Wozu ein Grab bewachen?

Es war eines der hoffnungslosesten Unterfangen aber sie waren nun dafür abgestellt, das Grab eines soeben verstorbenen Hingerichteten zu bewachen, nach orientalischer Art mit einer runden Steinplatte verschlossen. Es ging darum, dass die Anhänger den verstorbenen Jesus aus dem Grab befreien könnten und nachher behaupten würden, er wäre von den Toten auferstanden, wie er ja bereits zu seinen Lebzeiten angekündigt hatte.
Deswegen dieser Dienst: Tag und Nacht einen Stein bewachen mit mehreren Kollegen in Schichten. Nun hat man als Soldat so einiges gesehen und erlebt, wie Menschen geopfert und wegen geringen Vergehen dem Tod preisgegeben werden. Sterben ist sozusagen das tägliche Geschäft eines Soldaten. So gesehen ist es ein vergleichsweise ruhiger Job, ein Grab zu bewachen. Am Grab zu stehen, am Grab auf und ab zu gehen und Ausschau zu halten ob sich vielleicht irgend ein Unbefugter nähert. Es gibt schlimmere Jobs und dennoch mutet es ein wenig seltsam an, ein Grab zu bewachen, bitteschön, man bewacht hoch stehende Persönlichkeiten, pikante Gäste, die das Land unbehelligt durchreisen können sollen, dass sie nicht von irgendeinem Gesocks überfallen werden – einen Grabstein bewachen, na gut, wenn’s weiter nichts ist…

ein Grab bewachen

Der Hauptjob ist also, die Langeweile zu vertreiben, hier wurde einer begraben, der von sich behauptet hatte, ohne Sünde zu sein. Er hatte doch tatsächlich gesagt: „Wer von euch kann mich einer Sünde beschuldigen?“ (hier) Mit solchen Sätzen stirbt man umso schneller in einem Land, wo keiner dem anderen etwas gönnt, und die Oberen auf die Unteren einhacken wie die Hyänen. “Sein Blut komme über uns“ (hier) hatten sie gebrüllt, kopfschüttel, vor dem Grab ein Schritt hin, ein Schritt her, sich hinsetzen, aufstehen, sich gegen die Kälte der einsetzenden Nacht bewegen, die Muskeln geschmeidig halten, durchhalten bis zum Wachwechsel. Dann kommt der Kollege dran, der seinen Dienst akribisch, absolut akribisch erfüllt!

wozu ein Grab bewachen

Es braucht Akribie bei der Bewachung eines Grabsteins! Es geht darum, dass alles einfach so bleibt wie es ist! Das ist der Staus quo, das bedeutet Sicherheit! Zumindest ist dies der Auftrag eines Soldaten, diese Ordnung aufrecht zu erhalten. Hier kommt kein Unrechtmäßiger rein, geschweige denn, dass sich hier jemand nähern könnte, der sich nicht legitimieren kann.

Es gibt schon seltsame Jobs, aber wenn es sein muss, bewacht man auch einen Stall Hühner oder einen Galgen oder eben jetzt ein Grab. Warum muss es denn sein? Es ging darum, dass die Jesus-Enthusiasten vielleicht kommen würden und nachts den Stein beiseite rollen und den Leichnam Jesu herausklauen und dann behaupten würden, er sei auferstanden, darum ging es. Um das zu verhindern, dass das Volk mit fake news zugetextet wird, „deswegen schiebe ich hier die Wache“ sagte sich der gesetzestreue Vollstrecker.

Der Helm drückte im Genick, wahrscheinlich hatten sie Panik davor, dass die Jesus- Geschichte weiterginge, das ganze Volk war ihm nachgelaufen und er hatte die geistlichen Führer ziemlich hart angegriffen. „Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ – deswegen waren sie so unversöhnlich, hundert Prozent darauf geeicht, dass er sterben musste. Sogar der Hohepriester hatte prophezeit: „Es ist besser ein Mensch stirbt, als dass das ganze Volk umkommt.“ (hier)

Man kann sein Grab drei Tage lang bewachen aber sicher nicht Monate oder Jahre lang. Es ging um den dritten Tag, am dritten Tag würde er auferstehen – so hatte er gesagt. Seine Jünger würden kommen und ihn stehlen – so hatten sie gedacht, deswegen ging man auf und ab und hielt Ausschau, dass sich keiner herumtreibt beim Grab von Jesus außer eben wir hier.

Wir machen unseren Job

Wir machen unseren Job. Die Nächte sind kalt, man macht ein Feuer um sich ein bisschen zu wärmen und hält Ausschau nach niemand, man bewacht ja ein Grab, jetzt schon am zweiten Tag. Natürlich kommt keiner, wer wollte es wagen, sich uns zu nähern außer ab und zu irgend ein Tier, das durch die Dunkelheit huscht.

Dann wieder Schichtwechsel, Übergabe, das Abschreiten, nach Hause aufs Lager, am nächsten Tag wieder Schicht, ein Grab bewachen, mal ehrlich – hatte jemals ein Mensch auf dem Erdball solch einen Job, ein Grab zu bewachen, weil – „irgend jemand könnte kommen und ihn stehlen und dann behaupten, dass er lebt?“ (hier)

Aber es kam keiner, es waren nur die verqueren Gedanken dieser Pharisäer, deswegen mussten wir hier Wache schieben zusammen mit Kollegen. Steinwache, Nachtwache, Grabwache. Es gibt nichts ruhigeres, toteres als ein Grab. Ein Grab ist unbeweglich, ein Stück Vergangenheit, Erinnerung ans Leben, Totengebeine, Knochen, Reste, Erinnerungen, unerfüllte Wünsche, Träume, viel zu kurze Leben, die ihr Leben gaben. Ich soll das hier bewachen!

Der Stein war versiegelt, ich bin hier und er ist dort.
„Hörst du mich, ich bin es, der war und der ist und der kommen wird. Und ich ändere mich nicht.“
Wir wurden geblendet und fielen wie tot zu Boden und als wir wieder zu uns kamen war das Grab leer, der Grabstein war zur Seite gewälzt und es war keiner mehr drin. Meine Herrschaften, es war komplett unnatürlich, es waren nicht seine Jünger, die Erde bebte, das Grab war leer, wir wissen nicht was passiert ist. Wir stürzten zu Boden, waren ohnmächtig und der Stein war auf die Seite gewälzt als wir wieder zu uns kamen, wir sagen es ihnen wie es ist.
Sie waren die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu Christi von den Toten und sie nahmen Geld – viel Geld — damit sie ihre Geschichte änderten, dass sie die Geschichte etwas anders erzählten zum Beispiel so: Seine Jünger kamen bei Nacht, wir waren etwas müde, sie haben den Leichnam gestohlen. Es ist dumm, was uns da passiert ist, aber so etwas kommt vor, wir waren eingeschlafen, wir hatten nicht aufgepasst. — (hier) Sie hatten viel Geld genommen für diese fake news, sie waren die ersten Zeugen der Auferstehung aber sie logen lieber ihre Lügengeschichte, die hält sich bis heute.

weiter zu — Nikodemus kam zu Jesus mit seiner Nacht

Dieser Blog-Beitrag von Rolf Oetinger erschien zuerst auf jesus-blog.de . Lies hier den Original-Artikel "Wozu ein Grab bewachen?".

Über Rolf Oetinger

Knapp unter 60 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder. Emigrierter Schwabe, der eine Hessin geheiratet hat und hauptsächlich im Bereich Haushaltsauflösungen inklusive Verwertung als Selbständiger arbeitet. Christ seit 1986, was für alle Beteiligten das deutlich Bessere ist.

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