Es ist ein schwieriges Thema, und das Attribut „evangelikal“ ist nicht eindeutig definiert (nach meiner Auffassung).

          2. Lieber Stephan, ich freue mich über Ihre Beiträge der letzten Zeit.

            Es klingt sehr besinnlich, nachdenklich, in sich hörend und im wahrsten Sinne groß-artig……

            🙂

          3. @Jazzico
            Vielleicht bin es gar nicht ich, der sich geändert hat … 😉

            Die Beiträge unserer Autoren hier regen mich schon zum Nachdenken an, manche (nicht alle) Kommentare auch, Predigten, Begegnungen mit Menschen, die „anders“ glauben. Letztendlich sollten wir unsere Positionen immer wieder prüfen, Inputs von außen im Bibelstudium berücksichtigen, und gelegentlich ist auch Positionsveränderung angebracht, oder man verortet sich selbst genauer auf einer Position.

            Ich habe für mich im Laufe der Jahre Glaubenswahrheiten gefunden, die ich als unverrückbar ansehe, und bei denen ich nicht die Weite habe, die andere Geschwister an den Tag legen. Es gibt Positionen, die ich für glaubensgefährdend halte (z.B. (theistische) Evolution), und denen ich daher immer wieder gerne widerspreche. Wenn Tod und Sünde schon vor dem Menschen existieren, wo bleibt da die Schuld des Menschen an seiner Sünde und Sterblichkeit?

            Wobei ich natürlich nicht ausschließen kann, dass mein Gegenüber da andere Erkenntnisse hat. In der ersten Zeit meines Christentums und der Nachfolge hatte ich ja auch keine Probleme mit der Evolution, die Erkenntnis kam erst später. Und bei manchen Menschen kommt sie nie – und da ich ja eher bei Calvin stehe: wenn die Erkenntnis nicht beim anderen da ist, dann hat Gott sie ihm nicht gegeben (oder mir eben eine andere Erkenntnis). Trotzdem kann ich dem Gegenüber ja nicht die ernsthafte Nachfolge absprechen, da ich ihm ja nicht ins Herz schauen kann.

          4. @Stephan
            Eigentlich wollte ich direkt auf deinen Beitrag antworten, aber leider fehlt unter deinem Beitrag die Möglichkeit zu antworten. Deshalb so.

            Ich gehöre nicht zu denen, die glauben sich wegen allem spalten und trennen zu müssen. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass eine Einheit unter den Evangelikalen nötig ist. Aber eben nicht um jeden Preis. Früher oder später wird man, wie du ja auch schreibst, Lehren nennen müssen, die nicht verhandelbar sind und diese von Überzeugungen unterscheiden, in denen unterschiedliche Erkenntnisse ausgehalten werden müssen.

            Ich denke dies entspricht durchaus der Bibel. Wenn Paulus z. B. in 1. Korinther 15,3 davon spricht, er habe den Christen Korinthes „vor allem“ überliefert, was er empfangen habe, dann meint er damit „grundlegend“ oder „von besonderer Bedeutung“. So übersetzt die ESV „fist improtance“. Das ist für mich ein Beleg, dass es eine „Gewichtung“ gibt. Von diesem Pauluswort ausgehend, zählt also das Evangelium zu den Dingen erster oder grundlegender Ordnung. Damit ist dann natürlich auch Jesu Person eingeschlossen und damit selbstverständlich z. B. die Trinität. Alle Konfessionen stimmen hier überein.

            Damit ist Person und Werk Jesu aber zentral und das naive „Jesus First Leute“ nicht tragfähig. Mit diesem Verständnis von 1. Korinther 15,3 stimmt auch der Galaterbrief überein. Paulus stellt den unter das anathema, der ein anderes Evangelium verkündigt. Wir finden aber kein Anathema über die Gemeinde, in der Frauen keine Kopfbedeckung tragen oder Kirchen, in denen Kinder getauft werden (ha, ich bin Freikirchler), also ausgewogen auch, über die Gemeinden, in denen Gläubige getauft werden usw. Es gibt Lehren ersten Ordnung, zweiter Ordnung usw. Damit ist nicht gesagt, dass z. B. Taufe ein unwichtiges Thema ist. Aber eben keines, das die christliche Einheit aufheben sollte.

            Das ist für mich ein Ansatzpunkt, um Einheit zu bewahren, aber auch notwendige Grenzen zu ziehen. Das Beispiel Person und Werk Jesu ist dabei zentral, aber welche Lehren gehören noch zur ersten Ordnung? Diese ganzen Fragen sind spannend, wichtig, erfordern aber auch einiges an Weisheit.

            Was mir aber immer deutlicher wird, ist, dass wenn ein Begriff (wie evangelikal) alles bedeutet, er natürlich gleichzeitig nichts bedeutet, für nichts steht und zu nichts zu gebrauchen ist. Aber so weit möchte ich eigentlich nicht gehen, weil es ein guter Begriff ist. Warum jemand wie Mette darauf besteht ein Evangelikaler zu sein, ist mir ein Rätsel. Besser passen würde es, wenn er sich als postevangelikal bezeichnet. Aber eine „feindliche Übernahme“ des Begriffs finde ich schade.

            Liebe Grüße
            Schlotti

          5. Sorry, ein kleiner Nachtrag. Vielleicht wird mir bei all diesen Fragen ein in kurzer Zeit erscheindendes Buch helfen. Allein der Titel ist genial: „Finding the Right Hills to Die On: The Case for Theological Triage“. Der Autor ist Gavin Ortlund. Das Vorwort hat D. A. Carson geschrieben, was schon mal ein Qualitätsmerkmal für mich ist.

            Nochmals herzliche Grüße
            Schlotti

          6. Wie es der Zufall will, habe ich ungefähr zwei Stunden nach meinem letzten Kommentar einen interessanten Absatz in einem neuen Buch gelesen. Da ich es hilfreich finde, wenn es auch nicht zu 100% zum Thema passt, stelle ich ein längers Zitat hier hinein:

            “`Dogmatische Prioritäten´ sind für weises, theologisches Denken grundlegend. Diese Formulierung bedeutet, dass Lehren eine Priorität zugewiesen wird, die mit der Bedeutung der Lehre für Treue und Gemeinschaft zu tun hat. Nicht alle Lehren, zu denen wir uns halten, haben den gleichen Stellenwert, obwohl alle biblischen Lehren wichtig sind …

            Der Gedanke dogmatische Prioritäten festzulegen, sieht für mich so aus. Ich unterscheide zwischen Level 1 Überzeugungen, Level 2 Überzeugungen, Meinungen und Spekulationen. Als Beispiel für eine Level 1 Überzeugung kann die Rettung allein aus Gnade, nicht aus Gnade und Werken oder allein aus Werken dienen. Die Lehre der Rechtfertigung allein aus Gnade, allein durch den Glauben ist das Evangelium, das die Reformatoren im 16. Jahrhundert wiederentdeckt haben. Eine weitere Level 1 Überzeugung besteht darin, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, wie es 1. Johannes 4 lehrt. Es ist schwer vorstellbar mit jemandem christliche Gemeinschaft zu haben, der diese biblische Wahrheit leugnet. Dies sind Überzeugungen, die für das Evangelium lebensnotwendig sind und durch die Schrift bezeugt werden.

            Kommt allerdings die Frage auf, ob ein Baby getauft wird (Säuglingstaufe) oder nur diejenigen, die ihren Glauben persönlich bekennen (Glaubenstaufe), argumentiere ich, dies sei eine Level 2 Überzeugung. Man kann wahre, christliche Gemeinschaft mit jemandem haben, der eine andere Sicht in dieser Frage hat. Level 2 Überzeugungen sind vor allem relevant, geht es darum, Kirchen oder Denominationen zu unterscheiden.

            Eine Meinung ist eine durchdachte theologische Position, die jedoch nicht den Kreis christlicher Gemeinschaft irgendwie beeinflussen sollte. Ich mag der Meinung sein, die Gaben des Geistes, die in der Apostelgeschichte und dem 1. Korintherbrief genannt werden, bestünden weiter oder hätten aufgehört zu existieren. Ich kann stark für meine Sicht argumentieren, ohne eine Person, die mir nicht zustimmt aus der Gemeinde auszuschließen. Was Spekulationen angeht, hängt wenig bis nichts davon ab, ob der Antichrist nun X oder Y ist.

            Eine nützliche Frage, um dogmatische Prioritäten festzustellen lautet: „Was geht verloren, wenn eine bestimmte Überzeugung von unserer Glaubensvorstellungen entfernt wird?“ Was würde zum Beispiel verloren gehen, wenn jemand die Praxis ablehnt, einem Täufling das Kreuzzeichen über der Stirn zu zeichnen? Es ist eine Tatsache, dass viele bibeltreue Traditionen das Kreuzzeichen nicht machen, obwohl es meine eigene tut. Ein zweites Beispiel – was ginge verloren, wenn wir den Glauben, dass Jesus Christus sowohl vollkommen Gott, als auch menschgewordener Sohn ist entfernen. Beim ersten Beispiel würde ich sagen, was verloren geht ist von geringer, dogmatischer Bedeutung. Im zweiten Beispiel aber verlieren wir die Lehre der Trinität, Christologie und des Heils. Das würde den christlichen Glauben wie ich ihn kenne auslöschen. Daher ist die dogmatische Bedeutung immens.

            Der klassische Spruch des lutherischen Theologen Rupertus Meldenius (1582-1651) ist angemessen. Er lebte während des dreißigjährigen Krieges (1618-1648) der zwischen Katholiken und Protestanten geführt wurde. In einer Abhandlung über christliche Einheit, das um 1627 publiziert wurde, argumentiert er: „Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem Liebe.“

            Cole, Graham A. (2020), Faithful Theology: An Introduction, SStST, Wheaton: Crossway

            Liebe Grüße, mit dem festen Versprechen, dass dies für heute wirklich mein letzter Kommentar war!
            Schlotti

          7. Hallo Schlotti,

            auch wenn ich einigermaßen klar dispensationalistisch denke und dafür etwas weniger calvinistisch als Du …: ich finde, dass Du die Dinge sehr gut auf den Punkt bringst.

            Auch die Besipiele entsprechen fast in Gänze meiner Grennziehung zwischen Kategeorie 1+2, Meinung und Spekulation … – Genau so ist es: Zwingende Lehren, als Voraussetzung für Gemeinschaft (z.B. Errettung aus Gnade allein) sowie wichtige Lehren, aber nicht Gemeinschaft verhindernde (Kategorie 2), wie etwa die Taufe. Allerdings wird man selten in einer Gemeinde in solchen Fragen 2 Praktiken / Lehren haben können … Dann das was Du über Meinungen und Spekulationen sagst. Volltreffer.

            Ich arbeite hier im Raum MUC in einem Team von Gemeindeleitern an einem Bekenntnis, das genau diese Differenzierung aufzeigt: Im wichtigen zweiten Teil sind wir bei deinen Kategoerie 1-Themen: „In diesem Abschnitt wollen wir die Basis, auf der wir stehen, konkret bekennen: was wir glauben und wie uns dieser historische (protestantische) Glauben mit der ‘universellen Kirche’ und der Geschichte verbindet.“

            Die Themen in diesem Abschnitt benennen im wesentlichen Kategorie 1-Themen: Bibel, Gott (Christus), Mensch (sein Fall), Heil (Gnade / Glaube). Es sind die fundamentals der protestantischen Kirchen. Im Teil III bringen wir unsere Spezifikas, die uns nicht von (evangelikalen) Christen anderer Prägung trennen.

          8. Lieber Uwe,

            ich denke, daß Sie alle bisherigen konservativ-evangelikalen Bekenntnisse, die sich wohl kaum essenziell widersprechen dürften und auch so wahr sind wie dann Ihres, bei der Formulierung Ihres weiteren Vor-Ort-Bekenntnisses mit einer kleineren Gruppe formulieren werden, auch studieren und beachtet werden. Ich bin mir im Klaren darüber, daß es sich dabei sicher um viele, viele tausende Seiten bedrucktes Papier allein in deutscher Sprache handelt

            Aber das neue Bekenntnis soll sicher neben der lokalen Verwendung gleichzeitig auch ebenfalls grundsätzlich gelten.

            Ich habe meine eher fragenden Gedanken dazu hier im Blog an anderer Stelle mal nachdenklich zusammengetragen:

            http://biblipedia.de/2018/06/26/koennen-wir-nur-metaphorisch-ueber-gott-reden-analyse-und-entgegnung-zur-metaphorischen-theologie-von-dietz/#comment-33998

            Grüßle.

          9. Sorry, war noch nicht ausgeschlafen…..

            Der erste Satz vielleicht etwas verständlicher….

            „ich denke, daß Sie bisherige konservativ-evangelikale Bekenntnisse, Erklärungen, Grundsätze usw. (die sich wohl kaum essenziell widersprechen dürften und alle genau so wahr sind wie dann Ihres sein soll), bei der Formulierung Ihres zusätzlich erforderlichen Vor-Ort-Bekenntnisses mit in Betracht ziehen wollen und werden.“

          10. @Jazzico

            Das Erarbeiten eines gemeinsamen Bekenntnisses hört sich zunächst an wie „ich produziere aus vorhanden Papieren noch mehr Papiere“, die dann auch wieder niemand liest.

            Ich sehe das in diesem Fall durchaus anders. Ja, es gibt viele Bekenntnisse, es gibt Katechismen, und allen gemeinsam ist, dass damit oftmals leider nicht gearbeitet wird.

            Wir sind vor ein paar Jahren im Hauskreis durch den Heidelberger Katechismus gegangen. Die Arbeit war insofern spannend, als dass die Glaubenssätze dort mit Bibelstellen hinterlegt sind. Es ist direkt nachvollziehbar, auf welchen Grundlagen welche Aussage zustande kommt. Es ist nicht so, dass wir hinterher gesagt haben, wir sehen alles so wie die Verfasser vor knapp 500 Jahren, aber in der Hauskreisgruppe gab es so manches Aha-Erlebnis: „so habe ich das ja noch gar nicht gesehen.“ Einigen Mitglieder wurde dann klar, warum die ein oder andere Sache von den Geschwistern so nachdrücklich vertreten worden ist. Und dann sind wir mal durch das Thema Trinität gegangen – von vielen wird die ja akzeptiert, wei die Altvorderen den Begriff immer wieder verwenden, aber die allerwenigsten haben bislang den Versuch unternommen, diese Lehraussage nachzuvollziehen.
            Wir hätten hinterher durchaus ein gemeinsames Bekenntnis schreiben können, das in weiten Teilen dem Heidelberger Katechismus geähnelt hätte, aber auch Unterschiede zu diesem aufgezeigt hätte, weil wir andere Bibelstellen als „vorrangig“ sehen.

            Ein gemeinsames Bekenntnis ist also eine durchaus zusammenbindende Maßnahme, die spätere Streitereien, insbesondere über nicht ganz so wichtige Dinge, verhindert. Und als Mitarbeiter daran ist man zu intensivem Bibelstudium gezwungen – der eigene Standpunkt wird korrigiert oder gefestigt, man wird bei überraschend gestellten Fragen zum Thema argumentationsfähiger.

            Beispiel Taufe: der Heidelberger Katechismus spricht sich mit biblischen Belegstellen für die Kindertaufe aus. Nach unserer Arbeit sind wir, aufgrund weiterer Bibelstellen, gemeinsam dabei geblieben, dass wir die Erwachsenentaufe mit einer bewußten Entscheidung des Getauften für richtig halten. Innerhalb der Gruppe werden wir uns nie wieder darüber unterhalten müssen, was wir für korrekt hinsichtlich der Taufe halten, wir haben damit ein „kleines Dogma“ neben vielen anderen, von dem aus wir beim weiteren Bibelstudium ausgehen. Oder anders ausgedrückt: wir können, durch ein paar von uns (nach-)erarbeitete und akzeptierte Dogmen in der Erkenntnis weiter vorankommen, ohne regelmäßig drei Schritte zurückgehen zu müssen.

            Es gibt, für mich, einen netten Seiteneffekt: einen Großteil meines Dienstes leiste ich in der Landeskirche ab, und klar, damit bin ich auch bei Kindestaufen (und manchmal auch Erwachsenentaufen) dabei. Das hat mich anfangs etwas belastet. Dann kamen aber zwei interessante Sätze, während der Taufe: Eltern und Paten wurden vom Pfarrer in die Pflicht genommen, für eine christliche Erziehung Sorge zu tragen, die Taufe des Kindes wird zu einer Pflicht der Erwachsenen. Und dann später, bei einer Konfirmation: die Konfirmanden mußten quasi ihr Taufbekenntnis erneuern.
            Damit ist das landeskirchliche Verständnis bezüglich der Taufe nicht nur ein folkloristisches Verständnis, sondern: „Ich bin getauft, ich gehöre zu Jesus, und in einem religionsmündigem Alter bekräftige ich das nochmals öffentlich.“

            Das ist ein Umgang mit der Kindertaufe, den ich gut tolerieren kann, auch wenn ich die Erwachsenentaufe immer noch für den biblisch konformeren Weg halte.

            Von daher: Papierarbeit ist manchmal wichtig, und sei es nur für einen selbst. Und wenn andere davon partizipieren können: warum nicht die Ergebnisse veröffentlichen, oder sogar von den Lesern hinterher sinnvolle Korrekturen erfahren?

  3. Zum Artikel:

    Ist Ihre Empörung allein etwas Konstruktives? Ist Ihre Empörung und Anklage hier nicht letztlich eine Anklage in Form verkappter Lügen?

    Nur ein Beispiel:

    „Mette kritisiert, dass Worthaus-Predigten „kritisiert werden“, übergeht aber, dass die Worthaus-Prediger oft selbst sehr heftig austeilen, mit polemischem Ton gegenüber anderen Christen.“

    Ich verlange dafür hier schriftliche NACHWEISE als verifizierbare Zitate aus Worthausvorträgen!

    Andernfalls gilt ein Vorbehalt wegen Verleumdung für rechtliches Vorgehen gegen Sie auf Ihre Kosten und Gefahr!

    Das schreibt hier ein Autor, der selbst höchstwahrscheinlich selbst keinen Worthausbeitrag gehört hat?

    Negative Gerüchte sind direkt vom Teufel!

    Sprechen Sie hier endlich mal davon, was Sie besser oder viel besser machen!

    Ihre fundamentalistischen Prediger sind in der sogenannten liberalen EKD willkommen, auch als Pfarrer. Sie dürfen sogar gegen diese Kirche als Mitglieder polemisieren und stänkern. Die EKD hält das aus.

    Wo ist auch nur ein „liberaler“ Pfarrer als Prediger in einer fundamentalistisch-konservativen evangelikalen Gemeinschaft tätig? Da schieben Sie den Riegel der Ausgrenzung davor.

    Schämen Sie sich!!!

    Sie werden wie immer schweigen. Sie werfen Ihren Müll vor die Haustür Anderer und ziehen dann zur nächsten Verurteilung weiter.

    Vielleicht antworten Sie ja doch?

    Würde mich sehr freuen….

    1. Sorry, aber das ist (wieder mal) Unsinn: Das Zitat stammt aus Thomas Schirrmacher’s Text: dort lautet es in der Ausgabe von Glaube und Denken (Seite 13):

      „Zum Internetportal WORTHAUS (S.74–75) kritisierst Du, dass die dort versammelten Prediger von anderen kriti-siert werden. Fakt ist doch aber, was Du nicht sagst, dass die Prediger dieser Pre-digten selbst sehr heftig austeilen. Mann, haben die teilweise ein Sendungsbewusst-sein! Und das leider in einem sehr polemi-schen und wenig freundlichen Ton an-dersdenkenden Christen gegenüber! Sie wollen andere Christen zu ihrer Sicht ‚be-kehren‘, nicht ein gediegenes Gespräch anstoßen. Wie man in den Wald hinein­ruft, so schallt es heraus. Es geht um Predi-ger, die mit Kritik an anderen Christen, vor allem denen, die Du ebenfalls heftig kritisierst, beileibe nicht sparen. Entwe-der kritisierst Du bei dem Schlagabtausch beide Seiten oder keine.“

      Das haben wir ziemlich wörtlich in unserer Zusammenfassung wiedergegeben. Und nein, es ist keine ‚Empörung‘, sondern eine polemische Kritik, die hilfreich ist, um Fehlentwicklungen unter ‚Jesus-Leuten‘ aufzuzeigen.

    2. „Ich verlange dafür hier schriftliche NACHWEISE als verifizierbare Zitate aus Worthausvorträgen!“
      Selber suchen bildet. Das Internet ist voller Nachweise zu der Angelegenheit. Das Thema ist nun absolut nicht neu, hier wird lediglich der aktuelle Stand reflektiert.

      „Andernfalls gilt ein Vorbehalt wegen Verleumdung für rechtliches Vorgehen gegen Sie auf Ihre Kosten und Gefahr!“
      Und was sagt 1. Kor 6,1-8 über das vor ein weltliches Gericht gehen?
      Und dann im nächsten Beitrag so ein Satz:
      „Ich bedauere sehr emotional den Untergang der multigespaltenen konservativ Evangelikalen sehr. Sind sie doch meine Geschwister.“

      Also Geschwister oder doch jemand, der aus der eigenen Sicht nicht Bruder ist, den man daher vor Gericht ziehen kann?

      Der Herr J. schreibt heute widersprüchlich und wirr. Einfach mal die Emotionen abschalten (die kommen überwiegend aus dem Fleische), ruhig durchatmen, die Hände einige Stunden von der Tastatur lassen, und Gott um mehr Licht bitten.

        1. Das Thema schwelt seit Monaten durch die einschlägigen Medien. Als „Neueinsteiger“ im Thema täte man gut daran, sich erst einmal in die Geschichte des Schlagabtausches einzulesen. Die Forderung nach „Beweisen“ zeigt lediglich, dass man sich damit noch nicht befasst hat und anscheinend auch nicht befassen möchte.

          1. Stephan, haben Sie selbst oder irgendein Anderer hier Mettes Buch und die ganze Rezension Schirrmachers bereits jeweils vollständig gelesen?

            Wetten: Keiner!

            Ein hiesiges Zitat:

            Mette fordert Einigkeit, und sagt gleichzeitig: „Wer mich öffentlich als ’nicht mehr bibeltreu‘ bezeichnet, ist nicht mein Bruder / Schwester“.

            Das Zitat Mettes lautet vollständig und damit als ein sehr zugewandtes Angebot:

            „Wer mich öffentlich als ‚nicht mehr bibeltreu‘ bezeichnet, ohne mit mir das persönliche Gespräch gesucht zu haben, ist nicht mein Bruder/Schwester.“

            Mette wünscht sich richtiger Weise ein klärendes Gespräch miteinander, um Mißverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen.

            Ohne Zweifel ist Mettes Buch ein kritisches Buch. Aber auch ein sehr selbstkritisches und zugewandtes Buch.

            Es hätte die Basis sein können für Gespräche auf Augenhöhe.

            Der oben von Herrn Brinkmann 1. Februar 2020 um 21:26 Uhr genannte Kommentar mit einem Zitat Mettes auf Schirmachers Facebookseite unterstreicht das. Mette bleibt sich als Gentleman treu.

            Kein einziger der hier genannten öffentlich gegen Mette shitstormschreibenden Gelehrten hat das respektvoll gewürdigt.

            Mette hat sogar mehrfach versucht, kurz NACH Schirrmachers veröffentlichter Rezension Kontakt zu ihm herzustellen.

            Ohne Erfolg.

          2. Schirrmachers Rezension habe ich komplett gelesen – auch wenn ich definitiv kein Schirrmacher-„Fan“ bin, es gibt durchaus Dinge in seinem Wirken, die ich nicht mitgehen würde. Mettes Buch habe ich nicht gelesen – es gibt durchaus Autoren, deren Ergüsse ich nicht noch durch den Kauf eines Buches honorieren werde, oder für die ich meine Lesezeit opfere. Die Rezensionen, die vor Schirrmachers Replik existierten, reichten mir schon.

            Mette hat ein Buch geschrieben, und hat Dinge dabei geäußert, die – mal nett formuliert – „kritikwürdig“ sind, und das sind nicht bloß mißverstehbare Formulierungsschwächen. Sein Buch ist öffentlich. Damit muss er auch mit einer öffentlichen, schriftlichen Reaktion und Kritik rechnen. Die ist nun durch Schirrmacher erfolgt, und durch andere weiter publik gemacht worden – die meisten Akteure scheinen Schirrmachers Kritik zu teilen.

            Auch ein Luther hat sich schriftlich an die Öffentlichkeit gerichtet und falsche Lehren der katholischen Kirche angeprangert, oder später auch wechselweise Bücher mit Erasmus von Rotterdam geschrieben – einig geworden sind sich die beiden nicht. Der Vorteil für uns ist nun, dass wir „mitlesen“ und mitlernen können – Streit und Konkurrenz bringen weitere Erkenntnisse oder Einsichten, wo man falsch liegt. Das Buch von Mette einfach nur so stehen lassen und dann in einem persönlichen Brief oder in einer Vier-Augen-Runde die Probleme anzusprechen ist der falsche Weg, wäre sogar unverantwortlich gegenüber der Öffentlichkeit.
            Schirrmacher hat von Gott eine Position bekommen, in der er von Christen gehört wird – und das bringt ihn in die Verantwortung vor Gott für diejenigen, die mangels Einsicht den Aussagen aus dem Mette-Buch folgen würden, würde dem nicht ein Korrektiv entgegen gesetzt.

            Zur Kontaktaufnahme, die spätestens am 28.1. erfolgreich war, siehe: https://www.thomasschirrmacher.info/artikel/ein-offener-brief-an-juergen-mette-zu-seinem-buch-die-evangelikalen/

            Ein Gespräch wird es vielleicht geben, und hoffentlich wird das Ergebnis öffentlich. Da allerdings klar ist, aus welcher Richtung Mette diskutiert (seine Haltung zur Chikago-Erklärung ist da ja schon selbstsprechend), erwarte ich als Ergebnis eines solchen Gespräches kein gegenseitiges Heranrücken, sondern ein Verdeutlichen der jeweils eingenommenen Positionen.

          3. Hallo Stephan,

            entspricht 100% meiner Auffassung, inkl. „Schirrmachers Rezension habe ich komplett gelesen – auch wenn ich definitiv kein Schirrmacher-„Fan“ bin, es gibt durchaus Dinge in seinem Wirken, die ich nicht mitgehen würde.“

            Matthäus 18 ist völlig deplatziert: wer öffentlich die Gruppe von Christen kritisiert, die im weiteren Sinne die Rente finanziert (hat), der muss auch öffentliche Kritik hinzunehmen … – Man muss Thomas Schirrmacher dankbar sein für den klaren Text.

            Gute Nacht

          4. Ich gebe folgendes zu Bedenken:

            Schirrmacher gibt sich in der Rezension in sehr weiten Teilen, fast durchgängig, als Jürgen Mettes Psychoanalytiker.
            Und das nach meinem Gefühl sarkastisch überhebend und verhöhnend.

            UND das wiederum hinter dem Rücken des Betroffenen und noch dazu in aller Öffentlichkeit.

            Traurig, traurig…

            Jeder kleine Pfleger oder Seelsorger oder Therapeut mit einem ähnlichen Verhalten würde fristlos entlassen wegen mangelndem Einfühlunsvermögen und daraus resultierender öffentlich vor-gelebter Verantwortungslosigkeit und Untreue.

            Ich bewundere dazu den bisherigen zurückhaltenden und weiter zugewandten großherzigen Stil von Jürgen Mette.

            Segnende Grüße an alle meine Geschwister incl. Herrn Schirrmacher.

  4. Willkommen als Gestalter meiner Albträume!

    1. haben Sie meine Fragen nicht beantwortet, sondern polemisieren nebulös weiter.
    2. tun Sie das, was Sie immer tun: Überheblich Gegenkritisieren und Verurteilen.

    Wissen Sie nicht, dass Liebe ein zugewandtes und verständnisvolles Einfühlen ist?

    Ich bedauere sehr emotional den Untergang der multigespaltenen konservativ Evangelikalen sehr. Sind sie doch meine Geschwister.

    1. Lesen Sie doch nochmal ihren Kommentar: was soll man damit anfangen?

      Thomas Schirrmacher kritisiert Jürgen Mettes Kritik (sein Buch) und seine im Buch vorgenommene Verteidigung der WORTHAUS-Theologen gegen Kritik, mit dem Verweis, dass die doch auch kräftig austeilen …

      Das ist in unserem kleinen Artikel sinngemäß und zusammenfassend erwähnt.
      Für mich endet die Diskussion hier.

  5. Der Herr Mette braucht sich nicht zu beklagen, hat er doch die öffentliche Diskussion durch sein Buch veranlasst. Ich habe die Kritik von Schirrmacher zu rund 90 % gelesen. Er zitiert ja haufenweise aus dem Buch von Mette, sei es direkt oder indirekt. Herr Mette kann austeilen, aber nicht einstecken. So ein Verhalten ist auch unter Christen oder solchen, die welche sein wollen, nichts Neues. Zudem: Die glaubenszersetzende Wirkung von „Worthaus“, ist bekannt.

  6. Die frage stellt sich doch: Warum brauchen wir eigentlich solche „mettigen“ Bücher oder auch andere, die nichts oder wenige zum Glauben beitragen und nur dem Schreiber Geld einbringen? Gibt es da nicht ausser der Bibel natürlich bessere Schriften, was Glaubensdinge angeht, die auch Niveau haben. Ich denke schon, es gibt genügend von alten Autoren, die modernen Autoren bringen ohnehin meist nichts Rechtes zustande wie hier nun auch wieder, Das Geld für solche Bücher kann man sich sparen und zum Hintern putzen ist das Papier auch zu teuer und zu hart.

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